Leseschnipsel: Mir fällt keine Überschrift ein!

Leseschnipsel: Mir fällt keine Überschrift ein!

Das ist mal eine extrem suchmaschinenoptimierte Headline, oder? Tja, is‘ aber so! Äh, brääääs. Meine Konzentration geht heute gegen Null, aber das hindert mich nicht daran, das Elend mit euch zu teilen! 😀 Also kommt jetzt ein Leseschnipsel aus Beziehungsstatus 4, der weder überarbeitet, noch korrigiert, noch sonst was ist, also Sookie unplugged. Je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger „wichtig“ ist der Abschnitt auch, man kann jetzt nicht behaupten, dass er die Handlung vorantreibt, aber ich mag ihn trotzdem! 😀 Na ja, mal gucken, ob er es ins Buch schafft, aber vielleicht braucht ihr gerade Unterhaltung für die Kaffeepause.

Leseschnipsel aus Beziehungsstatus 4:

Anna klemmte sich ein Haargummi zwischen die Zähne und drehte ihre Haare zu einem zweiten Dutt auf. Lothar ließ das Regalbrett sinken und legte den Kopf schief. »Jetzt erklär mir, wieso du dir zum Anstreichen nicht einfach einen Dutt machst!«

Anna nuschelte: »Was stimmt mit meiner Frisur nicht?« und steckte sich den zweiten Dutt irgendwo über dem Ohr fest.

Lothar schüttelte den Kopf. »Nichts! Nur, dass du aussiehst wie ein lernbehindertes Löwenbaby, dem die Ohren verrutscht sind!«

Anna stülpte sich den viel zu großen Hut aus gefaltetem Zeitungspapier über und erklärte geduldig: »Wenn ich mir nur einen Dutt mache, ist die Matte so schwer, dass das Ding immer raus rutscht! Außerdem hält der Hut so viel besser!«

Der Hut strafte sie lügen und rutschte ihr übers Gesicht. Lothar stöhnte resigniert, stellte das Regalbrett ab und zog Anna den Hut vom Kopf. Anna protestierte. »Was machst du?«

Lothar drückte zwei Löcher in das Zeitungspapier und setzte Anna den Hut so wieder auf, dass die Löwenohren raus guckten. »Jetzt hält er!«

Anna sah nach oben. Lothar wandte sich ab, murmelte: »Blöd wie ein Meter Feldweg!« und griff sich wieder das Regalbrett. »Das verdammte Teil verkantet sich immer!«

Anna seufzte hinter ihm übertrieben sehnsüchtig. »Ich wünschte, Ivar wäre hier!«

Lothar schnaubte. »Glaubst du, ein Schwede könnte das Ding besser zusammenschrauben als wir?«

Anna nickte eifrig. »Ivar und dieses dämliche Kellerregal haben eine wahnsinnig tiefe spirituelle Verbindung! Das Teil ist doch sogar nach ihm benannt!«

Lothar schlug auf das zickige Brett und murrte: »Und ich dachte, die Hedlunds wären nach Möbeln benannt, nicht umgekehrt!«

Anna nickte ernst. »Sven ist nach dem Esstisch benannt, auf dem er gezeugt wurde! Hat er dir das nie erzählt? Mit vollem Namen heißt er Sven Viggo Hedlund, Bucheoptik, furniert!«

Lothar trat gegen das Regal und es fiel wieder krachend auseinander. »Wenn wir das dämliche Teil nicht gerade zusammen kriegen, können wir wenigstens die Seitenteile als Leitern nehmen, wenn wir die Decke streichen!«

Anna hob das Seitenteil des Regals wieder auf und tätschelte es tröstend. »Das ist keine Leiter, wie oft muss ich das noch sagen! Da fehlt doch jede zweite Sprosse, das ist nur ein Halbleiter! Das hat irgendwas mit dem negativen Temperaturkoeffizienten des spezifischen Widerstands zu tun, fragt mich nicht, aber da kann man auf jeden Fall nicht dran hochsteigen!«

Lothar warf ihr einen bösen Blick zu. »Kannst du mal aufhören mit mir zu reden, als wäre ich hier der Lothar?«

Anna lachte hell auf. »Aber du bist der Lothar!« Sie beugte sich forschend über den Halbleiter. »Guck mal, du hast ja auch die Pömmel nicht auf derselben Höhe eingesteckt, kein Wunder, wenn das Brett da nicht gerade rein geht, das kann ja gar nicht!«

Lothar verschränkte schmollend die Arme. »Das sind keine Pömmel, das sind Stifte!«

Anna tippte sich an die Stirn. »Mit Stiften haben Menschen mit analoger Kindheit Ausmalbilder bunt gemalt! Das hier sind Pöppel!«

»Gerade hast du gesagt Pömmel!«

Anna schlug stöhnend die Hände über dem Kopf zusammen und das Regalteil fiel wieder scheppernd um. »Ja, mein Gott, dann sind es eben Stömmel, bist du jetzt zufrieden?«

Lothar bückte sich jammernd und richtete das Regalteil wieder auf. »Hast du die Zange da, damit ich die Föppel wieder rausziehen kann?«

Anna deutete anklagend auf ihren Kameramann. »Du hast die doch in der Küche liegen lassen! Geh du doch!«

Lothar zeigte auf das Regal wie eine leicht bekleidete Messehostess auf eine Waschmaschine. »Ich muss das Regal festhalten!«

Es klingelte. Anna rollte mit den Augen, dann machte sie sich auf den Weg in die Küche, drückte im Vorbeigehen den Türsummer und öffnete einen Spalt breit die Tür. »Alter, wenn morgen der erste Interviewgast kommt und wir haben die Sofa-Ecke noch nicht fertig, dann wird sich einer von uns erschießen müssen, um die Ehre des Kanals zu retten, und das werde nicht ich sein!«

Lothar rief aus dem Arbeitszimmer: »Erst erschießen wir unser bestes Pferd und die Hunde, bis dahin haben die sich wieder beruhigt!«

»Na, super, dann haben wir die Tierschützer am Hals!« Anna kramte in der Schublade, um die Zange zu finden und rief über die Schulter der Tür zu: »Milan, jetzt komm endlich rein! Ist dir schon wieder die vegane Bartcreme ausgegangen oder was?«

Lothar rief: »Vielleicht ist das Ivar! Er hat gespürt, dass sein Regal in Not ist!«

Anna packte die Zange, machte einen Satz in den Flur und riss weit die Tür auf, dann schlug sie die Hand vor den Mund und murmelte: »Oh, Scheiße!«

So, Leseschnipsel ende!

Ich hoffe, ihr habt jetzt den Kaffee auf! Also, äh, dass der Leseschnipsel lang genug war für eine kleine Pause! Und wer da vor der Tür steht … tja. 😀

Splendor: Film über Liebe zu dritt

Splendor: Film über Liebe zu dritt


Heute ist mir ein interessantes Zeitreisephänomen passiert, das ich euch nicht vorenthalten möchte! Ich bin nämlich auf YouTube auf den Film „Splendor“ gestoßen, und dass ich einer Dreiecksgeschichte nicht widerstehen kann, ist ja looogisch. Bis jetzt hab ich mich durch das erste Drittel des gesamten Films geklickt und hebe mir den Rest für morgen und übermorgen auf, weil ich jetzt erst mal Popcorn essen und verwirrt sein muss.

Eine Zeitreise in die Neunziger

Zwei Dinge musste ich unbedingt erforschen: Von wann ist der Film und woher kommt die Darstellerin mir so bekannt vor? Geht euch das auch so, wenn ihr einen Film seht und kaputt geht an der Frage, woher ihr einen Darsteller kennt? Noch schlimmer ist das mit Synchronstimmen, die man mit einem anderen Gesicht verbindet, man verbringt da mehr Zeit in der IMDb und auf Wikipedia als mit dem Gucken des Films. Also, äh, mir jedenfalls geht das so, aber ich bin auch bekennender Zwangs-Nerd und muss immer forschen. Und woher kenne ich die Darstellerin? Na?

Kathleen Robertson, das ist die, die bei „Beverly Hills, 90210“ die Quotenpsychopathin gespielt hat, die so in Brandon Dingsda, na, Walsh verknallt war! Laut Wikipedia hieß sie in der Rolle Clare Arnold, aber mein Gehirn gibt mir die ganze Zeit was mit Emily Valentine, ich werde die Forschung also weiter ausdehnen müssen. Seufz. Hoffentlich muss ich dafür nicht Beverly Hills gucken. Einerlei! Jedenfalls ist Clare, Emily, Kathleen in Splendor sehr, sehr niedlich. Ich mochte die Darstellerin immer schon, vielleicht auch, weil ihr perfekt operiertes Puppengesicht von einem drolligen Silberblick in einer Harmonie gestört wird, die sonst wohl unerträglich langweilig wäre. Aber das Schielen reißt es echt raus! 😀

Und für Splendor ist Kathleen Roberston auch wirklich toll besetzt. Von den Beverly Hills Damen würde mir jedenfalls sonst keine einfallen, die in der Rolle glaubwürdig gewesen wäre, die biedere Brenda etwa? Oder Kelly, das arme reiche Mädchen, das doch immer nur Spießer sein wollte? Nönö, immerhin geht es bei Splendor um Liebe zu dritt und da ist für das amerikansiche Publikum die mit dem Stempel „Die spielt doch immer die Irre!“ wohl am glaubwürdigsten.

Immerhin enthält Splendor gerade noch so fernsehverträgliche „explizite Szenen“, auch, wenn bei denen, die ich bis jetzt gesehen habe, wahrlich kein Gefühl aufkommt. Die wirklich gefühlige Eingangssequenz wird leider durch sportliche Rammelszenen mit absurdem Gekreische ersetzt und ich würde sie irgendwo zwischen Bundesjugendspielen und Klimbim mit Ingrid Steeger ansiedeln, angereichert durch die Fantasien eines hormonüberfluteten pubertären Gehirns, aber wer weiß, vielleicht steigern sie sich noch und es kommt doch noch Gefühl auf, ich hab ja erst ein Drittel gesehen.

Splendor muss man nicht gucken, man kann aber

Gut, es ist ein Klamaukfilm, keine Frage. Tiefe kann man da nicht erwarten. Trotzdem fällt Splendor mir gerade deshalb angenehm auf. Die Archetypen sind so archetypisch, dass auch im Thema Dreiecksbeziehung „ungeübte“ Zuschauer sie gut einordnen können. Aber sie sind nicht so archetypisch, dass sie sich verhalten wie der heute wieder so übliche Grunz-Grunz-Macho, der sein Weibchen auch mit Waffengewalt verteidigt, ohne zu fragen, was SIE überhaupt will.

Die Frauenfigur ordnet sich auch nicht brav unter, sondern regelt mit einer Mischung aus erfrischender Naivität und Kindergartentanten-Versuchen, ihre Jungs zu „fördern“, ihre Triade. Fetter Punkt dafür. Offene Männer und eine selbstbestimmte Frau. Nur die beste Freundin als Korrektiv geht mir als komplett abgegriffen auf den Knörzel, aber da kann das arme Mädchen ja auch nichts für, ist ja nur eine Rolle, höhö. Aber die lustige, ausgefliptte Lesbe mit der lockeren Moral war einfach schon zu oft der Sideshow-Bob, um nicht zu nerven.

Charmant finde ich Splendor trotzdem, weil dieser Film von 1999 defintiv ein Kind der Neunziger ist und das Thema Liebe zu dritt völlig locker und unbeschwert handhabt, ohne mit der Moralkeule zu hauen. Heute, im Zeitalter des Rollbacks, wo psychopathische Milliardäre im Body eines Unterwäschemodels wieder das Beutestück schlechthin sind und romantische Jungfrauen sich für „den Richtigen“ aufsparen, würde dieser Film wahrscheinlich einen Shitstorm auslösen, der sich gewaschen hat.

Aufbruchstimmung und Polyamorie

In den Neunzigern aber nahm die Polyamorie-Bewegung in Amerika gerade richtig Fahrt auf und entwickelte sich tatsächlich zum „Spießer-Modell“ der Freien Liebe. Transparenz, Verbindlichkeit und Liebe lösten damals wieder das Hippie-Klischee „Wer zweimal mit derselben pennt“ ab und die Auswahl an Schubladen, in die man sich selbst reinsetzen kann, wurde endlich größer. Man musste nicht mehr nur zwischen Jesuslatschen und Krawatte wählen.

Und diese Aufbruchstimmung, es mal mit völlig neuen Beziehungsmodellen zu versuchen, bringt Splendor wirklich nett rüber. Auch, wenn ein bisschen weniger Klamauk dem Film wirklich gut getan hätte. Leichtigkeit geht auch ohne Klimbim. Aber Figuren, die versuchen, ihre Beziehungen an ihre Liebe anzupassen, nicht an Konventionen, haben bei mir eh immer einen fetten Stein im Brett. Ich klicke mich also weiter durch Splendor und bin gespannt auf den Rest!

Kaffeepause im Blog bei: Vera Nentwich

Kaffeepause im Blog bei: Vera Nentwich

Ich klick mich ja furchtbar gern für eine Tasse Kaffee auf Blogs, weil – man kann ja nicht immer nur Tee trinken! Und heute hat meine Kollegin Vera Nentwich mit einem kurzweiligen Beitrag mal wieder zu meiner Unterhaltung beigetragen. Übrigens habe ich Vera Nentwich natürlich längst auf Facebook gelikt und freue mich sehr, dass Google+ mir zuverlässig ihre geteilten Inhalte anzeigt! 😀 Ja, ich hör schon auf mit den Facebookwitzen, aber Vera stellt in ihrem Autorenblog die Frage: „Wie findest du deine Marke?“ Und da fiel mir mal so auf: Über mich als Marke hab ich mir nie Gedanken gemacht! Und dann fiel mir noch was viel seltsameres auf: Ich will gar keine Marke sein. Wollte ich noch nie.

Vera Nentwich ist auf jeden Fall eine Marke!

Und zwar eine sehr sympathische, wie ich finde, weil sie so echt ist und man einfach keine Schublade findet, in die man sie reinstecken kann. Und das macht sie fast automatisch zur Marke. Aber sollte das nicht bei jedem Autoren automatisch passieren und zwar durch seine Bücher? Ja, gut, die Bücher müssen natürlich erst mal Sichtbarkeit erlangen, um überhaupt gefunden zu werden, aber ich als Markenflagschiff vorne wech? Näääää. Ich will gar nicht! Ich finde es geil, dass meine Bücher immer mehr zur Marke werden und dass Leute mich begrüßen mit: „Ah, du bist doch die Poly-Autorin!“, aber ich als Person will gar keine Marke sein. Ich wüsste auch gar nicht, mit was.

Ich bin aber jetzt persönlich auch kein Fan von diesem Konzept „Autorin zum Anfassen“. Ey, hallo? Mein Kater, mein Privatleben und mein Mittagessen gehen niemanden was an. Wer was über mich wissen will, kann meine Bücher lesen, da steht alles Wichtige drin. Trotzdem ist diese Markenfrage interessant. Diese Frau Schöneberger, die Vera Nentwich da als Beispiel nimmt, zum Beispiel. Selbst ICH kenn die! Und ich lebe ohne Fernseher, schneide mir die Haare selber (lese also nie beim Friseur die Gala) und schmöker eher so in Medien, in denen solche Leute nie vorkommen. Und trotzdem weiß ich, wenn beim Edeka das Tonband dudelt: „Homannomannomann, ist der lecker!“, ah, das ist die Frau Schöneberger.

Möchte ich für meinen Salatkonsum bekannt sein? Ich sag mal vorsichtig: Nö.

Jetzt frag ich mich ernsthaft: Woher kenne ich die „Marke“ Frau Schöneberger? Über welche Kanäle ist die in mein Gehirn gesickert? Und das Schräge daran ist: Ich hab keine Ahnung, was die Frau beruflich macht! Ist die Schauspielerin, Moderatorin oder was? Ich weiß eigentlich nur, dass die dafür bezahlt wird, dass sie gern Feinkostsalate aus Plastikverpackungen isst, anstatt sich Salat selber zu machen … aber, hm, ja. Eine Marke ist sie wohl, sonst würde ich sie ja nicht kennen. Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre so eine Marke … sagen wir mal, ich wäre bekannt als die Frau, die beim Edeka vom Band säuselt: „Drei Tassen sind Ostfriesenrecht! Hmmmm!“

Irgendwie … das würde sich schon komisch anfühlen. Nee, ich bleibe lieber markenlos. Sollen meine Bücher ihren Weg mal schön alleine gehen, die schaffen das! 😀 Aber danke, liebe Vera Nentwich, für diesen Denkanstoß, das hat Spaß gemacht, mir darüber mal Gedanken zu machen, die Kaffeepause hat sich gelohnt! Jetzt weiß ich jedenfalls, dass ich kein Marken-Korsett tragen will! 😀

 

Ambra Lo Tauro oder wieso ich gerade auf meinen Händen sitze!

Ambra Lo Tauro oder wieso ich gerade auf meinen Händen sitze!

Jetzt kommt kurz & schmerzlos direkt noch ein Post, der sonst nur auf der FB-Seite gelandet wäre! Aber kennt ihr das? Wenn ihr vor Neugier platzt und unbedingt ein Buch lesen wollt? Dieses Buch, „Zimt und Zitrone – Bergamotte“ von Ambra Lo Tauro ist so eins und ich sitze auf meinen Händen, um mir das jetzt zu verkneifen.

Ich knuspere nämlich so fokussiert an der Sache mit Sven und John rum, dass ich gezielt alles ausblende, was iiiirgendwie mit dem Thema Aufweichen der Grenzen zwischen „Meine Beziehung“ und „Deine Beziehung“ zu tun hat. Weil Sven und John das ganz alleine rausfinden müssen! 😀

Aber ich finde es einfach arschcool, dass immer mehr Bücher auftauchen, die gewohnte Genres wie „Liebesroman“, „Gay Romance“ oder meinetwegen auch Erotik verlassen und genre- und grenzübergreifend einfach von Gefühlen und Beziehungen erzählen, die nicht mononormativ oder heteronormativ sind. Normen haben wir echt schon genug!

Nennt mich naiv und euphorisch, aber ich hab das Gefühl, dass sich am Buchmarkt was tut und dass Lesen in den nächsten Jahren wieder richtig spannend werden könnte! Den Blog von Ambra Lo Tauro findet ihr übrigens hier und falls ihr noch mehr Bücher kennt, die emotionale Grenzgänger beschreiben, immer her damit! Ich les die dann, wenn Beziehungsstatus 4 fertig ist und meine Jungs wissen, was sie wollen! 😀

Sookie Hell gibt Trennung von Mark Zuckerberg bekannt

Sookie Hell gibt Trennung von Mark Zuckerberg bekannt

Hehe, geiler Titel, oder? Volle Ölle Klickbait, aber was soll ich sagen? Es stimmt! Auch, wenn Herr Zuckerzwerg, äh, Zuckerberg das gar nicht merken wird, aber mein Blog, Herr Zuckerberg und ich hatten gewisse Differenzen und … es ist kompliziert. Um es knapp zu sagen: Ich fühl mich von Facebook einfach nicht richtig verstanden! 😀

Facebook – die Marketing-Macht

Ihr wisst sowieso, was ich jetzt sagen will. Der Aufschrei geht ja regelmäßig durchs Internet. Wenn Facebook hustet, gehen die Autoren am Stock. Herr Zuckerberg schraubt an der Reichweite! Panik in der Bevölkerung! Da hat man als Autor mühsam eine Followerschaft für die Facebook-Seite der eigenen Katze aufgebaut und dann wird niemandem angezeigt, wie die süße Mieze bei Regen so deprimiert aus dem Fenster guckt. Und dann gehen unzählige dieser Posts rum: „Facebook schränkt die Reichweite weiter ein, wenn du das hier siehst, kommentiere oder like, damit Facebook dir meine Beiträge weiter anzeigt!“ Schrägerweise werden mir diese Posts immer von Leuten angezeigt, von denen ich gar nicht wusste, dass ich mit denen vernetzt bin, sonst sehe ich die NIE!

Tja, äh, ich kriege so Sachen wie „Waaah, er nimmt uns unsere Reichweite!“ immer nur mit, weil ich alle paar Tage mal auf diese Startseite klicke und mich dann frage, warum ich das mache. Ich sehe da: Reichweitepanik, in den letzten Tagen verstärkt aufgehübschte Tannenbaumleichen, die mich als Nicht-Weihnachten-Feierin immer zutiefst deprimieren, weil Bäume in den Wald gehören, und zwar lebend! Ja, und dann sind da diese Gruppenbeiträge wie aus dieser „Buchgruppe“, aus der mir neulich so viele OTs nacheinander angezeigt wurden, dass ich mich gefragt hab, ob ich noch auf meiner Startseite bin oder in der Gruppe. OT: „Mein Freund macht gerade Schluss, ich brauche euren Rat!“ Ich, als Sookie vom Dienst, würde da fragen: „Öhm, mit wem macht er denn Schluss, Hase, und hängst du sehr an ihr?“ Höhö! Äh, Schwamm drüber. Jedenfalls werden da Putzmitteltipps, wirksame Methoden zur Vergiftung der Schwiegermutter oder Einhorn-Klopapier diskutiert und ich hör dann immer: Tick, Tick, Tick …

Meine Lebenszeit verrinnt damit, mir die banale Scheiße durchzulesen, von der Herr Zuckerberg denkt, dass sie für mich relevant ist. Wie zur Hölle kommt der darauf, das Einhorn-Klopapier und die Trennungen wildfremder Leute mich interessieren könnten? Die offizielle Version ist ja, dass Facebook jederzeit bemüht ist, mir ein optimales Nutzererlebnis zu bereiten. Ja, äh, Danke, Herr Zuckerberg, das ist, äh … sagen wir mal so: Ich weiß die Mühe zu schätzen.

Aber es wäre schön, wenn mir mal die Beiträge der Seiten angezeigt würden, die ich tatsächlich aus ernsthaftem Interesse gelikt habe, und zwar in dem Dings, Widget, Gadget, Badge oder was auch immer auf ihrem Blog. Zum Beispiel die Seite von diesem kreativen, hilfreichen Menschen, der drüber bloggt, wie man Filme macht oder von der Frau, die so witzige Cartoons malt oder von der Polyamorie-Seite, die Inhalte wirklich fundiert aufbereitet. Projekte, die mich interessieren und die ich mit einem Like supporten will, bekomme ich auf Facebook nie wieder zu Gesicht.

Und das ist laaaangweilig. Als Nutzer hab ich also an Facebook das Interesse zu 98 % verloren, da mal über was zu stolpern, was ich wirklich spannend finde, ist reine Glückssache und passiert nie an den Stellen, wo Facebook mich haben will, sondern eher, weil ich mal wieder Krümel vom Touchpad wische und dabei aus Versehen was anklicke. So, und jetzt kommt mein Denkfehler als User! Ich hab tatsächlich Facebook, voll naiv, immer noch so benutzt, als wäre 2010 und mich dann gefragt, wieso ich immer so frustriiiiert bin. Einhorn-Klopapier … scroll, scroll … oh, endlich mal ein neuer Inhalt, da hat jemand Flamingo-Seife gekauft! Oh, hässlich, äh, süüüß … gähn … scroll, scroll … ah, jetzt gibt es Einhorn-Klopapier auch vierlagig … was mach ich hier eigentlich? … vielleicht kommt ja doch noch was interessanteres … OT: Mein Freund ist schon wieder eine halbe Stunde zu spät zum Essen gekommen, was würdet ihr tun? Ganz ehrlich? Das rote X klicken.

Und was ist mit Blogs?

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da herrschte in der Bloggerszene ein wildes Gewusel kreativer Köpfe und ständig besuchte man sich gegenseitig und lachte sich scheckig über die Kommentare. Wir haben schlicht und ergreifend hemmungslos rumgealbert und auf Suchmaschinenoptimierung und Marketing geschissen. Das ist auch schon gar nicht mehr wahr, das war noch, bevor die Gurus der Szene hochploppten und uns allen erklärten, wie wir die Nische eng machen, Headlines texten und Content mit Mehrwert erstellen müssen. Dann haben wir alle gelernt wie es richtigt geht und der Spaß war vorbei.

Und was haben wir jetzt? Ich finde keine Blogs mehr, die mir Spaß machen! Alles ist bis zum Anschlag „optimiert“. Meiner ja auch. Und soll ich euch was sagen? Mein Blog ist mein Stiefkind. Ich guck hier einmal die Woche rein, um die Plug-ins zu aktualisieren und oft schreibe ich Artikel gar nicht, weil ich denke, dass ich jetzt gar nicht die Zeit habe, einen „richtigen“ Artikel zu schreiben. Weil, die Zeit brauche ich ja, um die Facebook-Timeline abzurollen wie eine Rolle – ihr ahnt es.

Und wenn ich dann mal einen Artikel blogge, kommt nie ein echtes Gespräch mit euch in Gang, weil auf Facebook an verschiedenen Stellen dazu kommentiert wird, aber so richtige Kneipenatmosphäre kommt da nicht auf. Man führt dann eben „Einzelgespräche“ und der Herr Zuckerberg kriegt den Content, der für immer dahin ist, denn nichts ist so alt wie der Post von vor einer Stunde. Blogartikel und Kommentare kann man aber auch nach Jahren noch lesen.

Ich versuche, das immer wieder zu durchbrechen, indem ich in Blogs kommentiere, aber offenbar geht es meinen bloggenden KollegInnen so wie mir – man kümmert sich dann um Facebook und oft werden Kommentare gar nicht im Blog beantwortet. Und jetzt frag ich mich und euch: Wollen wir dem Herrn Zuckerberg immer mehr von unserem Content überlassen? Der braucht nämlich unsere Inhalte, um die Löcher zwischen der bezahlten Werbung zu stopfen. Und zwischen den, äh, Klorollen für die User, die sich gern mit Einhörnern den Hintern abwischen.

Parallel dazu betteln eben auf Facebook alle, die irgendwie Marketing machen, verzweifelt um Likes und Kommentare, um nicht immer mehr Reichweite zu verlieren und ich hab da einfach keine Lust zu. Ich hab auch gar keine Lust mehr, mir von Zuckerberg und Co diktieren zu lassen, welcher Content geht und welcher nicht. Textbeiträge ohne Bild gehen gar nicht, Videos von YouTube brauchst du gar nicht auf deiner Seite zu teilen, die werden maximal 0,x % Prozent deiner Fans angezeigt, blabla, ich hab auch keine Lust mehr, „So ficken Sie Facebook von hinten ins Knie, damit der Algorithmus Sie noch anzeigt!“-Ratgeber zu lesen, während mein Blog vor sich hinstaubt. Mein Blog und ich hatten nämlich ein langes Gespräch und er fühlt sich vernachlässigt. Auf Facebook hab ich ja sowieso den Ruf, dass ich immer nie da bin, aber ich werd meine „Aktivitäten“ da noch weiter einschränken.

Mark Zuckerberg und ich bleiben Freunde!

Ja, jetzt wird es haarig. Ich werde nämlich eine Bitch sein und den Herrn Zuckerzwerg und sein blaues Portal weiter nutzen. Nämlich, um den berühmten „warmen Traffic“ abzuholen. Das heißt, ich werde natürlich weiter durchs Dorf rennen, um Blogartikel und Neuerscheinungen zu promoten und auch, um Beiträge meiner Kolleginnen zu teilen, sofern Facebook sie mir überhaupt anzeigt. Ich werde also meine Seite da noch nutzen, um die Fans darüber zu informieren, was hier im Blog passiert. Aber ich werde nicht mehr meinen Content trennen in „Bücher“. „Blog“ und „Facebook“. Mir ist da nämlich was voll krasses aufgefallen: Herr Zuckerberg ist besitzergreifend, und das mag ich nicht.

Ich hatte nämlich neulich eine Frage an meine Leser, also, an die meiner Bücher, und bin dann extrem dämlich komplett unbewusst in die Facebook-Falle getappt. „Leseschnipsel“ gehören auf die Facebookseite, so gehört sich das. Und die Leute, die das gesehen haben, waren auch extrem hilfreich und das war eine für mich komplett interessante Diskussion. Nur: Die Leser meines Blogs haben da nichts von mitgekriegt! Und da dieser Blog die Heimseite meiner Bücher ist, wäre das ja für euch vielleicht auch interessant gewesen, nä? Aber ich bin – ohne Witz! – überhaupt nicht auf die Idee gekommen, den Inhalt in den Blog zu stellen, weil – wegen Facebook-Marketing und weil man das so macht. Bescheuert, oder? Und das, nee, also, das will ich nicht mehr.

Back to the roots: Mein Blog, meine Burg!

In Zukunft wird alles, was mir vor die Flinte kommt, wieder in den Blog geworfen. Wenn ich gerne ein cooles Musikvideo teilen will, mach ich das eben hier, ohne mich zu fragen, ob ich damit „Reichweite“ erziele, mir doch egal! Wenn ich einen interessanten Link aus der Polyszene aufschnappe, kommt der eben hier rein, mir doch egal, wenn ich da aus Zeitmangel keinen „richtigen“ Artikel zu schreiben kann, sondern nur einen kurzen Kommentar. Mein Blog ist mein Blog und kriegt in Zukunft auch meinen Content.

Ich will einfach wieder unabhängig sein und mir um Facebook keinen Kopf mehr machen. Weil ich merke, dass dieses ganze „Facebook-Marketing“ schleichend meine Herangehensweise verändert und das will ich gar nicht. Wenn ihr mit mir quatschen wollt, freue ich mich, wenn wir das hier tun, dann sehe ich nämlich auch, wo eure Blogs stecken und kann euch besuchen und finde dann vielleicht mal wieder spannende Inhalte ohne Einhörner und Flamingos. Und alles ganz ohne einen Algorithmus, der darüber bestimmt, was für mich „relevant“ ist.

Ich kehre auch wieder dahin zurück, mehr Blogs zu abonnieren, anstatt sie nur zu liken und zu hoffen, dass Herr Zuckerberg mir die neuen Beiträge anzeigt. Das macht der ja sowieso nicht, der steckt doch mit der Klopapier-Mafia unter einer Decke! Ich mach lieber Facebook-Detoxing und nutze die Zeit, um wieder mehr Blogs zu lesen, die ich selber für relevant halte. Und wer von euch keine Lust hat, in Zukunft von mir öfter mal Kraut&Rüben-Artikel per Mail zu kriegen, die bis jetzt eben auf der Facebookseite gelandet sind, der muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn er sich aus dem Abo austrägt, ich nehm so was nicht persönlich.

Facebook nimmt das ja bestimmt auch nicht persönlich, wenn ich das „Nutzererlebnis“ da so doof finde, dass ich lieber andere Sachen mache. Zum Beispiel Bücher schreiben, was ich jetzt auch sofort wieder tun gehe. Aber die Leseschnipsel landen dann in Zukunft hier und werden über Facebbok nur geteilt und das ist gut so! 😀

Dreiecksgeschichten: Alternative Leseliste!

Dreiecksgeschichten: Alternative Leseliste!

Ihr Lieben, heute muss ich mal spontan aus einer Zwickmühle hüpfen! Ich sitz nämlich in einer drin und wollte diesen Artikel eigentlich gar nicht schreiben. Weil: Eigenlob stinkt. Weiß ja jeder. Eigenwerbung ist noch stinkiger, Autorenmarketing mit »Social Selling«, »Content Marketing« und »Empfehlungsmarketing« dagegen ist nicht von hinten durch die Brust ins Auge, sondern professionell. Aber heute – ungelogen – muss ich meine Angst, als marketinggeile, verzweifelte Reichweitensau dazustehen, mal »der Sache« opfern. Da ich heute noch nicht gekämmt bin und sowieso aussehe wie Che Guevara ohne Bart, passt das auch ganz gut. Also. Es geht um Dreiecksgeschichten in Büchern!

Kaffeepause bei Facebook und ich stolpere über die ewige Diskussion in Buchgruppen. Dreiecksgeschichten sind doch scheiße. Oder geil. Weil die Heldin sich traut, alles zu vögeln, was mit nichts anderem bewaffnet ist als mit einer strammen Latte. Und wir reden hier nicht von Latte macchiato. Heldinnen, die in Fantasywelten gesteckt werden, weil es Lesern des gepflegten Mainstreams total unlogisch vorkommen würde, dass eine Frau in einem realen Setting mehr als einen Mann lieben könnte, werden da heiß diskutiert. Die werden geliebt und/oder gehasst, nur realistisch sind sie nicht. Aber fasziniert sind irgendwie alle davon, weil das Thema ja auch, äh, spannend ist.

Und es gibt da im Mainstream nur zwei Möglichkeiten, zwei Heldinnen, mit denen Leserinnen sich identifizieren können. Die Schlampe und die Bitch. Die Schlampe ist einfach nur blöd, da sind sich alle einig. Wertlos, rücksichtslos, lässt sich einfach benutzen und checkt das gar nicht. Zu doof, sich zu entscheiden, total egoistisch und unreif. Mit sooo einer will sich natürlich keine Leserin identifizieren. Ich übrigens auch nicht. Die Bitch ist „cooler“, die setzt Sex zum eigenen Vorteil ein. Harrrr, die traut sich wenigstens was! Ballert da mit ihrer Superdingsda-Laserkanone alles nieder und wenn ein Sixpack sie als Beutetier ausmacht, kriegt sie weiche Knie und ein feuchtes Höschen. Tja. Wenn ich da die Wahl hätte, Schlampe oder Bitch, ich würde ins Kloster gehen. Und ich bin Atheistin.

Wieso müssen Dreiecksgeschichten eigentlich immer so scheiße sein?

Ich sag es mal so: Solche Bücher nerven mich gleich dreifach. Als Leserin, als Autorin und vor allem als Frau. Und in Diskussionen in Buchgruppen sehe ich immer wieder, dass es ganz vielen anderen Frauen auch so geht. Sie würden so gern mal was anderes lesen als diesen ausgenudelten Mainstream, weil diese platten Bücher – um mal den Paten zu zitieren – ihre Intelligenz beleidigen. Weil logisch denkende, kluge und selbstständige Frauen nämlich wissen, dass es mehr geben muss als Bücher, die von Schlampen/Bitches handeln, die gegen einen Lattenzaun rennen. Oder – das Alternativprogramm dazu: Die romantische Jungfrau, die den Arsch hinhält, weil sie den psychopathischen Milliardär mit ihrer selbstlosen Liebe heilen will. Da träumen wir doch alle von. Und er hat ja auch einen Hubschrauber, ein Loft und ein Sixpack. Wundert es da, dass frau als eindimensionales wandelndes Helfersyndrom schwach wird? Rrrrrrrrraaaa! So SIND wir echten Frauen nicht!

Solange die »klassische« Dreiecksgeschichte also davon handelt, dass »Bitchy« egoistisch und rücksichtslos ist und immer nur ihre Jungs gegeneinander ausspielt, kann ich gut verstehen, dass viele Leserinnen sagen: »Oh, nee, geh mir bloß wech mit Dreiecksgeschichten!« Und solange Bücher dieses Frauenbild auf eine seltsame Art als »cool, die traut sich was« glorifizieren, werden die Leserinnen solcher Bücher auch immer einen fiesen Konflikt mit sich selbst haben, wenn es ihnen mal passiert, dass ihre eigenen Gefühle vielleicht auch nicht immer ganz eindeutig sind. Das Image von Frauen, die nicht immer ganz monogam leben, ist eben grottig. Und gleichzeitig werden sie heimlich glühend beneidet. Schräge Sache das.

Und jetzt die Zwickmühle!

So. Jetzt sehe ich aber immer wieder diese Leserinnen, die fragen: Kennt jemand vielleicht auch mal andere Bücher? Bücher ohne Bella, Miss Steel oder Fantasy-Ficknudeln im Nahkampfkostüm? Mit Figuren, die vielschichtiger sind und mit denen man sich als ganz normale Frau auch mal identifizieren kann, ohne sich gleich für ein Stereotyp entscheiden zu müssen? Und ich sitz dann immer da und blinzel meinen Monitor an und denke: Ja, kenn ich. Darf ich aber jetzt nicht sagen. Weil ich die selber schreibe. Eigenwerbung. Und es gibt Bücher von Kolleginnen, die auch querdenken, weiterdenken, alternative Geschichten erzählen, aber wenn ich die empfehle, ist das Vetternwirtschaft. Ein Syndikat. Weiß doch jeder, dass Autorinnen „Eine Hand wäscht die andere“ betreiben.

Eigenwerbung weist nicht automatisch auf ein schlechtes Buch hin! 😀

So. Dass man als Autorin nicht offen sagen darf: „Du suchst ein Buch mit einer anderen Heldin, die mal eine andere Geschichte erlebt? Cool, ich hab eins geschrieben!“, find ich doof. Dem Herrn Zuckerzwerg das Geld für Werbung in den Rachen zu werfen oder die eigene Katze für Marketing zur Prostitution zu zwingen, ist in Ordnung. In eine Diskussion reinzugrätschen und zu sagen: „Hier, guckst du kostenlose Leseprobe, kein Risiko!“, ist unmoralisch.

Als Leserin will ich aber auch, dass die Leute zur Sache kommen. Wenn ich eine Frage stelle, will ich auch eine passende Antwort, die mir weiterhilft, ob das jetzt »Eigenwerbung« oder »Vetternwirtschaft« ist, ist mir egal, weil ich clever genug bin, dann selbst zu entscheiden, ob der Tipp mir gefällt oder eben nicht. Basta. Und weil ich euch, den Lesern, auch zutraue, dass ihr selbst entscheiden könnt, was euch gefällt, kommt jetzt hier eine Alternativ-Leseliste, die sich mit Dreiecksgeschichten befasst, mit Büchern, die nach neuen Wegen suchen, bei denen lesende Frauen sich nicht zwischen Miss Steel und Miss Rumpypumpy entscheiden müssen. Und ja, ich liste auch Bücher auf von Kolleginnen, die mich entdeckt, mir Freundschaftsanfragen geschickt und mich auch schon empfohlen haben. Ich bin sogar so kackendreist, meine eigenen Bücher aufzulisten. Weil ich finde, dass alternative Liebesromane für alternative Leserinnen gar nicht oft genug in die Kamera gehalten werden können.

Trotzdem stellt diese kleine Buchliste kein »Werturteil« dar, ich hatte selber noch gar nicht die Zeit, alle zu lesen. Ich bin ja froh, wenn ich die Zeit habe, Bücher zu schreiben! Aber manche dieser Bücher sind schwer zu finden, weil sie eben nicht Mainstream sind. Denn im Mainstream ist das Happy End da, wenn die Heldin sich für »den Richtigen« entschieden hat. Bücher, in denen die Figuren sich für das Richtige entscheiden, muss man dagegen lange suchen.

Ich hab selbst lange vergeblich »alternative Liebesromane« gesucht und diese Bücher dann oft nur entdeckt, weil sie unter meinen Büchern bei »Kunden kauften auch« aufgetaucht sind. Also ein fettes Dankeschön an die Leser, die selbst lange suchen, um Dreiecksgeschichten zu finden. Wenn ihr dem Algorithmus nicht gesagt hättet, was es sonst noch gibt, hätte Amazon mir das nie angezeigt! Und deswegen jetzt die Liste. Für alle, die auch mal die Nase über den Tellerrand stecken wollen und vergeblich nach Dreiecksgeschichtne suchen, die näher an der Realität sind.

Liste der alternativen Liebesgeschichten mit mehr als einem Partner – dafür (hoffentlich) ohne Moralkeule

»Auf die andere Art« von Phoebe Ann Miller

»Ich liebe dich und dich« von Luisa Valentin

»Dreiklang« von Holly Katz

Die »Schneemänner-Reihe« von Nora Amelie

»Zimt und Zitrone« von Ambra lo Tauro

Tja, und natürlich meine »Beziehungsstatus-Romane« und die »Polyamorie-Lesehappen«, it’s me, Sookie Hell.

Mehr über meine Bücher findet ihr auf der Startseite, meine Kolleginnen betreiben auch oft Blogs, einfach mal googeln, da sind echt tolle Autorinnen dabei, die zu entdecken sich lohnt!

So, wer also mal was anderes lesen will als »Entweder Oder«, der findet jetzt vielleicht was in der Liste. Wenn ihr selbst noch alternative Dreiecksgeschichten kennt, setzt bitte einen Link in die Kommentare, damit wir alle sie finden können und die Liste möglichst lang wird!

Und, äh, aus Erfahrung: Autorinnen, die 50 Shades kopieren, aber ihren Roman für innovativ halten, sollen bitte nicht beleidigt sein, wenn ihr Kommentar mit Link zum Buch gelöscht wird, ich kontrollier das! 😀

Monogamie: Trennungsgrund Nr. 1

Monogamie: Trennungsgrund Nr. 1

MonogamieImmer nur Monogamie wäre doch langweilig, oder? Diese drei Herren sind bereit, sich dem Problem zu stellen!

Jahaha, klar, Klickbait! Wer ist denn so blöd und trennt sich, weil der Partner treu ist? Aber da sind wir schon mitten drin in dem Denkfehler, den ich heute mal zerpflücken muss und wer möchte, ist herzlich eingeladen, mir dabei zuzuhören. Ich überlege nämlich schon ewig, wie ich dieses Thema mal für den Blog anfassen kann, ohne mich anzuhören wie ein dröges Fachbuch, und jetzt hab ich gerade einen Anlass, das Problem (mal wieder) in Worte zu fassen. Wieso macht Monogamie Beziehungen kaputt?

Wenn Liebe zerbricht, tut das allen weh. Allen.

In meinem engsten Freundeskreis passiert gerade mal wieder eine ganz klassische Trennung. Eine gute Freundin von mir kam vor ein paar Monaten an und war völlig verstört und verletzt. Ihr Partner war bei ihr gewesen und hatte ihr gesagt, dass er sich von ihr trennen muss, weil er irgendwie das Gefühl für sie verloren hat. Von einem Tag auf den anderen. Nach ein paar Jahren Beziehung hatte er das Gefühl verloren wie einen Hausschlüssel und wusste nicht, wo es ist.

Der ganze Freundeskreis fing an zu rätseln. Was hat er denn? Wieso tut er das? Die waren doch so glücklich! Die passten doch so gut zusammen! Sogar er rätselte fleißig mit. Sein neuer Job würde ihn so fordern, er wäre irgendwie ausgebrannt. Er hätte keine Gefühle mehr. Alle machten sich Sorgen. Hat er Depressionen? Burn-out? Kann man ihm helfen? Er verstrickte sich in Widersprüche, die meine Freundin komplett unter Strom setzten. Er würde sie immer lieben, er würde immer ihr bester Freund bleiben und für sie da sein, er könnte ihr nur nicht die Gefühle geben, die er ihr geben müsste, und deswegen fühlte er sich ihr gegenüber schrecklich.

Sie sagte nur immer wieder: »Ich verstehe es nicht! Wenn ich es bloß verstehen könnte!« Sie konnte weder aufhören zu grübeln, noch mit der Sache abschließen. Und die Sache entwickelte die Dynamik, die sie immer entwickelt. Dieser fürchterlich schmerzhafte, fiese Ablöseprozess, den wir bestimmt alle kennen, begann. Sie fing an, aus Angst und Verletztheit wütend zu werden und ihm Vorwürfe zu machen. Er zog sich immer mehr zurück und ließ sie am ausgestreckten Arm verhungern. Je ratloser sie wurde, umso mehr bohrte sie und forderte Erklärungen. Abwärtsspirale. Mit Lippenbekenntnissen blieb er dabei, dass er immer für sie da wäre. Mit Taten reagierte er tagelang nicht auf Nachrichten und vertröstete sie nur immer wieder damit, dass sein Gefühl ja vielleicht irgendwann wiederkommt. Wie eine streunende Katze. Mit paradoxer Kommunikation drängte er sie in eine dieser Double-bind-Geschichten. »Ich tu das Gegenteil von dem, was ich sage, jetzt find raus, was davon stimmt!«

Damit machte er es ihr unmöglich, sich einfach umzudrehen und zu gehen. Weil wir Menschen nun mal so ticken, dass wir auf solche Manipulationen anspringen, ob wir wollen oder nicht. Es könnte ja schließlich sein, dass sein Gefühl doch wiederkommt und sie wollte die gemeinsamen Jahre mit ihm nicht einfach wegwerfen, nur, weil es ihm vielleicht gerade nicht gut geht. Denn dass es einem Menschen, der behauptet, keine Gefühle mehr wahrnehmen zu können, nicht gutgeht, ist ja klar. Es war auch offensichtlich, dass er sich total beschissen fühlte, er wurde immer gereizter und aggressiver und hatte überhaupt keinen Vertrag damit, die Versprechen zu halten, die er gegeben hatte. Beste Freunde für immer, egal, was kommt, wenigstens das. Und dann kam endlich raus, was immer raus kommt.

»Es gibt da eine andere Frau.«

Ja, nein, also, er hatte seine Partnerin ja nicht betrogen. Mit der anderen war auch nichts gelaufen, bevor er gesagt hatte, dass er irgendwie keine Gefühle mehr hat. »Richtig« trifft er sich mit der anderen erst, seit er seine vorherige Beziehung zur »Freundschaft« erklärt hat. Und aus der Tasche kam er dann erst, weil er die »Freundschaft« auch noch kündigen musste, also Kontaktabbruch. Weil es ja anderen Frauen gegenüber nicht fair wäre, so rein theoretisch, wenn er mit seiner Ex-Freundin befreundet bleibt. Das würde die ja verletzen. So rein hypothetisch. Speziell dann eben, äh, seine neue Freundin. Weil – die wurde immer von seinen Vorgängern verlassen, weil die zurück zu ihren Ex-Freundinnen gegangen waren. Und er hatte seiner neuen Freundin gesagt, dass er mit seiner »Ex«, die ja gar nicht wusste, dass sie offiziell schon die Ex ist und unter Schmerzen noch monatelang für die Beziehung gekämpft hat, keinen Kontakt mehr hat. Er wollte ja nicht, dass die Neue sich aus Angst, betrogen zu werden, gar nicht auf ihn einlässt und hat sie darum mehr oder weniger betrogen.

Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Eben eine dieser klassischen Trennungsgeschichten in der Welt der Monogamie. Allen geht es dreckig, jeder ist verletzt, alle machen Fehler aus Angst und verletzten Gefühlen heraus und können sich die selbst nicht verzeihen und dann kommt noch eine Schüppe Selbsthass oben drauf, weil man genau weiß, dass das eigene Verhalten nicht in Ordnung ist. Ich denke, jeder, der schon ein bisschen Lebenserfahrung hat, hat diese Geschichte selbst oder im Freundeskreis schon so oder ähnlich erlebt. Als der Betrogene oder als der Teil der Beziehung, der »gehen muss«, weil er sich neu verliebt hat und sich einfach nicht traut, es offen zu sagen.

Und versteht mich jetzt nicht falsch, ich verurteile hier wirklich niemanden! Selbst nicht den Mann, der meiner Freundin so weh getan hat. Das glauben mir jetzt nicht alle, aber ich hab tiefes Mitgefühl mit dem armen Kerl. Weil er nämlich ein Opfer romantischer Mythen geworden ist. Mir ist das selber auch passiert, als ich noch jung und verwirrt war und das Bild von mir und dem, wovon ich dachte, wie ich sein muss, einfach nicht synchronisieren konnte. Und dieses Bild haben wir ja alle. Der Mythos der Monogamie ist einfach überall.

  • Liebe ist exklusiv.
  • Man kann immer nur einen Menschen lieben.
  • Wenn man sich trotz bestehender Partnerschaft verliebt, ist man ein emotionaler Vollversager.
  • Wenn man »anständig« sein will, muss man Gefühle erst niederkämpfen, wenn das nicht mehr geht, muss man lügen und betrügen, wenn das nicht mehr geht, muss man eben die Trennung aussprechen.

Und diese Glaubenssätze sind in uns allen so festzementiert, dass wir oft gar nichts anderes denken können. Und deswegen brechen wir Beziehungen ab, obwohl wir ganz tief in uns drin den vertrauten Partner noch lieben und es »eigentlich« gar keinen Grund gibt, diesen wundervollen Menschen zu verlassen. Außer der Tatsache, dass wir uns neu verliebt haben. Oder eine Affäre hatten. Oder einen One-Night-Stand, von dem nie jemand was erfahren darf, aber in den Spiegel gucken können wir eben trotzdem nicht mehr, geschweige denn in die Augen des Partners. Und dann fangen wir an, den Partner zu hassen, weil er uns vorkommt wie ein wandelndes Schuldgefühl. Wie eine Plakatwand, auf der steht: »Du Schwein!«

Und dann müssen wir diesen Partner loswerden, weil wir die Schuldgefühle nicht ertragen. Weil er das lebende Mahnmal ist, ohne das wir uns viel besser fühlen würden. Weil er uns allein durch seine Anwesenheit jeden Tag daran erinnert, was für emotionale Vollversager wir sind. Wir haben es nicht geschafft, unsere Gefühle zu kontrollieren. Und dann kippt das Schuldgefühl irgendwann um in Wut.

Wenn Denken und Fühlen nicht zusammenpassen

Unser Kopf weiß genau, wann wir gute Menschen sind. Klar. Wir kriegen die Botschaften an jeder Ecke serviert, von klein auf. Wir denken, dass es nur ein Ideal gibt: die immerwährende, treue Liebe. Hach. Jeder Liebesroman (außer meinen, höhö), handelt von der Suche nach Mister Right, jeder Film erzählt davon und Singleportale leben davon, dass ihre Mitglieder bei jedem Klick hoffen, jemanden zu finden, der noch besser zu ihnen passt. Weil – wenn man sich lebenslang zur Treue verpflichtet, sind die Ansprüche natürlich hoch. Wer will schon für den Rest seiner Lebens mit jemandem zusammen sein, der »irgendwie na ja« ist, »ganz okay«. Dass da über kurz oder lang Bedürfnisse auf der Strecke bleiben, ist auch den verbohrtesten Romantikern klar, ganz tief unten drin irgendwo, im Verdrängungskeller ihrer Seele.

Trotzdem halten viele von uns immer noch an der Programmierung fest. Liebe und Treue sind eins. Das eine ist ohne das andere nicht existent. Ich mein jetzt auch gar nicht, dass wir alle Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Langfristigkeit in die Tonne kloppen sollen und jeder macht, was er will, absolut nicht, das wäre grauenhaft. Ich meine nur: Es liegt – wirklich für jeden von uns – im Bereich des Möglichen, dass wir oder unser Partner mal Gefühle außerhalb der Beziehung entwickeln, irgendwo auf der riesigen Palette von Lust bis Liebe. Aber dadurch, dass wir diese Möglichkeit immer noch extrem tabuisieren, kommen wir ja nicht weiter. Denn in der Realität passieren diese Geschichten nun mal.

Und wenn diese Geschichten passieren, dann rutschen wir in einen ganz bösen Spagat aus Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, weil wir »schlechte« Menschen sind. Wir sind darauf programmiert, Gefühle in gut und schlecht zu unterteilen. Gefühle für den »offiziellen« Partner sind gut, gesellschaftlich anerkannt. Gefühle für einen »inoffiziellen« Partner (selbst, wenn wir uns zusammenreißen und die Affäre nur im Kopf stattfindet) sind schlecht, böse, schmutzig. Sie zwingen uns dazu, Masken zu tragen, nach innen zu emigrieren, Menschen, die wir lieben, anzulügen und zu hintergehen. Und da liegt ein riesiger Denkfehler.

Für unser Verhalten sind wir verantwortlich. Und bei dem, was wir in der Realität tun, ist es ja auch extrem wichtig, dass wir zwischen gut und schlecht unterscheiden, ich denk mal, da sind wir uns alle einig. Aber Gefühle passieren einfach. Bei Gefühlen gibt es kein gut oder schlecht, die sind wie das Wetter – einfach da. Und uns mit dem Kopf dafür zu verurteilen, dass wir Gefühle haben, ist ein Weg, der nur zu noch mehr negativen Gefühlen führen kann. Irgendwann steht der Kessel dann so unter Druck, dass manche Menschen platzen.

Wo kommt Monogamie überhaupt her?

Die Frage mag jetzt für manchen paradox klingen. Wie, wo Monogamie herkommt? Der Mensch ist eben monogam. Aber wenn er das wäre, gäbe es keine Trennungen wegen Untreue, so einfach ist das.

Monogamie hat Gründe und da streiten sich die Geister, welcher Grund jetzt »der« Grund ist, aber das finde ich gar nicht zielführend. Natürlich ist das theoretisch ganz interessant, wo Monogamie herkommt. Ich persönlich finde immer religiöse Gründe extrem absurd. Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Kapier ich nicht. Bei einer Trauungszeremonie ist Gott dann anwesend, bei einem Scheidungsverfahren aber nicht oder was? Ich dachte, Gott ist überall und sieht alles. Und wieso sollte Gott Ehen schließen? Weil er patriarchale Interessen hat und keine Kuckuckskinder als Erben einsetzen will? Weil Kapital immer Kapital heiratet? Egal.

Schlüssiger finde ich da schon den Ansatz, dass die Sache mit der Monogamie eher so aus medizinischen Gründen losging, als der Mensch anfing, Siedlungen zu gründen. Wenn jeder weiß, in welches Bett er gehört, gibt es weniger Stress im Dorf und Geschlechtskrankheiten breiten sich nicht so schnell aus. Das klingt für mich sehr einleuchtend. Dass an jeder Supermarktkasse Kondome liegen, ist ja jetzt rein evolutionsgeschichtlich auch recht neu, die letzten zwanzigtausend Jahre lassen sich nicht so schnell wegwischen. Obwohl es ja immer noch Stimmen gibt, die behaupten, dass Kondome zum Sex führen, nicht Sex zum Gebrauch von Kondomen. Also, ich persönlich kann mich jetzt nicht erinnern, dass ich jemals gedacht hätte: »Ach, guck mal, da ist einer und ich hab ein Gummi in der Tasche, dann vögel ich den doch mal eben, das Kondom muss ja langsam mal wech!« Also, äh … nee. Die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln war für mich noch nie ein Argument für Sex! 😀

Ich persönlich glaube, dass die Entstehung der Monogamie als Mythos vom ganz großen Gefühl für die Ewigkeit sich aus dem undifferenzierten Denken entwickelt hat, das wir nun mal haben, wenn die Hormone das Ruder an sich reißen. Frisch verliebt zu sein ist so ein übermächtiges Gefühl, das ist so, wie wenn wir tierischen Hunger haben. Dann können wir auch an nichts anderes mehr denken als an Essen und haben das Gefühl, dass wir jetzt sofort ALLES verputzen könnten. Pommes, Torte, Obstsalat, Chips, Ommas Hühnersuppe, sieben Käsebrote und, au ja, ein Schnitzel, oh jaaaa, ein Schnitzel mit richtig fett Soße und Gulasch und Knödeln! Dann essen wir ein Zehntel davon, sind satt und stellen fest, dass es doch noch andere Bedürfnisse gibt im Leben, nur waren die eben total überlagert, weil alle Hormone gesagt haben: »Ey, hallo? Unterzucker, Nährstoffmangel, Kooohldampf, jetzt füll doch endlich mal einer den Tank auf!«

Frisch verliebt zu sein, ist wie mit Hunger einkaufen zu gehen, nur tausendmal schlimmer. Man will alles, für immer, und noch mehr davon, wir glauben, dass wir sterben müssen, wenn wir nicht sofort diese Liebe ausleben können und können uns in dem Moment nicht vorstellen, dass wir jemals wieder etwas anderes fühlen werden. Und dann machen wir Versprechen, weil das für uns in dem Moment wirklich so ist. Nur befindet sich in unserem Programm keine Garantie dafür, dass es immer so bleiben wird. Das hat sogar einen ganz einfachen, praktischen Grund, dass Liebe nicht bleibt »wie am ersten Tag«. Den Stress würde nämlich kein Körper ewig durchhalten. Also wird aus Verliebtheit irgendwann ruhige, schöne, warme Liebe. So »langweilige« Sachen wie Geborgenheit und Vertrautheit. Diese langweiligen Sachen sind total schön, ich liebe sie. Aber Liebe und Verliebtheit sind wie eine gemütliche Wattwanderung an einem lauen Sommertag und ein Tsunami. Und wenn man eine Entweder-Oder-Entscheidung treffen muss, gewinnt meist der Tsunami.

Ist ja auch egal. Jedenfalls ist die Monogamie da und wir müssen jetzt gucken, was wir damit machen. Ich bin wie gesagt auch kein Gegner der Monogamie, ich kann die Sehnsucht danach sehr gut nachfühlen und hab sie auch selbst schon gehabt. Nur eben nie für immer, weil immer so lange ist!

Was der Zwang zur Monogamie mit manchen Menschen macht

Neulich hatte ich auf meiner Facebookseite gepostet, dass eine große deutsche Frauenzeitschrift einen Bericht über Polyamorie gebracht hatte. Das an sich ist ja begrüßenswert. Aufklärung, was das überhaupt ist, tut Not. Erschreckend waren die Kommentare darunter auf der FB-Seite der Zeitschrift. Da rottete sich ein wütender Mob zusammen und die Emotionen kochten hoch. Da kamen Kommentare wie »Ekelhaft, die bearbeitet ihren Lover mit dem Mund und steckt ihrem Mann zuhause die Zunge in den Hals. Ich könnte kotzen lieber jeden Tag alleine sein als mich so demütigen zu lassen.«

Ja. Nur dieser eine Satz ist völlig exemplarisch. Man muss kein Psychoanalytiker sein, um aus so einer Äußerung zwei Dinge zu lesen: Angst und Hass. Nicht irgendeinen Hass, sondern sexualisierten Frauenhass. Der arme Mensch, der solche Kommentare abgibt, schleudert einem doch lebenslang unterdrückte und zu Hass kanalisierte Triebe ins Gesicht wie ein Feuerwehrmann, der dir das B-Rohr direkt in die Fresse hält, einen Wasserstrahl. Das Weib ist schlecht, das wissen wir alle, dafür haben wir die christlich-abendländische Moral, die ur-westlichen Werte, blablabla. Die Hexenverbrennung hatte Gründe, meine Damen und Herren, ja? Das haben die nicht zum Heizen gemacht! Das hat der Stand gemacht, der aus religiösen Gründen nicht durfte! Das kommt dabei raus, wenn man natürliche Triebe unterdrückt, tabuisiert und verteufelt, anstatt einfach zu akzeptieren, dass sie da sind und dann zu gucken, was man jetzt damit machen kann.

Jeder, der nicht monogam ist, stellt also die ur-westlichen Werte infrage und ist schlimmer als Schwule, die die Ehe ins Lächerliche ziehen, weil sie ja gar keine Kinder zeugen wollen. Und diese Prägung tragen wir alle mehr oder weniger in uns. Das Fiese an Gehirnwäsche ist ja, dass man sie nicht greifen und benennen kann, man fühlt sie nur ganz unterschwellig. Deswegen nehmen wir Monogamie als gegeben hin, weil wir uns auf den gesellschaftlich anerkannten Konsens geeinigt haben, dass gute Menschen monogam sind.

Und dann passiert das Gegenteil

Statistik ist laaaangweilig, aber es gibt sie ja trotzdem. Hier zum Beispiel sind ein paar Zahlen, die kein monogamer Mensch gern liest. Das beunruhigt und macht richtig Angst. Man guckt zu seinem Schatz rüber und fragt sich: »Gibt es was, was ich wissen sollte? Hat er auch so ein geheimes Doppelleben?«

Denn nicht alle Menschen sind ihr Leben lang treu. Isso. Aber obwohl wir in einer Welt der seriellen Monogamisten leben und Außenbeziehungen wahrscheinlich der Trennungsgrund Nummer eins sind, halten wir immer noch an dem Mythos fest, dass wir mit dem richtigen Partner zu Pinguinen werden. Ein Leben lang treu. Das setzt unsere Partner unter einen tierisch hohen Leistungsdruck, aber das ist ein anderes Thema. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Seitensprünge passieren können. Nur, jetzt mal ganz doof gefragt: Warum muss das immer noch zwingend ein Trennungsgrund sein? Ist es nicht eher so, dass monogames Denken uns dazu zwingt, Beziehungen zu beenden? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Monogamie ist der wahre Trennungsgrund?

So, damit wir heute alle noch mal Feierabend kriegen, schließen wir jetzt den Kreis. Zurück zur Ausgangsfrage. Machen die Gefühle für andere Menschen Beziehungen kaputt oder ist es eher die Monogamie selbst? Ich sage nicht, dass Seitensprünge kein schmerzhaftes Drama sind. Übrigens für alle Beteiligten. Der Betrüger fühlt sich ja oft noch viel schlechter als der Betrogene, nur hat er moralisch betrachtet kein Recht, darunter zu leiden, dass er seinen vertrauten Partner verletzt. Denn: Nach der monogamen Logik kann er ja für seinen angestammten Partner eh nichts mehr empfinden, sonst wäre er ja nicht fremdgegangen. Nur ist die Sache im wahren Leben längst nicht immer so klar und einfach.

Es soll aber einfach sein. Und wir sollen uns so verhalten, als wäre es tatsächlich einfach. Das merkt ihr spätestens dann, wenn euer Partner sich außerhalb der Beziehung verliebt und ihr trotzdem an ihm festhaltet. Da geht mal zum Kaffeekränzchen mit euren Freundinnen, da könnt ihr euch aber was anhören! »Hast du kein Selbstwertgefühl???« Wer sich nicht sofort trennt, hat keinen Stolz und verliert das Gesicht. Wer auf sich hält, tritt seinem untreuen Partner mit Anlauf in den Arsch.

Und wer sich in einer Beziehung befindet und frisch verliebt, muss Schluss machen. Das ist ja wohl das Mindeste. Und dann kriegen wir ein ganz furchtbares Problem mit unserem Selbstbild, weil wir den »schlechten« Gefühlen Raum gegeben haben. Wir sind egoistisch und rücksichtslos und was weiß ich, lauter Sachen, die keiner sein will. Und dann fangen wir an zu lügen und zu betrügen, weil wir dieses Selbstbild vor uns selbst verleugnen wollen. In erster Linie wollen wir uns selbst schöne Lügen erzählen, in zweiter Linie dem Partner. Aber sind solche Sätze wie »Irgendwie fühle ich nichts mehr, der neue Job ist ja auch so stressig!« wirklich »schöne« Lügen? Schöne Lügen gibt es nicht.

Aber wie soll man auch die Wahrheit sagen, wenn man den Menschen, mit dem man so lange zusammen war, dann unweigerlich verliert? Zu sagen: »Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich dich verletzen muss, aber ich hab eben die Gefühle, die ich habe. Ich würde dich jetzt einfach gern in den Arm nehmen, damit es uns beiden nicht mehr so weh tut!«, ist verboten. Das wäre ja auch sagenhaft egoistisch und verlogen. Dass man den »alten« Partner gar nicht mehr lieben kann, wenn man sich neu verliebt, weiß ja jeder. Und diese ganze Zwickmühle kommt eben aus dem Gesetz, dass Liebe immer exklusiv ist, sonst ist sie keine.

Wie wir selbst die Liebe zum vertrauten Partner zerstören

Das ist jetzt keine Theorie, ich rede jetzt von mir persönlich. Meinen ersten Freund hab ich verlassen, weil ich mich frisch verliebt hatte. Öhöm, in dem Fall war das auch ganz gut so, aber Schwamm drüber. Vom Zweiten hab ich mich getrennt, weil ich mich zum dritten Mal so richtig verliebt hatte. Damit hab ich einen sehr liebenswerten, zärtlichen Träumer aus meinem Leben gekickt, aber ich hatte gelernt, dass es eben nur einen geben kann. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, ihm zu sagen: »Ich hab mich verliebt, was machen wir jetzt?« Ich hab einfach Schluss gemacht, weil ich dachte, ich muss das ja tun.

Um das auszuhalten, hab ich ihn vor mir selbst demontiert. So nach dem Motto: Keine Ahnung, was ich in dem gesehen habe. Der kriegt sowieso nie was auf die Kette. Mit dem langweile ich mich zu Tode. Das waren so die Sachen, die ich damals gedacht habe, um mein Schuldgefühl wegzudrücken. Da war ich vielleicht siebzehn oder achtzehn und voll von den Mythen der Monogamie. Ich hab ihm mit dieser Generalabsage ganz fürchterlich weh getan und mir auch. Aber ich wäre ja meiner neuen Liebe gegenüber auch illoyal und untreu gewesen, wenn ich gesagt hätte: »Ich hänge aber an meinem Freund, ich will den in meinem Leben behalten.« Was hätte der denn von mir denken sollen, dass ich ihn nicht liebe?

Ja, so war das. Es gab nur entweder oder. Für mehr war in meinem Kopf gar kein Platz, also hab ich alle Gefühle sortiert in »gut« und »nicht existent«. Und das ist eben die übliche Vorgehensweise in der seriellen Monogamie. »Äh, ich hatte mich vertan, aber diesmal ist es der Richtige!« Der Nächste bitte. Und genau das passiert gerade meiner Freundin mit ihrem jetzt wohl Ex. Und noch zahllosen anderen Paaren auch. Und viele dieser Trennungen passieren einfach deshalb, weil »man« das so macht.

Weil viele von uns einfach noch nie davon gehört haben, dass der Mensch komplexer sein darf, als der Papst und die CSU sich das vorstellen. Weil Männer, die sich außerhalb ihrer Beziehung verlieben, in der öffentlichen Meinung immer noch egoistische Schweine sind und Frauen sowieso wertlose Schlampen. Und solange dieses Bild unser Denken dominiert, werden wir keine konstruktiven Lösungen finden.

Und jetzt?

Um jetzt noch mit Lösungsvorschlägen anzufangen, ist der Artikel schon viel zu lang, aber sobald ich das nächste Mal Zeit und Ruhe habe für einen Monsterartikel, klamüsere ich mal auseinander, was man da machen kann. Bis dahin lege ich allen, die sich zufällig hierher verirrt hatten, einfach meine Bücher ans Herz. Da geht es nämlich genau darum, wie man das Dilemma lösen kann. 😀

Also: Habt euch lieb, auch, wenn ihr mal »schlechte« Gefühle habt, denn schlechte Gefühle gibt es nicht. Traut euch, komplex und kompliziert zu sein. Solange ihr noch einen fühlbaren Puls habt, gehört das einfach dazu. Zwingt euch nicht, aus Schuldgefühlen heraus einen vertrauten Menschen komplett in die Tonne zu kloppen, weil eure Hormone mit Hunger einkaufen gehen. Versucht einfach, ehrlich zu sein, zu euch selbst und zu anderen. Denn wenn ihr Beziehungen abbrecht mit irgendwelchen schwurbeligen Scheinbegründungen, die dem Partner die „Schuld“ zuschieben, macht ihr alles nur noch schlimmer. Einen Menschen zu lieben, heißt nicht zwingend, dass man einen anderen nicht mehr liebt. Lasst euch nicht vom allgemein vorherrschenden Monogamie-Zwang vorschreiben, was ihr zu fühlen habt und wann ihr Schluss machen müsst. Besprecht das lieber offen mit eurem Partner und gebt ihm eine Chance, selbst zu entscheiden, ob er sich deswegen trennen will. Aber dann auch aus den für ihn richtigen Gründen. Das war auch schon alles, was ich für heute sagen wollte. Hat ja nur 3750 Wörter gedauert, war ja gar nicht so schlimm! 😀

Und wenn ich jetzt wieder eine Ein-Stern-Rezension unter einem meiner Bücher finde, weil ich jemand auf den Schlips getreten bin, werde ich mich bemühen, es mit Fassung zu tragen!