BS 1, Kapitel 14: Schnupperstunde unter Mitbewohnern

Polyamorie Serie Roman

Sookie says: Einfach so weggelesen und für gut befunden! 😀

Steffi atmete tief durch, dann öffnete sie ihr Mail-Postfach, den letzten Kanal, auf dem Peter sie erreichen konnte, seit sie ihre SIM-Karte in einem ostfriesischen Straßengraben versenkt hatte. Sie kniff die Augen zu und legte die Hand auf ihr klopfendes Herz. Plötzlich überkam sie blanke Angst. Sie hatte das Postfach nicht mehr geöffnet, seit sie panisch die Wohnung verlassen hatte, während Peter stöhnend am Boden saß und sich die Platzwunde am Kopf zupresste, die sie ihm im verzweifeltsten Wutanfall ihres Lebens verpasst hatte. Die Nachrichten, die er ihr aufs Handy geschickt hatte, waren ja auch unberechenbar gewesen.

Steffi zählte bis drei, dann öffnete sie mutig die Augen. Diverse Newsletter, eine Mail von ihrer Cousine, eine Einladung zu einem Klassentreffen, zu dem sie niemals hingehen würde und … kein Betreff. Steffi schluckte, dann öffnete sie die Mail von Peter.

»Stefanie!!! Letzter Versuch, dich zu erreichen. Hol dein Zeug ab bis nächsten Samstag, wir brauchen das Zimmer, ansonsten Sperrmüll. Gruß, Peter!!!«

Steffi starrte auf die kurze Mail, dann füllten sich ihre Augen mit Tränen. Sie wandte sich kurz ab, dann schlug sie sich die Hand vor den Mund und lachte fassungslos auf. Das konnte jetzt nicht wahr sein! Er würde doch nicht tatsächlich alles wegschmeißen, was sie in den letzten zehn Jahren gemalt hatte? Ihre ganzen sündhaft teuren Farben und Papiere, die Pinsel, die so kostbar waren, dass sie das Gefühl gehabt hatte, für jede einzelne Borste eine Stunde putzen gegangen zu sein! Steffi hielt die Luft an. Was sollte sie denn jetzt machen?

Plötzlich sprang sie auf, drehte sich verwirrt auf der Stelle, dann huschte sie aus ihrem Apartment auf den Flur. Bevor sie darüber nachdenken konnte, was sie eigentlich sagen wollte oder ob sie sich komplett vor ihrer neuen Mitbewohnerin lächerlich machte, hatte sie schon an Annas Tür geklopft und war auf das fröhliche »Ist offen!« ins Zimmer gestürzt.

Anna stemmte sich gerade gegen eine große wuchtige Kommode, zu der Steffi das Gegenstück in ihrem Zimmer hatte, strahlte Steffi mit rosigen Wangen an und blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Woher wusstest du, dass ich Hilfe brauche?«

Ohne nachzudenken, fasste Steffi einfach mit an. »Wohin?«

»Nur ein bisschen tiefer in die Ecke, da soll noch ein Bücherregal an die Wand passen!«

Die Frauen verschoben ächzend die massive Kommode, dann rieb Anna sich zufrieden die Hände, aber ihr Lächeln verwandelte sich in ein erschrockenes Gesicht. »Weinst du?«

Steffi fühlte sich ertappt und wischte sich verlegen über die Augen. »Ich weiß nicht!«, dann brach sie hemmungslos in Tränen aus. Anna legte mit einem »Oh, Gott, oh, Gott, oh, Gott!« den Arm um sie und schob sie auf die Bettkante, dann kniete sie sich vor Steffi auf den Boden und flüsterte unsicher: »Kleiner Hase, was ist denn los?«

Steffi schluchzte auf. »Er schmeißt meine Bilder weg!«

Anna griff die Taschentuchbox vom Nachttisch, hielt sie Steffi unter die Nase und machte große Augen. »Wer?«

Steffi japste laut, dann presste sie gequält hervor: »Mein Mann! Ich hab meinen Mann verlassen! Er betrügt mich immer wieder!«

Anna biss sich betreten auf die Unterlippe, dann murmelte sie: »Ich hab mir schon so was gedacht.«

Steffi bekam runde Augen. »Oh, mein Gott, merkt man mir das etwa an?«

Anna setzte sich vor dem Bett im Schneidersitz zurecht und kräuselte die Mundwinkel. »Na ja, deine Aura aus Kummer und Einsamkeit ist nicht zu übersehen. Aber ich dachte, wir sind hier alle gestrandete Flüchtlinge, wer zieht denn sonst alleine in eine WG am Arsch der Welt?«

Steffi riss sich ein Taschentuch aus der Box und schnäuzte sich prustend. »Keno etwa auch?«

Anna lachte leise. »Klar, Keno auch! Wir sind doch alle nichts anderes als eine Selbsthilfegruppe!«

Steffi musste unter Tränen lachen. »Und vor was bist du auf der Flucht? Du wirkst gar nicht wie jemand, der vor seinem Kummer wegläuft!«

Anna kratzte sich am Kopf und zerwühlte dabei hoffnungslos ihre eh schon zerzausten Haare. »Na ja, mein Sven und ich mussten irgendwie mal ein bisschen Abstand haben. Ich muss mal den Kopf frei kriegen.«

Steffi schniefte. »Dein Sven? Ist das dein Freund, mit dem du immer telefonierst?«

Über Annas Gesicht huschte ein stolzes Lächeln. »Willst du ein Foto sehen?«

Steffi nickte wild. Anna zog das Handy aus der Tasche und zeigte Steffi das Foto auf ihrem Sperrbildschirm. Steffi blinzelte die Tränen weg und holte tief Luft, dann legte sie die Hand ans Herz. »Oh! Mein! Gott! Wieso heul ich mir für einen Mann mit Halbglatze und Bierbauch die Augen aus, wenn es solche Männer gibt?«

Anna lachte. »Ich weiß nicht?«

Steffi rieb sich stöhnend die Augen. »Was mach ich denn jetzt? Er hat mir eine Mail geschrieben, dass er alle meine Bilder wegschmeißen wird, wenn ich sie nicht bis zum nächsten Wochenende abhole!«

Anna sah Steffi abwartend an, dann sagte sie: »Okay? Klingt für mich, als wollte er eine Reaktion von dir erpressen.«

Steffi machte runde Augen und setzte sich angespannt auf. »Glaubst du?«

Anna nickte knapp. »Klar! Das klingt nach einer echten Verzweiflungstat. Wie wichtig sind dir die Bilder denn?«

Steffi wurde ganz steif, dann runzelte sie die Stirn und sah starr auf das volle Bücherregal hinter Annas Rücken. »Ganz ehrlich?«

Anna lachte leise. »Nee, voll gelogen!«

Steffi sah Anna an, als würde sie gerade aufwachen. »Wenn ich ganz ehrlich bin … ich finde sie furchtbar!«

Zu Steffis Überraschung lachte Anna laut auf. »Das kenn ich!«

Steffi blinzelte Anna verwirrt an. »Ist dir das auch schon mal passiert, dass du das Gefühl hattest, total festzustecken und dich einfach nicht zu entwickeln? So, als könntest du am Horizont schon sehen, wie du dich entwickeln willst und was du machen willst, aber mit jedem Schritt, den du darauf zu machst, weicht der Horizont weiter zurück, weil er immer gleich weit weg bleibt!«

Anna nickte nur ruhig. »Klar, das geht aber jedem so. Je besser du wirst, umso höher wird auch dein Anspruch an dich selbst.«

Steffi schüttelte den Kopf. »Das mein ich gar nicht, aber manchmal …«, sie duckte sich und sah sich gehetzt um, dann flüsterte sie: »Manchmal glaub ich, ich bin völlig talentfrei! Ich bin gelernte Kauffrau, ich bin verrückt danach zu malen, aber ich kann das gar nicht! Und gestern war ich bei John!«

Anna wiederholte trocken: »Bei John.«

Steffi nickte wild. »In dem Atelierwagen, der Bauwagen, wo die Graffitis außen dran sind! Ich hab meinen ganzen Mut zusammen genommen, weil ich ihn fragen wollte, ob er mir ein bisschen Aquarellpapier leihen kann, das Zeug ist so verdammt teuer, aber ich muss ganz dringend ein paar Bilder malen, damit ich einen kleinen Online-Shop aufmachen kann, ich brauch doch das Geld, aber ich hab nur einen einzigen Farbkasten dabei! Und weißt du, was er gerade gemacht hat, als ich da war?«

Anna schüttelte gebannt den Kopf. Steffi flüsterte: »Er hat gemalt! Er hat gesagt, ich soll mich einfach durch die Schubladen wühlen und mir suchen, was ich brauchen kann und, Anna, ungelogen, der hat in diesem Bauwagen locker Material im Wert von 10.000 Euro, ich hab mich gefühlt, als wäre ich über Nacht in einem Fachgeschäft für Künstlerbedarf eingeschlossen worden! Und während ich da vor Ehrfurcht sterbe und mich schüchtern ein bisschen umgucke, hat er rasend schnell Leinwände bemalt. Fingerübungen nannte er das, Fingerübungen

»Und was hat er gemalt?«

»Wasser!« Steffi nickte grimmig. »Der Mann setzt den Pinsel an und ich sag dir, du gehst völlig überwältigt in die Knie, das ist unfassbar, wie der zaubert, so schnell und sicher, da sitzt jede Bewegung! Er hat einfach nur eine riesige Leinwand mit Wasser bemalt, so, wie wenn du auf einen Swimmingpool guckst in dem so leichte Wellen schwappen und sich das Licht im Wasser bricht, aber so realistisch, dass du echt denkst, du kannst den großen Zeh in das Bild stecken! Und weißt du, wie schwierig das ist, realistisches Wasser zu malen? Ich hab das aufgegeben! Ich mal nur noch Bäumchen auf Wiesen oder Blumen! Und dann mal ich noch einen Weg in die Wiese und mach alles genau so, wie ich das in Kursen gelernt habe, damit da Perspektive rein kommt, aber der Weg steht in der Gegend rum wie ein Brett! Und meine Wiese verschwindet nicht zum Horizont, die sieht aus wie eine grün angestrichene Mauer, total platt! Ich hasse meine Bilder! Aber ich kann einfach nicht aufhören! Und weißt du, was John dann so ganz nebenbei zu mir sagt? Er sagt: Ich hätte schwören können, dass du der Pastelltyp bist!«

Anna zog gebannt die Augenbrauen hoch. »Heißt?«

Steffi flüsterte angespannt: »Ich mal doch Aquarelle und Acrylbilder! Gute Pastellkreiden sind einfach so furchtbar teuer, ich hab mich da nie richtig ran gewagt! Und ich bin immer total frustriert! Und dann drückt John mir gestern einfach für hunderte von Euro riesige Papierbögen und Schachteln mit Kreiden in die Hand und sagt: Probier es aus, Flauschmaus, und sag mir, wie’s gelaufen ist!«

»Und?«

Steffi seufzte tief, dann drehte sie die Augen zur Decke. »Eine Offenbarung! Ich bin noch nicht unbedingt besser, aber das Arbeiten fühlt sich plötzlich ganz anders an! Als wäre ein Knoten in mir geplatzt!«

Anna blinzelte Steffi fasziniert an, dann sagte sie: »Kill your darlings!«

Steffi stutzte. »Hä?«

Anna nickte knapp. »Töte, was du liebst! Als ich meinen ersten Roman geschrieben habe, war ich völlig überzeugt davon, ernsthaft, ich dachte, das ist der ganz große Wurf! Und weißt du, was passiert ist, bevor ich das Ding irgendwo hochladen konnte?«

Steffi hauchte: »Was?«

Anna sah sie grimmig an. »Festplatte fratze! Blauer Bildschirm! Alles weg! Und ich hatte kein Backup gemacht!«

Steffi schlug die Hände vors Gesicht. »Nein!«

Anna nickte wieder. »Doch! Dann hab ich drei Tage geheult und mich bemitleidet und dann hab ich mich wieder an die Arbeit gesetzt und alles völlig neu gemacht. Und weißt du, was ich da gemerkt habe?«

»Was?«

»Es war mit dem Manuskript, wie wenn du dich verliebst, du bist so geflasht, dass deine Ratio sich abschaltet. Alle deine Freunde sagen: Vorsicht, der Typ taugt nichts, der ist unehrlich, verschlagen und aggressiv, lauf, Mädchen, solange du noch kannst! Aber du siehst nur seine schönen Augen und bist für alles andere blind! Und so war es mit meinem ersten Manuskript. Das Ding war total unreif und ich wollte unbedingt die ganze Welt mit meinem spritzigen Intellekt beeindrucken, total verkrampft! Ich hatte das wichtigste überhaupt vergessen: Ich hatte mich nicht einmal gefragt, wer das lesen soll! Ich war total schwammig und wusste selbst nicht, was ich sagen wollte! Ich wollte nur unbedingt endlich mir selber beweisen, dass ich aus meinem Talent was mache, aber es war grottig! Aber Leser von Unterhaltungsromanen wollen nicht beeindruckt werden, die wollen entspannt eine Geschichte genießen, mehr wollen die gar nicht! Und den Leuten das zu geben, was sie wollen, wenn sie schon Zeit und Geld investieren, ist ein ehrenwertes Handwerk, aber das hab ich erst nach dem Festplattencrash kapiert. Und seitdem schreibe ich für Leser vollkommen anders und kann davon leben. Aber jetzt fühl ich, dass es Zeit wird für den nächsten Schritt und platze fast innerlich!«

Steffi setzte sich auf und nagte sich an der Lippe. »Und was willst du mir jetzt damit sagen?«

Anna neigte mitfühlend den Kopf. »Ein altes Trümmerfrauensprichwort sagt: Wer loslässt, hat zwei Hände frei! Und manchmal muss man einfach loslassen, was nicht mehr funktioniert und völlig neu anfangen. So wie du mit den Pastellbildern. Vielleicht hat John Recht, vielleicht war das, was du bisher gemacht hast, einfach nicht das richtige Medium für dich!«

Steffi atmete tief durch. »Gilt das auch für Männer? Kann man die auch einfach loslassen?«

Jemand klopfte gegen die Scheibe der Terrassentür. Anna zuckte zusammen, dann drehte sie sich um.

Vor der Tür stand der Maler und starrte konzentriert auf den Boden. Steffi wischte sich hektisch über die Augen. »Sehe ich sehr verheult aus?«

Anna tätschelte Steffi beruhigend das Knie, murmelte: »Wir sind eine Selbsthilfegruppe, schon vergessen?« und stand auf.

Steffi kicherte nervös: »Was glaubst du, wieso John hier im Sanatorium ist?«

Anna lachte leise, dann öffnete sie die Tür. Der Maler starrte weiter irgendwie wütend auf den Boden, dann hob er die in ein Geschirrtuch gewickelte Hand. »Ich … Scheiße. Hat jemand ein Pflaster?«

Anna sah auf die Blutflecken in dem Tuch, dann trat sie zur Seite und rief: »Schwester Steffi, bereiten Sie die OP vor!«

Steffi sprang vor Schreck quiekend von der Bettkante. »John, was hast du gemacht?«

John hob die Hand gegen das Licht, wickelte das Tuch ein Stück ab und blinzelte fasziniert auf die leuchtend roten Blutflecken im Gegenlicht, dann murmelte er: »Cuttermesser!«

Anna musste lachen. »Oh, Scheiße! Maler, du Idiot!«

John sah sie nur völlig irritiert an, brachte aber kein Wort heraus. Anna zupfte vorsichtig an seinem Hemd und zog ihn ins Zimmer. »Ab aufs Bett, du siehst aus, als würdest du gleich umkippen!«

Steffi hüpfte auf der Stelle, dann flitzte sie los. »Ich hab so einen Blutstill-Stift, ich bin sofort wieder da!«

Anna rief ihr nach: »Pflaster, hast du auch Pflaster?«

»Kommt sofort!«

Steffi flatterte wie eine aufgeregte Fledermaus in den Flur und Anna drückte John in ihren Kissenberg, dann wickelte sie ihm mit einem leisen Zischen das Tuch von der Hand. »Autsch! Was hast du angestellt? Und jetzt sag nicht Cuttermesser, das weiß ich schon.«

John blinzelte zu Anna auf, dann sagte er: »Leinwand.«

Anna nickte und drehte vorsichtig Johns Hand. »Quatsch mich nicht tot, Maler, ich muss mich hier echt konzentrieren! Kannst du die Finger noch alle bewegen?«

John bewegte stumm die Finger und sah Anna dabei an, als würde er ein spannendes Buch lesen. Anna tupfte ihm mit dem Tuch das Blut von der Hand und murmelte: »Dein Blick macht mich nervös.«

John schluckte und ließ den Blick stattdessen durchs Zimmer wandern. Steffi wehte wieder herein und hatte gleich einen ganzen Kulturbeutel mitgebracht. Sie setzte sich vorsichtig aufs Bett und betrachtete den Schnitt in Johns Handballen. »Oh, Gott sei Dank, das ist ja gar nicht so schlimm, wie es zuerst aussah! Bist du mit dem Messer abgerutscht?«

John räusperte sich. »Ist das dein Freund?«

Anna folgte irritiert seinem wütenden Blick. John starrte auf ein Foto, das sie über dem Schreibtisch an die Wand gepinnt hatte. Anna lachte leise. »Schön wär’s! Das ist Gisli Örn Gardasson!«

Steffi zog den Deckel vom Blutstillerstift und kicherte. »Wer

Anna wühlte in dem Kulturbeutel nach Pflastern. »Ein Isländer. Schauspieler, Autor und Regisseur. Wenn ich einen Roman schreibe, häng ich mir immer ein Bild auf von einem schönen Mann, dann muss ich nicht lange einen Avatar anlegen.«

Steffi betupfte Johns Hand. »Hä?«

Anna seufzte. »Wenn du Massenware produzierst, kannst du dir nicht immer merken, welche Augenfarbe dein Held gerade hat oder ob der groß, klein, dick, dünn ist. Wenn du dir dafür ein Bild aufhängst, hast du eben eine bildlichere Vorstellung und kannst den besser beschreiben.«

John murrte leise: »Und du stehst auf solche unrasierten Typen mit dunklen Haaren?«

Anna kratzte sich verwirrt im Nacken und sah auf den unrasierten Typen mit dunklen Haaren, der da auf ihrem Bett lag. Steffi prustete los. »Ihr müsstet euch mal sehen! Ihr guckt euch an wie Autos, die nicht wissen, wer Vorfahrt hat!«

Anna sah auf John herab und zog die Augenbrauen zusammen. »Gab es da nicht mal einen Film? Der irische Patient?«

John blinzelte langsam. »Patience heißt Geduld.«

Anna nickte. »Ich weiß.«

Steffi nahm Anna ein Pflaster aus der Hand und kicherte. »John, du musst jetzt ganz geduldig sein!«

John merkte gar nicht, wie Steffi ihn verpflasterte. Er sah Anna nur an, dann sagte er heiser: »Ja, okay, ich geh dann wieder.«

Anna nickte wieder. »Okay. Wenn du dir mal was Größeres amputieren willst, sag vorher Bescheid, wir sind zur Stelle!«

Steffi grinste und hielt stolz den Kulturbeutel hoch. John rappelte sich langsam auf, schwang die Füße vom Bett und griff sein Geschirrtuch. Ohne ein Wort zu sagen, warf er noch einen Blick auf Gisli Örn Gardasson, dann schüttelte er leise den Kopf, ging nach draußen und zog die Tür hinter sich zu.

Steffi gluckste leise und sah Anna fragend an. »Was war das denn jetzt?«

Anna runzelte die Stirn. »Kann es sein, dass der berühmte Star total schüchtern ist?«

Steffi grinste nur breit, dann fiel ihr ein: »Was mach ich denn jetzt mit meinem Mann?«

Anna sah John gedankenversunken nach, dann murmelte sie: »Ich kann dir nur sagen, was ich machen würde. Ich würde ihm ganz höflich und sachlich schreiben, dass er die Sachen bitte einlagern soll, bis er von dir hört. Dann hast du Zeit zum Nachdenken und stehst nicht so unter Druck. Unter Druck reagiert man nie besonnen, und genau das will er.«

Steffi drückte Anna einen dicken Kuss auf die Wange, dann schnappte sie ihren Kulturbeutel und verschwand.

Und was ist deine Meinung?