Monogamie: Trennungsgrund Nr. 1

Monogamie: Trennungsgrund Nr. 1

MonogamieImmer nur Monogamie wäre doch langweilig, oder? Diese drei Herren sind bereit, sich dem Problem zu stellen!

Jahaha, klar, Klickbait! Wer ist denn so blöd und trennt sich, weil der Partner treu ist? Aber da sind wir schon mitten drin in dem Denkfehler, den ich heute mal zerpflücken muss und wer möchte, ist herzlich eingeladen, mir dabei zuzuhören. Ich überlege nämlich schon ewig, wie ich dieses Thema mal für den Blog anfassen kann, ohne mich anzuhören wie ein dröges Fachbuch, und jetzt hab ich gerade einen Anlass, das Problem (mal wieder) in Worte zu fassen. Wieso macht Monogamie Beziehungen kaputt?

Wenn Liebe zerbricht, tut das allen weh. Allen.

In meinem engsten Freundeskreis passiert gerade mal wieder eine ganz klassische Trennung. Eine gute Freundin von mir kam vor ein paar Monaten an und war völlig verstört und verletzt. Ihr Partner war bei ihr gewesen und hatte ihr gesagt, dass er sich von ihr trennen muss, weil er irgendwie das Gefühl für sie verloren hat. Von einem Tag auf den anderen. Nach ein paar Jahren Beziehung hatte er das Gefühl verloren wie einen Hausschlüssel und wusste nicht, wo es ist.

Der ganze Freundeskreis fing an zu rätseln. Was hat er denn? Wieso tut er das? Die waren doch so glücklich! Die passten doch so gut zusammen! Sogar er rätselte fleißig mit. Sein neuer Job würde ihn so fordern, er wäre irgendwie ausgebrannt. Er hätte keine Gefühle mehr. Alle machten sich Sorgen. Hat er Depressionen? Burn-out? Kann man ihm helfen? Er verstrickte sich in Widersprüche, die meine Freundin komplett unter Strom setzten. Er würde sie immer lieben, er würde immer ihr bester Freund bleiben und für sie da sein, er könnte ihr nur nicht die Gefühle geben, die er ihr geben müsste, und deswegen fühlte er sich ihr gegenüber schrecklich.

Sie sagte nur immer wieder: »Ich verstehe es nicht! Wenn ich es bloß verstehen könnte!« Sie konnte weder aufhören zu grübeln, noch mit der Sache abschließen. Und die Sache entwickelte die Dynamik, die sie immer entwickelt. Dieser fürchterlich schmerzhafte, fiese Ablöseprozess, den wir bestimmt alle kennen, begann. Sie fing an, aus Angst und Verletztheit wütend zu werden und ihm Vorwürfe zu machen. Er zog sich immer mehr zurück und ließ sie am ausgestreckten Arm verhungern. Je ratloser sie wurde, umso mehr bohrte sie und forderte Erklärungen. Abwärtsspirale. Mit Lippenbekenntnissen blieb er dabei, dass er immer für sie da wäre. Mit Taten reagierte er tagelang nicht auf Nachrichten und vertröstete sie nur immer wieder damit, dass sein Gefühl ja vielleicht irgendwann wiederkommt. Wie eine streunende Katze. Mit paradoxer Kommunikation drängte er sie in eine dieser Double-bind-Geschichten. »Ich tu das Gegenteil von dem, was ich sage, jetzt find raus, was davon stimmt!«

Damit machte er es ihr unmöglich, sich einfach umzudrehen und zu gehen. Weil wir Menschen nun mal so ticken, dass wir auf solche Manipulationen anspringen, ob wir wollen oder nicht. Es könnte ja schließlich sein, dass sein Gefühl doch wiederkommt und sie wollte die gemeinsamen Jahre mit ihm nicht einfach wegwerfen, nur, weil es ihm vielleicht gerade nicht gut geht. Denn dass es einem Menschen, der behauptet, keine Gefühle mehr wahrnehmen zu können, nicht gutgeht, ist ja klar. Es war auch offensichtlich, dass er sich total beschissen fühlte, er wurde immer gereizter und aggressiver und hatte überhaupt keinen Vertrag damit, die Versprechen zu halten, die er gegeben hatte. Beste Freunde für immer, egal, was kommt, wenigstens das. Und dann kam endlich raus, was immer raus kommt.

»Es gibt da eine andere Frau.«

Ja, nein, also, er hatte seine Partnerin ja nicht betrogen. Mit der anderen war auch nichts gelaufen, bevor er gesagt hatte, dass er irgendwie keine Gefühle mehr hat. »Richtig« trifft er sich mit der anderen erst, seit er seine vorherige Beziehung zur »Freundschaft« erklärt hat. Und aus der Tasche kam er dann erst, weil er die »Freundschaft« auch noch kündigen musste, also Kontaktabbruch. Weil es ja anderen Frauen gegenüber nicht fair wäre, so rein theoretisch, wenn er mit seiner Ex-Freundin befreundet bleibt. Das würde die ja verletzen. So rein hypothetisch. Speziell dann eben, äh, seine neue Freundin. Weil – die wurde immer von seinen Vorgängern verlassen, weil die zurück zu ihren Ex-Freundinnen gegangen waren. Und er hatte seiner neuen Freundin gesagt, dass er mit seiner »Ex«, die ja gar nicht wusste, dass sie offiziell schon die Ex ist und unter Schmerzen noch monatelang für die Beziehung gekämpft hat, keinen Kontakt mehr hat. Er wollte ja nicht, dass die Neue sich aus Angst, betrogen zu werden, gar nicht auf ihn einlässt und hat sie darum mehr oder weniger betrogen.

Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Eben eine dieser klassischen Trennungsgeschichten in der Welt der Monogamie. Allen geht es dreckig, jeder ist verletzt, alle machen Fehler aus Angst und verletzten Gefühlen heraus und können sich die selbst nicht verzeihen und dann kommt noch eine Schüppe Selbsthass oben drauf, weil man genau weiß, dass das eigene Verhalten nicht in Ordnung ist. Ich denke, jeder, der schon ein bisschen Lebenserfahrung hat, hat diese Geschichte selbst oder im Freundeskreis schon so oder ähnlich erlebt. Als der Betrogene oder als der Teil der Beziehung, der »gehen muss«, weil er sich neu verliebt hat und sich einfach nicht traut, es offen zu sagen.

Und versteht mich jetzt nicht falsch, ich verurteile hier wirklich niemanden! Selbst nicht den Mann, der meiner Freundin so weh getan hat. Das glauben mir jetzt nicht alle, aber ich hab tiefes Mitgefühl mit dem armen Kerl. Weil er nämlich ein Opfer romantischer Mythen geworden ist. Mir ist das selber auch passiert, als ich noch jung und verwirrt war und das Bild von mir und dem, wovon ich dachte, wie ich sein muss, einfach nicht synchronisieren konnte. Und dieses Bild haben wir ja alle. Der Mythos der Monogamie ist einfach überall.

  • Liebe ist exklusiv.
  • Man kann immer nur einen Menschen lieben.
  • Wenn man sich trotz bestehender Partnerschaft verliebt, ist man ein emotionaler Vollversager.
  • Wenn man »anständig« sein will, muss man Gefühle erst niederkämpfen, wenn das nicht mehr geht, muss man lügen und betrügen, wenn das nicht mehr geht, muss man eben die Trennung aussprechen.

Und diese Glaubenssätze sind in uns allen so festzementiert, dass wir oft gar nichts anderes denken können. Und deswegen brechen wir Beziehungen ab, obwohl wir ganz tief in uns drin den vertrauten Partner noch lieben und es »eigentlich« gar keinen Grund gibt, diesen wundervollen Menschen zu verlassen. Außer der Tatsache, dass wir uns neu verliebt haben. Oder eine Affäre hatten. Oder einen One-Night-Stand, von dem nie jemand was erfahren darf, aber in den Spiegel gucken können wir eben trotzdem nicht mehr, geschweige denn in die Augen des Partners. Und dann fangen wir an, den Partner zu hassen, weil er uns vorkommt wie ein wandelndes Schuldgefühl. Wie eine Plakatwand, auf der steht: »Du Schwein!«

Und dann müssen wir diesen Partner loswerden, weil wir die Schuldgefühle nicht ertragen. Weil er das lebende Mahnmal ist, ohne das wir uns viel besser fühlen würden. Weil er uns allein durch seine Anwesenheit jeden Tag daran erinnert, was für emotionale Vollversager wir sind. Wir haben es nicht geschafft, unsere Gefühle zu kontrollieren. Und dann kippt das Schuldgefühl irgendwann um in Wut.

Wenn Denken und Fühlen nicht zusammenpassen

Unser Kopf weiß genau, wann wir gute Menschen sind. Klar. Wir kriegen die Botschaften an jeder Ecke serviert, von klein auf. Wir denken, dass es nur ein Ideal gibt: die immerwährende, treue Liebe. Hach. Jeder Liebesroman (außer meinen, höhö), handelt von der Suche nach Mister Right, jeder Film erzählt davon und Singleportale leben davon, dass ihre Mitglieder bei jedem Klick hoffen, jemanden zu finden, der noch besser zu ihnen passt. Weil – wenn man sich lebenslang zur Treue verpflichtet, sind die Ansprüche natürlich hoch. Wer will schon für den Rest seiner Lebens mit jemandem zusammen sein, der »irgendwie na ja« ist, »ganz okay«. Dass da über kurz oder lang Bedürfnisse auf der Strecke bleiben, ist auch den verbohrtesten Romantikern klar, ganz tief unten drin irgendwo, im Verdrängungskeller ihrer Seele.

Trotzdem halten viele von uns immer noch an der Programmierung fest. Liebe und Treue sind eins. Das eine ist ohne das andere nicht existent. Ich mein jetzt auch gar nicht, dass wir alle Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Langfristigkeit in die Tonne kloppen sollen und jeder macht, was er will, absolut nicht, das wäre grauenhaft. Ich meine nur: Es liegt – wirklich für jeden von uns – im Bereich des Möglichen, dass wir oder unser Partner mal Gefühle außerhalb der Beziehung entwickeln, irgendwo auf der riesigen Palette von Lust bis Liebe. Aber dadurch, dass wir diese Möglichkeit immer noch extrem tabuisieren, kommen wir ja nicht weiter. Denn in der Realität passieren diese Geschichten nun mal.

Und wenn diese Geschichten passieren, dann rutschen wir in einen ganz bösen Spagat aus Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, weil wir »schlechte« Menschen sind. Wir sind darauf programmiert, Gefühle in gut und schlecht zu unterteilen. Gefühle für den »offiziellen« Partner sind gut, gesellschaftlich anerkannt. Gefühle für einen »inoffiziellen« Partner (selbst, wenn wir uns zusammenreißen und die Affäre nur im Kopf stattfindet) sind schlecht, böse, schmutzig. Sie zwingen uns dazu, Masken zu tragen, nach innen zu emigrieren, Menschen, die wir lieben, anzulügen und zu hintergehen. Und da liegt ein riesiger Denkfehler.

Für unser Verhalten sind wir verantwortlich. Und bei dem, was wir in der Realität tun, ist es ja auch extrem wichtig, dass wir zwischen gut und schlecht unterscheiden, ich denk mal, da sind wir uns alle einig. Aber Gefühle passieren einfach. Bei Gefühlen gibt es kein gut oder schlecht, die sind wie das Wetter – einfach da. Und uns mit dem Kopf dafür zu verurteilen, dass wir Gefühle haben, ist ein Weg, der nur zu noch mehr negativen Gefühlen führen kann. Irgendwann steht der Kessel dann so unter Druck, dass manche Menschen platzen.

Wo kommt Monogamie überhaupt her?

Die Frage mag jetzt für manchen paradox klingen. Wie, wo Monogamie herkommt? Der Mensch ist eben monogam. Aber wenn er das wäre, gäbe es keine Trennungen wegen Untreue, so einfach ist das.

Monogamie hat Gründe und da streiten sich die Geister, welcher Grund jetzt »der« Grund ist, aber das finde ich gar nicht zielführend. Natürlich ist das theoretisch ganz interessant, wo Monogamie herkommt. Ich persönlich finde immer religiöse Gründe extrem absurd. Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Kapier ich nicht. Bei einer Trauungszeremonie ist Gott dann anwesend, bei einem Scheidungsverfahren aber nicht oder was? Ich dachte, Gott ist überall und sieht alles. Und wieso sollte Gott Ehen schließen? Weil er patriarchale Interessen hat und keine Kuckuckskinder als Erben einsetzen will? Weil Kapital immer Kapital heiratet? Egal.

Schlüssiger finde ich da schon den Ansatz, dass die Sache mit der Monogamie eher so aus medizinischen Gründen losging, als der Mensch anfing, Siedlungen zu gründen. Wenn jeder weiß, in welches Bett er gehört, gibt es weniger Stress im Dorf und Geschlechtskrankheiten breiten sich nicht so schnell aus. Das klingt für mich sehr einleuchtend. Dass an jeder Supermarktkasse Kondome liegen, ist ja jetzt rein evolutionsgeschichtlich auch recht neu, die letzten zwanzigtausend Jahre lassen sich nicht so schnell wegwischen. Obwohl es ja immer noch Stimmen gibt, die behaupten, dass Kondome zum Sex führen, nicht Sex zum Gebrauch von Kondomen. Also, ich persönlich kann mich jetzt nicht erinnern, dass ich jemals gedacht hätte: »Ach, guck mal, da ist einer und ich hab ein Gummi in der Tasche, dann vögel ich den doch mal eben, das Kondom muss ja langsam mal wech!« Also, äh … nee. Die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln war für mich noch nie ein Argument für Sex! 😀

Ich persönlich glaube, dass die Entstehung der Monogamie als Mythos vom ganz großen Gefühl für die Ewigkeit sich aus dem undifferenzierten Denken entwickelt hat, das wir nun mal haben, wenn die Hormone das Ruder an sich reißen. Frisch verliebt zu sein ist so ein übermächtiges Gefühl, das ist so, wie wenn wir tierischen Hunger haben. Dann können wir auch an nichts anderes mehr denken als an Essen und haben das Gefühl, dass wir jetzt sofort ALLES verputzen könnten. Pommes, Torte, Obstsalat, Chips, Ommas Hühnersuppe, sieben Käsebrote und, au ja, ein Schnitzel, oh jaaaa, ein Schnitzel mit richtig fett Soße und Gulasch und Knödeln! Dann essen wir ein Zehntel davon, sind satt und stellen fest, dass es doch noch andere Bedürfnisse gibt im Leben, nur waren die eben total überlagert, weil alle Hormone gesagt haben: »Ey, hallo? Unterzucker, Nährstoffmangel, Kooohldampf, jetzt füll doch endlich mal einer den Tank auf!«

Frisch verliebt zu sein, ist wie mit Hunger einkaufen zu gehen, nur tausendmal schlimmer. Man will alles, für immer, und noch mehr davon, wir glauben, dass wir sterben müssen, wenn wir nicht sofort diese Liebe ausleben können und können uns in dem Moment nicht vorstellen, dass wir jemals wieder etwas anderes fühlen werden. Und dann machen wir Versprechen, weil das für uns in dem Moment wirklich so ist. Nur befindet sich in unserem Programm keine Garantie dafür, dass es immer so bleiben wird. Das hat sogar einen ganz einfachen, praktischen Grund, dass Liebe nicht bleibt »wie am ersten Tag«. Den Stress würde nämlich kein Körper ewig durchhalten. Also wird aus Verliebtheit irgendwann ruhige, schöne, warme Liebe. So »langweilige« Sachen wie Geborgenheit und Vertrautheit. Diese langweiligen Sachen sind total schön, ich liebe sie. Aber Liebe und Verliebtheit sind wie eine gemütliche Wattwanderung an einem lauen Sommertag und ein Tsunami. Und wenn man eine Entweder-Oder-Entscheidung treffen muss, gewinnt meist der Tsunami.

Ist ja auch egal. Jedenfalls ist die Monogamie da und wir müssen jetzt gucken, was wir damit machen. Ich bin wie gesagt auch kein Gegner der Monogamie, ich kann die Sehnsucht danach sehr gut nachfühlen und hab sie auch selbst schon gehabt. Nur eben nie für immer, weil immer so lange ist!

Was der Zwang zur Monogamie mit manchen Menschen macht

Neulich hatte ich auf meiner Facebookseite gepostet, dass eine große deutsche Frauenzeitschrift einen Bericht über Polyamorie gebracht hatte. Das an sich ist ja begrüßenswert. Aufklärung, was das überhaupt ist, tut Not. Erschreckend waren die Kommentare darunter auf der FB-Seite der Zeitschrift. Da rottete sich ein wütender Mob zusammen und die Emotionen kochten hoch. Da kamen Kommentare wie »Ekelhaft, die bearbeitet ihren Lover mit dem Mund und steckt ihrem Mann zuhause die Zunge in den Hals. Ich könnte kotzen lieber jeden Tag alleine sein als mich so demütigen zu lassen.«

Ja. Nur dieser eine Satz ist völlig exemplarisch. Man muss kein Psychoanalytiker sein, um aus so einer Äußerung zwei Dinge zu lesen: Angst und Hass. Nicht irgendeinen Hass, sondern sexualisierten Frauenhass. Der arme Mensch, der solche Kommentare abgibt, schleudert einem doch lebenslang unterdrückte und zu Hass kanalisierte Triebe ins Gesicht wie ein Feuerwehrmann, der dir das B-Rohr direkt in die Fresse hält, einen Wasserstrahl. Das Weib ist schlecht, das wissen wir alle, dafür haben wir die christlich-abendländische Moral, die ur-westlichen Werte, blablabla. Die Hexenverbrennung hatte Gründe, meine Damen und Herren, ja? Das haben die nicht zum Heizen gemacht! Das hat der Stand gemacht, der aus religiösen Gründen nicht durfte! Das kommt dabei raus, wenn man natürliche Triebe unterdrückt, tabuisiert und verteufelt, anstatt einfach zu akzeptieren, dass sie da sind und dann zu gucken, was man jetzt damit machen kann.

Jeder, der nicht monogam ist, stellt also die ur-westlichen Werte infrage und ist schlimmer als Schwule, die die Ehe ins Lächerliche ziehen, weil sie ja gar keine Kinder zeugen wollen. Und diese Prägung tragen wir alle mehr oder weniger in uns. Das Fiese an Gehirnwäsche ist ja, dass man sie nicht greifen und benennen kann, man fühlt sie nur ganz unterschwellig. Deswegen nehmen wir Monogamie als gegeben hin, weil wir uns auf den gesellschaftlich anerkannten Konsens geeinigt haben, dass gute Menschen monogam sind.

Und dann passiert das Gegenteil

Statistik ist laaaangweilig, aber es gibt sie ja trotzdem. Hier zum Beispiel sind ein paar Zahlen, die kein monogamer Mensch gern liest. Das beunruhigt und macht richtig Angst. Man guckt zu seinem Schatz rüber und fragt sich: »Gibt es was, was ich wissen sollte? Hat er auch so ein geheimes Doppelleben?«

Denn nicht alle Menschen sind ihr Leben lang treu. Isso. Aber obwohl wir in einer Welt der seriellen Monogamisten leben und Außenbeziehungen wahrscheinlich der Trennungsgrund Nummer eins sind, halten wir immer noch an dem Mythos fest, dass wir mit dem richtigen Partner zu Pinguinen werden. Ein Leben lang treu. Das setzt unsere Partner unter einen tierisch hohen Leistungsdruck, aber das ist ein anderes Thema. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Seitensprünge passieren können. Nur, jetzt mal ganz doof gefragt: Warum muss das immer noch zwingend ein Trennungsgrund sein? Ist es nicht eher so, dass monogames Denken uns dazu zwingt, Beziehungen zu beenden? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Monogamie ist der wahre Trennungsgrund?

So, damit wir heute alle noch mal Feierabend kriegen, schließen wir jetzt den Kreis. Zurück zur Ausgangsfrage. Machen die Gefühle für andere Menschen Beziehungen kaputt oder ist es eher die Monogamie selbst? Ich sage nicht, dass Seitensprünge kein schmerzhaftes Drama sind. Übrigens für alle Beteiligten. Der Betrüger fühlt sich ja oft noch viel schlechter als der Betrogene, nur hat er moralisch betrachtet kein Recht, darunter zu leiden, dass er seinen vertrauten Partner verletzt. Denn: Nach der monogamen Logik kann er ja für seinen angestammten Partner eh nichts mehr empfinden, sonst wäre er ja nicht fremdgegangen. Nur ist die Sache im wahren Leben längst nicht immer so klar und einfach.

Es soll aber einfach sein. Und wir sollen uns so verhalten, als wäre es tatsächlich einfach. Das merkt ihr spätestens dann, wenn euer Partner sich außerhalb der Beziehung verliebt und ihr trotzdem an ihm festhaltet. Da geht mal zum Kaffeekränzchen mit euren Freundinnen, da könnt ihr euch aber was anhören! »Hast du kein Selbstwertgefühl???« Wer sich nicht sofort trennt, hat keinen Stolz und verliert das Gesicht. Wer auf sich hält, tritt seinem untreuen Partner mit Anlauf in den Arsch.

Und wer sich in einer Beziehung befindet und frisch verliebt, muss Schluss machen. Das ist ja wohl das Mindeste. Und dann kriegen wir ein ganz furchtbares Problem mit unserem Selbstbild, weil wir den »schlechten« Gefühlen Raum gegeben haben. Wir sind egoistisch und rücksichtslos und was weiß ich, lauter Sachen, die keiner sein will. Und dann fangen wir an zu lügen und zu betrügen, weil wir dieses Selbstbild vor uns selbst verleugnen wollen. In erster Linie wollen wir uns selbst schöne Lügen erzählen, in zweiter Linie dem Partner. Aber sind solche Sätze wie »Irgendwie fühle ich nichts mehr, der neue Job ist ja auch so stressig!« wirklich »schöne« Lügen? Schöne Lügen gibt es nicht.

Aber wie soll man auch die Wahrheit sagen, wenn man den Menschen, mit dem man so lange zusammen war, dann unweigerlich verliert? Zu sagen: »Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich dich verletzen muss, aber ich hab eben die Gefühle, die ich habe. Ich würde dich jetzt einfach gern in den Arm nehmen, damit es uns beiden nicht mehr so weh tut!«, ist verboten. Das wäre ja auch sagenhaft egoistisch und verlogen. Dass man den »alten« Partner gar nicht mehr lieben kann, wenn man sich neu verliebt, weiß ja jeder. Und diese ganze Zwickmühle kommt eben aus dem Gesetz, dass Liebe immer exklusiv ist, sonst ist sie keine.

Wie wir selbst die Liebe zum vertrauten Partner zerstören

Das ist jetzt keine Theorie, ich rede jetzt von mir persönlich. Meinen ersten Freund hab ich verlassen, weil ich mich frisch verliebt hatte. Öhöm, in dem Fall war das auch ganz gut so, aber Schwamm drüber. Vom Zweiten hab ich mich getrennt, weil ich mich zum dritten Mal so richtig verliebt hatte. Damit hab ich einen sehr liebenswerten, zärtlichen Träumer aus meinem Leben gekickt, aber ich hatte gelernt, dass es eben nur einen geben kann. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, ihm zu sagen: »Ich hab mich verliebt, was machen wir jetzt?« Ich hab einfach Schluss gemacht, weil ich dachte, ich muss das ja tun.

Um das auszuhalten, hab ich ihn vor mir selbst demontiert. So nach dem Motto: Keine Ahnung, was ich in dem gesehen habe. Der kriegt sowieso nie was auf die Kette. Mit dem langweile ich mich zu Tode. Das waren so die Sachen, die ich damals gedacht habe, um mein Schuldgefühl wegzudrücken. Da war ich vielleicht siebzehn oder achtzehn und voll von den Mythen der Monogamie. Ich hab ihm mit dieser Generalabsage ganz fürchterlich weh getan und mir auch. Aber ich wäre ja meiner neuen Liebe gegenüber auch illoyal und untreu gewesen, wenn ich gesagt hätte: »Ich hänge aber an meinem Freund, ich will den in meinem Leben behalten.« Was hätte der denn von mir denken sollen, dass ich ihn nicht liebe?

Ja, so war das. Es gab nur entweder oder. Für mehr war in meinem Kopf gar kein Platz, also hab ich alle Gefühle sortiert in »gut« und »nicht existent«. Und das ist eben die übliche Vorgehensweise in der seriellen Monogamie. »Äh, ich hatte mich vertan, aber diesmal ist es der Richtige!« Der Nächste bitte. Und genau das passiert gerade meiner Freundin mit ihrem jetzt wohl Ex. Und noch zahllosen anderen Paaren auch. Und viele dieser Trennungen passieren einfach deshalb, weil »man« das so macht.

Weil viele von uns einfach noch nie davon gehört haben, dass der Mensch komplexer sein darf, als der Papst und die CSU sich das vorstellen. Weil Männer, die sich außerhalb ihrer Beziehung verlieben, in der öffentlichen Meinung immer noch egoistische Schweine sind und Frauen sowieso wertlose Schlampen. Und solange dieses Bild unser Denken dominiert, werden wir keine konstruktiven Lösungen finden.

Und jetzt?

Um jetzt noch mit Lösungsvorschlägen anzufangen, ist der Artikel schon viel zu lang, aber sobald ich das nächste Mal Zeit und Ruhe habe für einen Monsterartikel, klamüsere ich mal auseinander, was man da machen kann. Bis dahin lege ich allen, die sich zufällig hierher verirrt hatten, einfach meine Bücher ans Herz. Da geht es nämlich genau darum, wie man das Dilemma lösen kann. 😀

Also: Habt euch lieb, auch, wenn ihr mal »schlechte« Gefühle habt, denn schlechte Gefühle gibt es nicht. Traut euch, komplex und kompliziert zu sein. Solange ihr noch einen fühlbaren Puls habt, gehört das einfach dazu. Zwingt euch nicht, aus Schuldgefühlen heraus einen vertrauten Menschen komplett in die Tonne zu kloppen, weil eure Hormone mit Hunger einkaufen gehen. Versucht einfach, ehrlich zu sein, zu euch selbst und zu anderen. Denn wenn ihr Beziehungen abbrecht mit irgendwelchen schwurbeligen Scheinbegründungen, die dem Partner die „Schuld“ zuschieben, macht ihr alles nur noch schlimmer. Einen Menschen zu lieben, heißt nicht zwingend, dass man einen anderen nicht mehr liebt. Lasst euch nicht vom allgemein vorherrschenden Monogamie-Zwang vorschreiben, was ihr zu fühlen habt und wann ihr Schluss machen müsst. Besprecht das lieber offen mit eurem Partner und gebt ihm eine Chance, selbst zu entscheiden, ob er sich deswegen trennen will. Aber dann auch aus den für ihn richtigen Gründen. Das war auch schon alles, was ich für heute sagen wollte. Hat ja nur 3750 Wörter gedauert, war ja gar nicht so schlimm! 😀

Und wenn ich jetzt wieder eine Ein-Stern-Rezension unter einem meiner Bücher finde, weil ich jemand auf den Schlips getreten bin, werde ich mich bemühen, es mit Fassung zu tragen!

Rezensionen: Krieg der Sterne

Rezensionen: Krieg der Sterne

Rezensionen Marketing
Ihr Lieben, heute komme ich mal mit einem Thema bei euch bei, das wahrscheinlich nur für Freaks, also Autoren, interessant ist, aber vielleicht auch nicht. Wir werden sehen. Ich hab nämlich vor ein paar Tagen einen Butterbrot-Artikel über Empfehlungsmarketing geschrieben und dachte mir so: Hm. Empfehlungen sind am Buchmarkt ja schlicht und ergreifend Rezensionen und dazu wollte ich schon lange was schreiben.

Mir sagen nämlich manchmal Leute: »Ach, du! Dir sind Rezensionen ja gar nicht so wichtig!« und das ist eine glatte Fehleinschätzung. Rezensionen sind mir sehr wichtig! Ich halte nur nichts von gezieltem Empfehlungsmarketing. Wenn ich einen Shop für Schuhe oder Strickwolle hätte, fände ich es bestimmt genial, aber bei Büchern ist das einfach was ganz anderes.

Die Wuchtbrumme, die auf ihre Kunden spuckte

Lasst das ein paar Monate her sein, da scrollte ich so über die Facebook-Timeline (alle paar Monate mache ich das mal, das merkt ihr dann daran, dass ich eure Beiträge like 😀 ) und blieb an einem Live-Video hängen. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass das geht, deswegen bin ich da hängengeblieben. Und da saß eine Autorin, die wirklich fett im Geschäft ist. Also, äh … nee. Gönne ich mir jetzt den Luxus, mit der Doppeldeutigkeit zu spielen? Gerade ich, die ich mich in den letzten Wochen fast ausschließlich von Mördermonsterkünstlerkuchen ernährt habe, weil ich ja für das eBook immer wieder probebacken musste … äh, ach, egal! Ihr wisst schon!

Also, die Dame gehörte zu der Liga, die eine viel gewichtigere Persönlichkeit ist, als die Muskelmilliardäre auf ihren Covern (was stimmt mit mir nicht, dass ich beim Wort Milliardär immer angewidert an Typen wie Trumbo denke, anstatt mir sinnlich über den Hals zu fahren und dann diskret zu sabbern?). Ja, also, sie passte kaum ins Bild, jetzt ist es raus. Man könnte jetzt meinen, dass die Information vollkommen irrelevant ist und Sookie nur doof ist und über Dicke lästert. Aber ich bin ja selber Typ Kuh, nicht Ziege. Jetzt kommt aber die Verknüpfung, die mich für eine Sekunde nachdenklich machte. Die Dame verdient sich eine güldene Nase damit, dass sie Männer als Lustobjekte ausbeutet. Was ja auch irgendwie legitim ist, auch wenn mir persönlich das einfach nicht schmeckt, aber der Buchmarkt ist für alle da.

Aber da sitzt diese Zweihundert-Kilo-Wuchtbrumme mit Platin-Porno-Frise und schreibt Sexbücher, in denen Männer durchtrainierte Fleischklumpen mit Dauerständer sind. Und irgendwie kommt mir so was immer vor wie das weibliche Äquivalent zu fetten alten Säcken, die in der Kneipe der jungen Kellnerin in den Popo kneifen und überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass die junge Frau dieses »Begehren« gar nicht erwidern könnte. Übergriffig. Ohne jede Empathie. Und genau so ging diese Dame eben auch mit ihren Rezensenten um, denn über die lästerte sie in ihrem Video einfach ab. Da fielen tatsächlich Sätze wie »Das geht mir am Arsch vorbei, die können mich mal!«

Und, ja, jetzt wartet! Das, meine Damen und Herren, war geniales zielgruppenorientiertes Empfehlungsmarketing, auch wenn die Dame das in ihrem Kopf bestimmt nicht so nennt. Aber so hat sie ihre Fanbase mobilisiert, selbst so eine »starke« Frau zu sein, der Kritik am Arsch vorbeigeht und das darüber zu äußern, dass sie aus Trotz erst recht richtig gute Rezensionen schreiben. Um es den Rezensenten, die solche Worte wie »Unterschichten-Literatur« fallen lassen, mal so richtig zu zeigen. Im Rudel. Das stärkt ungemein. Ja, da draußen herrscht Krieg. Krieg der Sterne, um genau zu sein.

Was wollte ich jetzt mit dieser Anekdote sagen?

Keine Ahnung, ich wollte das nur loswerden! 😀 Aber Fakt ist doch, dass jeder Autor mit Rezensionen anders umgeht, aber wir alle reagieren sehr emotional. Denn Bücher sind ja nicht einfach wie Autos, die man am Fließband herstellt. Da steckt eben Herzblut drin, das ist das, was die Kunst vom Handwerk unterscheidet. Ein Buch ist immer eine sehr persönliche Sache, mit der wir viel über uns selbst sagen. Wer ernsthaft schreibt und damit an die Öffentlichkeit geht, macht sich angreifbar und das müssen wir alle aushalten. Sichtbarkeit macht eben emotional. Ich zum Beispiel hab gerade einen Hüpfer gemacht, weil ich vor ein paar Minuten diese Rezension entdeckt habe. Wenn sie Telefone hätten, würde ich jetzt sofort meine Romanfiguren anrufen und ihnen erzählen, dass sie das Prädikat »verrückteste WG Deutschlands« bekommen haben.

Ein paar Tage vorher bekam ich aber diese Rezension. Und da hab ich ungelogen zehn Minuten lang geguckt wie eine Kuh im Regen, die am Weidetor steht und sich fragt, warum der Melker sie nicht endlich mal in den Stall holt. Ich hab – ohne Witz – diese zwei Sterne nicht verstanden, weil ich den Text so positiv fand. Ich konnte da nicht mit arbeiten. Und das bei einem fast noch nackten eBook, wo eine Zwei-Sterne-Rezension den Durchschnitt dramaaatisch nach unten zieht. Und was ist passiert? Kaum war diese Rezension online, rutschte das Buch rauf auf den Gesamtverkaufsrang 14! Am ganzen Amazonas gab es nur noch 13 Umsonst-eBooks, die sexier waren als meins. Das hab ich dann noch weniger verstanden. Aber diese Kritik hat mich komischerweise nicht wirklich auf emotionaler Ebene berührt, da haben mich viel bessere Rezensionen schon viel nachdenklicher gemacht! Also hab ich mich gefragt:

Wieso tut Kritik manchmal mehr weh und manchmal weniger?

Es kommt ja immer darauf an, wer uns kritisiert, wie und warum. Insofern kann ich die Dame, die so fett im Geschäft ist, schon verstehen, ich heiße nur ihren Umgang damit nicht gut. Sollte sie sich wirklich ganz bewusst aus Marketinggründen dafür entschieden haben, Milliardäre mit und von der Stange auf den Buchmarkt loszulassen, weil das Genre eben rennt wie kein anderes, kann ich auf intellektueller Ebene nachvollziehen, dass es sie nicht interessiert, wenn Rezensenten bemängeln, dass es sich bei ihren Büchern ja wohl nicht um Literatur handelt. Oder um Einhandliteratur. Denn dann ist ihr selbst völlig klar, dass sie da Massenware für den Markt verfasst, dann eben ohne Herzblut.

Trotzdem bewegen sich da Menschen aus ihrer Komfortzone, friemeln sich durch das Bewertungssystem und überlegen, wie sie jetzt sagen könnten, was sie beim Lesen des Buches gedacht haben. Das verdient immer Wertschätzung, immer! Auch dann, wenn Rezensionen uns Autoren nicht schmecken, trotzdem hat sich da jemand die Mühe gemacht, dem Buch Beachtung zu schenken. Aber manchmal nimmt man das eben eher mit intellektuellem Interesse auf und manchmal heult man wie ein Schlosshund.

Nämlich immer dann, wenn man selber das Gefühl hat, dass der kritische Rezensent Recht hat und dass man eben nachbessern muss. Dieses Aua ist dann immer groß, aber richtig groß. Manche gehen dann damit so um, dass sie ganz offen und ehrlich dazu stehen, dass sie traurig sind. Das erfordert viel Mut und ist eine sehr starke Reaktion. Andere schützen sich dann eben durch Zynismus und banalisieren ihre Rezensenten. Pah, die verstehen mein Buch eben nicht und haben keine Ahnung, diese sogenannten Rezensenten!

Nur lässt man sich dann eben auch die Chance entgehen, darüber nachzudenken, ob nicht ein Fünkchen Wahrheit an der Kritik sein könnte und ob man da nicht besser mal mit arbeiten sollte, wenn man sein gekränktes Ego ein bisschen gepflegt hat. Das ist wohl die schwierigste Arbeit für Autoren überhaupt. Aber Rezensenten haben gegenüber uns Autoren einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nicht so nah dran, sie sind nicht betriebsblind. Deswegen können sie einem mit einem »Ich sehe was, was du nicht siehst« aus der Patsche helfen.

Rezensionen und Marketing: Vorsicht, Falle!

Wie gesagt: Empfehlungsmarketing brummt ja. Über sich selbst kann man viel erzählen, aber Kunden finden (vollkommen zu Recht) die Meinung anderer Kunden eben glaubwürdiger als jede Werbestrategie, isso. Und nichts wirkt so unsexy wie ein Buch ohne Rezensionen. Der Markt »Buch gegen Rezension« blüht ja auch überall. Leserunden, Rezensionsgruppen auf Facebook und was weiß ich. Und als ich mit den Beziehungsstatus-Romanen an den Markt gegangen bin, hab ich mich natürlich auch schlau gemacht, was denn beim Autorenmarketing gerade so geht, klar. Aber wegen irgendwas bin ich zurückgezuckt und dachte: »Nee, lass mal lieber. Erstmal still beobachten, was da los ist!«, und heute bin ich saufroh, dass ich das gemacht habe. Weil nämlich immer deutlicher wird, wo die Fallen lauern.

Es gibt immer mehr Bücher, unter denen stehen zwanzig Fünf-Sterne-Rezensionen, die alle irgendwie homogen wirken. Da wird der Klappentext mehr oder weniger wiederholt, dann kommen Sätze wie »Ich fand das Buch flüssig zu lesen« oder »Die Autorin schreibt gut«. Das klingt so prickelnd wie ein Schulaufsatz. »Als wir den Ausflug gemacht haben, war das Wetter schön.« Hm. Wo sind da die Emotionen? Dafür wirft ein Blick auf den Verkaufsrang dann auch noch die Frage auf, ob das Buch im letzten Jahr überhaupt zwanzigmal verkauft wurde, denn ein Rang jenseits der 350.000 lässt nicht wirklich einen Bestseller vermuten. Ich weiß das, ich hab auch schon Ladenhüter-Zeiten erlebt! 😀

Und dann? Dann lässt der Autor oder die Autorin in seinem Rezensionsmarketing irgendwann nach und was passiert dann? Langsam tröpfeln organisch entstandene Rezensionen rein. Die fangen dann an mit Sätzen wie: »Ich hab mir das Buch aufgrund der vielen tollen Rezensionen gekauft und war sehr enttäuscht …« Autsch. Oder auf einem Portal, das der Autor marketingtechnisch nicht gepflegt hat (Social Selling etc.), weichen die Rezensionen krass von dem ab, was beim Riesen Amazon steht.

Und das ist genau die Falle beim Marketing mit Rezensionen, für Autoren wie Leser. Denn wir Menschen ticken ja so: Wenn wir was geschenkt kriegen, bedanken wir uns nicht mit einem Arschtritt. Noch nicht mal mit einer ehrlichen Meinung. Das ist nur menschlich, wir sind dann eben positiv voreingenommen. Das schmeichelt schließlich auch ungemein, wenn man um eine Meinung gebeten wird. Und so kommen, ob man das will oder nicht, Höflichkeitsrezensionen zustande, die uns Autoren nicht weiterhelfen und den Lesern auch nicht. Und wer einen Blick dafür hat, was zwischen den Zeilen los ist, der erkennt sowieso sofort, wann ein Buch Opfer einer übermotivierten Marketingstrategie ist, und wann Rezensionen organisch entstanden sind.

Tja. Das alles hab ich noch nicht so klar gesehen, als ich mich gegen aktives Marketing mit Rezensionen entschieden habe, ich wusste nur, dass ich ein Grummeln im Bauch hatte. Alles, was ich in der Richtung unternommen habe, ist die Bitte an meine Leser im Nachwort meiner Bücher, mir doch eine Rezension zu schenken, wenn sie das Buch gelesen haben. Aber ich bitte niemanden, meine Bücher zu lesen, um mich zu rezensieren. Für mein Gefühl würde ich damit den Gaul von hinten aufzäumen und mir selbst ins Knie schießen, weil ich immer das Gefühl hätte, das Ergebnis zu verfälschen und auf falsche Rezensionen reinzufallen.

Und auf meine ersten paar Rezis hab ich auch Wochen oder sogar Monate gewartet. Dafür steht aber auch in keiner meiner Rezensionen »Das Buch ist sehr flüssig zu lesen«. Bei mir stehen so Sachen wie »Soooookie, du coole Sau!«, »Diese Schweden Bande ist der Oberbrüller« oder ein stolzes: »Ich hab alle Bände gelesen!« Das ist alles so echt, lebendig und emotional, dass das Warten sich wirklich gelohnt hat. Ich bin einfach nur froh, dass ich der Versuchung, meine Rezensionen durch gezieltes Empfehlungsmarketing zu pushen, widerstanden habe.

Also, noch mal: Rezensionen sind dir ja wohl nicht so wichtig?

Nö! Rezensionen sind mir wahnsinnig wichtig. Wenn sie echt sind. Ich verschenke nur keine Bücher, um welche zu erhalten, weil ich dann immer im Hinterkopf hätte: »Das sagst du jetzt nur, weil ich dir das Buch geschenkt habe!« Das ist so ähnlich, wie wenn ich meiner Tochter sage: »Hach, du bist so klug und so hübsch und so einfach, rrrrra, ich bin so stolz auf dich!« Also eine Fünf-Sterne-Rezension. Dann lacht die und sagt: »Das sagst du nur, weil du meine Mutter bist!«

Natürlich bin ich als »Rezensentin« dann gekränkt, weil sie mich nicht ernst nimmt, aber ihr versteht, was ich meine. Irgendwie ist das ein Dilemma. Aber die Sache ist doch die: »Verschenke« ich Bücher für Leserunden auf dafür geschaffenen Portalen oder in Social Media Gruppen mit Gruppenregeln in der Art »14 Tage Zeit für eine Rezension«, gehen die Leser damit ein Commitment ein und müssen mein Buch jetzt lesen, ob sie da gerade Lust zu haben oder nicht. Und ich möchte gar nicht, dass mich jemand liest oder rezensiert, weil er sich verpflichtet fühlt.

Dann lieber weniger Rezensionen, aber dafür organische, die einfach zustande kommen, weil Leser aus ihrer Komfortzone kommen, weil sie denken: »Wenn ich das jetzt nicht irgendwem mitteile, platze ich!« Natürlich freue ich mich da auch viel mehr über fünf Sterne als über zwei, aber jede allein durchs Lesen motivierte Rezension ist auf ihre Art wertvoll, weil Leser damit ganz viel zurückgeben. Sie sagen nämlich damit: »Du hast mich emotional gepackt!«, und das ist schließlich das, was wir Autoren wollen. Oder? Wie seht ihr das?

P.S. DAS war jetzt echt schräg! Ein paar Stunden, nachdem dieser Artikel erschienen war, bekam ich folgende Rezension: „Habe das Buch aufgrund der positiven Bewertungen gekauft… leider, denn es ist das Geld nicht wert! Schwerfällige Versuche, komisch zu wirken. Das Werk einer Anfängerin?“, ein Stern. Offenbar bin ich irgendjemand ganz furchtbar auf den Schlips getreten, das tut mir sehr leid. Aber da kann man mal sehen, was Rezensionen für ein heißes Thema sind!

Das Baby ist da: Es ist ein eBook!

eBook Drei Pfeffernüsse für SemmelbröselNur ein kurzer Newsticker: Es ist da! Das eBook. Gerade eben bei Amazon aufgetaucht und ihr findet es hier. Und eigentlich dachte ich, dass ich für Lampenfieber diesmal gar keine Zeit habe, der Schreibtisch ist ja viel zu voll, der Dostojewski ist immer noch nicht ausgepackt und mental stecke ich sowieso total tief in Band 4. Außerdem ist das hier ja nur eine kleine Erzählung für Spaß, keine große Sache.

Und trotzdem ist es eine Neuerscheinung. Frage an meine Kolleginnen: Ein bisschen fühlt man sich da immer, als müsste man mal eben nackt über eine Bühne flitzen, oder? Ich hasse diesen Nervenkitzel. Ich bin Künstler, ich kann so nicht arbeiten! D

Das war der kürzeste Blog-Artikel, denn ich je geschrieben habe. Tja. Ich geh dann jetzt wieder Kuchen essen. Meine Nerven …

 

 

Weihnachts-eBook: Den Spaß haben wir uns verdient!

Weihnachts-eBook: Den Spaß haben wir uns verdient!

Weihnachts eBook Sookie HellHeute komme ich endlich mal wieder lecker bei euch bei, weil es vollbracht ist! Das Bücherregal ist nach dem Umzug fertig aufgebaut! Nee, darum geht es heute gar nicht (um ehrlich zu sein, die Dostojewski-Gesamtausgabe ist immer noch nicht wieder aufgetaucht und führt noch in irgendeinem Karton ein Eigenleben), aber das angedrohte Weihnachts-eBook ist fertig!

Ich präsentiere also: das sinnloseste Weihnachts-eBook in der Geschichte der Beziehungsstatus-Romane!

Hihi, ohne Witz jetzt, das Ding hat überhaupt keine Handlung! Wir hampeln einfach nur durchs Kluntje-Haus, backen Kuchen, reden absurden Schwachsinn und John kriegt mal wieder keine Makronen ab! Damit ist die Weihnachtsgeschichte fast spoilerfrei, soll einfach nur Spaß machen und ist hoffentlich ein Stück sorgenfreier Füßebaumel-Schmökerstoff für einen Abend unter der Wolldecke geworden. Das hat mir eben diebischen Spaß gemacht, das einfach nur zu schreiben, ohne zu grübeln und zu plotten! 😀

Und weil sich das für ein Weihnachts-eBook so gehört, enthält der Schmöker für Zwischendurch natürlich ein Kuchenrezept für Annas ostfriesischen Mördermonsterkünstlerkuchen aus dem weihnachtlichen Flying Kluntje Video. Da ist alles drin, was man nicht essen darf. Laktose, Gluten, Zucker, Allohooool und lauter so Sachen. Wer einen Ersatzkuchen backen möchte, dem empfehle ich chefkoch.de oder so! 😉

Und wann erscheint das Weihnachts-eBook?

Hochgeladen ist es schon, jetzt muss mein Distributor es nur noch ausliefern, damit die Shops es listen können. Kann sein, dass es morgen schon bei Amazon auftaucht, ich schrei dann auf Facebook, damit es auch jeder mitkriegt. Das Thalia-Universum ist ja oft ein bisschen langsamer, aber bis Nikolaus werden die das ja wohl schaffen, sonst muss ich mal Knecht Ruprecht vorbeischicken. Bei allen anderen Anbietern lassen wir uns einfach mal überraschen. Und für alle, die vorbereitet sein wollen, kopiere ich euch jetzt als, mah, wie heißt das? Leseschnipsel! Genau! Als Leseschnipsel bekommt ihr jetzt das Kuchenrezept aus dem Buch, dann könnt ihr schon mal einkaufen gehen, bis das eBook ausgeliefert wird!

Annas Mördermonsterkünstlerkuchen auf Flying Kluntje Art:

250 Gramm weiche Butter, vorzugsweise von Platt schnackenden Kühen

200 Zucker

1 Päckchen Vanillezucker

1 Prise Salz

und einen guten Schuss Rum schaumig rühren.

5 frei laufende Eier einfangen und unter den Teig mischen!

500 Gramm Mehl, ein Päckchen Backpulver, nach Gefühl 100 bis 200 Milliliter Milch (es kommt natürlich darauf an, wie viel Rum euch in den Teig geflutscht ist) unterrühren und dann kommen die bunten Farbkleckse!

Jeweils ein Päckchen Zitronat, Orangeat und rote (oder sogar ganz bunte) Belegkirschen hinzufügen, fertig ist der Monsterteig!

Kastenform (nicht Carstenform) mit Butter einfetten und dann mit Mehl auspudern (außer, ihr habt tatsächlich Semmelbrösel im Haus!), Teig in die Form füllen und Rührstäbe abschlecken.

Backofen auf 150 bis 175 Grad vorheizen (Anna hat die Unterschiede ja erklärt) und dann das Prachtstück 80 bis 100 Minuten richtig schön lecker durchbacken.

Danach den Kuchen etwa zehn Minuten auskühlen lassen und dann stürzen, aber nicht wie den Zaren bei der Revolution, sondern mit Gefühl! Wutsch!

Für das Finish können Leckermäulchen noch ein Paket Puderzucker mit etwas warmen Wasser glattrühren und den Kuchen so zärtlich grundieren wie John eine Leinwand!

Hardliner garnieren den Mödermonsterkünstlerkuchen noch mit Smarties als IQ-Punkte, ein bisschen Grips kann ja nicht schaden.

Verzehranleitung: Man schnappe sich ein oder zwei Lieblingsmenschen zum Kuscheln und einen Stapel Weihnachtsfilme. Für den optimalen Flying Kluntje Genuss gibt es dazu starken Ostfriesentee mit Kluntje und einem Tropfen echter Sahne von Platt schnackenden Kühen. Und denkt immer daran: Drei Tassen sind Ostfriesenrecht!

So. Für die ausführliche Backanleitung müsst ihr dann auf das Weihnachts-eBook warten, Anna erklärt euch dann alles mit ihrem bezaubernden Assistenten Lothar, ihr kennt das ja! Ach so, und das eBook ist natürlich, wie versprochen, kostenlos. Ist ja Weihnachten. Ich bin dann jetzt mal Kuchen essen!

Chaos mit der Weihnachtsgeschichte!

Chaos mit der Weihnachtsgeschichte!

Ihr lieben Menschen! Wer mir auf Facebook folgt, hat es vielleicht schon mitbekommen: Sookie schiebt Weihnachtspanik! Ich hab mir nämlich in den Kopf gesetzt, eine Weihnachtsgeschichte zu den Beziehungsstatus-Romanen rauszubringen und hier erfahrt ihr jetzt alle schmutzigen Details! 😀

Das war nämlich so. Erst hatte ich ja ein Halloween-Special angepeilt, dann überschlugen sich aber mal wieder die Ereignisse, vor allem ich, weil ich meine warmen Plüschsocken rausgekramt habe und mit den flutschigen Dingern auf Laminat abgehe wie Pommes! Wutsch! Nahain, das war jetzt dramatisch übertrieben, ich hab die perfekte Technik entwickelt, mich an Türrahmen festzuhalten, bevor ich in die Kurve gehe, allet jut! Hehe!

Weihnachten kommt ja immer so schnell!

Jedenfalls hätte ich für Halloween besser im August angefangen, weil das Thalia-Universum ja auch schon mal ein paar Wochen braucht, um eBooks zu listen und das wär ja voll diskriminierend für meine treuen Thalia-Leser, wenn das Halloween-Special erst irgendwann im November auftaucht!

Also beschloss ich, dass die Zeit reif ist für eine Weihnachtsgeschichte auf Flying Kluntje Art. Das klappt noch. Und: Hach! Weihnachten, das Fest der Liebe! Alle sind friedlich und haben sich lieb! Das haben wir uns verdient, oder? Waffel … Waffenstillstand unterm Weihnachtsbaum! Einfach mal die Axt hinlegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen oder wie das hieß. Und jetzt?

Es sommert!

Der Sommer ist da. Gestern Morgen stand ich hoch motiviert auf, gähnte gründlich, kratzte mich zufrieden an der Schwarte und kochte erst mal Kaffee, um mich dann an die Weihnachtsgeschichte zu setzen. Und dann? Dann blinzelte ich verwirrt. Auf meinen Schreibtisch knallte die Sonne. Draußen tanzte goldenes Licht. In der warmen Luft schwoben, äh, schwebten, nein, wehten!, jetzt hab ich es, glitzernde Spinnenfäden und der Herr Nachbar arbeitete mal wieder im Unterhemd im Garten. Also Rollo runter.

Um eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben, braucht man Weihnachtsstimmung, oder? Ein halbes Jahr haben wir auf den Sommer gewartet und jetzt, wo mir nach klirrend kalter Luft, Bergen von Keksen und Schunkelschlagern von Frank Sinatra ist, wo ich mit dicken Norwegersocken da stehen will, wo die Fußbodenheizung am wärmsten ist, mit der heißen Teetasse in den Händen, während ich beobachte, wie vor dem Fenster die Flocken vorbeiwirbeln … da sagt das Wetter, dass ich besser mal die Sonnencreme raussusche!

Also hilft nur noch das Hardcore-Programm, die ultimative Weihnachtskeule! George Michael! 😀

Die Weihnachtsgeschichte kommt!

Macht euch also gefasst auf kaputte Christbaumkugeln, selbstgebackene Männer aus Keksteig und vegetarischem Hackfleisch und auf die philosophische Frage, was schlimmer ist: Im Stollen oder von Stollen verschüttet zu werden!

Der erste Entwurf für das Cover der Weihnachtsgeschichte
Der erste Entwurf für das Cover der Weihnachtsgeschichte auf Flying Kluntje Art

Hier könnt ihr auch schon mal einen ersten Cover-Entwurf beschnuppern, da geht aber noch was. Und weil gerade Sommer, na, äh, Weihnachten ist, kommt die Weihnachtsgeschichte auch kostenlos in die Shops. Ich kriege Sichtbarkeit im Weihnachtsgeschäft und ihr was zu lesen, das ist doch ein guter Plan, oder? Find ich auch! Ich bin dann jetzt also erst mal wieder fleißig arbeiten und ihr genießt so lange den herrlichen Sommer im Oktober! 😀

Nicht-Beziehung? Wie Neunziger …

Nicht-Beziehung? Wie Neunziger …

Nicht-Beziehung fürs Leben
Die Nicht-Beziehung fürs Leben!

Ihr lieben Menschen! Ich stolperte neulich in einer Polyamorie-Gruppe über den Link zu einem Artikel über Nicht-Beziehungen. Also, nur zur Klarheit: Polyamorie ist das krasse Gegenteil einer Nicht-Beziehung, deswegen wurde das da auch diskutiert! 😀

Aber dieses Wort blieb bei mir hängen und beschäftigt mich jetzt seit Tagen und darüber denken wir jetzt mal bei einer Tasse Tee zusammen nach! Ich frage mich nämlich:

Wie zur Hölle führt man eine Nicht-Beziehung?

Für mich ist das vergleichbar mit Kommunikation. Kunststück, Beziehungen bestehen ja aus Kommunikation. Und, um mal Watzlawick an seinen Axiomen herbeizuziehen: Man kann nicht nicht kommunizieren. Das klappt einfach nicht. Jeder, der schon mal einen Soziopathen kannte, der die Kommunikation »verweigert«, hat festgestellt, dass der trotzdem kommuniziert. Und zwar, dass er »nix« hat und man jetzt mal schön selber nachdenken soll! Gruselig, solche Leute, aber weit verbreitet! 😀

Oder diese Menschen, die andere mit voller Absicht ignorieren. Das ist auch sehr lustig. Man spürt sofort den Unterschied zwischen »Hm, die hat mich wohl einfach nicht gesehen!« und der Aussage: »So, Frollein, ich bestrafe dich gerade mit Liebesentzug, jetzt schäm dich mal ordentlich!« Und dabei verstehen solche Leute ja immer nie, dass sie das Gegenteil der beabsichtigten Botschaft senden, wenn sie sich volle Lutsche anstrengen, einem zu zeigen, wie egal man ihnen ist. 😀

Egal. Kommunikation ist immer da, sobald ein Sender und ein Empfänger aufeinandertreffen. Und mit Beziehungen ist das auch so. (Deswegen ist es auch für viele Menschen so schwierig, eine gute Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Immer zum Spiegel zu rennen, um sein »Gegenüber« mal zu sehen, ist solchen Leuten einfach zu anstrengend!) Daher grüble ich jetzt seit Tagen über dieses Ding mit der Nicht-Beziehung nach. Man kann nicht nicht eine Nicht-Beziehung haben! Äh …

Man kann nicht eine Nicht-Beziehung nicht haben? Wartet, ich komm noch mal rein … Äh, also! Man kann ja keine Beziehung nicht haben! Oder? Hä? Ihr macht mich ganz bekloppt, Kinnings! Also … jetzt hab ich es! Weil man keine Nicht-Beziehung … Jetzt hab ich es! Aber diesmal wirklich! Man hat immer eine Beziehung! schnauf

Dieses ganze Negativ-Gedöns bringt mich ganz durcheinander und das – ha, ich hab ihn! – ist der Kern der Sache. Das defizitorientierte Denken bringt uns dazu, Nicht-Beziehungen zu führen und das verursacht Aua. Isso. Denn um auf so Wörter wie Nicht-Beziehung überhaupt zu kommen, muss man ja erst mal ein Bild davon haben, was eine Beziehung überhaupt ist. These, Antithese. Und deswegen hat das neue Trend-Wort mich so verwirrt. Ich dachte, wir hätten die Zweigleisigkeit des Entweder-Oder-Denkens langsam mal hinter uns. Spätestens, seit Hegel das Wort »Synthese« in den Ring geworfen hat, hätten wir doch anfangen können, mal das duale Denken zu erweitern, aber: Nö.

Was ist eine Beziehung?

Tja. Ich naives Schaf behaupte ja einfach: Ich hab eine zu jedem Menschen, den ich kenne. Sogar zu dem riesigen rothaarigen Kater, der irgendwo in der Nachbarschaft wohnt und mich manchmal besuchen kommt. Wir haben den »Herr Hetfield« gerauft, weil er aussieht, wie der Frontmann von Metallica. Und falls ihr immer schon mal davon geträumt habt, James Hetfield auf dem Schoß zu haben, vergesst es!

Er beißt sich in eurem T-Shirt fest, sabbert wie ein Baby und stratzelt dann Augen rollend und schnurrend mit den Krallen in eurem zarten Bauchspeck rum, also, das ist gar nicht so toll, wie man immer meint. Aber trotz unserer unterschiedlichen Bedürfnislagen »Iiiiih, du Sau, sabber mein Shirt nicht voll!« und »Schnurrrrrrr«, haben er und ich ja eine Beziehung und arrangieren uns irgendwie. Ich würde niemals auf die Idee kommen, die Gefühle dieses Katers zu verletzen, indem ich sage: Wir haben eine Nicht-Beziehung!

Nach den Maßstäben von Rosamunde Pilcher und der gesamten Sonntag-Abend-im-ZDF-Liga haben dieser Kater und ich selbstverständlich keine Beziehung, denn da gibt es ja ganz klare Parameter, an die man sich halten kann! Was praktisch ist, auf jeden Fall! Denn dank dieser Parameter weiß man immer genau, wann man geliebt wird und muss nicht auf das eigene Gefühl hören. Das könnte sich ja als verwirrend erweisen, also ist es besser, wenn man klare Regeln hat, die außerhalb der eigenen Person liegen und an die sich alle halten. Liste? Liste!

Es ist Liebe, wenn …

  • … dein Gefühl exklusiv ist, wie beim Highlander: Es kann nur einen geben!
  • … alle anderen Menschen für dich so sexy sind wie unmarinierte Tofuwürfel.
  • … es für immer ist und das Gefühl immer so bleibt wie am ersten Tag! Falls nicht, war es wohl nicht der Richtige, also weitersuchen!
  • … der Gleichklang zweier Seelen immer im Takt schwingt. Wenn einer Bock auf Pizza hat und der andere vorsichtig sagt: »Och, ich hätte auch mal Lust auf Kartöffelchen!«, ist das ein ernstes Warnzeichen und es wird Zeit, eine Frauenzeitschrift zu kaufen und Beziehungstipps zu lesen!
  • … du den Drang verspürst, einen Bausparvertrag abzuschließen.
  • … du Paul Anka hören kannst, ohne zu lachen.

Ja, gut, der letzte Punkt war ausgedacht. Ich muss immer lachen, wenn ich Paul Anka höre. Bei »You are my destiny« ist bei mir so was von Feierabend, ich weiß nicht, wen ihr mir da nackend auffen Bauch binden müsstet, damit ich nicht vor Lachen von der Couch falle.

Egal, also Fakt ist: Es gibt eben Richtlinien, an denen wir erkennen können, ob wir eine Beziehung haben oder nicht. Tja. Ich zum Beispiel war aufgrund dieser Richtlinien wohl zu 98 % meines Lebens dann eben Single. Nee, 100 %. Ich hatte nie einen Bausparvertrag. Gut. Jetzt haben wir das Wort Beziehung schön lecker eingegrenzt und können weitermachen, puh!

Wieso kommen Menschen auf die Idee, eine Nicht-Beziehung zu führen?

Gehirnwäsche sitzt ja richtig tief, da sind wir uns alle einig. Selbst eine Gehirnwäsche bei 30° kann dazu führen, dass ein Gehirn einläuft. Und schon können wir nur noch ganz klitzekleine Sachen denken. Zum Beispiel eben den Gedanken, dass ein Gefühl nur dann Liebe ist, wenn wir alle Parameter erfüllen. Oder dass die Liebe schon kommen wird, wenn wir erst mal den Bausparvertrag abschließen und eine XXL-Pizza für zwei bestellen, obwohl wir ja eigentlich doch viel lieber, also, so ein paar feine Kartöffelchen mit Soße … egal. Die Baukastenliebe muss auch richtig zusammengebaut werden!

Und spätestens nach der dritten Liebe fürs Leben werden die Menschen dann irgendwie misstrauisch. Wir fragen uns irgendwann, wie lange »immer« für diesmal hält. Wer das nicht tut, der ist, ich sag das jetzt mal ganz vorsichtig, in meinen Augen … total naiv. Von daher finde ich, dass die Nicht-Beziehung schon mal auf einen Lernschritt hinweist. Man sagt ja damit: »Also, äh, diese Baukastenliebe für die Ewigkeit ist mir ein paar mal gescheitert, ich will dir da jetzt lieber nichts versprechen, was ich hinterher vielleicht nicht halten kann.« Das finde ich persönlich eher klug als verantwortungslos. Was mir da Sorge macht: Warum immer so negativ? Wir haben doch heute ganz andere Optionen!

Negative Sprache weckt negative Gefühle

»Ich will mit dir keine Beziehung!« ist abwertend, negierend, verletzend. Das Wort Nicht-Beziehung ist verletzend. Wir alle haben dieses Negativdenken ganz tief in unseren Köpfen. Buhuhu, er will keinen Bausparvertrag abschließen, er liebt mich nicht! Noch viel, viel schlimmer: Er will keine Exklusivität, da ist aber Panhas am Schwenkmast! Da stemmen alle deine Freundinnen (von denen du weißt, dass die heimlich fremdgehen), empört die Hände in die Hüften und rufen aus: »Das Schwein! Du hast wirklich was Besseres verdient!«

Falls du dann wagst anzumerken, dass du es eigentlich ganz cool fändest, mal drüber nachzudenken, dass du dann nicht für alle seine Bedürfnisse rund um die Uhr allein verantwortlich bist und auch mal … nee. Das wird jetzt zu radikal. 😀 Fakt ist: Wir sind alle darauf fixiert, emotional in den Miesen zu sein. Wir starren ständig auf das, was wir nicht kriegen. Nämlich eine „richtige“ Beziehung. Weil wir die Liebe nach Ausschlusskriterien festnageln, klammern wir uns immer an das, was nicht ist. Und wenn wir so defizitorientiert sind, verharren wir in einer passiven Opferrolle.

Als ich noch jung und knusprig war …

Ja, war ich, da braucht ihr jetzt gar nicht zu lachen! Das war sogar ziemlich geil damals, nach dem Krieg. Nach welchem? Irgendwann nach dem zweiten Golfkrieg. Die Kerle hatten Matten bis zum Arsch, trugen Lederhosen und die Tattoos sahen endlich nach was aus, nicht mehr diese selbst gestochenen Grabhügelkreuze der Vorgängergeneration, und dann auch noch mit falschem Schattenwurf, buah!

Und damals hatten wir alle die ersten großen Teenagerlieben hinter uns und stolperten orientierungslos durch die Clubs und über die Festivals. Keiner glaubte mehr an den Mythos von der ewigen Liebe, aber wir wussten auch nicht, dass es Alternativen gibt. Denn Hippie wollte ja auch keiner sein, dass die »Freie Liebe« gescheitert war, wusste ja jeder. Also waren auch wir defizitorientiert und verletzend. Man lernte sich kennen, grinste sich an, schnupperte und sagte am ersten Abend: »Ich will keine Beziehung!«

Tatsache war aber: Wir hatten dann aber welche! In der Praxis! Und nach einer Phase der Unsicherheit und Angst, in der wir uns alle gegenseitig hilflos verletzten mit Ansagen wie: »Ich will keinen Bausparvertrag, also liebe ich dich nicht!«, hatte ich irgendwie, ohne es zu merken, gelernt, mit Freiheit umzugehen. Und ich kann jetzt rückblickend sagen: Das war ein verdammt wichtiger Knackpunkt. Ich hörte auf, mich an diese strunzdummen Dogmen zu klammern und fing einfach an zu leben.

Ich machte mich frei von dem Gedanken, dass ich nur was wert bin, wenn ich einen »abkriege«. Und, boar, war das befreiend! Das hatte dann sogar den Effekt, dass ich mehr abkriegte, als ich geplant hatte. Weil ich aufgehört hatte, zu bewerten, wann eine Beziehung eine ist und wann nicht, hatte ich dann irgendwie mehrere. Heute würde ich das, was ich damals schon gelebt habe, ganz klar als Polyamorie bezeichnen. Es war wirklich Liebe, die sich auch so anfühlte (na ja, bis auf die Sache mit Paul Anka, aber irgendwo hat jeder seine Grenzen), es war langfristig und es war vollkommen transparent.

Wir hatten nur noch kein Wort dafür. Da kostete eine Stunde Internet auch noch sechs Mark, aber es stand auch noch nichts drin, im Internet, man bekam da eigentlich nur AOL-Telegramme mit Anfragen wie: »Luts zum fieken?« oder »Stest du auf füsse?«, das war gar nicht so erquicklich, wie man immer meint. Doch, da hat sich mit der digitalen Evolution schon einiges getan. Aber Recherche war da eben noch ein bisschen schwieriger und bestell dir mal ein Buch über ein Wort, das du noch nie gehört hast!

Dann tauchte auch immer öfter der Begriff »offene Beziehung« auf, aber uuuh, war der negativ besetzt, boar! Mit dem Begriff ruderten nämlich damals immer die Klappspaten rum, die erst auf Monogamie pochten und dann fremdgingen. Dann hieß es: »Ab jetzt haben wir eine offene Beziehung, ich hab übrigens mit einer anderen geschlafen!« Seitdem hab ich kein Vertrauen mehr in Leute, die ständig von Treue labern, das sind die Schlimmsten! 😀

Rückschritt immer, vorwärts nimmer?

So. Jedenfalls hatte ich die Erfahrung gemacht, dass uns positiv besetzte Worte gefehlt haben und dadurch haben wir uns oft verletzt. »Ich will mit dir keine Beziehung!«, tut wahnsinnig weh. »Ich liebe es, die ganze Nacht mit dir zu kuscheln und alte Schwarzweißklassiker zu gucken, aber ich will keinen Bausparvertrag!«, tut nicht weh, sondern ist schön. Weil es eine positive Sichtweise hat, man freut sich dann einfach knubbelig über das, was man hat, kann sich ein Stück Pizza nehmen und fragen: »Film Noir oder Screwball-Komödie, wonach ist dir heute?«

Aber da mussten wir selbst drauf kommen. Aus Mangel an Worten mussten wir auch alles immer komplett neu aushandeln. Heute kann man sagen: »Ich bin polyamor!«, »Ich will Beziehungsanarchie, also lass uns einfach mal verhandeln!« und neulich wurde mein Blog sogar gefunden über die Suchanfrage »Beziehungsstatus ich mag Einhörner«. Ja, man kann heute Einhörner mögen oder sogar sagen: »Ich bin sapiosexuell, wenn nur blöde Leute um mich rum sind, werd ich einfach nicht scharf!« 😀

Es GIBT heute Worte für alles, wir können alles in konstruktive Worte fassen, die Bedürfnisse äußern und unserem Gegenüber sagen: »Ich bin so und so, ich möchte dies und das, was möchtest du, willst du mitmachen?« Da weiß jeder, wo er dran ist und kann frei entscheiden, ob er das will oder eben nicht. Wozu brauchen wir dann ein Negativ-Trendwort wie Nicht-Beziehung? Man muss sich ja nicht gleich auf ein Wort wie Polyamorie festlegen, aber wie wäre es mit: »Ich möchte keine Beziehung im herkömmlichen Sinne, ich möchte gerne eine Beziehung mit dir, die zu uns passt! Können wir mal reden, wie wir das machen?«

Heißt Nicht-Beziehung keine Verantwortung?

Schon wieder so ein unglaublich negatives Paradoxon. Die Autorin des oben verlinkten Artikels schreibt: »Eine Generation, die Nicht-Beziehungen als neue Kategorie erlebt, ist nämlich auch feige. Beziehung heißt Verantwortung, heißt Verpflichtung. Heißt: Ich stehe Dir bei. Ich kümmere mich um Dich. Ich bin da, versprochen. Das ist Nicht-Beziehungs-Menschen zu viel. Sie wollen schon auch kuscheln und sorgen, aber vor allem wissen, wo der Notausgang ist.«

Ich muss zugeben, da hab ich dezent mit den Augen gerollt. Wer sich nicht in das Hollywood-Schema pressen lässt und ewige Liebe verspricht, ist automatisch feige und nicht bereit, Verpflichtungen einzugehen. Schublade auf, zack, rein, Schublade zu. Ich kenne Menschen, die sich nicht ins Beziehungsschema pressen lassen und nichts versprechen, und wenn du die brauchst, sind die einfach da. Und ich kenne Menschen, die machen Kniefälle, schwören wer weiß was und biegen um die nächste Ecke und vergessen deinen Namen, wenn ihnen danach ist.

Da wird wieder pauschalisiert und die Beziehung wird abgegrenzt von der Nicht-Beziehung als das Modell, das Sicherheit verspricht. Weil – da macht jemand ein Versprechen. Manche Leute haben sich aber auch einfach nur versprochen, als sie was versprochen haben. Die in diesem Denkmuster geforderte Sicherheit gibt es einfach nicht.

Generation Nicht-Beziehung?

Hallo, können wir hier bitte noch etwas mehr Beton haben? Wir müssen das Klischee zementieren! Ja. Generationenproblem, wenn ich das schon höre! Als wäre das Scheitern an der überfrachteten Hollywood-Liebe neu! Jede Generation hat das Problem, nur werden die Freiheiten größer, sich damit auseinanderzusetzen und konstruktivere Wege zu suchen, zum Glück! Aber irgendwo in dem Artikel steht: »Versucht das mal euren Großeltern zu erklären!«

Wenn ich das Alter der Autorin, die Ansprache des Lesepublikums und die Zielgruppe der Seite richtig einschätze, dann müsste das die Großeltern-Generation sein, die die sexuelle Revolution angestoßen hat oder die alles entschuldigt mit: »Mein Gott, es waren die Siebziger!« 😀

Und die Generationen davor hatten noch ganz andere Probleme! Die Eltern der Großeltern haben ihre Kindheit im Luftschutzkeller verbracht und wer weiß was für Ängste verdrängt, deren Eltern haben »von nichts gewusst«, Vaddern kam mit einer Kriegsneurose irgendwann wieder nach Hause, falls er überhaupt kam, und was Muddern alles durchgestanden hatte, wurde sowieso nie erwähnt. Das waren schweigende, traumatisierte Generationen, wie gefühlvoll können deren Beziehungen gewesen sein? Ich denke, da haben viel mehr Paare eine Nicht-Beziehung geführt, nur waren die eben verheiratet.

Nicht Beziehung

Ich glaube einfach nicht an den Mythos, dass Führer … na, früher alles besser war und dass die Menschen ja »damals«, wann immer das war, durch ihr Verantwortungsbewusstsein viel erfülltere Beziehungen geführt haben als die »Generation Nicht-Beziehung«, das halte ich für pure Nostalgie. Ständig steigende Scheidungsraten heißen nicht automatisch, dass Beziehungen früher schöner waren, es heißt nur, dass die Leute sich früher nicht scheiden ließen.

Ich denke viel mehr, dass wir das Wort Verantwortung in Beziehungen mal überdenken müssen! Gerade eben habe ich zum Beispiel wieder Werbung für ein Buch gesehen: »Lesen Sie einen fesselnden Roman über eine Frau, die bereit ist, alles für die Liebe ihres Lebens aufzugeben!« Auch noch nach einer wahren Begebenheit.

Die Moral des Buches ist: Was hab ich in dem Schwein nur gesehen, pfui! Und für den hab ich alles aufgegeben, ich lass mich jetzt scheiden! Langer Leidensweg, enttäuschte Liebe, blabla, so was zählt heute als Befreiungsroman für die moderne Frau. Die moderne Frau gibt sich komplett auf, aus Liebe macht man das so. Oh, nee, immer noch? Yäp! Und wenn er dann nicht all ihre Bedürfnisse befriedigt, als wäre sie ein hilfloses Baby, ist er eben der Arsch, aber die Traumhochzeit war ja trotzdem ganz schön. Aber die moralisch saubere Heldin ist immer noch die, die alles aufgibt für die Liebe! Wer aus »Liebe« seine Eigenverantwortung komplett abgibt, wie soll der Verantwortung in einer Beziehung tragen, hä? Versteh ich nicht!

»Denn eine Nicht-Beziehung ist eine Harmonieversicherung für Menschen, die vor allem gemocht werden möchten. Wer eine Nicht-Beziehung beendet, macht ja mit niemandem Schluss und muss sich deswegen auch keine Vorwürfe anhören.«

Hm. Ja. Das steht da auch in dem Artikel. Ich denke, das soll sarkastisch sein, oder interpretiere ich das falsch? Sarkasmus wäre da auch angebracht, aber ist das wirklich so einfach? Geht man eine Nicht-Beziehung ein, damit man sich keine Vorwürfe anhören muss? Wäre es dem in dem Artikel beschriebenen Nicht-Beziehungs-Menschen nicht eh komplett egal, wenn ihm jemand Vorwürfe macht? Wozu sollte jemand Vorwürfe annehmen, der so tickt?

Ist es nicht eher so, dass inzwischen viele Menschen die Verantwortung übernehmen, flexiblere Beziehungsmodelle zu suchen, weil sie sich selbst Vorwürfe machen, falls sie jemanden verletzen? Und bei aller Nicht-Liebe zu dem Nicht-Wort Nicht-Beziehung: Mir ist da eine selbstreflektierte Nicht-Beziehung immer noch lieber als ein serieller Monogamist, der den Himmel auf Erden verspricht und dann nach zwei Jahren in die nächste monogame Beziehung verschwindet. Echt jetzt! 😀

Aber glücklicherweise haben wir heute auch positive Worte, mit denen wir sagen können, was wir wollen. Nicht nur Nicht-Worte, mit denen wir sagen können, was wir nicht wollen. Mir persönlich gefällt das Wort Liebe immer noch am besten. Und die Parameter kann dann ja wohl jedes Paar selbst festlegen! Hach, das war jetzt ein schönes Ende.

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SPOILER! Ein Neuzugang im Kluntje-Universum!

SPOILER! Ein Neuzugang im Kluntje-Universum!

Vorsicht: Spoiler!

Ihr lieben Menschen, heute lernt ihr den Neuzugang in der Flying-Kluntje-WG kennen!

Ich sitze nämlich gerade überm Manuskript zu Beziehungsstatus 4 und find die Moni so drollig, dass ich euch den Entwurf einer Szene zeigen will. Sie ist wirklich nicht die Hellste, aber ich mag die Figur einfach total gern! 😀 Wie gesagt, das ist erst ein Entwurf, ich weiß noch gar nicht, ob die Szene so im Manuskript bleibt, aber wer sich nicht spoilern will, sollte jetzt ganz schnell das X klicken! Alle anderen können jetzt zusammen mit dem Herrn O’Molloy „die Moni“ beschnuppern!

Und – nein – sie wird nicht Johns Flamme, seine nicht! Gnihihihi! *hände reib*

Wir müssen jetzt mit der Moni auf eine Marketing-Mission gehen und dem Neuen in der Nachbarschaft eine Flasche Sekt bringen. Zur Begrüßung. Die Moni ist nämlich die Frau vom Makler, und hat Ehrfurcht vor Künstlern. Aber so, wie es aussieht, ist ja auch nur ein Handwerker da. Glück gehabt! 😀

Erstkontakt mit Eingeborenen!

Verfolgt von den Blicken ihrer Erzfeindinnen stöckelte Simone über die kleinen Pflastersteinchen des Wendehammers und fluchte lautlos. Die neuen Pumps drückten ganz fürchterlich, aber wenn sie sich passende Schuhe kaufte, sahen ihre Füße immer so riesig aus! Und Bianka war natürlich mal wieder so richtig schön von oben herab, als würde sie sich im Geschäftsleben auskennen!
Aber die hatte auch gut lachen. Ihr Mann war ja ein feiner Herr Ingenieur, während sie immer für den Klausi repräsentieren und Kontakte pflegen musste. Dabei wusste sie genau, dass die anderen nur neidisch waren, weil sie und Klaus sich die Villa mit den Säulen in dem Neubaugebiet gebaut hatten. Richtig mediterran war ihr Haus mit den acht Zimmern, aber Klausi nutzte ja auch das Souterrain als Büro.
Simone erreichte das Grundstück, das seit der Scheidung der Vormieter brach gelegen hatte, und stöckelte den Weg zum Haus entlang. Die Haustür stand weit offen, aber der Handwerker war nirgendwo zu sehen. Unsicher rief sie: »Klopf, klopf!«, aber niemand antwortete. Sie betrat vorsichtig das kühle Haus. Vielleicht könnte sie die Flasche einfach irgendwo abstellen und wieder gehen, aber dann würden Bianka und Nathalie sie für feige halten.
Simone warf also tapfer einen Blick in die leere Küche, dann stöckelte sie weiter in das große, kahle Wohnzimmer und flötete mit dünner Stimme: »Mohoin!«
Sie machte einen Schritt zu der weit offen stehenden Terrassentür und sah jemanden mit dem Rücken zu ihr auf einem umgedrehten Eimer sitzen und eine Zigarette rauchen. Gott sei Dank, nur der Handwerker. Simone trat in die offene Tür und sagte wieder gezwungen fröhlich: »Mohoin!«
Der Handwerker reagierte gar nicht. Vielleicht hatte er diese Kopfhörer, die man nicht sofort sah, oder der Herr Omo beschäftigte Gehörlose, um Behinderte zu unterstützen. Das war sehr sozial.
Simone trat also vorsichtig um den Mann herum und sprach ihn langsam und extra deutlich an. »Guten Tag! Ich suche den Herrn O …«, sie kramte nervös nach dem Zettel. Der Mann sah zu ihr auf, blinzelte gegen die Sonne und sagte dann schleppend: »Ich spreche Deutsch.«
Simone griff sich erleichtert ans Herz und die Flasche knallte auf die Terrassenfliesen und zerplatzte. Der Handwerker sah Simone einfach nur an, als würde er mit offenen Augen schlafen, dann zog er langsam das Bein weg, auf dem sich prickelnde Sektbläschen in den Stoff saugten. Simone jammerte verzweifelt. »Oh, Gott, die sollte ich Ihrem Chef geben!«
Der Mann fuhr sich seltsam tastend über den Kopf, als würde er seine Haare suchen, und runzelte die Stirn. »Meinem Chef.«
Simone fragte sich, wer den Haarschnitt verbrochen hatte, sie war nämlich gelernte Friseurin, und dieser Haarschnitt war ein Verbrechen gegen die gesamte Friseurinnung. Aber der Mann hatte die grünsten Augen, die sie je gesehen hatte. Fast so grün wie der Rasen vor der Terrasse. Unbewusst warf sie einen Blick auf den ordentlich gemähten Rasen, um die Farbe zu vergleichen. Der Rasen war so ordentlich gemäht, weil der Klausi immer sie schickte, um die leerstehenden Objekte in Ordnung zu halten.
Der etwas unheimliche Mann fragte mit seltsam erloschener Stimme: »Was passiert, wenn man hier den Rasen wachsen lässt, bis man mit der Sense gehen kann?«
Simone lachte unsicher. »Dann würde der Klaus ein Unternehmen beauftragen und dem Herrn Molloy die Rechnung schicken. Der Klaus ist ja der Verwalter.«
Der Mann nickte langsam. »Hab ich mir schon gedacht, dass das hier so läuft.«
Simone bückte sich, um die Scherben einzusammeln. Der verschüttete Sekt schäumte und machte zischende Geräusche. Sie hätte die Scherben gern in den Eimer getan, auf dem der Mann saß, aber sie traute sich nicht, darum zu bitten und wusste dann nicht, wohin damit. Sie wusste auch nicht wirklich, wie sie sich in dem kurzen, engen Rock bücken sollte und ließ die Scherben wieder fallen. »Haben Sie ein Kehrblech?«
Der Mann fuhr sich wieder so irritierend tastend über den Kopf und murmelte: »Jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Lass den Scheiß einfach liegen.«
Simone richtete sich wieder auf und lächelte unsicher. »Aber wenn ihr Chef das sieht! Ich will ja nicht, dass sie wegen mir Ärger kriegen.«
Der Blick des Mannes wurde eigenartig eng, als er die Augenbrauen zusammenzog, dann stellte er knapp fest: »Meinetwegen.«
Simone räusperte sich. »Aber da können Sie doch nichts dafür!«
Der Mann zog langsam an seiner Zigarette und kniff ein Auge zu gegen den Rauch. »Es heißt nicht wegen mir, es heißt meinetwegen.«
Simone kicherte nervös. »Das ist ja wie in der Schule. Sind sie ein arbeitsloser Deutschlehrer?«
Der Mann sah wieder geistesabwesend zu ihr auf, dann wandte er den Kopf ab und sagte fast verwundert: »Ich bin Maler.«
Simone nickte erleichtert. »Ach, dann sind Sie zum Anstreichen hier! Wissen Sie denn, wann der Herr Molloy kommt?«
Der Mann zog wieder langsam an der Zigarette. Simone fragte sich, ob er vielleicht Drogen genommen hatte. Dann sagte er leise: »O. Es heißt O’Molloy. Wenn man das O vergisst, das kann er gar nicht leiden.«
Simone strich sich nervös den Rock glatt. »Kennen Sie den Herrn O’Molloy denn schon länger? Mein Mann sagt, der ist ein bisschen exzentrisch.«
Der Anstreicher schien irgendwie amüsiert und zog eine Augenbraue hoch. »Ist das so.«
Simone nickte eifrig. »Die beiden sind Geschäftspartner.«
Der Mann warf die Kippe in den immer noch schäumenden Sekt und beobachtete fasziniert, wie sie sich voll saugte, dann wiederholte er wieder: »Ist das so.«
Simone zerrte an ihrem kneifenden Röckchen. »Mein Mann ist führender Makler für den Großraum Ostfriesland und möchte dem Herrn Molloy ein Haus verkaufen.« Schwach fügte sie hinzu: »O.«
Sie hatte wieder das O in O’Molloy vergessen. Der Mann rieb sich den Nacken und murmelte: »Gut, dass ich gewarnt bin.«
Simone schlug die Hand vor den Mund. »Das dürfen Sie dem Herrn O’Molloy aber nicht sagen, der weiß das doch noch gar nicht!«
Der Mann stand langsam auf und streckte sich, als hätte er Rückenschmerzen oder schlecht geschlafen, oder beides. Ganz langsam streckte er den Arm aus und berührte sachte Simones Löckchen. »Du solltest Grün tragen. Flaschengrün.«
Simone piepste: »Wann ist der Herr O’Molloy denn da? Ich muss ihm doch eine neue Sektflasche bringen!«
Der Mann sah Simone für einen Moment so intensiv ins Gesicht, dass sie ganz schwach wurde, dann wurde sein Blick wieder verschlossen. Knapp sagte er: »Ich bin John O’Molloy und ich trink die Katzenpisse sowieso nicht. Und ich werde auch kein Haus kaufen, aber das darfst du deinem Mann nicht verraten, der weiß das nämlich noch gar nicht.«
Simone spürte, wie sie knallrot wurde, dann streckte sie dem Mann die Hand hin und wünschte zum tausendsten Mal in ihrem Leben, sie hätte schlanke, elegante Finger. »Ja, ähm, dann, das freut mich aber sehr, Sie kennenzulernen, Herr Molloy. O! O’Molloy!«
Der Mann gab ihr scheinbar widerwillig die Hand, bestimmt, weil sie so pummelige Wurstfinger hatte, dann murmelte er: »Kein Grund zur Freude, ich bin ein Arschloch.«
Simone kicherte nervös. »Das stimmt doch gar nicht!«
Herr O’Molloy wischte sich über die Stirn wie jemand, der sich durch die Haare fährt, dann wandte er sich unfreundlich ab. »Ist noch was? Ich muss weitermachen.«
Simone schüttelte eingeschüchtert den Kopf, dann machte sie einen plumpen Satz über die Scherben und huschte fast panisch zurück zu ihren Feindinnen.