BS 1, Kapitel 34: Das Lied vom Schuft

Als es klopfte, stolperte Anna beim Sprung aus dem Bett fast über den Zipfel ihrer Tagesdecke und hielt sich mehr an der Klinke fest, als dass sie die Tür öffnete. Im dunklen Flur stand ein irischer Auswanderer. Mit der Dockermütze auf dem Kopf und dem Seesack über der Schulter bohrte John die Hände in die Hosentaschen und starrte wütend auf den Boden.

Anna starrte nicht weniger wütend zurück. »Hast du einen Fototermin als Klischee-Ire oder willst du mir stecken, dass du auf einem Frachter anheuerst?«

John wusste einfach nicht, was er sagen sollte. Um sie nicht an sich zu ziehen, versenkte er die Hände noch tiefer in den Taschen, dann zog er die Stirn kraus und lauschte verwirrt auf die leise Musik. »Was hörst du da?«

»Lotte Lenya, Kurt Weill. Surabaya Johnny. Die Aufnahme aus New York, 1942. Die einzige Version, von der ich immer heulen muss.«

John lauschte auf die knisternde alte Aufnahme und fuhr sich über die Augen. Du hast kein Herz, Johnny, du bist ein Schuft, Johnny, du gehst jetzt weg, Johnny, sag mir den Grund …

John blinzelte verwirrt. Sie hörte das Lied vom Schuft? Die New Yorker Aufnahme? Du gehst jetzt weg, Johnny, sag mir den Grund? Das war bestimmt wieder so ein verflixter Elfenzauber. Er räusperte sich und sah sich verlegen um. »Darf ich mal einen Blick auf deine Bücherregale werfen?«

Anna neigte den Kopf und sah ihn prüfend an. »Solange du mich nicht fragst, ob ich die alle gelesen hab? Wenn ich die Frage nämlich noch ein einziges Mal höre, muss ich mich leider erschießen.«

John ließ den Seesack auf den Boden rutschen, trat ins Zimmer, fuhr nachdenklich mit dem Finger am Bücherregal entlang und murmelte: »Keine Sorge, ich hasse die Frage. Ich hab vor Jahren alle Bücher verkauft und umgestellt auf digitales Lesen, seitdem hab ich meine Ruhe davor.«

Leichthin fragte Anna: »Liest du viel?«

John zuckte die Schultern. »Ich schlaf nicht besonders viel.«

Anna nickte. »Stimmt, bei dir brennt die ganze Nacht das Licht.«

John sah starr auf die Bücher. »Hmhm, bei dir auch. Verdammt viele Kunstbände hast du hier.«

Anna spitzte kurz die Lippen, dann sagte sie: »Hab ich alle letzte Woche bei eBay geschossen. Ich wollte dich beeindrucken und ein bisschen klugscheißern.«

John lachte melancholisch. »Ich weiß deinen Einsatz zu schätzen.«

Anna nickte ernst. »Geht dir das auf den Sack, dass ich mich so ranschmeiße? Ich sollte ›Wenn Frauen zu sehr lieben‹ noch mal lesen.«

John richtete sich auf, holte tief Luft und sah sie an. »Wer war der Kerl, der dich gemalt hat?«

Anna winkte ab. »Kennst du sowieso nicht.«

Okay, sie wollte wohl nicht darüber reden, aber John konnte nicht anders. »Und wie lange wart ihr zusammen?«

Anna zog die Augenbrauen hoch, dann tippte sie sich empört an die Stirn. »Ich war doch nicht mit dem zusammen, bin ich bescheuert? Ich hab fünf Euro pro Stunde kassiert!«

John sah auf Anna herab. »Dann muss ich ja froh sein, dass du es für mich umsonst gemacht hast.«

Anna sah auf ihre Füße und fing an zu lachen. John fuhr sich verlegen über den Mund. »Scheiße, das kam jetzt irgendwie falsch raus.«

Anna lachte: »Nee, nee, ist schon okay, ich hab’s ja aus Liebe gemacht.«

John spürte, wie er rot wurde und widmete sich wieder den Büchern. Er holte ein paar Mal tief Luft und tigerte unentschlossen herum, dann schwieg er und wandte sich nervös zu ihr um. Anna seufzte und kratzte sich am Kopf. »Okay.«

Sie setzte sich aufs Bett und sagte leise: »Ich wollte auch mal ein Schweigegelübde ablegen. Aber weil keiner mein Schweigen gehört hätte, hab ich es gelassen. Kam mir irgendwie sinnlos vor, nichts zu sagen, wenn keiner da ist, der nicht zuhört.«

John lachte nervös und setzte sich neben sie. Er stützte den Kopf in die Hände und holte wieder tief Luft, aber sein Gehirn war vollkommen leer. Er war plötzlich einfach nur noch müde, endlos müde.

Anna philosophierte: »Scheint ja echt schwierig zu sein! Also, wenn du meine unsichtbare Katze überfahren hast, dann sag es lieber gleich!«

John blickte auf. »Du hast eine unsichtbare Katze?«

Anna nickte. »Klar.«

»Und woher?«

Anna zuckte die Schultern. »Ist mir zugelaufen.«

John nickte. »Hmhm. Aber wenn sie unsichtbar ist, woher soll ich dann wissen, ob ich sie überfahren habe?«

»Das merkst du doch, wenn du irgendwo drüber fährst! Und wenn du nichts siehst, wird es wohl ein unsichtbares Tier gewesen sein!«

»Aber dann kann ich auch einen unsichtbaren Dackel überfahren haben. Oder einen unsichtbaren Feldhasen.«

Anna fragte unsicher: »Du meinst also, die Katze kommt nach Hause?«

»Bestimmt.« John nickte beruhigend, dann lachte er leise. Sie war einfach so hinreißend! »Anna?«

»Hm?«

»Wirst du noch da sein, wenn ich wiederkomme?«

Sie zuckte die Schultern und sah zu Boden. »Wenn mich keine unsichtbare Katze überfährt, wahrscheinlich. Wieso?«

John betrachtete Anna lange, dann holte er schon wieder tief Luft. Statt auf ihre Frage zu antworten, erklärte er ausweichend: »Ich muss mich ein bisschen ums Geschäft kümmern. Rüber nach New York und machen, was die Nanny sagt.«

Anna sah ihn misstrauisch an. »Welche Nanny?«

John lächelte traurig. »Mein Agent. Essen, Interviews, Fototermine, der übliche Scheiß.«

Anna senkte mit einem Grinsen den Kopf. »Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass du bei einem Fototermin stillhältst.«

John stöhnte gequält. »Hör bloß auf, ich hasse das. Wieso muss man posieren wie ein Unterwäschemodel, um Bilder zu verkaufen?«

Anna stellte sich John in Unterwäsche vor und streifte ihn mit einem scheuen Blick. »Ich weiß nicht, du bist der Profi, sag du es mir.«

John atmete tief durch und stand unruhig wieder auf. »Ich weiß einfach nicht, was das zwischen uns ist.«

Anna beobachtete nur still, wie er seine Wanderung vorm Bücherregal wieder aufnahm. John hob hilflos die Hände und fuhr sich dann verlegen durch die Haare, weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte. Anna stand auf, kam hinter ihn und schlang die Arme um ihn. Sie spürte seine Wärme und legte die gespreizte Hand auf sein wild schlagendes Herz. John senkte den Kopf und flüsterte: »Anna, was ist das?«

»Das sind wir.«

John lachte bitter. »Das bin ich nicht! In mir tobt irgendeine kranke Wildsau, die dich unterwerfen will!«

Anna schmiegte die Wange an Johns Schulter und dachte an das, was Nicki ihr gesagt hatte. »Annika, wenn du einen guten Dom haben willst, dann musst du ihn erziehen!«

John legte mit einem tiefen Atemzug den Kopf in den Nacken und seine Hand auf ihre. Anna zögerte kurz, dann presste sie die Stirn gegen Johns Schulterblatt und schob ihn nach vorne. John verlagerte das Gewicht und blieb stehen wie ein Fels in der Brandung. Anna drückte fester, bis sie Sterne sah. Johns Geruch, die Hitze seiner Haut unter dem kratzigen irischen Wollpullover und seine zähe Kraft machten sie plötzlich wahnsinnig an. Sie wartete, bis sie sicher spürte, dass es ihm genauso ging, dann zog sie sich ein winziges Stück zurück und schmiegte sich nur wieder sanft an ihn.

Sie fühlte, dass John sich nicht entspannte, sondern auf den nächsten Angriff wartete. Aber sie stemmte sich nicht wieder gegen ihn, sie flüsterte: »Wieso denkst du, dass es krank ist, wenn du mich unterwerfen willst?«

John holte angespannt Luft, blieb aber stumm. Anna drückte ihn kurz liebevoll an sich, dann flüsterte sie: »Ist Sven gar nicht unser Problem?«

John fauchte: »Alles, einfach alles ist unser Problem!«

Anna ließ ihn los und trat erschrocken einen Schritt zurück. Was war bloß los mit ihm? John drehte sich nicht um, er starrte wieder auf die Bücherregale. »Du hast deine eigenen Bücher nicht im Regal stehen.«

Verwirrt murmelte Anna: »Wieso sollte ich mir diesen Schund ins Regal stellen?«

»Ich glaube nicht, dass das Schund ist. In diesen Büchern steckt viel mehr von dir, als du zugibst. Ich hab nämlich ein paar davon gelesen.«

Anna spürte, dass sie rot wurde. Nicht, weil sie sich ertappt fühlte. Sondern, weil sie diese Bücher wirklich für Schund hielt. Sie hätte gern den Mut gehabt, andere Geschichten zu erzählen, aber davon würde sie die Miete nicht bezahlen können. Also murmelte sie nur: »Verwechsle mich nicht mit diesen Büchern, mach das nicht.«

John schien sie gar nicht gehört zu haben. »Dein Laird of MacFarlaine versohlt seiner Kleinen also liebevoll den Arsch!«

Fast hätte Anna gelacht. »Das bisschen Spanking gehört ja noch nicht auf den Index!«

John keuchte verwirrt und drehte sich um. »Und wenn John Anna den Arsch versohlt, gehört das auf den Index?«

Anna sah zu John auf. Für einen Moment versank sie in seinen heiß funkelnden Augen, dann tat sie intuitiv, was sie bei Maik immer getan hatte, wenn er sie so intensiv angesehen hatte. Sie senkte den Kopf und fiel auf die Knie.

Sie hörte, wie John scharf die Luft einsog, aber er rührte sie nicht an. Anna hätte gern fragend zu ihm aufgesehen, aber er war an der Reihe mit dem nächsten Signal. Sie musste auf einen Ball warten, den sie zurückspielen konnte. Irgendwann flüsterte John: »Ich hasse mich, wenn du vor mir kniest. Ich hasse mich dafür, dass es mich so scharf macht.«

Anna hob nur die Hand, nicht den Blick. Sie hakte sich sanft tastend mit dem Finger in Johns Hosenbund ein und flüsterte: »Ich liebe es, wenn ich vor dir knien darf.«

John schluckte. Das entwickelte sich alles so vollkommen anders als erwartet. Er streifte mit einem gehetzten Blick seinen Seesack. Anna konnte seinen Fluchtimpuls fast körperlich spüren, dann schlang er plötzlich mit einem harten Griff ihre Haare um seine Hand und stolperte näher an sie heran. Anna holte erlöst tief Luft und schloss die Augen. Sie spürte dem Gefühl nach, wie John ihr die Haare straff und den Kopf in den Nacken zog. Wütend keuchte er: »Mach mich nicht wild!«

Anna konnte gar nicht anders, sie öffnete sinnlich die Lippen und schmiegte sich sehnsuchtsvoll in Johns grobe Hand. Er herrschte sie an: »Sieh mich an!«

Anna wollte die Augen nicht öffnen. Sie wollte im Dunkel ihrer Gefühle bleiben und Johns Kraft fühlen, einfach nur fühlen. Und sie wollte wissen, was er tun würde, wenn sie nicht gehorchte.

John fauchte wütend: »Du sollst mich ansehen, verdammtes Luder!«

Anna spürte, wie ihr ein seliges Lächeln übers Gesicht huschte, als sie ein ganz klein wenig den Kopf schüttelte, aber John fasste nach, hielt sie noch fester und stieß ihr die Ausbuchtung an seiner Hose harte gegen die Wange. Anna schlug mit einem wohligen Schnurren die Augen auf und flüsterte: »Du belohnst mich dafür, dass ich nicht gehorche.«

John riss die Augen auf und starrte Anna für einen Moment fassungslos an, dann nestelte er hektisch mit der freien Hand an seinem Gürtel, ohne Anna loszulassen. Atemlos keuchte er: »Wenn es eine Belohnung für dich ist, meinen Schwanz ins Gesicht zu kriegen, kannst du das gerne haben!«

Mit großen Augen sah Anna dabei zu, wie John sich die Hose ein Stück herunterstreifte, seinen Schwanz aus den Boxershorts befreite und seinen Pullover ein Stück hochzog. Anna holte sanft tief Luft. Direkt vor ihrer Nase ragte dieser traumhaft schöne Phallus auf, so wunderschön geformt, groß und hart, gekrönt von einem funkelnden Glückströpfchen. Anna konnte Johns Lust riechen, sie konnte sie fast schon schmecken. Sie wollte nichts mehr, als die Lippen zu öffnen und ihn in sich aufzunehmen, aber sie stand auf. »Ich kann das nicht. Oral ist nicht safe.«

John starrte sie für einen Moment verwirrt an, dann wandte er sich abrupt ab und zog sich eilig die Hose wieder hoch. Anna versuchte ihn zu umarmen, aber John hob mit einer herrischen Abwehrgeste die Hand. »Geh weg!«

Anna setzte sich leise auf die Bettkante und beobachtete, wie John sich mit dem Rücken zu ihr wieder ordentlich anzog. Ganz leise fragte sie: »Was hab ich gemacht?«

John stieß verzweifelt die Luft aus und fauchte: »Hast du eine Ahnung, wie demütigend das hier gerade für mich ist?«

»Demütigend?«

John drehte sich um und schrie: »Ich steh hier mit runtergelassenen Hosen vor dir und du lässt mich voll vor die Wand rennen!«

In Anna rastete ganz leise ein Rädchen ein. Sie stand auf und straffte die Schultern. »Kannst du dich vielleicht ein einziges Mal irgendwie erwachsen verhalten?«

John kreischte: »Erwachsen? Wer spielt denn hier die pubertäre Prinzessin, die sich für keinen Prinzen entscheiden kann?«

Anna schnappte nach Luft, dann stieß sie John vor die Brust. »Kannst du überhaupt weiter denken, als man ein Klavier schmeißen kann? Ich trage Verantwortung! Für mich und für die Menschen, bei denen ich im Wort stehe! Und ungeshützter Sex, weil dir gerade mal wieder zufällig die Sicherung durchbrennt, kommt absolut nicht infrage! Egal, wie gern ich das möchte, ich halte mich an mein Wort!«

John brüllte: »Ach, aber mit deinem Sven machst du es ungeschützt!«

Anna brüllte zurück: »Ganz genau! Weil ich mich voll drauf verlassen kann, dass er sich an unsere Regeln hält! Kein ungeschützter Sex mit anderen Frauen!«

John lachte höhnisch. »Und das glaubst du dem?«

Annas Stimme kippte, als sie schrie: »Ja, das glaube ich dem! Weil ich mich nämlich selbst daran halte! Egal, wie demütigend das für dich ist, dass ich einem Mann, den ich kaum kenne, nicht gleich den Schwanz lutsche!«

John starrte Anna für einen Moment an wie ein wütender Stier, dann ließ er sich mit einem schwachen Stöhnen auf die Bettkante fallen. Er raufte sich wild die Haare und sackte in sich zusammen. »Was machen wir hier eigentlich?«

Anna senkte den Kopf, bis ihr die Locken vors Gesicht fielen. »Ich hab keine Ahnung.«

Für eine kleine Weile saßen sie einfach nur da, jeder in seine eigenen Gedanken versunken. Gerade, als Anna das Gefühl bekam, dass sie sich gegen ihn lehnen könnte, holte John tief Luft. »Dein perfekter Sven stellt sich bestimmt nicht so blöd an wie ich, wenn du dominiert werden willst.«

Anna kniff fest die Lippen aufeinander und dachte fieberhaft nach. Jetzt bloß kein falsches Wort, von dem John wieder hochging. Sie entschied sich für eine ganz einfache Wahrheit, da konnte nicht viel schiefgehen. »Sven ist nicht dominant.«

John schnappte nach Luft. »Darum geht es hier die ganze Zeit? Der Typ befriedigt deine Neigungen nicht und deshalb gehst du fremd? Du willst Sven fürs Herz und einen, der es dir dreckig besorgt?«

Anna sprang auf. »Dreckig? Du findest Sex mit mir dreckig

John stöhnte gereizt. »Jetzt nicht wieder die Schlampen-Diskussion, ich hab mich dafür entschuldigt, okay?«

Anna schien ihn gar nicht gehört zu haben. Sie deutete nur mit ausgestrecktem Arm auf die Tür und keifte: »Raus hier!«

John stand vorsichtig auf und hob beschwichtigend die Hände. »Ich meinte das nicht so! Also, ich meinte das nicht wertend, ich hab nichts gegen dreckigen Sex!«

Anna stieß ihm so hart vor die Brust, dass John zurück auf die Bettkante kippte. »Ich hab deine ganze moralische Scheiße bis sonstwo stehen! Du hangelst dich da irgendwie durch deine Affären, lügst und betrügst hemmungslos irgendwelche Frauen und ihre Männer gleich mit und wenn ich dir mein tiefstes Inneres anvertraue, ist das dreckig? Du hast keinen Schwanz in der Hose, sondern eine Moralkeule!«

John sprang wieder auf, tauchte unter Annas wild fuchtelnden Armen weg und brachte sich in Sicherheit. »Wer spielt denn hier immer die moralisch Überlegene? Du mit deiner verdammten Polyamorie, bei dir ist ja alles so toll, ihr verletzt euch ja nie! Weil es so toll ist, dass dein perfekter Sven ständig fremdgeht, bist du doch hier! Und jetzt soll ich die Lücke stopfen!«

Anna kreischte: »Ich hasse dich! Ich werde dir nie, nie, nie wieder irgendwas anvertrauen!«

John holte tief Luft, dann bekam er einen ganz verstörten Blick und fuhr sich über die Augen. »Anna, ich … das war … ich wollte dich nicht verletzen, ich meinte nur, dass …«

Annas Stimme wurde kalt und ruhig. »Was willst du eigentlich von mir? Du machst mich ständig blöd an, du gibst mir immer wieder das Gefühl, dass ich dreckig bin, wieso verpisst du dich nicht einfach?«

John senkte den Blick und sah auf seine Füße, als würde er sich selbst fragen, wieso die Dinger nicht endlich einfach losliefen. Knapp sagte er: »Luv ya.«

Anna kreischte: »Luv ya?«

John schluckte. »Liebe dich.«

»Ich weiß, was dein scheiß Slang bedeutet, du irischer Bastard! Aber wenn man jemanden liebt, dann ist man nett

Endlich sah John scheu auf. Anna zuckte zusammen. Die Schüchternheit, die Verletzlichkeit in seinen Augen war echt, zum ersten Mal wirklich echt. Er sah Anna so flehend und gefühlvoll an, dass jetzt sie den Blick senkte. Verlegen flüsterte sie: »Tut mir leid, dass ich so eine hysterische Kuh bin.«

John grinste verschämt. »Immerhin schreibst du hysterische Romane.«

Anna legte sich die Hand auf die Augen. Ihre Mundwinkel zuckten, aber sie wollte jetzt nicht lachen. Sie hörte nur Johns Stimme. »Ich weiß nicht, was das ist. Du zündest ständig irgendwelche inneren Sprengsätze in mir, mit denen ich nicht umgehen kann. Ich kenne diesen John nicht. Um ehrlich zu sein, ich kann ihn noch nicht mal ausstehen. Er ist verlogen, eifersüchtig, verletzend und wenn es schwierig wird, haut er einfach ab. Ich hab keine Ahnung, was ich mit meinem bisherigen Leben angestellt habe, aber darin, wie man sich verletzbar macht und Konflikte aushält, ohne ein Arschloch zu werden, hab ich keine Übung. Ich bin einfach nicht der Typ, der andere Menschen zu nah an sich ranlässt.«

Anna versuchte, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. »Wie lange wirst du weg sein?«

Für einen Moment sah John aus, als wollte er sie in den Arm nehmen, aber dann schulterte er seinen Seesack. »Keine Ahnung. Im Moment weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich überhaupt noch mal wiederkomme.«

Anna fühlte, wie ihre Augen ins Schwimmen gerieten, aber John merkte es nicht. Er sah sie nicht mehr an. Er zog sich die Mütze über den Kopf und ging an ihr vorbei ohne sie zu berühren. »Vielleicht ruf ich dich mal an.«

Anna hörte die Tür zufallen und fühlte, wie ihr eine dicke Träne über die Wange rollte. Er hatte ihre Nummer gar nicht. Und wenn es schwierig wird, haut er einfach ab.

Sookie says: Yeay, geschafft! Beziehungsstatus 1 ist fertig überarbeitet! Jetzt erst mal ein Kännchen Tee, dann geht es weiter mit BS 2. 😀

Und was ist deine Meinung?