BS 1, Kapitel 23: Ein konspiratives Treffen

Sookie says: Extrem bombastischer Film, müsst ihr euch mal angucken!

Anna stellte den Porno leiser, fummelte mit der Nagelfeile in der Tastatur ihres Laptops herum und versuchte, den runden Reiswaffelkrümel, der ihr unter das A gerutscht war, irgendwie wieder hervorzuschubsen. Ihre Leserinnen machten sich ja keinen Begriff, was für Probleme Autoren manchmal hatten! Aber so lange das A klemmte, konnte die heiße Liebesszene auch nicht weitergehen.

Dabei war ihr eigentlich eher danach, die Hälfte ihrer Romanfiguren schrecklich rührselige Tode sterben zu lassen und in die Tastatur zu heulen, während sie große letzte Worte und dramatische Abschiedsszenen schrieb. Anna kannte dieses emotionale Tief nur zu gut, diese dunkle Stimmung, in der sie nur an zutiefst deprimierende Dinge denken konnte. Aber ihr Coming-out als polyamore Frau war mal wieder gründlich schief gegangen. Seit sie John gesagt hatte, dass sie zwei Männer lieben kann, machte er einen Bogen um sie wie eine verklemmte Hete um einen verliebten Schwulen.

Als es klopfte, warf sie nervös einen kurzen Blick auf die Bauwagen gegenüber ihrer Fenster. Sie hatte keinen Maler aufs Haus zukommen sehen. Wie auch, er verbarrikadierte sich ja seit Tagen dort und abends kam er auch kaum ins Haus. Nur zum Tee sahen sie sich und dann ignorierten sich sie gerade so, dass die anderen nichts merkten.

Als es wieder klopfte, rief sie geistesabwesend: »Ist offen!«, aber niemand kam herein. Anna stand seufzend auf und öffnete die Tür. Wahrscheinlich wollte Eugen irgendwas und war wieder zu schüchtern, um einfach reinzukommen. Aber vor der Tür stand Lothar, das WG-Küken. Lothar lächelte bittend und hielt eine eingeschweißte Biskuit-Rolle hoch. Anna ging in die Knie und betrachtete die Rolle genauer. »Oh, Fuck! Schokolade? Das sind die Geilsten!«

Lothar schlug stramm die Hacken zusammen und zog sich die Hipstermütze vom Kopf, die er Tag und Nacht trug. »Werte Frau Schnulze! Darf ich Frau Schnulze sagen?«

Anna musste lachen. »Du hast aber hoffentlich keins meiner Bücher gelesen!«

Lothar senkte betreten den Kopf und nickte traurig. »Doch, leider doch. Deswegen bin ich hier!«

Anna atmete tief durch. »Äh, hör zu, Bärchen, ich weiß, dass Nackenbeißerromane keine Literatur sind, aber ich muss von irgendwas leben!«

Lothar nickte ernst, dann hielt er die Biskuit-Rolle hoch. »Machst du uns einen Tee unter vier Augen? Ich würde mich gern outen.«

Ein Coming-out! Was immer es war, sie würde verständnisvoller reagieren als dieser selbstgefällige Maler! Anna trat einladend zur Seite und musste lachen. »Outen als was?«

Lothar ging an ihr vorbei, blieb mit einem suchenden Blick mitten im Raum stehen und beugte sich dann blinzelnd über den Laptop. »Wie heißt der Streifen, den du dir gerade anguckst? Teilnehmen an ein erotischem Fick?«

Anna sprang dazu und scrollte ein Stück runter. »Hier, du musst dir die vorgeschlagenen Videos ansehen! Geile Titel! ›Flotten Dreier mit dem sexy Landwirte‹, ›Heiße Verwöhnung für sie von zwei schwule‹ und ›Zärtlichem Lesbensex mit Spielzeuge‹, offenbar denkt der Algorithmus, dass falschen Deutsch mich scharf macht!«

Lothar lachte sein ausgelassenes Lausebengellachen. »Was zur Hölle hast du gegoogelt?«

Anna rollte mit den Augen. »Sinnliche Pornos für Frauen! Mir fehlt jede Inspiration, also klaue ich die Choreographie aus einem Porno und leg dann quasi als Untertitel die Gefühle der Protagonisten drunter! Es ist so ermüdend, das Rad immer wieder neu zu erfinden!«

Lothar nickte verstehend. »Ja, das kenne ich! Kann ich das Gestöhne eben anhalten?«

Anna nickte. »Ich bitte darum! Und ich brenne darauf, dein Outing zu hören! Bist du vielleicht Biskuitrollen-Fetischist oder wieso hast du dieses Phallussymbol dabei?«

Lothar seufzte nur tief. Anna ging vor in die Küche. »Treten Sie rein, junger Mann!«

Lothar betrat schüchtern die kleine Küche und setzte sich auf einen der zwei Stühle an dem kleinen Frühstückstisch. »Eine eigene Küche, Respekt! Meine Küche besteht aus einer Kaffeemaschine auf der Fensterbank.«

Anna grinste. »Zum Arbeiten reicht das doch! Tee oder Kaffee?«

Lothar grinste, dann flüsterte er verschwörerisch: »Kaffee wäre wunderbar. Ich fühl mich hier in Ostfriesland manchmal wie ein anonymer Kaffeeholiker!«

Anna fummelte einen Kaffeefilter aus der Packung und musste lachen. »Keno trinkt auch Kaffee und der ist reinblütig!«

Lothar seufzte wieder tief. »Ja, aber Eugen ist immer so stolz auf die Teezeremonie, ich trau mich einfach nicht, abzulehnen!«

Anna zählte Kaffeelöffel ab und sah Lothar prüfend an. War der manchmal so taktlos polternde Dauer-Teenager vielleicht ganz anders, als er schien? Lothar lächelte sie jetzt nachdenklich an. Anna schaltete die Kaffeemaschine ein, stellte Kuchenteller auf den Tisch und setzte sich dann. »Okay, was führt dich jetzt zu mir?«

Lothar zwickte sich selbst nervös in die Nase und fuhr sich dann mit einem verlegenen Lachen durch die kurzen blonden Haare, die sich mit Sicherheit anfühlten wie dichter Kükenflaum. »Jetzt, wo ich hier sitze, kommt mir der Gedanke doch ziemlich blöd vor.«

Anna nickte verstehend. »Das kenne ich. Passiert dir das auch, dass du morgens mit einer unfassbar brillanten Idee aufwachst, die du für absolut bahnbrechend hältst und zwei Stunden später fragst du dich, wie du auf den Schwachsinn gekommen bist?«

Lothar nickte eifrig. »Ja! Beim Schreiben geht mir das ganz genau so! Solange ich nicht nachdenke, fließt das nur so aus mir raus und wenn ich einen Tag später lese, was da steht, frage ich mich, wer den banalen Müll eigentlich lesen sollte!«

Anna streckte nachdenklich den Finger in die Luft. »Ich hab da neulich einen Film zu gesehen, der mich mal wieder mit genau diesem Dilemma konfrontiert hat! Kennst du die Verfilmung von Allen Ginsbergs ›Geheul‹ von 2010?«

Lothar nickte gebannt. »Grandioser Film! Und das ist genau das, was ich meine! Ginsberg sagt darin, dass es die Beat Generation nie gegeben hat, dass es nur eine Hand voll Leute gab, die einfach so geschrieben haben. Und als er ›Howl‹ geschrieben hat, war er vollkommen frei von seiner eigenen Zensur, weil er fest davon ausgegangen ist, dass das Gedicht nie veröffentlicht wird! Aber während er das geschrieben hat, war er vollkommen eins mit sich selbst, Kopf, Körper, Geist, Bauch, was auch immer, und um diese Zensur geht es mir! Um die Selbstzensur, die man sich auferlegt und damit seine kreativen Prozesse hemmt!«

Anna lehnte sich erschlagen zurück und sah Lothar verwundert an. »Puh! Bist du’s wirklich?«

Lothar sah sich um, dann beugte er sich über den Tisch. »Darf ich dir was anvertrauen?«

Anna nickte gebannt. Lothar flüsterte jetzt fast. »Ich war jahrelang der Streber, der gemobbt und verkloppt wurde! Meine Eltern haben eine Tanzschule und legen tierisch viel Wert auf Höflichkeit und Umgangsformen und meine Mama hat mich immer angezogen, wie Muttis kleiner Liebling eben aussieht! Und ich hab immer nur gelesen und gelesen, weil Bücher dir nichts tun und die besten Freunde sind und ich bin zerbrochen an dem ganzen Kleinstadtmief! Irgendwann hab ich die Schule gewechselt und angefangen, mitzumachen. Der totale Imagewechsel! Ich hab die gleichen Klamotten getragen wie alle, blöde Witze gemacht und angefangen, banalen Müll wie meine Pommes zu posten und plötzlich hatte ich Freunde, ich war beliebt, Mädchen wollten Dates mit mir, weil ich ja immer so lustig bin!«

Anna nickte ernst. »Bist du aber gar nicht?«

Lothar lehnte sich zurück und strubbelte sich wieder verwirrt durch die Haare. »Doch, irgendwie schon. Aber nicht auf die doofe Art, verstehst du?«

Anna blinzelte Lothar völlig fasziniert an, dann sprang sie zum Schrank, um Kaffeetassen zu holen. »Und wieso kommst du jetzt zu mir?«

»Weil ich bei dir dieselbe Ambivalenz wahrnehme! Ich hab deine Bücher überflogen und ich hab dich auf dem Sofa erlebt und das sind zwei völlig verschiedene Persönlichkeiten!«

Anna lehnte sich an die Arbeitsplatte und wartete darauf, dass die Kaffeemaschine aufhörte, spuckende und blubbernde Geräusche von sich zu geben. »Ich bin ja auch nicht meine Arbeit. Das, was ich schreibe, ist ja für den komplett kommerzialisierten Markt, das ist einfach nur ein Job.«

Lothar setzte sich gespannt auf. »Genau da liegt die Krux! Guck dir meine Bücher doch mal an! Das ist kommerzieller Scheiß, den ich nach ganz genau analysierten Marketingstrategien auf den Markt gebracht habe! Aber das sind nicht wir, Anna, das sind nicht wir!«

Anna atmete tief durch, dann schenkte sie Kaffee ein, holte ein Messer aus der Schublade und setzte sich wieder, um den Kuchen anzuschneiden. »Okay, aber jetzt noch mal zurück zu dem Gedanken, der dir jetzt plötzlich blöd vorkommt. Welcher war das?«

Lothar rubbelte sich aufgeregt über das Gesicht und ließ dann die Hände sinken. »Ich weiß es nicht genau! Aber guck mal: Wir sind doch hier eigentlich ein ganz interessanter Haufen, wir sind absolut nicht homogen! Und jeder ist auf seine Art total kreativ und wach, aber wir kommen mir vor wie ein Mikrokosmos, der die Misere der freien Kultur widerspiegelt! Wir haben alle resigniert und machen nur das, was am Markt geht. Jeder hat sich als irgendwas positioniert, womit er am Markt eine Nische besetzen kann, um Reichweite zu erzielen. Jeder hat seine fest definierte Zielgruppe, aber keiner ist glücklich damit! Guck dir Keno an, denkst du, der ist glücklich damit, bei Silberhochzeiten den Elvis zu machen? Oder John, der Typ ist ständig mies gelaunt und hasst sein eigenes Image, dabei hat der ganz tief vergraben einen unfassbar intelligenten Humor, aber den lässt der nie raus! Oder unsere Steffi, die ist vollkommen verunsichert! Die malt jetzt seit Jahren total erfolglos und macht selbst Witze darüber, dass sie ja nur eine VHS-Mutti ist, die im Malkurs mal was für sich selbst tut, da steckt so viel Bitterkeit und Frustration drin, das tut mir richtig weh! Und du bist doch auch nicht glücklich damit, eine Schmonzette nach der anderen zu produzieren! Dein ganzes Potential liegt doch total brach, du hast so einen geilen Sinn für Situationskomik und so einen absurden Witz, da musst du was draus machen!«

Anna seufzte tief und säbelte weitere Kuchenstücke ab. »Ohne Witz, ich hab nicht mitgekriegt, dass du uns alle so genau gescannt hast!«

Lothar grinste. »Jahrelange Übung, schon vergessen? Ich bin der lustige dumme Bengel für den Mainstream! Was in meinem Kopf vorgeht, merkt man mir nicht an!«

Anna zog nachdenklich die Stirn kraus. »Aber was fangen wir jetzt damit an?«

Lothar bekam ein magisches Funkeln in den Augen. »Digitales Zeitalter! Wir gründen einen Videokanal! Ostfriesische Künstler-WG macht Kultur-Comedy!«

Anna legte den Kopf in den Nacken und fuhr sich mit einem leisen Knurren über die Augen. »Die Idee an sich ist gut, aber ich bin tierisch kamerascheu!«

Lothar grinste. »Mach dich frei von dem Gedanken, dass da was bei rauskommen muss, wir leben ja alle mehr schlecht als recht von unserer Kunst! Denk an Ginsberg und Kerouac! Die haben auch nicht geschrieben, um einen Markt zu bedienen, sondern, weil es ihnen wichtig war! Überleg mal, was für kreative Energien frei werden, wenn wir uns einfach zusammen tun, um das zu tun, was uns Spaß macht, und das sind unsere absurden Dialoge! Damit könnten wir einen Nerv treffen, aber wenn nicht, haben wir wenigstens Spaß!«

Anna stand unruhig auf, dann holte sie einen Kochlöffel aus der Schublade. »Hast du was dagegen, wenn ich Steffi rüber hole? Das könnte sie interessieren.«

Lothar schüttelte den Kopf und grinste dann, anscheinend hatte er wenigstens schon einmal Annas Interesse geweckt. Anna schlug mit dem Kochlöffel dreimal gegen das Heizungsrohr, dann setzte sie sich wieder. »Kultur-Comedy, und du glaubst, das interessiert jemanden?«

Lothar bekam vor Aufregung rote Wangen. »Darum geht es ja gerade! Geh ins Internet und guck dir an, mit was unsere Generation sich beschäftigt! Kommerz und Konsum, das ist alles, was die in der Rübe haben! Und alles wird immer schneller kommerzialisiert! Guck dir doch die ganzen Hipster an! Die denken, sie sind nicht der Mainstream und sind so Mainstream, dass es weh tut! Alle klatschen den gleichen Vintagefilter auf ihre Selfies und holen sich einen drauf runter, dass sie nicht so sind wie die anderen!«

Steffi tauchte atemlos in Annas Küche auf. »Wer holt sich einen runter?«

Anna setzte sich auf. »Bring dir den Schreibtischstuhl aus meinem Zimmer mit, das wird jetzt hier richtig interessant!«

Steffi machte große Augen, dann verschwand sie und kam kurz darauf mit dem Stuhl zurück in die kleine Küche. »Was zur Hölle hast du da für ein Standbild auf dem Monitor?«

Anna winkte ab. »Recherche!«

Sie schob Steffi ihren Teller vor die Nase, murmelte geistesabwesend: »Nimm dir Kaffee!«, und wandte sich dann wieder an Lothar. »Wo siehst du Eugen in dem Ganzen? Ich will kein Projekt ohne ihn anstoßen, das ist hier immerhin sein Haus!«

Lothar grinste stolz. »Darüber hab ich schon nachgedacht! Wir tun einfach das, was wir immer tun und filmen dabei manchmal mit! Ein Projekt, bei dem jeder einfach er selbst ist!«

Steffi setzte sich mit einer Tasse dazu. »Projekt?«

Anna nickte. »Lothar will einen Video-Kanal gründen! Kunst-Comedy live aus Ostfriesland!«

Steffis Gesicht leuchtete auf. »Einen Youtube-Kanal? Das klingt witzig, aber was willst du denn da machen? Stellen die nicht alle Computerspiele vor oder geben Schminktipps?«

Lothar griff sich ein Kuchenstück. »Genau das ist unsere Chance! Denkt doch mal an die ganzen versprengten Seelen, denen das als Nahrung für den Geist nicht reicht! Die können wir heute alle erreichen, man muss doch keinen Verlag oder kein Plattenlabel mehr davon überzeugen, dass man neben dem Mainstream bestehen kann, wir können doch direkt zu den Leuten, die genau so genervt sind von dieser dummen, oberflächlichen Kommerzwelt wie wir!«

Steffi kicherte. »Lothar, bist du das? Ich wusste gar nicht, dass in dir so ein Rebell schlummert!«

Anna knurrte: »Ich glaub langsam, in dem Bärchen schlummern noch ganz andere Dinge!«

Lothar grinste nur stolz, dann schniefte er gerührt und wischte sich eine unsichtbare Träne aus dem Auge. »Ich glaube, das ist die Geburt einer neuen Generation!«

John schlenderte draußen mit hochgestelltem Kragen und in den Hosentaschen vergrabenen Händen über den Gartenweg und warf einen mies gelaunten Blick auf die kleine Küchentischkonferenz. Steffi sprang auf und winkte, dann lief sie rüber in Annas Zimmer, um die Terrassentür zu öffnen. Lothar beugte sich über den Tisch und flüsterte Anna zu: »Sag mal, was geht da eigentlich zwischen dir und dem Maler? Habt ihr euch irgendwie verkracht oder so?«

Anna wurde rot. »Merkt man das?«

Steffi kam mit John im Schlepptau in die Küche, aber es war unübersehbar, dass sie den störrischen Maler am Hemd ziehen musste. John sah sich mit einem bockigen Gesichtsausdruck um und blieb stumm abwartend stehen. Steffi kicherte. »Ich glaub, der Porno auf deinem Bildschirm hat ihn verstört!«

Anna stöhnte leise. »Wo bleibt der verdammte Bildschirmschoner, wenn man ihn braucht?«

Steffi sah John ernst an und erklärte: »Anna recherchiert da was!«

Lothar schnippte aufgeregt mit den Fingern. »Hat eigentlich jemals jemand ernstzunehmende Filmkritiken über Pornos gemacht? Oder so Sportkommentare wie beim Fußball, das wär doch mal was!«

Anna musste lachen und versuchte, Johns bohrenden Blick zu ignorieren. »Sinnlichen Vierer mit den dreifachem Axel!«

Lothar nickte heftig. »Und Lutz! Erotischem Lesbensex mit sinnlichen Lutz!«

Steffi prustete. »Wo seid ihr denn gerade? Wir gründen aber keinen Pornokanal, dass das klar ist!«

Anna säbelte noch ein Stück von der Biskuitrolle ab. »Zu spät, wir haben das Phallussymbol für das Logo gerade aufgegessen!«

Sie stand auf und setzte sich mit einem Hüpfer auf die Arbeitsplatte, um John ihren Stuhl zu überlassen. »Willst du Kaffee?«

John setzte sich mit einem misstrauischen Blick und knurrte: »Kaffee ist okay.«

Anna griff mit einem akrobatischen Manöver hinter sich, holte eine weitere Tasse aus dem Schrank und goss Kaffee hinein, dann rief sie: »Bildet eine Kette!«

Steffi nahm ihr vorsichtig die Tasse ab, reichte sie an Lothar und der reichte sie an John. Steffi musste lachen. »Ich fühl mich richtig urban und sexy, ich hocke mit meinen Künstlerfreunden in der Küche!«

Lothar grinste stolz. »Warte erst, bis du eine subversive Videokünstlerin bist!«

John verschränkte die Arme. »Okay, was ist hier los?«

Steffi setzte sich stolz auf. »Lothar hat die Idee, dass wir einen Video-Kanal für Kultur-Comedy eröffnen könnten, als WG-Projekt! Alle zusammen!«

John sah vom einen zum anderen. »Wie alt seid ihr, zwölf? Der Markt ist doch längst total übersättigt!«

Lothar grinste. »Maler, jetzt chill mal deine Basis! Es geht doch gar nicht um den Markt! Es geht um den Spaß!«

John atmete tief durch, dann stand er wieder auf. »Also, mich könnt ihr vergessen, ich mach vor keiner Kamera den Affen. Ich geh wahrscheinlich sowieso erst mal wieder nach New York.«

Steffi wurde blass. »Aber du bist doch gerade erst angekommen! Und du gehörst doch zu uns, du bist doch in der WG Gründungsmitglied!«

John zuckte die Schultern, murmelte: »Mich wird hier schon keiner vermissen«, und schlenderte wieder aus der Küche.

Steffi sah ihm nach, dann sah sie sich erschrocken zu Anna um. »Was ist denn mit John los?«

Anna wich nur ihrem Blick aus und sah dabei aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. Steffi wandte sich mit fragendem Blick an Lothar. Lothar machte ein betretenes Gesicht, dann flüsterte er: »Ich glaub, der Maler ist zwölf und hat sich in unsere Frau Schnulze verknallt!«

Steffi zog verwirrt die Stirn kraus. »In wen?«

Lothar zeigte nur mit den Augen auf Anna, dann nickte er bedeutungsvoll und wiederholte noch einmal: »Zwölf!«

Und was ist deine Meinung?