Sookie hat Haushalt – ein Tag im Leben einer Autorin!


Liebe Gemeinde, Freunde und Feinde, nachdem wir in der letzten Zeit so furchtbar viele Probleme gewälzt haben, machen wir heute mal was langweiliges. Wir erleben einen Tag im Leben einer Schriftstellerin!

Heute ist ein guter Tag zum Sterben! Arschbommmmmbe! Ja, meine Lieben, ihr seht, Sookie ist in Fahrt, weil – heute ist ein: Tag. Ihr kennt das vielleicht. Diese Dinger, die morgens schon anfangen, mittags eskalieren und gegen Abend endlich überwunden werden. Und dann, ahhh, dann kommt sie endlich. Die Nacht. Meine Zeit. Wo ich mit meinen unsichtbaren Freunden allein bin und Bücher schreibe. Aber vorher, vorher, muss selbst ich selbst den Nihilismus noch verneinende olle Knötterkröte dieses Ding überstehen. Tag. Und weil ich das loswerden muss, nerve ich euch heute mit dem Aufsatz:

»Sookie hat Haushalt!«

Also. Meistens fängt es ja ganz harmlos an. Mit dem telefonischen Weckruf eines verzweifelten Callcenter-Agenten, der ganz dringend einen Abschluss braucht. Also, ihr müsst euch das so vorstellen. Ich bin irgendwann morgens gegen acht oder neun auf die Matratze in meinem Arbeitszimmer gefallen und liege gerade so mit mindestens drei flauschigen Samtkissen aus dem schwedischen Möbelhaus im Arm auf dem Rücken und schnarche wie ein dekadenter Römer, der die ganze Nacht gebechert hat. Oder, um es mit Gottfried Keller zu sagen: »Wie ein Ratz!«

In der einen Hand habe ich wahrscheinlich noch die Fliegenklatsche, weil ich mal wieder bei der Mückenjagd eingeschlafen bin. Ich hab mir in dem Oma-Edeka umme Ecke diese formschöne und garantiert niemals grundwasserneutral verrottende Klatsche geleistet, weil ich mir immer vorkam wie King Kong auf dem Empire State Building, wenn ich Mücken mit der Hand jage wie King Kong Flugzeuge. Und das Kreischen der imaginären weißen Frau ging mir immer so extrem auf die Nerven, dass ich dachte, ich muss die Vision loswerden. Dann hab ich mal recherchiert, wie schnell Mücken eigentlich fliegen können, dass die Biester mir immer entwischen.

Als Vergleichswert hatte ich noch das Ergebnis einer jüngst erfolgten Recherche im Kopf, und ein Samenerguss bringt es auf 18 Kilometer pro Stunde. Wobei ich mich gefragt habe: Wie messen die das? Der fliegt doch keine Stunde! Hallo? Geht dann da einer mit dem Maßband hinterher und ruft nach einer Stunde vom anderen Ende des Ackers: »18 Kilometer!«? Und wer erklärt sich bereit, das … ja, Sookie, jetzt such mal schön das Wort in deinem Gehirn … das Ejakulaaat … ich mein, einer muss das ja losschießen, oder?

Jedenfalls dachte ich noch total überlegen: »Pah! Da bin ich ja mit dem Fahrrad schneller!« Und dann lese ich, dass Mücken ganze zwei Stundenkilometer schaffen, zwei! Ja, gut, ich bin jetzt in meinem Zimmer auch selten mit dem Fahrrad unterwegs, aber …

Und deswegen hab ich jetzt diese Klatsche. In Che-Guevara-Rot, sehr hübsch. Die Mücken interessiert aber überhaupt nicht, dass ich bewaffnet bin, die zerstechen mich trotzdem. Scheiß Arschlochmücken.

Was wollte ich jetzt sagen? Hab’s vergessen. Auf der anderen Seite steht mein braver Laptop und liest mir ein Hörbuch vor, im Moment meistens Stanislaw Lem. Ja, ich weiß, das ist Männerkram, aber ich schlaf ja sowieso. Nur nicht, wenn mir keiner was vorliest. Dann kann ich nicht. Und dann klingelt diese Zumutung called »Festnetztelefon«. Ich hasse das Teil. Ich spreche nicht mit Menschen. Schon gar nicht mit Menschen, die ich nicht sehen kann. Der Callcenter-Agent kann mich auch nicht sehen.

Was aber auch ganz gut ist, wie mir ein kurzer Blick auf Sookie herself beweist. An meinem linken Fuß steckt tatsächlich noch eine Socke. Wie hab ich das denn geschafft? Ich kann mit Socken nicht einschlafen, ich bin Künstler! Meine Socke ist aber jetzt total unmodern und außerdem saisonalen Schwankungen unterworfen, denn sie ist weihnachtsrot und Elche gehen darauf spazieren. Das mottenlöchrige »Arschloch-Cafe«-T-Shirt, das da wie ein Schwarm Glühwürmchen meinen ehemals geschmeidigen Luxuskörper brautumjunfert, sieht aus, als wäre ich mal wieder auf einem Stück Fokolade eingeschlafen.

Ich bin also dankbar, dass ich für den Special Agent unsichtbar bin und krächze ins Telefon: »Hell?«
Er: »Guten Tag, Firma Arschkrampe! Spreche ich mit Frau Hell?«
Ich: »Nee, Dunkel, hab ich doch gerade gesagt!«
Er: »Mit wem spreche ich denn bitte?«
Ich: »Äh, Sookie. Sookie ›fucking‹ Hell! Wissen Sie, eigentlich bin ich noch gar nicht verheiratet, aber das Facebook-Orakel hat mir prophezeit, dass ich in drei Monaten fällig bin! Erst war ich entsetzt, aber als ich drüber nachgedacht habe, dass ich ja einen Herrn Fucking treffen könnte, fand ich den Gedanken an einen Doppelnamen dann doch arschcool. Ich hätte aber gerne dann noch einen zweiten Mann, damit ich ›Fucking-Hell-Yeah‹ heiße, das ›Yeah‹ am Ende stelle ich mir irgendwie ziemlich geil vor, aber ich glaub, der Gesetzgeber ist noch gar nicht so weit, oder? Was denken Sie?«
Er: »Ich möchte Sie darüber informieren, dass Sie beim Strom zu viel bezahlen!«
Ich: »Also, beim Strom schon mal gar nicht! Für den Strom vielleicht, aber ›beim‹ Strom würde bedeuten, dass ich mich neben einem Strom befinde, während ich latze, und dann muss man ja auch noch bedenken, dass Strom ein Teekesselchen … «
Er: »Frau Hell, ich mache Ihnen einen Vorschlag! Sie holen jetzt Ihre Stromrechnung, und dann gehen wir zusammen … «
Ich: »Tschuldigung, wenn ich Sie unterbreche, könnten Sie mir vielleicht eben verraten, woher Sie meine private Geheimnummer haben?«
Er: »Haben Sie die Rechnung da? Dann gehen wir die einzelnen Posten einfach zusammen durch.«
Ich: »Ich geh mit Ihnen zusammen durch, alles klar! Hallo? Ich hatte Genies, Revolutionäre, Zeitreisende und langhaarige Schlagzeuger, ich geh doch nicht mit einem Callcenter-Fuzzi durch! Na, warten Sie mal, wenn ich erst mal den Herrn Fucking kennengelernt habe, dann wird der Ihnen aber was erzählen!«
Er: »Frau Hell, ich möchte Ihnen beweisen, dass Sie beim Strom definitiv zu viel bezahlen!«
Ich: »Am Strom.«
Er: »Sie bezahlen am Strom zu viel, Frau … *raschel* Hell. Die Firma Arschkrampe … «
Ich: »Sagen Sie mal, ist so ein Cold Call eigentlich verboten oder ist das unerlaubt?«
Er: »Frau Hell, Sie möchten doch sicher auch sparen und sich mal den einen oder anderen Wunsch erfüllen! Darf ich denn fragen, was Sie beruflich machen?«
Ich: »Das geht Sie zwar nix an, aber ich bin ein spülmaschinenfester Storyteller, ich werde dafür bezahlt, dass ich Leuten Geschichten erzähle. Aber für Sie mach ich das umsonst. Aus Liebe.«
Er: »Äh, Frau … Sie wollen sich doch sicher auch mal was gönnen und … «
Ich: »Entweder, Sie legen jetzt auf oder ich, aber irgendwie haben Sie nicht verstanden, dass Sie in Ihrer Schulung nicht gut genug aufgepasst haben, um mich zu knacken, oder?«
Er: »Nun, Frau Hell, wenn wir Ihre Rechnung zusammen durchgehen … «
Ich: »Nein.«
Er: »Frau Hell, wie viel bezahlen Sie denn jährlich?«
Ich: »Nein.«
Er: »Frau Hell, Sie werfen Geld zum Fenster raus!«
Ich: »Jetzt pass mal auf, Kollege, hab ich gesagt ›Armeslänge Abstand‹? Ich hab gesagt: Nein!«
Er: »Frau Hell, Sie sind dumm, wenn Sie nicht … «
Ich: »Aus meinem letzten Highscore beim IQ-Test können Sie noch nicht mal die Quersumme errechnen, aber ich kann Ihnen auch gerne das Wort Nein einfach mal buchstabieren. Haben Sie was zu schreiben?«
Er: »Frau Hell, was zahlen Sie denn für die Kilowattstunde?«
Ich: »Herr Dings, wie viel Kilowatt pro Stunde muss ich Ihnen denn um die Ohren ballern, bis Sie aufgeben! Nein! Das ist doch gar nicht so schwierig! Einfach nein!«
Er: »Aber Frau Hell, Sie bezahlen zu viel, verstehen Sie das?«
Ich: »No, No, No … unglaublich geschmeidiger Song, Dawn Penn, kennen Sie den? No, No, No … könnte ich den ganzen Tag singen! Da kann man auch super swaggy zu auf Norwegersocken über Laminat rutsch … «
Tut … tut … tut …

Ah, diese Ruhe, wenn keiner meine geheime Geheimnummer anruft … Schon cool, wenn sie zuerst auflegen. Erstmal entspannt die Hände in den Nacken legen und sinnierend an die Decke starren. Gleich lecker Kaffee kochen und dann 270 Romanseiten querlesen, dann kann ich die nachts überarbeiten.

Ploff.

Oh, nee! Das Geräusch kenn ich. Komisch, oder? Dass man sofort hört, wenn eine Zecke vom Kater abfällt? Dabei hatte ich gestern Abend noch mit ihm Flughafen gespielt und ihn durchsucht, da war keine Zecke! Und jetzt: Ploff! Eine Zecke, so groß wie eine Kokosnuss! Fällt da einfach ab. Und er läuft erst noch ein Stück weiter, dann dreht er sich neugierig um und guckt, was da für eine güldene Kugel übers Laminat rollt! Königstochter, Jüngste! Tu ma’ die goldene Kugel vom Boden wech!

Fitzwilliam schnuppert mit milden Desinteresse an der voll aufgepumpten Zecke, die hilflos mit ihren acht Armen rudert. Dann guckt er mich fragend an. Dabei lässt er manchmal einen winzigen Zipfel von dieser borstigen rosa Zunge raushängen, was seine naturgegebene Intelligenz weniger sichtbar erscheinen lässt, der kleine Underachiever. Ich frage: »Na, toll. Wer macht das Vieh jetzt weg?«

Fitz schlendert zu mir rüber und reibt sich an meinem Bein. Das heißt: »Immer die Sau, die grunzt.«
Okay, Zeit für meine Aretha-Nummer. Ich springe also dynamisch aus dem Bett und tanze den scheiß Kater voll heiß an. »What you want, Baby, I got it, what you need, you know, I got it, all I’m asking is for a little respect!« Gleich kommt meine Lieblingsstelle. »Arrrr-i-sss-pi-i-ci … «

Iiiih, der verdammte Kater schießt beim Tanzen die Zecke unters Sofa! Hallo? Das ist Iwan, mein Divan, der ist zum Rumfläzen da, nicht zum … Scheiße. Auf die Knie, na super. Zeit, das Gretchen zu zitieren, mit dem Kopf unterm Sofa. »Es ist so schwül und dumpfig hie!« … und da ist ja der Schuh, den ich nach dem Nachbarkater geschossen hatte, als der sich mal wieder rein geschlichen hatte! Cool, ich hab einen Schuh! Ich könnte das Haus verlassen!

Die Zecke guckt mich an und sagt teilnahmslos: »Ich hab die Rekapitulation der Phylogenese durch die Ontogenese durchlaufen oder irgendwie anders.«
Ich nicke verständnisvoll. »Und jetzt ist dir schlecht.«
Die Zecke rülpst. Okay, das reicht, um meine Tötungshemmung abzubauen. »Fitz, hol mal Klopapier!«
Der verdammte Kater schmeißt sich nur mit Schmackes schmiegend an mich ran und macht nur dieses Geräusch, das im »Ulysses« mit »prrrrrt!« beschrieben wird. Ich kann ja doch nicht anders, ich halte ihm die Nase hin, also meine, nicht seine, und frag ihn: »Na, Digger, hast du wieder stream of consciousness?«

Fitzwilliam rempelt mir ins Gesicht und macht dieses kehlige Geräusch hinten im Rachen. Katzenhalter kennen das Geräusch. Es heißt: »Du hast einen Daumen.« Und das heißt: »Mach die Dose auf!«

Also im Zeitraffer in die Küche, unter die Dusche, zurück, Kaffeefilter in meinen turbo-umweltfreundlichen Omma-Bohnenkaffeefilter gesteckt und Mist! Bananen, Äpfel, Müsli, Birnen, Schwätz … Zwäsch … Zwtwäschken … oh, verdammt! Könnt ihr die Dinger auch nicht aussprechen? Langsam, Sookie, klassische Genre-Regisseure inszenieren spektakuläre Actionszenen. Also, noch mal. Quetzschgen. Mah, fuck! Diese blöden blauen Eierpflaumen! Auf jeden Fall ist nichts Richtiges zu Essen im Haus, dann muss ich halt Chips frühstücken. Und dann kann ich endlich meine 270 Romanseiten querlesen! Ich weiß nämlich ehrlich gesagt nicht mehr, was da drin steht. Was ich einmal aufgeschrieben habe, vergesse ich. Darum macht man das ja, damit es aus dem Kopf raus ist!

Aber, nein, halt! Ich muss ja diese verfickten Halogendinger noch austauschen! Also rauf in die Kemenate, wo die Damen hausen, und den Schallschraubenzieher nicht vergessen! Soll ja schnell gehen, ich muss ja noch 270 Roman … Wieso kommt dieses blöde, durchgebrannte Halogenbiest nicht aus dieser dämlichen … Ich geh doch jetzt nicht googeln, bin ich blöd? Mistding! Wer denkt sich so eine Scheiße aus? Deckenverkleidung! DECKENVERKLEIDUNG!

Scheißfickarschlochhalogending, *porkel*, wer baut denn so eine Scheiße ein! Aua! Kommst du raus, du verdammtes … oh, nee! Diese verdammte idyllische Landlust-Scheiße in dieser Spießerbude geht mir so auf den Sack! Was ist schlimm daran, eine einfache Glühbirne an die Decke zu hängen, hä? HÄ? Aber neinnnnn, wir brauchen ja eine stylische Deckenverkleidung, wo diese …

Ach so, der komische Haken da muss da erst mal raus, echt jetzt, die WOHNEN schon, die leben nicht mehr, diese analhortenden Atome der Weltbanalität im Dekowahn, die diese Bude gebaut haben! Wieso kommt dieses Halogenmopped da jetzt nicht raus? Hey, McFly, jemand zu Hause? Wegen dir bezahl ich zu viel am Strom, mal drüber nachgedacht?! Warum geht das jetzt nicht von diesem verfickten Draht ab? Das ist alles deine Schuld, R2! Jetzt geh apppp, du Arsch! Rrrrrraaaaa! Halogenkackarschlochscheiße, ich will eine Lampe mit Gewinde! *porkel*

So, gleich krieg ich einen Schlag, und dann hab ich eine bipolare Störung, das habt ihr dann davon! Wir werden alle sterben! Kann mir mal jemand eine klatschen? Ich bin ja total hysterisch! Mist, jetzt hängt das Teil da schief am Draht und geht nicht vor und nicht zurück. Super, Sookie, hast du fein gemacht! Wieso gehst du nicht apppp!?! Siktir lan, scheiß Pesevenk, ich HASSE HAUSHALT! Du Wichser von einer Lampe! Ach, nee, Wichser darf man ja gar nicht mehr sagen! Ist ja nicht mehr politisch korrrrrekt! Du bist ja eine Halogenlampe mit einem Händchen für Selbstbefriedigung! Jaha, da bist du platt, nä? Facebook bildet! Und dann kommt der ganze Scheiß in den Wixxxxxer! Äh, Mixxxxxer!

Weißt du was? Ich lass dich jetzt eiskalt hängen! Kurt Cobain hat sowieso gesagt »With the lights out, it’s less dangerous!« Elektrisches Licht wird sowieso total überbewertet. Leckt mich doch alle!

Au ja, wutschnaubend die Treppe runter stampfen, haaa, das tut gut. Also, Kaffee, Zecke. Kurt. Hehe. Na gut. Drei Minuten Ausdruckstanz, dann les ich aber endgültig meine 270 … ach, nee die Zecke!
Ab unters Sofa. Die Zecke bewegt hilflos ihre Stummelärmchen wie ein Nachtmahr aus der Interzone in »Naked Lunch« und sagt: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen!«

Muss die mir jetzt mit Adorno kommen? Hat die vielleicht sogar ein Bewusstsein? Wie soll ich der denn jetzt meine eigens zu diesem Zwecke gebunkerte Olivenölflasche über die Murmel ziehen? Normalerweise töte ich schnell und präzise. Kawämm. Aber was ich jetzt machen soll, weiß ich nicht. Doch dann reift in mir ein Plan! Ich könnte sie über die zwei Meter hohe Hecke hinter meiner Terrasse werfen! Aber da läuft ständig der ballonseidene Rasenmähermann in seinem Freizeitkostüm entlang, dieser unkrautzupfende Baumarktjunkie! Wenn ich dem jetzt die Kokosnusszecke auf den Kopf werfe, reden ja die Nachbarn! Die schrullige Frau mit dem ungezupften Vorgarten schmeißt mit Zecken! Dieser Vollhorst mit seinen Kantenschneidern, Heckenscheren, Vertikutierern! Dieser Horst against the machine!

Ach, ich wollte ja Nirvana aufdrehen! Dann aber Kaffee und meine 270 …

Rape me

,

Rape me

,

Rape määä

,

Rape määäääää …

Pockpock!

»MAMA, MACHST DU MAL DIE MUSIK LEISER?«

Jetzt mal ganz ehrlich, Frage an die analogen Geister unter euch, WAS ist das für eine Generation, die nach Hause kommt und Sätze sagt wie: »Mama, machst du mal die Musik leiser?«! Müsste ICH das nicht sagen? Egal, jetzt kommt meine Daily Soap Ration für heute, jeeeehaaaaaaa! Ich liebe es! Wenn man selbst kein Leben hat, gibt es nichts geileres, als den neusten Tratsch aus der Schule! Also! Der Nick hat die Sarah per What’s, wie wird das geschrieben? App? Dieses Ding, über das sie ständig texten. Also, der Nick hat die Sarah gefragt, ob sie mit ihm gehen will, boar, das ist so Kindergarten, wer fragt denn heute noch »Willst du mit mir gehen?« Am besten dann auf dem »Ja/Nein/Vielleicht«-Zettel noch dran schreiben, »Bitte nur eine Antwort auswählen!«

Aber die Sarah hat einen Fast-Freund und findet den Nick ja auch süß, aber eher so wie einen Welpen, aber als Mann? Näää! Ach so, und die Alicia hat jetzt doch mit dem kleinen Bruder vom Dealer Schluss gemacht, der war ihr s/m-mäßig zu hart drauf mit seinen Psychospielchen, der Schwachmat! Und Phillip hat wieder »künstlerische«, dabei zeigen sie mir dann so Anführungszeichen mit den Fingern, weil der Phillip will nämlich Fotograf werden, aber ein künstlerischer! Der untervögelte Vollhonk glaubt zwar »Spiegelreflex« ist, wenn man sich selber im Spiegel sieht und zusammenzuckt, und der hat ja auch ein Instagramm-Bild gepostet, unter dem stand, dass er sein Skateboard für immer an der Wand genagelt hat, aber … äh, naja.

Jedenfalls, der Phillip hat wieder künstlerische Fotos mit sich, seinem peinlichen Männerdutt für arme Hipster und seiner großen Liebe der Woche gepostet, der Poser, ob die große Liebe weiß, dass er »Bitchi«, der hohlen Bratzbirne, die Zunge nur freundschaftlich in den Hals gesteckt hat? Naja, die Sarah hat den Nick jetzt jedenfalls erst mal gefriendzoned. Mama, hast du die Birne oben ausgewechselt?

»Äh … bin ich noch nicht zu gekommen!«

Ja, und dann gehen sie chillen und ich gucke meinen zwei Ablegerinnen nachdenklich hinterher. Lästermäuler sind das, unglaublich. Und diese Schimpfwörter immer! Ich hab keine Ahnung, woher die das haben. Und mein Kaffee ist jetzt natürlich kalt. Dann geh ich eben Tee kochen und dann kann ich endlich meine 270 …

Und was habt ihr heute so gemacht?

Wieso mir von durchtrainierten, nackten Männern auf Buchcovern nur noch schlecht wird

Wieso mir von durchtrainierten, nackten Männern auf Buchcovern nur noch schlecht wird

Body

Heute in der Reihe „Sookie riskiert ein paar auf die Fresse“: Warum reduzieren wir am Buchmarkt eigentlich Männer auf stets verfügbare, willige Fleischklumpen?

Ja, ich bin es wieder, eure Sookie, der Scout für Trends, die keinen interessieren! Und heute regt mich was auf. Aber so richtig. Exemplarisch für den Grund meiner neusten verbalen Explosion habe ich euch wieder ein schönes Foto gebastelt und mache jetzt mit euch einen Test. Also, wir gucken jetzt alle auf das Foto des leicht bekleideten Herren und merken uns dann, was wir dabei gedacht haben.

Denkst du a)

„Boar, hat der einen geilen Body! *sabber* Und guck dir die fette Uhr an, das ist bestimmt eine Rolex, der hat Kohle! Und hat der da eine Krawatte um? Der ist bestimmt voll der Business-Hai, schade, dass der Hubschrauber nicht im Bild ist! Ich wünschte, mich würde so einer mal auspeitschen! Ist das eigentlich ein Buchcover? Wo krieg ich das denn?“

Wenn das Foto diese Assoziationskette bei dir freigesetzt hat, gehe zu Facebook und such dir ein einschlägiges Buch aus. Eine Assoziationskette ist übrigens, wenn man mehrere Gedanken nacheinander denkt.

Denkst du b)

„Hat der arme Kerl das nötig, für solche Bilder zu posieren? Wie viel Zeit verbringt der wohl in der Muckibude, anstatt Wale zu retten, Omas über die Straße zu helfen oder Bücher zu lesen? Und die dicke Klunkeruhr ist wahrscheinlich aus dem 1-Euro-Shop oder vom Laster gefallen, aber Hauptsache, einen auf dicke Hose machen …“

Herzlichen Glückwunsch, du bist auf dem richtigen Weg und könntest an diesem Artikel Spaß haben. Hol dir aber vorher noch einen Schokoriegel. Kohlenhydrate helfen dir, die kommenden Informationen zu verarbeiten!

Denkst du c)

„Wenn ich noch ein Buchcover mit Sixpack sehe, schreie ich! Sind die Sufragetten auf die Straße gegangen, damit wir jetzt den Spieß umdrehen und Männer zu Lustobjekten reduzieren? Wie primitiv kann die Menschheit eigentlich noch werden?“

Mach dir einen schönen Kräutertee, bevor du den Artikel liest und bring dir gleich Taschentücher mit, denn du wirst Tränen lachen und Tränen weinen!

Das ist so bescheuert, dass mir gerade gar keine Zwischenüberschrift einfällt, SO bescheuert ist das!

Also. Heute scrollte ich so über meine Facebook-Startseite und da passierte mir folgendes. Mein Auge blieb hängen an einem dieser ewigen „Ich wünsche euch allen einen wunderschönen guten Morgen, guden Middach, Kaffee mit Kuchen, Feierabend, gute Nacht, ich bin ja nicht so oft auf Facebook, aber ich schicke euch zu jeder Tages- und Nachtzeit Grüße, lasst mir ein Like da“-Posts hängen. Ihr kennt das, diese Leute, bei denen man sich fragt, ob die eigentlich Studenten dafür einstellen, dass sie rund um die Uhr das Profil bespielen. Autorenmarketing halt. Und normalerweise sind auf diesen Posts Bildchen von Cappuchino-Tassen mit draufgepuderten Kakaoherzchen, ganz zauberhaft arrangierte Kalorienbomben oder Glitzerkätzchen, die sich mit regenbogenfarbigen Einhörnern Zuckerwattebällchen zuwerfen. Aber jetzt geht der Trend zum … ich muss weiter ausholen.

Da werden Weiber zu Hyänen

Wie kritisch ich Facebook und dem dort praktizierten Autorenmarketing gegenüberstehe, wisst ihr. Ich investiere lieber Zeit und Energie in diesen Blog als „Marketinginstrument“, um vielleicht die Leser zu erreichen, die denken: „Endlich mal eine Gegenstimme!“. Und ich bin ziemlich sicher, dass ich mit dem Gefühl, eine Gegenstimme sein zu wollen, nicht allein bin, wie eure vielen klugen Kommentare in diesem Blog immer wieder beweisen. Und gegen eine Sache muss ich jetzt mal richtig wettern!

Liebe Frauen!

Ich habe nun mal Social Media Profile, weil ich darüber auch seltene und total inspirierende Kontakte zu Autorinnen finde, die nicht den Mainstream bedienen (Mädels, ich liebe euch und bin froh, dass ihr da seid!). Aber ich sehe auch die andere Gruppe, die große Gruppe. Und wisst ihr, was da passiert? Da werden zum „Guten Morgen“, zum „Kaffee“ und zum „Gute Nacht!“ vollkommen sexistische, plakative Bildchen von nackten Männern gepostet, die nur noch aus Steroiden, Tattoos, Oberarmen wie LKW-Reifen und akribisch enthaarten Körpern bestehen. Diese Männer wälzen sich entweder mit „sinnlichem“ Gesichtsausdruck jederzeit verfügbar auf Betten oder die Köpfe sind einfach gleich abgeschnitten. Wer interessiert sich schon für das Gesicht! In dem könnte man ja vielleicht Gefühle oder Gedanken lesen, oder er könnte sogar was sagen, wenn er einen Kopf hat!

Und ganz ehrlich? Wenn ich sowas sehe, könnte ich kotzen. Vor gut hundert Jahren sind Frauen im Knast mit Schläuchen im Hals zwangsernährt worden, weil sie als letzten Ausweg in den Hungerstreik getreten sind, um das Wahlrecht zu erkämpfen. Wir haben gegen Diskriminierung, gegen Sexualisierung, gegen das Vorurteil gekämpft, dass Bildung an Frauen verschwendet ist, weil sie ja sowieso nur als Gebärmaschine und kostenlose Haushaltskraft zu gebrauchen sind. Wir wissen, wie beschissen sich das anfühlt, reduziert und sexualisiert zu werden. Und viele von uns haben Kopf und Kragen riskiert, um es für die kommenden Generationen besser zu machen. Auch für Männer!

Wir wollten Respekt und Gleichberechtigung. Und jede Wette: Jede der Autorinnen, die solche Bilder posten und jede der Leserinnen, die sabbernd darunter kommentieren „Oh, was für eine heiße Sahneschnitte, ich wünsch dir auch ganz süße Träumchen!“ („Wichsfantasien“ wäre in dem Zusammenhang wenigstens noch ehrlich!), würde sofort unterschreiben, dass Emanzipation ja „irgendwie“ auch wichtig ist. Sind ja alles selbstbewusste, emanzipierte Frauen, die Gleichberechtigung einfordern.

Frauen, die Männer reduzieren, reduzieren sich selbst

Und auch, wenn die Frauen, die solche Bilder kursieren lassen und solche Sprüche darunter setzen, diesen Artikel wohl nie lesen werden, es muss einfach mal raus: Auch, wenn sie ein bisschen anders aussehen und nicht ganz so viel reden, Männer gehören zur selben Spezies wie wir. Sie haben Gefühle, Gedanken, Ängste, Wünsche, Ziele, Visionen und wünschen sich genau so viel Respekt und Anerkennung wie jeder andere Mensch auch.

Männer und wir sind die Seiten derselben Münze. Glaubt ihr ERNSTHAFT, dass ihr emanzipiert seid, wenn ihr jetzt die armen Kerle auf ach so sexy definierte Bodys, aber leider ohne Kopf, reduziert? Wenn wir Frauen Männer zu ewig verfügbaren, immer willigen Fleischbrocken herabwürdigen? Wir sind alle Menschen, und dadurch, dass wir Männer auf hirnlose Sexmaschinen reduzieren, machen wir ein paar tausend Jahre Unterdrückung nicht ungeschehen, wir reduzieren nur uns selbst.

Ich will euch mal sehen, wenn Facebook nur noch von Bildern mit nackten, weiblichen Körperteilen überschwemmt wird und darunter haufenweise Männer kommentieren: „Geile Wichsvorlage! Die Sahneschnitte würde ich auch sofort knallen!“ Ohne jeden Gedanken daran, ob die „geile Wichsvorlage“ das vielleicht auch möchte. Denkt vielleicht einfach mal darüber nach, bevor ihr euch das nächste mal selbst feiert, weil ihr so „emanzipiert“ seid, Männer als wandelnde Dildos zu betrachten und demonstrativ öffentlich zu sabbern. Ein MANN dürfte sich das mit euch nicht erlauben! Und Gleichberechtigung kann nur für alle gelten, sonst ist sie keine.

Gleichberechtigung ist nicht Gleichmachung

Karl Kraus hat gesagt: „Die Erotik des Mannes ist die Sexualität des Weibes.“ Über Karl Kraus kann man sagen, was man will, er war halt ein zynischer harter Knochen und man kann ihn für frauenfeindlich halten, wenn man noch nicht genug von ihm gelesen hat, um zu merken, dass er menschenfeindlich war, um das noch näher einzugrenzen: Er ertrug keine dummen Menschen. Es gibt Tage, da kann ich das nachvollziehen.

Aber mit obigem Zitat hat Karl, auch wenn ich mich bemühen würde, das differenzierter auszudrücken, Recht. Gleichberechtigung muss heißen, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Jeder darf so sein, wie er möchte, solange er keinem anderen schadet. Schwule müssen schwul sein dürfen, asexuelle Menschen müssen glücklich damit sein dürfen, dass sie lieber Briefmarken sammeln oder Blumen pflanzen, als Paarungsritualen nachzujagen, ich bin sogar der Meinung, dass gläubige Menschen ihre Religion ausüben dürfen müssen, solange sie ihre Dogmen für sich behalten, auch wenn ich persönlich da ein echtes Problem mit habe. Aber Gleichberechtigung gilt wie gesagt für alle oder keinen. Und deswegen müssen Männer auch Männer sein dürfen und Frauen Frauen. Und wir sind nun mal verschieden.

Zurück zu Karl, der arme Kerl hängt da die ganze Zeit in der Warteschleife, weil ich hier wieder nicht zu Potte komme. Was Karl da etwas platt sagen wollte: An dem Punkt, wo (viele, nicht alle) Männer denken „Uh, jetzt wird das aber langsam kribbelig!“, denken (viele, nicht alle) Frauen: „Huch, das ist ja Sex!“ Und das ist völlig okay und hat einen ganz einfachen Grund. Frauen nehmen Sex anders wahr als Männer.

Egal, wie emanzipiert wir sind, was für große Trucks wir fahren, wie viel Kohle wir scheffeln oder ob wir Soldatinnen werden und unschuldige Zivilisten umnieten, beim Sex sind wir Frauen – rein biologisch betrachtet, ich rede jetzt vom körperlichen Aspekt! – der passive Part. Wir müssen uns öffnen und jemanden in uns eindringen lassen. Und das ist einfach was anderes, als selber einzudringen, das macht was mit uns.

Jemanden in seinen Körper zu lassen kann man ganz schwer davon trennen, jemanden in seine Seele zu lassen, und das ist ja auch gut so. Aber wenn wir das doch wissen, wenn wir wissen, dass die Männer, mit denen wir schlafen, auch in unseren Seelen Spuren hinterlassen, dann ist es doch gut, sich die Kerle vorher genauer anzusehen. Wenn wir dagegen versuchen, genau so – sorry, liebe Männer, ich meine das jetzt tatsächlich ironisch bis rhetorisch – sexbesessen und notgeil zu werden wie Männer, tun wir uns da selber keinen Gefallen mit.

Meine Damen, wo ist eure Wertschätzung für euch selbst?

Wir alle finden Kerle, die nur auf „Arsch & Titten“ gucken doof. Was muss das für ein primitiver Flachschädel sein! Oder? Da sind wir uns doch einig. Und dann gackern und sabbern wir los, wenn ein nackter Muskelprotz sich auf einem Foto wälzt. Ich gebe zu: Als ich das Foto gesehen habe, war mein erster Gedanke, wenn ich den in meinem Bett gefunden hätte, ich hätte als erste Reaktion so gelacht, dass ich quieke wie ein Meerschweinchen und Schnappatmung kriege.

Denn ganz abgesehen davon, dass ich diesem allzeit willigen und verfügbaren Alphamännchen nicht unterstellen würde, dass er Interesse daran hätte, eine intellektuelle olle Schrulle wie mich zu „beglücken“, wäre das für mich auch gar keine Beglückung! Ey, hallo? Ein Mann muss Grips haben, Witz haben, menschliche Wärme, Intellekt, wenn die Intelligenz aus seinen Augen sprüht, wird der von ganz alleine schön, aber das? Ich bin echt kein Moralapostel, nonono, tobt euch aus und genießt eure Sinnlichkeit in vollen Zügen, aber in Sinnlichkeit steckt die Silbe „Sinn“! Aber wenn ich den „Sinn“ eines Mannes darauf reduziere, dass er dekorativ ist, wenn er nackt auf dem Rücken liegt, dann kann ich auch gleich so konsequent sein zu sagen: „Ich nehm den Neger, der passt besser zur Bettwäsche!“

Und nur so als kleiner Einschub: Klar bedienen Bücher Träume. Aber jede Frau weiß, wie es ist, mit dem Schönheitswahn leben zu müssen. Jetzt überlegt mal, wie ganz normale, liebenswerte, echte Männer sich fühlen, wenn wir sie zuballern mit omnipräsenten Fotos von den Zuchtbullen, von denen wir ja wohl alle angeblich träumen? Was soll das werden: Wie du mir, so ich dir?

Und muss ich als Frau mich so abwerten, dass ich, vorsicht, unverblümt, sofort feucht werde, weil sich der heißeste Quaterback der Schule vor mir räkelt und meint, das reicht, um mich rumzukriegen? Sorry, aber da hab ich einfach andere Präferenzen! Jeder darf natürlich die Präferenzen haben, die er haben will, aber … Oh, Gott! Wisst ihr, was mir gerade auffällt? Gibt es wirklich Frauen die so primitiv, zynisch und gefühllos sind, dass sie sagen: „Scheiß drauf was der Kerl fühlt und denkt, ich nehm den eh ja nur zum Ficken!“?

Wird der Buchmarkt deshalb überschwemmt mit Covern, auf denen groteske Sixpacks ohne Köpfe zu sehen sind? Frauen sind es, die Bücher schreiben über die Gefangene des „fesselnden“ Millardärs, der sie so lange vergewaltigt und ankettet, bis sie ein Stockholm-Syndrom entwickelt und sich eingesteht, dass sie diesen faszinierenden Schuft ja doch liebt. Das wird dann öffentlich als „Happy End“ wahrgenommen. Frauen schreiben Bücher über andere Frauen, die entführt und von Sklavenhändlern zur Sexsklavin abgerichtet werden, damit sie auf dem Sklavenmarkt mehr Geld bringen. Aber solange das vor der wilden Kulisse Tortugas spielt und die Vergewaltiger muskulös und tätowiert sind, ist das ja traumhaft schön! Und solche Bücher entdecke ich nicht etwa, weil ich im Sexshop frage, was die denn Pikantes unterm Ladentisch haben, sondern weil das auf Facebook ganz stolz offen gepostet und bejubelt wird, oder weil ich auf Amazon unter MEINEN Büchern anklicke: „Kunden, die dieses Buch kauften, kauften auch …“

Da wird das gewaltsame Brechen von Opfern romantisch verklärt. Und, sorry, Mädels, diese Bücher werden nicht geschrieben von Triebtätern, die während ihrer Haft den Schriftsteller in sich entdecken. Diese frauen- UND männerverachtende Scheiße wird von Frauen auf den Markt geworfen. Und das haufenweise. Oh, jetzt hab ich wieder was gegen andere Autorinnen gesagt, ich Nestbeschmutzerin. Da spricht wieder der Futterneid aus mir. Ganz ehrlich? Jetzt gerade würde ich wer weiß was drum geben, einfach nur primitiven Futterneid zu haben, anstatt das gesamtgesellschaftliche Problem zu sehen. Das Problem einer Gesellschaft, in der meine Töchter aufwachsen.

Eigentlich wollte ich mit diesem Artikel nur eine lustige und vielleicht etwas bissige Satire darüber schreiben, wie absurd ich es finde, wenn Frauen versuchen, die schlimmeren Männer zu sein und Männer auf das Prädikat „willige Sahneschnitte“ reduzieren. Aber manchmal bleibt selbst mir das Lachen im Hals stecken. Jetzt gerade steckt mein Tunnelblick ziemlich fest und mir wird ein bisschen schlecht. Wenn ihr eine Chance seht, mir zu sagen, dass es noch andere Menschen gibt als schreibende Triebtäterinnen, dann tut das bitte, Männer wie Frauen. Jetzt gerade könnte ich ein bisschen Seelennahrung wirklich brauchen.

Eure Sookie, die wohl mal wieder polarisiert, weil sie gar nicht anders kann

Autorenporträt: Sabine Joey Schäfers

Autorenporträt: Sabine Joey Schäfers

Autorenporträt

Heute kommt meine wunderbare erste Gastautorin Sabine Joey Schäfers zu Wort!

Spannung, Spaß und doppelter Boden

Sookie hat hier so einen kuscheligen Blog, da fühlte ich mich vom ersten Moment wohl. Und dann auch noch ihre geniale Idee mit der Vernetzung von Autoren und Bloggern … Da mach ich mit!, hab ich mir gesagt — und jetzt steh ich da.

Weia. Hier soll ich mich also vorstellen, und Sookie hat schon so fulminant vorgelegt. Das wird jetzt ganz schwierig, denn einiges könnte ich so fast wörtlich übernehmen. Bis auf die lila Latzhose, die hatte ich nicht. Dafür eine schwarz/weiß-getigerte Röhrenjeans, als alle anderen die mit den Blockstreifen hatten. Schon damals war ich mittendrin und hatte doch irgendwie mein eigenes Ding. Das zieht sich so durch meinen Lebenslauf. [→ Link: http://sabine-schaefers.de/stille/]

Manchmal tanze ich einfach — weil es Spaß macht! –, aber dann kommt so ein Gedanke daher, und da muss ich dann erst mal drüber nachdenken. So von allen Seiten. Und irgendwann wird das so viel Gedachtes, dass ich das aufschreiben muss, damit ich klarer sehe und vielleicht du auch.

Jetzt denkst du bestimmt, ich bin so die Grüblerin, die in ihrer Kammer hockt, Tee trinkt und geistesabwesend die Katze streichelt, während sie versucht, die Wurzeln des Universums zu ergründen. Nur, dass ich es nicht so mit der Esoterik habe. An Magie glaube ich nicht, aber daran, dass wir die Physik noch lange nicht ausgereizt haben. Und in meinen Romanen lasse ich es auch schon mal krachen, so ab und an.

»Du bist, was du liest!«

Was lese ich? Ich habe mal behauptet, ich lese alles, querbeet. Durch ein bisschen Nachdenken 😉 komme ich zu dem Schluss, das stimmt so (zur Zeit) nicht (mehr). Heute mag ich vor allem Speculative Fiction, Mystery, Cosy-Krimis und sogenannte Gegenwartsliteratur. Und wenn du dich wunderst über diese Mischung aus Spekulativem, »Seichtem« und Nachdenklichem – das bin ich. Man reiche mir das Beste aus allen Welten. Ich schreibe Mystery ohne Romance, dafür mit Raffinesse. Thriller ohne Splatter, aber mit Action und Spannung. Jugendbücher mit Tiefgang und Abenteuerromantik.

Her mit den Emotionen!

Ich steh auf Popcorn-Kino, gerne auch in Buchform! Gib mir Gefühle, gib mir Action, gib mir Humor und schöne Bilder. Gib mir Musik! Na gut, in Büchern nicht – noch nicht. Und komm mir nicht damit, das sei zu flach, zu eindimensional, zu kommerziell. Blockbuster reißen uns mit, weil sie uns super unterhalten und eine oder mehrere weitere Ebenen transportieren, wo wir das bewusst vielleicht nicht gleich merken. Aber weil das so ist, sind sie gut. Oder andersrum: Wenn es uns mit dem Zaunpfahl über den Kopf gezogen wird, ist es nicht gut gemacht. Unterschätze nie einen pfiffigen Unterhaltungsstoff!

Und schon stecken wir mit Anlauf mitten in einer meiner Lieblings-Debatten: Anspruch vs. Trivialität, E- Literatur gegen U-Literatur. Als müsste ich mich für eine Seite entscheiden. Ich will das nicht, ich sagte es schon! Ich werde immer Pop mit Jazz verknüpfen und auch ein paar Takte Zwölftonmusik einstreuen, falls es gerade passt. Daran habe ich meinen Spaß und nur so wird daraus ein Roman, den ich guten Gewissens in deine Hände legen kann.

Shakespeare oder Mark Twain, Daphne du Maurier oder Batya Gur hätten sicher gelacht, wenn man ihnen gesagt hätte, gute Literatur dürfe nicht unterhalten. Oder sag das mal einem Homer mit seiner Odyssee – Popcorn, anyone? Romane ohne Handlung sind Dadaismus. Das hat seine Berechtigung, aber es ist die Nische, nicht umgekehrt.

Es gibt immer mehrere Ebenen.

Die Dinge sind nicht immer so wie sie scheinen, außer, sie sind es doch. Allzu sicher sein solltest du dir nie, und der Mörder ist vielleicht immer der Gärtner, aber falls es so ist, erfahren es meine Leser als Letzte. Die interessantesten Wege führen von A nach B nur über C, D und F, weil E eine ganz üble Gegend ist, die wir meiden werden … Verdammt, wie sind wir denn jetzt hier gelandet?! Pssst, dreh dich nicht um, schau niemandem direkt in die Augen, wir tasten uns jetzt gaaanz vorsichtig wieder zurück und … Ich hab doch gesagt nicht rennen! Pass auf, da kommt ein …!
Oha.

Starke Frauen und Männer, mehrdimensionale Figuren, das Aufbrechen von Klischees, neue Ideen und Lebensmodelle, Empathie und Solidarität sind Themen in meinen Romanen. Du wirst sie finden, wenn und falls du sie suchst, falls nicht – macht nichts, dann einfach viel Spaß beim Lesen 😀

Du findest mich im Internetz unter:

http://sabine-schaefers.de
https://twitter.com/SabineSchaefers
https://plus.google.com/u/0/+SabineSchäfersJoey/posts
https://www.facebook.com/profile.php?id=100010488998169

Komm doch mal vorbei gesurft und sag Hallo!

Liebe Grüße
Sabine (Joey) Schäfers

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Pamp-Gans

Ihr Lieben! Nachdem wir letzte Woche eine überwältigende Diskussion darüber hatten, was wir Autoren für Buchblogger tun können, um mit unseren alternativen Perlen der Nischenliteratur auch gefunden zu werden, und so viele Buchblogger uns mit ihren Ideen so hilfreich zur Seite standen, ist es jetzt so weit. Ich habe die neue Seite für Nischenautoren, die sich hier vorstellen wollen, fertig. Eine Seite für Buchblogger habe ich auch gleich eingerichtet, es gibt ja tatsächlich Leute, die den Artikel über die Blogger-Misere noch nicht gelesen haben und nicht wissen können, worum es hier geht. So, jetzt hab ich für die praktische usability so viele Links eingefügt, dass ich schon ganz aus der Puste bin. Fakt ist: Einer muss ja anfangen, und da es vier Uhr morgens ist und alle anderen schlafen, muss ich wohl ran!

Ich stelle mich jetzt auch einfach mal als erstes vor, um auch den schüchternsten AutorenkollegInnen die Angst davor zu nehmen, dass sie sich schlimmer zum Affen machen könnten als ich. Aber glaubt mir: Das wird schwierig! Denn ich hab mich für mein eigenes „Demonstrations-Autorenporträt“ dazu entschlossen, euch in einem joycehaften stream of consciousness um die Ohren zu hauen, warum ich eine olle Pamp-Gans bin, eine Meckertrine, die schreibt, damit ihr nicht der Kopf platzt! Mein Aufsatz heißt:

Der Buchmarkt und meine mentale lila Latzhose!

Ha, ja, da geht das Problem schon los! Die jüngeren unter euch fragen sich jetzt: „What the fuck ist eine lila Latzhose?“ Deswegen fange ich jetzt mit der Aufklärungsarbeit sofort an! Die lila Latzhose war mal ein Symbol der Frauenbewegung. Und, nein, ich rede jetzt nicht von den „Feminazis“, die heute militant das Internet aufmischen und dafür kämpfen, dass man in der aktuellen Genderdiskussion so was wie „der Elefant“ nicht mehr sagen darf, weil dadurch alle Elefantinnen diskriminiert werden. (Oder heißt das Elefantetten? Elefanteusen?) Man fragt sich da jedenfalls, wann „die“ Kater sich online zusammenrotten, weil sie sich davon kastriert fühlen, dass es „die Katze“ heißt. Ist aber auch egal jetzt.

Also, die lila Latzhose steht für mich für die Frauen, die wirklich noch sinnvolle Kämpfe ausgefochten haben, wie zum Beispiel das Recht auf „Verhängnis Empfütung“ (der Versprecher einer Schulfreundin von mir, den ich nie vergessen habe), Abtreibung, Gleichberechtigung im Beruf und die Abschaffung von Gesetzen wie dem, dass der Gatte den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen darf, wenn er der Meinung ist, dass sie den Haushalt vernachlässigt (ich glaube, dieses Gesetz war bis 1976 in Kraft, stellt euch das mal vor). Das einzige Argument, das mich jemals zum Heiraten bringen könnte, wäre, dass der Gatte sich dann ja um den dämlichen Haushalt kümmern könnte, also werde ich ledig in die Grube fahren, yoho!

Jedenfalls trage ich mental eben immer noch eine lila Latzhose. Ich hab mich nie als Feministin betrachtet, aber immer als Mensch. Und bei Menschen sollte es für mein Empfinden eben keine Unterschiede geben wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sonstwas. Ich war auch nie irgendwie „organisiert“. Ich halte grundsätzlich nichts von Organisationen und ich zog es immer vor, sowohl die Emma als auch den Kicker zu lesen. Einmal wollte die „Fantifa“ (Feministische Antifa) mich zur Mitarbeit bewegen, aber als ich gehört habe, dass die dort engagierten Damen sich treffen, um einen Ordner anzulegen, in dem so Wörter wie „Patriarchat“ abgeheftet werden, hab ich mich, vielleicht sogar zu Recht, gefragt, ob das den Skinheads, die damals am Bahnhof rumlungerten, wirklich Angst macht.

Jedenfalls dachte ich, als ich noch jung und knusprig war, bis ich mal eine olle Schrulle bin, hat sich alles geändert. Utopia, ich komme! Ich dachte, Frauen würden für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen wie Männer. Ich dachte, Frauen würden ihren Wert nicht mehr daran bemessen, wen sie „abkriegen“, sondern sich selbst nehmen, was sie wollen. Haha… mein Gott, war ich naiv! Und dann kam der Rollback auf dem Buchmarkt. Auf dem Buchmarkt und in der Welt. Aber da ich hier als Autorin auf den Putz haue, beziehe ich mich jetzt auf den Buchmarkt als Spiegel unserer Welt. Denn was wir lesen, zeigt immer auch, was wir wünschen und träumen.

Freud und Leid

Ich gebe zu, ich bin Anti-Freudianerin. Ich hab die Freud-Gesamtausgabe im Regal, weil es gut ist, seinen Feind zu kennen, denn vieles, womit wir uns heute herumärgern hat seine Wurzeln in dieser Zeit. Ich fand Freud immer so spannend, weil man ihn lesen kann wie ein Geschichtsbuch. Freud ist eine unverfälschte Quelle für Studien über die längst überholte Sexualmoral und das gesamte Menschenbild des späten neunzehnten, frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Und wenn man über das Frauenbild der Zeit nachdenkt, wird einem angst und bange. Versteht mich nicht falsch, Freud hat für damalige Verhältnisse wirklich an der lustfeindlichen Gesellschaft gerüttelt, so gut er konnte, aber heraus kamen dabei so Denkrichtungen wie die, dass Frauen durch äußere Umstände (die Ehe) zum Sex „gezwungen“ werden müssen, um ihn genießen zu können, denn anständige Frauen tun so was ja nur, wenn sie müssen. Dann macht es ihnen aber Spaß, obwohl sie das nicht zugeben, man hält ja auf sich, klar. Um es auf Stammtisch zu übersetzen: „Die will es doch auch! Frauen meinen Ja, wenn sie Nein sagen!“ Haaaarsträubend!

Damals wurde übrigens auch der Vibrator erfunden. Das müssen so frankensteinmäßige Apparate gewesen sein, aber hey, die hatten noch kein digitales Zeitalter, damals war „Mechanik“ total in und die „Vibrator-Behandlung“ wurde gegen Hysterie verschrieben. Auf Stammtisch: „Die Alte muss nur mal richtig …“

Ihr seht also, absurde Geschichten darüber auszugraben, woher wir kommen, damit wir entscheiden können, wohin wir wollen, ist mein Hobby. Denn ins neunzehnte Jahrhundert, in dem Tischbeine als unanständig verhüllt wurden, wollte ich nie zurück. Ich wollte immer, dass wir Frauen selbstbestimmt, lustvoll und ohne schlechtes Gewissen oder moralische Wertung unser Leben auskosten können, mit allen Facetten. Ich wollte schlicht und ergreifend, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Und eine Weile dachte ich auch, dass wir auf einem guten Weg sind. Und dann kam:

Eine verstörende Begegnung mit einem Bestseller-Hochlandrammler

Als ich die Highland-Schmonzetten, um die es jetzt geht, zum ersten Mal in die Finger bekam, war der Hype darum schon fast wieder vorbei, umso mehr habe ich mich erschreckt. Ich lese ja gerne historische Romane. Hysterische (ganz im Freudschen Sinne) eher weniger. Und in dem Buch, über das ich mich damals wie heute so aufrege, geht es genau darum: Eine Frau fällt in ein Zeitloch und wird durch dramatisch konstruierte Verwicklungen (ein schwuler Sadist, der liebend gern knackige junge Männer auspeitscht und Frauen nur als Zeitvertreib vergewaltigt ist im Spiel) gezwungen, einen von eben diesen knackigen jungen Männern zu heiraten und es ständig mit ihm zu treiben.

Hallooo? Sind wir da nicht wieder bei Freud angekommen? Und alles vor der malerischen Kulisse des fast noch mittelalterlichen Schottlands. Dabei ist die zeitreisende Heldin aus dem „aufgeklärten Zeitalter“ doch in ihrer „Gegenwart“ noch verheiratet! Oh, Gott, oh, Gott! Und jetzt muss die Arme gegen ihren Willen ständig mit diesem knackigen, jungen Schotten … Was für ein Schicksal! Da fiebern wir natürlich mit!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich mach den Absatz jetzt mal fett, damit ich auch richtig verstanden werde! 😀 Ich habe nichts gegen Sex mit durchtrainierten, hüschen Kerlen, absolut nicht! Auch nicht in Büchern! Aber dann bitte selbstbestimmt! Ich hab was dagegen, dass wir Frauen uns SELBER immer noch das patriarchale Denken des neunzehnten Jahrhunderts überstülpen! Ich hätte das Buch vielleicht sogar richtig cool gefunden, wenn die weibliche Hauptfigur gesagt hätte: „Was soll’s? Mein Angetrauter ist in einem anderen Jahrhundert und ich sitze hier fest! Dann kann ich mir auch den hübschen jungen Schotten schnappen!“

Aber die Gute muss sich leider gegen ihren Willen „hingeben“, weil sie in eine Zwangsehe gepresst wurde und eine Horde saufender Kerle auch genau aufpasst, dass die Ehe auch vollzogen wird! Und das gilt in der heutigen Literatur als romantisch, ja? Romannntisch!

Junge Frauen lesen so was und merken gar nicht, wie sie da mit völlig überholten, frauenfeindlichen Moralvorstellungen das Gehirn gewaschen kriegen. Für mein Empfinden verherrlichen solche Bücher das, was als „beischlafähnliche Vergewaltigung“ in die Gesetzestexte eingegangen ist. Und solche „Romane“ suggerieren jungen Frauen, dass eine selbstbestimmte, selbstbewusste Lust und Lebensgestaltung immer noch „moralisch unsauber“ sind. Besser, man wird gezwungen, dann darf man. Durch Rollenmodelle wie diese Romanheldin pervertieren wir Frauen uns selbst, und dieser Bestseller öffnete Tür und Tor für viele weitere Bestseller, die in das gleiche Horn stoßen.

Anständiges Mädchen muss sich leider reihenweise von gutaussehenden Milliardären flachlegen lassen, um Papas Spielschulden zu bezahlen. Hallooo? Jede selbstbewusste junge Frau würde da sagen: „Weißt du was, Vaddern? Bezahl deine Schulden selber, und wenn du mir die vererbst, schlag ich das Erbe eben aus. DEIN Bier, und meine Männer suche ich mir selber aus!“ Aber solche Bücher rennen auf dem Markt und als Autorin darf man da nix gegen sagen, weil man dann Futterneid hat, Futterneid!

Der wüste Prediger

Als ich ein Teenager war, stand in der Innenstadt, in der wir immer rumgammelten, immer ein ganz hagerer, verhärmter Herr in einem grauen Anzug auf einem dieser Beton-Blumenkästen und predigte: „Der Weltuntergang ist nahe!“ Der gehörte einfach zum Stadtbild dazu, gegenüber standen die Zeugen Jehovas und hielten ihren „Wachturm“ hoch, an der nächsten Ecke waren die peruanischen Musiker mit ihren Panflöten, die immer diese komischen Teppich-Ponchos trugen.

Dem Prediger hörte eigentlich niemand zu, aber alle nahmen ihn halt als unvermeidliches Übel hin. Und manchmal muss ich heute an diesen Mann denken. Ich fühle mich nämlich oft genau so. Manchmal möchte ich mich mit einer „50 Shades“ Ausgabe in der Stadt auf einen Blumenkübel stellen und jungen Frauen zurufen: „Merkt ihr denn gar nicht, was mit euch gemacht wird? Ihr werdet durch Propaganda zurück in die Sklaverei getrieben! Der Weltuntergang ist nahe!“

Und ich lache gerade selber Tränen bei der Vorstellung wie ich mit der Bibel des Antichristen wedle und mich zum missionarischen Affen mache. Wenn ich dann in die Jacke gesteckt werde, bei der man die Ärmel auf dem Rücken zuknoten kann, werde ich kreischen: „Dürfen Sie das überhaupt ohne richterlichen Beschluss?“, und der Polizist wird raunen: „Ach, komm, du willst es doch auch!“ Rrrrrra! Vertragt ihr noch eine Schüppe drauf? Geht nicht anders, ich bin gerade sowas von in Fahrt, aber sowas von! Kommen wir also zu:

Herr Grey und ich

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich den Herrn Grey richtig richtig gefressen habe! Dieser bratzbirnige, hohlköpfige, zwangsneurotische Frauenschänder, der regt mich sowas von auf! Aber er hat einen Huuuubschrauber! Und wenn er dann so melancholisch in seinem Schlafanzughöschen Klavier spielt, er ist doch so süüüüß!

Und dann schenkt er Miss Steel auch noch die unbezahlbaren antiquarischen Bücher von Thomas Hardy! Tess von den d’Urbervilles! Mit dem Buch ist Thomas Hardy gegen sexuellen Missbrauch auf die Barrikaden gegangen, und das zu einer Zeit, als man Wörter wie „sexuell“ oder „Missbrauch“ noch gar nicht sagen durfte! Thomas Hardy zog ins Feld gegen „Unzucht mit Abhängigen“, nicht gegen „Zucht mit Unabhängigen“! *augenroll* Und jetzt wird dieses kostbare Buch instrumentalisiert und ins Gegenteil verkehrt! Ernsthaft, wenn Thomas Hardy das wüsste, der würde im Grab rotieren, bis die Kiste ins All schießt wie die TARDIS von Doctor Who! Ganz schnell weg, aber ganz schnell, am besten in ein anderes Jahrtausend am anderen Ende des Universums!

Was mich aber noch mehr aufregt als der Herr Grey, ihr lacht, aber das geht!, ist die Miss Steel! Neulich schickte mir eine sehr clevere und witzige Kollegin (die sich hoffentlich bald hier vorstellen wird), den Link zu einem Video, das zusammengebaut war aus „50 Shades“-Trailern und Mister Bean. Ich weiß leider nicht, wo man das Video wiederfindet, aber das war das größte Stück Filmkunst, das ich in den letzten Jahren gesehen habe! Ich hab so gelacht, ich konnte vor Tränen in den Augen den Monitor gar nicht mehr sehen. Nie war Miss Steels völlig enthirnter Blick, wie sie da so mit zusammengekniffenen Knien bei Mister Grey im Büro sitzt wie eine verklemmte Hanseatentochter aus „50 Shades of Buddenbrooks“, so entlarvend wie in dem Moment, als Mister Bean ihr ölig-selbstverliebt zulächelte. Ja, der europäische Autoren-Porno lebt, meine Damen und Herren! 😀

Und das alles, dieses Konglomerat aus GEQUIRLTER SCHEISSE *kreisch*, das junge Frauen gezielt enthirnt und sie durch romantische Ideaaaaale zu braven Systemsklavinnen macht, hat mich so AUFGEREGT, dass ich beschlossen habe, mein Talent nicht mehr durch dämliche Ghostwriterjobs und als Content-Produzentin zu verheizen, sondern endlich mal Bücher zu schreiben, die was zu sagen haben. Auch, wenn man das auf den ersten Blick gar nicht merkt. Weil ich meine Geschichten nämlich mit witzigen Dialogen und liebenswert skurrilen Figuren so verpacke, dass sie sich lesen wie kurzweilige Unterhaltung. Und ich mach das so, weil ich dieses Handwerk beherrsche und mir niemand zuhören würde, wenn ich auf dem Blumenkübel stehe. Aber ich hab verdammt nochmal was zu sagen. Ich schreibe für das Genre „Subversive Romantik“ (Danke für diesen herrlichen Ausdruck an meine Kollegin Christine Ulrich). Ich nenne mein Genre jetzt einfach kurz: Grips-Lit.

Meine Message an junge Frauen ist nämlich folgende:

Du darfst Lust haben, Frust haben, lieben, leben, lachen, weinen, ohne dich dem moralischen Werturteil verknöcherter alter Säcke zu unterwerfen! Du hast genau so ein Recht auf deine Leidenschaften und Lebensfreude wie jeder noch so pisselige Kerl, selbst wenn er ein kariertes Röckchen trägt oder einen Huuuubschrauber hat!

Wenn du „Nein!“ sagst, dann heißt das „Nein!“, ganz einfach.

Wenn du Lust hast, brauchst du keinen Papi mit Spielschulden oder eine Horde besoffener Schotten, die aufpasst, dass deine Ehe auch vollzogen wird, als Ausrede. Wenn du drauf stehst, Milliardäre flachzulegen, dann mach das doch einfach aus genau diesem Grund – weil du drauf stehst. Aber vergiss die Kondome nicht!

Wenn du das magst, ist es völlig okay, wenn der, der im Bett die Hosen auszieht, im Bett auch die Hosen an hat. Es kann himmlisch sein, sich fallen zu lassen und sich einem dominanten Mann anzuvertrauen. Aber dann mach ihm auch klar, dass er sich das Privileg mit Achtung und Respekt verdienen muss! Der Schlachtruf lautet: „I got the pussy, I make the rules!“

Wenn du es für „den schönsten Tag im Leben“ hältst, all deine Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, um dich als Baiser zu verkleiden, die gesamte bucklige Verwandtschaft durchzufüttern, es bei der Sitzordnung allen recht zu machen und einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Auflösung später verdammt teuer wird, nämlich dann, wenn die statistisch sehr wahrscheinliche Scheidung auf dich zukommt, dann will ich nicht wissen, wie die weniger schönen Tage aussehen! Und der Schönste war ja schon! Besser wird’s nicht mehr, wenn du erst verheiratet bist, das sagt der „schönste Tag im Leben“ ja aus!

Du hältst dich für eine miese, verschlagene Verbrechernatur, weil du einen Partner hast und trotzdem Herzklopfen kriegst, wenn deine verdrängte große Liebe sich meldet? Du bist nicht böse und schlecht, Polyamorie ist normal! Wir Menschen sind tatsächlich einfach so angelegt, dass wir uns zu mehreren Partnern hingezogen fühlen können! Subversives Geschwätz eines gescheiterten „Beziehungsüberforderungsopfers“? Nö, ist besser für den Genpool, so einfach ist das! Es ist nur so verdammmt schwer, das auch zu leben, ohne die Menschen, die man liebt, zu verletzen! Also: wie geht das auf dem Drahtseil, wenn du mehrere Männer liebst, jeden auf seine Art?

So. Das sind meine Themen, die mir wirklich unter den Nägeln brennen und für die ich Tag und Nacht mit Leidenschaft schreibe und dabei verdammt viel lache. Manchmal sogar weine. Und wem das zu radikal ist, der kann jetzt gern mal eben den Glitzervampir-Roman aus der Hand legen und in die Welt gucken. Wir sind nämlich längst da angekommen, wo echte, witzige, intelligente Frauen mit Humor und Mut ein Leben meistern, das vielleicht gar nicht den Vorstellungen der CDU entspricht. Und für genau diese wunderbaren Frauen versuche ich Bücher zu schreiben, in denen sie sich wiederfinden.

Jetzt hab ich mich herrlich ausgepowert, wieder die ganze Nacht mit Schmackes Worte jongliert und wer meine Bücher einfach mal gefahrlos ausprobieren will, findet rechts in der Sidebar den Link zur kostenlosen XXL-Leseprobe. Und ich freu mich schon richtig auf die eMails, die ich wieder von besorgten Herren erhalten werden, weil mein Weltbild total weltfremd ist und ich dringend vor mir selbst gerettet werden muss! Wir sehen uns! 😀

Wenn mir jetzt noch jemand einen Bademantel umlegen und mich von der Bühne führen könnte wie James Brown, wäre ich wirklich dankbar. Sookie haut sich jetzt aufs Ohr, und ich freu mich drauf, Kommentare zu diesem ersten „Autorenporträt“ zu finden, wenn ich die Klüsen wieder auf kriege. Haut rein, Mädels, rockt den Buchmarkt, und erzählt mir, wofür euer Herz brennt!

Eure Sookie, Liebesromantante aus Leidenschaft und heimlich beladen mit Sendung

Die Buchblogger-Misere oder wie finden wir frische Inhalte?

Die Buchblogger-Misere oder wie finden wir frische Inhalte?

50 Shades of Langeweile?
50 Shades of Langeweile?

Es ist mal wieder Zeit, mit Anlauf in den Fettnapf zu springen und zu gucken, wer mitmacht. Mir läuft da nämlich seit Wochen ein Problem im Kopf rum, und das muss jetzt einfach mal raus! Ich sehe nämlich, dass viele andere dasselbe Problem haben und vielleicht schaffe ich es, eine kleine Diskussion auf „neutralem Boden“ anzustoßen. Und das Problem heißt: Frust bei Buchbloggern!

Einige misstrauische Geister werden mir natürlich unterstellen, dass ich keineswegs neutral bin, denn dies hier ist mein Autorenblog. Aber den Gedanken, everybodys Darling sein zu müssen, habe ich mir eh schon vor Jahren abgeschminkt, und wer sich in meinem Blog umsieht, stellt auch schnell fest, dass es mir hier nicht darum geht, mich selbst zu beweihräuchern, sondern um den Austausch mit euch. Ich bin nämlich im Netz als Autorin, als Leserin und als Bloggerin unterwegs und folgendes beschäftigt mich: Ich sehe immer mehr Artikel von Buchbloggern, die sich trauen, mal anzusprechen, dass sie mit dem derzeitigen Buchmarkt nicht mehr wirklich glücklich sind, zum Beispiel hier und hier. Da geht die Lust am Lesen verloren, die Bücher scheinen immer austauschbarer zu werden und irgendwann hat man das Gefühl „Kennst du eines, kennst du alle!“ Hat man die ersten drei Seiten gelesen, weiß man, wie es ausgeht.

Als Buchblogger auf dem Drahtseil

Buchblogger machen einen sehr schwierigen und inzwischen sehr wichtigen Job. Der Handel hat ja längst erkannt, dass Blogs, die Bücher besprechen, ein wichtiges Marketinginstrument geworden sind. Viele dieser Blogs werden mit wahnsinnig viel Liebe, Zeitaufwand und manchmal auch Kostenaufwand gepflegt, und wenn es für die Verlage gut läuft, kostet diese Werbung sie keinen Cent, nämlich dann, wenn Blogger ihre Blogs aus Liebe zur Sache pflegen. Solche Blogger sind für mich die Helden, denn sie sind „konzernfrei und unabhängig“. Trotzdem müssen auch diese Blogger sich an die Spielregeln halten, um sich eine Reichweite zu erarbeiten. Zielgruppenorientierter Content, eine klare Ausrichtung, Social Media Marketing, alles, was im Hinterzimmer passiert, SEO, Plug-ins, Backlinkaufbau, ihr kennt das.

Da ich selbst weiß, wie viel Arbeit in einem Blog steckt, kippe ich manchmal hinten über, wenn ich Buchblogs anklicke, die schon ein riesiges Archiv haben. Denn gerade bei Büchern ist so ein Artikel ja nie mal eben schnell geschrieben. Man muss eine Vorauswahl treffen, die Zeit zum vielen Lesen erst einmal finden und dann noch darüber reflektieren, bevor man schreibt. Und dann sind da ja auch noch die ganzen Fallstricke. Man möchte keinem Autoren schaden, aber man möchte seinen Lesern auch ehrliche Rezensionen bieten, und Lesen ist ja sehr individuell, was dem einen gefällt, findet der andere gruselig und umgekehrt. Da ist es kniffelig, den richtigen Ton zu treffen und keinen Leser zu verschrecken – denn darum geht es letztendlich ja, um die Leser.

Denn Leser wollen wir alle, sonst hätten wir als Medium ja ein altes Schulheft gewählt und würden unsere Gedanken einfach da rein schreiben. Aber trotz der vielen Arbeit bekommen viele Buchblogger einfach nicht die Reichweite, die sie verdienen. Und ich spreche jetzt einfach mal ganz klar aus Lesersicht. Ich folge auf Social Media Portalen oder direkt auf dem Blog vielen Buchbloggern und scrolle immer gern durch Gruppen, in denen Blogger ihre neuen Artikel posten. Das ist gewissermaßen meine individuelle Tageszeitung, und dafür nehme ich mir gerne Zeit. Aber diese Zeit ist einfach begrenzt.

Und wenn ich dann den zehnten Artikel über ein und dasselbe Buch sehe, dann muss ich den Blogger schon sehr mögen, um den Artikel auch anzuklicken. Natürlich ist es da schwer für Buchblogger, sich eine Reichweite zu erarbeiten, besonders dann, wenn man in den Strom gerät, Neuerscheinungen ganz schnell „durchackern“ zu müssen, um einer der ersten zu sein, die das Buch besprechen. Klar, dass da auch der ursprüngliche Spaß am Lesen zur Pflicht wird.

Ist Nummer sicher auch Nummer langweilig?

Natürlich erhofft man sich als Blogger immer eine große Reichweite. Man freut sich riesig, wenn Artikel geteilt werden, wenn Leser kommentieren und Leben in den Blog bringen. Und sich diese Anerkennung zu wünschen ist gut und berechtigt. Denn Buchblogs sind ein ganz wichtiger Beitrag zum bunten und demokratischen Medium Internet. Aber wie immer frisst die Revolution ihre Kinder.

Die großen Verlage mit einem entsprechenden Werbebudget haben Blogger längst instrumentalisiert. Der Effekt ist klar: Wenn alle dieselben Exemplare kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, besprechen auch alle dieselben Bücher. Da sind wir wieder bei der „Schwarmintelligenz“ und Bestseller werden immer noch genau so gemacht, wie vor der Digitalisierung des Buchmarktes. Wer seine Bücher am besten platziert und überall in die Kamera hält, bekommt auch die größten Verkaufszahlen.

Fernab vom Inhalt werden so die Lebensansichten geschiedener Fußballergattinnen (die sowieso von Ghostwritern geschrieben werden, also, die Lebensansichten, nicht die Exgattinnen) zum Bestseller. Einfach durch die Verfügbarkeit. Was in jeder noch so kleinen Buchhandlung direkt am Eingang liegt, wird gekauft. Und natürlich liegt für Blogger da der Gedanke nah, die großen Bestseller zu besprechen. Das Problem ist nur: Alle anderen Blogs bewerben ihre Artikel zum gleichen Buch! Und das macht es wirklich schwierig bis unmöglich, sich da ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, dass eine nachhaltige Leserbindung schafft!

Wenn man ein bisschen drin herum porkelt, wird einem sogar klar, dass die Misere noch größer ist, als es auf den ersten Blick scheint. Denn wenn man als Blogger selbst schon immer öfter das Gefühl hat: „Das Cover ist ja nett, und ich mag auch den Stil des Autors, aber irgendwie … kommt mir das alles zu den Ohren raus!“, wie soll man dann seine Leser begeistern? Aber – wo kriegt man jetzt frischen Wind her?

Ein Gedankenspiel

Stell dir vor, du bist Buchblogger. Da ich zu diesem Artikel ganz gezielt Buchblogger eingeladen habe, dürfte das einigen von euch gar nicht so schwer fallen! 😀 Also, du bist Buchblogger, und du kommst in einen Buchladen. Der Laden ist zwar groß, aber urgemütlich. So, wie ein schöner Buchladen eben aussieht – man fühlt sich sofort zu Hause. Aber irgendwas ist anders. Du stolperst am Eingang gar nicht über den Tisch mitten im Raum, auf dem sich die Spiegel-Bestseller stapeln. Stattdessen liegen da Buchtitel, von denen du noch nie gehört hast! Die Cover könnten kreativer und unterschiedlicher nicht sein, die Titel klingen ungewohnt, skurril, lustig, manchmal extrem klug, manchmal befremdlich bis strunzdoof. Wo bist du hier gelandet?

Du gehst weiter und stellst fest, dass die Erfolgstitel, die jeder liest und über die jeder bloggt, nirgendwo zu sehen sind. Die meisten Autorennamen hast du noch nie gehört! Du ziehst zaghaft ein paar Bücher aus den Regalen und überfliegst die Klappentexte. Manches klingt nach grottenschlechtem Schrott. Aber manches klingt auch nach so witzigen, originellen oder wichtigen Ideen, dass du dich fragst: „Wieso führen die anderen Buchläden das nicht?“ Bist du in einem Paralleluniversum gelandet? In einem mit einem vollkommen anderen Buchmarkt? Was machst du jetzt?

Du findest eine schrullige, bunte Verkäuferin mit Lesebrille und Staubfusseln in den Haaren. Vorsichtig fragst du: „Entschuldigung, haben Sie gar kein 50 Shades of Gähn oder ‚Biss zum Abwinken‘?“ Es wäre ja irgendwie beruhigend, die vertrauten Titel zu entdecken und zu wissen, dass du nicht in einem fremden Universum bist. Die Verkäuferin sieht dich kurz irritiert an, dann leuchtet ihr Gesicht auf. „Warten Sie, ich hab da einen sehr schönen Oscar Wilde Comic für Sie! 50 Shades of Dorian Grey, ich hab mich weggeschmissen vor Lachen! Oder hier, die Abwink-Trilogie, die Geschichte einer Frau, die Heiratsanträge von Milliardären ablehnt, weil sie lieber Meeresschildkröten rettet, das ist so romantisch!“ Du stehst jetzt vor der Wahl – entweder du gehst rückwärts wieder raus oder du fängst an zu stöbern und Bücher zu entdecken, die du niemals für möglich gehalten hättest.

Willkommen auf dem parallelen Buchmarkt!

Vielleicht denkst du jetzt: „Was für ein Saftladen, da würde ich sofort rückwärts wieder rausgehen!“ Und wer sollte sich auch dafür interessieren, wenn du Bücher besprichst, die niemand kennt? Da klickt doch kein Mensch! Vielleicht aber auch doch. Da wird zehnmal der neue Fitzek besprochen, was absolut toll ist für Herrn Fitzek, ich freue mich aufrichtig für ihn. Aber du besprichst den neuen Kokoschinsky. Denkst du, dass alle weiterscrollen, um die elfte Besprechung über Herrn Fitzek zu lesen? Oder bleiben einige hängen, weil sie denken: „Who the fuck is Kokoschinsky? Da klicke ich mal drauf!“ Herzlichen Glückwunsch, du hast neue Leser gewonnen und vielleicht sogar einen neuen Autoren entdeckt!

Die gute Nachricht ist: Es gibt diesen geheimen parallelen Buchmarkt längst. Die schlechte Nachricht ist: Kein Mensch hat Zeit, das alles zu sortieren! Und kein Blogger möchte nur Müll besprechen und seinen liebevoll gepflegten Blog in einen Linkfriedhof verwandeln. Ihr wollt schließlich lebendige Leser mit tollen Buchtipps versorgen, das ist ja der Sinn der Sache. Aber wo findet man die?

Der große Graben: Blogger und Selfpublisher

Oh, ja, autsch, jetzt wird eine heilige Kuh geschlachtet! Aber mit Anlauf in Fettnäpfe zu springen ist mein Hobby und für alle zaghaften Gemüter unter euch zeige ich euch jetzt kurz ein Bild meiner Blogstatistik nach dem letzten Meckerartikel über Marketing:

Das passiert, wenn man dem Internet mal die Meinung geigt!
Das passiert, wenn man dem Internet mal die Meinung geigt! 😀

Ihr seht also, manchmal trifft man auch einen Nerv und findet darüber tolle Leser, die einen durch kluge und durchdachte Kommentare unheimlich inspirieren können, weiter zu denken. Und der Nerv, an dem ich jetzt mal schmerzhaft zupfe, ist der zwischen dem „richtigen Buchmarkt“ und dem Garagenpunk-Buchmarkt. Selfpublishing hatte immer schon einen wahnsinnig schlechten Ruf. Vor der Geburt des Kindle galten Autoren, die ihre Bücher selbst drucken ließen, als selbstverliebte Dilettanten, die einfach nicht kapieren wollten, dass kein Verlag dieser Welt sie mit der Kneifzange anfassen würde.

Ein Buch selbst herauszubringen und zu vermarkten kam einem Selbstmord als Autor gleich. Wer das nötig hat … Auch der Handel nahm solche Bücher nur ins Sortiment auf, wenn der Autor ein Stammkunde war, der für seine Großfamilie in dem betreffenden Buchladen einkaufte und die nette Buchhändlerin einfach nicht wusste, wie sie „Nein!“ sagen sollte. Iiiiih, Selfpublishing, na, das wird ja schöner Schrott sein! Auf den Inhalt hat da niemand mehr geguckt.

Und dieser Graben hat sich nur ein kleines bisschen verschoben. Durch die Digitalierung sind einige Autoren groß geworden, indem sie sich ihr ganz eigenes Publikum erobert haben. Dann kam wieder die Revolution, happs-happs, und plötzlich lief es umgekehrt: Die Verlage traten an die Autoren heran, die sich bereits eine Fanbase aufgebaut hatten und wenig Arbeit, aber viel Kasse versprachen. Der Großteil der Autoren bleibt aber vom Mainstream unentdeckt (übrigens auch auf dem „ersten“ Buchmarkt). Und – Achtung: Nestbeschmutzer-Alarm! – es gibt auf dem Selfpublisher-Markt tatsächlich viel Schrott.

Wir hatten ja schon diverse Diskussionen, dass Autoren sich gar nicht über andere Autoren äußern dürfen. Da wird gleich Futterneid unterstellt und was weiß ich. Aber wo landen wir, wenn noch nicht mal die Leute, die wissen, wie es ist, ein Buch zu schreiben, sich untereinander austauschen dürfen? Ist das fruchtbar, so ein Tabu zu installieren? Kreative haben sich immer gefetzt, geliebt, gegenseitig verrissen, unterstützt, gezofft. Plötzlich gilt das als verpönt. Futterneid. Ich mache garantiert auch nicht alles richtig. Wer Lust hätte, einen bösen Verriss zu schreiben, würde sicher auch bei mir fündig, keine Frage. Wenn ich wollte, könnte ich mich sogar selbst verreißen, aber, hey, ich bin Autorin, schreiben kann ich, und Verrisse machen mehr Spaß! 😀

Aber irgendwie müssen wir ja mal anfangen, Dinge beim Namen zu nennen. Ich – als bewusste Selfpublisherin – verstehe jeden Blogger, der sofort dicht macht, wenn Selfpublisher ihre Exemplare anbieten. Oh, neeee, nicht schon wieder, der hunderste Aufguss eines Erfolgstitels (der innovativ war, als er erschien, nicht fünf Jahre später, als ihn schon alle abgeschrieben hatten), „Ommas Lebenserinnerungen“ (die wirklich nur die Familie interessieren) oder endlich mal ein „neuer“ Vampirroman, in dem der Vampir auch noch Rockstar ist – oh, süüüüß. Wenn ich Buchblogger wäre, würde ich da auch ganz schnell die Rollos runter machen und tun, als wäre im Blog keiner zu Hause. Aber!

Stille Denker – Die Randgruppe am Rande der Randgruppe

Es gibt nämlich auch gerade im Selfpublishingbereich AutorInnen, die unfassbar viel auf der Pfanne haben und sich ganz bewusst dagegen entscheiden, ihre Manuskripte Mainstream-Verlagen anzubieten. Diese AutorInnen sind eine Randgruppe, keine Frage. Oft sind sie schon etwas lebenserfahrener (nicht unbedingt älter) als die Facebook-Überflieger, die tausende von Fans sammeln, um dann ihre Groschenromane an sie zu verkaufen. Diese AutorInnen sind nicht unbedingt für das digitale Zeitalter geschaffen. Sie bevorzugen den Rückzug, lassen ihre Bücher in selbstgewählter Einsamkeit reifen, jonglieren unermüdlich mit Worten, weil sie gar nicht anders können und das sogar tun würden, wenn keiner guckt, einfach, weil sie das Schreiben im Blut haben.

Diese AutorInnen sind scheue Wesen, hochsensibel, und sie tun sich schwer damit, ohne jeden Selbstzweifel auf den Putz zu hauen. Solche AutorInnen sind tatsächlich SchriftstellerInnen. Und manchmal haben diese sensiblen Wesen nach fünf Minuten auf Facebook Kopfschmerzen und bleiben deshalb unentdeckt. Obwohl gerade sie es sind, die der Buchmarkt so dringend braucht. Denn sie sind keine oberflächlichen wandelnden Tagtraum-Fabriken, sondern die neuen Stimmen, die viele von uns gern mal lesen würden.

Diese scheuen Rehe des Buchmarktes stehen sich aber selber im Weg. Um wirklich gut zu schreiben, braucht man die Fähigkeit, vielschichtig auf vielen Ebenen gleichzeitig zu denken. Man muss ein guter analytischer Psychologe sein und gleichzeitig die Empathie einer lieben Mama haben, die jede Romanfigur versteht und liebt wie sie ist. Wirklich gut zu schreiben erfordert einfach Lebenserfahrung, Abstraktionsvermögen, sprunghaftes Denken auf vielen Ebenen, das zu logischen Handlungssträngen verknüpft wird. Und wer so tickt, hat ein Problem. Erstens: Es braucht viel Zeit und Energie, gut zu schreiben, da hat man den natürlichen Trieb, sich vor ständigen Ablenkungen zu schützen. Zweitens: Wer so komplex und vielschichtig denkt, leidet auch an komplexen und vielschichtigen Selbstzweifeln. Isso. Wissenschaftlich erwiesen.

Die Fähigkeiten, die man also zum Schreiben braucht, werden zum Stolperstein, wenn es darum geht, sich selbst zu vermarkten. Ich kenne Autorinnen, die arbeiten wirklich sehr hart an ihrem Marketing, fühlen sich dabei aber gar nicht wohl. Weil sie stille Denkerinnen sind, Schriftsteller sind schüchtern, sonst wären sie Rockstar geworden. Und solche Autorinnen finden es von ihrem Wesen her extrem unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. Sie finden ja schon den Gedanken schlimm, dass jemand denken könnte, dass sie im Mittelpunkt stehen wollen! Weil es einfach nicht wahr ist! Noch schwieriger ist es dann, sich selbst in den Mittelpunkt stellen zu müssen, damit endlich mal die Bücher irgendwann im Mittelpunkt ankommen.

Alle nicht-schreibenden unter euch können sich jetzt vielleicht eher ein Bild davon machen, warum es so schwierig ist, die „anderen“ Bücher (die es ja definitiv gibt!) zu finden. Weil die Schöpfer derselben sich eigentlich lieber mit ihrem Laptop unterm Tisch verstecken und ungestört schreiben würden, anstatt laut klappernd durchs globale Dorf Internet zu laufen und sich selbst zu loben. Das ist einfach verdammt schwer.

Wie schaffen wir jetzt eine Schnittstelle?

Ich freue mich riesig, wenn ihr als Buchblogger oder Leser (und natürlich auch die Autoren unter euch!), Ideen habt, wie man die vom Einheitsbrei gefrusteten Buchblogger und die stilleren Autoren mit den „anderen“ Büchern zusammenbringen kann. Vielleicht könnten Buchblogger sich für die Kategorie „Selfpublisher“ oder „Nischenautor des Monats“ öffnen oder ähnliches und damit auch ein alternativeres Lesepublikum anziehen. Vielleicht könnten die Buchblogger, die sich hierher verirren, uns Selfpublishern auch Anregungen geben, was euch helfen könnte, eine Auswahl zu treffen. Was braucht ihr von uns? Vielleicht kommen auch welche von den eher stillen AutorInnen hierher und erzählen kurz, wie sie sich mit ihrem Marketing fühlen und was sie gern anders hätten?

Und wo wir gerade dabei sind: So viel Eigenwerbung muss mir jetzt erlaubt sein! Falls du Buchblogger bist und Frischfutter suchst, sieh dich ruhig auf meinem Blog um, ich bin zu jeder Schandtat bereit! 😀

Und jetzt bin ich sehr gespannt auf eure Meinungen, danke euch fürs Lesen dieses meterlangen Artikels und freue mich auf die Kooperationen, die vielleicht entstehen werden!

Eure Sookie