BS 1, Kapitel 24: Werden Söhne jemals erwachsen?

polyamorie roman

Sookie says: Nein, das Bild ist nicht von John, sondern von Pixabay, aber ich frag mich, wie der passende Bettvorleger wohl aussieht! 😀

Siobhan stellte das Tablett mit dem kleinen Kännchen »Gute-Nacht-Tee« vorsichtig auf die freie Betthälfte und kroch dann mit einem wohligen Seufzen unter die Decke. Dann griff sie nach der Handcreme, die sie eigentlich nur benutzte, weil sie so lecker roch und lächelte leise. Das Familientreffen war mal wieder die reinste Achterbahnfahrt gewesen. Einmal in der Woche traf sie sich mit ihren vier Schwestern zum Tee und hörte sich die neusten Dramen an. Die eine hatte mal wieder ihren ständig betrunkenen Mann verlassen, aber diesmal für immer, wirklich! Die andere hatte gerade ihrem jüngsten Sohn den Kopf abgerissen, weil er die Familienkutsche zu Schrott gefahren hatte, und ihre Schwestern Mary und Eileen hatten wie jede Woche die Teetafel mit einem Streit gesprengt, der noch genau so ablief, wie vor dreißig Jahren. Sticheln, Kreischen, Haare ziepen, für tot erklären und nie wieder miteinander reden – bis zum nächsten Tee.

Siobhan cremte sich gedankenversunken die Hände ein und grinste. Was hatte sie doch für ein Glück mit ihrem Sohn. Als Kind war John eine echte Herausforderung gewesen, besonders für eine so junge, alleinerziehende Mutter.

Jede Nacht hatte er sie mindestens zehnmal geweckt, um ihr zu sagen, dass er nicht schlafen kann. Und er war ihr immer auf Schritt und Tritt gefolgt wie ein kleiner Hund. Er war das anhänglichste Kind, von dem sie jemals gehört hatte. Und so schüchtern, dass er nie ein Wort heraus bekam, wenn Menschen ihn ansprachen, selbst vertraute Menschen. Er hatte nur immer ihr Bein umklammert und das Gesichtchen in ihrer Kniekehle versteckt, später sogar noch an ihrem Hintern, wie ein Putzerfisch, der vergessen hat, wie man loslässt. Und jetzt war er ein international bekannter Maler, er trank nicht, er fuhr keine Autos zu Schrott und er war immer noch der liebevolle Sohn, der Mama vergötterte.

Siobhan lachte leise, dann setzte sie ihre Lesebrille auf und zog das Buch heran, dass sie sich bestellt hatte. »Dialoggestaltung für Autoren«. Irgendwann würde sie es tun, sie würde endlich ihr Buch schreiben. Wenn sie nur wüsste, worüber ihre Romanfiguren reden sollten! Aber sie hatte das Gefühl, einfach nichts zu sagen zu haben, was auch nur einen Leser interessieren könnte.

Sie vertiefte sich in einen Autorentipp, den sie schon hundertmal gelesen hatte. Zeigen, statt erzählen. Aha. Der Leser musste lebendige Dialoge wie einen Film vor sich sehen können. Wäre es dann nicht einfacher, gleich einen Film zu drehen? Siobhan griff nach dem Bleistiftstummel vom Nachttisch, um einen eh schon hervorgehobenen Merksatz zu unterstreichen, aber sie wollte sich eben wie ein Streber fühlen, der wirklich arbeitet. Sie setzte den Stift an, dann klingelte das Telefon.

Sie sah kurz auf die Uhr. Entweder, ihre Schwestern stritten sich immer noch und wollten gerade mal wieder Koalitionen bilden und sie auf ihre Seite ziehen, oder John wollte ihr sagen, dass er nicht schlafen kann. Es war John und er klang, als hätte er schlecht geträumt. Er sagte nur: »Mama.«

Siobhan lächelte gerührt, dann lachte sie leise. »Was ist los, Stütze meines Alters, Freude meiner einsamen alten Tage, kannst du nicht schlafen?«

John schniefte leise. »Sag mal, Mama, war ich als Kind eigentlich eifersüchtig?«

Siobhan stutzte, dann nahm sie die Lesebrille ab und klappte das Buch zu. »Sean, du warst eine Plage!«

John klang gereizt. »Dass ich eine Plage war, weiß ich, aber war ich irgendwie eifersüchtig? Besitzergreifend oder so?«

Siobhan konnte nicht anders, als zu kichern. »Du warst … erinnerst du dich daran, wenn wir in Dublin waren und ich deine Cousins und Cousinen begrüßen wollte? Du hast alle mit tödlichen Blicken durchbohrt wie die Sphinx. Immer, wenn Maisie auf meinen Schoß wollte, hast du bockig vor mir gestanden und meine Patentochter angestarrt, als würdest du sie am liebsten umbringen! Du warst sogar eifersüchtig, wenn ich telefoniert habe, du wolltest dann immer auf meinem Schoß sitzen! Ich glaube, in den ersten sieben Jahren deines Lebens habe ich kein Gespräch geführt, dass du nicht belauscht hast!«

John seufzte tief. »Ich bin also eifersüchtig.«

Siobhan lachte sanft. »Ja, Sohn, du bist ganz fürchterlich eifersüchtig. Aber wieso fragst du jetzt danach?«

John war lange still, dann sagte er: »Ich hab mich verliebt, Mama.«

Siobhans Herz machte einen Hüpfer, dann schloss sie für einen Moment die Augen und merkte, dass ihr vor Rührung die Tränen kamen. Endlich! Sie hatte schon nicht mehr daran geglaubt, dass es ein passendes Gegenstück zu ihrem Sohn geben würde. Jetzt würde sie endlich die Tochter bekommen, die sie sich immer gewünscht hatte. Überwältigt vor Freude sagte sie: »Aber das ist wunderbar!«

»Ist es nicht!«

Siobhan wartete noch einen Moment, dann fragte sie: »Ist es nicht?«

»Mama, sie hat einen anderen! Sie will den nicht verlassen! Ich hab keine Ahnung, was ich tun soll! Ich kann nicht schlafen ohne sie, ich kann nicht essen ohne sie, ich bin sterbenskrank, ich denke in jeder Sekunde an sie und wenn ich schlafe, träume ich von ihr, sie ist das wundervollste Wesen, das mir je begegnet ist, sie ist überirdisch schön, und jedes mal, wenn ich sie sehe, wird sie noch schöner, sie ist wild und frei und unfassbar clever, ihr IQ ist höher als meiner, sie redet den brillantesten Unsinn, den ich je gehört habe und sie ist … sie ist eine Elfe, Mama. Sie kann Menschenmänner mit einem einzigen Blick bannen für immer und wenn sie mich anfasst, dann, ehrlich, ich verlier den Verstand, wenn sie mich berührt, ich hab nicht gewusst, dass Zärtlichkeit sich so anfühlen kann! Ich sterbe in ihren Armen, aber sie liebt mich nicht!«

Siobhan blinzelte verwirrt, so eine lange und gefühlvolle Rede hatte sie von ihrem Sohn noch nie gehört. Er war sonst immer so distanziert gegenüber seinen Frauen, fast kühl, und jetzt dieser Redeschwall heißen Gefühls! Sie räusperte sich: »Mein Herz, wieso sollte sie so zärtlich zu dir sein, wenn sie dich nicht liebt?«

»Mama, kapierst du das nicht? Sie hat einen anderen Mann! Ganz offen! Sie sagt mir ins Gesicht, dass sie mehrere Männer lieben kann und sich nicht von diesem Typen trennen wird! Das ist doch keine Liebe! Sie nennt das Polyamorie, aber was hat das mit Liebe zu tun?«

Siobhan kräuselte nachdenklich die Mundwinkel und schenkte sich mit der freien Hand ihren Beruhigungstee ein, in die »Der lieben Mutter«-Tasse, die John ihr von einem Flohmarkt mitgebracht hatte. »Polyamorie, das hab ich letztens schon mal gehört! Da gibt es jetzt eine Comedyserie, die läuft im Internet, ich hab wirklich gelacht! Und sie würde tatsächlich mit diesem anderen Mann zusammen bleiben und mit dir auch?«

John stöhnte gequält. »Mama, kannst du mich jetzt vielleicht mal ernst nehmen? Das ist keine Comedy, das ist der Weltuntergang!«

Siobhan seufzte mitfühlend. »Ich nehme dich ernst, mein Herz, sehr ernst! Diese Serie handelt von einem Mann, der mit zwei Frauen in einer Dreiecksbeziehung lebt, da dachte ich noch, vielleicht wäre das ja auch was für Sean!«

John rief völlig empört: »Mama!«

Siobhan grinste. »Ich meine ja nur, dass … ich hab darüber neulich was gelesen und ich finde diese Polyamorie gar nicht so schlecht. Jahrhundertelang haben unsere Männer uns betrogen und alles war mit Schande belegt, aber wieso sollten Frauen nicht auch mal ganz offen dazu stehen, dass sie einen Mann und einen Liebhaber wollen? Männer haben das immer schon so gemacht!«

Sie konnte richtig hören, wie John sich die Haare raufte. »Mama, ich will aber kein Liebhaber sein, verstehst du das? Ich will ihr Mann sein! Ich will mit ihr leben, ich will für sie sorgen, ich will für den Rest meines Lebens keine andere Frau mehr ansehen, ich will ihr einen Stall voll irischer Bastarde anhängen und sie jede Nacht glücklich machen!«

Siobhan musste lachen. »Du kannst einen Stall voll irischer Bastarde haben oder Liebesnächte, beides kannst du dir abschminken! Wenn deine Söhne auch nur einen Funken nach dir kommen, hast du die jede Nacht in der Bettritze!«

»Okay, dann will ich das! Dann will ich jede Nacht unsere Brut in der Bettritze, aber ich muss sie neben mir atmen hören, sonst drehe ich durch

Siobhan machte große Augen und hielt wehmütig den Atem an. Enkelkinder in greifbarer Nähe! Für einen Moment bekam sie Angst, das, was sie noch gar nicht hatte, wieder zu verlieren. Fast hätte sie gesagt: »Vermassel es nicht wieder!«, aber sie kannte ihren Sohn. Tief in seinem Inneren war der erfolgsverwöhnte Wunderknabe unsicher wie ein kleiner Grashalm im Frühling. Sie musste jetzt ganz vorsichtig sein und ihm die Angst nehmen, alles andere würde nur seinen Widerspruchsgeist reizen. »Was sagt sie denn überhaupt? Liebt sie dich?«

»Mama, sie kann mich nicht lieben! Wenn sie mich lieben würde, würde sie doch diesen anderen Typen in die Wüste schicken!«

Siobhan zog die Stirn kraus und sah nachdenklich auf ihren Autorenratgeber. Wenn ihre Romanfiguren polyamor wären, hätten sie wahrscheinlich jede Menge zu besprechen … Sie nahm die Lesebrille ab, kniff sich in die Nasenwurzel und konzentrierte sich wieder auf ihren Sohn. »Ja, aber was hat sie denn überhaupt gesagt? Ihr müsst doch darüber gesprochen haben, sonst wüsstest du ja nicht von diesem anderen Mann!«

John war lange still, dann gab er zerknirscht zu: »Ich bin mehr oder weniger weggerannt. Ich wollte das alles gar nicht hören. Sie sagt, er ist ihr engster Vertrauter, und dass sie sich gerade in mich verliebt.«

Siobhan seufzte mitfühlend. »Das arme Mädchen, das muss ja furchtbar für sie sein!«

Sie konnte regelrecht hören, wie John empört aufsprang. »Furchtbar für sie? Hallo? Mama, ich bin hier das Opfer!«

Siobhan musste lachen. »Schatz, ein Opfer bist du nur, wenn du dich so siehst und die Ereignisse über dein Leben bestimmen lässt, nicht umgekehrt! So, wie als diese furchtbare Frau dich einfach geheiratet hat!«

John schnaubte wütend: »Du konntest Sonja nie leiden!«

Siobhan lachte frei heraus: »Du doch auch nicht!«

John grummelte: »Das war was anderes!«

Siobhan grinste still und stopfte sich das Kissen zurecht. »Gut. Hat sie denn sonst noch was gesagt? Weiß ihr Vertrauter denn auch, dass sie sich in andere Männer verliebt?«

John knurrte wütend. »Sie hat neulich erzählt, dass er ihr Partnervorschläge macht wie ein Computerprogramm Freundschaftsvorschläge. Aber in dem Moment dachte ich noch, dass das ein Witz ist! Jetzt bin ich mir da gar nicht mehr so sicher. Und … vergiss es.«

»Nein, was denn?« Siobhan biss sich auf den Finger, um nicht wieder laut zu lachen. Gleich würde er versuchen, nicht über Sex zu reden.

John nuschelte undeutlich: »Dass sie im Moment nicht mit ihm … du weißt schon.«

Siobhan stiegen vom Versuch, nicht hörbar zu lachen, die Tränen in die Augen. »Sean, ich bin erwachsen, du kannst mit mir ruhig über Sex reden!«

»Mama

Siobhan atmete ganz tief durch. Manchmal fragte sie sich, wie ihr verklemmter Sohn es schaffte, Sex zu haben, er konnte ja noch nicht mal das Wort aussprechen, wenn seine Mutter in der Nähe war! Aber jetzt war die Neugier stärker als das Taktgefühl für die Verklemmtheit ihres Sohnes. »Aha, und warum schläft sie nicht mit ihm?«

»Mama!«

Siobhan neigte leicht gereizt den Kopf. »Schatz, wie soll ich dir helfen, wenn du die wichtigsten Teile der Geschichte auslässt?«

John stöhnte gestresst. »Ich weiß es nicht! Ich hab sie gefragt, aber sie hat gesagt, wenn sie anfängt drüber zu reden, fängt sie an zu weinen und das wollte sie nicht. Also hab ich nicht nachgebohrt.«

Siobhan nippte grübelnd an ihrem beruhigenden Einschlaftee. »Wohnt sie eigentlich bei dir in der WG?«

John schniefte trotzig. »Direkt vor meinen Fenstern.«

»Und wo kommt sie ursprünglich her?«

»Berlin.«

Siobhan wickelte sich nachdenklich eine Locke um den Finger. »Sie ist also gerade von Berlin nach Ostfriesland gezogen? Wieso?«

»Mama, ich weiß es doch nicht! Wir reden ja kaum, ich weiß so gut wie nichts über sie!«

Siobhan sah geistesabwesend auf das Bild, dass ihr Sohn ihr gemalt hatte, weil er dringend ein Bild malen musste, das nicht zum Teppich passt, was immer er damit gemeint hatte. Siobhan hatte sich dann später klammheimlich einen farblich passenden Bettvorleger gekauft und fand ihr Schlafzimmer damit sehr schön. »Darf ich dir mit meinem weisen Rat auf die Nerven gehen?«

John stöhnte. »Deswegen rufe ich ja an

Siobhan lächelte schwermütig. »Mach nicht denselben Fehler wie ich damals mit deinem Vater. Wir haben vor Leidenschaft alles vergessen und alles überstürzt und dann war er weg und das schlimmste war, mit all den Dingen zu leben, die ich ihm gar nicht gesagt hatte! Er wusste gar nicht, dass ich ihn liebe, verstehst du? Wenn wir uns Zeit genommen hätten, uns erst anzufreunden und uns richtig kennenzulernen, dann wäre alles vielleicht ganz anders gelaufen, vielleicht wäre er zurückgekommen, oder er hätte sich gemeldet, um nachzufragen, wieso ich mich nicht melde. Unter Freunden macht man so etwas. Aber wir hatten ausgemacht, dass ich mich zuerst melde und dann war der verdammte Zettel mit seiner Adresse unlesbar! Wenn wir erst Freunde gewesen wären, dann hätten wir uns nicht verloren! Aber so muss er gedacht haben, dass er einfach nur eine kurze Affäre für mich war und ich ihn einfach vergessen habe. Alles nur, weil ich zu stolz und unsicher war, um von Liebe zu sprechen, als ich es noch konnte.«

John murmelte betreten: »Mensch, Mama, das tut mir so leid.«

»Dass muss es ja gar nicht! Aber wir können ja daraus lernen! Hast du ihr denn überhaupt ehrlich gesagt, wie es um dich steht?«

»Natürlich nicht! Ich hab ihr gesagt, dass ich mich nicht in eine Frau verlieben kann, die einen anderen hat!«

Siobhan rollte gequält mit den Augen und unterdrückte ein Stöhnen. »Sean! Du kannst doch nicht dem armen Mädchen so das Herz brechen!«

»Mama, sie hat doch …«

Siobhan platzte der Kragen. »Sean Finlay! Das ist nicht das, was ich dir beigebracht habe! Wenn du willst, dass deine wahrhaftigen Gefühle erwidert werden, dann musst du auch offen dazu stehen! Und wenn du mich fragst: Du jammerst nur herum, dass sie dich nicht liebt! Aber wie beweist du denn deine Liebe? Bist du für sie da? Hörst du ihr zu? Interessierst du dich für sie, bist du offen für sie? Nein! Du quengelst wie ein kleiner Junge, weil sie nicht deiner Idealvorstellung entspricht, aber ich sag dir was! Wenn sie deiner Idealvorstellung nicht entspräche, dann hättest du dich auch nicht verliebt!«

John war einfach nicht kleinzukriegen. »Ich hatte doch keine Ahnung, dass sie es mit anderen Männern treibt und mir das auch noch offen ins Gesicht sagen würde!«

Siobhan setzte sich auf. »Jetzt hör mir mal zu, mein Sohn! Du hast das offenbar vergessen, aber ich nicht! Erinnerst du dich an die Zeit, als du Gefühle noch ernst genommen hast und nicht so ein verbitterter, zynischer Jammerlappen warst? Du warst immer mindestens in zwei Mädchen gleichzeitig verliebt! Wenn ich die ganze Zeit, die ich damit verbracht habe, mit dir in der Küche zu sitzen und dir dabei zuzuhören, wie du dich einfach nicht entscheiden kannst, am Ende meines Lebens zurückerstattet bekomme, kann ich noch locker drei Jahre um die Welt reisen! Denkst du wirklich, es ist Zufall, dass die erste Frau, in der du die Mutter deiner Kinder siehst, genauso tickt wie du?«

»Das ist doch was ganz anderes!«

»Was ist daran anders? Mal ganz ehrlich, und jetzt vergiss mal, dass ich deine Mutter bin und finde dich damit ab, dass ich sowieso alles weiß, was du vor mir verheimlichst! Mit wie vielen Frauen hast du denn gerade eine deiner lockeren Beziehungen?«

John räusperte sich. »Äh, du meinst Frauen, die ich jetzt anrufen könnte?«

Siobhan nickte grimmig. »Ganz genau, ich meine Frauen, mit denen du jetzt schlafen könntest, weil sie denken, dass du irgendwie mit ihnen zusammen bist!«

»Ähm, in Deutschland oder auch in New York?«

»Sean

John räusperte sich wieder, dann nuschelte er: »Vielleicht vier. Oder fünf. Ich bin nicht ganz sicher.«

Siobhan atmete tief durch. »Gut, dann steht es also fünf zu eins! Möchtest du jetzt vielleicht noch mal rüber gehen und dem armen Mädchen Vorwürfe machen, weil sie es mit der Treue nicht so genau nimmt?«

John war lange still, dann murrte er schwach: »Mama, ich liebe diese Frauen aber nicht.«

Siobhan fauchte gereizt: »Und hast du ihr auch offen gesagt, dass du noch andere Beziehungen führst, oder hast du ihr nur ein schlechtes Gewissen gemacht, weil sie eine hat?«

»Mama, hörst du mir überhaupt zu? Ich liebe diese anderen Frauen nicht, das ist nur Sex! Das geht sie gar nichts an!«

Siobhan lachte spöttisch. »Ach, jetzt kannst du das Wort aussprechen! Aber wieso hast du ein Recht auf Affären und eine Frau nicht?«

»Weil … das ist doch was ganz anderes! Ich hab doch keine tiefen Gefühle für diese Frauen, die nehmen ihr doch nichts weg! Aber lieben kann man doch nur einen Menschen, das ist doch das, was Liebe erst ausmacht

Siobhan seufzte einfach nur abgrundtief. John seufzte tiefer. »Ich hasse es, wenn du progressiver bist als ich! Wieso kannst du keine ganz normale Mama sein?«

Siobhan musste lachen. »Ich habe einen ganz normalen Sohn, das reicht doch! Du willst eine fürs Herz und ein paar fürs Bett, aber deine Frauen sollen dir schön treu sein, immer auf dich warten, aber keine Fragen stellen, damit du bloß nicht reden musst! Wenn du mich fragst, ist dieses polyamore Mädchen ein Geschenk des Himmels, vielleicht lernst du bei ihr das Sprechen!«

»Ich liebe dich, Mama, aber ich hasse dich!«

Siobhan lachte gefühlvoll. »Ich hasse dich auch, mein Sohn, und ich bin sehr stolz auf dich!«

John murrte: »Vielleicht gehe ich einfach zurück nach New York.«

Siobhan zischte: »Feigling!«

»Okay, dann … ich leg jetzt auf und denk drüber nach, wie ich dich umbringen kann. Oder Anna. Ich hab mich noch nicht ganz entschieden.«

Siobhan lächelte. »Anna heißt sie also.«

»Nacht, Mama!«

»Nacht, Sohn!«

Siobhan legte auf, dann kuschelte sie sich nachdenklich in die Kissen. Vielleicht hätte sie ihrem Sohn irgendwann erzählen sollen, dass es noch einen verheirateten Mann in Dublin gegeben hatte, den sie jahrelang heimlich getroffen hatte, wenn Sean bei der Oma war.

Und was ist deine Meinung?