Tatort über Polyamorie: Knapp daneben ist auch vorbei!

Tatort über Polyamorie: Knapp daneben ist auch vorbei!

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal eine Tatort-Kritik schreiben würde, für die mich keiner bezahlt (normalerweise mach ich so was nur für Geld), aber heute muss das sein. Denn der Tatort vom 21.5.2017 war zwar mit dem Schlagwort Polyamorie getaggt, hatte aber mit Polyamorie so viel zu tun wie ein Kaspertheater mit artgerechter Krokodilhaltung!

Und weil wir hier bei Sookie sind, überlasse ich die sachliche Berichterstattung dem Polyamorie-Magazin (ohne das ich von dem Drama nie erfahren hätte), da findet ihr auch einen Link zur Inhaltsangabe, falls ihr am Sonntag-Abend tatsächlich was besseres zu tun hattet, als Glotze gucken.

Ich hatte mir extra den einzigen Fernseher in unserer WG reserviert und musste dann erst mal die Flaschen und Pizzareste von der kleinen Party gestern Abend entfernen, weil ich nicht die spektakulären Actionszenen durch eine PET-Flasche verfolgen wollte und dann ist mir dummerweise der Milchreis auf die Wolldecke geklatscht, aber das hat alles mit Polyamorie so viel zu tun wie der Tatort selbst.

Auch an Tatort-Kommissaren geht das Leben nicht spurlos vorüber!

Grundsätzlich kann ich sagen: Ich war schockiert. Als ich das letzte Mal einen Tatort aus München gesehen habe, hatten die Kommissare nämlich braune Haare und jetzt sehen die aus wie Schafe! Weiße Wolle! So was macht mich immer ganz melancholisch. Diese Vergänglichkeit. Eines Tages werden wir alle tot sein. Tja.

Vorher sind aber die Mordopfer dran und das waren in diesem Fall ahnungslose Damen, die alle eine Beziehung zum selben Mann zu haben glaubten. Wahrscheinlich hatten sie sogar wirklich eine, also die Damen, aber er nicht so unbedingt. Also nicht im klassischen Sinne. Oder doch. Eher im so klassischen Sinne, dass ich eingeschlafen wäre, wenn ich mir nicht fest vorgenommen hätte, über dieses Event zu bloggen.

Der Herr hatte nämlich ein Problem. Für mein Empfinden wurde da die ganz tragische Geschichte eines sexsüchtigen Mannes dargestellt, der mit „patriarchaler Beschaffungskriminalität“ sein Leben organisiert. Heimlichkeiten, Lügen, Verschleierungstaktik. Aus der Geschichte hätte man – vollkommen fern vom Thema Polyamorie – tatsächlich ein Drama mit Tiefgang machen können, was aber leider nicht geklappt hat.

Denn im Tatort-Zyklus stand mal wieder eine „heitere“ Folge auf dem Programm. Also, öffentlich-rechtlich heiter, ihr versteht mich schon. So heiter wie dieses biedere Beruferaten mit Robert Koch. Hieß der so?

Da gab es auch immer diese Raterunde mit den Schlafbrillen, die aus heutiger Sicht aussehen wie ein Vorläufer von 50 Sha … kann aber auch sein, dass ich mich da vertue, als das im Fernsehen kam, hatte ich noch „Kimba, den weißen Löwen“ auf dem Schlafanzug. Äh, verliere ich gerade den Faden?

Die Komik war nicht komisch, aber die unfreiwillige Komik hatte was!

Tatort, genau! (Fernsehen verwirrt mich immer so!) Also, der Herr war ein erfolgreicher Architekt und mir persönlich hat sich der Charme dieses „Serientäters“ nicht ganz erschlossen, aber muss ja auch nicht. Was mich etwas irritiert hat, waren die Augenbrauen, die aussahen wie schwarze Filzuntersetzer. Man hatte das Bedürfnis, dem Herren dazu zu gratulieren, dass Theo Waigel damals die Augenbrauensteuer aus Eigeninteresse nicht durchgedrückt hat. Also, ich mein … ich weiß. Äußerlichkeiten werden total überbewertet, aber ich bin schließlich auch nur ein schwach und wankelmütig Weib, und, Mädels, könntet ihr unter einem Mann liegen, wo ihr immer denkt, gleich fällt – plopp – eine Augenbraue ab und ihr habt das Ding als Seehundebart im Gesicht hängen und seht plötzlich aus wie der Genosse Stalin?

Besonders irritierend fand ich immer die Gegenschnitte Weißer-Wollkommissarkopf/Schwarzer-Filzuntersetzer/Weißer-Wollkommissarkopf, und das alles mit einer geradezu murnauesken Beleuchtung, das fand mein hochbegabtes Gehirn leider so komisch, dass ich Schwierigkeiten hatte, mich auf die Dialoge zu konzentrieren, aber die waren vielleicht auch gar nicht so wichtig.

Wichtig war in unserem Zusammenhang, dass der Herr vier bis fünf (eine ließ er gerade auslaufen) parallele Beziehungen führte und nur eine der Damen von den anderen wusste, die anderen lebten im Tal der Ahnungslosen, und das nicht in der Zone, sondern mitten in München. Die waren jahrelang mit ihm zusammen und dachten alle, sie wären die einzige Frau in seinem Leben. Und das hat nichts, nie nichts, aber auch rein gar nichts, mit Polyamorie zu tun. Datt war schlicht und ergreifend Betruch.

Erstmal muss jetzt kurz eine Definition her, tut mir leid für die, die sie auswendig kennen, aber das muss jetzt sein. Polyamorie setzt immer Einvernehmlichkeit und Transparenz voraus. Also: Jeder weiß, wo er dran ist und erklärt sich damit auch einverstanden. Hinterm Rücken Fremdgehen und „Was die nicht weiß, macht die nicht heiß!“-Spielchen gibt es da nicht.

Und in der geschätzten ersten Stunde fiel der Begriff Polyamorie in diesem Tatort auch nicht, die Kommissare waren auch viel zu beschäftigt damit, immer neue Geliebte ausfindig zu machen und denen mehr oder weniger schonungslos ins Gesicht zu sagen, dass sie nicht die einzige Gespielin sind.

Und ganz ohne Witz. Ich fand den Tatort nicht besonders gut gespielt, man hat seltsamerweise keine Sekunde vergessen, dass das alles nur Schauspieler sind, die auswendig gelernte Sätze aufsagen. Nicht nur wegen des schrecklichen Vintagefilters, den die überall draufklatschen, wirkte die ganze Veranstaltung wie eine uralte Wiederholung von „Der Alte“ um drei Uhr morgens auf Dreisatz. 3sat. Mist.

Aber diese Szenen, wo einer Frau nach der anderen serviert wurde, dass sie jahrelang mit einer Illusion gelebt hat, waren richtig gruselig. Kann einem auf der Beziehungsebene etwas schlimmeres passieren, als zu erfahren, dass der Mensch, dem man vertraut und geglaubt hat, einen die ganze Zeit betrogen, hintergangen und belogen hat?

Dem Herrn Augenbraue, der trotz allem das Etikett „charmanter Filou“ im ganzen Tatort einfach nicht richtig los wurde, fehlte da allerdings jede, jede!, Empathie. Er fand sein Leben perfekt, bis jemand anfing, seine Frauen (Gebrauchsgegenstände wäre aus seiner Sicht passender) umzubringen. Um es wissenschaftlich auszudrücken: Diese Arschkrampe war einfach nur zum Kotzen. Schade nur, dass diese Thematik nicht mehr Raum in der Story bekam und noch schadiger nurer, dass dieser Dienstmädchenficker aus dem neunzehnten Jahrhundert nicht ganz klar als nicht polyamor rausgearbeitet wurde.

Aber dann! Dann witterte ich Morgenluft. Denn die einzige Gespielin, die von den anderen Frauen wusste, erklärte den Wollköpfen, dass Herr Augenbraue nicht polyamor ist, da er seine Partnerinnen ja betrügt. Sie dagegen sei polyamor. Im ersten Moment dachte ich naives Schaf: „Ah, endlich spricht eine Figur den Unterschied so klar aus, dass selbst ein RTL-Zuschauer ihn verstehen würde!“ Im zweiten Moment dachte ich: „Hö?“

Im dritten Moment richtete ich mich so empört auf, dass mir die Chipstüte von der Couch fiel, und zwar mit der Öffnung nach unten. Scheiße, Sauerei! Die einzige Figur, von der ich gedacht hatte, dass sie für öffentlich-rechtliche Verhältnisse fast so was wie eine subversive Sympathieträgerin sein könnte – nee, halt. Das war ganz anders. (KAFFEE! ICH BRAUCH HIER GANZ DRINGEND MAL EINEN KAFFEE!)

Verschissen hatte die blöde Sau schon bei mir, als Augenbraue zu ihr eilte, um ihr zu sagen, dass er gerade erfahren hatte, dass eine seiner Frauen ermordet worden war.  Also. Wenn ich einen Partner hätte, der völlig aufgelöst zu mir kommt und sagt, eine Frau, die er liebt, ist gerade ermordet worden, dann würde ich den in den Arm nehmen und wahrscheinlich eher mit dem Heulen anfangen als er. Weil sein Schmerz mich ganz abgrundtief traurig machen würde. Das würde mir glaub ich sogar passieren, wenn ich monogam wäre! Erst würde ich heulen und klagen und dann irgendwann fragen: „Hö? Moment mal, von welcher Frau reden wir hier?“ 😀

Jedenfalls würde ich nicht das tun, was die „polyamore“ Frau im Tatort getan hat! Erstmal schön lecker die Jean Harlow Nummer abziehen! Would you be shocked if I put on something more comfortable?

Wirft sich da sofort in ihr glitzerndes Sateng-Bademäntelken und bläst dem Typen erstmal die Rübe weg. Danach hat er dann auch kurz melancholisch geguckt. Ja, so sind sie, die Polys! Auch der Mechanismus, Gefühle wie Trauer nicht zuzulassen, sondern durch Sex wegzudrücken, rückte diesen Tatort für mich eher in Richtung Sexsucht als in Richtung Polyamorie, und die beiden haben ja ungefähr so viel miteinander zu tun wie eine Silberplatte mit dem Mond. Für Leute, die keine Ahnung haben und auch nicht haben wollen, sieht das eben beides ähnlich aus.

Jedenfalls schoss diese laszive Dame ein fatales Eigentor und manifestierte ein Vorurteil, gegen das echte Polyfrauen dann mal wieder kämpfen können. Der Knaller ist ja nicht polyamor, sie schon. Denn Polyamorie erfordert Offenheit und Einvernehmlichkeit. Hallooo? Wieso macht sie sich dann zum Werkzeug, mit dem andere Frauen gegen ihren Willen betrogen werden? Damit hat sie sich in meinen Augen zur Walking Bitch qualifiziert und andere können den Scherbenhaufen dann eben wieder wegmachen. Danke, liebe ARD!

Fazit?

Der Tatort gilt als eine Art Seismograph der Gesellschaft. Wenn ein Thema es in den Tatort schafft, wird es innerhalb der Medienlandschaft als „irgendwie“ relevant eingestuft. So weit, so gut. Und natürlich ist jedem klar, dass ein 90 minütiger Krimi immer nur Klischees anreißen kann und letztendlich nie mehr ist als Unterhaltung.

Dieser als „witzig“ getarnte Tatort war aber so konservativ, wie man sich als Nordlicht Bayern vorstellt. Die männliche Hauptrolle war ein alberner Seppl, der hinter seinem Schwanz herlief wie der Esel hinter der Möhre an der Angel. Monogame Frauen waren eine einheitliche Masse aus naiven, liebessüchtigen Dummchen, die jahrelang nicht peilen, dass ihr Mann noch vier andere Beziehungen laufen lässt. Die einzige „polyamore“ Frau strotzte vor selbstgefälliger Doppelmoral, hat „Einvernehmlichkeit“ und „Einbahnstrasse“ verwechselt und wollte dem Esel sowieso nur an die Möhre.

Wirklich gut weggekommen ist da keiner. Als Sahnehäubchen hatte Kommissar Schafskopf eine Affäre mit einer verheirateten Frau, die nach dem Sex nicht zum Essen geblieben ist, weil ihr Mann drauf gewartet hat, dass sie vom Pilateskurs kommt. Da hab ich mich gefragt: Hö? Hat der Gatte keine Nase? Das riecht man doch, wenn der vertraute Partner direkt aus einem fremden Bett kommt! Oder stürmt die Frau einfach zu Hause rein und ruft: „Hach, Schatz, ich bin vom Sport ganz verschwitzt, ich geh erst mal duschen!“?

Ich versteh das alles nicht. Ich hätte zum Fremdgehen gar nicht die Nerven! Nee, das war alles viel zu aufregend für mich. Ich halte es dann lieber mit Francois Villon und bleibe unter dem Hollunderstrauch, auf den noch nie ein Stern hernieder schien. Tatort gucken ist nichts für mich. Sookie ab.

Akute Polyamorie – Panik in der Bevölkerung

Akute Polyamorie – Panik in der Bevölkerung

Immer öfter geistert der Name einer ansteckenden Seuche durch Medien und soziale Netzwerke, die mitten unter uns grassiert! Polyamorie ist ein nicht zu unterschätzendes Phänomen, das vollkommen zu Recht Angst und Schrecken verbreitet!

Ich sag das nur zur Sicherheit: Ich tippe diesen Artikel mit einer Hand, weil ich mit der anderen das SARKASMUS-SCHILD hoch halte! Versteht ja nicht immer jeder, nä?

Bei der Polyamorie handelt es sich um nicht artgerechtes Verhalten, weil nämlich! Es gibt Menschen, die haben mehr als einen Partner! Für länger! Oder sogar für richtig lange! Also, mit Absicht! Und die erzählen sich das auch noch gegenseitig! Die wollen das gar nicht anders! Unfassbar.

Als Fachfrau für investigativen Sarkasmus habe ich deshalb todesmutig recherchiert und die wichtigsten Fakten über Polyamorie für euch zusammengetragen! Fünf Minuten meines Lebens dahin, dahin, ja? Für immer! *schrei* Aber egal! Ich finde, da muss Aufklärung her!

Was Polyamorie mit Menschen anrichtet!

  1. Polyamore Menschen leben grundsätzlich in Kommunen ohne Privateigentum und tragen Batikkleider – auch die Männer!
  2. Die Kinder in polyamoren Familien wissen alle nicht, wer ihr Vater ist, das schädigt ihre Entwicklung!
  3. Polyamore Frauen lassen ihre Kinder im Kollektiv aufwachsen, damit sie sich nicht drum kümmern müssen, weil sie lieber fi****.
  4. Wer sich für Polyamorie entscheidet, muss für den Rest seines Lebens mit mindestens zwei anderen Menschen das Kopfkissen teilen – Fotos in der Presse beweisen es!
  5. Durch die sogenannte „Vielliebe“ arbeitet keiner mehr bei der Müllabfuhr, weil dann alle nur noch fi****. Schlimmer als das Grundeinkommen!
  6. Polyküle verseuchen das Grundwasser und belasten die Umwelt!
  7. Polyamore Männer sind blöder als ein Pfund Tofu! Sogar zu blöd, um ihre Frauen anzulügen! Anständige Männer verstehen die Regeln und gehen heimlich fremd!
  8. Fi****!
  9. Fi****!
  10. Ich will aber auch fi****!

Quelle: Fratzbuch

Folgende Archetypen kristallisieren sich in der öffentlichen Diskussion heraus:

Die monogame Ehefrau!

Mei, is des a liabs Madl!

Die monogame Ehefrau auf Fratzbuch kennt weder Rast noch Ruh, wenn es darum geht, Frauen anzugreifen, die Polyamorie als eine Möglichkeit des feministischen Lebensstils durchdenken. Dabei schreckt sie auch nicht davor zurück, mutig diesen garstigen (und ihr völlig unbekannten) Rivalinnen schon mal prophylaktisch das Haus zu verbieten, weil die ja alle nur ihren Mann fi**** wollen!

Ein Ehemann ist Privateigentum und wird auch als solches mit allen Mitteln verteidigt! War ja schwer genug, den Scheißkerl endlich einzufangen! Da der Ehemann weder das Recht noch die Fähigkeit hat, selbst zu denken, ist die Ehefrau das letzte Bollwerk im Kampf um eine geregelte Zivilisation.

Der Mann!

Fratzbuch-Nutzer sind sich einig: Das charmante Lächeln und der harmlos verpeilte Blick täuschen! Ganz besonders polyamor eingestellte Affen sind primitive Männer, die … Nee. Umgekehrt, oder? Jetzt bin ich raus … auf jeden Fall alle. Poly, mono, egal. Alles Affen! Sagen die Affen. Also, über die anderen Affen. Ist ja auch nicht so wichtig.

The walking Bitch!

Im Volksmund wird diese nicht-monogame Spezies auch Schlampe genannt. Ihr sexueller Hunger ist unersättlich, Mitgefühl mit Frauen, die ihren Mann gern für sich hätten, ist der Schlampe vollkommen fremd. Sie robbt skrupellos nachts in Tarndessous durch die Gärten und bricht in Häuser ein, um wehrlose Männer zu überlisten! Erste Versuche mit Elektrozäunen schlugen fehl. Da müssen Gesetze greifen!

Fazit?

Manchmal bin ich so müde … einfach nur müde … Ich denke, ich werde mir noch ein bisschen leise summend die Fliegenklatsche vor die Stirn hauen und dann ein paar fratzbuchfreie Tage einlegen ….

 

Polyamorie vs. 50 Shades: Da muss ein zweiter Teil her!

Polyamorie vs. 50 Shades: Da muss ein zweiter Teil her!

Das haben wir jetzt davon! Tja.

Ihr Lieben! Zu meinem Artikel von gestern sind mir in einer geschlossenen FB-Gruppe so viele Fragen um die Ohren geflogen, dass ich beschlossen habe, meine Gedanken dazu in einem weiteren Artikel zusammenzufassen. Denn die Gruppenmitglieder waren extrem hilfreich und inspirierend und haben mir gezeigt, an welchen Stellen ich mal wieder zu chaotisch war. Schwachstellen im Statement? Wo? Wrrrrrrrrrrrrommmmmmmmmm …

Au, ja, ich hab eine Idee, wir machen einfach einen List-Post, dieses komische Ding für die Usability, ihr wisst schon, mit Zahlen. Ich hasse Zahlen. Aber wir kriegen das hin! Ich lass es jetzt einfach mal fließen.

Punkt 1: Und was hat Miss Steel jetzt mit Polyamorie zu tun?

Sookie legt müde den Kopf auf die Tischplatte und seufzt: „Alles, einfach alles!“

Ja. Da muss ich mir wieder so was von an die Nase fassen, aber so was von! Offenbar war ich mal wieder total betriebsblind und dachte, es weiß ja eh jeder, was ich meine! Jetzt gerade fühle ich mich, als hätte ich eine Deutscharbeit abgegeben, in die ich nur reingeschrieben habe „Wer das liest, ist doof!“, und mich dann wundere, wieso der Lehrer das zugehörige Universum in meinem Kopf nicht da heraus lesen konnte. Dabei handelt es sich doch ganz klar um eine Brecht-Interpretation, die es einfach auf den Punkt bringt!

Also, Sookie, durchatmen, Tee kochen, weiter geht’s. Für mich ganz persönlich, ja, wie gesagt, kein Monolith, ist die Gegenüberstellung 50 Shades und Polyamorie quasi zwingend, zwingend!, ja? (Mein Gott, ich hör mich schon an wie meine Omma, die hat auch immer die wichtigen Wörter kursiv wiederholt.)

Denn: Miss Steel ist die Anti-Polyfrau!

Ich versuche, mich kurz zu halten, ihr habt auch noch was anderes zu tun, also stelle ich das so knackig wie möglich gegenüber:

Miss Steel: Weil ich auf mich halte, ziere ich mich zwar immer ein bisschen, aber ich messe meinen Wert als Frau schon daran, was ein Mann mir für Geschenke kauft, klar. Wenn er ungefragt mein geliebtes olles Auto verkauft, um mir einen Neuwagen vor die Tür zu stellen, lasse ich mir auch kichernd den Popo verhauen, wieso nicht? Wenn er mich nicht lieben würde, würde er doch nicht über meinen Kopf hinweg meine Sachen stehlen und verkaufen! Ich muss ihm wirklich was bedeuten! Das verpflichtet mich ja natürlich auch irgendwie zu sexuellen Handlungen, die ich gar nicht verstehe und eigentlich auch nicht mag, aber das Auto ist so süß!

Polyfrau: Samma, geht’s noch?

Miss Steel: Christian ist ein unverheirateter Milliardär, natürlich sind die ganzen Bitches an der Uni scharf auf ihn! Aber denen hab ich es richtig gezeigt, hihi! Ich hab einfach rumerzählt, dass er schwul ist! Aber was soll ich machen? Wenn ich ihn für mich haben will, muss ich die Konkurrenz ausschalten, oder nicht?

Polyfrau: Liebes, möchtest du nicht mal drüber nachdenken, ob eure Beziehung nicht wertvoller ist, wenn er um deinetwillen mit dir zusammen ist und nicht deshalb, weil du die Konkurrenz ausgeschaltet hast? *kopfschüttel*

Miss Steel: Ich mag es ja nicht, zu springen, wenn ein Mann pfeift, aber was solll ich denn machen? Wenn er mich in seinem Hubschrauber mitnimmt oder auf Partys bei den Reichen und Schönen, da muss ich doch schwach werden! Ich lass dann alles stehen und liegen! Und natürlich ist Christian mir wichtiger als die Karriere, für die ich jahrelang studiert habe! Wenn er nicht möchte, dass ich berufliche Termine wahrnehme, dann mach ich das auch nicht, eine gute Frau tut so was schließlich für ihren Partner und Christian mag es eben nicht, wenn ich ohne ihn das Haus verlasse.

Polyfrau: Äääääh, darüber muss ich erst nachdenken … aus welchem Jahrhundert kommst du noch mal genau?

Ich könnte die Liste endlos fortführen, aber ich denke, ihr habt verstanden, worauf ich hinaus will. Anti-Polyfrau. Da kommt auch schon die Vorlage für:

Punkt 2: Emazipation muss heißen, dass jede Frau wählen kann, wie sie leben möchte. Also auch Miss Steel.

Jein. Natürlich verstehe ich das Argument und nicke da sofort. Allerdings hinterfrage ich da auch das Wort Emanzipation, denn das bezieht sich ja nicht nur auf die Gleichstellung aller sechzig Geschlechter, sondern auch auf einen geistigen Wachstumsprozess. Und der findet für mich hier nicht statt, oder ich hab ihn übersehen.

Emanzipation findet dann statt, wenn man sich aus Abhängigkeiten befreit. Dafür muss eine Bewusstwerdung bestehender Abhängigkeiten vorangehen. Wenn eine Frau also aufgrund bewusster Denkprozesse entscheidet, dass sie jetzt eben einfach mal die Rolle des romantischen Mädchens an der Seite eines starken, reichen Mannes ausleben will, obwohl sie auch die Wahl hätte, andere Lebensmodelle zu leben, bin ich die Erste, die gratuliert. Genießt es und lasst es euch gut gehen, keine Frage.

Wenn eine Frau aber schon als Mädchen gelesen hat, dass der stieselige Mister Darcy deshalb attraktiv ist, weil ihm die halbe Grafschaft und Pemberly gehören, und wenn sie in einem Umfeld lebt, in dem ausschließlich Frauen unterwegs sind, die hirnlos sabbern, weil sie darauf konditioniert sind, Speichel abzusondern, wenn ein unverheirateter Milliardär mit seinem Glöckchen …

Oh, neeee! Sorry, aber das muss jetzt eben sein, sonst platze ich! Ich hab nämlich neulich bei einer meiner etymologischen Forschungsdingdas gelernt, dass … also. Ich komme da jetzt drauf wegen des Glöckchens und eigentlich war ich da gestrandet, weil ich den Namen einer Pflanze recherchieren musste und fragt mich jetzt bitte nicht nach der History in meinem Gehirn, ich hab den Cache gelöscht, aber das Wort „Pimmel“ kommt aus dem Niederdeutschen und ist die Entsprechung zum hochdeutschen „Bimmel“. Also, öhm, wenn der Milliardär also bimmelt, dann sabbern die konditionierten Damen. Höhö, ich schmeiß mich weg, ich liiiiebe die deutsche Sprache, sie ist so komplex! Den Pawlowschen Hund mit Emanzipation und albernen Wörtern für Geschlechtsteile zu verknüpfen kann auch nur mir passieren!

Jetzt hab ich aber gelesen, dass Frauen „kleine“ Wörter für eben jenes Geschlechtsteil bevorzugen oder sich lieber sachlich und erwachsen äußern, also Penis oder Glied, ganz wertfrei. Männer hingegen bevorzugen Wörter, die sich nach großen und harten Sachen anhören. Rohr, Latte, Ständer, etc. Interessant, oder? Wie wir so über Sprache unsere Selbstwahrnehmung äußern. Und ich geb offen zu, ich könnte auch keinen Mann ernst nehmen, der von seinem Pillemännchen redet. Ist ja auch egal. Ich formuliere es einfach anders, euer Ehren.

Wenn der Milliardär mit dem Zaunpfahl winkt, sabbern also die Damen in Miss Steels Welt. Und da kommt der Haken bei der in meinen Augen fehlenden Emanzipation. Das arme Hascherl strebt nach dem goldenen Käfig als Lebensmodell, weil sie schlicht und ergreifend keine Alternative kennt. Aber sonst, wie gesagt, falls ihr aus freien Stücken glücklich seid mit einem Milliardär und einen Housesitter für eins eurer Anwesen braucht, hinterlasst mir einen Kommentar!

Punkt 3: Öh, wie formuliere ich das jetzt. Ich hab den Artikel geschrieben, um alles in eine Schublade zu stopfen und mich in meiner Opferrolle zu suhlen.

Hm. Ja. Die Wahrnehmung respektiere ich natürlich. Der Kommentar tat auch gut, weil, ich hab mich dann sofort heulend aufs Bett geworfen und konnte mich mal wieder so richtig als unverstandenes Opf … Sookie, aus! Jetzt lass das! Hol mal eben die Goldwaage, jetzt wird es wirklich kniffelig. Ich muss das eben noch mal nachlesen …

Ja. Die Leserin hatte das so verstanden, dass ich mich von dem Film angegriffen fühle und darin sehe, dass er „Slutshaming“ betreibt. Fantastisches Wort, das kommt sofort in meinen aktiven Wortschatz, danke dafür! Ich hab jetzt intensiv darüber nachgedacht, womit ich den Eindruck vermittelt haben könnte, dass ich mich von Miss Steel angegriffen fühlen könnte. Wenn ein mobiles Einsatzkommando mein Arbeitszimmer stürmt, mich auf den Boden schmeißt und die Waffen auf mich richtet, dann fühle ich mich angegriffen. Das Phänomen 50 Shades sehe ich allerdings eher als ein intellektuellles Problem, dessen Auswirkungen mich emotional machen, ja? Die Auswirkungen! (Danke, Omma.)

Nur als ganz praktisches Beispiel. Ich nehme an jeder Ecke wahr, dass das Frauenbild, von dem wir als kleine Mädels mit unseren „Petting statt Pershing“-Stickern in den Achtzigern dachten, dass es in der Zukunft frei und großartig sein wird, immer reaktionärer und abwertender wird. Eine meiner Töchter ist die geborene Analytikerin und eine sehr, wie soll ich das sagen, sachlich-distanzierte Forscherin, wenn es um das menschliche Verhalten geht.

Neulich erzählte sie mir, dass eine neue Mitschülerin sich mit den Jungs besser versteht, gerne mit denen rumhängt und jetzt in der Clique auch einen Freund hat. Da denke ich mit meiner Prägung: Cool, wir waren damals als Mädels auch die besseren Jungs! Nein, das war blöd, keine Wertung, aber als ich klein war, wollte ich Starsky und Hutch werden. Später hab ich begriffen, dass das gar kein Beruf ist, aber eine Männerdomäne, Mist.

Jedenfalls wird dieses Mädchen, das da gern mit den Jungs rumzieht, von den anderen Mädchen als Schlampe, Bitch oder eben Slut klassifiziert. Also, junge Mädchen und Frauen fungieren hier als die besten Wächter des patriarchalen Gedankenguts und wissen es nicht! Dafür sind sie aber am Valentinstag alle ins Kino gerannt, um seufzend mit Miss Steel zu erleben, dass sie im Tausch für ihre Jungfräulichkeit auch mit einem Ring belohnt wird. Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden. Tja. Tolkien war wahrlich ein Visionär, höhö.

Öhm, was ich sagen wollte: Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, es gibt tatsächlich Momente, wo ich mich wie ein Opfer fühle. Und zwar, weil ich in einer Welt lebe, die durch ein paar tausend Jahre menschenverachtende Gehirnwäsche geprägt ist. Manchmal darf ich jammern. Sonst hätte ich ja keine Ausrede, Schokolade zu essen.

Allerdings bin ich kein wehrloses Opfer, sondern eins, das ja die Klappe aufreißen kann, wenn ihm was nicht passt. Unter anderem unterwandere ich deshalb den süßen Mainstream-Buchmarkt und hab letzte Woche voll subversiv das Wort „Polyamorie“ in die Top 100 für zeitgenössische Literatur bei Amazon gebracht. Dass ich heimlich beladen mit Sendung bin, soll natürlich keiner wissen, sonst wär das auch mit Platz 15 nichts geworden, man könnte sich ja anstecken. Aber dem Vorwurf, dass ich eine Jammersuse bin, die nur über Rollenmodelle winselt, anstatt dem mal was entgegenzusetzen, kann ich ganz entspannt ins Gesicht lächeln.

Punkt 4: Restzipfel, damit wir heute noch mal fertig werden!

Wenn ich sage, dass ich einen BH verbrennen gehe, was mein ich damit? Da hab ich zu hoch angesetzt und ein hausinternes Synonym zu salopp verwendet, das könnt ihr ja nicht wissen. „Ich geh einen BH verbrennen!“ heißt: Mir ist gerade danach, was feministisches zu tun. Ich könnte auch das Fenster aufreißen und schreien: „Der Feminismus lebt! Ihr kriegt mich nicht klein, ihr nicht!“

(Meine Töchter tippen sich auch immer nur an die Stirn und sagen: „Bist du bescheuert? Weißt du, wie teuer die Dinger sind?“ Ich erkläre ihnen dann, dass die Symbolik aus einer Zeit stammt, als amerikanische Hausfrauen noch ein Leben wie Doris Day geführt haben, und da haben die Männer noch die „Büstenhalter“ bezahlt. Dann fragen sie natürlich „Who the fuck is Doris Day?“, aber … nein, doch. Ich wollte gerade sagen, wir machen Fortschritte, aber wenn Miss Steel nicht die neue Doris Day wäre, hätten wir den ganzen Salat hier ja nicht und könnten alle was sinnvolleres machen. Ist ja auch egal. Muss ich noch eine Klammer zu machen? Ich mach’s einfach mal.)

Nächster Zipfel. Aus meinem Artikel tropfen viel Traurigkeit und Frustration. Erst wollte ich gekränkt sein. Man ist auf Facebook so daran gewöhnt, dass Gefühle als Schimpfwörter benutzt werden. Aber, nö, du hast Recht, liebe Kommentatorin, ich bin manchmal traurig und frustriert und beschließe jetzt, mich einfach mal richtig wahrgenommen zu fühlen und das ist gut so.

Ah, jetzt geht mir mal kurz das Herz auf: Eine kluge Frau, die mit Wortwitz und mentaler Schärfe angemessen umgehen kann, ist erotisch. *seufz* Ich gönne mir einen kurzen Moment nostalgischer Eitelkeit und sonne mich in dem Gefühl, dass die schrullige tippende Teetasse mit Berlin gleichzieht: Arm und sexy! Tschacka! Ich sollte öfter mal mit meiner Clownsmakse auf die Straße gehen, vielleicht guckt mir dann auch mal wieder jemand hinterher! 😀

Was hatten wir noch? Der Artikel ist wenig reflektiert und schmeißt wütend in alle Richtungen. Yäp! Das macht tierischen Spaß, du solltest das auch mal ausprobieren! Aber wie ich schon sagte: Sach- und Fachartikel, aber auch erzählende Literatur schreibe ich für Leser und für Geld. Meinen Blog schreibe ich, weil die Kettensäge so geil in der Hand liegt und ich beim Schreiben oft Tränen lache, einfach, weil ich es liebe, dieser Flow, wenn es einfach nur blubbert. Ich bin ja nicht die linke Bürgerpresse, höhö! Ich bin hier ganz gerne einfach mal emotional und „unreflektiert“, das ist herrlich entspannend und gibt meinen Lesern auch die Möglichkeit, die Menschin hinter den Romanen zu lesen.

Apropos Menschin! Was nichts mit dem russischen Längenmaß „Arschin“ zu tun hat. Für Tolstoileser muss man das ja dazu sagen. Irgendwo war glaub ich auch noch was, oder war das woanders? Auf jeden Fall hab ich im Kopf, dass ich irgendwie feministisch, also gegen Männer bin. Das ist genau der Grund, wieso ich mich hin und wieder bei Schwestern dafür entschuldige, dass ich keine bekennende Feministin bin. Denn Feminismus bedeutet immerhin, dass man Menschen noch in Geschlechter unterteilt. Das hab ich aufgegeben. Für mich sind Menschen einfach Menschen.

Ach so, ähm, Zipfel … äh, dass Frauen zurück ins neunzehnte Jahrhundert gehören, war nicht meine Projektion, sondern die von Miss Steel … und, ja. Alle Kerle, die Frauen im 70er Jahre Look attraktiv finden, sind eindeutig pädophile Schweine. Schwanz ab! Zack! Kettensäge, alle an die Wand, und da sind die Gnadengesuche schon berücksichtigt! 😀

Ähm, was ich eigentlich damit sagen wollte, war, dass in meinen Augen in diesem epischen Werk, das zweifelsohne von den geistigen Erben Leni Riefestahls verfilmt wurde, in dieser Hochglanzästhetik einige Sidekicks nicht so ganz klar rausgearbeitet wurden, wie zum Beispiel das verhalten gestaltete „Schulmädchensex“-Klischee, das auch dazu geeignet ist, mit Herren mit entsprechender Neigung einfach Kasse zu machen.

Und, was soll’s, ich bezieh da jetzt ganz klar Stellung. Ja, ich habe total unreflektiert und vollkommen off topic mal kurz dem Porno-Genre „Schulmädchensex“ mit der Kettensäge en passant den Schädel rasiert. Und das arbeitet nun mal erwiesenermaßen mit dem gleichen Style wie Miss Steel. Flache Schuhe, kurze Röckchen, kindliche Frisur und unschuldiger Blick. Wenn man das Wort „Unschuld“ aber in diesem Kontext begreift, wo weibliche Lust eben mit „Schuld“ behaftet ist …

Nein, ich hab mich verfranst, ich komm noch mal rein, das ist echt ein sensibles Thema und ich will niemanden triggern. Also, irgendwo klang an, dass ich gegen Frauen bin, die gern mit ihrer Unschuld Männer verführen. Ich bin nicht gegen Frauen als Individuen, niemals, ich bin gegen die komplexen Metaebenen, die uns allen im Alltag kaum bewusst sind. Aber ich bin gegen das Wort „Unschuld“ im patriarchalen Sinne, denn dieses Wort hat mit der christlich-abendländischen Prägung schon genug mitgemacht. Denkt nach, Schwestern! Und, äh, Brüder, ihr natürlich auch!

Eine Frau, die keinen Sex hat, ist unschuldig. Daraus folgt, dass eine Frau, die Sex hat, schuldig ist. War ein Mann schon mal schuldig, weil er sexuelle Erfahrung hat? Ich kenn keinen. Ist ja auch egal. Jedenfalls wehre ich mich dagegen, mich als Frau schuldig zu fühlen, weil ich Sex habe. Jetzt als Frau zu genießen, dass Männer mich begehren, weil ich unschuldig bin, ist nach dieser Logik aber ein Paradoxon. Denn wenn ich es genieße, begehrt zu werden und Sex zu haben, kann ich ja gar nicht unschuldig sein! Liest überhaupt noch jemand mit? Egal, weiter!

So. Unschuldig wird also als Vokabel in diesem Zusammenhang gestrichen. Sich mal schwach zu fühlen, anzulehnen, einem vertrauten Partner die Führung zu überlassen und sich einfach mal fallen zu lassen, kann wunderschön sein. Aber das Recht sollten Männer dann auch haben, oder? Nur mit Schuld oder Unschuld hat das in meinen Augen nix zu tun. Diese ewigen Schuldzuweisungen für schöne menschliche Gefühle müssen endlich mal aufhören.

Abschließend: Und ich entschuldige mich bei allen Hardlinern dafür, dass ich mich jetzt vorsichtig ausdrücke – Herren, die das Beuteschema „Schulmädchen“ präferieren, sind mir eben nicht sympathisch, und ja, ich habe in dem Film gesehen, dass diese Zielgruppe angesprochen wurde. Ich bin eben total paranoid.

Fazit?

Ich hab Hunger. Nein, doch! Aber: Es tut mir leid, dass es schwierig ist, mir zu folgen, aber für die ganzen komplexen Zusammenhänge kann ich ja nix, die fallen mir eben nur auf. Jedenfalls danke ich euch für eure Geduld und euer interesse an meiner verwirrenden Gedankenwelt. Sookie tut weh, ich weiß. Ich lebe jeden Tag mit ihr! 😀

Ach so! Jane Austen war innovativ! Im Kontext ihrer Zeit. Heute ist sie es nicht mehr. Hoffentlich werde ich auch eines Tages total überholt sein, weil junge Frauen sich denken: „Mein Gott, die hatten Probleme! Wieso sollte eine Frau, die mehrere Partner gleichzeitig hat, irgendwas erklären müssen?“

In diesem Sinne: Opferrolle rückwärts, ich bin dann mal auf einer anderen Baustelle, es gibt ja genug. Jetzt dreh ich erstmal „By demons be driven“ auf. Wir singen die Strophen drei und fünf.

Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Es ist wieder Zeit für Sookies Kettensäge!

Ihr Lieben! Erst wollte ich ja einen totaaal gewaltfreien Artikel darüber schreiben, wie das Phänomen 50 Shades aus polyamorer Sicht betrachtet aussieht. Dann hab ich aber gemerkt … *gnnnnn* … *anstreng* … nein. Ich kann nicht. Ich muss einfach gemein werden! Rrrrrrrra!

Ich habe es getan: Ich hab 50 Shades 2 geguckt!

Eigentlich wollte ich nur mal wieder so richtig was zu lachen haben. Aber noch nicht mal das hat funktioniert, Mann! Ich hab zwar Tränen gelacht über die ganzen Klischees (wie Miss Steel schlau und kompetent aussehen soll und auf Dantes Inferno anspielt, muahahahahahaaaa, ich konnte nicht mehr, diese Meta-Ebenen, einfach göttlich!), aber, äh, na gut, zuerst der Trailer für alle Glücklichen, die es bis jetzt geschafft haben, einen Bogen um das Phänomen 50 Shades zu machen und gar nicht wissen, wovon ich rede. Ich versuch mal gerade, dieses Gimmik einzubauen, damit man das nicht unvorbereitet sieht. Ich respektiere jeden Menschen, der sich davor drückt. Ich hab das auch lange getan. Moment …

So. Also, es wird „romantisch“, ja? Romantisch heißt in diesem Zusammenhang: Miss Steel heilt den traumatisierten Sadisten durch Selbstaufgabe und, ja, durch Liebe *schnief*, und wird mit allem belohnt, was ein Groschenheft-Milliardär zu bieten hat.

  • Ein Meer aus giftigen Schnittblumen, für deren Produktion Menschen in Kenia leider der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt wird – denn das wird ja für die Produktion der Rosen für den Weltmarkt gebraucht. Rosen für Milliardäre sind eben einfach wichtiger, man muss Prioritäten setzen. Es ist auch nicht so, dass Mister Grey sich selbst gebückt hätte, um ein Gänseblümchen zu pflücken. Das kostet den einen Anruf und eine ganze Blumenhändlerkette stößt sich gesund! Danke, Christian, so viel Mühe wäre doch gar nicht nötig gewesen! 😀
  • Ein Feuerwerk, dass die Umweltsauerei einer Silversternacht in den Schatten stellt.
  • Ich weiß jetzt nicht genau, in welchem Teil, aber sie kriegt auch einen halben Apple-Store geschenkt, damit Google, die NSA und alle, die es sonst noch interessiert, genau verfolgen können, wann sie welchen Laden betritt und wie lange sie sich da aufhält. Und Mister Grey natürlich auch, der entwickelt ja Überwachungssoftware.
  • Diverse Sex-Spielzeuge, von denen ich euch jetzt leider nicht sagen kann, wofür die gut sind, aber da Miss Steel blöd geguckt und sich an der Lippe genagt hat, gehe ich davon aus, dass sie geil war. Oder sein sollte. Was in dem Weltbild bei einer gut funktionierenden Frau ja dasselbe ist. Ob sie’s wirklich ist, interessiert ja keinen, Hauptsache, der Film kurbelt den weltweiten Sextoy-Verkauf an.
  • Ohhh, ganz süße Kleidchen, wirklich! Und traumhafte Dessous! Christian kümmert sich einfach um alles! Was sein Besitz anzieht, was er isst, was er trinkt, welches Auto er fährt … Welche Frau wäre so blöd, sich da nicht geliebt zu fühlen?

So, ich muss jetzt hier eben was einschieben! Ich bin kein SM-Gegner, absolut nicht. Wenn eine selbstbewusste Frau freiwillig entscheidet, dass es ihr gut tut, sich mal vertrauensvoll fallen zu lassen und dem Mann die Führung zu überlassen, viel Spaß. Und wozu gibt es Safewords, eine eigenverantwortliche Sub sagt Bescheid, wenn sie etwas nicht möchte.

Miss Steel ist aber keine verantwortungsvolle Sub mit einem dominanten Partner, Miss Steel ist eine, wir nehmen langsam Fahrt auf, rrrrrrrrrrrr, Miss Steel ist eine strunzdumme, konsumgeile Schmalznudel, die hundert Jahren Frauenbewegung einfach so in den Arsch tritt! Aus purer Blödheit! Otto Ludwig Piffel würde sie als die verfaulte Frucht einer bourgeoisen Zivilisation bezeichnen! Karl Kraus würde sagen, sie ist ein Atom der Weltbanalität! Miss Steel ist einfach … RRRRRRAAAAA!

Alle braven Frauen stellen sich jetzt mal in einer Reihe auf und gehen dann zurück ins neunzehnte Jahrhundert!

Ja, Miss Steel ist ja Literaturwissenschaftlerin oder so was. Also, vielleicht ist sie eher das, was Nicht-Leser sich darunter vorstellen. Ihr Kleidungsstil soll glaube ich auch darauf hinweisen, scheint sich dann in der Praxis aber doch eher an Pädophile zu richten, die Frise einer Zehnjährigen, die süßen flachen Schühchen und die Mini-Röckchen in der A-Linie mit den süßen Blüschen, da fehlen eigentlich nur noch die Siebziger-Jahre-Zopfgummis mit lustigen Plastikkirschen und der Lolli im Mund, dann ist Pädo-Opis Lolita von nebenan schon fertig.

Aber meine persönliche Schlüsselszene in „50 shades 2“ war der Moment, wo Miss Steel auf die Frage, wieso sie noch Jungfrau war (Wieso wohl? Weil alle Frauen, die mit über 20 schon eine selbstbestimmte Sexualität haben, dreckige Schlampen sind!) antwortet, dass sie ja Austen und Brontë gelesen hat. Jetzt blubbert sofort wieder eine Nerdfrage in mir hoch: Welche der Brontë-Schwestern genau? Da gab es ja durchaus Unterschiede. Aber passen wir uns einfach mal Miss Steels Niveau an und da bleiben als „Traummänner“ eigentlich nur Heathcliff (Sturmhöhe) und Rochester (Jane Eyre).

Wieso Heathcliff als der romantische Held schlechthin gilt, habe ich nie verstanden. Der Mann ist ein brandgefährlicher Angstbeißer, der von völlig unreflektierten, destruktiven Aggressionen beherrscht wird. Rochester hält seine psychisch kranke Frau vor der Welt geheim, was im neunzehnten Jahrhundert durchaus verständlich war, wenn man noch irgendwo zum Tee eingeladen werden wollte. (Und wenn man es sich leisten konnte, einen Flügel des Familiensitzes „stillzulegen“, damit keiner die Irre schreien hört.)

Aber Rochester hält gleich zwei junge Frauen mit einem nicht offen ausgesprochenen Eheversprechen an der langen Leine, ohne zu sagen, was Sache ist. Nämlich, dass er gar nicht heiraten kann, weil er schon verheiratet ist. Das ist … fies, um es mal vorsichtig auszudrücken. Oder feige, um es direkter zu sagen. Aber immerhin hat er einen interessanten Konflikt, denn er sehnt sich nach Liebe, möchte aber die Dame seines Herzens auch zu einer „ehrbaren Frau“ (höhö!) machen. Damit gerät er aber in einen Konflikt mit der Gesellschaft, ein Dilemma, das jeder Poly nachempfinden kann, der sich schon mal die Nase an den vorherrschenden Konventionen gestoßen hat.

Und dann Jane Austen. Tja. Die gute Jane war zu ihrer Zeit innovativ und hat so Sachen gemacht, wie den Perspektivwechsel in den europäischen Roman einzuführen. Danke dafür, Jane. Aber Jane Austen war eine sanfte Satirikerin, aus deren Büchern auch viel bissige Frustration trieft – was kein Wunder ist, denn sie war eine analytisch denkende Frau mit Humor, die in Salons und Konventionen eingesperrt war. Aber Jane Austens männliche Helden sind allesamt Witzfiguren. Das sollten sie sogar sein. Jane wollte darstellen, dass Heldinnen ihres Standes nur eine einzige Frage selbst entscheiden konnten, um an ihrer Lebensgestaltung aktiv mitzuwirken: Welche der Flitzpiepen, die mich nehmen würden, hat denn das höchste Einkommen?

So. Und in diese Welt möchte Miss Steel also zurück. Den ersten Mann heiraten, der sie mit teuren Geschenken ins Bett lockt, der sie aus tragischen Ängsten heraus kontrolliert, gängelt und braucht. Was lernen junge Frauen aus diesem Rollenmodell?

  • Es gibt nichts schöneres, als „gebraucht“ zu werden.
  • Selbstbestimmte Sexualität ist wieder absolut pfui! Anständige Frauen wollen dann, wenn der Mann will. Natürlich nur „der Richtige“, also das Alphamännchen mit dem Hubschrauber. ansonsten würde frau sich ja unter Wert verkaufen.
  • Ein Mann wird dadurch attraktiv, dass er eine Frau haben will. Mehr muss der gar nicht machen, er ist ja ein Mann. Da hat man sich als Erwählte geschmeichelt genug zu fühlen. Selber denken ist nicht so gut. Es ist besser, wenn man passiv bleibt und hofft, dass man „einen abkriegt“. Mit dem, was man abkriegt, muss man dann eben arbeiten. Tja.
  • Verliebe dich in das Potenzial eines schwer traumatisierten sadistischen Neurotikers und heile ihn mit deiner selbstlosen Liebe. Damit nimmst du ihm zwar die Chance, sich endlich mal um sich selbst zu kümmern, aber zu was solltest du als Frau sonst gut sein? Ich empfehle Miss Steel an dieser Stelle das Buch „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit. Augenöffnend für alle Frauen, die immer noch als heilige Krankenschwester in Aktion treten!

Aber der Oberknaller ist:

  • Wenn ein Mann dich kontrolliert, gängelt, einsperrt, stalkt und überwacht, dann darfst du dich geliebt fühlen. Denn was sollte das sonst bedeuten?

Schließlich sind Besitzdenken, Kontrolle und Eifersucht die größten Liebesbeweise ever, ooooder? Eine Frau, die den Kopf hebt und sagt „Ach, lass mal, ich gehöre lieber mir selbst, behalte die Kontrolle über mein Leben und such mir Partner aus, die mich akzeptieren, wie ich bin!“ wird in der Welt der 50 Shades Fans ganz schnell zum Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft.

Was hat das jetzt alles mit Polyamorie zu tun?

Erst heute hab ich wieder in einer Polyamorie-Gruppe den Beitrag einer Frau gelesen, die müde und erschöpft davon ist, sich wie eine einsame Außerirdische zu fühlen, weil sie offen dazu steht, dass sie mehrere Partner lieben kann. Weil sie damit immer noch in die Schlampen-Ecke gestellt wird. Ich les das immer wieder überall und ich kenne das Gefühl so gut, dass es mich jedes Mal wieder traurig macht. Die Liebe einer polyamoren Frau wird ja auch in der Gesellschaft nicht ernstgenommen, denn was Liebe ist, definiert ja freundlicherweise Miss Steel für uns.

Auch polyamor lebende Männer können doch unmöglich lieben, oder? Sonst würden sie sich doch aufführen wie Herr Grey! Kontrollieren, eifersüchtig überwachen, gängeln und entmündigen. Ein echter Mann macht das doch, wenn ihm eine Frau etwas bedeutet! Vor allem lässt ein Kerl mit Arsch in der Hose sich ja nicht auf der Nase rumtanzen, indem er zulässt, dass die Alte fremdgeht! Damit bist du doch an jedem Nicht-Polystammtisch die Lachnummer!

Eigentlich wollte ich jetzt eine flammende Rede darüber halten, dass alle Menschen, die den Mut aufbringen, anders zu leben und offen dazu zu stehen, für mich einfach Helden sind. Weil sie bereit sind, ohne Rollenmodelle voranzugehen und immer wieder gegen blöde Vorurteile zu kämpfen. Gerade Frauen, die sich immer wieder aufrappeln, wenn jemand mit der Moralkeule auf sie eingeprügelt hat, verdienen einen großen, fetten Blumenstrauß, allerdings nicht aus Herrn Greys Gewächshäusern, sondern einen selbstgepflückten von einer echten Wiese.

Aber wisst ihr was? Ich bin jetzt gerade selber einfach nur müde. So müde, dass ich mich frage, ob es überhaupt Sinn hat, diesen Artikel zu veröffentlichen. Ist da draußen irgendjemand, den das interessiert? Oder haben die Miss Steels dieser Welt längst gewonnen? Sind polyamore Frauen, die sich selbst annehmen, wie sie sind, gegen alle Widerstände, die selbstreflektiert leben, handeln, kommunizieren, die Verantwortung für ein komplexes Polykül tragen und sich immer wieder den dämlichsten Vorurteilen stellen, wirklich die Schlampen der Gesellschaft? War alles umsonst?

Soll ich dir was sagen, Miss Steel? Alle finden dich süß und wollen so sein wie du. Aufopfernde Krankenschwester, allzeit verfügbares Sextoy und süßes Dummchen in einem. Das Überraschungs-Ei für den kleinen Milliardär. Aber für mich bist du einfach nur eine strunzdumme Fotze. Ätsch.

Jetzt geht’s mir besser. Mal gucken, vielleicht geh ich noch einen BH verbrennen.

Nachtrag: Liebe Freunde und Feinde, nach einer possierlichen kleinen Facebook-Diskussion, die leider hinter verschlossenen Türen stattfand, musste ich einen zweiten Teil nachlegen, den ihr hier findet. Holt euch besser eben noch ein paar Kekse.

Selbsterfahrung am Limit: Sookie installiert ein Plugin!

Selbsterfahrung am Limit: Sookie installiert ein Plugin!

Eigentlich ist dieses spektakuläre Ereignis gar keinen Post wert, aber manche Dinge müssen einfach raus. Ja, ich weiß, ich benehme mich gerade wie eine Dreijährige im „Mama, guck mal!“-Modus, aber ich muss der Welt einfach zeigen, was ich geschafft habe!

Heute war nämlich mein Technik-Tag. Ihr wisst schon: Sookie „fucking“ Hell stopft sich hektisch mit Sonnenblumenkernen voll, rennt schreiend um den Computer, googelt stöhnend Fachchinesisch auf Englisch, um das dann rückzuübersetzen in ein Deutsch, dass sie selbst nicht versteht und wieso spricht sie von ihr in der dritten Person?

Wahrscheinlich hab ich einfach noch Sauerstoffmangel im Gehirn, von dem Lachanfall, den ich hatte, als ich versucht habe, das Wort „specify“ auszusprechen. Ernsthaft! Da kann ich besser sagen: „Klassische Genreregisseure inszenieren spektakuläre Actionszenen“, als „specify“! Schpeschi … ist ja auch egal.

Jedenfalls lautete meine Quest für heute, ultimativ geile Social Media Buttons in den Blog einzubinden. Und bei der Plugin-Recherche hab ich dann was gefunden, was ich unbedingt haben wollte. Die Blogger unter euch kennen das sicher, man setzt sich da was in den Kopf und dann muss man so lange basteln, bis das irgendwie passt. Für die Nicht-Blogger unter euch: Ein Plugin ist sowas wie eine App für den Blog. Also, das hab ich gelesen. Ich lebe ja handyfrei und hab keine Ahnung, was eine App ist.

„Social Locker“ – cooles Plugin!

Das Ding, in das ich mich verliebt habe, heißt „Social Locker“, für alle, die sich das auch einbauen wollen. Ha, dachte ich, das schaffst du locker, das heißt ja schon so! Dann hab ich stundenlang gebastelt und das getestet und es hat nicht funktioniert, also seid nicht geknickt, wenn das gleich bei auch nicht funktioniert, ihr habt nichts falsch gemacht! *tätschel* Ich werde die Fehlerquelle schon noch finden, eine meiner leichtesten Übungen. Ich zieh dafür immer mein Dalek-Kostüm an und rufe „Eliminiiieren!“

Aber Hauptsache, ich hab mal wieder einen Tag sinnlos verplempert! 😀 Jedenfalls hat dieses Plugin den fiesen Zweck, euch zu einer Interaktion auf meinem Blog zu verführen. Ja, ich weiß, das ist dreckig, feige und gemein, aber tut es für die Polyamorie, für Aufklärung in einer pluralalalalistischen Gesellschaft voller Toleranz und jeder darf sein wie er ist und alle haben sich lieb. Manchmal. Ist ja auch egal, ich mach den Dalai Lama Modus jetzt wieder aus.

Kommen wir also zur Sache! Ihr dürft mich jetzt gerne auslachen, weil ich so ein Streber bin, der den Kleinkram, über den die Romanfiguren reden, wirklich recherchiert und ausprobiert. Neulich ging bei mir so ein Avira-Popup auf und mahnte mit erhobenem Zeigefinger, dass mein Browser meine peinlichsten Suchanfragen kennt. Hallo? Ich bin Autorin! Mir ist nichts peinlich, ich arbeite hier! Ich bin da eiskalt! Penislänge im europäischen Vergleich? Klick! Pornotitel in falschen Deutsch? Klick! Als wenn ich mir so was ausdenken würde, dafür bin ich viel zu fantasielos! *vogelzeig*

Jedenfalls hab ich die Sammelkarte aus dem Polyamorie-Lesehappen 3 natürlich tatsächlich erstellt, Ehrensache. Und damit seid ihr jetzt erpressbar! Schlimm, oder? Vorausgesetzt, es funktioniert jetzt. Und vorausgesetzt, ihr wollt meine Bastelarbeit überhaupt sehen. Wenn nicht, hatten wir wenigstens Spaß! 😀

Also, ihr teilt jetzt diesen Artikel und wenn wir alle ganz viel Glück haben, dürft ihr euch zur Belohnung die Sammelkarte ansehen. Und, nein, natürlich ist das nicht der echte John. Der echte John sieht natürlich so aus, wie ihr euch das vorstellt. Möge die Macht der Fantasie mit euch sein. Und jetzt fein teilen!

Pokéjohn Go!

Falls ihr selbst eurem Schatz oder euren Romanfiguren ein Denkmal setzen wollt, könnt ihr das übrigens hier tun! Das wäre ja schon fast eine Blogparade wert …

Nachtrag!

Ehrlich, Eigentore sind meine Spezialität, aber so was von! Ich sollte einfach gleich in der gegnerischen Mannschaft spielen, ich würde immer gewinnen! Oder? Äh … das ist jetzt zu philosophisch. Aber was hab ich davon, total geheimnisvoll zu basteln, um ein Bild zu verstecken, wenn es dann auf Social Media jedem offen angezeigt wird! 😀

Boar, Sookie, ehrlich … Setzen, Sechs! Jedenfalls habe ich jetzt einfach so aus dem Schisselameng heraus mal eben irgend ein Artikelbild eingebunden, in der Hoffnung, dass das dann überall angezeigt wird! Und dabei ist mir mal so aufgefallen: Ich fand Koalas immer süß. Aber jetzt, wo der kleine Kerl mich mit seinen stechenden Äuglein so anguckt … außerdem scheint die Nase gar nicht aus Lakritz zu sein. Ich dachte immer, die wäre aus Lakritz, aber ist ja auch egal. Nein, Koalas sind süß. Ich hab nichts gesagt und bin auch schon wieder weg. Ich muss da noch ein paar Eigentore schießen …

Kill your darlings oder: die Neuauflage der Polyamorie-Romane

Kill your darlings oder: die Neuauflage der Polyamorie-Romane

Alle schimpfen immer über Schreibblockaden. Dabei ist eine Schreibblockade so ähnlich, wie wenn man über einen Heiratsantrag wochenlang nachdenkt – ein wichtiger Hinweis! 🙂

Und diesem Hinweis musste ich nachgehen. Tja. Deswegen habt ihr euch vielleicht gewundert, wo ich gesteckt habe, aber ich brauchte ganz dringend mal einen Arbeitsurlaub vom Internet. Also, ich hab natürlich viel im Internet gearbeitet, aber ich hab mir eine sehr erholsame Pause von den ganzen Social Media Portalen genommen, die Dinger fressen mir einfach zu viel kostbare Arbeitszeit und lenken mich viel zu sehr ab.

Übrigens, für alle schreibenden Kolleginnen, die auch wahnsinnig viel Zeit und Energie in ihr FB-Marketing investieren und schon gar nicht mehr zum eigentlichen Schreiben kommen vor lauter Marketing – meine Verkaufszahlen sind mit und ohne FB irgendwie … gleich. Nur so als Dingsda, na, zum Nachdenken. Was natürlich nicht heißt, dass ihr nicht rechts in der Sidebar meine Seite liken sollt! 😀 Aber viel geiler als FB-Marketing ist …

Eine komplett überarbeitete Neuauflage!

Also, das war so. Ich hatte ja für den dritten Band der Beziehungsstatus-Romane eigentlich schon den letzten Herbst anvisiert, Weihnachtsgeschäft und so, ihr kennt das. Aber irgendwie war auch wahnsinnig viel passiert. Ich hatte so viel umwerfendes Feedback von meinen lebensklugen Leserinnen bekommen, dass mein Gehirn hyperaktiv ratterte und heiß wurde, es dampfte, sprötzelte und spuckte. Und, um meinen geschätzten Landsmann Helge zu zitieren: Ich schrob und schrob. Und es brachte alles nichts. Ich hab den dritten Band ungefähr zehnmal neu geschrieben, aber mein Gefühl sagte die ganze Zeit: Sookie, datt is alles Kokolores.

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber kreative Projekte, in denen so richtig Herzblut steckt, haben immer ein Eigenleben. Die Geschichte mit dem Klavier zum Beispiel, ja? Ich hab mal eine Weile (ja, tatsächlich in Ostfriesland) mit einem Klavier zusammen gewohnt. Und ich hatte ganz, ganz früher mal Klavier gespielt, das war schon gar nicht mehr wahr, das war noch, bevor ich als Bassistin in einer Band Schlagzeug gespielt habe, ich war jedenfalls total eingerostet. Aber der Wunsch, irgendwann wieder Klavier zu spielen, hatte mich nie ganz losgelassen. Ich steh einfach auf Tasten.

Und dann wollte ich unbedingt wieder so gut werden, dass ich Chopin spielen kann und hab so was von geübt, echt, ich hatte schon geschwollene Gelenke an den Fingern, so hab ich mich reingesteigert, und meine Hausgenossen haben mich alle gehasst, weil ich einfach nicht aufhören konnte, daneben zu greifen. Aber als ich dann endlich fertig damit war, Chopin zu üben, konnte ich Metallica spielen, als hätte ich nie was anderes gemacht. Der totale Flow.

Ja, was will uns die Künstlerin jetzt damit sagen? Ich hab keine Ahnung. Falls es jemand weiß, hinterlass mir bitte einen Kommentar. Jedenfalls wurde und wurde der dritte Band einfach nicht meiner, wenn ihr versteht, was ich sagen will. Wir hatten uns auseinandergelebt. Erst wollten wir dann noch eine Paartherapie machen, aber mal ehrlich, wir wären nur für die Leser zusammengeblieben und, nee, das bringt doch nichts. Weil, ich muss ja als Autorin auch selber wollen, nä?

Jedenfalls bekam ich Stress mit meinen Romanfiguren. John wollte nicht mehr der eindimensionale Trottel sein, der nur mit dem Schwwww … Schwaaa … Schwanenhals. Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Schwager vorn. Na, der mit dem Wort denkt, dass ich nicht sagen soll. Mit dem Gemächt, jetzt ist es raus. Also, John hockte schmollend auf seiner Bauwagentreppe und wollte nicht mehr mitmachen. Anna war wütend auf mich, weil sie fand, dass ich sie viel zu abgeklärt und berechnend dargestellt hatte, so distanziert ist sie doch in echt gar nicht. Steffi wusste nicht, wie sie mir sagen sollte, dass sie gern eine ernstere Charakterrolle hätte und Sven war auf seine stille Art brummig, weil er immer nur der Telefonjoker war. Nur Eugen hat Schnittchenteller rumgereicht und versucht, zu schlichten.

Tja, und da saßen wir dann. Und dann haben meine Romanfiguren mich gefragt, was ich denn eigentlich will. Dann ging ich in mich und kam erst mal nicht mehr raus. Und dann machte es plopp. Ich will alles umschreiben, ratzekahl. Hat Tolstoi mit „Krieg und Frieden“ schließlich auch gemacht, achtmal umgeschrieben. Wahrscheinlich sollte die ursprüngliche Fassung „Napoleon und der Zar“ heißen und ein Gay Romance Heft werden oder so, und was ist es jetzt? „Krieg und Frieden“ eben. So kann das gehen im Leben.

Und dann musste ich verschämt vor meine Romanfiguren treten und sagen: Ihr habt Recht! Datt ist alles Pipifax hier, ich hab viel zu viele Kompromisse gemacht. Ich wollte in der Masse untertauchen und mal wieder everybody’s Darling sein, anstatt eine klare Position zu beziehen. Und dann hab ich mich darüber gewundert, wieso ich das Gefühl hatte, irgendwie in der Masse unterzugehen. Dabei hatte ich mir das selber ausgesucht.

Fakt war:

  • Ich glaube ganz fest an die Figuren und das Setting, die Bücher haben für mich ohne jede falsche Bescheidenscheit ein verdammt großes Potenzial.
  • Ich war viel zu bange davor, mich mit einem Reizthema wie Polyamorie ganz klar zu positionieren. Man könnte ja irgendjemandem auf den Schlips treten. Die Kettensägen-Sookie hatte Angst, zu polarisieren, höhö! Eine lustige Selbsterkenntnis.
  • Ich war noch nicht 100%tig dafür, ich war noch damit beschäftigt, dagegen zu sein. (Da fällt mir ein, ich hab neulich 50 Shades 2 geguckt, muahahahaha! Aber das Fass mach ich jetzt hier nicht auf, ich muss langsam ins Bett, schon wieder halb 5). Jedenfalls war ich noch damit beschäftigt, eine Hegelsche Antithese zu fabrizieren, aber jetzt wird es Zeit für die Synthese!
  • Meine Synthese ist: Ich bin als Autorin nicht für oder gegen Polyamorie (schließlich gibt es in den Büchern auch Figuren, die dafür sind und welche, die dagegen sind). Aber ich bin dafür, dass auf dem Buchmarkt „First Mover“ auftauchen, die das Thema auch mal in Erzählform anfassen. Ich war immer schon dafür, dass wir endlich mal mehr Vielfalt in die Literatur zaubern, Klischees aufbrechen und neue Archetypen kreieren, aber bisher hab ich drüber gejammert, dass es keiner macht! Und ich kann mich selber nicht leiden, wenn ich immer nur darüber jammer, was die anderen nicht machen, das ist so deutsch. Dagegen hilft nur: Selber machen und das dann auch noch klar kommunizieren!

So, und deswegen gibt es jetzt:

  • Die komplett überarbeitete Neuauflage
  • Neue Cover, nach der Marketingregel: Der Angler muss dem Wurm schmecken! Oder so. Ich les das noch mal nach.
  • Ein neues Format. Kurz und knackig, eben Lesehappen für mobile Geräte. Lesegewohnheiten ändern sich, aber Schreibgewohnheiten auch. Ich hab einen viel geileren Arbeitsflow, wenn ich mir nicht abverlange zu schreiben wie vor zwanzig Jahren.
  • Einen neuen Titel für die Reihe, der ganz klar kommuniziert, was Sache ist!
  • Einen Blog, der dazu passt!

So, was davon ist jetzt schon passiert? Alles. Und was ist noch passiert? Meine Kinnlade ist runtergefallen. Irgendwann heute Nachmittag sind die neuen Bände in Amazonien aufgetaucht, mein Distributor hatte mir noch nicht mal die Mail geschickt, dass die eBooks jetzt langsam ausgeliefert werden, da kletterte der erste und dauerhaft kostenlose Band im neuen Style schon in die Top 100, jetzt gerade dümpelt er auf Platz 24 durch seine erste Nacht, ich bin total geflasht. Jetzt muss das nur noch mit den Bänden für Geld so weitergehen! 😀 Aber was hab ich mich auf den Kopf gestellt und mit den Füßen gewackelt, um den vergleichbar dicken Band für Noppes aus der alten Reihe mal in den Top 1000 zu sehen! Unfassbar, oder? Was Cover und Klappentext ausmachen! Und diesmal hab ich mit der Werbung ja noch gar nicht angefangen! Sehr schräg, das Ganze.

Parallel dazu dachte ich mir so, hmmm, ja, es wird höchste Zeit, mal wieder den Werkzeuggürtel umzuschnallen und Frühjahrsputz im Blog zu machen, frischer Anstrich und so, und ich hab immer schon davon geträumt, eine Startseite zu haben, die eine Story erzählt und so ein gewisses Wohlfühldings erzeugt. Und wenn Sie jetzt hier eben schauen wollen, äh, Moment, klick: Guckt euch diese Startseite an! Ich platze vor Stolz und könnte niederknien vor den Leuten, die das WordPress Theme Twenty Seventeen gebaut haben. Ich bin nämlich in solchen Sachen jedem Schimpansen unterlegen, aber daran hab ich gerade mal einen Nachmittag gebastelt, und dabei nicht einmal vor Verzweiflung geheult! Boar, einfach nur geil! Der Video-Header macht mich fertig! Aber erschreckt euch nicht, wenn Johns Hand ins Bild kommt! Ich erschreck mich jedes mal.

Ja, und während ich darauf wartete, dass die eBooks ausgeliefert werden und die Suchmaschinen merken, dass ich den Blog neu ausgerichtet habe, dachte ich so, ich mach mal wieder mein Streberprogramm und guck Lernvideos über SEO und das ganze Gedöns, damit mein Blögchen auch langsam mal auffindbar wird. Und dann hab ich einfach mal spontan „Polyamorie Romane“ gegoogelt und bin vor Lachen fast gestorben.

Mein Blog auf Platz 3 bei Google! *umkipp*

Direkt hinter den Riesen Amazon und Lovelybooks, ohne Witz, ich hab keine Ahnung, wie ich das gemacht habe! Ist ja auch egal. Jedenfalls kann ich nur sagen: Mut zur Nische lohnt sich tatsächlich! Und was wolltet ihr immer schon mal klarer kommunizieren?