Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Ihr Lieben! Was jetzt hier passiert, ist völlig spontan und nicht geplant, aber ich starte eine Blogparade, ohne einen Plan zu haben, wie das geht. Mir ist nämlich folgendes passiert!

Ihr kennt das vielleicht selber. Es gibt so Themen, die regen einen ständig und immer wieder auf. Weil man ja aber auch noch was anderes zu tun hat, als ständig gegen Windmühlen zu kämpfen, drängt man es immer mal wieder nach hinten und kümmert sich um andere Sachen. Man will ja seine Leser auch nicht mit seinem ewigen Kreuzzug langweilen. Und dann sagt irgendwo jemand ganz leise „Piep!“ und man kocht sofort wieder hoch und entwickelt neue Energie. Weil man eben doch nicht allein ist.

So ging es mir mal wieder gestern Abend, als Bloggerkollegin und Jungautorin Jean Parker auf ihrer FB-Seite eine Diskussion angestoßen hat zu der Frage, wieso der Buchmarkt eigentlich so voll ist mit Romanen, die angeblich „das wahre BDSM“ vermitteln. Obwohl doch inzwischen wirklich auch die letzte Hirschkuh begriffen haben müsste, dass Buchtitel wie (ich denk mir jetzt welche aus und hoffe, dass ich keine Zufallstreffer lande) „Im Heizungskeller vom Milliardär angekettet und ausgepeitscht“, „Vom Biker zuschanden geritten“ oder „Unter schwarzer Flagge abgerichtet zur Sexsklavin“ mit BDSM so viel zu tun haben wie der Papst mit der Ehe für alle. (Skandal, im Vatikan leben immer noch Männer unverheiratet zusammen! Egal.)

Ihr wisst sicher genau, welche Liga von Büchern ich meine.

Blogparade Frauenliteratur

Die Story in diesen Büchern ist ja immer ähnlich. Steinreicher Psychopath mit grotesken Muskeln entführt unschuldige junge Frau, um sie gefangen zu halten, zu brechen und nach Lust und Laune zu vergewaltigen. Das Opfer entdeckt seine selbstlose Liebe zu ihm. Weil, er sieht ja so schnuckelig aus, dieser mörderische Grenzfall des Patriarchats, und er schwelgt ja im Luxus und, ach, seine Seele ist ja soo verletzt, das verwundete Raubtier, hach! Und er hat sie erwählt, er braucht ihre Liebe so sehr, dass er bereit ist, jede erdenkliche Straftat an ihr zu verüben, das MUSS doch Liebe sein, oder?

Wer von euch jetzt denkt, so schlimm ist 50 Shades doch gar nicht, dem gebe ich Recht. 50 Shades ist so unglaublich 2011, inzwischen sind wir da viel weiter! Mister Grey war nur der Türöffner für einen völlig neuen Trend am Buchmarkt, der inzwischen Blüten treibt – wenn mir das vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte mir an die Stirn getippt und hysterisch gelacht. Ja, klar. Frauen verschlingen Bücher über Frauen, die als allzeit verfügbare Ware ihre Erfüllung darin finden, mit psychischer und physischer Gewalt und Gehirnwäsche zum Sex gezwungen zu werden.

Wieso zur Hölle stehen Frauen auf sowas?

Man könnte jetzt denken, dass dieser Trend am Buchmakrt bedient wird von Sexualstraftätern, die hinter Gittern sitzen und denen ihr Therapeut geraten hat, für ihre Fantasien ein Ventil zu suchen, das niemanden verletzt. Aber, nein. Solche Bücher werden von Frauen für Frauen geschrieben. Und es ist mir vollkommen unverständlich.

Gestern las ich, dass diese Bücher so gut gehen, läge daran, dass es evolutionsbiologisch-kulturell eine erfolgreiche Strategie von Frauen ist, vergewaltigt zu werden und dann wieder starke Vergewaltiger zu gebären. Weil wir eben eine Spezies von nackten Primaten sind, bei der die Männchen viel größer und stärker sind. Aha. Diese Begründung stammte von einem Mann, der Wahrheitsgehalt ist also nicht verifiziert und natürlich kann jemand, der so argumentiert, sich immer auf andere Männer berufen, die das „wissenschaftlich“ festgestellt haben. Es gibt eben immer einen noch größeren Fisch. Ich nehme an, solche Theorien kommen dadurch zustande, dass der Mensch von allen Primaten den kleinsten Penis hat. Irgendwas müssen die da mit ihren Omnipotenzfantasien kompensieren.

Manchmal ist eine Zigarre gar keine Zigarre

Da lobe ich mir fast den guten alten Sigmund Freud, der vor über hundert Jahren auf die Idee kam, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um ihn genießen zu können. Das, äh … ja. Klingt jetzt so, wie es sich anhört. Was Freud damit sagen wollte, war aber – wenn auch vielleicht nicht ganz richtig – trotzdem noch irgendwie logisch nachvollziehbar und wenn man es ganz gnädig auslegen will, war er ein Fürsprecher der Frauen. Oder hat sich selbst zumindest so gesehen. Der Gedanke dahinter war nämlich, dass Frauen zu Ende des lustfeindlichen neunzehnten Jahrhunderts natürlich wie jeder Mensch einen Sexualtrieb hatten, diesen aber in den engen moralischen Schranken der Gesellschaft nicht ausleben konnten, ohne Schuldgefühle zu entwickeln, weil Sex schmutzig ist.

So. Freuds Ausweg aus dem Dilemma sah jetzt so aus, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um nicht in Hysterie zu verfallen. Denn kein Sex = Hysterie. Man, also Mann, musste also dafür Sorgen, dass Frau Sex bekam. Denn sonst sitzen sie mit glasigem Blick summend in der Ecke und schlagen schaukelnd den Kopf an die Wand. Und dann macht keiner die Wäsche. Töchter sind auch ganz schwer vermittelbar, wenn sie einmal anfangen, solche „Eigenarten“ zu entwickeln, also verheiratet man sie besser früh.

Der Vater der PsychoANALyse, hehe, sah aber die EHE als Mittel der Wahl. Keine Flogger, Handschellen oder sonstewatt. In einer Zeit, in der Ausdrücke wie „Vergewaltigung in der Ehe“ allerdings nur milde Lacher bei den Herren hervorgerufen hätten, konnte das natürlich jeder Gatte ganz in seinem Sinne auslegen. Eine Ehefrau KANN man gar nicht vergewaltigen. Schließlich gab es eheliche Pflichten, die eine ehrbare Frau zu erfüllen hatte. Und sich gezwungen zu fühlen, erlaubte den ehrbaren Gattinnen, den Schuldkomplex auszulagern. Denn wenn die, iiiih, schmutzigen Sex hatten (wie schmutzig kann ehelicher Bürgersex um 1900 schon gewesen sein, höhö!), konnten sie dem triebhaften Gatten die Schuld geben und das befreite ungemein.

Freud hat dazu (ich glaube, es war im Buch über die Fehlleistungen, sehr erheiternd übrigens!) sogar ein Anekdötchen auf der Pfanne. Ein junges Ehepaar hatte sich gerade ge(ehe)paart, woraufhin der junge Gatte den Puderquast seiner Frau benutzte (wozu stand da nicht). Tadelnd rief die junge Braut aus: „Du hast mich schon wieder mit deinem Quast gepudert!“

Ja, äh, also, was ich sagen wollte, hab ich jetzt vergessen. Jedenfalls bezeichnete Freud Frauen, die in der Lage sind, ihre erogenen Zonen wahrzunehmen, als kulturell unverbildete Durchschnittsweiber. Nachdem ich das gelesen hatte, bin ich nicht mehr zur Uni gegangen und wandte mich der Polyamorie zu, muahahahaaa! Nee, äh, was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt sicher Gründe für Vergewaltigungsfantasien und in seinem Kopf sollte jeder tun dürfen, was er möchte, da sind wir uns einig. Aber!

Das Sein bestimmt das Bewusstsein!

Ja, ich bin so frei, ich haue euch Karl Marx um die Ohren. Warum? Weil er Recht hatte! Der Satz stimmt einfach. Es gibt viele Spielarten der menschlichen Lust und solange es einvernehmlich passiert, ist das auch gut so, soll ja schließlich jeder glücklich werden. Diese Einvernehmlichkeit muss aber da sein, bevor man anfängt. Solange gefangen gehalten und vergewaltigt zu werden, bis man ein Stockholm-Syndrom entwickelt und meint, den Vergewaltiger zu lieben, ist keine Einvernehmlichkeit. Durch die Überschwemmung des Buchmarkts mit angeblicher BDSM-Literatur ist die Idee, dass Frauen diese Wesen sind, die dann Liebe entwickeln, wenn man sie nötigt und bricht, aber zum Mainstream geworden. Und dieses allgegenwärtige Bild macht etwas mit unserem Bewusstsein.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Frauenliteratur von Autorinnen wie Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer oder Alice Walker, Betty Friedan, Marilyn French und vielen anderen Schwestern geschrieben wurde, die uns befreien wollten. Diese Autorinnengeneration fußte auf tapferen Vorkämpferinnen bis zu Pazifistinnen und Sozialistinnen, die vor über hundert Jahren die freie Liebe gefordert haben, damit Frauen ein Recht auf Beziehungen bekommen, ohne ihr Recht auf Eigentum, Unversehrtheit und eine eigene Meinung am Traualtar abzugeben.

Die Ahninnen haben für ein Recht auf freie weibliche Sexualität gekämpft, auf Lust ohne Schuldgefühle, die in den bösen Vergewaltiger ausgelagert werden müssen. Denn dieser Gedanke kommt aus der patriarchalen Ecke und heißt auf Stammtisch nichts anderes als: „Wenn die Nein sagen, meinen die Ja. Die wollen das doch nicht anders!“ Was mich nur so ratlos macht, ist die Tatsache, dass anscheinend manche Autorinnen und Leserinnen heute der gleichen Meinung sind.

Und früher war das, ohne Witz, besser. Wir Frauen haben in Büchern ganz andere Rollenmodelle gefunden, es gab Zeiten, da hatten wir ganz andere Idole. Wackere Suffragetten wurden inhaftiert und zwangsernährt, weil sie versuchten, mit friedlichem Widerstand und Hungerstreiks das Wahlrecht für Frauen zu erkämpfen, Autorinnen wie Virginia Woolf haben versucht, zu zeigen, wie wichtig Unversehrtheit und Selbstbestimmung sind. Und als ich anfing zu lesen, lagen solche Bücher in allen Buchläden noch völlig selbstverständlich aus. Standardsortiment. Man kann sagen, dass ich zu den letzten Dinosaurierinnen gehöre, die noch durch hundert Jahre feministische Kulturgeschichte geprägt wurden.

Meine Töchter wachsen heute in einer Zeit auf, in der die Literatur für Frauen ein vollkommen anderes Weiblichkeitsideal propagiert. Übrigens auch ein vollkommen anderes Männerideal. Die Frau ist jungfräulich, blöd und hilflos, in harmloser Unterhaltung legt sie sich dann eben mit Stöckelschuhen auf die Fresse und Mr. Right bietet ihr den Arm. Oder sie kotzt wie Miss Steel, weil sie zu blöd ist zum Saufen, aber das verbietet Christian ihr dann ja zum Glück. Die moderne Frau hält eben Entmündigung und Vergewaltigung für die selbstlose Liebe eines Mannes. Wenn mir in Miss Steels Alter so ein angstbesetzter kleiner Zwangsneurotiker begegnet wäre, der seine Oberhemden und Peitschen nach Farbe und Größe ordnet, hätte ich einen Wodka gekippt, mir eine Fluppe angemacht und gesagt: „Bis du mir den Arsch versohlen darfst, musst du aber noch verdammt lange auf die Weide!“

Zurück zu den trendigen Archetypen. Der Mann ist muskelbepackt, schwimmt im Geld, führt sich auf wie eine tickende Zeitbombe, eine unberechenbare Kriegsmaschine mit posttraumatischer Belastungsstörung. Er äußert seine „Liebe“ durch double-bind Kommunikation und treibt damit sein Opfer in eine schizophrene Abhängigkeit. Ich streichle dich, während ich dich vergewaltige. Kann sie seine Ambivalenz nicht als eindeutig identifizieren, beschließt sie eben, dass ihre künstlich durch „Liebesgewalt“ gezüchtete Abhängigkeit wohl Liebe sein muss.

Zeigt euch, tretet ans Licht, meine Damen!

Jetzt mal ehrlich, Leute, haben wir eigentlich alle einen an der Waffel? Jetzt werden bestimmt wieder viele Leute feststellen, dass ich es bin, die einen an der Waffel hat. Die Sookie regt sich immer über einen Scheiß auf, unglaublich. Solche Bücher sind doch total romantisch und das sexy Männermodel auf dem Cover ist doch njomnjom! Außerdem bin ich nur neidisch. Die schreiben Bestseller, ich dümpel irgendwo in der Midlist vor mich hin. Und wenn du weder in der Top 10 bist, noch 5000 Facebook-Fans hast, führen deine Bücher eben ein subersives Schattendasein. Das eine bedingt das andere.

Ich bin ja öfter auf Facebook unterwegs und ich bin öfter bei Amazon unterwegs. Und nicht nur als Autorin, sondern vor allem als Leserin frage ich mich, wie zur Hölle man noch Bücher findet, die nicht von strunzdummen Opfertussis und peitschenden Milliardären/Rockern/Popstars/Vampiren, auf jeden Falll immer geilen, grausamen Sexgöttern handeln. Manchmal sehe ich auf samtlichen Portalen zehnmal am Tag dasselbe Buchcover, immer von Büchern, die ich nie lesen würde. Einfach mal „stöbern“ ist auf Amazon gar nicht drin, weil man sich immer erst durch hundert Seiten „Top-Titel“ klicken muss, bis man mal was findet, was eine interessante Story und vielschichtige Charaktere hat.

Aber was ist eigentlich aus dem schönen, selbstbewussten Gedanken geworden, dass wir AutorInnen die Avantgarde sind, dass wir eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung haben? Nicht, weil wir uns für was besseres halten, sondern einfach, weil wir können. Weil wir eben das Talent, den Drang und auch den Fleiß mitbekommen haben, Figuren zu entwerfen, Geschichten zu erfinden, manchmal sogar Welten zu erschaffen. Und damit das Bewusstsein der Leser zu erweitern.

Und ich bekomme immer wieder mit, dass Frauen gern schreiben würden, über ganz andere Figuren als das gängige Mäuschen in Ketten, aber sie tun es nicht, weil sie denken, dass niemand sich für ihre Idee interessieren wird. Weil sowieso alle nur den hundertsten Aufguss von Fifty Shades lesen wollen. Immer wieder überlegen Autorinnen, die Brocken einfach hinzuwerfen. Gar nicht mal wegen der Verkaufszahlen, sondern weil die Anerkennung fehlt. Es kann verdammt frustrierend sein, jahrelang an einem Fantasyroman über eine gewitzte Kriegerin zu feilen und dann auf Facebook zu sehen, wie „die Schwarmintelligenz“ (mein Lieblingsoxymoron) sich sabbernd auf das neuste Peitschen-Epos stürzt, das in vier Wochen lieblos zusammengewichst wurde. Wahrscheinlich sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Weg mit dem Frust, her mit der Blogtour!

Ich weiß, dass ihr irgendwo seid! Und ich weiß, dass wir endlich mal irgendwie was tun müssen, um dem Buchmarkt zu sagen: „Hey, wir finden das nicht gut, was da passiert, wir lesen/schreiben richtige Bücher!“ Und wenn es nur ein Tropfen Wasser in der Wüste ist, wir machen das jetzt einfach!

Deshalb jetzt hier mein Aufruf an euch!

Blogparade für Frauenliteratur, die den Namen auch verdient!

Schreibst du Bücher, liest du Bücher oder arbeitest du an einem Manuskript, das diesem Trend etwas entgegensetz? Geht es in deinem Buch/Lieblingsbuch um etwas ganz anderes? Hast du eine Story, die es verdient, gelesen zu werden, weil es nicht explizit um sexuelle Gewalt, Kohle und Opfer mit Stockholm-Syndrom geht?

Was ich meine? Alles, nur eben das nicht! Hast du einen ganz normalen Liebesroman geschrieben, der einfach nur schön ist? Jagt deine Romanheldin lieber Mörder als Mr. Right? Baut sie eine Pinguinkolonie im Weltall auf, geht sie nach Afrika, um Brunnen zu bauen, spielt sie lieber in einer Band, als einen sexy Rockstar anzuhimmeln? Oder hast du vielleicht einen BDSM-Roman geschrieben, der von Respekt und Vertrauen erzählt? Ick liebe dir! Denn du bist eine ganz, ganz wichtige Gegenstimme auf dem Buchmarkt! Nichts gegen Bondage, aber wir brauchen Heldinnen, die nicht gefesselt und geknebelt sind!

Mit einer Blogparade Vielfalt am Buchmarkt feiern und schätzen

Darum geht es. Nicht um den Bachmann-Preis, es geht um ganz normale Bücher! Deshalb machen wir das jetzt auch alles ganz zwanglos. Es gibt hier kein von – bis, du kannst deinen Artikel dann schreiben, wenn es dir passt. Du musst auch keinen eigenen Blog haben, wenn du willst, kannst du deine Buchvorstellung einfach hier als Kommentar posten. Nur bitte keinen Link zu Amazon, sondern lieber Autor, Titel, ISBN, dann kann nämlich jeder selbst entscheiden, wo er einkauft. Wenn du einen Blog hast, wäre es allerdings schön, wenn du, wie bei Blogparaden üblich, in deinem Artikel auf diesen verlinken würdest. Und jetzt kommt der kniffelige Teil! 😀

Liebe Autorinnen!

Ja, ihr seid gemeint, die ihr da immer so schüchtern in der Ecke hockt und zu selbstkritisch seid, um Marketing zu machen! Tut mir einen Gefallen und vergesst mal eure Schüchternheit, die bringt uns nämlich nicht weiter! Ich rufe euch ganz klar zur Eigenwerbung auf! Ich mag solche coooolen Wörter nicht besonders, aber nagt kurz am Stift und dann haut euren Elevator Pitch raus!

Wenn eure Wunschleserin zu euch in den Fahrstuhl steigen würde, was würdet ihr schnell sagen, damit sie euer Buch liest? Bei mir wäre das: „Weil meine Bücher intelligenten Witz haben und weil sie von mutigen Leuten handeln, die sich von Konventionen nicht einschüchtern lassen. Weil meine Frauenfiguren trotz all ihrer Schwächen und Macken versuchen, selbstbestimmt zu leben und weil Freundschaft ihnen genau so viel wert ist wie die Liebe eines Mannes! Und weil meine Männer auch mal verunsichert auf dem Schlauch stehen dürfen!“

Wenn mein Marketing-Opfer dann aus dem Fahrstuhl steigt, Amazon aufruft und sich „In die Sklaverei verkauft und zugeritten“ runterlädt, ist das nicht mehr mein Problem! 😀

Liebe Buchbloggerinnen, Leserinnen und sonstewatt!

AUCH Männer!

Ja, hier sollen Autorinnen eine Chance kriegen, schamlos Eigenwerbung zu machen, die hoffentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Posten in Buchgruppen, in die außer den werbenden Autoren nie jemand reingeht. Aber eure Meinung ist genau so wichtig! Lasst uns wissen, was für Perlen des Buchmarkts euch begeistert haben! Welcher Roman hat euch begeistert, weil er ein anderes Rollenmodell anbietet? Oder schreibt ihr gerade an eurem Erstling und habt das Gefühl, dass es sinnlos ist, weiterzuarbeiten, weil ja doch nur alle Hochglanz-SM lesen wollen? Es ist nicht sinnlos! Hau raus das Teil!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Aktion nicht im Sommerloch verschwindet!

Ich freu mich auf euch!

P.S. Achtung, eine Durchsage aufgrund einer Anregung! Wir machen natürlich keine Beschränkung beim Genre, solltet ihr also Gay Romance schreiben und der Meinung sein, dass ihr da eine coole Figur habt, zählt das natürlich auch! Der Begriff „Heldin“ kann ja ausgefüllt werden, wie er will! Rollenklischees sind so unglaublich 2011! 😀

Äh, aus aktuellem Anlass ein P.P.S., das wird ja langsam richtig witzig hier! Aber Romane über „unschuldige junge Frauen“, die (warum auch immer) den Deal eingehen, das Privateigentum eines dominanten Milliardärs zu werden, aber eine andere Haarfarbe oder einen anderen Job haben als Miss Steel, zählen nicht. Wer sich noch mal vergewissern möchte, wie ich die Sache mit Miss Steel sehe, findet hier und hier mehr dazu.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Beziehungsstatus 3: Leseschnipsel

Beziehungsstatus 3: Leseschnipsel

Beziehungsstatus Romane Flüsternacht 1

Zwischen den Manuskripten: Heute baumeln wir irgendwo zwischen „Flüsternacht 1“ und „Beziehungsstatus 3“ in der Luft. Es wird also Zeit für einen Leseschnipsel!

Ihr Lieben! It’s done, die erotische Erzählung Flüsternacht 1 ist gerade irgendwo zwischen Distributor und Buchhandel unterwegs und traditionell landen meine Bücher am Amazonas grundsätzlich in der Kategorie „Zeitgenössische Literatur“, man darf also gespannt sein, wo das „Schmuddel-Spin-off“ landet! 😀

Jetzt, wo ich das geschafft habe, kann ich mich endlich wieder ganz auf das Chaos in den Manuskripten zu Beziehungsstatus 3 konzentrieren. Ich mache nämlich seit Tagen nichts anderes, als dieses Chaos zu sichten und es ist … jetzt hätte ich fast gesagt „kompliziert“, aber nein, es ist episch.

Also, von epischer Breite sozusagen. Ich hab nämlich vier oder fünf Versionen geschrieben und die heißen auf meiner Festplatte alle natürlich ähnlich, ihr kennt das. „BS3“, okay. „BS3Final“, „BS3EndgültigeFassung“, „BS3Diesmalaberwirklich“, ich gebe zu, bei Dateinamen bin ich sehr unkreativ. Also, insgesamt sind das ungefähr 1500 Romanseiten, die ich gerade alle irgendwie im Zwischenspeicher im Hirn hab. Und das Bad putze ich jetzt auch seit drei Tagen. Obwohl, das könnte ich eigentlich jetzt eben mal … Sookie! Sitz! Jetzt konzentrier dich!

Beziehungsstatus 3 wird „lebendig“, um nicht zu sagen wild! 😀

Coverentwurf Beziehungsstatus 3

Hier seht ihr den vorläufigen Cover-Entwurf zu Beziehungsstatus 3, aber wie ich mich kenne, werde ich da noch dran schrauben

Äh, also, die Sache ist die. Der dritte Band ist im Prinzip fertig, wenn ich es schaffe, aus allen Versionen eine zu bauen. Und vielleicht kennt ihr das selber, man schreibt was. Dann liest man es, wenn man es längst vergessen hat und denkt: „Hähähä!“

Eine dieser Szenen zeige ich euch jetzt als Leseschnipsel, weil ich da gerade selber so drüber gelacht habe. Naja, vielleicht muss man dabei gewesen sein. Ist ja auch egal. Ich kann euch nicht versprechen, ob die Szene es dann ins endgültige Manuskript schafft, aber noch nehme ich Leserwünsche entgegen! 😀

Also, wie gesagt, alles noch unter Vorbehalt und das ist keine endgültige Fassung, aber zur Not verbuchen wir es einfach als „deleted scene“. Trotzdem ist es wieder Zeit für eine Spoilerwarnung, wer es also gar nicht wissen will, hält sich jetzt einfach beim Lesen wieder die Augen zu.

Ich liebe Johns Nervenzusammenbrüche!

Anna neigte den Kopf und sah Steffi an, als würde sie ein abstraktes Gemälde betrachten, mit dem sie nichts anfangen kann. »Ihr spielt zwei gegen einen. Ihr baut euch zusammen als Mauer vor mir auf, um mir zu beichten, was ihr hinter meinem Rücken zusammen gemacht habt. Was ihr da macht, ist keine Polyamorie, das ist Einhornscheiße!«

John schloss für eine Sekunde die Augen, sah einen Haufen glitzernder, bunter Pferdeäpfel vor sich liegen und versuchte, nicht zu lachen, aber er konnte einfach nicht anders. Steffi schlug nach seinem Arm und zischte: »Das ist absolut nicht komisch, John! Wir haben richtig Mist gebaut!«

Steffi wandte sich wieder an Anna und sah hinter ihr die Scheunentür aufgehen. Sven kam in den Flur und sah sich fragend um. Steffi flüsterte angespannt: »Was meinst du damit?«

John sah die fröhlich bunten Glitzerpferdeäpfel über einen Regenbogen rutschen, presste sich die Hand vor den Mund und stützte sich hilflos mit einem halb verschluckten Kreischen an die Wand. Sven sah Anna ruhig an. »Habt ihr dem Maler was untergejubelt?«

Anna sah ihn empört an. »Was? Nein! Bist du bescheuert? Der ist naturstoned!«

Steffi zupfte Anna mit einer bittenden Geste bange am Ärmel. »Anna?«

Anna seufzte und wandte sich an Sven. »Würdest du Steffi bitte mal erklären, was Einhornscheiße ist?«

John kippte hilflos kreischend vor Lachen nach vorne und hielt sich den Bauch. Sven blieb vollkommen gelassen und sah Steffi freundlich an. »Einhornscheiße ist, wenn du Pferdeäpfel in Glitzer wälzt und …«

John kippte kreischend nach hinten und klappte dann wieder zusammen wie ein Taschenmesser. Anna stieß Sven an. »Ernsthaft!«

Sven strich sich die Haare aus der Stirn und holte tief Luft. »Ernsthaft! Okay. Also, Einhornscheiße ist, wenn zwei sich einen dritten Sexpartner ins Bett holen und den dann nicht liebevoll behandeln, sondern ihren Beziehungsstress in den Dritten auslagern, um ihr System zu erhalten. Ein gemeinsames Feindbild stärkt die Bindung und Eifersuchtsdramen lenken immer so schön davon ab, dass man sich nichts mehr zu sagen hat.«

Steffi kreischte entsetzt: »Was

John wurde schlagartig still und richtete sich atemlos auf. »Was

Anna rollte gereizt die Augen zur Decke. »Also, wenn zwei den Dritten immer spüren lassen, dass er nicht dazu gehört und sich wie ein Paar benehmen, zum Beispiel, weil sie immer dasselbe sagen.«

John keuchte wieder. »Was

Steffi japste: »Was

Sven sah Anna prüfend an. »Der Maler und die Maus da sind jetzt ein Paar? Hab ich was verpasst?«

John hob die Hand und schüttelte wild den Zeigefinger. »Oh, nein! Wenn hier einer Einhornscheiße macht, dann seid ihr das!«

Anna verschränkte die Arme und sah John ausdruckslos an. »Ich weiß nicht, ob du zählen kannst, aber jetzt gerade spielen wir zwei gegen zwei.«

Sven grinste breit. »Wir spielen nicht gegeneinander, wir spielen miteinander!«

Steffi stammelte verzweifelt: »Ich will doch gar nichts von John!«

Sven beugte sich über Anna und flüsterte: »Wollten wir den Pärchenabend nicht eigentlich mit der anderen machen?«

So, jetzt wisst ihr ungefähr, was auf euch zukommt! Sollte mich jemand beim Rumgammeln auf Facebook erwischen, mobbt mich weg und schickt mich an die Arbeit! 😀

Sookie und Erotik: Das Schweigen Dilemma! Hä?

Sookie und Erotik: Das Schweigen Dilemma! Hä?

Sieht das Cover im Artikelbild sehr bescheuert aus oder geht das?

Ihr Lieben! Jetzt gerade bin ich so verpeilt, wie ich immer wirke, weil! Ich war bei Amazon im Schmuddelregal und hab „Indusdriespionooosch“ betrieben, wie der Ostfriese sagt. Dann bin ich falsch abgebogen und hab mich da stundenlang verfahren. Jetzt hab ich zwar Tränen gelacht, bin aber vollkommen verwirrt. Und ratlos. Worum geht’s?

Tja. Sex zu haben ist toll. Über Sex zu lesen bestimmt auch. Obwohl ich da ehrlich gesagt nicht so mitreden kann. Die Autoren, die ich verschlinge, wenn ich überhaupt mal zum Lesen komme, sind Leute wie Balzac, Gogol, Hardy oder Gaskell, Flaubert, oder, oder. Und die hatten mit „expliziten Szenen“ einfach noch nix am Kopp.

Aber auch ich bin natürlich nicht drumherum gekommen, die eine oder andere Sexszene zu lesen und ich weiß, dass das sehr individuell ist. Als ich Teenager war, waren zum Beispiel gerade diese Steinzeitschmöker von Jean M. Auel omnipräsent, und ich hab die Teile verschlungen. Ich fand das unglaublich spannend, wie die Menschen damals ohne Strom, Kühlschrank und Supermarkt klargekommen sind. Und da gab es auch Sexszenen. Laaange Sexszenen. Um nicht zu sagen: langatmige Sexszenen. Also, für mein Empfinden. Ich fand die so spannend wie die Landschaftsbeschreibungen bei Tolkien. *überblätter*

Und Jaaahre später quatsche ich so mit einer Mitbewohnerin und wir kommen auf diese Bücher zu sprechen und sie erzählt mir, dass die Bücher an ihrem Gymnasium rumgingen wie heiße Ware, weil alle so scharf drauf waren, die Sexszenen zu lesen. Da ist mir beim Puhlen die Krabbe aus der Hand gefallen! Hä?

Erhellend. Was Leser als erotisch empfinden und was nicht ist eben genau so individuell wie die Frage, was sie als komisch oder spannend empfinden. Also, das Handwerk muss immer gut sein, klar, aber ihr versteht, was ich meine. Es will ja nicht jeder zu explizite Szenen lesen. Ich kann das gut verstehen, wenn man was nicht lesen will. Ich zum Beispiel fasse keine Thriller an über irgendwelche Psychopathen, die junge Frauen abschlachten. Andere verschlingen das und kauen sich die Nägel ab, ich mag solche Bücher noch nicht mal anfassen.

Wie viel Erotik verträgt ein Roman?

Jetzt geht es ja in meinen Büchern um Gefühle. Natürlich auch um erotische, sinnliche Gefühle, aber der Sex steht nicht im Vordergrund der Story. Deswegen baue ich Sexszenen nur dann ein, wenn sie für die Entwicklung der Handlung und der Figuren wichtig sind. Und manchmal sind sie das, weil sich dabei Gefühle und Bewusstwerdungsprozesse entwickeln, die eine Verhaltensänderung der Figuren erklären und einleiten. Mein Gott, klingt das technisch, aber ihr seid meine Leser, ihr wisst ja, was ich meine! John ist eben manchmal verwirrt! 😀

Aber irgendwie steht der Sex eben doch im Vordergrund der Story, denn wenn es um Polyamorie geht, kann man Lust ja nicht aussparen. Kein Mensch reagiert total emotional mit Verlustangst, Eifersucht, Verunsicherung oder auch Wut, wenn er einen Schachpartner hat, der auch mit anderen Schach spielt. Insofern ist der körperliche Aspekt der Liebe ein ganz wichtiger Teil der Romane.

Und was da zwischen John und Anna emotional passiert, finde ich als Autorin einfach extrem spannend. Und ich schreibe auch gern darüber, weil sich zwischen den beiden in ihren intimen Momenten genau die tiefen Gefühle entwickeln, die die Story wie von selbst tragen. Und ich glaube, ich schaffe es auch, weder zu sehr ins Pathetische, noch ins Ordinäre abzurutschen. Obwohl ich schon dafür gerügt wurde, dass ich das Wort „Schwanz“ benutze. Ich meine, wir hatten sogar hier im Blog irgendwann mal eine Diskussion darüber.

Aber mal ehrlich, wir reden hier von Anna und John. Wenn ich John ein „Gemächt“ oder einen „Liebesspeer“ andichten würde, würde ich komplett die Chemie killen. Die müssten so lachen, dass John gar nicht mehr könnte und Anna würde sich wahrscheinlich Notizen machen und gleich die nächste Hochlandrammler-Schnulze plotten. Lothar würde dabei die Kamera draufhalten und Steffi hätte Schnappatmung vor Lachen, während Eugen Tee und Schnittchen serviert und einfach mal rot wird, ohne genau zu wissen, warum. In so einer wilden WG sind ungestörte Momente zu zweit eben eine kostbare Seltenheit.

Nichtsdestotrotz sind Anna und John ja sehr sinnliche, impulsive Charaktere und die erotische Spannung zwischen ihnen ist vielleicht das wichtigste Element der ganzen Geschichte. Denn die Kernfrage ist ja nun mal: Wie geht man damit um, einen Menschen zu lieben, der nicht im herkömmlichen Sinne treu ist? Wie vermeidet man es, den geliebten Menschen zu verletzen, wenn man ihm keine Treue geben kann, weil man dann den anderen geliebten Menschen verletzen würde? Eine kniffelige Sache das!

Und da gehören für mich als Autorin die großen, archaischen Gefühle Lust und Leidenschaft einfach zur Story. Aber wie gesagt, ich verstehe jeden Leser, der das gar nicht so genau wissen will, ich versteh aber auch jeden Leser, der es ganz genau wissen will. Deswegen werde ich jetzt, wo Anna und John es endlich geschafft haben, im Bett zu landen, sehr intensive, intime Szenen in kleine erotische Erzählungen auslagern, die zwar hoffentlich sehr schön und leidenschaftlich sind, aber die den Lesefluss der Romane nicht stören, wenn man sie nicht gelesen hat. Das war für mich von Anfang an klar.

Wie mach ich das denn nu?

Äh, was wollte ich jetzt sagen? Ah! Jetzt hab ich aber folgendes Problem! Ich bin zum ersten Mal, seit ich an dieser Romanreihe arbeite, unsicher und verwirrt. Normalerweise arbeite ich wie ein stures Maultier, das genau weiß, wo es lang will und bin in meiner Sturheit auch unbeirrbar. Keine Testleser und nichts, ich frag nicht „Hey, wie gefällt euch das Cover?“ oder sonstewatt, weil ich die Logik einfach so klar habe, dass ich noch so konstruktive Kritik mitten im Arbeitsprozess gar nicht haben kann. Wenn ich fertig bin, finde ich Kritik immer sehr hilfreich und bessere gerne nach. Aber an diesem Punkt war ich noch nie ratlos! Cover und Titel! Sonst das Sahnetörtchen, das ich mir verdient habe, wenn ich eine halbe Million Zeichen in den Rechner gehackt habe!

Also. Ich hab jetzt eine explizite Erotikerzählung über John und Anna hier liegen und dachte, och, hmm, ist ja kein Ding, da gehst du einfach mal bei Amazon im Erotikregal gucken, was da geht. Wie sehen die Cover aus, wie lauten die Titel, wie sind die Klappentexte? Und, ohne Witz, ich krieg das nicht zusammen. Ich hab nichts gegen Sankt Pauli, versteht mich jetzt bitte nicht falsch, es geht hier nicht um Moral, Schmuddel oder irgendwelchen elitären Dünkel („Meine Romanfiguren sind nicht so!“), nein, es geht darum, es passend zu machen, weil der Angler doch dem Fisch schmecken soll! 😀

Was für einen Titel soll ich bloß nehmen? Muahahahaaaa!

 

  1. „Zugeritten vom Maler“?
  2. „Wilde Spiele im Bauwagen“?
  3. „Die heiße Spritztour der Elfe“?
  4. „Der Konkubinator samt ab“? Ich geh kaputt vor Lachen!
  5. „Heiße Nächte in Ostfriesland“? Da denkt man doch an brünftige Ottifanten!
  6. „Gezüchtigt vom verpeilten Millionär“?

 

Och, Mensch, Kinnings, das geht doch alles nicht! Mir fallen nur so absurde Titel ein, die zu den Flying Kluntje passen! Aber das rutscht doch bei der Erotik-Konkurrenz sofort ins Nirvana!

 

  1. „Ich habe dir nie einen Neurosengarten versprochen“
  2. „Wackeln im Sturm – die polyamore Ostfriesland-Saga“
  3. Oder vielleicht mehr so in die künstlerische Richtung? „Flachgelegt mit dem Flachpinsel“?
  4. FIFTY SHADES OF SEAN???

Oh, neeee! Da fällt mir ein, kennt ihr noch diesen alten Witz, als Kohl noch im Amt war? Also! Helmut Kohl macht ein Kreuzworträtsel. Amtierender Bundeskanzler mit vier Buchstaben. Sagt er: „Ist doch klar: Ich!“ Ich passt nicht. Fragt er Hannelore. Lorchen sagt: „Ist doch klar: Du!“ Kohl zählt ab, passt nicht. Fragt er seinen Verteidigungsminister. „Wer ist denn der amtierende Bundeskanzler?“ Sagt der Minister: „Na, Sie!“ Passt auch nicht. Kohl geht nach Hause und kann die ganze Nacht nicht schlafen. Irgendwann weckt er Hannelore und ruft: „Jetzt weiß ich, wen die meinen! MICH!“

Ja, äh, und daran muss ich immer denken, wenn die Miss Steel den Mister Grey so neckisch fragt: „Und was hab ich davon, wenn ich mich von einem psychopathischen Großkotzkapitalisten mit seinen Spielsachen hauen lasse?“ Dann sagt er: „Mich!“ Und ich schrei jedes Mal: „Kohl, du Idiot! Vier Buchstaben! Rrrrrrra!“

Ähm, ja. Ich stelle fest, das vermittelt hier einen völlig falschen Eindruck. Als würde ich jedes Wochenende zur geistigen Erbauung Fifty Shades gucken, aber was ich davon halte, könnt ihr ja hier nachlesen. Ist ja auch egal. Jedenfalls … ach, Mensch. Ick liebe meine Romanfijuren. Ich will sie einfach nicht … billig machen, wenn ihr versteht, was ich meine. *seufz*

Vielleicht halten wir die Sache einfach ganz schlicht. Schwarz und schlicht. Ungefähr so wie die Beerdigung von Rudolph Valentino. Hundertausend Gäste, eine Wachspuppe im offenen Sarg und eine verzweifelte Pola Negri, die Traffic generiert, indem sie sich dramatisch schluchzend über die Wachspupppe wirft. Oder so.

Naja, irgendwie werden wir uns schon treu bleiben. Oder wie meine Kollegin Dana Brandt immer sagt: „Ich kann das!“

Ich bin fertig. Wann kommt eigentlich endlich die neue Game of Thrones Staffel? Ich brauch dringend mal ’ne Stunde Urlaub. Danke fürs Zuhören. Jetzt geht’s mir besser. Ich liebe euch.

Besessenheit und Gelassenheit – das richtige Mindset zum Schreiben eines Buches

Besessenheit und Gelassenheit – das richtige Mindset zum Schreiben eines Buches

Was ist für mich das richtige Mindset, um ein Buch zu schreiben? Marie vom Schwellentroll hat zu einer Blogtour aufgerufen, deswegen haue ich euch jetzt gnadenlos um die Ohren, welche Einstellung man braucht, um ein Buch zu schreiben! 😀

Ihr Lieben! Eigentlich hab ich heute sieben andere Sachen auf dem Zettel, aber ihr kennt das. Zufällig bin ich auf die Blogtour vom Schwellentroll gestoßen und das Thema ist zu interessant, um den kleinen Umweg nicht zu machen! 😀 Um spontan zu bleiben, habe ich die anderen Beiträge noch gar nicht gelesen (das gönne ich mir dann zur Belohnung), aber ich bin sicher, dass da schon einige kluge Leute kluge Dinge gesagt haben, die allgemeingültig sind. Deswegen halte ich meinen Artikel jetzt einfach mal sehr persönlich und verschone euch mit all den guten Schreibtipps, die ihr auch woanders nachlesen könnt.

Ich bin zum Glück auch kein Coach, der euch zum Schreiben motivieren muss, damit ihr bei der Stange bleibt. Ich bewundere die Energie und die Geduld der Leute, die das tun und finde, dass sie sehr wichtige Arbeit leisten, aber ich persönlich ticke da anders. Um nicht zu sagen: Ich bin extreeeem. Extrem besessen. Und strenger als meine alte Lateinlehrerin. Deswegen ist meiner Meinung nach das einzig wahre Mindset zum Schreiben:

Wenn du nicht komplett besessen bist, lass es!

Die professionellen Autoren unter euch werden das kennen. Manchmal quatschen einen Leute an. „Och, ja, ein Buch wollte ich auch immer mal schreiben. Ich stell mir das ganz nett vor! Du schreibst eine nette Liebesgeschichte und kriegst auch noch Geld dafür!“

Solche Leute gucke ich immer nur glasig an, dann erinnere ich mich selbst daran, dass ich höflich lächeln sollte, lache aber dann kurz und hysterisch auf und gehe weg. Noch schlimmer sind die „Ich bin ja auch Schriftsteller. Ich hab schon drei Gedichte geschrieben und denke auch viel über den Tod nach“-Leute. Äh, ja. „Ja, sieht man ja auch an deinen Klamotten!“, sag ich dann und gehe weg.

Noch schlimmer sind aber die „Pah, Bücher schreiben, so was ist doch keine Arbeit, das kann ich auch!“-Menschen. Die haben natürlich in der Regel seit ihrem letzten Schulaufsatz nichts mehr geschrieben. Mit denen hab ich glücklicherweise nie was zu tun, weil ich so gut wie nie unter Menschen komme. Ich arbeite schließlich viel zu viel. An meinen Büchern.

Jedenfalls sind all diese Leute nicht besessen. Schreiben ist ein tolles Hobby, auf jeden Fall, und es ist toll, wenn viele Menschen für sich schreiben, um ihre Gedanken zu ordnen, um Freude zu haben. Schreiben kann ja auch sehr heilsam sein, man reflektiert vieles erst richtig, wenn man es in Worte fasst. Aber darum geht es hier ja nicht. Es geht um das Mindset, um ein Buch zu schreiben. Deshalb lasse ich euch jetzt an meiner „Liste der Besessenheit“ teilhaben!

Du bist besessen genug, um ein Buch zu schreiben …

  1.  … wenn du von deiner Idee so gefangen bist, als wärst du frisch verliebt. Du kannst nicht mehr schlafen, nicht mehr essen, du kannst nur noch an diese eine Geschichte denken.
  2. … wenn du die Frage, was dein Partner, deine Freunde, deine Familie denken sollen, längst hinter dir gelassen hast. Du kannst keinen perfekten Mord planen, wenn du die Angst im Hinterkopf hast, dass die Nachbarn dich danach nicht mehr grüßen. Du kannst deiner Protagonistin keine sinnlichen Höhenflüge mit einem anderen schenken, wenn du denkst: „Oh, Gott, hoffentlich liest mein Mann das nicht!“. Bremsen im Kopf sind der Tod eines guten Textes.
  3. … wenn du so in deiner Geschichte gefangen bist, dass du deine eigenen Kinder mit den Namen deiner Romanfiguren anredest!
  4. … wenn du nachts um drei aufstehst und den Rechner startest, weil du einen gestochen scharfen Dialog im Kopf hast, den du sonst nie wieder so hinkriegst.
  5. … wenn du ständig das Gefühl hast, dass der Tag 72 Stunden haben müsste, damit du die ganzen Spin-offs und Fortsetzungen schreiben kannst, die längst in deinem Kopf sind, von denen deine Leser aber noch nichts ahnen.
  6. … wenn du über jede noch so kleine Nebenfigur Details im Kopf hast, die niemals in den Büchern ankommen werden.
  7.  … wenn du bereit bist, gnadenlos zu streichen, was dich vielleicht wochenlange Arbeit gekostet hat, aber für deine Story tust du alles.
  8. … wenn du auf die Frage „Und wieso sollte das irgendjemand lesen?“ nur schreist: „Halllloooo?“ Und dann klatscht du dir dramatisch vor die Stirn und haust den Leuten so einen genialen Elevator Pitch vor den Latz, dass die nur noch schuldbewusst murmeln: „Ach so!“

So. Das sind nur einige Punkte, an denen du merkst, dass du besessen genug bist, um es durchzuziehen. Wenn du dich jedes mal mit dem Gefühl ans Schreiben quälst, als müsstest du zu einer Geburtstagsfeier beim Chef oder bei Tante Inge und eigentlich lieber was ganz anderes machen würdest, dann ist Schreiben eben nicht die Passion, der du hoffnungslos verfallen bist und das ist auch völlig okay!

Die andere Seite des Mondes: Gelassenheit!

So, ich denke, was Besessenheit ist, haben wir jetzt ausreichend geklärt. Sie frisst dich auf. Sie ist auch gar nicht immer schön. Aber sie ist wild und ungezähmt und treibt dich an wie nichts anderes. Aber! Besessenheit macht noch kein gutes Buch. Denn dafür brauchst du Gelassenheit. Geduld. Ruhe. Denn jeder, jeder!, Text muss reifen.

Und Gelassenheit hat einen entscheidenden Vorteil, wenn es darum geht, Selbstsabotage zu verhindern. Selbstsabotage begeht man ja nie bewusst, weil man denkt: „Ah, so richtig verrissen oder – noch besser – vom Buchmarkt komplett ignoriert zu werden, wär mal wieder richtig geil!“

Selbstsabotage passiert einem ja eher „zufällig“. Man traut sich nicht, Dinge zu tun, weil man Angst hat, sich sichtbar zu machen und sich Kritik auszusetzen. Oder weil man denkt, dass man ja keinen Erfolg verdient hat, oder dass man etwas nicht kann, weil man es ja nicht „richtig“ gelernt hat (Schreiben kann man übrigens nicht „richtig“ lernen, man muss es machen, machen, machen).

Aber mit Gelassenheit Selbstzweifel zu überdenken, hilft enorm dabei, Selbstsabotage von Optimierungsbedarf zu unterscheiden. Und die Zeit solltest du dir auf jeden Fall gönnen, denn das ist die beste Prophylaxe gegen spätere Krisen und wappnet dich auch für den Umgang mit späterer Kritik. Vor allem hilft Gelassenheit dir zu verstehen, dass es immer Optimierungsbedarf gibt, immer! Es ist nicht dein persönliches Versagen, wenn du nicht in einem Rutsch ein druckreifes Buch schreibst. Man kann aus jedem, wirklich aus jedem Manuskript immer noch mehr rausholen. Bis man zu viel rausgeholt hat und wieder kürzen muss. 😀

Du bist gelassen genug, um ein Buch zu schreiben …

  1.  … wenn du völlig natürlich damit umgehen kannst, dass du nicht an jedem Tag fantastisch genial überirdisch inspiriert bist. Dann nutzt du die „normalen“ Tage eben auf andere Weise, um dein Buch voranzubringen. Korrektur, Überarbeitung, Kontakte pflegen, in Programme reinfuchsen, es gibt tausend Wege, produktiv an seinem Buch zu arbeiten.
  2. … wenn du deine Schreibzeit so selbstverständlich nimmst, dass keiner mehr auf die Idee kommt, dir zu widersprechen, weil er deine Arbeit nicht ernst nimmt. Wenn du an dein Buch glaubst, strahlst du das auch ganz entspannt aus.
  3. … wenn du jede Kritik als wertvoll empfindest, ohne sie persönlich zu nehmen. Selbst, wenn sie persönlich gemeint ist, sagt sie mehr über den Kritiker aus als über deine Arbeit. Aber konstruktive Kritik kannst du nur von unsachlichem Gemecker unterscheiden, wenn du entspannt bleibst.
  4. … wenn du deinen Frieden damit gemacht hast, dass alles dreimal so lange dauert, wie du es geplant hattest. Qualität braucht einfach Zeit.
  5. … wenn es dich nicht demotiviert, dass zwischen der ersten Rohfassung und dem endgültigen Manuskript zahllose Überarbeitungen liegen.
  6.  … wenn du ganz entspannt auf dem Schirm hast, dass du niemals Everybody’s Darling sein kannst. Du schreibst schließlich nicht für alle, sondern für die Leser, die dein Thema wirklich interessiert.

Gelassenheit und Besessenheit sind also beim Schreiben wie Ebbe und Flut. Das eine funktioniert ohne das andere irgendwie nicht so richtig. Zusammen sind sie die Gezeiten, die dein Mindmap ausmachen.

Und was hat das jetzt mit dem Biber zu tun?

Schreiben ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Wenn du diese Arbeit nicht liebst, lass es. Aber bei aller Liebe bleibt es Arbeit. Schreiben erfordert knallharte Selbstdisziplin, gnadenlose Selbstkritik, endlose Ausdauer und völlige Konzentration. Das alles kann man mit dem völlig unmodernen Wort „Fleiß“ zusammenfassen. Und wer fällt uns dazu ein? Simone de Beauvoir hatte den Spitznamen „Castor“. Nein, das hat nichts mit Castortransporten zu tun, sondern mit Bibern.

Castor ist das französische Wort für Biber und Simone war eben „der fleißige Biber“. Spätestens, wenn du mal versuchst, einen Baum mit den Zähnen zu fällen, verstehst du, auf was ich hinaus will. Und spätestens, wenn du mal „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir in die Hand nimmst, verstehst du, wie verdient dieser Spitzname war.

Um so ein umfassendes, zeitloses Standardwerk zu erschaffen, braucht man Besessenheit und Gelassenheit. Biss und Geduld. Disziplin, so unsexy sich das anhört. Aber wenn du das für dich klar hast, stellt sich die Frage, wie du mal ein Buch fertigschreiben könntest, gar nicht mehr.

Dann ist das Schreiben ganzer Romane so ähnlich wie schwanger zu sein. Da hörst du auch nicht mittendrin auf, weil das gerade anstrengend ist oder andere Sachen wichtiger sind. Dann ziehst du das durch, bis du dein Buch zur Welt gebracht hast. Also: Sei ein Biber oder such dir ein anderes schönes Hobby! 😀

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Ihr Lieben! Eine hektische Werbewoche bei Facebook geht dem Ende zu und was hat es gebracht? Verdammt viel Arbeit, tierischen Zeitaufwand und ein bisschen Spaß, aber den hatte ich mit den Leuten, mit denen ich da sowieso abhänge.

Für den Blog hat es nüscht jebracht und mit den Buchverkäufen bin ich deshalb zufrieden, weil ich denselben Anstieg hatte, den ich immer habe, wenn ich etwas Neues veröffentliche (in diesem Fall die Neuauflage mit neuen Covern und Klappentexten), aber ich glaub nicht, dass ich auch nur einen Leser gewonnen habe, weil ich auf FB den Hampelmann gemacht und wie wild gepostet habe! Eher, weil die kostenlose Leseprobe jetzt wieder seit einer Woche in der Top 100 bei zeitgenössischer Literatur für Noppes rumhängt. Oder? Ist hier jemand, der über FB auf meine Bücher aufmerksam geworden ist? 😀

Mein Fazit ist also dasselbe, wie immer, wenn Facebook und ich es miteinander versuchen: Die Zeit hätte ich besser gleich in das nächste Projekt gesteckt. Ob ich wie bekloppt auf FB rumhample oder da monatelang nichts poste, die Verkaufszahlen bleiben konstant. Jeder Blogartikel bringt meinen Büchern mehr Aufmerksamkeit als das und in den Rezensionen steht oft „Ich bin über ihren Blog auf die Autorin aufmerksam geworden“ oder so was, da stand aber noch nie: Über Facebook! 😀

Autorenmarketing auf Facebook? Hihi!

Also, was lernt Sookie daraus? Gott sei Dank, ich kann wieder konzentriert an meinen Manuskripten arbeiten und ernsthaft satirisch die Kettensäge schwingen und muss mich nicht schämen, weil ich mich vor Facebook drücke! 😀 Ach so, und Litbaits funktionieren vielleicht in Amerika, hier nicht! 😀 Mir ist völlig schleierhaft, wie die damit einen 14.000 fachen Anstieg an Traffic generieren konnten, ich hatte einen 14.000 fachen Abstieg! Fucking fuck happens!

So, zum Ausstieg aus der Werbewoche und passend zum oben stehenden Video gibt es jetzt als heutigen Romanauszug noch ein „Flying Kluntje Video“ aus Band 2 der Beziehungsstatus-Reihe „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“, also nichts aus der kostenlosen Leseprobe.

Wir schmeißen uns also zusammen mit John in New York aufs Bett und sehen uns ein Video aus der ostfriesischen Heimat an. Weil es sich aber zweifelsfrei hier um einen Spoiler handelt (coool, ich fühl mich gerade, als wäre ich Game of Thrones!), bastel ich jetzt eben noch dieses Milchglasfenster, das ihr dann mit einem Klick auf „Teilen“ beseitigen könnt, falls ihr neugierig seid und euch überhaupt spoilern lassen wollt. Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, weil ich euch zwinge, euren Freunden zu sagen, dass ihr hier wart! 😀

P.S. Ich stelle gerade fest, das Milchglas-Plugin funktioniert mal wieder nicht und ich muss es rauswerfen, ja, das ist alles live hier, meine Damen und Herren! Haltet euch also einfach beim Lesen die Augen zu, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt und teilt wie gewohnt! Ich liebe euch! 😀

Auszug aus „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“

 

John seufzte tief, dann startete er das Video. Nach einem kurzen Intro mit einem harten Gitarrenriff tauchte Anna im Bild auf und es sah aus, als würde sie in einer Zoohandlung stehen, die sich bei näherem Hinsehen als eine Garage voller Terrarien entpuppte. Neben ihr stand ein ellenlanger pickeliger Jüngling mit knallrotem Kopf. John fragte sich, wo sie den Nerd ausgegraben haben und stöhnte mitfühlend: »Armer Junge!«
Anna beugte sich in die Kamera und flüsterte: »Livecam und ich haben heute die angekündigte Abonnenten Überfall Battle Tour gestartet und sind gerade bei einem unserer Follower der ersten Stunde zu Gast, und zwar in der ostfriesischen Hafenstadt mit einem Buchstaben: M. Das sagen die hier jedenfalls so, im Kreuzworträtsel heißt das aber Emden, nicht, dass es hinterher heißt, ich hätte euch was Falsches gesagt. Jetzt habt ihr wieder was über Land und Leute gelernt! So, neben mir steht jetzt Tjark, der Schrecken der ostfriesischen Schildkrötenzüchter-Szene! Tjark, bevor ich einen Laberflash kriege und du nicht mehr zu Wort kommst, willst du jemanden grüßen?«
Anna hielt dem verschreckten Bengel das Mikro vors Gesicht und half ihm beim Stottern weiter. »Irgendein Mädchen?«
Tjark lief nur noch dunkler rot an. Anna half nach. »Komm schon, der erste Mädchenname, der dir einfällt! Irgendwas müssen die doch morgen in der Schule zu reden haben!«
Wie aus der Pistole geschossen sagte Tjark: »Die Saskia!«
Anna ging in die Knie und seufzte gerührt, dann fragte sie verschwörerisch: »Die Saskia ist süß, oder?«
Tjark nahm etwas in die Hand, das aussah wie ein Miniaturfelsen, und murmelte: »Geht so!«
Anna seufzte verträumt. »Der Livecam-Lothar war auch mal verliebt! Erinnerst du dich, Bärchen, wie du mal verliebt warst?«
Die Kamera schwankte. Lothar kam ins Bild, rollte dramatisch mit den Augen und verschwand wieder. Anna hielt Tjark wieder das Mikro hin. »Ich hab neulich gelesen, dass Bill Gates nur deshalb Bill Gates ist, weil er schon zehntausend Stunden lang Bill Gates war, bevor er Bill Gates wurde. Würdest du sagen, dass du so eine Art Bill Gates der Schildkrötenzüchter bist?«
Tjark sah nur völlig überfordert in die Kamera. Anna gab Lothar einen Wink und die Kamera schwenkte auf die Wände voller Terrarien. Annas Stimme aus dem Off: »Und das hier ist jetzt die Chef-Schnappschildkröte, von der du uns erzählt hast?«
Tjark bestätigte: »Das ist Tyrion.«
Anna fragte begierig: »Tyrion Lannister? Stehst du auf Game of Thrones?«
Tjark kam wieder schwankend ins Bild und nickte. Anna fragte: »Buch oder Serie?«
Tjarks Gesicht leuchtete auf. »Beides!«
Anna ging wieder seufzend in die Knie. »Ich bin auch voll süchtig! Ich zieh mir die Folgen immer sofort im Original rein, damit ich nicht auf die Synchronfassung warten muss. Für welches Haus spielst du?«
John fragte sich, wovon die reden, aber Tjark blühte voll auf. »Targaryen, auf jeden Fall!«
Anna nickte eifrig. »Du stehst auf die Mutter der Drachen, das hab ich schon zu Lothar gesagt, bevor wir dich überhaupt kannten!«
Tjark lachte tatsächlich auf. Anna nickte wieder. »Nee, ernsthaft, bevor wir losgefahren sind, hab ich zu Lothar gesagt: Pass auf, der Vater der Schildkröten steht auf die Mutter der Drachen, jede Wette! Wenn die anfängt, ihre Titel aufzuzählen, weiß ich immer, dass ich jetzt Zeit hab, mir Schokolade zu holen. Aber müsstest du als Nordlicht nicht eigentlich dem Haus Stark verpflichtet sein?«
Tjark lachte. »Du stehst auf Jon Snow!«
Anna beugte sich in die Kamera und raunte: »You know nothing, John O … oh, mein Gott, jetzt hab ich den Namen vergessen. Jon Dings!«
John zog verwirrt die Stirn kraus und versuchte, den Sinn der geheimen Botschaft zu entschlüsseln, er musste das unbedingt googeln. Lothar hüstelte im Hintergrund aufdringlich und fragte »Schildkröten?«
Anna winkte ab. »Jetzt mach mal keinen Stress hier, Bärchen, die Erwachsenen unterhalten sich gerade!« Sie wandte sich wieder an Tjark. »Soll ich dir verraten, auf wen ich voll abgehe? Daario Naharis, also der zweite, den Darsteller haben die ja ausgetauscht! Den ersten fand ich voll ätzend und dann: Kawämm! Kommt da dieser Holländer, ich bin zerbröselt! Ich war schon tausend mal in Holland, aber so einen schönen Mann hab ich da noch nie gesehen! Und weißt du was? Ich kenne zwei Männer, wenn man die mischen und einen draus machen würde, dann wäre das Daario Naharis, irre, oder?«
John hustete verwirrt. Googeln, er musste das googeln! Anna fragte den Bill Gates der Schildkröten: »Du als Züchter, was rätst du mir? Kann man da was machen?«
Ein schwarzer Bildhintergrund, das krachende Geräusch eines Autounfalls und Anna kam mit einer Kuhweide im Hintergrund und wild im Wind wehenden Haaren wieder ins Bild. »Ich weiß, das ist total affig, aber Lothar besteht darauf, dass ich eine Erklärung abgebe. Ich mache keine Genversuche mit Männern! Ich hab auch kein Labor im Keller, wo ich schöne Männer zusammenschraube! Ich weiß, ihr seid jetzt enttäuscht, aber sorry, Mädels, Tante Anna kann keine Hybridmodelle zaubern! Und jetzt zurück zu …«, ein harter Schnitt und Anna stand wieder neben Tjark. »Züchtest du eigentlich nur Schnaps-Schildkröten oder auch Likörschildkröten?«
Tjark sah wieder völlig überfordert in die Kamera. Anna machte einen Satz auf ein anderes Terrarium zu. »Und was ist der Frosch hier für eine Schildkröte?«
Tjark schien glücklich, dass er sich an Fakten klammern konnte. John seufzte mitfühlend. Manche Menschen waren den Verhörtechniken der Elfe eben hilflos ausgeliefert. »Eine Rotbauchunke.«
»Und was macht die?«
Tjark zeigte auf eine Stelle an der Scheibe des Terrariums und erklärte: »Die ist hier rot und zeigt als Drohgebärde ihren Bauch.«
Anna flüsterte in die Kamera: »Ist das nicht eher eine Unterwerfungsgeste, wenn man seinen Bauch zeigt? Also, wenn ich rot werde und meinen Bauch zeige, ist das kein Angriff!«
John lachte verwirrt auf und flüsterte verliebt: »Verdammtes Luder!«
Lothar prustete los. Anna hielt die ausgestreckte Hand vor die Kamera und kippte hilflos lachend nach vorne. »Cut! Schnappatmung!«
Für ein paar Sekunden sah man nur einen schwarzen Bildschirm, hörte Anna und Lothar aber so überdreht lachen, dass man einfach mitlachen musste.
Lothars gnadenlose Stimme: »Yeah, Baby, unterwirf dich!«, und dann Annas atemloses Japsen: »Livecam, jetzt halt doch mal die Klappe!«
John dachte wehmütig an die Nachmittage an der Teetafel und die Abende in der Upkammer, an denen er wie ein schweigsamer Schatten dabeigesessen hatte, wenn seine Mitbewohner so brillant und vollkommen sinnfrei Tränen gelacht hatten über den letzten Unsinn.
Anna tauchte wieder auf, wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht und fragte: »Weiß die Unke denn, ob sie ein Männchen oder Weibchen ist?«
Tjark nickte ernst. »Die Männchen haben dunkle Brunstschwielen am Unterarm.«
Annas Gesicht war unbezahlbar. »Dunkle Brunstschwielen.«
»In der Paarungszeit«, stotterte der verlegene Züchter.
Anna sprach jetzt mit der Kamera. »Liebe Abonnentinnen, ich denke, wir sind uns einig, dass … äh, also, ohne Witz, ich steh unglaublich auf Männer mit Unterarmen, ja? Ich kenne da einen, der hat Unterarme, die …«, mit verdrehten Augen ging sie sinnlich in die Knie und fuhr fort. »Ist ja auch egal! Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, ich zieh die guten Pumps an, geh schön lecker abtanzen und dann tanzt mich da einer an, der hat dunkle Brunstschwielen an den Unterarmen …«, sie wandte sich wieder an Tjark. »Ist das für die Weibchen denn schmeichelhaft, wenn die Männchen Brunstschwielen haben oder sind die dann eher genervt?«
Tjark musste lachen. »Ich weiß nicht, ich hab noch keine gefragt!«
Anna neigte nachdenklich den Kopf. »Also, das Wort Brunstschwielen an sich ist ja jetzt nicht so sexy. Wenn ich mir vorstelle, zu mir sagt einer: ›Yeah, come on, rock me, Baby, ich hab voll die Brunstschwiele!‹, dann wäre ich zugegebenermaßen irritiert. Da fällt mir ein, kennst du ein Land, das sich auf Brunstschwiele reimt? Lothar und ich dichten gerade einen Song und brauchen Reime!«
Tjark fragte hilfsbereit: »Wovon handelt der Song denn?«
Anna erklärte: »Es gibt da einen Liedermacher, der heißt Ingo Insterburg und hat in den Siebzigern einen genialen Song gemacht, der hieß ›Ich liebte ein Mädchen‹, musst du mal googeln. Und so was wollten wir auch machen, nur auf neu. Wir dachten an ›Das Lied der digitalen Nomadin‹. Aber nicht so balladenmäßig, sondern eher so in Richtung Trash Metal, der Livecam will mal richtig die Sau rauslassen! Der muss ja auch die Perücke auftragen, damit sich die Anschaffung gelohnt hat!«
Lothar murrte hinter der Kamera: »Ich? Wieso ich? Ich dachte, du singst!«
Anna prustete plötzlich los, dann sang sie: »Ich liebte einen Mann in Chile, der hatte eine Brunstschwiele! Schreib das auf, Livecam! Oh, ich hab noch einen, warte! Ich liebte einen Ostfriesen, der stammte ab von Riesen! Das wird Keno gefallen! Bärchen, hast du schon Brunstschwielen? Zeig mal deine Arme!«
Zögerlich zeigte Lothar seinen Arm und hielt dabei verkrampft seinen langen Ärmel fest. Ein harter Schnitt, dann kam die endlose ostfriesische Landstraße zwischen Kuhweiden durch die Windschutzscheibe ins Bild, im Hintergrund plätscherten durch das Rauschen im fahrenden Auto Annas und Lothars Stimmen. Anna prustete schon wieder los. »Ich liebte einen Mann in Uruguay, der hatte nie ein Kondom dabei!«
Lothar krähte: »Ich liebte einen Mann in Mosambik, der hatte Eier in Aspik!«
Man hörte ein Klatschen, Lothars empörtes »Aua!«, und dann Annas Tadel. »Das ist voll rassistisch! Da, fahr mal rechts ran!«
Schwarzer Bildschirm, das Flackern einer Leuchtstoffröhre und dann Anna in einem Zeitschriftenladen. Lothar streckte den Arm aus, an den sie mit irgendetwas klebrigem dunkle Beulen geklebt hatten, und verfolgte Anna mit der wackelnden Kamera. Anna streckte sich an einem Regal und fragte hilfsbereit in die Kamera: »Guck mal, Livecam, die Pornos sind ganz oben! Soll ich dir einen runter holen?«
Eine Teetasse von oben, in die im hohen Bogen ein Kluntje geworfen wurde, und dann ein dicker roter Stempel, der aufs Bild klatschte. »Flying Kluntje WG. Autsch now!«
Schwarzer Hintergrund und Annas melancholischer Singsang: »Ich liebte einen Mann aus Irland, der nie den Weg nach Hause fand …«
John keuchte verwirrt und richtete sich hektisch wieder auf. Er bekam das übersprudelnde heisere Elfenlachen einfach nicht aus dem Ohr. Wie konnte sie so unfassbar zauberhaft, witzig und brillant sein? Er scrollte an dem Video herunter und spürte, wie sein Herz kurz aussetzte. Das Video hatte schon über 15.000 Aufrufe und weit über 100 Kommentare. Nach dem dritten »Anna, ich will ein Kind von dir!«-Kommentar, den er las, klappte John den Laptop zu und starrte wie unter Schock an die Decke. Scheiß auf Sonja, die Scheidung musste warten.

Sexismus: „Typ mit Pferdeschwanz“ fühlt sich diskriminiert!

Sexismus: „Typ mit Pferdeschwanz“ fühlt sich diskriminiert!

 

Cooool, du hast eine Schlagzeile angeklickt, die dich zu einem LitBait geführt hat! Und was machen wir jetzt damit? Wir lesen die ganze schmutzige Geschichte! 😀

Hamburg, achter Stock

Ein Auszug aus dem Beziehungsstatus-Roman „Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“, viel Spaß!

John drehte sich auf dem winzigen Balkon mit dem Rücken zum teuren Wasser weit unter ihm und schüttelte gereizt das Feuerzeug. Wieso waren die verdammten Dinger immer leer, wenn er bei einer Nichtraucherin auf dem Balkon stand!

Nina winkte ihm durch die Scheibe zu dem ebenfalls winzigen Wohn- und Esszimmer fröhlich zu und arrangierte die letzten Kleinigkeiten liebevoll auf dem Frühstückstisch. John seufzte innerlich und zog dann schnell an der Zigarette, als das Feuerzeug endlich eine kleine Flamme ausspuckte. Wie eine Dampfmaschine paffte John Wölkchen, bis die Zigarette endlich verstand, was er von ihr wollte und durchglimmte. Er atmete erleichtert auf und drehte sich wieder zum schwarz schimmernden Wasser. Saukalt war das heute Morgen und windig. John sah einen Funken der Zigarette auf sich zufliegen und wischte sich hektisch über den Anzug. Ein Brandloch in dem feinen Zwirn fehlte ihm jetzt noch, er hatte keine Lust, sich schon wieder ein neues Pinguinkostüm für seine Dates kaufen zu müssen.

Hamburg mit Blick aufs Wasser, ihm war vollkommen schleierhaft, wie man für einen Hamsterkäfig, unter dem so viel Lärm herrschte, so viel Geld ausgeben konnte. Es war noch stockdunkel, aber die Stadt pulsierte schon und der Verkehrslärm rauschte. Da war es ja in seinem Apartment in New York ruhiger!

Ihm war auch vollkommen schleierhaft, wieso er den Fehler gemacht hatte, über Nacht zu bleiben, aber er hätte sich eher um ein Hotelzimmer kümmern müssen. Und um eine Ausrede, warum er mal wieder mitten in der Nacht weg musste.

Nina klopfte jetzt von innen an die Balkontür und zeigte auf ihre Armbanduhr. John hielt die Zigarette hoch, setzte ein albernes Lächeln auf und winkte zurück.

Er fühlte sich wie ein Tier in seinem Außengehege. Er wusste, dass Nina beim Sex nicht gekommen war, aber er wusste nicht, ob sie wusste, dass er es wusste. Auf jeden Fall war die Stimmung irgendwie verkrampft, wie so oft bei diesen »Zwei Erwachsene haben Hunger auf Sex und machen sich gegenseitig vor, dass sie menschliches Interesse aneinander haben«-Geschichten.

Er seufzte ergeben in sein Schicksal und schnippte die erst halb aufgerauchte Zigarette über den Balkon. Nina musste ins Büro und wollte noch schön mit ihrem Liebhaber frühstücken. John rieb sich müde die Augen, dann trat er wieder in das Wohnzimmer und versank in dem weichen, flauschigen Teppichboden. Lachsfarbener Teppichboden.

John blinzelte gequält, dann versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen und setzte sich auf einen der kleinen weißen Bistrostühle, die Pariser Flair ausstrahlen sollten, aber irgendwie nur aussahen wie ausrangierte Gartenstühle. Nina setzte sich ebenfalls, strahlte ihn an und reichte ihm einen Korb mit noch heißen Aufbackbrötchen an.

Eigentlich mochte John um diese unchristliche Zeit nur einen Kaffee und eine Kippe, aber er brachte es nicht übers Herz, Nina zu enttäuschen. Nina stand auf ausgiebiges Frühstück und war ein Sonnenscheinchen, das schon los plapperte, bevor es die Augen richtig geöffnet hatte. John stand gern vor Morgengrauen auf, um das aufkommende Licht zu beobachten und am Wind zu schnuppern, aber vor 12 Uhr mittags zu reden, kam ihm vor wie Migräne.

»Findest du nicht?«

John sah verwirrt auf und nippte an dem Kaffee, den Nina ihm serviert hatte, aber das war gar kein Kaffee, das war irgend so eine aromatisierte Vollautomatenplörre! John unterdrückte ein Stöhnen und tröstete sich damit, dass er ab übermorgen wieder in seinem geliebten Bauwagen vollkommen ungestört, ohne jedes Geplapper, einen guten alten von Hand aufgebrühten echten Omakaffee ohne jeden Schnickschnack frühstücken könnte.

»Und dann sagt sie so zu mir: Wieso fragst du nicht einfach deinen Maler? Und betont das so komisch, als würde sie mir gar nicht glauben, dass es dich tatsächlich gibt! Als würde ich mir nur ausdenken, dass du mit mir zusammen bist!«

John stieß misstrauisch mit dem Messer in das steinharte Brötchen und hustete verwirrt. Nina kleckste sich mit einem kleinen Silberlöffelchen Marmelade aufs Brötchen. »Und da hab ich mir gesagt: Wieso nicht? Und sie hat ja irgendwie auch Recht, die Wand ist tatsächlich ein bisschen kahl, findest du nicht? Wenn du mir jetzt ein Bild geben würdest, würde sie wirklich dumm gucken und es sähe toll aus über dem Gelkamin, findest du nicht? Hast du nicht irgendwas in Lachs? Das würde perfekt zu den Sofakissen und zum Teppich passen!«

John blinzelte verwirrt und biss sich in der Brötchenhälfte fest, die nicht nur wie Holz schmeckte, sondern sich zwischen den Zähnen auch so anfühlte. »Äh, was?«

Nina beugte sich über das überladene kleine Tischchen und strahlte ihn an. »Na, ein Bild! Ich meine, du sagst doch immer, dass du den ganzen Tag malst, da hast du doch bestimmt was Passendes, was du mir geben kannst! Oder würdest du vielleicht extra was für mich malen? Ich stell mir so einen Sonnenuntergang total schön vor, mit so einer Palme und vielleicht so Wellen, die an den Strand schwappen, weißt du, was ich meine? So, dass das so ein bisschen Perspektive kriegt und man meint, die Wolken sind weiter hinten. Kannst du so was?«

John kaute gehetzt an seinem Brötchen und würgte ein hartes Stück herunter. Er hatte das Gefühl, dass ihm eine scharfe Kante von innen die Kehle aufschlitzte, aber wahrscheinlich würde er das hier überleben, er hatte schon ganz anderes überstanden. »Ich bin nicht Bob Ross, ich kenn mich mit solchen Motiven nicht so aus.«

Nina machte runde Augen. »Aber Schatz, ich dachte, du hättest so richtig Kunst studiert und all das, du musst doch wissen, was ich meine!«

John holte beherrscht tief Luft. Dass er ein paar mal mit ihr geschlafen hatte, gab ihr nicht das Recht, ihn »Schatz« zu nennen. Niemand hatte das Recht, ihn »Schatz« zu nennen, außer seiner Mama, und die wusste, dass er das nicht mochte. Er war schließlich keine rostige Kiste voll Plunder, die Piraten vergraben hatten! Und Frauen, die farblich zur Einrichtung passende Bilder von ihm haben wollten, traute er auch zu, dass sie sich einen afrikanischen Liebhaber angelten, weil der so gut mit dem weißen Ledersofa kontrastierte.

»Tina, ich kann nicht einfach Bilder verschenken, ich bin an Verträge gebunden!«

Nina starrte ihn an. »Wie hast du mich gerade genannt?«

John blieb reglos sitzen. Wie hatte er sie denn gerade genannt? »Äh …«

»Wer ist Tina

Johns Herz setzte für einen Schlag aus. Verdammt! Tina war die Physiotherapeutin, deren Ehemann so einen komischen Namen hatte. Bergfried? Bulgur? Burkhard! John stammelte: »Wahrscheinlich, weil ich gerade gedacht habe, dass du in dem Morgenlicht so frisch aussiehst wie ein Teenie! Und aus Teenie und Nina hat mein Gehirn dann eben Tina gemacht! Es hätte auch Ninie machen können, aber ich bin wohl noch nicht ganz wach, ich hab …«

»Wer ist Tina?«

John zerrte an seinem Hemdkragen. Dieses verdammte weiße Date-Oberhemd hatte einen viel zu engen Kragen, er wollte zurück in sein Flanellhemd! »Tina, ich, das war so nicht ge …«

Nina sprang auf und stieß gegen das wackelige Bistrotischchen. Dass diese femininen Einrichtungen auch immer so wackeln mussten! John bekam heißen Latte Pampe Karamell feincremig-süßen Glibberkaffee aufs Bein und zischte »Au!«, dann schwappte die Plörre auf den lachsfarbenen Teppichboden. Die Tasse verschwand mit einem dumpfen Ploff in der hochflorigen Auslegeware. Nina kreischte ihn an. »Jetzt sieh dir an, was du gemacht hast!«

John zupfte mit einem leisen Zischen das heiße, nasse Hosenbein von seiner verschreckten Haut. »Ich? Wieso ich? Du hast mir fast den Schinken verbrannt!«

Nina keifte: »Der Schinken ist hinten, du Idiot! Das hört man doch schon! Schinken, hinten!«

John sah sich einen Moment verwirrt um, dann griff er eine Serviette vom Tisch und rubbelte an seinem Hosenbein. »Hinten reimt sich doch nicht auf Schinken! Hinken, ja, aber hinten? Trinken, blinken, linken, stinken, winken, schminken, Finken! Es gibt tausend Wörter, die sich auf Schinken reimen, aber ganz bestimmt nicht …«

Der Tisch kippte krachend um. John zuckte zusammen. Nina schrie: »Sag mal, merkst du überhaupt, wovon ich rede? Wer ist Tina

John sah schuldbewusst zu Nina auf, dann gab er zerknirscht zu: »Nur eine Bekannte. Die ist aber verheiratet. Mit Burggraben. Also, hart. Eberburg.«

Nina fiel rückwärts wieder auf ihr Stühlchen. John wunderte sich, dass sie nicht umkippte. Sie sah ihn fassungslos an, dann schüttelte sie den Kopf. »Sag mal, John, nimmst du eigentlich Drogen?«

John sah Tina, Nina!, vollkommen irritiert an. »Drogen.«

Nina nickte. »John, wenn du ein Drogenproblem hast, dann kannst du mir das ehrlich sagen! Aber du bist manchmal so … ich trau mich gar nicht, dich mal meinen Freunden vorzustellen! Du bist ein richtiger Sonderling!«

John ließ erschrocken die nasse Serviette in das Chaos auf dem Teppich fallen. »Wieso solltest du mich deinen Freunden vorstellen?«

Nina streckte den Zeigefinger aus und zeigte aufgeregt auf ihn. »Da! Das ist ein ganz typisches Symptom für eine Suchterkrankung, wenn man keine Leute kennenlernen will!«

John fuhr sich stöhnend über die Augen. Alles, was er gewollt hatte, war eine entspannte Nummer mit einem warmen, weichen Frauenkörper, und jetzt stand das Tor zur Hölle schon wieder offen. »Oh, Scheiße! Wieso muss mir eigentlich jede Frau, mit der ich dreimal geschlafen habe, eine Diagnose stellen? Jetzt bin ich schon ein Junkie! Ich erklär dir jetzt, wie mein Krankheitsbild heißt! Das nennt man Hochbegabung und 2 % der Menschheit leiden daran! Ich geb zu, dass es mir an Sozialkompetenz mangelt. Wenn ich Informationen kriege, die für mich unterm Radar fliegen, schalte ich ab und kann nicht wechseln! Um das zu kompensieren, neige ich zu überangepasstem Verhalten und versuche krampfhaft, alles richtig zu machen, um euch bloß nicht zu verletzen, aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, was ihr mit Sätzen wie ›Wenn du mich lieben würdest, wüsstest du, was ich denke!‹ sagen wollt! Ich hab keine Ahnung, was ihr denkt! Ich hab auch keine Ahnung, wie ich mich rauswinden soll, wenn ihr mich um Bilder anschnorrt, die zur Tapete passen! Ein handsignierter original O’Molloy kostet je nach Format auf dem internationalen Kunstmarkt vierzig bis sechzig Tausend Dollar. Ich bin an Verträge gebunden, es gibt Leute, die bezahlen ihre Miete davon, dass sie mein Marketing abwickeln, ich geh maximal mit fünfzehn Bildern im Jahr an den Markt, ich kann nicht einfach hingehen und Originale verschenken, die zwei Jahre später für fünfzig Euro bei eBay auftauchen, weil ihr mal wieder umdekoriert und nicht wisst, wohin mit der sperrigen Leinwand! Ich schieße mir nämlich selber ins Knie, wenn der Markt plötzlich überschwemmt wird mit Originalen, deren Kaufpreis unter den Materialkosten liegt!«

John merkte, dass er laut geworden war und wandte verschämt den Kopf ab. Nina fragte kalt: »Bist du fertig?«

John dachte einen Augenblick nach, dann nickte er müde. »Denk schon.«

Nina verschränkte die Arme. »Dann hätte ich jetzt gerne mal die Wahrheit gehört!«

John sah sie fassungslos an, dann schaltete er um. Er wollte plötzlich nur noch weg. »Okay, das war alles gelogen. Tina ist meine Geliebte, ich hab dich mit ihr betrogen.«

Nina fragte kalt: »Wie lange geht das schon?«

John kratzte sich irritiert an der Stirn. Mit welchem Recht fragte sie das eigentlich, sie kannten sich erst ein paar Wochen. Er zuckte die Schultern. »Zwei Jahre? Nee, warte, nicht ganz. Seit Ostern vorletzten Jahres. Ungefähr. Ich hatte gerade meine Frau verloren.«

Nina bekam sofort ein mitfühlendes Gesicht. Ein junger, waidwunder Witwer, das war natürlich etwas ganz anderes! »Oh, mein Gott, du hast deine Frau verloren? Das hast du mir ja noch gar nicht erzählt! Woran ist sie denn gestorben?«

John fuhr sich nervös durch die Haare. »Naja, ich hab sie ja nicht direkt an eine Krankheit oder einen Unfall verloren, eher so, wie man den Chip für den Einkaufswagen verliert. Sie war eben einfach nicht mehr da, aber sie hatte ja die Kreditkarten und …«

»Bist du eigentlich so ein gefühlloses Arschloch oder tust du nur so? Was hab ich bloß in dir gesehen!«

John zuckte ratlos die Schultern. »Keine Ahnung, ich dachte, du hättest mich bei dieser Tangoveranstaltung aufgerissen, weil du was fürs Bett wolltest!«

Nina schnappte nach Luft. »Ich hab dich aufgerissen? Ich hab dich aus Mitleid mitgenommen, weil du ausgesehen hast wie ein einsamer kleiner Teddybär! Ich hab dir einen Gefallen getan!«

John nickte unsicher. »Ja, naja, okay, dann war es eben Mitleid. Ich hatte mich schon gewundert, dass du mich sofort wieder angerufen hast. Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass der Sex mit mir dir gefallen hatte.«

Nina zischte kalt: »Oh, entschuldige, wenn ich bei einem Typen mit Pferdeschwanz nicht gleich in Verzückung ausbreche!«

John griff sich irritiert in die Haare. »Ich hab doch keinen Pferdeschwanz! Ja, gut, der Schnitt ist ein bisschen raus gewachsen und ich müsste mal wieder zum …«

Nina höhnte giftig: »John, du hast einen Pimmel wie eine Thermoskanne! Der passt gar nicht rein!«

John zuckte zusammen. »Ti, Ni, Na! Ich hab wirklich alles gemacht, damit es für dich schön wird! Ich hab dich stundenlang gestreichelt und geleckt, aber wenn du einfach nicht feucht …«

Nina keifte plötzlich: »Aber deiner Tina gefällt der Sex wohl!«

John schluckte. »Ich glaub schon.«

Nina tat das, was alle taten. Sie sah ihn vorwurfsvoll an, dann brach sie in Tränen aus. John räusperte sich vorsichtig. »Nina, guck mal … es ist doch kein Drama, wenn wir das jetzt hier beenden. Wir haben es versucht, es hat nicht funktioniert, kein Grund zum Weinen. Aber ich komm eben nicht so gut klar, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit einer Frau im Bett keinen Konsens finde.«

Nina schniefte wütend: »Keinen was

John seufzte ergeben. »Keinen Konsens, eine gemeinsame Meinung. Ich weiß, das liegt an mir, ich bin ein unsensibler Trottel, aber ich finde einfach nicht raus, was du von mir willst! Wenn ich dich frage, was du magst, kicherst du nur wie eine verklemmte Zwölfjährige, aber ich komme auf so Lolita-Spiele nicht klar, ich hab einfach lieber Sex mit Frauen, die wissen was sie wollen und es genießen, verstehst du?«

Nina stand langsam auf, dann deutete sie mit ausgestrecktem Arm in den Flur. »Raus!«

John stand auf und nickte müde, dann holte er seinen Mantel von der Garderobe in dem winzigen Flur und verließ die Wohnung. Als er die Tür gerade zugezogen hatte, riss Nina sie wieder auf und schrie: »Und lösch meine Nummer, du Arsch!«

John fuhr sich betreten über den Mund, dann wandte er sich in Richtung Treppenhaus, um nicht auf den Fahrstuhl warten zu müssen. Er hatte Nina nicht weh tun wollen, niemals weh tun wollen, aber er wurde immer dünnhäutiger und seine Affären wurden immer kürzer, die Enden immer schmutziger. Es fiel ihm immer schwerer, den aufmerksamen, liebevollen, sympathischen John zu spielen, wenn Frauen über ihre Deko, Nagellackfarbtöne oder Grillabende redeten.

Und er hatte keine Ahnung, wie das weitergehen sollte. Er war auf dem besten Weg, ein verbitterter Frauenhasser zu werden. Jetzt war er auch noch ein Typ mit Pferdeschwanz! Er wollte nur noch in seinen Bauwagen. Auf der Treppe sitzen mit seinem koboldblauen Kaffeebecher, den über den Himmel jagenden Wolken zusehen und nie wieder eine Frau kennenlernen …

Du willst auch den Anfang, das Ende, die Mitte lesen? Cool, ich liebe dich! Rechts in der Sidebar findest du den Link zur kostenlosen Monster-XXL-Leseprobe und alle Infos über den gesamten Roman findest du HIER!

Familiendrama in Ostfriesland!

Familiendrama in Ostfriesland!

Herzlichen Glückwunsch, du bist auf einen LitBait gestoßen und hast Literatur gefunden!

Heute gibt es Kapitel 1 aus „Beziehungsstatus 1: Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“ Hol dir eine Tasse Tee und genieß die Pause!

 

Wir beginnen mit einer Beerdigung, bei der Eugen fast seine Mutter mit einer Nussecke erschießt

Obwohl Eugen lange darauf gewartet hatte, Tante Gesa zu beerben, fühlte er sich jetzt, an ihrem Grab, nicht besonders wohl.

Er hatte seinen schwarzen Anzug seit der Hochzeit seiner Cousine nicht mehr getragen, und die war inzwischen schon wieder geschieden. Irgendwie waren die Ärmel viel zu knapp und kniffen ihm unter seinem verschossenen Wintermantel ständig in die Achselhöhlen.

Eugen zupfte sich verstohlen am würgenden Kragen und versuchte, sich auf die getragenen Worte des Pastors zu konzentrieren. Aber sein Blick und seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Er würde sowieso noch einmal herkommen und sich in Ruhe von Gesa verabschieden, wenn der ganze Rummel vorbei war.

Die Gruppe der Trauernden, die sich hier auf dem penibel gepflegten Friedhof der kleinen ostfriesischen Stadt Esens versammelt hatte, war beachtlich. Für einen Moment fragte Eugen sich, wie viele Besucher zu seiner eigenen Beerdigung kommen würden, aber außer Mama fiel ihm nicht wirklich jemand ein. Vielleicht sein Meister und die niedliche kleine Aushilfe vom Kiosk – Papa hätte wahrscheinlich Rückenschmerzen oder das Wetter wäre ihm zu feucht.

Die verhärmten Gesichter von Tante Gesas Freundinnen aus dem Landfrauenverein waren hart und bitter. Man hätte unmöglich sagen können, ob sie um Tante Gesa trauerten, oder viel mehr darum, dass sie selbst noch am Leben waren.

Die dazugehörigen Gatten, allesamt in frisch aufgebügelten Schützenuniformen, schienen sich eher auf die Schnäpse nach der überstandenen Beerdigung zu freuen. Gesas Nachbarn waren auch alle da. Eugen versuchte, diffus und freundlich in die Menge zu lächeln, ohne dabei fröhlich auszusehen, aber schließlich hatte er mit Tante Gesas Anwesen große Pläne und wollte sich mit den Nachbarn gut stellen.

Als Eugens Mutter sein Lächeln bemerkte, stieß sie ihm diskret und brutal zugleich in die Rippen. So war sie immer, diskret und brutal.

Von allen Trauergästen trug Eugens Mutter den elegantesten Mantel und die höchste Nase. Sie und die Landfrauen musterten sich mit abwertenden Blicken. Aber als der junge nervöse Pastor endlich zum Ende kam, war Eugens Mutter es, die als erste an das offene Grab trat und mit einem dumpfen „Ploff“ eine Schaufel voll Erde auf den Sarg warf.
Zwanzig Jahre hatte sie nicht mit ihrer Schwester geredet. Und jetzt war sie tot.

Als alles erledigt war, wandte sich die gesamte Beerdigungsgesellschaft wie eine Schafherde in Richtung Altstadt. Mamas Großstadtschuhe machten auf dem feuchten Pflaster in den engen Gassen unangenehme Geräusche. Als sie stolperte, bot Eugen ihr unbeholfen den Arm, aber sie ignorierte ihn und zischte stattdessen: »Hier irgendwo muss dieser Immobilienmakler sitzen. Den könntest du gleich heute noch beauftragen, die Pension zu verkaufen, dann müssen wir nicht in diesem Kaff übernachten.«

Eugen blickte sich verlegen um. Hatte einer der Trauergäste die Bemerkung gehört? Doch die schwarzgraue Herde aus Trauermänteln und Schützenuniformen bewegte sich bereits zielstrebig zu der Teestube, in der Kuchen und Schnäpse bereit standen.

Eugen sog verstohlen die süße ostfriesische Luft ein. Jetzt, im November, lag Esens wie in einem tiefen Schlaf unter norddeutschem Nebel. Die kleinen Kunstateliers und Souvenirläden schienen dunkel und abweisend, nur die kleine Buchhandlung in ihrem pittoresken Altstadthaus strahlte ein warmes Licht aus. Hier hatte Eugen immer wieder einen Besuch abgestattet, wenn er die Ferien bei Tante Gesa verbrachte, und das war sein ganzes Leben lang so gewesen. Nun war Gesa nicht mehr da.

In der behaglichen Teestube mit der niedrigen Decke und den blanken Holzbalken prasselte ein Kaminfeuer. Die sicherlich extra für diesen Anlass zusammengetrommelten Aushilfen segelten bereits geschäftig mit Rumflockentortenstücken und Teekannen mit kitschigen Ostfriesenrosen von Tisch zu Tisch.

Eugens Mutter steuerte zielstrebig auf den einzigen Tisch für zwei Personen zu, während die Landfrauen schon mit der stillen Präzision von geübten Kulissenschiebern die zwei größten Tische aneinander schoben.

Eugen schüttelte Tante Gesas Nachbarn die Hände und machte artig mit bei dem höflichen Gemurmel über die schöne Grabrede und den heimtückischen Krebs.
»Sie hat ja nicht lange leiden müssen.«
»Am Ende ist es doch sehr schnell gegangen.«

Genau dasselbe hatte Tante Gesa vor zwei Jahren über ihren Cocker Spaniel gesagt.
Als Eugen das pikierte Gesicht seiner Mutter bemerkte, beeilte er sich, zu ihr an den Tisch zu kommen. Ausgerechnet heute wollte er auf jeden Fall eine Szene vermeiden. Er fuhr sich vorsichtig tastend durch das schon schütter werdende rotblonde Haar und fragte höflich: »Hast du dir schon was bestellt, Mama?«

Seine Mutter deutete nur mit verkniffenem Gesicht auf eine Kellnerin, die grade Kurs auf ihren Tisch nahm.

Eugens Mutter grunzte: »Die Nussecke ist für meinen Sohn!«

»Danke, Mama.« Eugen hasste Nussecken. Besonders die mit ganzen Nüssen und schwarzer Bitterschokolade.

»Warum isst du nicht! Du magst doch Nussecken so gern.«

Eugen sah sich betreten um. Alle aßen mit ihren billigen Blechkuchengabeln. Also nahm auch er seine Gabel und stieß sie in die Nussecke. Das Geräusch erinnerte an einen Autounfall.

Zwei für immer aneinander karamellisierte Nüsse schossen vom Teller wie ein Projektil, verfehlten seine Mutter nur um Haaresbreite und schlugen mit einem hohlen Knall gegen die stöhnende Heizung. Eugen spürte, wie sein Kopf rot anlief und nahm die Nussecke vorsichtig zwischen seine verschwitzten Finger.

Seine Mutter nippte an ihrem Kaffee, den sie ganz offensichtlich aus Opposition zur Nation der Teetrinker bestellt hatte. »Papa hat schon einen Interessenten.«

»Wieso ist er eigentlich nicht mitgekommen?«

»Du weißt doch, wie ungern er auf Beerdigungen geht.«

»Gesa war immerhin seine Schwägerin.«

Eugens Mutter lächelte süßsauer wie eine Pekingente. »Und nicht nur das!«
Immer, wenn die alte Geschichte auf den Tisch kam, und das tat sie häufig, schämte Eugen sich. Obwohl er gar nicht wusste wofür. Vielleicht einfach dafür, dass sein eigener Vater Sex gehabt hatte.

Es war schon schlimm genug, dass Papa mit seiner eigenen Frau … aber dann auch noch mit Tante Gesa?

»Äh, wofür hat Papa einen Interessenten?«

»Na, für den Gulfhof natürlich.«

»Aber …« Eugen wusste nicht genau, wie er jetzt vorgehen sollte. Eigentlich wollte er das Thema nicht gerade bei der Beerdigung anschneiden, aber dass seine Eltern schon wieder alles für ihn beschlossen hatten, machte ihn so wütend, dass er sich traute, seiner Mutter die Stirn zu bieten. »Ich werde Tante Gesas Pension nicht verkaufen.«

Die Kuchengabel seiner Mutter blieb in der Luft hängen. »Was? Wieso das denn nicht?«
»Weil ich dort einziehen werde.«

An den umliegenden Tischen wurden jetzt endlich Schnäpse gereicht. Langsam wurde die Trauergesellschaft lustiger.

»Was willst du denn allein in dem alten Kasten? Pensionsgäste findest du für das olle Ding sowieso nicht mehr. Kein Mensch fährt mehr an die Nordsee. Und eine Schwiegertochter ist ja wohl nicht in Sicht, oder? Nein, mein Junge, du bleibst schön bei uns, bei Papa und mir.«

»Mama, ich werde bald dreißig, ich bin nicht mehr dein Junge.«

»Ich weiß schon, wo der Hase lang läuft. Das hat Gesa dir eingeredet. Das ist die späte Rache meiner verstorbenen Schwester, fabelhaft! Jetzt will sie mir auch noch meinen Sohn wegnehmen!«

Eugen holte tief Luft und schloss für einen Moment die Augen. Dann blickte er seine Mutter traurig an. »Mama, Gesa hat dir Papa damals nicht weggenommen. Sie hat nur Trost bei ihm gefunden, nachdem Onkel Onno damals auf See geblieben ist und …«

»Auf See geblieben! Aus dem Staub gemacht hat der sich! Schließlich ist seine Leiche nie gefunden worden! Aber bei seiner Frau war das ja auch kein Wunder.«

Eugen spürte, dass ihm gegen seinen Willen vor Wut die Tränen kamen. »Mama, Gesa ist tot, verstehst du? Kannst du vielleicht an diesem einzigen Tag in deinem Leben mal nicht schlecht von deiner Schwester sprechen?«

Seine Mutter tupfte sich den Mund ab. »Dass du wieder auf ihrer Seite bist, ist ja klar. Du warst ja immer der Sohn, den sie nie gehabt hat! Weißt du, was du bist? Ein Erbschleicher! Jetzt hast du diesen verrottenden alten Hof, der sich Ferienpension nennt, geerbt und glaubst, du kannst mir Vorschriften machen! Aber du wirst schon sehen, was du davon hast! Spätestens, wenn du einen Winter allein in dieser Einöde hinterm Deich verbracht hast, kommst du wieder angekrochen!«

Eugen straffte die Schultern. »Ich werde nicht allein in dem großen Haus wohnen.«

»Sondern?«

Eugen holte Luft. »Ich werde eine Künstlerkolonie eröffnen.«

»Eine was?«

»Eine Künstlerkolonie. Eine Gemeinschaft von kreativen Menschen, die zusammen leben und arbeiten. Ich habe das zusammen mit Gesa genau überlegt. Ich werde die Räume gegen ein geringes Entgelt an freischaffende Künstler vermieten, als Dauergäste. Ich werde in der Hochsaison nicht viel verdienen, dafür bin ich das ganze Jahr über ausgelastet. Und ich werde so etwas wie ein Mäzen sein.«

Als Eugens Mutter laut und höhnisch lachte, blickten Tante Gesas hinterbliebene Freundinnen herüber wie ein siebenköpfiges Landfrauenmonster. Eugens Mutter duckte sich und beugte sich zu ihm über den Tisch. »Das wirst du nicht tun! Papa und ich haben dich etwas Anständiges lernen lassen, du bist Elektriker, keiner von diesen langhaarigen Schwulen, die dem Staat auf der Tasche liegen und sich Künstler nennen! Mit solchen Leuten haben wir nichts zu schaffen. Die gehen nur wild durch alle Betten und verderben mir meinen Jungen!«

Eugen legte den Rest der Nussecke zurück auf den Teller und tupfte sich mit der Papierserviette den Mund ab. Dann sagte er langsam: »Weißt du was, Mama? Ich hasse Nussecken.«

Du willst sofort weiterlesen? Ich liebe dich! Rechts in der Sidebar findest du den Weg zur kostenlosen Monster-Leseprobe. Du willst lieber gleich den ganzen Roman? Alle Infos findest du HIER!

Den ganzen Roman gibt es für wenige Tage für 99 Cent, also ran an den Speck!