Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Pamp-Gans

Ihr Lieben! Nachdem wir letzte Woche eine überwältigende Diskussion darüber hatten, was wir Autoren für Buchblogger tun können, um mit unseren alternativen Perlen der Nischenliteratur auch gefunden zu werden, und so viele Buchblogger uns mit ihren Ideen so hilfreich zur Seite standen, ist es jetzt so weit. Ich habe die neue Seite für Nischenautoren, die sich hier vorstellen wollen, fertig. Eine Seite für Buchblogger habe ich auch gleich eingerichtet, es gibt ja tatsächlich Leute, die den Artikel über die Blogger-Misere noch nicht gelesen haben und nicht wissen können, worum es hier geht. So, jetzt hab ich für die praktische usability so viele Links eingefügt, dass ich schon ganz aus der Puste bin. Fakt ist: Einer muss ja anfangen, und da es vier Uhr morgens ist und alle anderen schlafen, muss ich wohl ran!

Ich stelle mich jetzt auch einfach mal als erstes vor, um auch den schüchternsten AutorenkollegInnen die Angst davor zu nehmen, dass sie sich schlimmer zum Affen machen könnten als ich. Aber glaubt mir: Das wird schwierig! Denn ich hab mich für mein eigenes „Demonstrations-Autorenporträt“ dazu entschlossen, euch in einem joycehaften stream of consciousness um die Ohren zu hauen, warum ich eine olle Pamp-Gans bin, eine Meckertrine, die schreibt, damit ihr nicht der Kopf platzt! Mein Aufsatz heißt:

Der Buchmarkt und meine mentale lila Latzhose!

Ha, ja, da geht das Problem schon los! Die jüngeren unter euch fragen sich jetzt: „What the fuck ist eine lila Latzhose?“ Deswegen fange ich jetzt mit der Aufklärungsarbeit sofort an! Die lila Latzhose war mal ein Symbol der Frauenbewegung. Und, nein, ich rede jetzt nicht von den „Feminazis“, die heute militant das Internet aufmischen und dafür kämpfen, dass man in der aktuellen Genderdiskussion so was wie „der Elefant“ nicht mehr sagen darf, weil dadurch alle Elefantinnen diskriminiert werden. (Oder heißt das Elefantetten? Elefanteusen?) Man fragt sich da jedenfalls, wann „die“ Kater sich online zusammenrotten, weil sie sich davon kastriert fühlen, dass es „die Katze“ heißt. Ist aber auch egal jetzt.

Also, die lila Latzhose steht für mich für die Frauen, die wirklich noch sinnvolle Kämpfe ausgefochten haben, wie zum Beispiel das Recht auf „Verhängnis Empfütung“ (der Versprecher einer Schulfreundin von mir, den ich nie vergessen habe), Abtreibung, Gleichberechtigung im Beruf und die Abschaffung von Gesetzen wie dem, dass der Gatte den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen darf, wenn er der Meinung ist, dass sie den Haushalt vernachlässigt (ich glaube, dieses Gesetz war bis 1976 in Kraft, stellt euch das mal vor). Das einzige Argument, das mich jemals zum Heiraten bringen könnte, wäre, dass der Gatte sich dann ja um den dämlichen Haushalt kümmern könnte, also werde ich ledig in die Grube fahren, yoho!

Jedenfalls trage ich mental eben immer noch eine lila Latzhose. Ich hab mich nie als Feministin betrachtet, aber immer als Mensch. Und bei Menschen sollte es für mein Empfinden eben keine Unterschiede geben wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sonstwas. Ich war auch nie irgendwie „organisiert“. Ich halte grundsätzlich nichts von Organisationen und ich zog es immer vor, sowohl die Emma als auch den Kicker zu lesen. Einmal wollte die „Fantifa“ (Feministische Antifa) mich zur Mitarbeit bewegen, aber als ich gehört habe, dass die dort engagierten Damen sich treffen, um einen Ordner anzulegen, in dem so Wörter wie „Patriarchat“ abgeheftet werden, hab ich mich, vielleicht sogar zu Recht, gefragt, ob das den Skinheads, die damals am Bahnhof rumlungerten, wirklich Angst macht.

Jedenfalls dachte ich, als ich noch jung und knusprig war, bis ich mal eine olle Schrulle bin, hat sich alles geändert. Utopia, ich komme! Ich dachte, Frauen würden für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen wie Männer. Ich dachte, Frauen würden ihren Wert nicht mehr daran bemessen, wen sie „abkriegen“, sondern sich selbst nehmen, was sie wollen. Haha… mein Gott, war ich naiv! Und dann kam der Rollback auf dem Buchmarkt. Auf dem Buchmarkt und in der Welt. Aber da ich hier als Autorin auf den Putz haue, beziehe ich mich jetzt auf den Buchmarkt als Spiegel unserer Welt. Denn was wir lesen, zeigt immer auch, was wir wünschen und träumen.

Freud und Leid

Ich gebe zu, ich bin Anti-Freudianerin. Ich hab die Freud-Gesamtausgabe im Regal, weil es gut ist, seinen Feind zu kennen, denn vieles, womit wir uns heute herumärgern hat seine Wurzeln in dieser Zeit. Ich fand Freud immer so spannend, weil man ihn lesen kann wie ein Geschichtsbuch. Freud ist eine unverfälschte Quelle für Studien über die längst überholte Sexualmoral und das gesamte Menschenbild des späten neunzehnten, frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Und wenn man über das Frauenbild der Zeit nachdenkt, wird einem angst und bange. Versteht mich nicht falsch, Freud hat für damalige Verhältnisse wirklich an der lustfeindlichen Gesellschaft gerüttelt, so gut er konnte, aber heraus kamen dabei so Denkrichtungen wie die, dass Frauen durch äußere Umstände (die Ehe) zum Sex „gezwungen“ werden müssen, um ihn genießen zu können, denn anständige Frauen tun so was ja nur, wenn sie müssen. Dann macht es ihnen aber Spaß, obwohl sie das nicht zugeben, man hält ja auf sich, klar. Um es auf Stammtisch zu übersetzen: „Die will es doch auch! Frauen meinen Ja, wenn sie Nein sagen!“ Haaaarsträubend!

Damals wurde übrigens auch der Vibrator erfunden. Das müssen so frankensteinmäßige Apparate gewesen sein, aber hey, die hatten noch kein digitales Zeitalter, damals war „Mechanik“ total in und die „Vibrator-Behandlung“ wurde gegen Hysterie verschrieben. Auf Stammtisch: „Die Alte muss nur mal richtig …“

Ihr seht also, absurde Geschichten darüber auszugraben, woher wir kommen, damit wir entscheiden können, wohin wir wollen, ist mein Hobby. Denn ins neunzehnte Jahrhundert, in dem Tischbeine als unanständig verhüllt wurden, wollte ich nie zurück. Ich wollte immer, dass wir Frauen selbstbestimmt, lustvoll und ohne schlechtes Gewissen oder moralische Wertung unser Leben auskosten können, mit allen Facetten. Ich wollte schlicht und ergreifend, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Und eine Weile dachte ich auch, dass wir auf einem guten Weg sind. Und dann kam:

Eine verstörende Begegnung mit einem Bestseller-Hochlandrammler

Als ich die Highland-Schmonzetten, um die es jetzt geht, zum ersten Mal in die Finger bekam, war der Hype darum schon fast wieder vorbei, umso mehr habe ich mich erschreckt. Ich lese ja gerne historische Romane. Hysterische (ganz im Freudschen Sinne) eher weniger. Und in dem Buch, über das ich mich damals wie heute so aufrege, geht es genau darum: Eine Frau fällt in ein Zeitloch und wird durch dramatisch konstruierte Verwicklungen (ein schwuler Sadist, der liebend gern knackige junge Männer auspeitscht und Frauen nur als Zeitvertreib vergewaltigt ist im Spiel) gezwungen, einen von eben diesen knackigen jungen Männern zu heiraten und es ständig mit ihm zu treiben.

Hallooo? Sind wir da nicht wieder bei Freud angekommen? Und alles vor der malerischen Kulisse des fast noch mittelalterlichen Schottlands. Dabei ist die zeitreisende Heldin aus dem „aufgeklärten Zeitalter“ doch in ihrer „Gegenwart“ noch verheiratet! Oh, Gott, oh, Gott! Und jetzt muss die Arme gegen ihren Willen ständig mit diesem knackigen, jungen Schotten … Was für ein Schicksal! Da fiebern wir natürlich mit!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich mach den Absatz jetzt mal fett, damit ich auch richtig verstanden werde! 😀 Ich habe nichts gegen Sex mit durchtrainierten, hüschen Kerlen, absolut nicht! Auch nicht in Büchern! Aber dann bitte selbstbestimmt! Ich hab was dagegen, dass wir Frauen uns SELBER immer noch das patriarchale Denken des neunzehnten Jahrhunderts überstülpen! Ich hätte das Buch vielleicht sogar richtig cool gefunden, wenn die weibliche Hauptfigur gesagt hätte: „Was soll’s? Mein Angetrauter ist in einem anderen Jahrhundert und ich sitze hier fest! Dann kann ich mir auch den hübschen jungen Schotten schnappen!“

Aber die Gute muss sich leider gegen ihren Willen „hingeben“, weil sie in eine Zwangsehe gepresst wurde und eine Horde saufender Kerle auch genau aufpasst, dass die Ehe auch vollzogen wird! Und das gilt in der heutigen Literatur als romantisch, ja? Romannntisch!

Junge Frauen lesen so was und merken gar nicht, wie sie da mit völlig überholten, frauenfeindlichen Moralvorstellungen das Gehirn gewaschen kriegen. Für mein Empfinden verherrlichen solche Bücher das, was als „beischlafähnliche Vergewaltigung“ in die Gesetzestexte eingegangen ist. Und solche „Romane“ suggerieren jungen Frauen, dass eine selbstbestimmte, selbstbewusste Lust und Lebensgestaltung immer noch „moralisch unsauber“ sind. Besser, man wird gezwungen, dann darf man. Durch Rollenmodelle wie diese Romanheldin pervertieren wir Frauen uns selbst, und dieser Bestseller öffnete Tür und Tor für viele weitere Bestseller, die in das gleiche Horn stoßen.

Anständiges Mädchen muss sich leider reihenweise von gutaussehenden Milliardären flachlegen lassen, um Papas Spielschulden zu bezahlen. Hallooo? Jede selbstbewusste junge Frau würde da sagen: „Weißt du was, Vaddern? Bezahl deine Schulden selber, und wenn du mir die vererbst, schlag ich das Erbe eben aus. DEIN Bier, und meine Männer suche ich mir selber aus!“ Aber solche Bücher rennen auf dem Markt und als Autorin darf man da nix gegen sagen, weil man dann Futterneid hat, Futterneid!

Der wüste Prediger

Als ich ein Teenager war, stand in der Innenstadt, in der wir immer rumgammelten, immer ein ganz hagerer, verhärmter Herr in einem grauen Anzug auf einem dieser Beton-Blumenkästen und predigte: „Der Weltuntergang ist nahe!“ Der gehörte einfach zum Stadtbild dazu, gegenüber standen die Zeugen Jehovas und hielten ihren „Wachturm“ hoch, an der nächsten Ecke waren die peruanischen Musiker mit ihren Panflöten, die immer diese komischen Teppich-Ponchos trugen.

Dem Prediger hörte eigentlich niemand zu, aber alle nahmen ihn halt als unvermeidliches Übel hin. Und manchmal muss ich heute an diesen Mann denken. Ich fühle mich nämlich oft genau so. Manchmal möchte ich mich mit einer „50 Shades“ Ausgabe in der Stadt auf einen Blumenkübel stellen und jungen Frauen zurufen: „Merkt ihr denn gar nicht, was mit euch gemacht wird? Ihr werdet durch Propaganda zurück in die Sklaverei getrieben! Der Weltuntergang ist nahe!“

Und ich lache gerade selber Tränen bei der Vorstellung wie ich mit der Bibel des Antichristen wedle und mich zum missionarischen Affen mache. Wenn ich dann in die Jacke gesteckt werde, bei der man die Ärmel auf dem Rücken zuknoten kann, werde ich kreischen: „Dürfen Sie das überhaupt ohne richterlichen Beschluss?“, und der Polizist wird raunen: „Ach, komm, du willst es doch auch!“ Rrrrrra! Vertragt ihr noch eine Schüppe drauf? Geht nicht anders, ich bin gerade sowas von in Fahrt, aber sowas von! Kommen wir also zu:

Herr Grey und ich

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich den Herrn Grey richtig richtig gefressen habe! Dieser bratzbirnige, hohlköpfige, zwangsneurotische Frauenschänder, der regt mich sowas von auf! Aber er hat einen Huuuubschrauber! Und wenn er dann so melancholisch in seinem Schlafanzughöschen Klavier spielt, er ist doch so süüüüß!

Und dann schenkt er Miss Steel auch noch die unbezahlbaren antiquarischen Bücher von Thomas Hardy! Tess von den d’Urbervilles! Mit dem Buch ist Thomas Hardy gegen sexuellen Missbrauch auf die Barrikaden gegangen, und das zu einer Zeit, als man Wörter wie „sexuell“ oder „Missbrauch“ noch gar nicht sagen durfte! Thomas Hardy zog ins Feld gegen „Unzucht mit Abhängigen“, nicht gegen „Zucht mit Unabhängigen“! *augenroll* Und jetzt wird dieses kostbare Buch instrumentalisiert und ins Gegenteil verkehrt! Ernsthaft, wenn Thomas Hardy das wüsste, der würde im Grab rotieren, bis die Kiste ins All schießt wie die TARDIS von Doctor Who! Ganz schnell weg, aber ganz schnell, am besten in ein anderes Jahrtausend am anderen Ende des Universums!

Was mich aber noch mehr aufregt als der Herr Grey, ihr lacht, aber das geht!, ist die Miss Steel! Neulich schickte mir eine sehr clevere und witzige Kollegin (die sich hoffentlich bald hier vorstellen wird), den Link zu einem Video, das zusammengebaut war aus „50 Shades“-Trailern und Mister Bean. Ich weiß leider nicht, wo man das Video wiederfindet, aber das war das größte Stück Filmkunst, das ich in den letzten Jahren gesehen habe! Ich hab so gelacht, ich konnte vor Tränen in den Augen den Monitor gar nicht mehr sehen. Nie war Miss Steels völlig enthirnter Blick, wie sie da so mit zusammengekniffenen Knien bei Mister Grey im Büro sitzt wie eine verklemmte Hanseatentochter aus „50 Shades of Buddenbrooks“, so entlarvend wie in dem Moment, als Mister Bean ihr ölig-selbstverliebt zulächelte. Ja, der europäische Autoren-Porno lebt, meine Damen und Herren! 😀

Und das alles, dieses Konglomerat aus GEQUIRLTER SCHEISSE *kreisch*, das junge Frauen gezielt enthirnt und sie durch romantische Ideaaaaale zu braven Systemsklavinnen macht, hat mich so AUFGEREGT, dass ich beschlossen habe, mein Talent nicht mehr durch dämliche Ghostwriterjobs und als Content-Produzentin zu verheizen, sondern endlich mal Bücher zu schreiben, die was zu sagen haben. Auch, wenn man das auf den ersten Blick gar nicht merkt. Weil ich meine Geschichten nämlich mit witzigen Dialogen und liebenswert skurrilen Figuren so verpacke, dass sie sich lesen wie kurzweilige Unterhaltung. Und ich mach das so, weil ich dieses Handwerk beherrsche und mir niemand zuhören würde, wenn ich auf dem Blumenkübel stehe. Aber ich hab verdammt nochmal was zu sagen. Ich schreibe für das Genre „Subversive Romantik“ (Danke für diesen herrlichen Ausdruck an meine Kollegin Christine Ulrich). Ich nenne mein Genre jetzt einfach kurz: Grips-Lit.

Meine Message an junge Frauen ist nämlich folgende:

Du darfst Lust haben, Frust haben, lieben, leben, lachen, weinen, ohne dich dem moralischen Werturteil verknöcherter alter Säcke zu unterwerfen! Du hast genau so ein Recht auf deine Leidenschaften und Lebensfreude wie jeder noch so pisselige Kerl, selbst wenn er ein kariertes Röckchen trägt oder einen Huuuubschrauber hat!

Wenn du „Nein!“ sagst, dann heißt das „Nein!“, ganz einfach.

Wenn du Lust hast, brauchst du keinen Papi mit Spielschulden oder eine Horde besoffener Schotten, die aufpasst, dass deine Ehe auch vollzogen wird, als Ausrede. Wenn du drauf stehst, Milliardäre flachzulegen, dann mach das doch einfach aus genau diesem Grund – weil du drauf stehst. Aber vergiss die Kondome nicht!

Wenn du das magst, ist es völlig okay, wenn der, der im Bett die Hosen auszieht, im Bett auch die Hosen an hat. Es kann himmlisch sein, sich fallen zu lassen und sich einem dominanten Mann anzuvertrauen. Aber dann mach ihm auch klar, dass er sich das Privileg mit Achtung und Respekt verdienen muss! Der Schlachtruf lautet: „I got the pussy, I make the rules!“

Wenn du es für „den schönsten Tag im Leben“ hältst, all deine Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, um dich als Baiser zu verkleiden, die gesamte bucklige Verwandtschaft durchzufüttern, es bei der Sitzordnung allen recht zu machen und einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Auflösung später verdammt teuer wird, nämlich dann, wenn die statistisch sehr wahrscheinliche Scheidung auf dich zukommt, dann will ich nicht wissen, wie die weniger schönen Tage aussehen! Und der Schönste war ja schon! Besser wird’s nicht mehr, wenn du erst verheiratet bist, das sagt der „schönste Tag im Leben“ ja aus!

Du hältst dich für eine miese, verschlagene Verbrechernatur, weil du einen Partner hast und trotzdem Herzklopfen kriegst, wenn deine verdrängte große Liebe sich meldet? Du bist nicht böse und schlecht, Polyamorie ist normal! Wir Menschen sind tatsächlich einfach so angelegt, dass wir uns zu mehreren Partnern hingezogen fühlen können! Subversives Geschwätz eines gescheiterten „Beziehungsüberforderungsopfers“? Nö, ist besser für den Genpool, so einfach ist das! Es ist nur so verdammmt schwer, das auch zu leben, ohne die Menschen, die man liebt, zu verletzen! Also: wie geht das auf dem Drahtseil, wenn du mehrere Männer liebst, jeden auf seine Art?

So. Das sind meine Themen, die mir wirklich unter den Nägeln brennen und für die ich Tag und Nacht mit Leidenschaft schreibe und dabei verdammt viel lache. Manchmal sogar weine. Und wem das zu radikal ist, der kann jetzt gern mal eben den Glitzervampir-Roman aus der Hand legen und in die Welt gucken. Wir sind nämlich längst da angekommen, wo echte, witzige, intelligente Frauen mit Humor und Mut ein Leben meistern, das vielleicht gar nicht den Vorstellungen der CDU entspricht. Und für genau diese wunderbaren Frauen versuche ich Bücher zu schreiben, in denen sie sich wiederfinden.

Jetzt hab ich mich herrlich ausgepowert, wieder die ganze Nacht mit Schmackes Worte jongliert und wer meine Bücher einfach mal gefahrlos ausprobieren will, findet rechts in der Sidebar den Link zur kostenlosen XXL-Leseprobe. Und ich freu mich schon richtig auf die eMails, die ich wieder von besorgten Herren erhalten werden, weil mein Weltbild total weltfremd ist und ich dringend vor mir selbst gerettet werden muss! Wir sehen uns! 😀

Wenn mir jetzt noch jemand einen Bademantel umlegen und mich von der Bühne führen könnte wie James Brown, wäre ich wirklich dankbar. Sookie haut sich jetzt aufs Ohr, und ich freu mich drauf, Kommentare zu diesem ersten „Autorenporträt“ zu finden, wenn ich die Klüsen wieder auf kriege. Haut rein, Mädels, rockt den Buchmarkt, und erzählt mir, wofür euer Herz brennt!

Eure Sookie, Liebesromantante aus Leidenschaft und heimlich beladen mit Sendung

16 thoughts on “Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

  1. Haha, wie soll ich denn darauf noch kommentieren, da gibt es absolut nichts hinzuzufügen! Großartige Vorstellung, in jeder Hinsicht — und ich bin deine Leserin! 😀

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Hi, Sabine!

      Yeah, meine Leserin ist hier, das rockt! 😀 Wenn ich gewusst hätte, dass du vorbeikommst, hätte ich Kaffee gemacht und noch mal durchgesaugt … aber du weißt ja, wie es bei Autorinnen aussieht! Leiden für die Kunst! 😉

      Liebe Grüße, Sookie

  2. Wenn kluge und wortgewaltige Frauen, die feministisch denken und handeln, sich trotzdem vorsichtshalber von „den Feministinnen“ distanzieren, find ich das immer ein bißchen schade.
    Wer und wie „die Feministinnen“ sind, bestimmen wir. Oder könnten es jedenfalls.

    Ansonsten: Herzerfrischender Text!

    1. Liebe Schattentaucherin!

      Ich freue mich über deine Anmerkung, gibt sie mir doch Gelegenheit, das noch ein bisschen weiter auszuführen. Ich distanziere mich nicht, absolut nicht, ich sehe mich nur selbst nicht als Feministin, eher als Humanistin, wenn man denn unbedingt zu einer Schublade greifen will. Ich hatte immer schon Schwierigkeiten, mich in große Gruppen einzuordnen und auch im Feminismus sehe ich Strömungen, mit denen ich mich nicht anfreunden kann, wie zum Beispiel Mütterfeindlichkeit oder eben auch Männerfeindlichkeit. Ich halte Männer tatsächlich für genau so kostbare und wertvolle Menschen wie alle anderen (mich nervt zum Beispiel auch, wie Männer heute auf dem Buchmarkt sexualisiert werden, damit drehen wir Frauen den Spieß nur um, anstatt es besser zu machen), und die Tatsache, dass ich selbst Mutter bin, heißt nicht, dass ich mir selbst die Hausmütterchenrolle angezogen habe, sondern dass ich die Aufgabe übernommen habe, selbstbewusste, aufgeklärte und selber denkende Töchter aufzuziehen.
      Von feministischer Seite weht mir da aber manchmal ein extrem rauer Wind ins Gesicht.
      Und genau das ist mein Problem mit großen Gruppen. Jede Gruppe hat Strömungen, und unter Feministinnen gibt es welche, die ich absolut bewundernswert finde und mit deren Idealen ich mich identifizieren kann, aber eben auch andere. Ich versuche grundsätzlich, Menschen als Individuen zu sehen, auch mich selbst. Das macht es schwierig zu sagen ich bin dies oder ich bin das.
      Das heißt aber nicht, dass ich mich vorsichtshalber distanziere, um eventuellen Angriffen auszuweichen. Es heißt nur, dass ich mich gegen Pauschalisierungen wehre, wie etwa „die Männer“, „die Asylanten“ oder auch „die Feministinnen“. Ich bin ich, du bist du, und als Individuen können wir kommunizieren und uns gegenseitig zuhören, ohne uns durch Etiketten selbst zu reduzieren, und darüber freue ich mich sehr!

      Liebe Grüße, Sookie

  3. Nur ein Wort: genial.
    Ernsthaft. Großartig, was du da geschrieben hast, sookie!
    Und diese Sache mit 50 Shades … genau das wurde sogar in Tumblr (!) diskutiert (wo normalerweise bloß Blogs mit Supernatural-Gifs gehackt werden (we have a gif for that), mit Doctor-Who-Zitaten herumgeschleudert wird oder zwei Protagonisten einer sehr bekannten BBC-Serie als homosexuell porträtiert werden (wie auch Einige aus Supernatural – aber das bloß als Anmerkung). Eine intelligente Frau hat da einmal ausführlich und in einer ewigen Liste zusammengefasst, gegen welche moralischen wie gesetzlichen Regeln dieser Superhengst-Feschak Grey da so verstößt. (Sollte ich den Eintrag einmal finden, schicke ich ihn dir gerne per PN.)
    Das zeigt uns einmal wieder, dass es doch noch mehrere vernünftige Leute gibt …
    Auf alle Fälle finde ich diesen Büchertrend nur mehr bedenklich. Und so, wie du selbst sagst: Ich habe auch kein Problem mit Sex. Da können Autoren schreiben, so viel sie wollen. Aber dann bitte ein wenig aufgeklärt, vernünftig, halbwegs real und ganz wichtig: mit Respekt. Immerhin lesen diese (Schund)Romane ja auch blutjunge Dinger, die leider Gottes oftmals noch nicht wissen, was richtig und falsch ist.
    Ich hatte Glück, von meiner Mutter „modern“ erzogen worden zu sein. Sie hat mir von ihren eigenen Fehlern erzählt, und darüber, was sie gerne anders gemacht hätte. Sie hat mir beigebracht, dass man nur alleine weiterkommt. Und das Allerwichtigste: Kein Mann kann dir vorschreiben, wie du lebst. Genauso wenig eine beste Freundin, oder die Gesellschaft, deine Nachbarn oder sonst wer.
    Das vergessen nämlich auch verdammt viele Leute. Es geht nicht nur um Unterdrückung der Frauen sondern insgesamt der Unterdrücken der Individualität. Ungeachtet des Geschlechts. Man sehe doch einfach einmal in die Flimmerkiste. Von der hirnverrannten Werbung allein wird mir schon ganz anders!
    Wenn du nicht diesen Schlepptop oder dieses Handy benutzt, bist du out. Wenn du dir nicht jeden Tag die Beine rasierst, ist das ja ein absolutes No-Go! Ein Star sagt etwas, und es ist der neue Trend.
    Ja, geht’s noch?!
    Verfluchte Gruppendynamik!

    Also für alle, die es noch nicht wissen: habt eure eigene Meinung! Egal, ob ihr jetzt ein Buch schreibt oder mit einem „uncoolen“ Outfit rumlauft. Es geht nicht darum, was andere wollen, sondern das, was ihr wollt!
    … So viel dazu.

    Was ich in meinen Romanen am liebsten einbringe, ist das respektvolle Miteinander. Das geht heutzutage nämlich mehr als nur den Bach runter.
    Das erlebe ich beim Autofahren (täglich), bei nahen Verwandten (jetzt nicht mehr – von denen habe ich mich distanziert) und im täglichen Leben: beim Einkaufen, in Ämtern, bei der Bank, usw.
    Zwar wirken meine Charaktere damit manchmal etwas naiv oder vielleicht sogar weltfremd. Ich jedoch habe es satt, die ganze Zeit über Geschichten zu stolpern, in denen der Hauptcharakter immer und immer wieder erst tausend Hürden überwinden muss, bis er ans Ziel kommt – für seine Liebe Schlachten schlagen, es dem Vater oder der Mutter recht machen, für den Auserwählten zu Kreuze kriechen muss, usw.
    Das ist meiner Meinung nach nur mehr abgedroschen. Natürlich bedeutet das nicht, dass Autoren es nicht schreiben sollen … (mein vierter Roman strotzt auch nur so vor Hindernissen) Bloß etwas mehr Abwechslung wäre da doch langsam angebracht.
    Es muss ja nicht immer die „Er-sieht-mich-nicht-weil-ich-ein-Mauerblümchen-bin-Situation sein. Oder: Frau sieht Mann = Liebe ihres Lebens. Er küsst in dem Moment eine andere = Frau ist am Boden zerstört. Dann erfährt der Leser zweuhundert Seiten später: es war bloß die Schwester …
    Auf der Website eines Verlags für Lesbenromane (ich bin darüber gestolpert, als ich Lektorratstipps gesucht habe) haben die in ihren Tipps „was ist ein guter Roman“ angegeben, wie wichtig Hinternisse sind. Alles schön und gut. Aber ich selbst mag es überhaupt nicht mehr. Wie gesagt, es langweilt mich. Natürlich ist Spannung auch schön (deshalb lese ich dann aber lieber Actionromane von Barry Eisler. Da zittert man von der ersten bis zur letzten Seite). Wenn es jedoch um Zwischenmenschliches geht, sind mir die „stillen“ Momente die allerschönsten. Und die kommen in meinen Romanen deshalb auch viel öfter vor (neben Sex, versteht sich :D)

    Zum schönsten Tag im Leben:
    Finde ich witzig. Ich kenne Leute, bei denen war der Tag der beschissenste überhaupt … Aber das ist eben auch wieder so eine Sache. Frauen wollen heiraten, weil sie den „schönsten Tag“ erleben wollen. Dabei geht es in einer Beziehung nicht darum, einen schönen Tag zu haben, sondern ein wunderschönes Leben zu zweit (wie sagte der 9. Doctor: Have a fantastic live, Rose).
    Ist natürlich auch alles Ansichtssache …
    Tja, ich glaube, das wärs jetzt mal von mir.
    Und gerne schicke ich dir mein Autorenprofil – muss es aber erst einmal schreiben. 😉

    Dir, sookie, einen schönen Tag, ebenso wie jeden, der meinen Kommentar bis hierhin durchgelesen hat

    Isabella

    1. Treffer, versenkt!

      Ich liebe deine Kommentare, ich kenn zwar sonst keine Isabella, aber du bist meine Lieblings-Isabella! 😀
      Ich arbeite mich jetzt von unten nach oben, um nichts zu vergessen! Ich hab natürlich schon auf dein Autorenprofil spekuliert und freue mich riesig, dass hier so tolle Autorinnen zusammen kommen. Und zum schönsten Tag im Leben: Was mich daran immer so traurig macht, ist der Gedanke junger Frauen, EINMAL IM LEBEN im Mittelpunkt stehen zu wollen, einmal die Schönste zu sein, die in dem weißen Kleid, die auf den Fotos in der Mitte steht, nicht irgendwo am Rand. Was mich daran für diese Mädchen so traurig macht?
      Wer sein eigenes Zentrum in sich hat, braucht das nicht. Dabei geht es nicht um Egozentrik, absolut nicht, sondern darum, sich seiner selbst, mit allen Stärken und Schwächen, bewusst zu sein. Und das dann auch als Wert zu erkennen. Es ist so, wie du sagst: Sein eigenes Leben kann man nur selbst führen, so wie es zu einem passt. Und das hat einen ganz eigenen, kostbaren Wert. Der ändert sich nicht durch ein weißes Kleid und nicht dadurch, dass die Liebe, von wem auch immer, einen „erhebt“. Egal, wo man hin geht, man nimmt sich selbst immer mit, und wenn man das in dem Gefühl tut, dass die Mitte da ist, wo man selbst ist, ist man weniger anfällig für Arschlöcher mit Hubschraubern.
      Und da wird es spannend für uns Autorinnen. Natürlich gehören Hindernisse zum Handwerk des Storytellings dazu. Aber man kann Hindernisse eben auch ganz anders lösen als dadurch, dass man sich „passend“ macht. Wie viele ach so lustige Romane handeln davon, dass die Dicke vom Dienst sich in den attraktiven Spargel verliebt und dann „für ihn“ abnimmt! Und wie sieht das Happy End dann aus? Er steht heimlich auf Dicke! Alle gehen in die Knie und singen „What a man, what a man …“
      Toll. Wieder kommt die Anerkennung von außen, durch einen Mann. Alle dicken Leserinnen seufzen und wollen auch mal so einen finden. Niemand kommt auf die Idee, dass der Typ ein oberflächlicher Fleisch-Fetischist ist, der scharf ist auf Doppel-D-Körbchen und mal wieder drauf scheißt, was die Heldin fühlt und denkt, welche Bücher sie liest und was ihr Angst macht. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich bei solcher Frauenliteratur einfach nur kotzen. Aber wir alle werden immer verflachter und eindimensionaler dargestellt, Männer wie Frauen.
      Ich hab beim Schreiben auch manchmal das Gefühl, dass ich endlich mal „was passieren lassen müsste“. Ein Raumschiff müsste aufs Haus knallen, eine Horde Orks müsste Ostfriesland verwüsten, hey, wo sind die dreckigen Vergewaltigungsszenen, die doch, wenn man nach Lektoratstipps arbeitet, spätestens im dritten Kapitel kommen müssten?
      Aber das wäre nicht ich. Ich hab mich auch schon dabei ertappt, dass ich Plots konstruiert habe, weil alle es so machen, die ich dann hinterher wieder gestrichen habe. Nein, bei mir geht es tatsächlich nur ums Annähern, Beschnuppern, Berühren, Weglaufen und wieder um Annäherung. Ich hab inzwischen genug Vertrauen in meine Schriftsprache, um das machen zu können.
      Für mein Empfinden ist nämlich zum Thema Liebe längst noch nicht alles gesagt, jede Generation steht da vor neuen Herausforderungen. Und wieso brauchen wir wildes Schlachtengetümmel, aufgeschlitzte Kehlen, untergehende Welten und Naturkatastrophen, damit zwei (die sich meistens auch nur einmal gesehen haben, aber wissen, das sie füreinander bestimmt sind), über Leichenberge zueinander finden können? Haben wir Autoren kein Vertrauen mehr in unser Handwerk, in unsere Sprache, um das größte Gefühl aller Zeiten auch ohne das spannend darzustellen? Also: Ich bin auch wieder für mehr Bücher, in denen es um die leisen Zwischentöne geht.
      Ich werde immer wieder drauf angesprochen: „Schade, dass es bei dir kein Happy End gibt!“ (Dann würde ich deine Bücher nämlich lesen!). Aber ich seh schon, zum Thema „Happy End“ muss ich einen ganzen Artikel schreibem, da kocht gerade was! 😀 Aber das muss jetzt schon raus: Momente, in denen meine Figuren eben jene Unterdrückung der Individualität abschütteln, sind für mich Happy Ends, viele kleine Happy Ends.
      Und auch noch ganz wichtig: Du hast vollkommen Recht damit, dass Bücher ja eben auch bei jungen Dingern landen, die selbst noch völlig unerfahren sind und das, was sie lesen für REALITÄT halten. Mir wird da immer wieder angst und bange. Heute steht „Fan-Fiction“ (auch 50 Shades hat so angefangen!) im Netz, wo nicht nur zahllosen Seriencharakteren quer durch alle Geschlechter pornographische Affären ohne jede Achtsamkeit angedichtet werden, da gibt es Gruppenvergewaltigungen, die werden nicht nur von Zwölfjährigen gelesen, die werden von Zwölfjährigen geschrieben! Ich bin wahrlich kein Moralapostel, aber wenn ich diese viel zu früh zerbrochenen Kinderseelen sehe, könnte ich heulen.
      Wir brauchen ganz ganz dringend andere Rollenmodelle. Aber wir arbeiten ja dran! 🙂

      Liebe Grüße, Sookie

      1. Den Nagel auf den Kopf getroffen. 🙂
        Und ich freu mich, dass ich dein Lieblings-Isabella bin. 😀 (Das habe ich bisher noch von keinem gehört)

        Die Sache mit der Anerkennung: Genau das ist es, was Frauen doch erst depressiv stimmt. In allen Büchern und Filmen wird gezeigt, dass eine Frau nur dann etwas Wert ist, wenn ein Mann ihre Schönheit sieht. Im Grunde genommen wünscht es sich natürlich jede Frau, um ihrer selbst Willen geliebt zu werden. Und jede Frau hat das verdient. Aber jetzt kommt das große Aber: Das sollte nicht bloß in einer Beziehung sein, sondern für jede Lebenslage gelten. Ob in der Arbeit, in der Gesellschaft oder für sich selbst (!). Ich kann von diesem Probelm ein Lied singen. Null Selbstwertgefühl, Selbstzweifel, dass es schlimmer nicht mehr geht. Aus dem Grund verstehe ich sehr gut, weshalb Frauen solche Geschichten lesen wollen: Weil sie dieses Gefühl der Achtung und Anerkennung erleben wollen. Weil sie zu Hause einen versoffenen Typen auf der Couch sitzen haben, der sie bloß blöd von der Seite anmacht oder ihnen sogar dann und wann einmal eine verpasst. Dann verstehe ich, wenn solche Damen gerne von einem Grey lesen, der eine Frau schlägt, weil es ihn geil macht. Ja, ganz fein. Dann hat es ja einen Grund! Sonst kriegt er ja keinen hoch … die Frau bringt ihm die Erfüllung. Die Frau fühlt sich gebraucht und hübsch … Ernsthaft? Wenn ich noch etwas weiterdenke, wird mir schlecht …
        Die Problematik ist aber eine ganz andere: Wenn sich Frauen wie Männer (es gibt genügend Männer, die sich da ebenso unterdrücken lassen) nicht endlich auf die Beine stellen und sagen „Ich lasse mich nicht unterdrücken. Ich bin genauso viel Wert wie du“, so lange wird sich an diesen schrecklichen Beziehungen und an der Gesellschaft selbst nichts ändern.
        Es ist doch so: Jetzt treffe ich die Liebe meines Lebens. Ich spüre es. ich weiß es. Bla bla. Und der Typ macht mir hunderte ernst gemeinte Komplimente (das tun Männer aber für Gewöhnlich nicht), bringt mir das aber überhaupt nichts – auch dem Kerl nicht – wenn ich diese netten Worte erst gar nicht annehmen kann, weil ich eben immer denke, dass ich einfach nicht gut genug bin, dass ich nicht gut genug aussehe, dass meine Töpfe nicht groß genug sind, dass meine Haare nicht schön genug sind …
        Die Moral: Erst muss ich mit mir selbst im Reinen sein. Dann kann ich auch einen Mann bedingungslos lieben – weil ich mich selbst liebe bzw. akzeptiere.
        Denn wenn ich nicht an mich selbst glaube, mir selbst vertraue und zu meinen schlechten wie zu meinen guten Seiten stehen – wie soll da eine Beziehung entstehen? Wie soll man da überhaupt den Partner fürs Leben (wäre natürlich der Idealfall) oder einfach irgendeinen netten Partner finden, mit dem man zu zweit die Höhen und Tiefen des Lebens bestreitet? Respekt, Loyalität und Achtung müssen immer von beiden Seiten kommen. Und Geld spielt da erst gar keine Rolle. Wenn ich bloß die Cover von diesen ganzen Milliardärsgeschichten sehe, wird mir schon wieder ganz flau im Magen.
        Das bringt mich gleich zu einem weiteren angesprochenen Thema deinerseits: Eindimensionalität der Charaktere. Irgendwo habe ich gelesen, dass du Männer wie Frauen gleich ansiehst. Da geht es mir genau so. Ich finde es ohnehin ganz schlimm, wenn von „Männern“ und „Frauen“ gesprochen wird. Am liebsten verwende ich das Nomen „Mensch“. Ich meine, was machen ein paar Hormone schon aus? Wir sind alle gleich. Wir sind hier auf einem Planeten (jetzt schweife ich schon wieder zu viel ab …) – und deshalb sollten auch alle gleich angesehen werden. Von dieser Realität sind wir leider noch milliarden Lichtjahre entfernt … Aber einige wenige von uns gibt es, die es kapiert haben. Zurück zum Thema. Jedenfalls werden Männer bloß aufs Geld und einen Sixpack reduziert (okay … ich fühle mich schuldig: auch bei mir gibt es Sixpacks :D), und Frauen auf ihre dralle Oberweite. Das ist einfach nur noch schade. Ich selbst habe zwar auch nichts gegen einen gut aussehenden Mann in meiner Geschichte, aber das sollte nicht das Hauptthema sein. Ich stelle mir bei meinen Büchern wie im echten Leben immer die Frage: Da ist ein hübscher Mann (in der Realität gibt es eh nicht viele davon). Was hat der mir zu bieten, als sein Aussehen? Manieren? Loyalität bis zum Tod? Anstand? Respekt? Ein Ehrgefühl? Intellekt? Dann sagen wir mal, ich sehe darüber einfach hinweg, dass er dumm wie Brot oder total Ignorant ist und akzeptiere den Typen bloß weil er gut aussieht. Und dann sagen wir mal, ich bin mit dem zusammen, bis ich alt und grau bin. So, was habe ich von meinem Leben gehabt? Und was liegt dann neben mir, wenn ich in der Früh aufwache? Sicherlich nicht mehr der hübsche Kerl von einst, den ich bloß wegen seines Aussehens akzeptiert habe.
        Die Schönheit vergeht irgendwann. Und dann stellt sich die wichtigste Frage: Liebe ich diesen Menschen dann immer noch? Oder hole ich mir dann lieber einen blonden Jüngling, der keine Ahnung hat vom Leben – und ich ihn deshalb so formen kann, wie ich will? (das ist heutzutage ja schon zu einer Olympia-Disziplin geworden)
        In meinen Geschichten soll es um Liebe gehen. Egal, ob der Typ jetzt ein James Bond Verschnitt ist, ein verängstiger junger Mann, der selbst noch nicht so recht weiß, was er mit seinem Leben überhaupt anstellen soll, oder ein gestandener Mann, der mit gewaltigen Selbstzweifeln kämpft und sich deshalb als ein Macho ausgibt … Ich will hinter die Fassade blicken. Aber bitte keine Geheimnisse! Überall lese ich von „Er hat ein folgenschweres Geheimnis, das ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt“. So ein Bullshit! Nein … Ich will aufzeigen, dass jeder eine Vergangenheit hat. Dass Männer genauso enttäuscht und hintergangen werden, wie Frauen. Dass es jeden gleich geht. Wir alle kämpfen um Liebe und Anerkennung. Und jeder hat es verdient, geliebt zu werden (selbst Crowley – Sorry, der Seitenhieb musste jetzt einfach sein).
        Nun, genau das ist es, worum es in meinen Geschichten wohl hauptsächlich geht … Denke ich einmal. 🙂 Manchmal bin ich mir selbst nicht mehr so ganz sicher.

        Und wie du sagst: da braucht es keine Orcs oder ein herunterstürzendes Raumschiff. Die Charaktere haben da mit ihren eigenen Dämonen genug zum Kämpfen.
        Und ab und an findet man solche Bücher. Erst vor einigen Tagen bin ich über solch ein Buch gestolpert – ein Buch mit mehr Intellekt und nicht dem üblichen Plot. Lesen werde ich es trotzdem nicht … sonst muss ich wieder heulen. 😉 Das mag ich nicht mehr …

        Du hast mit Grips-Lit genau diesem wichtigen und leider etwas zu selten gewordenen Genre einen perfekten Namen verpasst! Dieser Gedanke darf dich „erheben“.

        Viele Grüße
        Isabella

  4. Hei Sookie!
    Also meine Latzhose war blau, aber nach der Lektüre dieses fulminanten Autorenporträts bin ich mir sicher, wir könnten nicht nur am Küchentisch miteinander Kaffee trinken, sondern auch gemeinsam eine abendliche Flasche Wein leeren, und hätten dabei riesigen Spaß 🙂
    Danke auch für die Ideen-Vorlage bez. der Selbstvorstellung. Da kriegt man Lust, in die Tasten zu hauen 🙂
    Und dass die „Subversive Romantik“ gleich den Ort ihrer Bestimmung gefunden hat, das freut mich ganz besonders.
    LG, Christine

  5. Hallo Christine!

    Ich freu mich riesig, wenn du dabei bist, die ersten Porträts trudeln tatsächlich schon ein und wir stocken auf von „Suversiver Romantik“ zum virtuellen Küchentisch „Subversiver Autorinnen“! 😀
    Ich denke, wenn diese Bande hier mit einer harmlosen Tasse Kaffee anfangen würde, würde das so laufen: Spätestens nach einer Stunde lägen alle kreischend vor Lachen unterm Tisch, irgendwann findet sich eine Flasche Wein, fünf Minuten vor Feierabend muss schnell noch das Pizzataxi alarmiert werden und in den frühen Morgenstunden landen wir bei spannenden Lebensläufen voller elegant geschlagener Haken. Wenn dann die Vögel zwitschern und die Sonne wieder scheint, würden wir alle heiser auseinander gehen und feststellen, dass wir uns dringend noch mal treffen müssen, um die „eigentlichen“ Themen zu besprechen! 😀

    Liebe Grüße, Sookie

  6. Liebe Sookie,
    mir gefällt deine Einstellung und dein Autorenporträt finde ich echt klasse! Spannend zu lesen und alles andere als peinlich. Ich freue mich, dass es Autoren wie dich gibt!
    Alles Liebe
    Eluin / Laura

    1. Hallo Eluin!

      Freut mich riesig, dass du das Porträt nicht peinlich findest! 😀 Es fühlt sich nämlich immer irgendwie ein bisschen peinlich an, wenn man die Selbstzensur mal ausschaltet und einfach drauflos schreibt!
      Umso schöner, dass es dir gefällt,

      Liebe Grüße,

      Sookie

  7. Hallo Sookie!
    Wirklich guter Text! Ich habe da, als Mann, überhaupt keine Probleme damit, selbst wenn ich vielleicht nicht alle Standpunkte teile. Aber das einmal platt vor den Kopf geballert zu bekommen, hat etwas Erfrischendes. Wie ein nasses Handtuch. Hoffentlich ohne Bügeleisen drin. 😉
    Von „50 Shades“ habe ich nur die englische Leseprobe gelesen und dann entschieden, dass es sich hier um Frauenliteratur handelt. Mit und ohne Ironie. Was den Schreibstil angeht, da gibt es Schlechteres. Damit sind wir bei Handwerk auf der einen und Content auf der anderen Seite.
    Interessanterweise nimmt Gleichberechtigung und was diese implizieren kann in den bisherigen Teilen meiner Dystopie einen ziemlich großen Raum ein. Wenn man Subtext mag. Ein sehr spannendes Thema.
    Ich würde mich auf deiner Seite gern vorstellen, wenn ich da hineinpasse. Wobei mir vor dem Langtext graut, den ich dann schreiben muss. Naja, vielleicht kopiere ich auch was zusammen. 😉

    LG
    Ryek

    P.S.: Wie teilt man deine Beiträge eigentlich auf WordPress?

  8. Ja, wir sind ja so unglaublich aufgeklärt und abgeklärt 🙂 Deshalb ist „böse“ beim Sex jetzt auch gut und der Rest ist langweilig.
    Mal wieder liegen wir auf einer Wellenlänge wie es scheint.Wenn das so weitergeht, abonniere ich womöglich noch den Blog… wohin wird das bloß führen… 🙂

Und was ist deine Meinung?