BS 1, Kapitel 2: Irgendwo in Dublin …

Beziehungsstatus 1, Polyamorie, Roman

Sookie poltert sofort los: Ohne Witz, ja, dieses Kapitel gehört einfach nur gestrichen! Das liest sich ja wie VHS-Kurs „Kreatives Schreiben“, heute: Wie führe ich eine Figur ein! Das liest sich wie: Wie führen Autoren den Stock ein, den sie im Arsch haben, wenn sie so hölzerne Dialoge kloppen! 😀 Äh,  öhm, das war jetzt voll ordinär, aber, neeee. ich tröste mich damit, dass es der erste Band war und ich alles richtg machen wollte. In meinem Zeugnis steht dann hinterher: Sookie hat sich stets um eine ordentliche Rechtschreibung bemüht. Öh … na ja. Ich blogge es der Vollständigkeit halber trotzdem, falls jemand dran hängt. Sonst: Schnipp! Ich muss dann nur aufpassen, ob ich nicht irgendwelche Details mitnehmen und einfließen lassen muss, wenn John dann eben ein bisschen später auftaucht …

So, jetzt kommt aber das Kapitel!

»Mama, jetzt hör doch mal auf!« John zog genervt den Kopf weg, um der zärtlich zupfenden Hand seiner Mutter zu entgehen.

Siobhan lachte. »Sean, wann gehst du endlich zum Friseur?«

John kümmerte sich um seinen Laptop und brummte unwillig: »Ich bin erwachsen, Mama. Ich bin Künstler geworden, damit ich nicht ständig zum Friseur muss und jetzt schenk mir lieber Tee ein!«

Siobhan lachte wieder auf. »Wir sind in Dublin, nicht in Ostfriesland, du musst nicht warten, bis die Hausherrin einschenkt. Mein erwachsener Sohn kann ruhig selbst seinen Hintern bewegen!«

John grunzte genervt und stand auf. Siobhan zog den Laptop zu sich heran. »Wieso siehst du dich in Ostfriesland um? Du kannst doch einfach wieder nach Dublin kommen, wenn du von New York die Nase voll hast!«

John kam mit Teebechern zurück zum Tisch und legte dann lauschend den Kopf schief. Er zog angestrengt die Augenbrauen zusammen und versuchte, aus den Wortfetzen der streitenden Nachbarn auf der anderen Seite der Wand einen Sinn zusammen zu setzen. »Hat Liam wieder die gesamte Stütze versoffen?«

Siobhan kicherte. Der Streit der Nachbarn machte ihr immer diebischen Spaß. »Caitlin hat doch jetzt den Job in der City und möchte sich verbessern und in eine moderne Wohnung ziehen, aber Liam möchte auf der Northside bleiben, weil alle seine Freunde hier sind. Wenn du mich fragst, möchte er nicht von seinem Pub weg!«

John setzte sich seufzend zu seiner Mutter auf die Küchenbank und legte den Arm um sie. »Und wann kaufst du dir endlich das Cottage, für das ich dir schon dreimal Geld überwiesen habe?«

Siobhan legte vertraut den Kopf an seine Schulter. »Ach, Sean, wann bist du eigentlich so groß geworden?«

John blickte geistesabwesend vor sich hin, dann murmelte er: »Ich weiß nicht, Mama.«

Siobhan seufzte. »Ich weiß noch, wie ich dich als Baby im Arm gehalten habe. Du warst so wundervoll, mein ganzer Stolz.«

John drehte schuldbewusst den Kopf zur Seite. »Ach, Mama, ich war der ungeplante Bastard, der all deine Pläne zunichte gemacht hat!«

Siobhan lächelte sanft. »Hat mein armer Sohn wieder seinen schwermütigen Anfall?«

»Ja, kann sein. Aber hast du dich nie gefragt, wie dein Leben verlaufen wäre, wenn du mich nicht bekommen hättest?«

»Wieso hätte ich das tun sollen?« Siobhan lachte auf. »Jetzt ist es für eine Abtreibung eh zu spät, du bist 33!«

John seufzte abgrundtief. »Mama, seit ich denken kann, träumst du davon, in einem Cottage zu leben und endlich dein eigenes Buch zu schreiben, anstatt immer nur die Bücher anderer zu übersetzen. Dein ganzes Leben hast du für Hungerlöhne der Literatur anderer gewidmet, und jetzt, wo du endlich selber schreiben könntest, tust du es nicht!«

»Naja, vielleicht habe ich Angst, dass niemand meine Geschichte lesen will. Worüber sollte ich schon schreiben?«

John überlegte. »Du könntest darüber schreiben, wie du als junge Frau alleine mit deinem Sohn nach Ostfriesland gegangen bist, um den Vater deines Kindes zu finden.«

Leise fragte Siobhan: »Siehst du ihn noch manchmal im Traum?«

John brummte genervt. »Jetzt hör auf mit diesem mystischen Mist. Ich hab den Mann nie kennengelernt!«

Siobhan lachte sanft. »Das ist kein Mist, Sean. Als Kind hast du ihn oft gesehen, im Traum. Du hast das Gesicht!«

John fasste sich an die Nase. »Ja, und zwar hier vorne! Augen, Nase, Mund.«

Siobhan gab ihm einen Klaps auf die Schulter. »Jetzt hör auf, dich lustig zu machen! Du hast deinen Vater im Blut, ob du willst oder nicht. Oder wieso willst du wieder nach Ostfriesland?«

Genervt stöhnte John: »Mama, ich bin da aufgewachsen! Vielleicht hab ich einfach Heimweh! New York ist mir viel zu hektisch, hier in Dublin kenne ich viel zu viele Leute, um auch nur einen Tag ungestört zu arbeiten. In Ostfriesland kann ich mich irgendwo ins Hinterland verziehen, wo ich keine Menschenseele treffe, kann das grandiose, einzigartige Licht nutzen und muss den ganzen Tag mit niemandem ein Wort reden. Es ist einfach perfekt.«

Siobahn stand seufzend auf, um Tee nachzuschenken. »Du warst immer schon ein schrulliger Einzelgänger, aber wenn du alleine irgendwo ins ostfriesische Hinterland gehst, fange ich an, mir Sorgen zu machen. Du solltest endlich heiraten!«

John stöhnte. »Mama, ich bin verheiratet!«

Siobhan machte eine wegwerfende Handbewegung. »Ach, dieser Kühlschrank zählt doch nicht! Wie lang hast du deine Frau jetzt nicht gesehen? Du solltest dich endlich scheiden lassen und ein nettes irisches Mädchen heiraten! Oder wenigstens ein Mädchen, das singen und tanzen kann und was von Literatur versteht! Was du brauchst, ist ein lebendiges Mädchen, dass dich ins Leben zieht!«

John fühlte seinen Puls. »Mama, ich bin am Leben! Außerdem bin ich zu alt, um ein Mädchen zu heiraten.«

So beiläufig wie möglich erwähnte Siobhan: »Seamus hat gefragt, ob du auf seiner Hochzeit tanzen würdest.«

John rollte mit den Augen. »Du weißt, wie ich diesen irischen Folklore-Scheiß hasse! Es reicht doch, dass ich auf dem New Yorker Kunstmarkt die Nische des romantischen Klischee-Iren besetze!«

Siobhan lächelte ihren schlecht gelaunten Sohn liebevoll an. »Niemand hat so flinke Füße wie du, Sean!«

John knurrte. »Ja, und dann muss ich wieder meine versammelten Cousinen heben! Inklusive Brianna! Die hat doch die zweihundert Pfund inzwischen locker überschritten! Und das ganze Guinness! Mir wird jetzt schon schlecht, wenn ich daran denke. Ein Glas auf die Braut, eins auf den Bräutigam, eins auf die Mutter der Braut, eins auf die Mutter des Bräutigams, eins auf den Ex der Braut, und noch eins auf jedes der zwanzig Kinder, die sie bekommen werden! Mama, wenn du mich vergiften willst, schütte mir lieber gleich Zyankali in den Tee!«

Siobhan grinste unbeirrt. »Aislinn hat ihre Verlobung mit Niall gelöst und Maeve wird sicher auch da sein! Ich habe sie neulich in der Bücherei getroffen und sie hat sich nach dir erkundigt.«

John rollte mit den Augen. »Und du hast natürlich wieder eifrig an dem Mythos gestrickt von deinem schönen, einsamen Sohn, der vor sich selbst gerettet werden muss. Bonnie Prince Sean! Demnächst versuche ich noch, in England zu landen und den schottischen Thron zu erobern.«

Siobhan lachte auf. »Lass mir doch die Freude!«

John knurrte: »Du bist bei der Treibjagd ja auch nicht die Beute! Und jetzt hör endlich auf, an meinen Haaren rumzuzupfen!«

»Ich mache mir ja nur manchmal Sorgen, ob du einsam sein könntest.«

John zuckte wieder unwillig mit dem Kopf. »Ich komm schon auf meine Kosten!«

Siobhan sah ihn ernst an. »Aber du passt doch auf dich auf, oder?«

John merkte, dass er noch genau so rot wurde wie als Teenager. »Mama, ich bin erwachsen! Ich weiß, wie man Kondome benutzt! Können wir das Thema damit beenden?«

Siobhan lachte ihren störrischen Sohn an. »Sean, da ist doch nichts dabei! Aber du bist doch gut zu den Mädchen, die du triffst, oder?«

John murmelte verlegen: »Gut genug, wenn du das meinst!«

Siobhan kicherte und sah ihn hingerissen an. »Du bist genau so ein Herzensbrecher wie dein Vater!«

John zog den Laptop heran, um vom Thema abzulenken. »Hier, hast du das gesehen? Da inseriert einer, weil er Mitbewohner für eine Künstler-WG in Ostfriesland sucht. Nach Worpswede und Hiddensee könnte Bensersiel das nächste Mekka der Kunstszene werden, wäre das was für deinen eigenbrötlerischen Sohn im Hinterland? Ich hab meine Bauwagen noch bei Rafaels Eltern in der Scheune stehen, die könnte ich da rüber schleppen und mich bei dem Typen auf den Hof stellen.«

Siobhan schüttelte so tadelnd den Kopf, dass ihre dunklen Locken wippten. »Sean, du willst doch nicht wieder in diesen Zigeunerwagen ziehen! Du bist längst Millionär!«

John nickte trotzig. »Ja, eben, weil ich nicht viel zum Leben brauche! Außerdem ist mein Zigeunerwagen ein Luxushotel auf Rädern mit Badezimmer, Waschmaschine, Solaranlage und Ofen. Du solltest es selber mal ausprobieren, wirklich! Du könntest mit Trecker und Wagen durch Ostfriesland ziehen und darüber schreiben! Vielleicht würdest du dabei ja sogar zufällig über meinen Vater stolpern. Die meisten Dinge finden sich an, wenn man sie schon lange nicht mehr sucht.«

Siobhan wuschelte John durch die ungeschnittenen dunklen Haare, die leider so gar nichts von seinem blonden ostfriesischen Vater hatten. »Ach, Sean, jetzt will ich ihn gar nicht mehr finden. Ich lebe viel lieber mit der Erinnerung. Ich wünschte nur, du würdest auch endlich jemanden finden, in den du dich so unsterblich verlieben kannst, wie ich mich damals in Johann.«

John verzog gelangweilt das Gesicht. »Mama? Wenn ich eine Elfe treffe, von der ich die Augen nicht mehr abwenden kann, die richtig Pfeffer im Arsch hat, cleverer ist als ich, Tango tanzt statt Folkloregehoppel, und die sich nicht deshalb in mich verknallt, weil sie sich einen Künstler romantisch vorstellt, sondern weil der ganz normale Mann hinter dem malenden Klischee-Iren sie fasziniert, dann, aber auch nur dann, kann es passieren, dass ich mich verliebe. Aber bis dahin bleibe ich bei der Meinung, dass diese Liebe fürs Leben ein Mythos ist.«

Siobhan schüttelte grinsend den Kopf. »Also, in Ostfriesland hinterm Deich wirst du so ein Fabelwesen ganz bestimmt nicht finden!«

John lachte übermütig. »Doch, bestimmt! Da wimmelt es von Hochglanz-Schwiegertöchtern, die in Gummistiefeln bezaubernd aussehen, warte ab! So landlustmäßig, mit der kannst du dann Rosensetzlinge tauschen für den Garten des Cottages, dass du nie kaufen wirst! Alles wird so romantisch, harmonisch und gut ausgeleuchtet sein, dass wir den ganzen Tag kotzen müssen!«

Siobhan gab John einen Klaps auf den Arm. »Du garstiger Wechselbalg! Manchmal frage ich mich wirklich, was die Elfen mit meinem richtigen Sohn gemacht haben, den sie aus der Wiege gestohlen haben!«

John grinste zufrieden. »Ach, komm, Mama! Du liebst doch deinen hässlichen kleinen Changeling!«

Siobhan lachte zärtlich und legte wieder den Kopf an Johns Schulter. »Ja, du bist die Enttäuschung meines Lebens!«

John gab seiner Mutter einen sanften Kuss auf den Scheitel. »Und ich kann mich immer darauf rausreden, dass du mich total verkorkst hast. Ich würde sagen, wir sind quitt.«

Siobhan seufzte tief, dann hob sie den Kopf. »Aber eines Tages werde ich in ein Cottage ziehen und mein Buch schreiben!«

John lachte leise. »Ja, klar, und ich werde mich unsterblich verlieben. Aber bis dahin kann ich wenigstens in Ruhe arbeiten. Ich schreibe diesem Eugen mit seiner WG einfach mal eine Mail, mal sehen, was dabei raus kommt.«

Siobhan seufzte abgrundtief. »Adieu, Schwiegertochter! Adieu, Enkelkinder! Bis ich auf der Hochzeit meines Sohnes tanzen kann, komme ich mit dem Rollator in den Festsaal!«

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