BS 1, Kapitel 3: Hamburg, achter Stock

Beziehungsstatus Romane Polyamorie

Sookie says: So, ihr Lieben! Es geht heiter weiter mit der Überarbeitung und ich hab jetzt eeeecht gegrübelt und hin- und hergelesen und tagelang getüftelt. Weil: Begeisterte Fünf-Sterne-Rezensionen sind unglaublich toll. Und damit werde ich ja zum Glück verwöhnt und muss dann immer tagelang grinsen. Aber es gibt eben auch diese Rezensionen, die einen extrem hilfreichen Kick geben, über den ich dann ewig grüble. Und zwei meiner Rezensenten (falls ihr das hier lest: Danke!) hatten sich irgendwie in die Richtung geäußert, dass sie den Anfang von Beziehungsstatus 1 ein bisschen chaotisch und holprig fanden.

Damit haben sie genau mein Gefühl aufgegriffen, aber mir fehlte einfach der Abstand, um den Finger drauf zu legen, woran es liegt. Die Beziegungsstatus-Romane sind zwar alle zusammen genommen fast so lang wie „Krieg und Frieden“, aber ganz so viele Figuren spielen ja zum Glück dann doch nicht mit. Aber: Am Anfang ist das doch einiges. Der Leser muss sich auf viele verschiedene Figuren einlassen, die aus den unterschiedlichsten Löchern gekrochen kommen.

Und ich kenne das selber: Wenn ich anfange, ein Buch zu lesen, will ich erst mal mit einer Figur richtig warm werden und mit ihr zusammen die Geschichte erleben. Wenn dann jedes Kapitel mit einer neuen Figur anfängt, klappt das irgendwie nicht. Immer, wenn ich denke, ich bin in der Geschichte angekommen, taucht jemand auf, den ich noch gar nicht kenne. Das wollte ich bei BS 1 vermeiden, aber trotzdem muss die WG ja erst mal voll werden, nä?

Darüber hab ich jetzt mit dem gebührenden Abstand erst mal lange nachgegrübelt und dann entschieden, dass ich da einiges umstelle, das zweite Kapitel komplett streiche und dem Leser stattdessen mehr Zeit gebe, anzukommen und eine Bindung zu den Figuren aufzubauen. Sich beim Ausrollen einer Geschichte Zeit zu lassen, ist zwar heute verpönt, aber scheiß druff.

Deswegen kommt jetzt für die Neuauflage der achte Stock als zweites Kapitel und ich hab gerade zum Verschnaufen noch ein ruhiges kleines Eugen-Kapitel geschrieben, in dem wir aus Eugens Perspektive Anna kennenlernen. Weil – Eugen kennen wir ja schon. Ich hoffe, das klappt so und wirkt ein bisschen runder. Ich muss das aber selber noch mal sacken lassen. Jedenfalls kommt jetzt an dieser Stelle Johns erster Auftritt. Vorhang auf für das Malerchen. Ich muss ja zugeben: Ich liebe diese Figur! 😀

Hamburg, achter Stock

John drehte sich auf dem winzigen Balkon mit dem Rücken zum Wasser weit unter ihm und schüttelte gereizt das Feuerzeug. Wieso waren die verdammten Dinger immer leer, wenn er bei einer Nichtraucherin auf dem Balkon stand!

Nina winkte ihm durch die Scheibe zu dem ebenfalls winzigen Wohn- und Esszimmer fröhlich zu und arrangierte liebevoll die letzten Kleinigkeiten auf dem Frühstückstisch. John seufzte innerlich und zog dann schnell an der Zigarette, als das Feuerzeug endlich eine kleine Flamme ausspuckte. Wie eine Dampfmaschine paffte John Wölkchen, bis die Zigarette endlich verstand, was er von ihr wollte und durchglimmte.

Er atmete erleichtert auf und drehte sich wieder zum schwarz schimmernden Wasser. Saukalt war das heute Morgen und windig. John sah einen Funken der Zigarette auf sich zufliegen und wischte sich hektisch über den Anzug. Ein Brandloch in dem feinen Zwirn fehlte ihm jetzt noch, er hatte keine Lust, sich schon wieder ein neues Pinguinkostüm für seine Dates kaufen zu müssen.

Hamburg mit Blick aufs Wasser, ihm war vollkommen schleierhaft, wie man für einen Hamsterkäfig, unter dem so viel Lärm herrschte, so viel Geld ausgeben konnte. Es war noch stockdunkel, aber die Stadt pulsierte schon und der Verkehrslärm rauschte. Da war es ja in seinem Apartment in New York ruhiger!

Ihm war auch vollkommen schleierhaft, wieso er den Fehler gemacht hatte, über Nacht zu bleiben, aber er hätte sich eher um ein Hotelzimmer kümmern müssen. Und um eine Ausrede, warum er mal wieder mitten in der Nacht weg musste.

Nina klopfte jetzt von innen an die Balkontür und zeigte auf ihre Armbanduhr. John hielt die Zigarette hoch, setzte ein albernes Lächeln auf und winkte zurück.

Er fühlte sich wie ein Tier in seinem Außengehege. Er wusste, dass Nina beim Sex nicht gekommen war, aber er wusste nicht, ob sie wusste, dass er es wusste. Auf jeden Fall war die Stimmung irgendwie verkrampft, wie so oft bei diesen »Zwei Erwachsene haben Hunger auf Sex und machen sich gegenseitig vor, dass sie menschliches Interesse aneinander haben«-Geschichten.

Er seufzte ergeben in sein Schicksal und schnippte die erst halb aufgerauchte Zigarette über den Balkon. Nina musste ins Büro und wollte noch schön mit ihrem Liebhaber frühstücken. John rieb sich müde die Augen, dann trat er wieder in das Wohnzimmer und versank in dem weichen, flauschigen Teppichboden. Lachsfarbener Teppichboden.

John blinzelte gequält, dann versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen und setzte sich auf einen der kleinen weißen Bistrostühle, die Pariser Flair ausstrahlen sollten, aber irgendwie nur aussahen wie ausrangierte Gartenstühle. Nina setzte sich ebenfalls, strahlte ihn an und reichte ihm einen Korb mit noch heißen Aufbackbrötchen an.

Eigentlich mochte John um diese unchristliche Zeit nur einen Kaffee und eine Kippe, aber er brachte es nicht übers Herz, Nina zu enttäuschen. Nina stand auf ausgiebiges Frühstück und war ein Sonnenscheinchen, das schon los plapperte, bevor es die Augen richtig geöffnet hatte. John stand gern vor Morgengrauen auf, um das aufkommende Licht zu beobachten und am Wind zu schnuppern, aber vor 12 Uhr mittags zu reden, kam ihm vor wie Migräne.

»Findest du nicht?«

John sah verwirrt auf und nippte an dem Kaffee, den Nina ihm serviert hatte, aber das war gar kein Kaffee, das war irgend so eine aromatisierte Vollautomatenplörre! John unterdrückte ein Stöhnen und tröstete sich damit, dass er ja später irgendwo einen Kaffee trinken könnte, der auch wie Kaffee schmeckte.

»Und dann sagt sie so zu mir: Wieso fragst du nicht einfach deinen Maler? Und betont das so komisch, als würde sie mir gar nicht glauben, dass es dich tatsächlich gibt! Als würde ich mir nur ausdenken, dass du mit mir zusammen bist!«

John stieß misstrauisch mit dem Messer in das steinharte Brötchen und hustete verwirrt. Nina kleckste sich mit einem kleinen Silberlöffelchen Marmelade aufs Brötchen. »Und da hab ich mir gesagt: Wieso nicht? Und sie hat ja irgendwie auch Recht, die Wand ist tatsächlich ein bisschen kahl, findest du nicht? Wenn du mir jetzt ein Bild geben würdest, würde sie wirklich dumm gucken und es sähe toll aus über dem Gelkamin, findest du nicht? Hast du nicht irgendwas in Lachs? Das würde perfekt zu den Sofakissen und zum Teppich passen!«

John blinzelte verwirrt und biss sich in der Brötchenhälfte fest, die nicht nur wie Holz schmeckte, sondern sich zwischen den Zähnen auch so anfühlte. »Äh, was?«

Nina beugte sich über das überladene kleine Tischchen und strahlte ihn an. »Na, ein Bild! Ich meine, du sagst doch immer, dass du den ganzen Tag malst, da hast du doch bestimmt was Passendes, was du mir geben kannst! Oder würdest du vielleicht extra was für mich malen? Ich stell mir so einen Sonnenuntergang total schön vor, mit so einer Palme und vielleicht so Wellen, die an den Strand schwappen, weißt du, was ich meine? So, dass das so ein bisschen Perspektive kriegt und man meint, die Wolken sind weiter hinten. Kannst du so was?«

John kaute gehetzt an seinem Brötchen und würgte ein hartes Stück herunter. Er hatte das Gefühl, dass ihm eine scharfe Kante von innen die Kehle aufschlitzte, aber wahrscheinlich würde er das hier überleben, er hatte schon ganz anderes überstanden. »Ich bin nicht Bob Ross, ich kenn mich mit solchen Motiven nicht so aus.«

Nina machte runde Augen. »Aber Schatz, ich dachte, du hättest so richtig Kunst studiert und all das, du musst doch wissen, was ich meine!«

John holte beherrscht tief Luft. Dass er ein paar mal mit ihr geschlafen hatte, gab ihr nicht das Recht, ihn »Schatz« zu nennen. Niemand hatte das Recht, ihn »Schatz« zu nennen, außer seiner Mama, und die wusste, dass er das nicht mochte. Er war schließlich keine rostige Kiste voll Plunder, die Piraten vergraben hatten! Und Frauen, die farblich zur Einrichtung passende Bilder von ihm haben wollten, traute er auch zu, dass sie sich einen afrikanischen Liebhaber angelten, weil der so gut mit dem weißen Ledersofa kontrastierte.

»Tina, ich kann nicht einfach Bilder verschenken, ich bin an Verträge gebunden!«

Nina starrte ihn an. »Wie hast du mich gerade genannt?«

John blieb reglos sitzen. Wie hatte er sie denn gerade genannt? »Äh …«

»Wer ist Tina

Johns Herz setzte für einen Schlag aus. Verdammt! Tina war die Physiotherapeutin, deren Ehemann so einen komischen Namen hatte. Bergfried? Bulgur? Burkhard! John stammelte: »Wahrscheinlich, weil ich gerade gedacht habe, dass du in dem Morgenlicht so frisch aussiehst wie ein Teenie! Und aus Teenie und Nina hat mein Gehirn dann eben Tina gemacht! Es hätte auch Ninie machen können, aber ich bin wohl noch nicht ganz wach, ich hab …«

»Wer ist Tina?«

John zerrte an seinem Hemdkragen. Dieses verdammte weiße Date-Oberhemd hatte einen viel zu engen Kragen, er wollte zurück in sein Flanellhemd! »Tina, ich, das war so nicht ge …«

Nina sprang auf und stieß gegen das wackelige Bistrotischchen. Dass diese femininen Einrichtungen auch immer so wackeln mussten! John bekam heißen Latte Pampe Karamell feincremig-süßen Glibberkaffee aufs Bein und zischte »Au!«, dann schwappte die Plörre auf den lachsfarbenen Teppichboden. Die Tasse verschwand mit einem dumpfen Ploff in der hochflorigen Auslegeware. Nina kreischte ihn an. »Jetzt sieh dir an, was du gemacht hast!«

John zupfte mit einem leisen Zischen das heiße, nasse Hosenbein von seiner verschreckten Haut. »Ich? Wieso ich? Du hast mir fast den Schinken verbrannt!«

Nina keifte: »Der Schinken ist hinten, du Idiot! Das hört man doch schon! Schinken, hinten!«

John sah sich einen Moment verwirrt um, dann griff er eine Serviette vom Tisch und rubbelte an seinem Hosenbein. »Hinten reimt sich doch nicht auf Schinken! Hinken, ja, aber hinten? Trinken, blinken, linken, stinken, winken, schminken, Finken! Es gibt tausend Wörter, die sich auf Schinken reimen, aber ganz bestimmt nicht …«

Der Tisch kippte krachend um. John zuckte zusammen. Nina schrie: »Sag mal, merkst du überhaupt, wovon ich rede? Wer ist Tina

John sah schuldbewusst zu Nina auf, dann gab er zerknirscht zu: »Nur eine Bekannte. Die ist aber verheiratet. Mit Burggraben. Also, hart. Eberburg.«

Nina fiel rückwärts wieder auf ihr Stühlchen. John wunderte sich, dass sie nicht umkippte. Sie sah ihn fassungslos an, dann schüttelte sie den Kopf. »Sag mal, John, nimmst du eigentlich Drogen?«

John sah Tina, Nina!, vollkommen irritiert an. »Drogen.«

Nina nickte. »John, wenn du ein Drogenproblem hast, dann kannst du mir das ehrlich sagen! Aber du bist manchmal so … ich trau mich gar nicht, dich mal meinen Freunden vorzustellen! Du bist ein richtiger Sonderling!«

John ließ erschrocken die nasse Serviette in das Chaos auf dem Teppich fallen. »Wieso solltest du mich deinen Freunden vorstellen?«

Nina streckte den Zeigefinger aus und zeigte aufgeregt auf ihn. »Da! Das ist ein ganz typisches Symptom für eine Suchterkrankung, wenn man keine Leute kennenlernen will! Sozialer Rückzug!«

John fuhr sich stöhnend über die Augen. Alles, was er gewollt hatte, war eine entspannte Nummer mit einem warmen, weichen Frauenkörper und jetzt stand das Tor zur Hölle schon wieder offen. »Oh, Scheiße! Wieso muss mir eigentlich jede Frau, mit der ich dreimal geschlafen habe, eine Diagnose stellen? Jetzt bin ich schon ein Junkie! Ich erklär dir jetzt, wie mein Krankheitsbild heißt! Das nennt man Hochbegabung und 2 % der Menschheit leiden daran! Ich geb zu, dass es mir an Sozialkompetenz mangelt. Wenn ich Informationen kriege, die für mich unterm Radar fliegen, schalte ich ab und kann nicht wechseln! Um das zu kompensieren, neige ich zu überangepasstem Verhalten und versuche krampfhaft, alles richtig zu machen, um euch bloß nicht zu verletzen, aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, was ihr mit Sätzen wie ›Wenn du mich lieben würdest, wüsstest du, was ich denke!‹ sagen wollt! Ich hab keine Ahnung, was ihr denkt! Ich hab auch keine Ahnung, wie ich mich rauswinden soll, wenn ihr mich um Bilder anschnorrt, die zur Tapete passen! Ein handsignierter original O’Molloy kostet je nach Format auf dem internationalen Kunstmarkt vierzig bis sechzig Tausend Dollar. Ich bin an Verträge gebunden, es gibt Leute, die bezahlen ihre Miete davon, dass sie mein Marketing abwickeln, ich geh maximal mit fünfzehn Bildern im Jahr an den Markt, ich kann nicht einfach hingehen und Originale verschenken, die zwei Jahre später für fünfzig Euro bei eBay auftauchen, weil ihr mal wieder umdekoriert und nicht wisst, wohin mit der sperrigen Leinwand! Ich schieße mir nämlich selber ins Knie, wenn der Markt plötzlich überschwemmt wird mit Originalen, deren Kaufpreis unter den Materialkosten liegt!«

John merkte, dass er laut geworden war und wandte verschämt den Kopf ab. Nina fragte kalt: »Bist du fertig?«

John dachte einen Augenblick nach, dann nickte er müde. »Denk schon.«

Nina verschränkte die Arme. »Dann hätte ich jetzt gerne mal die Wahrheit gehört!«

John sah sie fassungslos an, dann schaltete er um. Er wollte plötzlich nur noch weg. »Okay, das war alles gelogen. Tina ist meine Geliebte, ich hab dich mit ihr betrogen.«

Nina fragte kalt: »Wie lange geht das schon?«

John kratzte sich irritiert an der Stirn. Mit welchem Recht fragte sie das eigentlich, sie kannten sich erst ein paar Wochen. Da war er zurück nach Deutschland gekommen, weil er das hektische Leben in New York nicht mehr ausgehalten hatte. Er zuckte die Schultern. »Zwei Jahre? Nee, warte, nicht ganz. Seit Ostern vorletzten Jahres. Ungefähr. Ich hatte gerade meine Frau verloren.«

Nina bekam sofort ein mitfühlendes Gesicht. Ein junger, waidwunder Witwer, das war natürlich etwas ganz anderes! »Oh, mein Gott, du hast deine Frau verloren? Das hast du mir ja noch gar nicht erzählt! Woran ist sie denn gestorben?«

John fuhr sich nervös durch die Haare. »Na ja, ich hab sie ja nicht direkt an eine Krankheit oder einen Unfall verloren, eher so, wie man den Chip für den Einkaufswagen verliert. Sie war eben einfach nicht mehr da, aber sie hatte ja die Kreditkarten und …«

»Bist du eigentlich so ein gefühlloses Arschloch oder tust du nur so? Was hab ich bloß in dir gesehen!«

John zuckte ratlos die Schultern. »Keine Ahnung, ich dachte, du hättest mich bei dieser Tangoveranstaltung aufgerissen, weil du was fürs Bett wolltest!«

Nina schnappte nach Luft. »Ich hab dich aufgerissen? Ich hab dich aus Mitleid mitgenommen, weil du ausgesehen hast wie ein einsamer kleiner Teddybär! Ich hab dir einen Gefallen getan!«

John nickte unsicher. »Ja, na ja, okay, dann war es eben Mitleid. Ich hatte mich schon gewundert, dass du mich sofort wieder angerufen hast. Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass der Sex mit mir dir gefallen hatte.«

Nina zischte kalt: »Oh, entschuldige, wenn ich bei einem Typen mit Pferdeschwanz nicht gleich in Verzückung ausbreche!«

John griff sich irritiert in die schwarzen Haare. »Ich hab doch keinen Pferdeschwanz! Ja, gut, der Schnitt ist ein bisschen raus gewachsen und ich müsste mal wieder zum …«

Nina höhnte giftig: »John, du hast einen Pimmel wie eine Thermoskanne! Der passt gar nicht rein!«

John zuckte zusammen. »Ti, Ni, Na! Ich hab wirklich alles gemacht, damit es für dich schön wird! Ich hab dich stundenlang gestreichelt und geleckt, aber wenn du einfach nicht feucht …«

Nina keifte plötzlich: »Aber deiner Tina gefällt der Sex wohl!«

John schluckte. »Ich glaub schon.«

Nina tat das, was alle taten. Sie sah ihn vorwurfsvoll an, dann brach sie in Tränen aus. John räusperte sich vorsichtig. »Nina, guck mal … es ist doch kein Drama, wenn wir das jetzt hier beenden. Wir haben es versucht, es hat nicht funktioniert, kein Grund zum Weinen. Aber ich komm eben nicht so gut klar, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit einer Frau im Bett keinen Konsens finde.«

Nina schniefte wütend: »Keinen was

John seufzte ergeben. »Wie sagt man consensual auf Deutsch? Heißt das ›einvernehmlich‹? Ich weiß, das liegt an mir, ich bin ein unsensibler Trottel, aber ich finde einfach nicht raus, was du von mir willst! Wenn ich dich frage, was du magst, kicherst du nur wie eine verklemmte Zwölfjährige, aber ich komme auf so Lolita-Spiele nicht klar, ich hab einfach lieber Sex mit Frauen, die wissen was sie wollen und nicht reglos warten, bis ich ihre Gedanken gelesen habe, verstehst du? Ich fühl mich wie ein hilfloser Blödmann, wenn ich das Gefühl habe, mit einer Gummipuppe zu schlafen, die keinen eigenen Willen hat!«

Nina stand langsam auf, dann deutete sie mit ausgestrecktem Arm in den Flur. »Raus!«

John stand auf und nickte müde, dann holte er seinen Mantel von der Garderobe in dem winzigen Flur und verließ die Wohnung. Wahrscheinlich war er wieder ganz furchtbar taktlos gewesen, ohne es zu merken. Er merkte es immer erst an der Reaktion. Als er die Tür gerade zugezogen hatte, riss Nina sie wieder auf und schrie: »Und lösch meine Nummer, du Arsch!«

John fuhr sich betreten über den Mund, dann wandte er sich in Richtung Treppenhaus, um nicht auf den Fahrstuhl warten zu müssen. Er hatte Nina nicht wehtun wollen, niemals wehtun wollen, aber er wurde immer dünnhäutiger und seine Affären wurden immer kürzer, die Enden immer schmutziger. Es fiel ihm immer schwerer, den aufmerksamen, liebevollen, sympathischen John zu spielen, wenn Frauen über ihre Deko, Nagellackfarbtöne oder Grillabende redeten. Noch schwerer fiel es ihm, noch einen Sinn hinter seinen Affären zu erkennen.

Und er hatte keine Ahnung, wie das weitergehen sollte. Er war auf dem besten Weg, ein verbitterter Frauenhasser zu werden. Jetzt war er auch noch ein Typ mit Pferdeschwanz! Er wollte nur noch flüchten. Vor seinen Affären, vor seinem Image, vor den ewigen Reisen, vor dem Rummel auf dem Kunstmarkt, wo er längst gehandelt wurde wie eine Ware.

Er wollte nur noch irgendwo sitzen, wo es keine Menschen gab, den über den Himmel jagenden Wolken zusehen und nie wieder eine Frau kennenlernen … John bekam Heimweh nach dem Land seiner Kindheit. Er wollte nach Ostfriesland, wo die Frauen in Gummistiefeln durch Kuhställe liefen und im Traum nicht daran dachten, Affären mit Malern anzufangen.

Sookie says: So, das wäre geschafft. Und jetzt noch ein Schmankerl für alle, die nicht wissen, wer Bob Ross ist. Also, so ein Gemälde hätte Tina, äh, Nina gern über dem Gelkamin, nur eben mehr in Lachs, mit so einer Palme. Versteht ihr, was ich meine? 😀

Und was ist deine Meinung?