Nicht-Beziehung? Wie Neunziger …

Nicht-Beziehung? Wie Neunziger …

Nicht-Beziehung fürs Leben
Die Nicht-Beziehung fürs Leben!

Ihr lieben Menschen! Ich stolperte neulich in einer Polyamorie-Gruppe über den Link zu einem Artikel über Nicht-Beziehungen. Also, nur zur Klarheit: Polyamorie ist das krasse Gegenteil einer Nicht-Beziehung, deswegen wurde das da auch diskutiert! 😀

Aber dieses Wort blieb bei mir hängen und beschäftigt mich jetzt seit Tagen und darüber denken wir jetzt mal bei einer Tasse Tee zusammen nach! Ich frage mich nämlich:

Wie zur Hölle führt man eine Nicht-Beziehung?

Für mich ist das vergleichbar mit Kommunikation. Kunststück, Beziehungen bestehen ja aus Kommunikation. Und, um mal Watzlawick an seinen Axiomen herbeizuziehen: Man kann nicht nicht kommunizieren. Das klappt einfach nicht. Jeder, der schon mal einen Soziopathen kannte, der die Kommunikation »verweigert«, hat festgestellt, dass der trotzdem kommuniziert. Und zwar, dass er »nix« hat und man jetzt mal schön selber nachdenken soll! Gruselig, solche Leute, aber weit verbreitet! 😀

Oder diese Menschen, die andere mit voller Absicht ignorieren. Das ist auch sehr lustig. Man spürt sofort den Unterschied zwischen »Hm, die hat mich wohl einfach nicht gesehen!« und der Aussage: »So, Frollein, ich bestrafe dich gerade mit Liebesentzug, jetzt schäm dich mal ordentlich!« Und dabei verstehen solche Leute ja immer nie, dass sie das Gegenteil der beabsichtigten Botschaft senden, wenn sie sich volle Lutsche anstrengen, einem zu zeigen, wie egal man ihnen ist. 😀

Egal. Kommunikation ist immer da, sobald ein Sender und ein Empfänger aufeinandertreffen. Und mit Beziehungen ist das auch so. (Deswegen ist es auch für viele Menschen so schwierig, eine gute Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Immer zum Spiegel zu rennen, um sein »Gegenüber« mal zu sehen, ist solchen Leuten einfach zu anstrengend!) Daher grüble ich jetzt seit Tagen über dieses Ding mit der Nicht-Beziehung nach. Man kann nicht nicht eine Nicht-Beziehung haben! Äh …

Man kann nicht eine Nicht-Beziehung nicht haben? Wartet, ich komm noch mal rein … Äh, also! Man kann ja keine Beziehung nicht haben! Oder? Hä? Ihr macht mich ganz bekloppt, Kinnings! Also … jetzt hab ich es! Weil man keine Nicht-Beziehung … Jetzt hab ich es! Aber diesmal wirklich! Man hat immer eine Beziehung! schnauf

Dieses ganze Negativ-Gedöns bringt mich ganz durcheinander und das – ha, ich hab ihn! – ist der Kern der Sache. Das defizitorientierte Denken bringt uns dazu, Nicht-Beziehungen zu führen und das verursacht Aua. Isso. Denn um auf so Wörter wie Nicht-Beziehung überhaupt zu kommen, muss man ja erst mal ein Bild davon haben, was eine Beziehung überhaupt ist. These, Antithese. Und deswegen hat das neue Trend-Wort mich so verwirrt. Ich dachte, wir hätten die Zweigleisigkeit des Entweder-Oder-Denkens langsam mal hinter uns. Spätestens, seit Hegel das Wort »Synthese« in den Ring geworfen hat, hätten wir doch anfangen können, mal das duale Denken zu erweitern, aber: Nö.

Was ist eine Beziehung?

Tja. Ich naives Schaf behaupte ja einfach: Ich hab eine zu jedem Menschen, den ich kenne. Sogar zu dem riesigen rothaarigen Kater, der irgendwo in der Nachbarschaft wohnt und mich manchmal besuchen kommt. Wir haben den »Herr Hetfield« gerauft, weil er aussieht, wie der Frontmann von Metallica. Und falls ihr immer schon mal davon geträumt habt, James Hetfield auf dem Schoß zu haben, vergesst es!

Er beißt sich in eurem T-Shirt fest, sabbert wie ein Baby und stratzelt dann Augen rollend und schnurrend mit den Krallen in eurem zarten Bauchspeck rum, also, das ist gar nicht so toll, wie man immer meint. Aber trotz unserer unterschiedlichen Bedürfnislagen »Iiiiih, du Sau, sabber mein Shirt nicht voll!« und »Schnurrrrrrr«, haben er und ich ja eine Beziehung und arrangieren uns irgendwie. Ich würde niemals auf die Idee kommen, die Gefühle dieses Katers zu verletzen, indem ich sage: Wir haben eine Nicht-Beziehung!

Nach den Maßstäben von Rosamunde Pilcher und der gesamten Sonntag-Abend-im-ZDF-Liga haben dieser Kater und ich selbstverständlich keine Beziehung, denn da gibt es ja ganz klare Parameter, an die man sich halten kann! Was praktisch ist, auf jeden Fall! Denn dank dieser Parameter weiß man immer genau, wann man geliebt wird und muss nicht auf das eigene Gefühl hören. Das könnte sich ja als verwirrend erweisen, also ist es besser, wenn man klare Regeln hat, die außerhalb der eigenen Person liegen und an die sich alle halten. Liste? Liste!

Es ist Liebe, wenn …

  • … dein Gefühl exklusiv ist, wie beim Highlander: Es kann nur einen geben!
  • … alle anderen Menschen für dich so sexy sind wie unmarinierte Tofuwürfel.
  • … es für immer ist und das Gefühl immer so bleibt wie am ersten Tag! Falls nicht, war es wohl nicht der Richtige, also weitersuchen!
  • … der Gleichklang zweier Seelen immer im Takt schwingt. Wenn einer Bock auf Pizza hat und der andere vorsichtig sagt: »Och, ich hätte auch mal Lust auf Kartöffelchen!«, ist das ein ernstes Warnzeichen und es wird Zeit, eine Frauenzeitschrift zu kaufen und Beziehungstipps zu lesen!
  • … du den Drang verspürst, einen Bausparvertrag abzuschließen.
  • … du Paul Anka hören kannst, ohne zu lachen.

Ja, gut, der letzte Punkt war ausgedacht. Ich muss immer lachen, wenn ich Paul Anka höre. Bei »You are my destiny« ist bei mir so was von Feierabend, ich weiß nicht, wen ihr mir da nackend auffen Bauch binden müsstet, damit ich nicht vor Lachen von der Couch falle.

Egal, also Fakt ist: Es gibt eben Richtlinien, an denen wir erkennen können, ob wir eine Beziehung haben oder nicht. Tja. Ich zum Beispiel war aufgrund dieser Richtlinien wohl zu 98 % meines Lebens dann eben Single. Nee, 100 %. Ich hatte nie einen Bausparvertrag. Gut. Jetzt haben wir das Wort Beziehung schön lecker eingegrenzt und können weitermachen, puh!

Wieso kommen Menschen auf die Idee, eine Nicht-Beziehung zu führen?

Gehirnwäsche sitzt ja richtig tief, da sind wir uns alle einig. Selbst eine Gehirnwäsche bei 30° kann dazu führen, dass ein Gehirn einläuft. Und schon können wir nur noch ganz klitzekleine Sachen denken. Zum Beispiel eben den Gedanken, dass ein Gefühl nur dann Liebe ist, wenn wir alle Parameter erfüllen. Oder dass die Liebe schon kommen wird, wenn wir erst mal den Bausparvertrag abschließen und eine XXL-Pizza für zwei bestellen, obwohl wir ja eigentlich doch viel lieber, also, so ein paar feine Kartöffelchen mit Soße … egal. Die Baukastenliebe muss auch richtig zusammengebaut werden!

Und spätestens nach der dritten Liebe fürs Leben werden die Menschen dann irgendwie misstrauisch. Wir fragen uns irgendwann, wie lange »immer« für diesmal hält. Wer das nicht tut, der ist, ich sag das jetzt mal ganz vorsichtig, in meinen Augen … total naiv. Von daher finde ich, dass die Nicht-Beziehung schon mal auf einen Lernschritt hinweist. Man sagt ja damit: »Also, äh, diese Baukastenliebe für die Ewigkeit ist mir ein paar mal gescheitert, ich will dir da jetzt lieber nichts versprechen, was ich hinterher vielleicht nicht halten kann.« Das finde ich persönlich eher klug als verantwortungslos. Was mir da Sorge macht: Warum immer so negativ? Wir haben doch heute ganz andere Optionen!

Negative Sprache weckt negative Gefühle

»Ich will mit dir keine Beziehung!« ist abwertend, negierend, verletzend. Das Wort Nicht-Beziehung ist verletzend. Wir alle haben dieses Negativdenken ganz tief in unseren Köpfen. Buhuhu, er will keinen Bausparvertrag abschließen, er liebt mich nicht! Noch viel, viel schlimmer: Er will keine Exklusivität, da ist aber Panhas am Schwenkmast! Da stemmen alle deine Freundinnen (von denen du weißt, dass die heimlich fremdgehen), empört die Hände in die Hüften und rufen aus: »Das Schwein! Du hast wirklich was Besseres verdient!«

Falls du dann wagst anzumerken, dass du es eigentlich ganz cool fändest, mal drüber nachzudenken, dass du dann nicht für alle seine Bedürfnisse rund um die Uhr allein verantwortlich bist und auch mal … nee. Das wird jetzt zu radikal. 😀 Fakt ist: Wir sind alle darauf fixiert, emotional in den Miesen zu sein. Wir starren ständig auf das, was wir nicht kriegen. Nämlich eine „richtige“ Beziehung. Weil wir die Liebe nach Ausschlusskriterien festnageln, klammern wir uns immer an das, was nicht ist. Und wenn wir so defizitorientiert sind, verharren wir in einer passiven Opferrolle.

Als ich noch jung und knusprig war …

Ja, war ich, da braucht ihr jetzt gar nicht zu lachen! Das war sogar ziemlich geil damals, nach dem Krieg. Nach welchem? Irgendwann nach dem zweiten Golfkrieg. Die Kerle hatten Matten bis zum Arsch, trugen Lederhosen und die Tattoos sahen endlich nach was aus, nicht mehr diese selbst gestochenen Grabhügelkreuze der Vorgängergeneration, und dann auch noch mit falschem Schattenwurf, buah!

Und damals hatten wir alle die ersten großen Teenagerlieben hinter uns und stolperten orientierungslos durch die Clubs und über die Festivals. Keiner glaubte mehr an den Mythos von der ewigen Liebe, aber wir wussten auch nicht, dass es Alternativen gibt. Denn Hippie wollte ja auch keiner sein, dass die »Freie Liebe« gescheitert war, wusste ja jeder. Also waren auch wir defizitorientiert und verletzend. Man lernte sich kennen, grinste sich an, schnupperte und sagte am ersten Abend: »Ich will keine Beziehung!«

Tatsache war aber: Wir hatten dann aber welche! In der Praxis! Und nach einer Phase der Unsicherheit und Angst, in der wir uns alle gegenseitig hilflos verletzten mit Ansagen wie: »Ich will keinen Bausparvertrag, also liebe ich dich nicht!«, hatte ich irgendwie, ohne es zu merken, gelernt, mit Freiheit umzugehen. Und ich kann jetzt rückblickend sagen: Das war ein verdammt wichtiger Knackpunkt. Ich hörte auf, mich an diese strunzdummen Dogmen zu klammern und fing einfach an zu leben.

Ich machte mich frei von dem Gedanken, dass ich nur was wert bin, wenn ich einen »abkriege«. Und, boar, war das befreiend! Das hatte dann sogar den Effekt, dass ich mehr abkriegte, als ich geplant hatte. Weil ich aufgehört hatte, zu bewerten, wann eine Beziehung eine ist und wann nicht, hatte ich dann irgendwie mehrere. Heute würde ich das, was ich damals schon gelebt habe, ganz klar als Polyamorie bezeichnen. Es war wirklich Liebe, die sich auch so anfühlte (na ja, bis auf die Sache mit Paul Anka, aber irgendwo hat jeder seine Grenzen), es war langfristig und es war vollkommen transparent.

Wir hatten nur noch kein Wort dafür. Da kostete eine Stunde Internet auch noch sechs Mark, aber es stand auch noch nichts drin, im Internet, man bekam da eigentlich nur AOL-Telegramme mit Anfragen wie: »Luts zum fieken?« oder »Stest du auf füsse?«, das war gar nicht so erquicklich, wie man immer meint. Doch, da hat sich mit der digitalen Evolution schon einiges getan. Aber Recherche war da eben noch ein bisschen schwieriger und bestell dir mal ein Buch über ein Wort, das du noch nie gehört hast!

Dann tauchte auch immer öfter der Begriff »offene Beziehung« auf, aber uuuh, war der negativ besetzt, boar! Mit dem Begriff ruderten nämlich damals immer die Klappspaten rum, die erst auf Monogamie pochten und dann fremdgingen. Dann hieß es: »Ab jetzt haben wir eine offene Beziehung, ich hab übrigens mit einer anderen geschlafen!« Seitdem hab ich kein Vertrauen mehr in Leute, die ständig von Treue labern, das sind die Schlimmsten! 😀

Rückschritt immer, vorwärts nimmer?

So. Jedenfalls hatte ich die Erfahrung gemacht, dass uns positiv besetzte Worte gefehlt haben und dadurch haben wir uns oft verletzt. »Ich will mit dir keine Beziehung!«, tut wahnsinnig weh. »Ich liebe es, die ganze Nacht mit dir zu kuscheln und alte Schwarzweißklassiker zu gucken, aber ich will keinen Bausparvertrag!«, tut nicht weh, sondern ist schön. Weil es eine positive Sichtweise hat, man freut sich dann einfach knubbelig über das, was man hat, kann sich ein Stück Pizza nehmen und fragen: »Film Noir oder Screwball-Komödie, wonach ist dir heute?«

Aber da mussten wir selbst drauf kommen. Aus Mangel an Worten mussten wir auch alles immer komplett neu aushandeln. Heute kann man sagen: »Ich bin polyamor!«, »Ich will Beziehungsanarchie, also lass uns einfach mal verhandeln!« und neulich wurde mein Blog sogar gefunden über die Suchanfrage »Beziehungsstatus ich mag Einhörner«. Ja, man kann heute Einhörner mögen oder sogar sagen: »Ich bin sapiosexuell, wenn nur blöde Leute um mich rum sind, werd ich einfach nicht scharf!« 😀

Es GIBT heute Worte für alles, wir können alles in konstruktive Worte fassen, die Bedürfnisse äußern und unserem Gegenüber sagen: »Ich bin so und so, ich möchte dies und das, was möchtest du, willst du mitmachen?« Da weiß jeder, wo er dran ist und kann frei entscheiden, ob er das will oder eben nicht. Wozu brauchen wir dann ein Negativ-Trendwort wie Nicht-Beziehung? Man muss sich ja nicht gleich auf ein Wort wie Polyamorie festlegen, aber wie wäre es mit: »Ich möchte keine Beziehung im herkömmlichen Sinne, ich möchte gerne eine Beziehung mit dir, die zu uns passt! Können wir mal reden, wie wir das machen?«

Heißt Nicht-Beziehung keine Verantwortung?

Schon wieder so ein unglaublich negatives Paradoxon. Die Autorin des oben verlinkten Artikels schreibt: »Eine Generation, die Nicht-Beziehungen als neue Kategorie erlebt, ist nämlich auch feige. Beziehung heißt Verantwortung, heißt Verpflichtung. Heißt: Ich stehe Dir bei. Ich kümmere mich um Dich. Ich bin da, versprochen. Das ist Nicht-Beziehungs-Menschen zu viel. Sie wollen schon auch kuscheln und sorgen, aber vor allem wissen, wo der Notausgang ist.«

Ich muss zugeben, da hab ich dezent mit den Augen gerollt. Wer sich nicht in das Hollywood-Schema pressen lässt und ewige Liebe verspricht, ist automatisch feige und nicht bereit, Verpflichtungen einzugehen. Schublade auf, zack, rein, Schublade zu. Ich kenne Menschen, die sich nicht ins Beziehungsschema pressen lassen und nichts versprechen, und wenn du die brauchst, sind die einfach da. Und ich kenne Menschen, die machen Kniefälle, schwören wer weiß was und biegen um die nächste Ecke und vergessen deinen Namen, wenn ihnen danach ist.

Da wird wieder pauschalisiert und die Beziehung wird abgegrenzt von der Nicht-Beziehung als das Modell, das Sicherheit verspricht. Weil – da macht jemand ein Versprechen. Manche Leute haben sich aber auch einfach nur versprochen, als sie was versprochen haben. Die in diesem Denkmuster geforderte Sicherheit gibt es einfach nicht.

Generation Nicht-Beziehung?

Hallo, können wir hier bitte noch etwas mehr Beton haben? Wir müssen das Klischee zementieren! Ja. Generationenproblem, wenn ich das schon höre! Als wäre das Scheitern an der überfrachteten Hollywood-Liebe neu! Jede Generation hat das Problem, nur werden die Freiheiten größer, sich damit auseinanderzusetzen und konstruktivere Wege zu suchen, zum Glück! Aber irgendwo in dem Artikel steht: »Versucht das mal euren Großeltern zu erklären!«

Wenn ich das Alter der Autorin, die Ansprache des Lesepublikums und die Zielgruppe der Seite richtig einschätze, dann müsste das die Großeltern-Generation sein, die die sexuelle Revolution angestoßen hat oder die alles entschuldigt mit: »Mein Gott, es waren die Siebziger!« 😀

Und die Generationen davor hatten noch ganz andere Probleme! Die Eltern der Großeltern haben ihre Kindheit im Luftschutzkeller verbracht und wer weiß was für Ängste verdrängt, deren Eltern haben »von nichts gewusst«, Vaddern kam mit einer Kriegsneurose irgendwann wieder nach Hause, falls er überhaupt kam, und was Muddern alles durchgestanden hatte, wurde sowieso nie erwähnt. Das waren schweigende, traumatisierte Generationen, wie gefühlvoll können deren Beziehungen gewesen sein? Ich denke, da haben viel mehr Paare eine Nicht-Beziehung geführt, nur waren die eben verheiratet.

Nicht Beziehung

Ich glaube einfach nicht an den Mythos, dass Führer … na, früher alles besser war und dass die Menschen ja »damals«, wann immer das war, durch ihr Verantwortungsbewusstsein viel erfülltere Beziehungen geführt haben als die »Generation Nicht-Beziehung«, das halte ich für pure Nostalgie. Ständig steigende Scheidungsraten heißen nicht automatisch, dass Beziehungen früher schöner waren, es heißt nur, dass die Leute sich früher nicht scheiden ließen.

Ich denke viel mehr, dass wir das Wort Verantwortung in Beziehungen mal überdenken müssen! Gerade eben habe ich zum Beispiel wieder Werbung für ein Buch gesehen: »Lesen Sie einen fesselnden Roman über eine Frau, die bereit ist, alles für die Liebe ihres Lebens aufzugeben!« Auch noch nach einer wahren Begebenheit.

Die Moral des Buches ist: Was hab ich in dem Schwein nur gesehen, pfui! Und für den hab ich alles aufgegeben, ich lass mich jetzt scheiden! Langer Leidensweg, enttäuschte Liebe, blabla, so was zählt heute als Befreiungsroman für die moderne Frau. Die moderne Frau gibt sich komplett auf, aus Liebe macht man das so. Oh, nee, immer noch? Yäp! Und wenn er dann nicht all ihre Bedürfnisse befriedigt, als wäre sie ein hilfloses Baby, ist er eben der Arsch, aber die Traumhochzeit war ja trotzdem ganz schön. Aber die moralisch saubere Heldin ist immer noch die, die alles aufgibt für die Liebe! Wer aus »Liebe« seine Eigenverantwortung komplett abgibt, wie soll der Verantwortung in einer Beziehung tragen, hä? Versteh ich nicht!

»Denn eine Nicht-Beziehung ist eine Harmonieversicherung für Menschen, die vor allem gemocht werden möchten. Wer eine Nicht-Beziehung beendet, macht ja mit niemandem Schluss und muss sich deswegen auch keine Vorwürfe anhören.«

Hm. Ja. Das steht da auch in dem Artikel. Ich denke, das soll sarkastisch sein, oder interpretiere ich das falsch? Sarkasmus wäre da auch angebracht, aber ist das wirklich so einfach? Geht man eine Nicht-Beziehung ein, damit man sich keine Vorwürfe anhören muss? Wäre es dem in dem Artikel beschriebenen Nicht-Beziehungs-Menschen nicht eh komplett egal, wenn ihm jemand Vorwürfe macht? Wozu sollte jemand Vorwürfe annehmen, der so tickt?

Ist es nicht eher so, dass inzwischen viele Menschen die Verantwortung übernehmen, flexiblere Beziehungsmodelle zu suchen, weil sie sich selbst Vorwürfe machen, falls sie jemanden verletzen? Und bei aller Nicht-Liebe zu dem Nicht-Wort Nicht-Beziehung: Mir ist da eine selbstreflektierte Nicht-Beziehung immer noch lieber als ein serieller Monogamist, der den Himmel auf Erden verspricht und dann nach zwei Jahren in die nächste monogame Beziehung verschwindet. Echt jetzt! 😀

Aber glücklicherweise haben wir heute auch positive Worte, mit denen wir sagen können, was wir wollen. Nicht nur Nicht-Worte, mit denen wir sagen können, was wir nicht wollen. Mir persönlich gefällt das Wort Liebe immer noch am besten. Und die Parameter kann dann ja wohl jedes Paar selbst festlegen! Hach, das war jetzt ein schönes Ende.

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SPOILER! Ein Neuzugang im Kluntje-Universum!

SPOILER! Ein Neuzugang im Kluntje-Universum!

Vorsicht: Spoiler!

Ihr lieben Menschen, heute lernt ihr den Neuzugang in der Flying-Kluntje-WG kennen!

Ich sitze nämlich gerade überm Manuskript zu Beziehungsstatus 4 und find die Moni so drollig, dass ich euch den Entwurf einer Szene zeigen will. Sie ist wirklich nicht die Hellste, aber ich mag die Figur einfach total gern! 😀 Wie gesagt, das ist erst ein Entwurf, ich weiß noch gar nicht, ob die Szene so im Manuskript bleibt, aber wer sich nicht spoilern will, sollte jetzt ganz schnell das X klicken! Alle anderen können jetzt zusammen mit dem Herrn O’Molloy „die Moni“ beschnuppern!

Und – nein – sie wird nicht Johns Flamme, seine nicht! Gnihihihi! *hände reib*

Wir müssen jetzt mit der Moni auf eine Marketing-Mission gehen und dem Neuen in der Nachbarschaft eine Flasche Sekt bringen. Zur Begrüßung. Die Moni ist nämlich die Frau vom Makler, und hat Ehrfurcht vor Künstlern. Aber so, wie es aussieht, ist ja auch nur ein Handwerker da. Glück gehabt! 😀

Erstkontakt mit Eingeborenen!

Verfolgt von den Blicken ihrer Erzfeindinnen stöckelte Simone über die kleinen Pflastersteinchen des Wendehammers und fluchte lautlos. Die neuen Pumps drückten ganz fürchterlich, aber wenn sie sich passende Schuhe kaufte, sahen ihre Füße immer so riesig aus! Und Bianka war natürlich mal wieder so richtig schön von oben herab, als würde sie sich im Geschäftsleben auskennen!
Aber die hatte auch gut lachen. Ihr Mann war ja ein feiner Herr Ingenieur, während sie immer für den Klausi repräsentieren und Kontakte pflegen musste. Dabei wusste sie genau, dass die anderen nur neidisch waren, weil sie und Klaus sich die Villa mit den Säulen in dem Neubaugebiet gebaut hatten. Richtig mediterran war ihr Haus mit den acht Zimmern, aber Klausi nutzte ja auch das Souterrain als Büro.
Simone erreichte das Grundstück, das seit der Scheidung der Vormieter brach gelegen hatte, und stöckelte den Weg zum Haus entlang. Die Haustür stand weit offen, aber der Handwerker war nirgendwo zu sehen. Unsicher rief sie: »Klopf, klopf!«, aber niemand antwortete. Sie betrat vorsichtig das kühle Haus. Vielleicht könnte sie die Flasche einfach irgendwo abstellen und wieder gehen, aber dann würden Bianka und Nathalie sie für feige halten.
Simone warf also tapfer einen Blick in die leere Küche, dann stöckelte sie weiter in das große, kahle Wohnzimmer und flötete mit dünner Stimme: »Mohoin!«
Sie machte einen Schritt zu der weit offen stehenden Terrassentür und sah jemanden mit dem Rücken zu ihr auf einem umgedrehten Eimer sitzen und eine Zigarette rauchen. Gott sei Dank, nur der Handwerker. Simone trat in die offene Tür und sagte wieder gezwungen fröhlich: »Mohoin!«
Der Handwerker reagierte gar nicht. Vielleicht hatte er diese Kopfhörer, die man nicht sofort sah, oder der Herr Omo beschäftigte Gehörlose, um Behinderte zu unterstützen. Das war sehr sozial.
Simone trat also vorsichtig um den Mann herum und sprach ihn langsam und extra deutlich an. »Guten Tag! Ich suche den Herrn O …«, sie kramte nervös nach dem Zettel. Der Mann sah zu ihr auf, blinzelte gegen die Sonne und sagte dann schleppend: »Ich spreche Deutsch.«
Simone griff sich erleichtert ans Herz und die Flasche knallte auf die Terrassenfliesen und zerplatzte. Der Handwerker sah Simone einfach nur an, als würde er mit offenen Augen schlafen, dann zog er langsam das Bein weg, auf dem sich prickelnde Sektbläschen in den Stoff saugten. Simone jammerte verzweifelt. »Oh, Gott, die sollte ich Ihrem Chef geben!«
Der Mann fuhr sich seltsam tastend über den Kopf, als würde er seine Haare suchen, und runzelte die Stirn. »Meinem Chef.«
Simone fragte sich, wer den Haarschnitt verbrochen hatte, sie war nämlich gelernte Friseurin, und dieser Haarschnitt war ein Verbrechen gegen die gesamte Friseurinnung. Aber der Mann hatte die grünsten Augen, die sie je gesehen hatte. Fast so grün wie der Rasen vor der Terrasse. Unbewusst warf sie einen Blick auf den ordentlich gemähten Rasen, um die Farbe zu vergleichen. Der Rasen war so ordentlich gemäht, weil der Klausi immer sie schickte, um die leerstehenden Objekte in Ordnung zu halten.
Der etwas unheimliche Mann fragte mit seltsam erloschener Stimme: »Was passiert, wenn man hier den Rasen wachsen lässt, bis man mit der Sense gehen kann?«
Simone lachte unsicher. »Dann würde der Klaus ein Unternehmen beauftragen und dem Herrn Molloy die Rechnung schicken. Der Klaus ist ja der Verwalter.«
Der Mann nickte langsam. »Hab ich mir schon gedacht, dass das hier so läuft.«
Simone bückte sich, um die Scherben einzusammeln. Der verschüttete Sekt schäumte und machte zischende Geräusche. Sie hätte die Scherben gern in den Eimer getan, auf dem der Mann saß, aber sie traute sich nicht, darum zu bitten und wusste dann nicht, wohin damit. Sie wusste auch nicht wirklich, wie sie sich in dem kurzen, engen Rock bücken sollte und ließ die Scherben wieder fallen. »Haben Sie ein Kehrblech?«
Der Mann fuhr sich wieder so irritierend tastend über den Kopf und murmelte: »Jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Lass den Scheiß einfach liegen.«
Simone richtete sich wieder auf und lächelte unsicher. »Aber wenn ihr Chef das sieht! Ich will ja nicht, dass sie wegen mir Ärger kriegen.«
Der Blick des Mannes wurde eigenartig eng, als er die Augenbrauen zusammenzog, dann stellte er knapp fest: »Meinetwegen.«
Simone räusperte sich. »Aber da können Sie doch nichts dafür!«
Der Mann zog langsam an seiner Zigarette und kniff ein Auge zu gegen den Rauch. »Es heißt nicht wegen mir, es heißt meinetwegen.«
Simone kicherte nervös. »Das ist ja wie in der Schule. Sind sie ein arbeitsloser Deutschlehrer?«
Der Mann sah wieder geistesabwesend zu ihr auf, dann wandte er den Kopf ab und sagte fast verwundert: »Ich bin Maler.«
Simone nickte erleichtert. »Ach, dann sind Sie zum Anstreichen hier! Wissen Sie denn, wann der Herr Molloy kommt?«
Der Mann zog wieder langsam an der Zigarette. Simone fragte sich, ob er vielleicht Drogen genommen hatte. Dann sagte er leise: »O. Es heißt O’Molloy. Wenn man das O vergisst, das kann er gar nicht leiden.«
Simone strich sich nervös den Rock glatt. »Kennen Sie den Herrn O’Molloy denn schon länger? Mein Mann sagt, der ist ein bisschen exzentrisch.«
Der Anstreicher schien irgendwie amüsiert und zog eine Augenbraue hoch. »Ist das so.«
Simone nickte eifrig. »Die beiden sind Geschäftspartner.«
Der Mann warf die Kippe in den immer noch schäumenden Sekt und beobachtete fasziniert, wie sie sich voll saugte, dann wiederholte er wieder: »Ist das so.«
Simone zerrte an ihrem kneifenden Röckchen. »Mein Mann ist führender Makler für den Großraum Ostfriesland und möchte dem Herrn Molloy ein Haus verkaufen.« Schwach fügte sie hinzu: »O.«
Sie hatte wieder das O in O’Molloy vergessen. Der Mann rieb sich den Nacken und murmelte: »Gut, dass ich gewarnt bin.«
Simone schlug die Hand vor den Mund. »Das dürfen Sie dem Herrn O’Molloy aber nicht sagen, der weiß das doch noch gar nicht!«
Der Mann stand langsam auf und streckte sich, als hätte er Rückenschmerzen oder schlecht geschlafen, oder beides. Ganz langsam streckte er den Arm aus und berührte sachte Simones Löckchen. »Du solltest Grün tragen. Flaschengrün.«
Simone piepste: »Wann ist der Herr O’Molloy denn da? Ich muss ihm doch eine neue Sektflasche bringen!«
Der Mann sah Simone für einen Moment so intensiv ins Gesicht, dass sie ganz schwach wurde, dann wurde sein Blick wieder verschlossen. Knapp sagte er: »Ich bin John O’Molloy und ich trink die Katzenpisse sowieso nicht. Und ich werde auch kein Haus kaufen, aber das darfst du deinem Mann nicht verraten, der weiß das nämlich noch gar nicht.«
Simone spürte, wie sie knallrot wurde, dann streckte sie dem Mann die Hand hin und wünschte zum tausendsten Mal in ihrem Leben, sie hätte schlanke, elegante Finger. »Ja, ähm, dann, das freut mich aber sehr, Sie kennenzulernen, Herr Molloy. O! O’Molloy!«
Der Mann gab ihr scheinbar widerwillig die Hand, bestimmt, weil sie so pummelige Wurstfinger hatte, dann murmelte er: »Kein Grund zur Freude, ich bin ein Arschloch.«
Simone kicherte nervös. »Das stimmt doch gar nicht!«
Herr O’Molloy wischte sich über die Stirn wie jemand, der sich durch die Haare fährt, dann wandte er sich unfreundlich ab. »Ist noch was? Ich muss weitermachen.«
Simone schüttelte eingeschüchtert den Kopf, dann machte sie einen plumpen Satz über die Scherben und huschte fast panisch zurück zu ihren Feindinnen.

Rezensionen: Wenn ein Romanheld was auf die Fresse kriegt

Rezensionen: Wenn ein Romanheld was auf die Fresse kriegt

Ui, autsch, klatsch! Habt ihr schon mal Rezensionen rezensiert? Nö? Ich auch nicht. Aber heute begeben wir uns mal auf diese Meta-Ebene und machen das einfach mal. Mir ist da nämlich eine fürchterlich komplexe Sache passiert, über die ich reden muss! 😀 Um ehrlich zu sein, das Ding hat mich so eiskalt erwischt, dass ich schon wieder emotionaaal war!

Ich hab dann auch noch mal im Polyamorie-Magazin nachgelesen, was da über mich steht und irgendwie hat mich das beruhigt. Wenn DAS Fachorgan der Polyamorie-Szene schon darüber berichtet, dass die Poly-Autorin Sookie Hell immer so herrlich emotional ist, dann darf ich das wohl. 😀

Aber, Mann! Diese Rezi hat mich echt so eiskalt erwischt, dass ich im ersten Moment neben mir gestanden habe wie früher die Hausfrauen in der Waschmittelwerbung, wenn sie sich gefragt haben, was sie denn bloß falsch gemacht haben. Und es geht, ja, meine Leser lachen jetzt, um wen sonst, natürlich um John. Aber fangen wir vorne an. Ich zeig euch erst mal die Rezension, über die ich jetzt seit Tagen nachgrüble.

Mein John und sein gnadenloser Verriss – vom Umgang mit Rezensionen

Äh, wenn ihr da eben draufklickt, wird das Bild groß und lesbarer!

Bämm! So. Das ist natürlich immer ganz kniffelig, auf sowas zu reagieren, ohne einfach als beleidigte Leberwurst dazustehen, aber ich traue uns allen zu, dass wir da differenzieren können! 😀 Meine Kolleginnen werden jetzt sofort wissen, wie ich mich gefühlt habe, nachdem ich das gelesen hatte. Ich war so verwirrt, ich hab den Papierkorb ausgekippt, auf meinen Kopf gestülpt und dann hab ich mich summend hin und her geschaukelt, bis ich mich halbwegs beruhigt hatte. Ihr kennt das, oder? Sagt mir bitte, dass ihr das kennt. Man fühlt sich wie eine Löwin, der ein Junges zerfleischt wird. Das ist übrigens der Grund, wieso ich nie Bücher meiner Kolleginnen rezensiere. Weil man nie wissen kann, wie viel Arbeit und Herzblut hinter so einer Figur stecken und wann man eine Löwin direkt ins Herz trifft.

Ja, gut, ob man jetzt Harry Potter einen Stern abzieht, weil man das Buch toll, aber Voldemort unsympathisch fand, ist eine Stilfrage, die jeder mit sich ausmachen muss, das ist klar. Und mein Umgang mit Kritik ist in der Regel meine Stärke. Ich schreibe schon seit so vielen Jahren für Geld, wenn ich mich jedes mal, wenn ein Auftraggeber was zu meckern hat, heulend aufs Bett werfen würde, hätte ich längst eine dieser lustigen Jacken an, bei denen man die Ärmel auf dem Rücken verknoten kann. Um es mit Lichtenberg zu sagen: »Das ist die Wetterseite meiner moralischen Konstitution«.

Trotzdem war ich so nachhaltig verstört, dass ich mir echt Gedanken machen musste. Und normalerweise sind kritische Rezensionen für mich auch kein Grund zum Heulen, sondern eine wichtige Motivation, um zu überarbeiten. So, wie bei der Rezension, in der es den Punktabzug gab, weil die Leserin fand, dass in Band 2 der Tango zu viel Raum in Anspruch nimmt, der den Nebencharakteren gutgetan hätte, das war sehr hilfreich und ich hatte das bei der Überarbeitung zur zweiten Auflage die ganze Zeit im Hinterkopf. Aber das jetzt … Hallo? John ist ein Held!

Boar, ist das wieder kompliziert …

… aber wir sind ja hier bei Sookie, da ist das eben so. Ich frag mich natürlich selbst, ob nicht ich die Drama-Queen bin, dass ich über eine Rezension so lange nachdenken muss, dass ich sogar extra einen Artikel darüber schreibe, aber: Nö.

Und dann sind die Beziehungsstatus-Romane ja auch noch eine Komödie, das muss man doch alles gar nicht so ernst nehmen. Aber sie sind eben eine Komödie im klassischen Sinne. Ich bin nie so ernst, wie wenn ich lustig bin. Denn der Sinn einer Komödie ist es, ernste Inhalte so zu überspitzen, dass die Menschen angstfrei darüber lachen können und sich lösen, und wenn sie entspannt sind, fühlen sie sich wohl und können auch über kompliziertere Sachen mal nachdenken. Um den Che an seinen strubbeligen Haaren herbeizuziehen: »Wer herzhaft lacht, hat mich nicht richtig verstanden!«

Höhö, der Che und ich, alte Liebe rostet eben nicht. Aber der Punkt ist: Als ich meine gekränkte Eitelkeit und das Kämpferherz der angegriffenen Löwin mit genügend Schokolade besänftigt hatte, kam ich an den Kern der Sache. Der Punkt ist also: Man kann ja noch so ein alter Hase im tippenden Geschäft sein, aber bei den Herzblutbüchern kommt ja jede Figur aus einem selbst. Ja, ihr Lieben, selbst eine gewisse Portion Sonja steckt in mir, sonst hätte ich sie nicht schreiben können. Jetzt hat mich zwar keiner mehr lieb, aber da muss ich jetzt durch. Aber Fakt ist: Dieser Angriff gegen John und Anna hat mich tatsächlich richtig verletzt, weil ich an beiden Punkten in meinem Leben schon war und weiß, wie schwierig das ist.

Lebenserfahrung braucht eben ihre Zeit

Ich war schon der ängstliche Klammermensch, der irgendwie damit klarkommen musste, einen Menschen zu lieben, den er nicht für sich haben kann, und ich war auch schon die abgeklärtere Hälfte, die versucht hat, ihren Partnern die Verlustangst zu nehmen, trotz ihrer anderen Beziehung. Irgendwann hab ich mich zu einem Sven entwickelt, der seine Gelassenheit aus dem Wissen zieht, dass man sowieso nichts festhalten kann. Ja, jetzt wisst ihr’s, in echt bin ich ein zwei Meter großer, tätowierter Wikinger. Also, äh, mental. Wir reden hier nicht über meine Bauchmuskeln! *flöööt*

Nein, es geht um die Gefühlslage, und deswegen verletzt mich dieser Verriss so. Das tut mir nämlich so weh, weil ich bestimmt Leser habe, die mit John mitfühlen, mit Anna oder mit beiden, weil ihr auch irgendwo dazwischen hängt, zwischen Eifersucht und Freiheit, wie das jeder Mensch tut, monogam oder nicht. Und ich will für die LeserInnen, die sich mit John identifizieren und mit ihm mitfiebern und die seine Zerrissenheit selbst schon gespürt haben, auf keinen Fall unkommentiert stehenlassen, dass er eine Dramaqueen ist, die nicht über den Tellerrand sieht. Denn wenn er nicht über den Tellerrand sehen würde, hätte er diese ganzen inneren Kämpfe doch gar nicht!

Schildwall: Reden wir also über John!

Gut, John ist ein extrem verpeilter Chaot und man kann jetzt echt nicht sagen, dass er sich immer im Griff hat, aber er ist – wir erinnern uns – der Held einer ernsten Komödie. Und in meinen Augen ist er eine extrem starke Figur. Wie viele hochintelligente Menschen mit einer herausragenden Inselbegabung hat er an anderen Stellen einfach Defizite, isso. Er ist eben nicht der perfekte Mister Billionaire, sondern ein Held mit Schwächen.

Aber dieser Mann fängt gerade an, die Hollywoodgehirnwäsche, die er sein Leben lang erhalten hat, über den Haufen zu werfen. John hat gelernt, was wir alle gelernt haben. Liebe ist immer exklusiv, sonst ist sie eben keine. Logischerweise sagt sein Kopf, dass Annas Gefühl für ihn also unmöglich Liebe sein kann, sonst wäre sie ja treu. Und ein Mann beweist seine Liebe durch seine Eifersucht. Territorialverhalten und besitzergreifendes Denken sind die Grundsteine des Patriarchats, jeder Mann, der das infrage stellt, ist ein Held, egal, wie »suboptimal« er sich dabei anstellt und sich auch manchmal gnadenlos zum Trottel macht.

Wer keine Angst hat, braucht auch keinen Mut, oder?

An der Stelle muss ich übrigens auch mal eben sagen: Ich hab männliche Leser. Für eine schreibende Frau, die im weiteren Sinne im Segment »Liebesroman« unterwegs ist, ist das markentingtechnisch ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem seid ihr da und ihr seid open-minded genug, um auf das Thema Polyamorie neugierig zu sein, das find ich extrem sexy, muss ich mal so sagen! Ihr seid meine Helden! 😀

So, zurück zu John. Ich hab diesen Mann erfunden, weil ich finde, dass wir solche Romanfiguren ganz dringend brauchen, um mal den Druck rauszunehmen, dass ein echter Kerl keine Schwächen zeigt. Es ist wahnsinnig schmerzhaft, sich mit der eigenen Eifersucht und Verlustangst auseinanderzusetzen und gerade Männern fällt das noch mal eine Schüppe schwerer, weil sie ja nicht schwach sein dürfen und dazu erzogen werden, solche Probleme dann eben mit Gewalt zu lösen, mit verbaler, manchmal sogar körperlicher Gewalt. Dann kriegt die Olle eben auffe Fresse, wenn die fremdgeht. Oder der Rivale. Oder beide.

Wenn ein impulsiver, leidenschaftlicher Gefühlsmensch wie John einfach sagen würde: »Hm, Polyamorie, hab ich noch nie gehört, da mach ich einfach mal mit!«, wäre das für mein Empfinden und nach meiner Lebenserfahrung total unrealistisch. Weil er sein Leben lang versucht hat, in der Welt der Monogamen mitzuspielen. Er ist völlig fokussiert darauf, da endlich mal alles richtig zu machen und soll jetzt plötzlich radikal umdenken.

Wieso John mein Liebling ist? Isser? Isser!

Jede Frau, die Polyamorie tatsächlich lebt, hat schon auf die eine oder andere Art die Erfahrung gemacht, dass schwer verliebte Männer genau in dem Moment zuklappen wie Austern, wo ihnen klar wird, dass es hier nicht um ein verletztes Hascherl geht, das »gerettet« werden muss, sondern um eine selbstbestimmte Frau, die tatsächlich sagt, was sie meint und meint, was sie sagt. Dass sie nämlich polyamor ist und das auch bleiben wird. Viele, viele Männer setzen sich damit nicht auseinander, sondern verlieren dann einfach eben den Respekt und damit ist der Keks für sie gelutscht.

Und ich saug mir das ja nicht aus den Fingern, ich hab’s selbst erlebt. 98 % der Mono-Männer drehen sich in dem Moment, wo ihnen klar wird, dass das nicht »heilbar« ist, um und fragen sich, was sie in der Schlampe gesehen haben. John tut das nicht. Klar, er ist verpeilt, er richtet Chaos an, er agiert aus Verletztheit heraus manchmal kopflos und destruktiv, aber er steht für die wenigen Helden da draußen, die den Mut haben, Unsicherheiten irgendwie auszuhalten und sich vorzutasten in eine andere Art der Liebe, auch, wenn’s weh tut, auch mit Rückschlägen und unreflektierten Reaktionen.

Und auch mit der nur natürlichen Reaktion, in so einer unsicheren Situation erst mal zu klammern und Sicherheit zu fordern. Und deswegen tut die Rezension mir so weh. Weil es hier um genau die Figur geht, die es wenigstens irgendwie versucht. Und Anna?

Anna und die Polyamorie

Die Rezensentin ärgert sich darüber, dass Anna für dieses verwöhnte Kind, diese Dramaqueen, ihren Weg in Zweifel zieht. Liebe Rezensentin, das ist natürlich dein gutes Recht. Ich vermute, du bist entweder eine radikale Beziehungsanarchistin oder eine glücklich verheiratete monogame Frau, die sich eher aus soziologischem Interesse für das Thema unlimitierte Liebe interessiert. Aber Anna ist weder das eine, noch das andere. Anna ist polyamor und sie weiß aus eigener Erfahrung, wie Verlustangst und Eifersucht sich anfühlen. Und das macht sie so mitfühlend.

Polyamorie ist im Spektrum der freien Liebe das »Spießermodell«. Es geht nicht darum, eine offene Beziehung in dem Sinne zu führen, dass rein sexuelle Seitensprünge erlaubt sind. Es geht auch nicht darum, wie es in der SM-Szene von einigen Paaren toleriert/akzeptiert wird, Spielpartner zu finden, die dieselbe Neigung haben, damit man diese trotz bestehender Beziehung ausleben kann. Es geht auch nicht darum, eine Nicht-Beziehung zu führen, um keine Verbindlichkeiten einzugehen.

Die Polyamorie hat ganz feste Regeln. Transparenz, Einvernehmlichkeit und Langfristigkeit. Diese Regeln geben allen beteiligten Partnern Sicherheit und wer sich nicht absolut verbindlich daran hält, der kann, nach meiner Erfahrung, dabei zugucken, wie die ganze Sache den Bach runtergeht und auf höchst schmerzhafte Weise an Verlustangst und Eifersucht zerbricht.

Die Regeln stehen also fest und wer sagt: »Ich bin polyamor« oder »Ich will eine polyamore Beziehung führen«, der verspricht (vorausgesetzt, er kennt sich selbst, kennt sich aus und plappert nicht nur irgendwas nach, was er in einem schlecht recherchierten Zeitungsartikel gelesen hat) ganz klar Verbindlichkeiten, an die das Gegenüber sich halten kann. Sich halten können muss. Und wenn Anna sich bemüht, einvernehmlich zu handeln, zieht sie nicht ihren Weg in Zweifel, sie geht ihn unbeirrt weiter.

Polyamorie heißt Verbindlichkeit!

Bei der Polyamorie geht es also um ernsthafte, langfristige Liebesbeziehungen. Und das wird nicht einfacher, wenn ein neuer Lieblingsmensch ins Polykül kommt, sondern bedeutet immer eine schwierige Phase der Unsicherheit für alle. Die Karten werden neu gemischt und dabei muss man höllisch aufpassen, dass keiner hintenüber kippt, weil er sich übergangen fühlt. So ein Polykül ist eine sehr sensible Angelegenheit und kann immer nur so glücklich sein wie sein schwächstes Mitglied. Denn alle sind emotional miteinander verbunden, auf die eine oder andere Art.

Wenn Anna jetzt sagen würde: »Tut mir ja leid, dass du eifersüchtig bist, aber ich lass mir nichts vorschreiben, ich mache, was ich will!«, dann wäre sie als Romanfigur unlogisch, verlogen und, äh, ein blödes Arschloch. Denn dann wäre ihr Verhalten nicht polyamor. Wenn sie gesagt hätte, dass sie keine Beziehung will und keinen Bock hat auf Verbindlichkeiten, dann hätte sie das sagen können, ohne unglaubwürdig zu sein, aber dann wäre sie auch nicht Anna. Denn Anna steht in der ganzen Welt der Beziehungsstatus-Romane eben für die Einhaltung der polyamoren Regeln, da ist sie der Sheriff und versteht auch keinen Spaß!

Und Anna mit dem großen Herzen liebt John auch mit diesem großen Herzen. Sie ist keine unverwundbare Übermenschin, sie leidet darunter, dass sie ihn verletzt und hat das Bedürfnis, dieses Leiden zu lindern und ihm Sicherheit zu geben und das tut sie konsequent, indem sie die Regeln einhält, auf denen sie ihr Leben aufgebaut hat. Sie zeigt ihm damit, dass er sich auf ihr Wort verlassen kann und dass Einvernehmlichkeit für sie nicht einfach nur ein Wort ist. Und sie denkt langfristig. Sie weiß genau, dass John es sein wird, der neu verhandeln will, wenn er merkt, dass er sich auf sie verlassen kann.

Sie handelt einvernehmlich mit Sven, weil sie mit ihm über alles gesprochen hat, immer wieder, und sie weiß, wie er dazu steht. Sven bleibt ja jetzt wahrlich nicht als der unterversorgte Trottel zurück und das Team Svanna definiert Liebe schon lange nicht mehr über Sex, eigentlich haben sie das noch nie getan. Aber Sven, der auch ein großes Herz hat, weiß, dass John das (noch) tut und darauf nimmt er als alter Poly-Hase eben Rücksicht. Ihm ist Mitfreude, weil Anna so verliebt ist, wichtiger als sein Revier zu verteidigen, und er hat ja auch echt genug zu tun.

Achtung, jetzt kommt die Botschaft!

So. Und diese flammende Rede ist jetzt aus mir rausgeblubbert, weil ich meinen LeserInnen sagen will: Wenn ihr solche Schwierigkeiten habt wie John, mit Eifersucht und Verlustangst umzugehen und vielleicht auch nicht immer die beste Figur macht, wenn ihr euch in die Ecke gedrängt fühlt, seid ihr keine Dramaqueens.

Ihr seid tapfere Menschen, die versuchen, ihre Ängste in den Griff zu kriegen und da ist man nun mal nicht immer abgeklärt und konstruktiv. Selbst Romanfiguren müssen keine Übermenschen sein, und wir echten Menschen schon mal gar nicht. Und wenn ihr Kompromisse macht, um die Menschen, die ihr liebt, so wenig wie möglich zu verletzen, stellt ihr auch nicht euren Weg infrage, ihr seid dann viel mehr verantwortungsvoll und empathisch.

Da könnt ihr mal sehen, was Rezensionen für Gedankengänge auslösen können!

Und das war für mich der Kern der Sache, das wollte ich klarstellen. Wem welche Figur sympathisch ist und wem nicht, bleibt ja jedem selbst überlassen, ich kann auch so manchen Publikumsliebling in Büchern oder Serien nicht leiden und hab auch überhaupt nicht den Anspruch, süße Bücher voller Lieblingscharaktere zu schreiben, dann würde ich Drehbücher für »My little Pony« schreiben. Ich freu mich ja, wenn meine Figuren auch polarisieren, insofern war das natürlich eine sehr wertvolle Rezension. Der eigentliche Wert der Rezi lag für mich aber wohl eher darin, dass mich das in meiner eigenen Position noch mal bestärkt hat.

Ich schreibe Romane über Polyamorie, weil mir die Vielfalt und Toleranz in der Liebe extrem wichtig sind. Steffi, die lieber Single ist, als einen nicht-monogamen Partner zu haben, ist zum Beispiel eine meiner Lieblingsfiguren. Jeder Mensch empfindet Liebe anders und sollte auch die Freiheit haben, sie in seiner Weise zu leben. Und ich will nicht, dass John in seinem Recht auf zutiefst menschliches Gefühlschaos beschnitten wird, ich will, dass er Zeit und Raum bekommt, wirklich von innen heraus zu reifen und sich auch damit auseinanderzusetzen, was eigentlich in ihm vorgeht, wenn er nicht treu ist. Im Moment arbeiten er und ich an Band 4 und die Frage beschäftigt ihn sehr! 😀

Ich will auch nicht, dass Anna ihr Mitgefühl über Bord wirft, nur, um auf Biegen und Brechen eine »starke Heldin« zu sein. Denn für mein Gefühl wäre sie gar keine starke Heldin, wenn sie nicht bereit wäre, auch immer wieder Kompromisse zu machen und wenn sie nicht auch Interessenkonflikte hätte, die ihr viel abverlangen. Ihre Stärke liegt gerade in ihrer Empathie und in ihrer Bereitschaft, ihre Partner auch mit deren Schwächen und Ängsten zu lieben.

So. Jetzt hab ich das blöde Gefühl, meine eigenen Bücher erklärt zu haben und wenn Romane nicht selbsterklärend sind, hat man beim Schreiben wohl was falsch gemacht. Aber bei so einem vielschichtigen und komplexen Thema wie Polyamorie kann das wohl mal passieren. In diesem Sinne: Seid keine Übermenschen, habt euch lieb für eure Gefühle und verzeiht euch, wenn ihr mal einen John-Moment habt, denn dafür ist John da. Dramaqueen hin oder her. Wir alle sind manchmal eine Dramaqueen.

Und noch eine Bitte!

Ich weiß, Kommentare in Blogs sind total out und ich finde es toll, wenn wir immer auf Facebbok quatschen, aber falls ihr das hier wirklich bis zum Ende gelesen habt und mir ein John-pro-oder-contra-Feedback geben wollt, dann wäre es sehr lieb, wenn ihr hier die Kommentarfunktion nutzen könntet, wir können ja trotzdem auf Facebook rumalbern, aber so finden dann auch die Blogleser eure Meinung, und die ist ja wichtig, nä? Hab euch lieb! 🙂

Übrigens: P.S.

Die Rezensentin und ich stehen per PN in Kontakt und sind sehr lieb zueinander! Nur, dass hier kein falscher Eindruck entsteht! Das ist wirklich eine spannende Sache! 😀

Bücherflashmob: Hasse ma’ne Mark?

Bücherflashmob: Hasse ma’ne Mark?

Ungelogen, ich bin jetzt total nervös! Dieser Bücherflashmob ist jetzt der Härtetest für meine Reichweite, also für euch! 😀 Weil – ich brauche mal eure Hilfe. Obwohl ich gerade neben mir stehe und eigentlich keine zusammenhängenden Sätze kann, also, schreiben. Sollte. Egal. Ich hab nämlich die ganze Nacht an einem epischen Trailer gebastelt und der geht so:

Bücherflashmob bei Sookie Hell!

Damit du weißt, worauf du dich da überhaupt einlässt …

Die Seite zum Buch findest du hier, aber die Startseite erzählt dir auch einiges über die Geschichte! Sieh dich ruhig erst in Ruhe um, bevor du den Mops unterstützt, ich freu mich ja immer über Besuch im Blog!

Öhm, ja. Was soll ich jetzt noch sagen? *tee schlürf* Äh, was ein Flashmob ist, wisst ihr alle. Alle kommen aus ihren Löchern, knubbeln sich kurz, haben Spaß, machen was Schräges und verschwinden wieder – in this case verschwinden sie im Idealfall, um „Beziehungsstatus 1“ zu lesen. Ein Bücherflashmob hat den Job, Algorithmen auszutricksen und alle Buchverkäufe, die sich sonst so auf den Monat verteilen, zu knubbeln, damit Amazon und Thalia denken: „Hö? Ist die berühmt oder was? Wieso hat uns das keiner gesagt?“ Und dann – flutsch! Rauscht der Mops in seiner Kategorie in die Top 100 und erlangt: Sichtbarkeit! Hach!

So weit der Plan. Aber natürlich kann ich einen Bücherflashmob nicht alleine durchführen, ist klar. Dass meine Stammleser das Buch schon haben, ist auch klar, sonst wären sie ja gar nicht in meinem Blog oder auf meinen Seiten, ist noch klarer. Ihr könnt mir aber trotzdem helfen! Also, äh, natürlich nur für den Fall, dass ihr der Meinung seid, dass meine Bücher cool sind und bekannter werden sollten. Teilt den Mops einfach wie die Wahnsinnigen, helft mir mit eurer Reichweite und dann gucken wir, was passiert! Das wird das geilste Mopsrennen des Jahres, ich schwör mit Blut!

Ja, gut, Möpse haben kurze Beine, aber so unrealistisch ist das gar nicht, dass er es in der Kategorie „eBooks Humor“ schafft, in die Top 100 zu kommen, der Wikinger hätte es nach seinem Erscheinen ganz ohne Bücherflashmob fast geschafft und die kostenlosen Sookies waren alle schon in der allgemeinen Top 100 für Noppes, vielleicht hat unser Mops ja tatsächlich eine Chance?

Ich stelle fest: Ein Bücherflashmob ist nichts für schwache Nerven!

Was hab ich mir da bloß bei gedacht? Was ist, wenn alle mich aufdringlich und doof finden und keiner mitmacht? *heul* Ich kann das jetzt noch löschen … Obwohl, halt! Atmen, Sookie, aaaatmen! Mir fällt da gerade eine Mini-Anekdote ein, die mich motiviert, nicht den Schwanz einzukneifen. Gestern hat eine sehr nette Frau, mit der ich mich in Buchgruppen auf FB manchmal unterhalte, in einem Kommentar erzählt, dass sie bei einem Polytreffen war, die Sprache auf meine Bücher kam und sich herausstellte, dass da ein Riesenfan von mir saß. Ob das „Riesenfan“ sich jetzt darauf bezog, dass der Herr 1,99 m groß ist oder ob er zu denen gehört, die alle meine Bücher gelesen haben, hab ich nicht gefragt, aber ihr versteht, was ich meine.

Man denkt als kleine Nischenautorin immer so: „Buhu, keiner kennt mich!“ und dann unterhalten sich irgendwo am anderen Ende der Welt Leute und einer sagt: „Die kenn ich!“. Ja. Das sind die Momente, wo man als Autorin Herzklopfen hat, weil man das Gefühl bekommt, dass die ganzen durchgemachten Nächte am Laptop sich gelohnt haben und dass die ganze Liebe, die da drinsteckt, nicht versickert, sondern irgendwo ankommt und Menschen berührt und zum Lachen bringt oder was weiß ich. Hm. Jetzt bin ich ganz gefühlig, das wollte ich eigentlich gar nicht. Lösch ich das jetzt wieder?

Scheiß drauf, ich starte jetzt den Bücherflashmob für den 16. und 17. September, das Büffet ist eröffnet!

Wir konzentrieren uns auf AMAZON und THALIA! Und lasst mir gerne einen Kommentar da, falls ihr mitmacht und das hier teilt, ich brauch das heute irgendwie! 😀

Buchtrailer selber erstellen – ohne zu verzweifeln

Buchtrailer selber erstellen – ohne zu verzweifeln

Weltbeste Follower und Neuankömmlinge! Bevor wir zum Thema Buchtrailer kommen, muss ich mich eben kurz entschuldigen für den Fall, dass ich euch zugespamt haben sollte, als ich den Blog optimiert und die bisher geilste Startseite meines Lebens gebaut habe (die immer noch nicht fertig ist), die ihr jetzt bitte hier bewundern sollt, wenn ihr nicht wollt, dass ich in Tränen ausbreche.

Nein, das war jetzt emotionale Ausbeutung und voll gemein. Ich fürchte aber, dass mein Jetpack-Mopped euch jedes mal eine Mail geschickt hat, wenn ich dafür einen neuen Beitrag erstellen musste und das waren einige. Gefühlte tausend, um genau zu sein. Ich sag nur: Nachtschichten! Dass ihr über jedes Pipifax-Gimmick informiert werdet, war aber gar nicht geplant. Falls es aber doch passiert sein sollte, erklärt das, wieso mir kostbare Abonnenten abgesprungen sind, während das Bauarbeiten-Schild vorm Blog hing! Ich wär da auch genervt gewesen! 😀

Für alle, die noch da sind: Heute machen wir mal zur Entspannung was richtig geiles! Wir setzen uns bescheuerte Baskenmützen auf, lassen uns einen zutzeligen Bart stehen (ja, auch die Frauen!), quarzen europäische Zigaretten wie Sven und Anna in emotionalen Ausnahmesituationen (die Nichtraucher mögen hier bitte zu Kaugummi-Zigaretten greifen, denn das ist enorm wichtig für die Authentizität!), denn heute widmen wir uns dem Thema Literaturverfilmung!

Buchtrailer – brauche ich als Autor Hühneraugen nicht dringender?

Nö! Das war nämlich so! Im Sommerloch kam ich auf die Idee, mich mit dem Thema »Buchtrailer selber erstellen« zu befassen, fasste mir ein Herz, fuchste mich in die Technik ein (iiiih, Technik!), fing dann an, kleine Filme zu basteln und ballerte das Internet damit gnadenlos zu. Dann kam die Neuerscheinung, es passierten wieder tausend andere Sachen und ich vergaß meine Buchtrailer, bis ich dann Ende August die Abrechnung für meine Buchverkäufe aus dem Juli bekam. Exklusive Amazon-Autoren fragen sich jetzt: »Hö? Wieso muss die so lange warten?«, aber bei meinem Distributor ist das nun mal so. Ich erfahre immer als Letzte, ob Leute meine Bücher kaufen! 😀

Jedenfalls saß ich dann ganz andächtig da und fragte mich: »Hö? Was war denn im Juli los, dass das so abgegangen ist, was hab ich da angestellt?« Ich grübelte, schlürfte Tee und dann fielen mir die Buchtrailer wieder ein. Und siehe da – die Buchverkäufe hatten sich locker verdoppelt. Das hat mehr gebracht als jede Preisaktion, ich schwör mit Blut! Und außer Zeit und Spaß hat mich das nichts gekostet, geil, oder? Deswegen hab ich mich weiter eingefuchst und vielleicht ist das ja auch für euch interessant – für meine Kolleginnen, aber auch für die Leser, die gern solche Trailer anklicken, um zu sehen, ob sie Lust auf ein Buch haben. Und damit ich mich nicht wieder verzettel, machen wir das jetzt hier einfach mal so super strukturiert, wie ich sonst nur für Geld schreibe! 😀

Vorüberlegungen zum Buchtrailer

Was brauchst du? Erst mal natürlich ein Buch, höhö. Obwohl – gibt es eigentlich auch schon Fan-Art-Buchtrailer? Das wär doch mal geil, falls sich einer meiner Leser berufen fühlt, meine Bücher als Fan-Art zu verfilmen, lasst es fließen! Egal, wo war ich? Deine Vorüberlegungen! Du kennst dein Buch ja besser als jeder andere, aber mir persönlich geht das dann oft so, dass ich total betriebsblind bin und auf die Frage: »Worum geht’s denn da?« nur mit einem knackigen: »Äääääh …« antworte. Das kommt natürlich bei einem Buchtrailer nicht besonders gut, deswegen hangeln wir uns jetzt mal an den Kernfragen entlang.

Wer ist die Zielgruppe für deinen Buchtrailer?

Das mit der Zielgruppe kennst du mit Sicherheit schon von Coverdesign, Klappentext, etc. Wer ist dein Wunschleser? Wen willst du mit einem furiosen Kawämm erreichen? Und jetzt kommt das Schöne an Buchtrailern – bei Klappentext und Cover hast du nur eine Chance, du hast ja in den Shops nur eine Produktseite und bist dadurch kreativ eingeschränkt. Je fokussierter du da bist, umso besser klappt das ja (ich muss da auch noch optimieren *seufz*).

Bei Buchtrailern kannst du aber die Zielgruppen besser differenzieren und dein Buch ist ja mit Sicherheit komplex genug, um verschiedene Leser auf verschiedenen Ebenen anzusprechen. Also: Schüchterne Jungs mit Brille lesen Harry Potter anders als naseweise kleine Mädchen mit fluffigen Haaren, ihr versteht, was ich meine. Beide Lesertypen haben die Bücher geliebt, aber sie lesen aus unterschiedlichen Gründen, weil sie sich mit verschiedenen Charakteren identifizieren.

Versuch also nicht, mit einem Buchtrailer alle anzusprechen, das klappt sowieso nicht, denn dann wird dein Trailer aussehen wie von der Stange. Tob dich lieber kreativ aus und erstelle einfach mehrere Trailer! Ich zeig dir mal an einem Beispiel, wie ich versucht habe, das umzusetzen. Und, äh, für alle, die mir jetzt wieder vorwerfen wollen, dass ich meinen eigenen Blog benutzte, um meine eigenen Bücher zu promoten – äh – lassen wir das einfach. Ich zeig euch jetzt einfach Trailer und dann bilden wir einen Sitzkreis und sprechen darüber! 😀

Das war glaub ich sogar mein allererster Versuch, einen Trailer zu bauen. Der kommt mir jetzt zu behäbig und langsam vor, aber ich wollte sicher sein, dass auch Leute an kleinen Monitoren alles mitbekommen! 😀 Jedenfalls ist hier Eugen die Hauptfigur des Trailers und mein Plan war, Leser anzusprechen, die gerne mal ausbrechen und den Mut aufbringen würden, etwas Neues zu wagen – und da ist das Lesen eines Beziehungsstatus-Romans ja gar nicht so verkehrt!

Wie ihr seht, richtet sich dieser Trailer – für dieselbe Buchreihe – an eine völlig andere Zielgruppe. Er soll ganz gezielt intelligente Frauen ansprechen, die ein komplexes Gefühlsleben haben und bei denen auch nicht immer alles so läuft, wie die CDU sich das vorstellt. Und wenn ich mir meine Leserinnen so ansehe, dann hat das auch ganz gut geklappt! 😀

Trotzdem gibt es bei beiden Trailern noch viel Verbesserungsbedarf, aber da kommen wir gleich zu. Wichtig ist erst mal nur, dass du verschiedene Leser auch verschieden ansprechen kannst und sogar solltest. Achte nur darauf, dass du keine Versprechen machst, die du nicht einhalten kannst und dass dein Buchtrailer die Grundidee transportiert, die die Leser dann auch wirklich durch das Buch begleitet.

Braucht ein Buchtrailer ein Drehbuch?

Yäp! Also, keine Panik, du musst jetzt nicht die ganze Story noch mal neu erfinden und einen Grafiker bezahlen, der dir ein Storyboard kritzelt, es geht nur um die Idee. Ich sehe immer wieder Buchtrailer, die mich leider nicht packen, weil sie viel zu global sind und alles und nichts sagen. Also, bei meinen Büchern wäre das zum Beispiel die Botschaft: »Anna und John verlieben sich ineinander, doch es kommt zu Problemen. Hat ihre Liebe trotzdem eine Chance?« Mööööp! Schon verloren! Da helfen auch keine Bilder von tollen Skylines und epische Musik – abgesehen davon, dass die Skylines in Ostfriesland eher von Wallhecken und Kühen gebildet werden, klingt das nach Groschenroman Nummer 4529584.

Wenn du als Autorin das Standing hast, dass deine Stammleser gerade das suchen und dir jede Neuerscheinung sofort in die Charts bringen, ist das natürlich geil, aber wenn du das nicht hast, musst du dich auf dein Alleinstellungsmerkmal konzentrieren und das dann auch rüberbringen – um die Leser zu erreichen, die genau deine Story wollen, weil sie anders ist! Wenn du das für dich klar hast, dann kommen der Elevator Pitch und der Hook! Iiiiih, das klingt nach Marketing! Yäp!

Elevator Flutsch? Was?

Pitch, es heißt Pitch! Ich konnte mit dem Wort auch nie was anfangen, bis ich irgendwo gelesen habe, dass Bill Gates angeblich tierisch gerne in seinen Firmenfahrstuhl steigt, um Leute zu piesacken und zwar mit der Frage: »Was tust du heute für mein Unternehmen?«

Tja. Wenn du jetzt rumstammelst und was von Nasebohren oder Bleistifte anspitzen erzählst, bist du weg vom Fenster. Wenn du aber flammend und punktgenau raus haust, wie sehr du gerade dafür brennst, Apple mal so richtig mit deiner Innovation in den Arsch zu treten, dann könnte es ja passieren, dass Mister Gates vergisst, an der Kantine auszusteigen, weil er mehr über deine Innovation hören will. Dann hast du es geschafft – du hast einen gelungenen Elevator Pitch abgeliefert! Mir persönlich gelingt das nie spontan, wenn ich bei Microsoft arbeiten würde, würde ich nie ohne Spickzettel in den Fahrstuhl steigen, aber Buchtrailer bastelt man ja zum Glück in Ruhe zu Hause.

Was ist also dein Elevator Pitch? Sollten Menschen dein Buch unbedingt lesen, weil du genau solche Vampir-Romane schreibst wie XY, die leider aber alle schon vor fünf Jahren gelesen haben und die jetzt total out sind? Oder handelt dein Vampir-Roman vielleicht mal von einem Vampir, der total geflasht ist von den Fähigkeiten einer Menschenfrau? Bei Sonne vor die Tür gehen? Gefühle haben? Einen Vampir total unsexy finden, weil er so immer so gefühlskalt ist? Oder müssen deine Vampire eine geheime Umweltorganisation gründen, um das verfickte Ozonloch dieser verantwortungslosen Menschen zu stopfen? Was? Hä? Lass deinen Trailer erzählen, wieso Vampir-Roman-Fans deinem Vampir eine Chance geben sollten!

Der Hook im Buchtrailer – du brauchst also einen Piratenkapitän mit Enterhaken-Klaue?

Yäp! Leg einen Köder aus, damit sie anbeißen. Tease sie, mach sie neugierig und verrate so viel, wie sie wissen müssen, aber nur so viel wie nötig, denn die wenigsten Leser stehen ja auf Spoiler. Wer will schon die letzte Seite zuerst lesen? Erzähl deine Story im Buchtrailer am besten so, dass die Stimmung rüberkommt und die Spannungspitzen angedeutet werden, aber auch so, dass es noch so oder so ausgehen könnte. Lass sie, yeah, mit einer offenen Frage in der Luft baumeln, hihi!

Ich hab das in diesem Beispiel so versucht: Buchtrailer zu Beziehungsstatus 3:

Tja. Watt issen nu eine Bromance? Klar, kann man googeln, aber kann man das beim Googeln erleben? Und was hat das mit Wikingern und Polyamorie zu tun? Ich hab den Buchtrailer zwar noch nicht getestet, aber ich bin gespannt, was passiert, wenn ich ihn ins Netz werfe. Diesen Trailer zu Beziehungsstatus 3 zu basteln hat übrigens tierischen Spaß gemacht (weil ich für die Technik nicht mehr nachdenken musste, höhö!) und mich gleichzeitig vor neue Herausforderungen gestellt. Bisher hatte ich nur Buchtrailer zum »Gesamtkunstwerk« erstellt, aber jetzt wollte ich die Geschichte eines bestimmten Bands mit einfließen lassen. Kniffelig, wenn man die Stimmung transportieren, aber Neulesern nicht den Spaß an Band 1 und 2 verderben will. Ich hoffe mal, das Teil floppt nicht. So, jetzt haben wir uns mit dem Inhalt befasst, jetzt kommt der langweilige Teil: Die Technik! 😀

Buchtrailer erstellen ohne Budget

Geht, ist überhaupt kein Ding, wenn du kreativ bist – was du als Autor sowieso bist – und ein bisschen Geduld hast zum Fummeln und Ausprobieren. Folgende Programme und Gimmicks hab ich benutzt:

Windows Movie Maker

Ich bin ja Volltrottel und Hobby-Buchtrailer-Erstellerin, also fand ich den Windows Movie Maker für die ersten Versuche völlig ausreichend. Wenn man damit arbeitet, fallen einem zwar immer mehr Funktionen ein, die man bei dem Programm gern noch hätte, aber einem geschenkten Barsch guckt man nicht hinter die Kiemen. Ich hab zwar überall gelesen, dass der Movie Maker auf sämtlichen Windows-Rechnern vorinstalliert ist, bei mir war er das aber gar nicht, also hab ich ihn hier runtergeladen. Wie das Ding funktioniert, hab ich mit ein paar einfachen Tutorials auf YouTube gelernt und dann einfach »Lörning bei Do-ing« gemacht. Es gibt für alles einen Back-Button!

Bild- und Videomaterial

Wenn ihr mal lizenzfreie Bilder googelt oder kostenlose Bilder, dann stellt ihr fest, dass sich schon viele Blogger die Mühe gemacht haben, Listen zusammenzustellen, durch die ihr euch durchklicken könnt, zum Beispiel hier und hier. Ich persönlich treibe mich meistens auf Pixabay rum, man darf nur nicht den Fehler machen, so grobe Suchbegriffe wie »Mann« oder »Frau« einzugeben – das tun nämlich verdammt viele Leute und dann nutzt du auch genau dasselbe Bildmaterial wie verdammt viele Leute. Diese junge Dame mit der Wunderkerze ist zum Beispiel so ein Fall. Jeder Blogger denkt da sofort an die Voreinstellungen eines WordPress-Themes.

Lizenzfreie Bilder für Buchtrailer

Natürlich besteht bei kostenlosen Stockfotos immer die Gefahr, dass man denkt: »Mist, da hat einer dasselbe Foto wie ich!«, aber wenn das mal passiert, ist das nicht so schlimm, wie wenn das Foto quasi schon selbst zu Marke geworden ist. Wenn man aber nicht ganz so offensichtliche Suchbegriffe eingibt, kann man Glück haben und Bilder finden, die man nicht schon tausendmal gesehen hat und die passen wie Arsch auf Eimer. Das Bild, das ich für Anna verwende, hab ich zum Beispiel unter dem Suchbegriff »Haare« gefunden. Ich persönlich finde es grundsätzlich immer cool, Bilder zu wählen, die noch Raum für die Fantasie lassen. Was mir gefällt, muss ja meinen Lesern noch lange nicht gefallen, vielleicht stellen die sich meine Hauptfiguren ja ganz anders vor als ich.

Das Sahnehäubchen – der Soundtrack des Buchtrailers!

Bilder auszusuchen macht schon tierisch viel Spaß, ich kann da stundenlang hängenbleiben und manchmal reift die Idee zum »Drehbuch« auch erst richtig aus, wenn ich Bilder sehe, die in meine Geschichte passen. Aber noch viel geiler finde ich es, mich durch Audiodateien zu klicken! Lizenzfreie Musik ist jetzt leider nicht immer sooo der Knaller, aber wenn man sich Zeit nimmt, findet auch bei den für kommerzielle Zwecke verwendbaren Stücken richtig cooles Zeug, das die Stimmung eines Buchtrailers transportiert. Ich suche immer zuerst hier, aber man kann auch bei YouTube im Video-Manager unter Video-Tools in der Audio-Bibliothek cooles Zeug finden. Musik bringt die Stimmung noch mal ganz anders rüber als pure Bilder, also nimm eine Datei erst, wenn du das sichere Gefühl hast: »Yeaaaaah! Geil!«

Der schwierigste Teil: Den Buchtrailer verbreiten

Ja, äh, jetzt könnte ich eine psychologische Abhandlung darüber schreiben, wie sehr uns das Sprichwort »Eigenlob stinkt!« geschadet hat, aber das wäre jetzt ja gar nicht ziiiielführend, nä? Fakt ist ja, dass Autoren einfach keine Rampensäue sind, sonst hätten sie sich für darstellende Künste entschieden, anstatt im stillen Kämmerlein zu arbeiten. Weil ich so harmoniesüchtig bin und immer will, dass alle sich lieb haben, hätte ich jetzt auch fast gesagt: »Lass dich von deinen Selbstzweifeln nicht ausbremsen!«, aber: Nö. Inzwischen sehe ich das anders.

Mir ging das zum Beispiel so mit der ersten Auflage der Beziehungsstatus-Romane. Ich hatte tierische Hemmungen, Werbung zu machen. Natürlich, weil meine Lehrer früher immer gemein zu mir waren und meine Mutter immer gesagt hat, ich muss mich mehr anstrengen, klar. *jammer* *wunden leck* *alle blöd find*

Tja. Dann wurde mir aber klar, dass meine Zweifel tatsächlich Gründe hatten, die auch in meiner Arbeit lagen. Die Zielrichtung war mir zu schwammig, die Aussage nicht klar genug, die Cover zu popelig, da waren einfach noch so ein paar Punkte, mit denen ich mich nicht ganz wohlgefühlt habe und die ich optimieren musste. Also hab ich so lange Arbeit in das Projekt gesteckt, bis ich das Gefühl hatte, ab jetzt ist es okay. Komplett neue Cover, umfassende Überarbeitung der Inhalte, das für mich ganz wichtige Prequel, neue Klappentexte. Das hab ich so lange gemacht, bis ich das Gefühl hatte: Jetzt ist es okay genug, um auch mal auf die Kacke zu hauen. Allen gefallen kann und will ich eh nicht, aber mir muss es gefallen, dann stehe ich auch voll dahinter. Ich sag jetzt nicht, dass es bei euch noch was zu optimieren gibt, aber für mich persönlich war das so.

Diese Fragen im Kopf! Was sollen meine Facebookfreunde denn von mir denken, wenn sie fünfmal angezeigt bekommen, dass ich was in einer Gruppe gepostet habe! Jetzt mal ohne Witz: Ich hab euch alle lieb, aber wer genervt ist, kann ja das Abo meiner Beiträge abstellen oder mich entfreunden, das ist doch völlig okay! Mir ist ehrlich gesagt inzwischen wichtiger, dass ich meine Leser erreiche, dafür mache ich das schließlich! Das wollte ich nur mal gesagt haben! 😀

Portale richtig bespielen und Buchtrailer hochladen

Also: Die Verbreitung des Buchtrailers solltest du doppelt aufstellen. Zum einen natürlich auf YouTube, denn von da aus kannst du ja ins gesamte Web verlinken, zum Beispiel auf deinen Blog, hehe! Facebook dagegen bespiele ich einzeln. Ich hatte mich total oft gewundert, wieso ich eine winzige Reichweite habe, wenn ich auf YouTube ein Video toll finde und das auf meiner Facebook-Seite teile. Dann wurde mir angezeigt, dass das fünfzehn Leute gesehen haben. Frustrierend.

Dann hab ich gelesen, dass Facebook »eigenen« Content, also direkt beim Herrn Zuckerzwerg hochgeladene Bilder und Videos, bevorzugt behandelt. Und siehe da, mit direkt bei FB hochgeladenen Buchtrailern erziele ich Reichweiten weit über tausend, wenn ich das Video auf meine Seite stelle und von da aus in ein paar Gruppen teile. Schräg, oder? Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Ich weiß nicht, wie andere Portale das handhaben, aber grundsätzlich geht der Trend ja zum »User auf der Seite einsperren und Inhalte für sich behalten«, auf Google+ zum Beispiel ist die Funktion verschwunden, mit der man Inhalte mal eben seinen FB-Freunden zeigen kann. Also verteilt man seinen Content wohl besser direkt auf den Portalen. Tjaja, solche Sachen muss man wissen, wenn man sich im Internet wichtig machen will!

Ich persönlich hab mich jetzt für heute genug wichtig gemacht, ich hoffe, ihr konntet was mit meinen Erfahrungen anfangen und wenn ihr selbst jetzt sabbert und auch einen Buchtrailer basteln wollt, dann lasst mich wissen, was draus geworden ist! Fühlt euch frei, euren inneren Chabrol von der Leine zu lassen oder – wie Anna sagen würde – euren Fellatio Fellini. »Verfilmt« euer Buch, habt Spaß dabei und dann haut den Buchtrailer raus!

Schirme aufspannen: Sookie schüttet ein polyamores Füllhorn der Liebe aus!

Schirme aufspannen: Sookie schüttet ein polyamores Füllhorn der Liebe aus!

Auf dem Foto seht ihr das Frauenbild, das mir (und vielen anderen Frauen) antrainiert wurde und das heute im Mainstream wieder so angesagt ist, wie noch nie. Hündisch ergeben und klammernd, egal, was der Knaller gerade wieder für einen Mist anstellt. Und jetzt die gute Nachricht: Blödheit und Konditionierung sind heilbar. Ich zum Beispiel schreibe heute Romane über Polyamorie.

Ihr Lieben, ich weiß, das klingt jetzt völlig bescheuert, aber ich muss heute einfach mal meine Freude mit euch teilen. Denn im Moment passieren so viele wundervolle, kleine Dinge, die ein fantastisches, großes Ganzes sind und deswegen ist mir einfach nach Knuddelwuddel zumute! Sollte ich heute also in ganz furchtbaren Pathos abrutschen, der sich anhört wie Selbstbeweihräucherung, so müsst ihr ein Auge zudrücken und mir das verzeihen, aber ich bin verliebt. Und zwar in euch! 😀

„Bist du nicht die Poly-Autorin?“

So wurde ich in letzter Zeit öfter im Netz angesprochen und das löst in mir ein ganz seltsam bunt gewürfeltes Gefühl aus. Zum einen ist da natürlich der ewige Selbstzweifel, den alle Autorinnen kennen, und das ist kein Fishing for compliments, das ist das wirklich verdammt tief sitzende Gefühl, dass man ständig die eigene Arbeit hinterfragt, weil man sich denkt: „Wer bin ich schon, dass ich irgendein Label verdient hätte?“, denn man fühlt sich ja nicht als Influencer, wenn man Bücher schreibt, sondern als jemand, der extrem schrullig ist und viel zu viel Zeit mit seinen unsichtbaren Freunden verbringt.

Und mit strunzlangweiligen Sachen wie Korrektur lesen, immer und immer wieder, Sätze umstellen, Streichen, Rauswerfen, Umarbeiten. Schreiben ist alles andere als sexy. Zum anderen ist da aber ein ganz andächtiges „Huch!“, wenn ich „die Poly-Autorin“ bin und es ist fast unheimlich. Werde ich etwa zur Marke? Mit dem am Buchmarkt vollkommen unpopulären Thema Polyamorie? Den Aufsatz:

„Warum ich Romane über Polyamorie schreibe“,

den schreibe ich ein anderes Mal, da ist mir jetzt gerade nicht nach, das ist nämlich kompliziert, schwermütig, hochkomplex, erfordert einen ausführlichen literaturgeschichtlichen Exkurs und hat ungefähr den gleichen Unterhaltungswert wie Dostojewskis Weihnachtserzählung über den hohlwangigen Knaben, der auf der Straße verendet, während er durch die Fenster der Reichen auf die funkelnden Festtafeln blickt.

Jetzt sage ich nur: Ich schreibe über Polyamorie, weil ich selber als junge Frau polyamore Romanfiguren als Rollenmodelle verdammt gut hätte brauchen können. Aber als ich in den Neunzigern als junges, verpeiltes Ding mein „polyamores Coming-out“ hatte (so hieß das damals noch nicht), wusste ich eben noch nicht, dass das in Ordnung ist. Man war dann eben die Schlampe und feddich.

Aber zurück zum buntgewürfelten Gefühl. Neben der chronischen Autorenberufskrankheit called „Selbstzweifel“ passieren nämlich im Moment vollkommen abgefahrene Dinge. Ich dachte, wenn überhaupt, dann erreiche ich mit den Büchern ein paar versprengte Seelen aus der Poly-Szene, die sich in meinen Geschichten wiederfinden können. Und was ist? Meine Leser sind ganz „normale“ Leute! Und da passiert gerade etwas wahnsinnig schönes. Wir durchbrechen nämlich gerade zusammen eine gläserne Decke.

Frauen waren jahrtausendelang getrennt durch eine patriarchale Mauer. Die Heiligen und die Huren, die Ehefrauen und die Schauspielerinnen, Grisetten und Dienstmädchen für die Affären der Gatten. Und beide Lager, da sind wir uns einig, waren sich nie besonders grün, dafür haben die Herren schon gesorgt. Divide et impera. Und jetzt lesen Frauen, die noch nie von Polyamorie gehört haben, meine Bücher und schreiben mir: „Ist ja witzig, total klasse, wann erscheint der nächste Band?“

Jetzt nehmen meine Bücher, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie für „normale“ Leser interessant sein könnten, irgendwie Fahrt auf und ich kriege vollkommen überwältigendes Feedback, an dem ich merke: Der Begriff „normal“ ist komplett bescheuert, ich hab es immer schon geahnt! Entweder keiner von uns ist normal oder wir sind alle normal, was ich daran aber so geil finde, ist die Tatsache, dass ich mein Leben lang drunter gelitten habe, nicht normal zu sein und jetzt stelle ich fest: Das war kompletter Quatsch!

Weil ich ein polyamor fühlender Mensch bin, der in einer monogam geprägten Welt lebt, dachte ich immer, ich bin ein Montagsmodell. Eben kaputt. Nicht funktionstüchtig. Und jetzt passiert mir das: Mir schwappt wahnsinnig viel liebevolle Akzeptanz entgegen für meine polyamoren Romanfiguren und damit auch für mich als polyamore Frau!

Bunte Autorin bekommt bunte Leser!

Leute, ich hab keine Ahnung, wer ihr seid, aber die wenigsten von euch haben irgendeinen Bezug zur Polyszene. Aber ihr verschlingt meine Bücher, ihr schreibt mir in Rezensionen, wie wichtig ihr es findet, dass es zu diesem Thema jetzt meine Bücher gibt, ihr schimpft sogar mit mir, wenn meine polyamore Hauptfigur in einem gefühlvollen Moment monogame Tendenzen hat, weil ihr das „Happy End“, dass sie sich endlich für einen entscheidet, nicht mehr wollt, ihr wollt, dass sie es hinkriegt, als polyamore Figur stark zu bleiben und mit beiden Männern zu leben. Und ich versteh die Welt nicht mehr! Seit wann sind Leserinnen von Liebesromanen offen dafür, dass es keinen Mr. Right mehr gibt, sondern einen Mr. Right und einen Mr. Left? ;D

Neulich bekam ich bei einer Rezension einen Punktabzug. Andere Autoren brechen da weinend zusammen und ziehen nörgelnd über die Unverschämtheit durch sämtliche Autorengruppen, ich bin singend um den Schreibtisch getanzt. Weil die Begründung für diesen abgezogenen Stern einfach absolut grandios war.

Wenn ihr meinem Blog schon länger folgt, versteht ihr sofort, was mich daran so geflasht hat. Ich hab es geschafft, eine polyamore Frau zur weiblichen Heldin aufzubauen. Nicht zu einer Schlampe aus der Schmuddelecke, die von „guten monogamen Frauen“ zurück in die Reihe geschubst wird, oder die auf den rechten Pfad der Monogamie zurückfindet, weil sie endlich Mister Right trifft, sondern zu einer Frauenfigur, von der sich eine Leserin denkt: „Boar, die ist ja cool, hoffentlich bleibt die so!“ 😀

Und das finde ich unfassabr geil, da bin ich ganz unbescheiden mächtig stolz drauf. Oder ein anderes Beispiel! Gestern fand ich irgendwo unter einem meiner Buchtrailer auf Facebook folgenden Kommentar (ich hab den Namen nur ausradiert, weil sich das bei solchen Screenshots so gehört, das ist alles voll anonym hier, hihi!):

Und solche Kommentare sind für mich ein absolutes Fest. Das war voll das Überraschungs-Ei, weil es drei Dingsdas, na, Schokolade etc, auf einmal anspricht. Erstens: „Ich wusste ja nicht mal, dass dieses Thema existiert.“ Ernsthaft, ich bin keine Missionarin, Leute zur Polyamorie bekehren zu wollen, liegt mir absolut fern, weil jeder dem Lebensstil folgen sollte, von dem er fühlt, dass er für ihn richtig ist. Wir können heute ja zum Glück als schwule Einhörner Rollschuh laufen und dabei Ukulele spielen und es ist okay. Und ich wünsche den Leserinnen meiner Bücher, dass sie mit ihrem Stil glücklich sind.

Aber ich liebe es, Ideen zu streuen und zu einem Klima der Toleranz beizutragen. Und wer sich so offen und vorurteilsfrei auf meine Bücher einlässt wie meine Leserinnen, der wird niemals blöde Vorurteile über Polys haben. Und dann, für mich der absolute Hammer: „Witzig und regt trotzdem zum Nachdenken an.“ Das ist für mich so ziemlich das größte Lob, das ich für mein Handwerk als Autorin kriegen kann. Für mich fühlt sich das an wie siebzehn Vorhänge in der Mailänder Scala. Und all das, der wunderbare Support durch meine vollkommen bunt gemischten und für mich absolut mysteriösen Leser, führt dann dazu, dass es unter meinen Büchern so aussieht:

Sammelwut unter Nicht-Polyamoristen: Die Sookie-Gesamtausgabe
Sammelwut unter Nicht-Polyamoristen: Die Sookie-Gesamtausgabe

Oder so:

Ihr kauft einfach gnadenlos alles auf, was ihr über Sven, Anna und John finden könnt. Und eure Treue bei Romanen über „Untreue“ macht mich so unglaublich happy, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu noch sagen soll. Außer: Ich hab euch alle mächtig lieb. Eure Offenheit und euer Interesse für Polyamorie macht mich tierisch glücklich. Auf völlige Ignoranz war ich gefasst, sogar auf einen Shitstorm, weil ich öffentlich auf dem Liebesromanmarkt eine heilige Kuh schlachte, aber auf so viele positive Schwingungen war ich echt nicht vorbereitet.

Und wenn meine Bücher erreichen, dass vielleicht irgendwann irgendwo mal eine Frau nicht sofort den antrainierten Selbstzerfleischungsmodus anwirft, falls sie mal in die Situation kommt, sich trotz Partnerschaft zu verlieben, dann hat die ganze Arbeit sich wirklich gelohnt. Wir sind alle ein bisschen Anna und wir dürfen das. 😀

Ich geh wie auf Wolken, weil ich so wunderbare, offene und neugierige Leser wie euch gefunden hab und ich bin unheimlich dankbar für das, was hier gerade passiert. Das musste einfach mal gesagt werden. Und ich verabschiede mich jetzt ganz im polyamoren Sinne: Ich liebe meine Leser. Alle! 😀

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Ihr Lieben! Heute gönne ich mir was und ihr müsst da jetzt mit mir durch! Ich sammle nämlich schon seit einigen Wochen auf Youtube Videos über Polyamorie und die schönsten Beutestücke will ich euch heute zeigen und – harrrr – kommentieren! Hihi!

Es kann sein, dass der Artikel etwas länger lädt, also gehen wir einfach alle noch mal Pipi machen und bringen uns auf dem Rückweg einfach eine Tasse Tee mit! Oder Klicker-Klicker-Treets. Oder die „Telebar“-Nüsskes Kollektion. Oder vegane Süßigeiten, was immer ihr präferiert und aus welchem Jahrtausend ihr kommt! 😀

Wir starten mit: Da regt mich ja die Frage schon auffff! 😀

Also! Ich hab keine Ahnung, wer die Leute sind, steht leider auch nicht dran (ich will ja immer alles ganz genau wissen), aber! Boaaaar! *augenroll* Die Frau finde ich sehr sympathisch und durchdacht und würde ihr auch wünschen, dass sie mal von der Theorie zur Praxis übergeht und tolle Dinge erlebt. Aber die Fragen, die Fraaagen! Das ist eine der ganz klassischen Fragen, die gerade polyamoren Frauen immer wieder gestellt wird.

Polyamorie: „Ist das nicht ein bisschen gierig?“

Gierig! Ich persönlich zitiere auf diese Frage oft einen Satz aus Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“. Die zauberhafte Scarlett McNamara säuselt da: „Otto sagt, keine Frau sollte zwei Pelzmäntel haben, solange es noch eine Frau gibt, die keinen Pelzmantel hat!“

Oddo-Darling ist nämlich Kommunist und wurde verkörpert von einem großartigen Hotte Buchholz, ja, das war mal unser Mann in Hollywood! Damals mussten wir uns für unsere Exportartikel noch nicht schämen! 😀 Aber zurück zum Thema. So. Wenn ich diesen Satz zitiere, schaut mein Gegenüber mich meistens glasig an, weil ich mal wieder zu doof bin, um die Metaebene meines Gedankens knackig rüberzubringen. Was ich meine: Männer, Partner generell, egal welchen Geschlechts, sind keine seelenlosen Pelzmäntel!

Der Gedanke, dass Menschen einfach gerecht verteilt werden könnten, ist vollkommen absurd. Da hat jemand die „Ehe für alle“ nicht richtig verstanden. Das ist keine staatlich geregelte Garantie dafür, dass jeder genau einen Partner abbekommt. Und wenn Polyfrauen (oder auch Polymänner) sich anhören können, dass sie gierig sind, weil sie mehr Partner haben wollen als andere, dann sag ich nur: Pelzmantel!

Solltest du als Polyfrau mal von einer frustrierten Singlefrau dafür angemacht werden, dass du mehr Männer hast als sie, kannst du ihr ja anbieten, dass sie gern versuchen darf, bei einem deiner Männer zu landen, mal gucken, was sie dann macht! 😀

Polyamores Bekenntnis im Strandkorb *dahinschmelz*

Ein Strandkorb, ein Strandkorb! Mein Lieblingsplatz auf der Welt! Ich gebe zu, ich bin jetzt durch einen Heimwehkoller nach meiner alten WG in Ostfriesland etwas abgelenkt, aber ich reiß mich zusammen! Als ich das Video angeklickt hab, hatte ich diese hübsche Frau mit ihrer sanften Art spontan lieb. Sie ist zwar keine orthodoxe Theoretikerin, aber sie bringt zwei Aspekte auf den Punkt, die ich ganz wichtig finde. Die Alleinzeit (dazu später mehr) und die Tatsache, dass man nicht automatisch mit mehreren Partnern Sex haben muss, um polyamor zu fühlen.

Einer lesbischen Singlefrau würde man ja auch nicht ihre sexuelle Identität absprechen, weil sie nicht auf One-Night-Stands steht und dann eben mal eine Weile keinen Sex hat. Polyamoren Menschen haftet immer noch dieses Klischee an, dass sie ja eben nur ganz viel vögeln wollen. Für die, die das wollen, ist es total toll, wenn sie können und dürfen, aber einem Gefühl abzusprechen, dass es Liebe ist, weil man diese Liebe nicht körperlich ausleben will, aus welchen Gründen auch immer, finde ich persönlich genau so bescheuert, wie Menschen dafür zu verurteilen, dass sie Sex genießen. Wer liebt, liebt. Und je mehr wir lieben, umso schöner ist das. Punkt.

Die Sache mit der Polyamorie und dem Kuchen …

Diese beiden Herren strahlen so viel niedliche Lebensfreude aus, dass man ihnen fast verzeihen möchte, wie chaotisch sie sind, aber der von mir sehr geschätzte Atman Wiska, der in der Polyamorie-Szene unermüdlich Aufklärungsarbeit leistet, um das Halbwissen der Menschheit in Bezug auf Polyamorie ein bisschen geradezurücken, würde wahrscheinlich Hörner kriegen. Warum?

Für mich als Autorin geht das schon mit der sprachlichen Ungenauigkeit los, nee, das war zu euphemistisch, was die Jungs da erzählen, ist einfach Quark. Da wird erklärt, dass es bei PolyAMORIE um Liebe geht (so weit richtig), während PolyGAMIE auf das rein Sexuelle bezogen ist. Auf den physischen Akt. Ich muss zugeben, dass ich an der Stelle schallend gelacht habe. Die Silbe „Gamos“ steht für Ehe. Also nicht Hechel-Hechel-Japs-Stöhn, sondern das genaue Gegenteil. Oder, wie Jane Eyre einst sagte (nicht im Buch, aber in einer der zahlreichen Verfilmungen): „Eher werde ich sterben, als mitanzusehen, wie unsere reine Liebe gewöhnlich wird!“

Tja. Also: „Hömma, Kollege, bevor ich keinen Ring hab, läuft hier gar nix!“ Das war eine dumme Sache für Rochester, war er doch verheiratet und hatte von Polyamorie noch nie was gehört. Und dann die Sache mit dem Kuchen. Ich bin mit diesem Vergleich nie zurecht gekommen. Der hinkt für mich völlig, weil Kuchen materiell ist. Man kann ihn messen, wiegen, kleinschneiden und wenn er aufgegessen ist, ist er alle. Aufheben kann man ihn aber auch nicht. Liebe ist aber nicht materiell, nicht messbar, man kann sie weder in zwölf gleich große Stücke schneiden, noch zwölf Personen genau die gleiche Liebe in die Hand drücken und sich dann zurücklehnen, weil ja jeder was gekriegt hat.

Was ich sehr schön finde an dem Video ist der positive Grundton und auch die Tatsache, dass das Coming-out angesprochen wird. Dazu muss ich aber noch mal eben klugscheißern. Solange der Partner nichts weiß, ist es einfach keine Polyamorie. Hier unterscheidet sich die Polyamorie ganz klar von anderen „angeborenen“ Lebensstilen. Denn Polyamorie entsteht ja erst durch Transparenz und Einvernehmlichkeit. Polyamor zu leben und dem Partner nix zu sagen, ist ein Paradoxon, das im Volksmund schlichtweg „heimliche Affäre“ genannt wird.

Le Nummer Eins c’est moi – Yeah!

Auf dieses Video bin ich erst heute zufällig in einer geschlossenen Polyamorie-Gruppe gestoßen und hatte sofort ein breites Grinsen im Gesicht. Ich finde Ina Maria Blaubeer einfach arschcool und total sympathisch. Aber natürlich muss ich ihr widersprechen und Recht geben!

Ich finde es toll für Ina, wenn es in ihren Beziehungen keine Treppchen und Hierarchien gibt, für mich waren das auch immer die Lebensphasen, in denen ich mich am allerwohlsten gefühlt habe, aber das klappt leider nicht immer. Zum Beispiel, wenn Paare, die schon ewig zusammen sind und eine lange gemeinsame Geschichte haben, sich dann für Polyamorie öffnen. Wenn man da als neuer Partner dazu kommt, kann es passieren, dass man ewig der oder die „Neue“ im Polykül bleibt. Und je nachdem, ob man das toll findet oder ob man sich in dieser Rolle irgendwie außen vor fühlt, kann da verdammt viel Redebedarf entstehen.

Oder wenn man einen Partner hat, der einfach keine Sicherheit ausstrahlt, dann kann es auch passieren, dass man sich vergewissern will, ob man die Nummer Eins ist, um irgendwie aus ihm rauszukitzeln, ob man ihm überhaupt wichtig ist. Das geht zwar meistens schief, aber der Versuch ist nur menschlich.

Ganz wild nicken muss ich bei dem Thema, dass man einfach seine eigene Nummer Eins sein muss. Das gilt ja nicht nur für Polyamorie, sondern für jede Beziehung und da sind wir auch wieder bei der oben schon angesprochenen Alleinzeit. Wenn man sich regelmäßig Alleinzeit gönnt, eigenen Interessen nachgeht und einfach Dinge tut, die einen glücklich machen, passiert nämlich auch das, was Ina Maria da so richtig anspricht. Die Zeit mit anderen bekommt eine andere Qualität. Wenn ich mit meinem Partner für den Rest meines Lebens zu zweit auf der Couch hängen muss, weil Paare das eben so machen, dann nervt es mich irgendwann schon, dass er atmet. Wenn wir uns sehen, weil wir wollen, und nicht weil wir müssen, ist es ein Fest.

Polyamorie zieht immer weitere Kreise und das ist gut so!

So, das war für heute meine kleine Polyamorie-Show und ich hoffe, es hat euch gefallen. Mir jedenfalls gefällt das ausgesprochen gut. Das Thema Polyamorie kommt immer mehr „in der Mitte der Gesellschaft“ an (wo immer die ist) und je mehr Leute darüber reden, bloggen, schreiben, diskutieren, umso besser ist das. Denn mit der Polyamorie ist es wie mit allen anderen Sachen auch: Nur, wenn wir aufgeklärt sind und Fakten kennen, können wir frei entscheiden, was wir wollen und was eben nicht.

Apropos wollen! Falls ihr jetzt meine Romane über Polyamorie lesen wollt, weise ich noch schnell auf die Preisaktion in dieser Woche hin! 😀 Die findet ihr hier.

Kennt ihr noch weitere Videos, die ihr empfehlen könnt oder habt ihr sogar selbst eins gedreht?