Rezensionen: Wenn ein Romanheld was auf die Fresse kriegt

Rezensionen: Wenn ein Romanheld was auf die Fresse kriegt

Ui, autsch, klatsch! Habt ihr schon mal Rezensionen rezensiert? Nö? Ich auch nicht. Aber heute begeben wir uns mal auf diese Meta-Ebene und machen das einfach mal. Mir ist da nämlich eine fürchterlich komplexe Sache passiert, über die ich reden muss! 😀 Um ehrlich zu sein, das Ding hat mich so eiskalt erwischt, dass ich schon wieder emotionaaal war!

Ich hab dann auch noch mal im Polyamorie-Magazin nachgelesen, was da über mich steht und irgendwie hat mich das beruhigt. Wenn DAS Fachorgan der Polyamorie-Szene schon darüber berichtet, dass die Poly-Autorin Sookie Hell immer so herrlich emotional ist, dann darf ich das wohl. 😀

Aber, Mann! Diese Rezi hat mich echt so eiskalt erwischt, dass ich im ersten Moment neben mir gestanden habe wie früher die Hausfrauen in der Waschmittelwerbung, wenn sie sich gefragt haben, was sie denn bloß falsch gemacht haben. Und es geht, ja, meine Leser lachen jetzt, um wen sonst, natürlich um John. Aber fangen wir vorne an. Ich zeig euch erst mal die Rezension, über die ich jetzt seit Tagen nachgrüble.

Mein John und sein gnadenloser Verriss – vom Umgang mit Rezensionen

Äh, wenn ihr da eben draufklickt, wird das Bild groß und lesbarer!

Bämm! So. Das ist natürlich immer ganz kniffelig, auf sowas zu reagieren, ohne einfach als beleidigte Leberwurst dazustehen, aber ich traue uns allen zu, dass wir da differenzieren können! 😀 Meine Kolleginnen werden jetzt sofort wissen, wie ich mich gefühlt habe, nachdem ich das gelesen hatte. Ich war so verwirrt, ich hab den Papierkorb ausgekippt, auf meinen Kopf gestülpt und dann hab ich mich summend hin und her geschaukelt, bis ich mich halbwegs beruhigt hatte. Ihr kennt das, oder? Sagt mir bitte, dass ihr das kennt. Man fühlt sich wie eine Löwin, der ein Junges zerfleischt wird. Das ist übrigens der Grund, wieso ich nie Bücher meiner Kolleginnen rezensiere. Weil man nie wissen kann, wie viel Arbeit und Herzblut hinter so einer Figur stecken und wann man eine Löwin direkt ins Herz trifft.

Ja, gut, ob man jetzt Harry Potter einen Stern abzieht, weil man das Buch toll, aber Voldemort unsympathisch fand, ist eine Stilfrage, die jeder mit sich ausmachen muss, das ist klar. Und mein Umgang mit Kritik ist in der Regel meine Stärke. Ich schreibe schon seit so vielen Jahren für Geld, wenn ich mich jedes mal, wenn ein Auftraggeber was zu meckern hat, heulend aufs Bett werfen würde, hätte ich längst eine dieser lustigen Jacken an, bei denen man die Ärmel auf dem Rücken verknoten kann. Um es mit Lichtenberg zu sagen: »Das ist die Wetterseite meiner moralischen Konstitution«.

Trotzdem war ich so nachhaltig verstört, dass ich mir echt Gedanken machen musste. Und normalerweise sind kritische Rezensionen für mich auch kein Grund zum Heulen, sondern eine wichtige Motivation, um zu überarbeiten. So, wie bei der Rezension, in der es den Punktabzug gab, weil die Leserin fand, dass in Band 2 der Tango zu viel Raum in Anspruch nimmt, der den Nebencharakteren gutgetan hätte, das war sehr hilfreich und ich hatte das bei der Überarbeitung zur zweiten Auflage die ganze Zeit im Hinterkopf. Aber das jetzt … Hallo? John ist ein Held!

Boar, ist das wieder kompliziert …

… aber wir sind ja hier bei Sookie, da ist das eben so. Ich frag mich natürlich selbst, ob nicht ich die Drama-Queen bin, dass ich über eine Rezension so lange nachdenken muss, dass ich sogar extra einen Artikel darüber schreibe, aber: Nö.

Und dann sind die Beziehungsstatus-Romane ja auch noch eine Komödie, das muss man doch alles gar nicht so ernst nehmen. Aber sie sind eben eine Komödie im klassischen Sinne. Ich bin nie so ernst, wie wenn ich lustig bin. Denn der Sinn einer Komödie ist es, ernste Inhalte so zu überspitzen, dass die Menschen angstfrei darüber lachen können und sich lösen, und wenn sie entspannt sind, fühlen sie sich wohl und können auch über kompliziertere Sachen mal nachdenken. Um den Che an seinen strubbeligen Haaren herbeizuziehen: »Wer herzhaft lacht, hat mich nicht richtig verstanden!«

Höhö, der Che und ich, alte Liebe rostet eben nicht. Aber der Punkt ist: Als ich meine gekränkte Eitelkeit und das Kämpferherz der angegriffenen Löwin mit genügend Schokolade besänftigt hatte, kam ich an den Kern der Sache. Der Punkt ist also: Man kann ja noch so ein alter Hase im tippenden Geschäft sein, aber bei den Herzblutbüchern kommt ja jede Figur aus einem selbst. Ja, ihr Lieben, selbst eine gewisse Portion Sonja steckt in mir, sonst hätte ich sie nicht schreiben können. Jetzt hat mich zwar keiner mehr lieb, aber da muss ich jetzt durch. Aber Fakt ist: Dieser Angriff gegen John und Anna hat mich tatsächlich richtig verletzt, weil ich an beiden Punkten in meinem Leben schon war und weiß, wie schwierig das ist.

Lebenserfahrung braucht eben ihre Zeit

Ich war schon der ängstliche Klammermensch, der irgendwie damit klarkommen musste, einen Menschen zu lieben, den er nicht für sich haben kann, und ich war auch schon die abgeklärtere Hälfte, die versucht hat, ihren Partnern die Verlustangst zu nehmen, trotz ihrer anderen Beziehung. Irgendwann hab ich mich zu einem Sven entwickelt, der seine Gelassenheit aus dem Wissen zieht, dass man sowieso nichts festhalten kann. Ja, jetzt wisst ihr’s, in echt bin ich ein zwei Meter großer, tätowierter Wikinger. Also, äh, mental. Wir reden hier nicht über meine Bauchmuskeln! *flöööt*

Nein, es geht um die Gefühlslage, und deswegen verletzt mich dieser Verriss so. Das tut mir nämlich so weh, weil ich bestimmt Leser habe, die mit John mitfühlen, mit Anna oder mit beiden, weil ihr auch irgendwo dazwischen hängt, zwischen Eifersucht und Freiheit, wie das jeder Mensch tut, monogam oder nicht. Und ich will für die LeserInnen, die sich mit John identifizieren und mit ihm mitfiebern und die seine Zerrissenheit selbst schon gespürt haben, auf keinen Fall unkommentiert stehenlassen, dass er eine Dramaqueen ist, die nicht über den Tellerrand sieht. Denn wenn er nicht über den Tellerrand sehen würde, hätte er diese ganzen inneren Kämpfe doch gar nicht!

Schildwall: Reden wir also über John!

Gut, John ist ein extrem verpeilter Chaot und man kann jetzt echt nicht sagen, dass er sich immer im Griff hat, aber er ist – wir erinnern uns – der Held einer ernsten Komödie. Und in meinen Augen ist er eine extrem starke Figur. Wie viele hochintelligente Menschen mit einer herausragenden Inselbegabung hat er an anderen Stellen einfach Defizite, isso. Er ist eben nicht der perfekte Mister Billionaire, sondern ein Held mit Schwächen.

Aber dieser Mann fängt gerade an, die Hollywoodgehirnwäsche, die er sein Leben lang erhalten hat, über den Haufen zu werfen. John hat gelernt, was wir alle gelernt haben. Liebe ist immer exklusiv, sonst ist sie eben keine. Logischerweise sagt sein Kopf, dass Annas Gefühl für ihn also unmöglich Liebe sein kann, sonst wäre sie ja treu. Und ein Mann beweist seine Liebe durch seine Eifersucht. Territorialverhalten und besitzergreifendes Denken sind die Grundsteine des Patriarchats, jeder Mann, der das infrage stellt, ist ein Held, egal, wie »suboptimal« er sich dabei anstellt und sich auch manchmal gnadenlos zum Trottel macht.

Wer keine Angst hat, braucht auch keinen Mut, oder?

An der Stelle muss ich übrigens auch mal eben sagen: Ich hab männliche Leser. Für eine schreibende Frau, die im weiteren Sinne im Segment »Liebesroman« unterwegs ist, ist das markentingtechnisch ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem seid ihr da und ihr seid open-minded genug, um auf das Thema Polyamorie neugierig zu sein, das find ich extrem sexy, muss ich mal so sagen! Ihr seid meine Helden! 😀

So, zurück zu John. Ich hab diesen Mann erfunden, weil ich finde, dass wir solche Romanfiguren ganz dringend brauchen, um mal den Druck rauszunehmen, dass ein echter Kerl keine Schwächen zeigt. Es ist wahnsinnig schmerzhaft, sich mit der eigenen Eifersucht und Verlustangst auseinanderzusetzen und gerade Männern fällt das noch mal eine Schüppe schwerer, weil sie ja nicht schwach sein dürfen und dazu erzogen werden, solche Probleme dann eben mit Gewalt zu lösen, mit verbaler, manchmal sogar körperlicher Gewalt. Dann kriegt die Olle eben auffe Fresse, wenn die fremdgeht. Oder der Rivale. Oder beide.

Wenn ein impulsiver, leidenschaftlicher Gefühlsmensch wie John einfach sagen würde: »Hm, Polyamorie, hab ich noch nie gehört, da mach ich einfach mal mit!«, wäre das für mein Empfinden und nach meiner Lebenserfahrung total unrealistisch. Weil er sein Leben lang versucht hat, in der Welt der Monogamen mitzuspielen. Er ist völlig fokussiert darauf, da endlich mal alles richtig zu machen und soll jetzt plötzlich radikal umdenken.

Wieso John mein Liebling ist? Isser? Isser!

Jede Frau, die Polyamorie tatsächlich lebt, hat schon auf die eine oder andere Art die Erfahrung gemacht, dass schwer verliebte Männer genau in dem Moment zuklappen wie Austern, wo ihnen klar wird, dass es hier nicht um ein verletztes Hascherl geht, das »gerettet« werden muss, sondern um eine selbstbestimmte Frau, die tatsächlich sagt, was sie meint und meint, was sie sagt. Dass sie nämlich polyamor ist und das auch bleiben wird. Viele, viele Männer setzen sich damit nicht auseinander, sondern verlieren dann einfach eben den Respekt und damit ist der Keks für sie gelutscht.

Und ich saug mir das ja nicht aus den Fingern, ich hab’s selbst erlebt. 98 % der Mono-Männer drehen sich in dem Moment, wo ihnen klar wird, dass das nicht »heilbar« ist, um und fragen sich, was sie in der Schlampe gesehen haben. John tut das nicht. Klar, er ist verpeilt, er richtet Chaos an, er agiert aus Verletztheit heraus manchmal kopflos und destruktiv, aber er steht für die wenigen Helden da draußen, die den Mut haben, Unsicherheiten irgendwie auszuhalten und sich vorzutasten in eine andere Art der Liebe, auch, wenn’s weh tut, auch mit Rückschlägen und unreflektierten Reaktionen.

Und auch mit der nur natürlichen Reaktion, in so einer unsicheren Situation erst mal zu klammern und Sicherheit zu fordern. Und deswegen tut die Rezension mir so weh. Weil es hier um genau die Figur geht, die es wenigstens irgendwie versucht. Und Anna?

Anna und die Polyamorie

Die Rezensentin ärgert sich darüber, dass Anna für dieses verwöhnte Kind, diese Dramaqueen, ihren Weg in Zweifel zieht. Liebe Rezensentin, das ist natürlich dein gutes Recht. Ich vermute, du bist entweder eine radikale Beziehungsanarchistin oder eine glücklich verheiratete monogame Frau, die sich eher aus soziologischem Interesse für das Thema unlimitierte Liebe interessiert. Aber Anna ist weder das eine, noch das andere. Anna ist polyamor und sie weiß aus eigener Erfahrung, wie Verlustangst und Eifersucht sich anfühlen. Und das macht sie so mitfühlend.

Polyamorie ist im Spektrum der freien Liebe das »Spießermodell«. Es geht nicht darum, eine offene Beziehung in dem Sinne zu führen, dass rein sexuelle Seitensprünge erlaubt sind. Es geht auch nicht darum, wie es in der SM-Szene von einigen Paaren toleriert/akzeptiert wird, Spielpartner zu finden, die dieselbe Neigung haben, damit man diese trotz bestehender Beziehung ausleben kann. Es geht auch nicht darum, eine Nicht-Beziehung zu führen, um keine Verbindlichkeiten einzugehen.

Die Polyamorie hat ganz feste Regeln. Transparenz, Einvernehmlichkeit und Langfristigkeit. Diese Regeln geben allen beteiligten Partnern Sicherheit und wer sich nicht absolut verbindlich daran hält, der kann, nach meiner Erfahrung, dabei zugucken, wie die ganze Sache den Bach runtergeht und auf höchst schmerzhafte Weise an Verlustangst und Eifersucht zerbricht.

Die Regeln stehen also fest und wer sagt: »Ich bin polyamor« oder »Ich will eine polyamore Beziehung führen«, der verspricht (vorausgesetzt, er kennt sich selbst, kennt sich aus und plappert nicht nur irgendwas nach, was er in einem schlecht recherchierten Zeitungsartikel gelesen hat) ganz klar Verbindlichkeiten, an die das Gegenüber sich halten kann. Sich halten können muss. Und wenn Anna sich bemüht, einvernehmlich zu handeln, zieht sie nicht ihren Weg in Zweifel, sie geht ihn unbeirrt weiter.

Polyamorie heißt Verbindlichkeit!

Bei der Polyamorie geht es also um ernsthafte, langfristige Liebesbeziehungen. Und das wird nicht einfacher, wenn ein neuer Lieblingsmensch ins Polykül kommt, sondern bedeutet immer eine schwierige Phase der Unsicherheit für alle. Die Karten werden neu gemischt und dabei muss man höllisch aufpassen, dass keiner hintenüber kippt, weil er sich übergangen fühlt. So ein Polykül ist eine sehr sensible Angelegenheit und kann immer nur so glücklich sein wie sein schwächstes Mitglied. Denn alle sind emotional miteinander verbunden, auf die eine oder andere Art.

Wenn Anna jetzt sagen würde: »Tut mir ja leid, dass du eifersüchtig bist, aber ich lass mir nichts vorschreiben, ich mache, was ich will!«, dann wäre sie als Romanfigur unlogisch, verlogen und, äh, ein blödes Arschloch. Denn dann wäre ihr Verhalten nicht polyamor. Wenn sie gesagt hätte, dass sie keine Beziehung will und keinen Bock hat auf Verbindlichkeiten, dann hätte sie das sagen können, ohne unglaubwürdig zu sein, aber dann wäre sie auch nicht Anna. Denn Anna steht in der ganzen Welt der Beziehungsstatus-Romane eben für die Einhaltung der polyamoren Regeln, da ist sie der Sheriff und versteht auch keinen Spaß!

Und Anna mit dem großen Herzen liebt John auch mit diesem großen Herzen. Sie ist keine unverwundbare Übermenschin, sie leidet darunter, dass sie ihn verletzt und hat das Bedürfnis, dieses Leiden zu lindern und ihm Sicherheit zu geben und das tut sie konsequent, indem sie die Regeln einhält, auf denen sie ihr Leben aufgebaut hat. Sie zeigt ihm damit, dass er sich auf ihr Wort verlassen kann und dass Einvernehmlichkeit für sie nicht einfach nur ein Wort ist. Und sie denkt langfristig. Sie weiß genau, dass John es sein wird, der neu verhandeln will, wenn er merkt, dass er sich auf sie verlassen kann.

Sie handelt einvernehmlich mit Sven, weil sie mit ihm über alles gesprochen hat, immer wieder, und sie weiß, wie er dazu steht. Sven bleibt ja jetzt wahrlich nicht als der unterversorgte Trottel zurück und das Team Svanna definiert Liebe schon lange nicht mehr über Sex, eigentlich haben sie das noch nie getan. Aber Sven, der auch ein großes Herz hat, weiß, dass John das (noch) tut und darauf nimmt er als alter Poly-Hase eben Rücksicht. Ihm ist Mitfreude, weil Anna so verliebt ist, wichtiger als sein Revier zu verteidigen, und er hat ja auch echt genug zu tun.

Achtung, jetzt kommt die Botschaft!

So. Und diese flammende Rede ist jetzt aus mir rausgeblubbert, weil ich meinen LeserInnen sagen will: Wenn ihr solche Schwierigkeiten habt wie John, mit Eifersucht und Verlustangst umzugehen und vielleicht auch nicht immer die beste Figur macht, wenn ihr euch in die Ecke gedrängt fühlt, seid ihr keine Dramaqueens.

Ihr seid tapfere Menschen, die versuchen, ihre Ängste in den Griff zu kriegen und da ist man nun mal nicht immer abgeklärt und konstruktiv. Selbst Romanfiguren müssen keine Übermenschen sein, und wir echten Menschen schon mal gar nicht. Und wenn ihr Kompromisse macht, um die Menschen, die ihr liebt, so wenig wie möglich zu verletzen, stellt ihr auch nicht euren Weg infrage, ihr seid dann viel mehr verantwortungsvoll und empathisch.

Da könnt ihr mal sehen, was Rezensionen für Gedankengänge auslösen können!

Und das war für mich der Kern der Sache, das wollte ich klarstellen. Wem welche Figur sympathisch ist und wem nicht, bleibt ja jedem selbst überlassen, ich kann auch so manchen Publikumsliebling in Büchern oder Serien nicht leiden und hab auch überhaupt nicht den Anspruch, süße Bücher voller Lieblingscharaktere zu schreiben, dann würde ich Drehbücher für »My little Pony« schreiben. Ich freu mich ja, wenn meine Figuren auch polarisieren, insofern war das natürlich eine sehr wertvolle Rezension. Der eigentliche Wert der Rezi lag für mich aber wohl eher darin, dass mich das in meiner eigenen Position noch mal bestärkt hat.

Ich schreibe Romane über Polyamorie, weil mir die Vielfalt und Toleranz in der Liebe extrem wichtig sind. Steffi, die lieber Single ist, als einen nicht-monogamen Partner zu haben, ist zum Beispiel eine meiner Lieblingsfiguren. Jeder Mensch empfindet Liebe anders und sollte auch die Freiheit haben, sie in seiner Weise zu leben. Und ich will nicht, dass John in seinem Recht auf zutiefst menschliches Gefühlschaos beschnitten wird, ich will, dass er Zeit und Raum bekommt, wirklich von innen heraus zu reifen und sich auch damit auseinanderzusetzen, was eigentlich in ihm vorgeht, wenn er nicht treu ist. Im Moment arbeiten er und ich an Band 4 und die Frage beschäftigt ihn sehr! 😀

Ich will auch nicht, dass Anna ihr Mitgefühl über Bord wirft, nur, um auf Biegen und Brechen eine »starke Heldin« zu sein. Denn für mein Gefühl wäre sie gar keine starke Heldin, wenn sie nicht bereit wäre, auch immer wieder Kompromisse zu machen und wenn sie nicht auch Interessenkonflikte hätte, die ihr viel abverlangen. Ihre Stärke liegt gerade in ihrer Empathie und in ihrer Bereitschaft, ihre Partner auch mit deren Schwächen und Ängsten zu lieben.

So. Jetzt hab ich das blöde Gefühl, meine eigenen Bücher erklärt zu haben und wenn Romane nicht selbsterklärend sind, hat man beim Schreiben wohl was falsch gemacht. Aber bei so einem vielschichtigen und komplexen Thema wie Polyamorie kann das wohl mal passieren. In diesem Sinne: Seid keine Übermenschen, habt euch lieb für eure Gefühle und verzeiht euch, wenn ihr mal einen John-Moment habt, denn dafür ist John da. Dramaqueen hin oder her. Wir alle sind manchmal eine Dramaqueen.

Und noch eine Bitte!

Ich weiß, Kommentare in Blogs sind total out und ich finde es toll, wenn wir immer auf Facebbok quatschen, aber falls ihr das hier wirklich bis zum Ende gelesen habt und mir ein John-pro-oder-contra-Feedback geben wollt, dann wäre es sehr lieb, wenn ihr hier die Kommentarfunktion nutzen könntet, wir können ja trotzdem auf Facebook rumalbern, aber so finden dann auch die Blogleser eure Meinung, und die ist ja wichtig, nä? Hab euch lieb! 🙂

Übrigens: P.S.

Die Rezensentin und ich stehen per PN in Kontakt und sind sehr lieb zueinander! Nur, dass hier kein falscher Eindruck entsteht! Das ist wirklich eine spannende Sache! 😀

Bücherflashmob: Hasse ma’ne Mark?

Bücherflashmob: Hasse ma’ne Mark?

Ungelogen, ich bin jetzt total nervös! Dieser Bücherflashmob ist jetzt der Härtetest für meine Reichweite, also für euch! 😀 Weil – ich brauche mal eure Hilfe. Obwohl ich gerade neben mir stehe und eigentlich keine zusammenhängenden Sätze kann, also, schreiben. Sollte. Egal. Ich hab nämlich die ganze Nacht an einem epischen Trailer gebastelt und der geht so:

Bücherflashmob bei Sookie Hell!

Damit du weißt, worauf du dich da überhaupt einlässt …

Die Seite zum Buch findest du hier, aber die Startseite erzählt dir auch einiges über die Geschichte! Sieh dich ruhig erst in Ruhe um, bevor du den Mops unterstützt, ich freu mich ja immer über Besuch im Blog!

Öhm, ja. Was soll ich jetzt noch sagen? *tee schlürf* Äh, was ein Flashmob ist, wisst ihr alle. Alle kommen aus ihren Löchern, knubbeln sich kurz, haben Spaß, machen was Schräges und verschwinden wieder – in this case verschwinden sie im Idealfall, um „Beziehungsstatus 1“ zu lesen. Ein Bücherflashmob hat den Job, Algorithmen auszutricksen und alle Buchverkäufe, die sich sonst so auf den Monat verteilen, zu knubbeln, damit Amazon und Thalia denken: „Hö? Ist die berühmt oder was? Wieso hat uns das keiner gesagt?“ Und dann – flutsch! Rauscht der Mops in seiner Kategorie in die Top 100 und erlangt: Sichtbarkeit! Hach!

So weit der Plan. Aber natürlich kann ich einen Bücherflashmob nicht alleine durchführen, ist klar. Dass meine Stammleser das Buch schon haben, ist auch klar, sonst wären sie ja gar nicht in meinem Blog oder auf meinen Seiten, ist noch klarer. Ihr könnt mir aber trotzdem helfen! Also, äh, natürlich nur für den Fall, dass ihr der Meinung seid, dass meine Bücher cool sind und bekannter werden sollten. Teilt den Mops einfach wie die Wahnsinnigen, helft mir mit eurer Reichweite und dann gucken wir, was passiert! Das wird das geilste Mopsrennen des Jahres, ich schwör mit Blut!

Ja, gut, Möpse haben kurze Beine, aber so unrealistisch ist das gar nicht, dass er es in der Kategorie „eBooks Humor“ schafft, in die Top 100 zu kommen, der Wikinger hätte es nach seinem Erscheinen ganz ohne Bücherflashmob fast geschafft und die kostenlosen Sookies waren alle schon in der allgemeinen Top 100 für Noppes, vielleicht hat unser Mops ja tatsächlich eine Chance?

Ich stelle fest: Ein Bücherflashmob ist nichts für schwache Nerven!

Was hab ich mir da bloß bei gedacht? Was ist, wenn alle mich aufdringlich und doof finden und keiner mitmacht? *heul* Ich kann das jetzt noch löschen … Obwohl, halt! Atmen, Sookie, aaaatmen! Mir fällt da gerade eine Mini-Anekdote ein, die mich motiviert, nicht den Schwanz einzukneifen. Gestern hat eine sehr nette Frau, mit der ich mich in Buchgruppen auf FB manchmal unterhalte, in einem Kommentar erzählt, dass sie bei einem Polytreffen war, die Sprache auf meine Bücher kam und sich herausstellte, dass da ein Riesenfan von mir saß. Ob das „Riesenfan“ sich jetzt darauf bezog, dass der Herr 1,99 m groß ist oder ob er zu denen gehört, die alle meine Bücher gelesen haben, hab ich nicht gefragt, aber ihr versteht, was ich meine.

Man denkt als kleine Nischenautorin immer so: „Buhu, keiner kennt mich!“ und dann unterhalten sich irgendwo am anderen Ende der Welt Leute und einer sagt: „Die kenn ich!“. Ja. Das sind die Momente, wo man als Autorin Herzklopfen hat, weil man das Gefühl bekommt, dass die ganzen durchgemachten Nächte am Laptop sich gelohnt haben und dass die ganze Liebe, die da drinsteckt, nicht versickert, sondern irgendwo ankommt und Menschen berührt und zum Lachen bringt oder was weiß ich. Hm. Jetzt bin ich ganz gefühlig, das wollte ich eigentlich gar nicht. Lösch ich das jetzt wieder?

Scheiß drauf, ich starte jetzt den Bücherflashmob für den 16. und 17. September, das Büffet ist eröffnet!

Wir konzentrieren uns auf AMAZON und THALIA! Und lasst mir gerne einen Kommentar da, falls ihr mitmacht und das hier teilt, ich brauch das heute irgendwie! 😀

Buchtrailer selber erstellen – ohne zu verzweifeln

Buchtrailer selber erstellen – ohne zu verzweifeln

Weltbeste Follower und Neuankömmlinge! Bevor wir zum Thema Buchtrailer kommen, muss ich mich eben kurz entschuldigen für den Fall, dass ich euch zugespamt haben sollte, als ich den Blog optimiert und die bisher geilste Startseite meines Lebens gebaut habe (die immer noch nicht fertig ist), die ihr jetzt bitte hier bewundern sollt, wenn ihr nicht wollt, dass ich in Tränen ausbreche.

Nein, das war jetzt emotionale Ausbeutung und voll gemein. Ich fürchte aber, dass mein Jetpack-Mopped euch jedes mal eine Mail geschickt hat, wenn ich dafür einen neuen Beitrag erstellen musste und das waren einige. Gefühlte tausend, um genau zu sein. Ich sag nur: Nachtschichten! Dass ihr über jedes Pipifax-Gimmick informiert werdet, war aber gar nicht geplant. Falls es aber doch passiert sein sollte, erklärt das, wieso mir kostbare Abonnenten abgesprungen sind, während das Bauarbeiten-Schild vorm Blog hing! Ich wär da auch genervt gewesen! 😀

Für alle, die noch da sind: Heute machen wir mal zur Entspannung was richtig geiles! Wir setzen uns bescheuerte Baskenmützen auf, lassen uns einen zutzeligen Bart stehen (ja, auch die Frauen!), quarzen europäische Zigaretten wie Sven und Anna in emotionalen Ausnahmesituationen (die Nichtraucher mögen hier bitte zu Kaugummi-Zigaretten greifen, denn das ist enorm wichtig für die Authentizität!), denn heute widmen wir uns dem Thema Literaturverfilmung!

Buchtrailer – brauche ich als Autor Hühneraugen nicht dringender?

Nö! Das war nämlich so! Im Sommerloch kam ich auf die Idee, mich mit dem Thema »Buchtrailer selber erstellen« zu befassen, fasste mir ein Herz, fuchste mich in die Technik ein (iiiih, Technik!), fing dann an, kleine Filme zu basteln und ballerte das Internet damit gnadenlos zu. Dann kam die Neuerscheinung, es passierten wieder tausend andere Sachen und ich vergaß meine Buchtrailer, bis ich dann Ende August die Abrechnung für meine Buchverkäufe aus dem Juli bekam. Exklusive Amazon-Autoren fragen sich jetzt: »Hö? Wieso muss die so lange warten?«, aber bei meinem Distributor ist das nun mal so. Ich erfahre immer als Letzte, ob Leute meine Bücher kaufen! 😀

Jedenfalls saß ich dann ganz andächtig da und fragte mich: »Hö? Was war denn im Juli los, dass das so abgegangen ist, was hab ich da angestellt?« Ich grübelte, schlürfte Tee und dann fielen mir die Buchtrailer wieder ein. Und siehe da – die Buchverkäufe hatten sich locker verdoppelt. Das hat mehr gebracht als jede Preisaktion, ich schwör mit Blut! Und außer Zeit und Spaß hat mich das nichts gekostet, geil, oder? Deswegen hab ich mich weiter eingefuchst und vielleicht ist das ja auch für euch interessant – für meine Kolleginnen, aber auch für die Leser, die gern solche Trailer anklicken, um zu sehen, ob sie Lust auf ein Buch haben. Und damit ich mich nicht wieder verzettel, machen wir das jetzt hier einfach mal so super strukturiert, wie ich sonst nur für Geld schreibe! 😀

Vorüberlegungen zum Buchtrailer

Was brauchst du? Erst mal natürlich ein Buch, höhö. Obwohl – gibt es eigentlich auch schon Fan-Art-Buchtrailer? Das wär doch mal geil, falls sich einer meiner Leser berufen fühlt, meine Bücher als Fan-Art zu verfilmen, lasst es fließen! Egal, wo war ich? Deine Vorüberlegungen! Du kennst dein Buch ja besser als jeder andere, aber mir persönlich geht das dann oft so, dass ich total betriebsblind bin und auf die Frage: »Worum geht’s denn da?« nur mit einem knackigen: »Äääääh …« antworte. Das kommt natürlich bei einem Buchtrailer nicht besonders gut, deswegen hangeln wir uns jetzt mal an den Kernfragen entlang.

Wer ist die Zielgruppe für deinen Buchtrailer?

Das mit der Zielgruppe kennst du mit Sicherheit schon von Coverdesign, Klappentext, etc. Wer ist dein Wunschleser? Wen willst du mit einem furiosen Kawämm erreichen? Und jetzt kommt das Schöne an Buchtrailern – bei Klappentext und Cover hast du nur eine Chance, du hast ja in den Shops nur eine Produktseite und bist dadurch kreativ eingeschränkt. Je fokussierter du da bist, umso besser klappt das ja (ich muss da auch noch optimieren *seufz*).

Bei Buchtrailern kannst du aber die Zielgruppen besser differenzieren und dein Buch ist ja mit Sicherheit komplex genug, um verschiedene Leser auf verschiedenen Ebenen anzusprechen. Also: Schüchterne Jungs mit Brille lesen Harry Potter anders als naseweise kleine Mädchen mit fluffigen Haaren, ihr versteht, was ich meine. Beide Lesertypen haben die Bücher geliebt, aber sie lesen aus unterschiedlichen Gründen, weil sie sich mit verschiedenen Charakteren identifizieren.

Versuch also nicht, mit einem Buchtrailer alle anzusprechen, das klappt sowieso nicht, denn dann wird dein Trailer aussehen wie von der Stange. Tob dich lieber kreativ aus und erstelle einfach mehrere Trailer! Ich zeig dir mal an einem Beispiel, wie ich versucht habe, das umzusetzen. Und, äh, für alle, die mir jetzt wieder vorwerfen wollen, dass ich meinen eigenen Blog benutzte, um meine eigenen Bücher zu promoten – äh – lassen wir das einfach. Ich zeig euch jetzt einfach Trailer und dann bilden wir einen Sitzkreis und sprechen darüber! 😀

Das war glaub ich sogar mein allererster Versuch, einen Trailer zu bauen. Der kommt mir jetzt zu behäbig und langsam vor, aber ich wollte sicher sein, dass auch Leute an kleinen Monitoren alles mitbekommen! 😀 Jedenfalls ist hier Eugen die Hauptfigur des Trailers und mein Plan war, Leser anzusprechen, die gerne mal ausbrechen und den Mut aufbringen würden, etwas Neues zu wagen – und da ist das Lesen eines Beziehungsstatus-Romans ja gar nicht so verkehrt!

Wie ihr seht, richtet sich dieser Trailer – für dieselbe Buchreihe – an eine völlig andere Zielgruppe. Er soll ganz gezielt intelligente Frauen ansprechen, die ein komplexes Gefühlsleben haben und bei denen auch nicht immer alles so läuft, wie die CDU sich das vorstellt. Und wenn ich mir meine Leserinnen so ansehe, dann hat das auch ganz gut geklappt! 😀

Trotzdem gibt es bei beiden Trailern noch viel Verbesserungsbedarf, aber da kommen wir gleich zu. Wichtig ist erst mal nur, dass du verschiedene Leser auch verschieden ansprechen kannst und sogar solltest. Achte nur darauf, dass du keine Versprechen machst, die du nicht einhalten kannst und dass dein Buchtrailer die Grundidee transportiert, die die Leser dann auch wirklich durch das Buch begleitet.

Braucht ein Buchtrailer ein Drehbuch?

Yäp! Also, keine Panik, du musst jetzt nicht die ganze Story noch mal neu erfinden und einen Grafiker bezahlen, der dir ein Storyboard kritzelt, es geht nur um die Idee. Ich sehe immer wieder Buchtrailer, die mich leider nicht packen, weil sie viel zu global sind und alles und nichts sagen. Also, bei meinen Büchern wäre das zum Beispiel die Botschaft: »Anna und John verlieben sich ineinander, doch es kommt zu Problemen. Hat ihre Liebe trotzdem eine Chance?« Mööööp! Schon verloren! Da helfen auch keine Bilder von tollen Skylines und epische Musik – abgesehen davon, dass die Skylines in Ostfriesland eher von Wallhecken und Kühen gebildet werden, klingt das nach Groschenroman Nummer 4529584.

Wenn du als Autorin das Standing hast, dass deine Stammleser gerade das suchen und dir jede Neuerscheinung sofort in die Charts bringen, ist das natürlich geil, aber wenn du das nicht hast, musst du dich auf dein Alleinstellungsmerkmal konzentrieren und das dann auch rüberbringen – um die Leser zu erreichen, die genau deine Story wollen, weil sie anders ist! Wenn du das für dich klar hast, dann kommen der Elevator Pitch und der Hook! Iiiiih, das klingt nach Marketing! Yäp!

Elevator Flutsch? Was?

Pitch, es heißt Pitch! Ich konnte mit dem Wort auch nie was anfangen, bis ich irgendwo gelesen habe, dass Bill Gates angeblich tierisch gerne in seinen Firmenfahrstuhl steigt, um Leute zu piesacken und zwar mit der Frage: »Was tust du heute für mein Unternehmen?«

Tja. Wenn du jetzt rumstammelst und was von Nasebohren oder Bleistifte anspitzen erzählst, bist du weg vom Fenster. Wenn du aber flammend und punktgenau raus haust, wie sehr du gerade dafür brennst, Apple mal so richtig mit deiner Innovation in den Arsch zu treten, dann könnte es ja passieren, dass Mister Gates vergisst, an der Kantine auszusteigen, weil er mehr über deine Innovation hören will. Dann hast du es geschafft – du hast einen gelungenen Elevator Pitch abgeliefert! Mir persönlich gelingt das nie spontan, wenn ich bei Microsoft arbeiten würde, würde ich nie ohne Spickzettel in den Fahrstuhl steigen, aber Buchtrailer bastelt man ja zum Glück in Ruhe zu Hause.

Was ist also dein Elevator Pitch? Sollten Menschen dein Buch unbedingt lesen, weil du genau solche Vampir-Romane schreibst wie XY, die leider aber alle schon vor fünf Jahren gelesen haben und die jetzt total out sind? Oder handelt dein Vampir-Roman vielleicht mal von einem Vampir, der total geflasht ist von den Fähigkeiten einer Menschenfrau? Bei Sonne vor die Tür gehen? Gefühle haben? Einen Vampir total unsexy finden, weil er so immer so gefühlskalt ist? Oder müssen deine Vampire eine geheime Umweltorganisation gründen, um das verfickte Ozonloch dieser verantwortungslosen Menschen zu stopfen? Was? Hä? Lass deinen Trailer erzählen, wieso Vampir-Roman-Fans deinem Vampir eine Chance geben sollten!

Der Hook im Buchtrailer – du brauchst also einen Piratenkapitän mit Enterhaken-Klaue?

Yäp! Leg einen Köder aus, damit sie anbeißen. Tease sie, mach sie neugierig und verrate so viel, wie sie wissen müssen, aber nur so viel wie nötig, denn die wenigsten Leser stehen ja auf Spoiler. Wer will schon die letzte Seite zuerst lesen? Erzähl deine Story im Buchtrailer am besten so, dass die Stimmung rüberkommt und die Spannungspitzen angedeutet werden, aber auch so, dass es noch so oder so ausgehen könnte. Lass sie, yeah, mit einer offenen Frage in der Luft baumeln, hihi!

Ich hab das in diesem Beispiel so versucht: Buchtrailer zu Beziehungsstatus 3:

Tja. Watt issen nu eine Bromance? Klar, kann man googeln, aber kann man das beim Googeln erleben? Und was hat das mit Wikingern und Polyamorie zu tun? Ich hab den Buchtrailer zwar noch nicht getestet, aber ich bin gespannt, was passiert, wenn ich ihn ins Netz werfe. Diesen Trailer zu Beziehungsstatus 3 zu basteln hat übrigens tierischen Spaß gemacht (weil ich für die Technik nicht mehr nachdenken musste, höhö!) und mich gleichzeitig vor neue Herausforderungen gestellt. Bisher hatte ich nur Buchtrailer zum »Gesamtkunstwerk« erstellt, aber jetzt wollte ich die Geschichte eines bestimmten Bands mit einfließen lassen. Kniffelig, wenn man die Stimmung transportieren, aber Neulesern nicht den Spaß an Band 1 und 2 verderben will. Ich hoffe mal, das Teil floppt nicht. So, jetzt haben wir uns mit dem Inhalt befasst, jetzt kommt der langweilige Teil: Die Technik! 😀

Buchtrailer erstellen ohne Budget

Geht, ist überhaupt kein Ding, wenn du kreativ bist – was du als Autor sowieso bist – und ein bisschen Geduld hast zum Fummeln und Ausprobieren. Folgende Programme und Gimmicks hab ich benutzt:

Windows Movie Maker

Ich bin ja Volltrottel und Hobby-Buchtrailer-Erstellerin, also fand ich den Windows Movie Maker für die ersten Versuche völlig ausreichend. Wenn man damit arbeitet, fallen einem zwar immer mehr Funktionen ein, die man bei dem Programm gern noch hätte, aber einem geschenkten Barsch guckt man nicht hinter die Kiemen. Ich hab zwar überall gelesen, dass der Movie Maker auf sämtlichen Windows-Rechnern vorinstalliert ist, bei mir war er das aber gar nicht, also hab ich ihn hier runtergeladen. Wie das Ding funktioniert, hab ich mit ein paar einfachen Tutorials auf YouTube gelernt und dann einfach »Lörning bei Do-ing« gemacht. Es gibt für alles einen Back-Button!

Bild- und Videomaterial

Wenn ihr mal lizenzfreie Bilder googelt oder kostenlose Bilder, dann stellt ihr fest, dass sich schon viele Blogger die Mühe gemacht haben, Listen zusammenzustellen, durch die ihr euch durchklicken könnt, zum Beispiel hier und hier. Ich persönlich treibe mich meistens auf Pixabay rum, man darf nur nicht den Fehler machen, so grobe Suchbegriffe wie »Mann« oder »Frau« einzugeben – das tun nämlich verdammt viele Leute und dann nutzt du auch genau dasselbe Bildmaterial wie verdammt viele Leute. Diese junge Dame mit der Wunderkerze ist zum Beispiel so ein Fall. Jeder Blogger denkt da sofort an die Voreinstellungen eines WordPress-Themes.

Lizenzfreie Bilder für Buchtrailer

Natürlich besteht bei kostenlosen Stockfotos immer die Gefahr, dass man denkt: »Mist, da hat einer dasselbe Foto wie ich!«, aber wenn das mal passiert, ist das nicht so schlimm, wie wenn das Foto quasi schon selbst zu Marke geworden ist. Wenn man aber nicht ganz so offensichtliche Suchbegriffe eingibt, kann man Glück haben und Bilder finden, die man nicht schon tausendmal gesehen hat und die passen wie Arsch auf Eimer. Das Bild, das ich für Anna verwende, hab ich zum Beispiel unter dem Suchbegriff »Haare« gefunden. Ich persönlich finde es grundsätzlich immer cool, Bilder zu wählen, die noch Raum für die Fantasie lassen. Was mir gefällt, muss ja meinen Lesern noch lange nicht gefallen, vielleicht stellen die sich meine Hauptfiguren ja ganz anders vor als ich.

Das Sahnehäubchen – der Soundtrack des Buchtrailers!

Bilder auszusuchen macht schon tierisch viel Spaß, ich kann da stundenlang hängenbleiben und manchmal reift die Idee zum »Drehbuch« auch erst richtig aus, wenn ich Bilder sehe, die in meine Geschichte passen. Aber noch viel geiler finde ich es, mich durch Audiodateien zu klicken! Lizenzfreie Musik ist jetzt leider nicht immer sooo der Knaller, aber wenn man sich Zeit nimmt, findet auch bei den für kommerzielle Zwecke verwendbaren Stücken richtig cooles Zeug, das die Stimmung eines Buchtrailers transportiert. Ich suche immer zuerst hier, aber man kann auch bei YouTube im Video-Manager unter Video-Tools in der Audio-Bibliothek cooles Zeug finden. Musik bringt die Stimmung noch mal ganz anders rüber als pure Bilder, also nimm eine Datei erst, wenn du das sichere Gefühl hast: »Yeaaaaah! Geil!«

Der schwierigste Teil: Den Buchtrailer verbreiten

Ja, äh, jetzt könnte ich eine psychologische Abhandlung darüber schreiben, wie sehr uns das Sprichwort »Eigenlob stinkt!« geschadet hat, aber das wäre jetzt ja gar nicht ziiiielführend, nä? Fakt ist ja, dass Autoren einfach keine Rampensäue sind, sonst hätten sie sich für darstellende Künste entschieden, anstatt im stillen Kämmerlein zu arbeiten. Weil ich so harmoniesüchtig bin und immer will, dass alle sich lieb haben, hätte ich jetzt auch fast gesagt: »Lass dich von deinen Selbstzweifeln nicht ausbremsen!«, aber: Nö. Inzwischen sehe ich das anders.

Mir ging das zum Beispiel so mit der ersten Auflage der Beziehungsstatus-Romane. Ich hatte tierische Hemmungen, Werbung zu machen. Natürlich, weil meine Lehrer früher immer gemein zu mir waren und meine Mutter immer gesagt hat, ich muss mich mehr anstrengen, klar. *jammer* *wunden leck* *alle blöd find*

Tja. Dann wurde mir aber klar, dass meine Zweifel tatsächlich Gründe hatten, die auch in meiner Arbeit lagen. Die Zielrichtung war mir zu schwammig, die Aussage nicht klar genug, die Cover zu popelig, da waren einfach noch so ein paar Punkte, mit denen ich mich nicht ganz wohlgefühlt habe und die ich optimieren musste. Also hab ich so lange Arbeit in das Projekt gesteckt, bis ich das Gefühl hatte, ab jetzt ist es okay. Komplett neue Cover, umfassende Überarbeitung der Inhalte, das für mich ganz wichtige Prequel, neue Klappentexte. Das hab ich so lange gemacht, bis ich das Gefühl hatte: Jetzt ist es okay genug, um auch mal auf die Kacke zu hauen. Allen gefallen kann und will ich eh nicht, aber mir muss es gefallen, dann stehe ich auch voll dahinter. Ich sag jetzt nicht, dass es bei euch noch was zu optimieren gibt, aber für mich persönlich war das so.

Diese Fragen im Kopf! Was sollen meine Facebookfreunde denn von mir denken, wenn sie fünfmal angezeigt bekommen, dass ich was in einer Gruppe gepostet habe! Jetzt mal ohne Witz: Ich hab euch alle lieb, aber wer genervt ist, kann ja das Abo meiner Beiträge abstellen oder mich entfreunden, das ist doch völlig okay! Mir ist ehrlich gesagt inzwischen wichtiger, dass ich meine Leser erreiche, dafür mache ich das schließlich! Das wollte ich nur mal gesagt haben! 😀

Portale richtig bespielen und Buchtrailer hochladen

Also: Die Verbreitung des Buchtrailers solltest du doppelt aufstellen. Zum einen natürlich auf YouTube, denn von da aus kannst du ja ins gesamte Web verlinken, zum Beispiel auf deinen Blog, hehe! Facebook dagegen bespiele ich einzeln. Ich hatte mich total oft gewundert, wieso ich eine winzige Reichweite habe, wenn ich auf YouTube ein Video toll finde und das auf meiner Facebook-Seite teile. Dann wurde mir angezeigt, dass das fünfzehn Leute gesehen haben. Frustrierend.

Dann hab ich gelesen, dass Facebook »eigenen« Content, also direkt beim Herrn Zuckerzwerg hochgeladene Bilder und Videos, bevorzugt behandelt. Und siehe da, mit direkt bei FB hochgeladenen Buchtrailern erziele ich Reichweiten weit über tausend, wenn ich das Video auf meine Seite stelle und von da aus in ein paar Gruppen teile. Schräg, oder? Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Ich weiß nicht, wie andere Portale das handhaben, aber grundsätzlich geht der Trend ja zum »User auf der Seite einsperren und Inhalte für sich behalten«, auf Google+ zum Beispiel ist die Funktion verschwunden, mit der man Inhalte mal eben seinen FB-Freunden zeigen kann. Also verteilt man seinen Content wohl besser direkt auf den Portalen. Tjaja, solche Sachen muss man wissen, wenn man sich im Internet wichtig machen will!

Ich persönlich hab mich jetzt für heute genug wichtig gemacht, ich hoffe, ihr konntet was mit meinen Erfahrungen anfangen und wenn ihr selbst jetzt sabbert und auch einen Buchtrailer basteln wollt, dann lasst mich wissen, was draus geworden ist! Fühlt euch frei, euren inneren Chabrol von der Leine zu lassen oder – wie Anna sagen würde – euren Fellatio Fellini. »Verfilmt« euer Buch, habt Spaß dabei und dann haut den Buchtrailer raus!

Schirme aufspannen: Sookie schüttet ein polyamores Füllhorn der Liebe aus!

Schirme aufspannen: Sookie schüttet ein polyamores Füllhorn der Liebe aus!

Auf dem Foto seht ihr das Frauenbild, das mir (und vielen anderen Frauen) antrainiert wurde und das heute im Mainstream wieder so angesagt ist, wie noch nie. Hündisch ergeben und klammernd, egal, was der Knaller gerade wieder für einen Mist anstellt. Und jetzt die gute Nachricht: Blödheit und Konditionierung sind heilbar. Ich zum Beispiel schreibe heute Romane über Polyamorie.

Ihr Lieben, ich weiß, das klingt jetzt völlig bescheuert, aber ich muss heute einfach mal meine Freude mit euch teilen. Denn im Moment passieren so viele wundervolle, kleine Dinge, die ein fantastisches, großes Ganzes sind und deswegen ist mir einfach nach Knuddelwuddel zumute! Sollte ich heute also in ganz furchtbaren Pathos abrutschen, der sich anhört wie Selbstbeweihräucherung, so müsst ihr ein Auge zudrücken und mir das verzeihen, aber ich bin verliebt. Und zwar in euch! 😀

„Bist du nicht die Poly-Autorin?“

So wurde ich in letzter Zeit öfter im Netz angesprochen und das löst in mir ein ganz seltsam bunt gewürfeltes Gefühl aus. Zum einen ist da natürlich der ewige Selbstzweifel, den alle Autorinnen kennen, und das ist kein Fishing for compliments, das ist das wirklich verdammt tief sitzende Gefühl, dass man ständig die eigene Arbeit hinterfragt, weil man sich denkt: „Wer bin ich schon, dass ich irgendein Label verdient hätte?“, denn man fühlt sich ja nicht als Influencer, wenn man Bücher schreibt, sondern als jemand, der extrem schrullig ist und viel zu viel Zeit mit seinen unsichtbaren Freunden verbringt.

Und mit strunzlangweiligen Sachen wie Korrektur lesen, immer und immer wieder, Sätze umstellen, Streichen, Rauswerfen, Umarbeiten. Schreiben ist alles andere als sexy. Zum anderen ist da aber ein ganz andächtiges „Huch!“, wenn ich „die Poly-Autorin“ bin und es ist fast unheimlich. Werde ich etwa zur Marke? Mit dem am Buchmarkt vollkommen unpopulären Thema Polyamorie? Den Aufsatz:

„Warum ich Romane über Polyamorie schreibe“,

den schreibe ich ein anderes Mal, da ist mir jetzt gerade nicht nach, das ist nämlich kompliziert, schwermütig, hochkomplex, erfordert einen ausführlichen literaturgeschichtlichen Exkurs und hat ungefähr den gleichen Unterhaltungswert wie Dostojewskis Weihnachtserzählung über den hohlwangigen Knaben, der auf der Straße verendet, während er durch die Fenster der Reichen auf die funkelnden Festtafeln blickt.

Jetzt sage ich nur: Ich schreibe über Polyamorie, weil ich selber als junge Frau polyamore Romanfiguren als Rollenmodelle verdammt gut hätte brauchen können. Aber als ich in den Neunzigern als junges, verpeiltes Ding mein „polyamores Coming-out“ hatte (so hieß das damals noch nicht), wusste ich eben noch nicht, dass das in Ordnung ist. Man war dann eben die Schlampe und feddich.

Aber zurück zum buntgewürfelten Gefühl. Neben der chronischen Autorenberufskrankheit called „Selbstzweifel“ passieren nämlich im Moment vollkommen abgefahrene Dinge. Ich dachte, wenn überhaupt, dann erreiche ich mit den Büchern ein paar versprengte Seelen aus der Poly-Szene, die sich in meinen Geschichten wiederfinden können. Und was ist? Meine Leser sind ganz „normale“ Leute! Und da passiert gerade etwas wahnsinnig schönes. Wir durchbrechen nämlich gerade zusammen eine gläserne Decke.

Frauen waren jahrtausendelang getrennt durch eine patriarchale Mauer. Die Heiligen und die Huren, die Ehefrauen und die Schauspielerinnen, Grisetten und Dienstmädchen für die Affären der Gatten. Und beide Lager, da sind wir uns einig, waren sich nie besonders grün, dafür haben die Herren schon gesorgt. Divide et impera. Und jetzt lesen Frauen, die noch nie von Polyamorie gehört haben, meine Bücher und schreiben mir: „Ist ja witzig, total klasse, wann erscheint der nächste Band?“

Jetzt nehmen meine Bücher, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie für „normale“ Leser interessant sein könnten, irgendwie Fahrt auf und ich kriege vollkommen überwältigendes Feedback, an dem ich merke: Der Begriff „normal“ ist komplett bescheuert, ich hab es immer schon geahnt! Entweder keiner von uns ist normal oder wir sind alle normal, was ich daran aber so geil finde, ist die Tatsache, dass ich mein Leben lang drunter gelitten habe, nicht normal zu sein und jetzt stelle ich fest: Das war kompletter Quatsch!

Weil ich ein polyamor fühlender Mensch bin, der in einer monogam geprägten Welt lebt, dachte ich immer, ich bin ein Montagsmodell. Eben kaputt. Nicht funktionstüchtig. Und jetzt passiert mir das: Mir schwappt wahnsinnig viel liebevolle Akzeptanz entgegen für meine polyamoren Romanfiguren und damit auch für mich als polyamore Frau!

Bunte Autorin bekommt bunte Leser!

Leute, ich hab keine Ahnung, wer ihr seid, aber die wenigsten von euch haben irgendeinen Bezug zur Polyszene. Aber ihr verschlingt meine Bücher, ihr schreibt mir in Rezensionen, wie wichtig ihr es findet, dass es zu diesem Thema jetzt meine Bücher gibt, ihr schimpft sogar mit mir, wenn meine polyamore Hauptfigur in einem gefühlvollen Moment monogame Tendenzen hat, weil ihr das „Happy End“, dass sie sich endlich für einen entscheidet, nicht mehr wollt, ihr wollt, dass sie es hinkriegt, als polyamore Figur stark zu bleiben und mit beiden Männern zu leben. Und ich versteh die Welt nicht mehr! Seit wann sind Leserinnen von Liebesromanen offen dafür, dass es keinen Mr. Right mehr gibt, sondern einen Mr. Right und einen Mr. Left? ;D

Neulich bekam ich bei einer Rezension einen Punktabzug. Andere Autoren brechen da weinend zusammen und ziehen nörgelnd über die Unverschämtheit durch sämtliche Autorengruppen, ich bin singend um den Schreibtisch getanzt. Weil die Begründung für diesen abgezogenen Stern einfach absolut grandios war.

Wenn ihr meinem Blog schon länger folgt, versteht ihr sofort, was mich daran so geflasht hat. Ich hab es geschafft, eine polyamore Frau zur weiblichen Heldin aufzubauen. Nicht zu einer Schlampe aus der Schmuddelecke, die von „guten monogamen Frauen“ zurück in die Reihe geschubst wird, oder die auf den rechten Pfad der Monogamie zurückfindet, weil sie endlich Mister Right trifft, sondern zu einer Frauenfigur, von der sich eine Leserin denkt: „Boar, die ist ja cool, hoffentlich bleibt die so!“ 😀

Und das finde ich unfassabr geil, da bin ich ganz unbescheiden mächtig stolz drauf. Oder ein anderes Beispiel! Gestern fand ich irgendwo unter einem meiner Buchtrailer auf Facebook folgenden Kommentar (ich hab den Namen nur ausradiert, weil sich das bei solchen Screenshots so gehört, das ist alles voll anonym hier, hihi!):

Und solche Kommentare sind für mich ein absolutes Fest. Das war voll das Überraschungs-Ei, weil es drei Dingsdas, na, Schokolade etc, auf einmal anspricht. Erstens: „Ich wusste ja nicht mal, dass dieses Thema existiert.“ Ernsthaft, ich bin keine Missionarin, Leute zur Polyamorie bekehren zu wollen, liegt mir absolut fern, weil jeder dem Lebensstil folgen sollte, von dem er fühlt, dass er für ihn richtig ist. Wir können heute ja zum Glück als schwule Einhörner Rollschuh laufen und dabei Ukulele spielen und es ist okay. Und ich wünsche den Leserinnen meiner Bücher, dass sie mit ihrem Stil glücklich sind.

Aber ich liebe es, Ideen zu streuen und zu einem Klima der Toleranz beizutragen. Und wer sich so offen und vorurteilsfrei auf meine Bücher einlässt wie meine Leserinnen, der wird niemals blöde Vorurteile über Polys haben. Und dann, für mich der absolute Hammer: „Witzig und regt trotzdem zum Nachdenken an.“ Das ist für mich so ziemlich das größte Lob, das ich für mein Handwerk als Autorin kriegen kann. Für mich fühlt sich das an wie siebzehn Vorhänge in der Mailänder Scala. Und all das, der wunderbare Support durch meine vollkommen bunt gemischten und für mich absolut mysteriösen Leser, führt dann dazu, dass es unter meinen Büchern so aussieht:

Sammelwut unter Nicht-Polyamoristen: Die Sookie-Gesamtausgabe
Sammelwut unter Nicht-Polyamoristen: Die Sookie-Gesamtausgabe

Oder so:

Ihr kauft einfach gnadenlos alles auf, was ihr über Sven, Anna und John finden könnt. Und eure Treue bei Romanen über „Untreue“ macht mich so unglaublich happy, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu noch sagen soll. Außer: Ich hab euch alle mächtig lieb. Eure Offenheit und euer Interesse für Polyamorie macht mich tierisch glücklich. Auf völlige Ignoranz war ich gefasst, sogar auf einen Shitstorm, weil ich öffentlich auf dem Liebesromanmarkt eine heilige Kuh schlachte, aber auf so viele positive Schwingungen war ich echt nicht vorbereitet.

Und wenn meine Bücher erreichen, dass vielleicht irgendwann irgendwo mal eine Frau nicht sofort den antrainierten Selbstzerfleischungsmodus anwirft, falls sie mal in die Situation kommt, sich trotz Partnerschaft zu verlieben, dann hat die ganze Arbeit sich wirklich gelohnt. Wir sind alle ein bisschen Anna und wir dürfen das. 😀

Ich geh wie auf Wolken, weil ich so wunderbare, offene und neugierige Leser wie euch gefunden hab und ich bin unheimlich dankbar für das, was hier gerade passiert. Das musste einfach mal gesagt werden. Und ich verabschiede mich jetzt ganz im polyamoren Sinne: Ich liebe meine Leser. Alle! 😀

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Ihr Lieben! Heute gönne ich mir was und ihr müsst da jetzt mit mir durch! Ich sammle nämlich schon seit einigen Wochen auf Youtube Videos über Polyamorie und die schönsten Beutestücke will ich euch heute zeigen und – harrrr – kommentieren! Hihi!

Es kann sein, dass der Artikel etwas länger lädt, also gehen wir einfach alle noch mal Pipi machen und bringen uns auf dem Rückweg einfach eine Tasse Tee mit! Oder Klicker-Klicker-Treets. Oder die „Telebar“-Nüsskes Kollektion. Oder vegane Süßigeiten, was immer ihr präferiert und aus welchem Jahrtausend ihr kommt! 😀

Wir starten mit: Da regt mich ja die Frage schon auffff! 😀

Also! Ich hab keine Ahnung, wer die Leute sind, steht leider auch nicht dran (ich will ja immer alles ganz genau wissen), aber! Boaaaar! *augenroll* Die Frau finde ich sehr sympathisch und durchdacht und würde ihr auch wünschen, dass sie mal von der Theorie zur Praxis übergeht und tolle Dinge erlebt. Aber die Fragen, die Fraaagen! Das ist eine der ganz klassischen Fragen, die gerade polyamoren Frauen immer wieder gestellt wird.

Polyamorie: „Ist das nicht ein bisschen gierig?“

Gierig! Ich persönlich zitiere auf diese Frage oft einen Satz aus Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“. Die zauberhafte Scarlett McNamara säuselt da: „Otto sagt, keine Frau sollte zwei Pelzmäntel haben, solange es noch eine Frau gibt, die keinen Pelzmantel hat!“

Oddo-Darling ist nämlich Kommunist und wurde verkörpert von einem großartigen Hotte Buchholz, ja, das war mal unser Mann in Hollywood! Damals mussten wir uns für unsere Exportartikel noch nicht schämen! 😀 Aber zurück zum Thema. So. Wenn ich diesen Satz zitiere, schaut mein Gegenüber mich meistens glasig an, weil ich mal wieder zu doof bin, um die Metaebene meines Gedankens knackig rüberzubringen. Was ich meine: Männer, Partner generell, egal welchen Geschlechts, sind keine seelenlosen Pelzmäntel!

Der Gedanke, dass Menschen einfach gerecht verteilt werden könnten, ist vollkommen absurd. Da hat jemand die „Ehe für alle“ nicht richtig verstanden. Das ist keine staatlich geregelte Garantie dafür, dass jeder genau einen Partner abbekommt. Und wenn Polyfrauen (oder auch Polymänner) sich anhören können, dass sie gierig sind, weil sie mehr Partner haben wollen als andere, dann sag ich nur: Pelzmantel!

Solltest du als Polyfrau mal von einer frustrierten Singlefrau dafür angemacht werden, dass du mehr Männer hast als sie, kannst du ihr ja anbieten, dass sie gern versuchen darf, bei einem deiner Männer zu landen, mal gucken, was sie dann macht! 😀

Polyamores Bekenntnis im Strandkorb *dahinschmelz*

Ein Strandkorb, ein Strandkorb! Mein Lieblingsplatz auf der Welt! Ich gebe zu, ich bin jetzt durch einen Heimwehkoller nach meiner alten WG in Ostfriesland etwas abgelenkt, aber ich reiß mich zusammen! Als ich das Video angeklickt hab, hatte ich diese hübsche Frau mit ihrer sanften Art spontan lieb. Sie ist zwar keine orthodoxe Theoretikerin, aber sie bringt zwei Aspekte auf den Punkt, die ich ganz wichtig finde. Die Alleinzeit (dazu später mehr) und die Tatsache, dass man nicht automatisch mit mehreren Partnern Sex haben muss, um polyamor zu fühlen.

Einer lesbischen Singlefrau würde man ja auch nicht ihre sexuelle Identität absprechen, weil sie nicht auf One-Night-Stands steht und dann eben mal eine Weile keinen Sex hat. Polyamoren Menschen haftet immer noch dieses Klischee an, dass sie ja eben nur ganz viel vögeln wollen. Für die, die das wollen, ist es total toll, wenn sie können und dürfen, aber einem Gefühl abzusprechen, dass es Liebe ist, weil man diese Liebe nicht körperlich ausleben will, aus welchen Gründen auch immer, finde ich persönlich genau so bescheuert, wie Menschen dafür zu verurteilen, dass sie Sex genießen. Wer liebt, liebt. Und je mehr wir lieben, umso schöner ist das. Punkt.

Die Sache mit der Polyamorie und dem Kuchen …

Diese beiden Herren strahlen so viel niedliche Lebensfreude aus, dass man ihnen fast verzeihen möchte, wie chaotisch sie sind, aber der von mir sehr geschätzte Atman Wiska, der in der Polyamorie-Szene unermüdlich Aufklärungsarbeit leistet, um das Halbwissen der Menschheit in Bezug auf Polyamorie ein bisschen geradezurücken, würde wahrscheinlich Hörner kriegen. Warum?

Für mich als Autorin geht das schon mit der sprachlichen Ungenauigkeit los, nee, das war zu euphemistisch, was die Jungs da erzählen, ist einfach Quark. Da wird erklärt, dass es bei PolyAMORIE um Liebe geht (so weit richtig), während PolyGAMIE auf das rein Sexuelle bezogen ist. Auf den physischen Akt. Ich muss zugeben, dass ich an der Stelle schallend gelacht habe. Die Silbe „Gamos“ steht für Ehe. Also nicht Hechel-Hechel-Japs-Stöhn, sondern das genaue Gegenteil. Oder, wie Jane Eyre einst sagte (nicht im Buch, aber in einer der zahlreichen Verfilmungen): „Eher werde ich sterben, als mitanzusehen, wie unsere reine Liebe gewöhnlich wird!“

Tja. Also: „Hömma, Kollege, bevor ich keinen Ring hab, läuft hier gar nix!“ Das war eine dumme Sache für Rochester, war er doch verheiratet und hatte von Polyamorie noch nie was gehört. Und dann die Sache mit dem Kuchen. Ich bin mit diesem Vergleich nie zurecht gekommen. Der hinkt für mich völlig, weil Kuchen materiell ist. Man kann ihn messen, wiegen, kleinschneiden und wenn er aufgegessen ist, ist er alle. Aufheben kann man ihn aber auch nicht. Liebe ist aber nicht materiell, nicht messbar, man kann sie weder in zwölf gleich große Stücke schneiden, noch zwölf Personen genau die gleiche Liebe in die Hand drücken und sich dann zurücklehnen, weil ja jeder was gekriegt hat.

Was ich sehr schön finde an dem Video ist der positive Grundton und auch die Tatsache, dass das Coming-out angesprochen wird. Dazu muss ich aber noch mal eben klugscheißern. Solange der Partner nichts weiß, ist es einfach keine Polyamorie. Hier unterscheidet sich die Polyamorie ganz klar von anderen „angeborenen“ Lebensstilen. Denn Polyamorie entsteht ja erst durch Transparenz und Einvernehmlichkeit. Polyamor zu leben und dem Partner nix zu sagen, ist ein Paradoxon, das im Volksmund schlichtweg „heimliche Affäre“ genannt wird.

Le Nummer Eins c’est moi – Yeah!

Auf dieses Video bin ich erst heute zufällig in einer geschlossenen Polyamorie-Gruppe gestoßen und hatte sofort ein breites Grinsen im Gesicht. Ich finde Ina Maria Blaubeer einfach arschcool und total sympathisch. Aber natürlich muss ich ihr widersprechen und Recht geben!

Ich finde es toll für Ina, wenn es in ihren Beziehungen keine Treppchen und Hierarchien gibt, für mich waren das auch immer die Lebensphasen, in denen ich mich am allerwohlsten gefühlt habe, aber das klappt leider nicht immer. Zum Beispiel, wenn Paare, die schon ewig zusammen sind und eine lange gemeinsame Geschichte haben, sich dann für Polyamorie öffnen. Wenn man da als neuer Partner dazu kommt, kann es passieren, dass man ewig der oder die „Neue“ im Polykül bleibt. Und je nachdem, ob man das toll findet oder ob man sich in dieser Rolle irgendwie außen vor fühlt, kann da verdammt viel Redebedarf entstehen.

Oder wenn man einen Partner hat, der einfach keine Sicherheit ausstrahlt, dann kann es auch passieren, dass man sich vergewissern will, ob man die Nummer Eins ist, um irgendwie aus ihm rauszukitzeln, ob man ihm überhaupt wichtig ist. Das geht zwar meistens schief, aber der Versuch ist nur menschlich.

Ganz wild nicken muss ich bei dem Thema, dass man einfach seine eigene Nummer Eins sein muss. Das gilt ja nicht nur für Polyamorie, sondern für jede Beziehung und da sind wir auch wieder bei der oben schon angesprochenen Alleinzeit. Wenn man sich regelmäßig Alleinzeit gönnt, eigenen Interessen nachgeht und einfach Dinge tut, die einen glücklich machen, passiert nämlich auch das, was Ina Maria da so richtig anspricht. Die Zeit mit anderen bekommt eine andere Qualität. Wenn ich mit meinem Partner für den Rest meines Lebens zu zweit auf der Couch hängen muss, weil Paare das eben so machen, dann nervt es mich irgendwann schon, dass er atmet. Wenn wir uns sehen, weil wir wollen, und nicht weil wir müssen, ist es ein Fest.

Polyamorie zieht immer weitere Kreise und das ist gut so!

So, das war für heute meine kleine Polyamorie-Show und ich hoffe, es hat euch gefallen. Mir jedenfalls gefällt das ausgesprochen gut. Das Thema Polyamorie kommt immer mehr „in der Mitte der Gesellschaft“ an (wo immer die ist) und je mehr Leute darüber reden, bloggen, schreiben, diskutieren, umso besser ist das. Denn mit der Polyamorie ist es wie mit allen anderen Sachen auch: Nur, wenn wir aufgeklärt sind und Fakten kennen, können wir frei entscheiden, was wir wollen und was eben nicht.

Apropos wollen! Falls ihr jetzt meine Romane über Polyamorie lesen wollt, weise ich noch schnell auf die Preisaktion in dieser Woche hin! 😀 Die findet ihr hier.

Kennt ihr noch weitere Videos, die ihr empfehlen könnt oder habt ihr sogar selbst eins gedreht?

 

Dominanter Millionär zum Kuscheln gezwungen: Neuerscheinung!

Dominanter Millionär zum Kuscheln gezwungen: Neuerscheinung!

Der neuste Roman über Polyamorie: "Pärchenabend mit Wikinger"
Der neuste Roman über Polyamorie: „Pärchenabend mit Wikinger“

Ihr Lieben! Die Facebook-Bande hat es schon mitbekommen, aber wie sagte Gertrude Stein? Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog! Also gibt es hier die „richtige“ offizielle Ankündigung! It’s done, Beziehungsstatus 3 ist endlich erhältlich und das eine Woche lang zum Einführungspreis von 99 Cent, also schlagt bloß zu! 😀

Der Klappentext zu „Pärchenabend mit Wikinger“:

Zum Kuscheln gezwungen – dominanter Millionär trifft auf Polyamorie …

John schwimmt im Glück. Anna hat ihm versprochen, keinen anderen Mann mehr zu haben, solange er keine andere Frau hat, endlich Treue! Doch bevor John dazu kommt, über das Kleingedruckte in Annas Liebesschwur nachzudenken, platzt eine Bombe in die ostfriesische Künstler-WG: Die Ehefrau, die John vor Anna verheimlicht hat.
Die bildschöne Giftspritze ist fest entschlossen, ihren ungezogenen kleinen Kater mit allen Waffen einer betrogenen Frau zurückzuerobern. Aber Anna kämpft auf ihre Art mit den Waffen der Frau – nur ist ihre Geheimwaffe ein durchtrainierter, tätowierter Musiker.
Aber auf den »Kampf« mit Sven ist John nicht vorbereitet. Denn der Nordmann ist nach Ostfriesland gekommen, um über den Streithähnen ein »Füllhorn der Liebe« auszuschütten. Er füttert John mit Gummibärchen und Verständnis – eine brisante Mischung für den verwirrten Maler, der so dringend Nervennahrung braucht. Und dann finden Sven und Anna es auch noch normal, John in ihr Bett einzuladen – zum Kuscheln und Reden …

Teil 3 der Polyamorie-Saga, die witzig und gefühlvoll die große Liebesgeschichte von John und Anna erzählt, greift ein brandaktuelles Thema auf. Polyamorie, die Liebe zu mehreren Partnern gleichzeitig, geistert überall durch die Medien. Aber was passiert, wenn man sich auf das Abenteuer wirklich einlässt?

Das Extra zur Neuerscheinung: Die Preisaktion

Band 3 der Beziehungsstatus Romane schließt natürlich nahtlos an die Neuauflage an. Klar. Die Neuauflage ist ja aber viel dicker und anderserer als die alte, sonst wäre sie ja keine spektakuläre Neuauflage. Bis hierher könnt ihr mir sicher folgen! 😀

Da aber die kostenlose Aktualisierung bei vielen Lesegeräten nicht so funktioniert hat, wie sie sollte, bekommt ihr passend zur Neuerscheinung des Wikingers noch einmal eine Woche lang alle Bände der Reihe für 99 Cent. Die Seite für die gesamte Reihe bei Amazon findet ihr HIER, in allen anderen Shops müsst ihr leider selber suchen, aber ihr kriegt das hin! Sollte der Wikinger noch nicht überall verfügbar sein, bitte ich um Geduld, wie schnell die einzelnen Shops die Neuerscheinung einpflegen, liegt nicht in meiner Hand. Der Einführungspreis liegt gilt aber in jedem Shop eine Woche nach Erscheinen, also keine Hektik! 😀

Und für alle, die jetzt gar nicht mehr wussten, dass sie meinen Blog abonniert haben oder zum ersten Mal hier sind und sich fragen, wovon ich rede, HIER gibt es noch mal Infos zu den Büchern! 😀

Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Ihr Lieben! Was jetzt hier passiert, ist völlig spontan und nicht geplant, aber ich starte eine Blogparade, ohne einen Plan zu haben, wie das geht. Mir ist nämlich folgendes passiert!

Ihr kennt das vielleicht selber. Es gibt so Themen, die regen einen ständig und immer wieder auf. Weil man ja aber auch noch was anderes zu tun hat, als ständig gegen Windmühlen zu kämpfen, drängt man es immer mal wieder nach hinten und kümmert sich um andere Sachen. Man will ja seine Leser auch nicht mit seinem ewigen Kreuzzug langweilen. Und dann sagt irgendwo jemand ganz leise „Piep!“ und man kocht sofort wieder hoch und entwickelt neue Energie. Weil man eben doch nicht allein ist.

So ging es mir mal wieder gestern Abend, als Bloggerkollegin und Jungautorin Jean Parker auf ihrer FB-Seite eine Diskussion angestoßen hat zu der Frage, wieso der Buchmarkt eigentlich so voll ist mit Romanen, die angeblich „das wahre BDSM“ vermitteln. Obwohl doch inzwischen wirklich auch die letzte Hirschkuh begriffen haben müsste, dass Buchtitel wie (ich denk mir jetzt welche aus und hoffe, dass ich keine Zufallstreffer lande) „Im Heizungskeller vom Milliardär angekettet und ausgepeitscht“, „Vom Biker zuschanden geritten“ oder „Unter schwarzer Flagge abgerichtet zur Sexsklavin“ mit BDSM so viel zu tun haben wie der Papst mit der Ehe für alle. (Skandal, im Vatikan leben immer noch Männer unverheiratet zusammen! Egal.)

Ihr wisst sicher genau, welche Liga von Büchern ich meine.

Blogparade Frauenliteratur

Die Story in diesen Büchern ist ja immer ähnlich. Steinreicher Psychopath mit grotesken Muskeln entführt unschuldige junge Frau, um sie gefangen zu halten, zu brechen und nach Lust und Laune zu vergewaltigen. Das Opfer entdeckt seine selbstlose Liebe zu ihm. Weil, er sieht ja so schnuckelig aus, dieser mörderische Grenzfall des Patriarchats, und er schwelgt ja im Luxus und, ach, seine Seele ist ja soo verletzt, das verwundete Raubtier, hach! Und er hat sie erwählt, er braucht ihre Liebe so sehr, dass er bereit ist, jede erdenkliche Straftat an ihr zu verüben, das MUSS doch Liebe sein, oder?

Wer von euch jetzt denkt, so schlimm ist 50 Shades doch gar nicht, dem gebe ich Recht. 50 Shades ist so unglaublich 2011, inzwischen sind wir da viel weiter! Mister Grey war nur der Türöffner für einen völlig neuen Trend am Buchmarkt, der inzwischen Blüten treibt – wenn mir das vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte mir an die Stirn getippt und hysterisch gelacht. Ja, klar. Frauen verschlingen Bücher über Frauen, die als allzeit verfügbare Ware ihre Erfüllung darin finden, mit psychischer und physischer Gewalt und Gehirnwäsche zum Sex gezwungen zu werden.

Wieso zur Hölle stehen Frauen auf sowas?

Man könnte jetzt denken, dass dieser Trend am Buchmakrt bedient wird von Sexualstraftätern, die hinter Gittern sitzen und denen ihr Therapeut geraten hat, für ihre Fantasien ein Ventil zu suchen, das niemanden verletzt. Aber, nein. Solche Bücher werden von Frauen für Frauen geschrieben. Und es ist mir vollkommen unverständlich.

Gestern las ich, dass diese Bücher so gut gehen, läge daran, dass es evolutionsbiologisch-kulturell eine erfolgreiche Strategie von Frauen ist, vergewaltigt zu werden und dann wieder starke Vergewaltiger zu gebären. Weil wir eben eine Spezies von nackten Primaten sind, bei der die Männchen viel größer und stärker sind. Aha. Diese Begründung stammte von einem Mann, der Wahrheitsgehalt ist also nicht verifiziert und natürlich kann jemand, der so argumentiert, sich immer auf andere Männer berufen, die das „wissenschaftlich“ festgestellt haben. Es gibt eben immer einen noch größeren Fisch. Ich nehme an, solche Theorien kommen dadurch zustande, dass der Mensch von allen Primaten den kleinsten Penis hat. Irgendwas müssen die da mit ihren Omnipotenzfantasien kompensieren.

Manchmal ist eine Zigarre gar keine Zigarre

Da lobe ich mir fast den guten alten Sigmund Freud, der vor über hundert Jahren auf die Idee kam, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um ihn genießen zu können. Das, äh … ja. Klingt jetzt so, wie es sich anhört. Was Freud damit sagen wollte, war aber – wenn auch vielleicht nicht ganz richtig – trotzdem noch irgendwie logisch nachvollziehbar und wenn man es ganz gnädig auslegen will, war er ein Fürsprecher der Frauen. Oder hat sich selbst zumindest so gesehen. Der Gedanke dahinter war nämlich, dass Frauen zu Ende des lustfeindlichen neunzehnten Jahrhunderts natürlich wie jeder Mensch einen Sexualtrieb hatten, diesen aber in den engen moralischen Schranken der Gesellschaft nicht ausleben konnten, ohne Schuldgefühle zu entwickeln, weil Sex schmutzig ist.

So. Freuds Ausweg aus dem Dilemma sah jetzt so aus, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um nicht in Hysterie zu verfallen. Denn kein Sex = Hysterie. Man, also Mann, musste also dafür Sorgen, dass Frau Sex bekam. Denn sonst sitzen sie mit glasigem Blick summend in der Ecke und schlagen schaukelnd den Kopf an die Wand. Und dann macht keiner die Wäsche. Töchter sind auch ganz schwer vermittelbar, wenn sie einmal anfangen, solche „Eigenarten“ zu entwickeln, also verheiratet man sie besser früh.

Der Vater der PsychoANALyse, hehe, sah aber die EHE als Mittel der Wahl. Keine Flogger, Handschellen oder sonstewatt. In einer Zeit, in der Ausdrücke wie „Vergewaltigung in der Ehe“ allerdings nur milde Lacher bei den Herren hervorgerufen hätten, konnte das natürlich jeder Gatte ganz in seinem Sinne auslegen. Eine Ehefrau KANN man gar nicht vergewaltigen. Schließlich gab es eheliche Pflichten, die eine ehrbare Frau zu erfüllen hatte. Und sich gezwungen zu fühlen, erlaubte den ehrbaren Gattinnen, den Schuldkomplex auszulagern. Denn wenn die, iiiih, schmutzigen Sex hatten (wie schmutzig kann ehelicher Bürgersex um 1900 schon gewesen sein, höhö!), konnten sie dem triebhaften Gatten die Schuld geben und das befreite ungemein.

Freud hat dazu (ich glaube, es war im Buch über die Fehlleistungen, sehr erheiternd übrigens!) sogar ein Anekdötchen auf der Pfanne. Ein junges Ehepaar hatte sich gerade ge(ehe)paart, woraufhin der junge Gatte den Puderquast seiner Frau benutzte (wozu stand da nicht). Tadelnd rief die junge Braut aus: „Du hast mich schon wieder mit deinem Quast gepudert!“

Ja, äh, also, was ich sagen wollte, hab ich jetzt vergessen. Jedenfalls bezeichnete Freud Frauen, die in der Lage sind, ihre erogenen Zonen wahrzunehmen, als kulturell unverbildete Durchschnittsweiber. Nachdem ich das gelesen hatte, bin ich nicht mehr zur Uni gegangen und wandte mich der Polyamorie zu, muahahahaaa! Nee, äh, was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt sicher Gründe für Vergewaltigungsfantasien und in seinem Kopf sollte jeder tun dürfen, was er möchte, da sind wir uns einig. Aber!

Das Sein bestimmt das Bewusstsein!

Ja, ich bin so frei, ich haue euch Karl Marx um die Ohren. Warum? Weil er Recht hatte! Der Satz stimmt einfach. Es gibt viele Spielarten der menschlichen Lust und solange es einvernehmlich passiert, ist das auch gut so, soll ja schließlich jeder glücklich werden. Diese Einvernehmlichkeit muss aber da sein, bevor man anfängt. Solange gefangen gehalten und vergewaltigt zu werden, bis man ein Stockholm-Syndrom entwickelt und meint, den Vergewaltiger zu lieben, ist keine Einvernehmlichkeit. Durch die Überschwemmung des Buchmarkts mit angeblicher BDSM-Literatur ist die Idee, dass Frauen diese Wesen sind, die dann Liebe entwickeln, wenn man sie nötigt und bricht, aber zum Mainstream geworden. Und dieses allgegenwärtige Bild macht etwas mit unserem Bewusstsein.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Frauenliteratur von Autorinnen wie Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer oder Alice Walker, Betty Friedan, Marilyn French und vielen anderen Schwestern geschrieben wurde, die uns befreien wollten. Diese Autorinnengeneration fußte auf tapferen Vorkämpferinnen bis zu Pazifistinnen und Sozialistinnen, die vor über hundert Jahren die freie Liebe gefordert haben, damit Frauen ein Recht auf Beziehungen bekommen, ohne ihr Recht auf Eigentum, Unversehrtheit und eine eigene Meinung am Traualtar abzugeben.

Die Ahninnen haben für ein Recht auf freie weibliche Sexualität gekämpft, auf Lust ohne Schuldgefühle, die in den bösen Vergewaltiger ausgelagert werden müssen. Denn dieser Gedanke kommt aus der patriarchalen Ecke und heißt auf Stammtisch nichts anderes als: „Wenn die Nein sagen, meinen die Ja. Die wollen das doch nicht anders!“ Was mich nur so ratlos macht, ist die Tatsache, dass anscheinend manche Autorinnen und Leserinnen heute der gleichen Meinung sind.

Und früher war das, ohne Witz, besser. Wir Frauen haben in Büchern ganz andere Rollenmodelle gefunden, es gab Zeiten, da hatten wir ganz andere Idole. Wackere Suffragetten wurden inhaftiert und zwangsernährt, weil sie versuchten, mit friedlichem Widerstand und Hungerstreiks das Wahlrecht für Frauen zu erkämpfen, Autorinnen wie Virginia Woolf haben versucht, zu zeigen, wie wichtig Unversehrtheit und Selbstbestimmung sind. Und als ich anfing zu lesen, lagen solche Bücher in allen Buchläden noch völlig selbstverständlich aus. Standardsortiment. Man kann sagen, dass ich zu den letzten Dinosaurierinnen gehöre, die noch durch hundert Jahre feministische Kulturgeschichte geprägt wurden.

Meine Töchter wachsen heute in einer Zeit auf, in der die Literatur für Frauen ein vollkommen anderes Weiblichkeitsideal propagiert. Übrigens auch ein vollkommen anderes Männerideal. Die Frau ist jungfräulich, blöd und hilflos, in harmloser Unterhaltung legt sie sich dann eben mit Stöckelschuhen auf die Fresse und Mr. Right bietet ihr den Arm. Oder sie kotzt wie Miss Steel, weil sie zu blöd ist zum Saufen, aber das verbietet Christian ihr dann ja zum Glück. Die moderne Frau hält eben Entmündigung und Vergewaltigung für die selbstlose Liebe eines Mannes. Wenn mir in Miss Steels Alter so ein angstbesetzter kleiner Zwangsneurotiker begegnet wäre, der seine Oberhemden und Peitschen nach Farbe und Größe ordnet, hätte ich einen Wodka gekippt, mir eine Fluppe angemacht und gesagt: „Bis du mir den Arsch versohlen darfst, musst du aber noch verdammt lange auf die Weide!“

Zurück zu den trendigen Archetypen. Der Mann ist muskelbepackt, schwimmt im Geld, führt sich auf wie eine tickende Zeitbombe, eine unberechenbare Kriegsmaschine mit posttraumatischer Belastungsstörung. Er äußert seine „Liebe“ durch double-bind Kommunikation und treibt damit sein Opfer in eine schizophrene Abhängigkeit. Ich streichle dich, während ich dich vergewaltige. Kann sie seine Ambivalenz nicht als eindeutig identifizieren, beschließt sie eben, dass ihre künstlich durch „Liebesgewalt“ gezüchtete Abhängigkeit wohl Liebe sein muss.

Zeigt euch, tretet ans Licht, meine Damen!

Jetzt mal ehrlich, Leute, haben wir eigentlich alle einen an der Waffel? Jetzt werden bestimmt wieder viele Leute feststellen, dass ich es bin, die einen an der Waffel hat. Die Sookie regt sich immer über einen Scheiß auf, unglaublich. Solche Bücher sind doch total romantisch und das sexy Männermodel auf dem Cover ist doch njomnjom! Außerdem bin ich nur neidisch. Die schreiben Bestseller, ich dümpel irgendwo in der Midlist vor mich hin. Und wenn du weder in der Top 10 bist, noch 5000 Facebook-Fans hast, führen deine Bücher eben ein subersives Schattendasein. Das eine bedingt das andere.

Ich bin ja öfter auf Facebook unterwegs und ich bin öfter bei Amazon unterwegs. Und nicht nur als Autorin, sondern vor allem als Leserin frage ich mich, wie zur Hölle man noch Bücher findet, die nicht von strunzdummen Opfertussis und peitschenden Milliardären/Rockern/Popstars/Vampiren, auf jeden Falll immer geilen, grausamen Sexgöttern handeln. Manchmal sehe ich auf samtlichen Portalen zehnmal am Tag dasselbe Buchcover, immer von Büchern, die ich nie lesen würde. Einfach mal „stöbern“ ist auf Amazon gar nicht drin, weil man sich immer erst durch hundert Seiten „Top-Titel“ klicken muss, bis man mal was findet, was eine interessante Story und vielschichtige Charaktere hat.

Aber was ist eigentlich aus dem schönen, selbstbewussten Gedanken geworden, dass wir AutorInnen die Avantgarde sind, dass wir eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung haben? Nicht, weil wir uns für was besseres halten, sondern einfach, weil wir können. Weil wir eben das Talent, den Drang und auch den Fleiß mitbekommen haben, Figuren zu entwerfen, Geschichten zu erfinden, manchmal sogar Welten zu erschaffen. Und damit das Bewusstsein der Leser zu erweitern.

Und ich bekomme immer wieder mit, dass Frauen gern schreiben würden, über ganz andere Figuren als das gängige Mäuschen in Ketten, aber sie tun es nicht, weil sie denken, dass niemand sich für ihre Idee interessieren wird. Weil sowieso alle nur den hundertsten Aufguss von Fifty Shades lesen wollen. Immer wieder überlegen Autorinnen, die Brocken einfach hinzuwerfen. Gar nicht mal wegen der Verkaufszahlen, sondern weil die Anerkennung fehlt. Es kann verdammt frustrierend sein, jahrelang an einem Fantasyroman über eine gewitzte Kriegerin zu feilen und dann auf Facebook zu sehen, wie „die Schwarmintelligenz“ (mein Lieblingsoxymoron) sich sabbernd auf das neuste Peitschen-Epos stürzt, das in vier Wochen lieblos zusammengewichst wurde. Wahrscheinlich sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Weg mit dem Frust, her mit der Blogtour!

Ich weiß, dass ihr irgendwo seid! Und ich weiß, dass wir endlich mal irgendwie was tun müssen, um dem Buchmarkt zu sagen: „Hey, wir finden das nicht gut, was da passiert, wir lesen/schreiben richtige Bücher!“ Und wenn es nur ein Tropfen Wasser in der Wüste ist, wir machen das jetzt einfach!

Deshalb jetzt hier mein Aufruf an euch!

Blogparade für Frauenliteratur, die den Namen auch verdient!

Schreibst du Bücher, liest du Bücher oder arbeitest du an einem Manuskript, das diesem Trend etwas entgegensetz? Geht es in deinem Buch/Lieblingsbuch um etwas ganz anderes? Hast du eine Story, die es verdient, gelesen zu werden, weil es nicht explizit um sexuelle Gewalt, Kohle und Opfer mit Stockholm-Syndrom geht?

Was ich meine? Alles, nur eben das nicht! Hast du einen ganz normalen Liebesroman geschrieben, der einfach nur schön ist? Jagt deine Romanheldin lieber Mörder als Mr. Right? Baut sie eine Pinguinkolonie im Weltall auf, geht sie nach Afrika, um Brunnen zu bauen, spielt sie lieber in einer Band, als einen sexy Rockstar anzuhimmeln? Oder hast du vielleicht einen BDSM-Roman geschrieben, der von Respekt und Vertrauen erzählt? Ick liebe dir! Denn du bist eine ganz, ganz wichtige Gegenstimme auf dem Buchmarkt! Nichts gegen Bondage, aber wir brauchen Heldinnen, die nicht gefesselt und geknebelt sind!

Mit einer Blogparade Vielfalt am Buchmarkt feiern und schätzen

Darum geht es. Nicht um den Bachmann-Preis, es geht um ganz normale Bücher! Deshalb machen wir das jetzt auch alles ganz zwanglos. Es gibt hier kein von – bis, du kannst deinen Artikel dann schreiben, wenn es dir passt. Du musst auch keinen eigenen Blog haben, wenn du willst, kannst du deine Buchvorstellung einfach hier als Kommentar posten. Nur bitte keinen Link zu Amazon, sondern lieber Autor, Titel, ISBN, dann kann nämlich jeder selbst entscheiden, wo er einkauft. Wenn du einen Blog hast, wäre es allerdings schön, wenn du, wie bei Blogparaden üblich, in deinem Artikel auf diesen verlinken würdest. Und jetzt kommt der kniffelige Teil! 😀

Liebe Autorinnen!

Ja, ihr seid gemeint, die ihr da immer so schüchtern in der Ecke hockt und zu selbstkritisch seid, um Marketing zu machen! Tut mir einen Gefallen und vergesst mal eure Schüchternheit, die bringt uns nämlich nicht weiter! Ich rufe euch ganz klar zur Eigenwerbung auf! Ich mag solche coooolen Wörter nicht besonders, aber nagt kurz am Stift und dann haut euren Elevator Pitch raus!

Wenn eure Wunschleserin zu euch in den Fahrstuhl steigen würde, was würdet ihr schnell sagen, damit sie euer Buch liest? Bei mir wäre das: „Weil meine Bücher intelligenten Witz haben und weil sie von mutigen Leuten handeln, die sich von Konventionen nicht einschüchtern lassen. Weil meine Frauenfiguren trotz all ihrer Schwächen und Macken versuchen, selbstbestimmt zu leben und weil Freundschaft ihnen genau so viel wert ist wie die Liebe eines Mannes! Und weil meine Männer auch mal verunsichert auf dem Schlauch stehen dürfen!“

Wenn mein Marketing-Opfer dann aus dem Fahrstuhl steigt, Amazon aufruft und sich „In die Sklaverei verkauft und zugeritten“ runterlädt, ist das nicht mehr mein Problem! 😀

Liebe Buchbloggerinnen, Leserinnen und sonstewatt!

AUCH Männer!

Ja, hier sollen Autorinnen eine Chance kriegen, schamlos Eigenwerbung zu machen, die hoffentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Posten in Buchgruppen, in die außer den werbenden Autoren nie jemand reingeht. Aber eure Meinung ist genau so wichtig! Lasst uns wissen, was für Perlen des Buchmarkts euch begeistert haben! Welcher Roman hat euch begeistert, weil er ein anderes Rollenmodell anbietet? Oder schreibt ihr gerade an eurem Erstling und habt das Gefühl, dass es sinnlos ist, weiterzuarbeiten, weil ja doch nur alle Hochglanz-SM lesen wollen? Es ist nicht sinnlos! Hau raus das Teil!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Aktion nicht im Sommerloch verschwindet!

Ich freu mich auf euch!

P.S. Achtung, eine Durchsage aufgrund einer Anregung! Wir machen natürlich keine Beschränkung beim Genre, solltet ihr also Gay Romance schreiben und der Meinung sein, dass ihr da eine coole Figur habt, zählt das natürlich auch! Der Begriff „Heldin“ kann ja ausgefüllt werden, wie er will! Rollenklischees sind so unglaublich 2011! 😀

Äh, aus aktuellem Anlass ein P.P.S., das wird ja langsam richtig witzig hier! Aber Romane über „unschuldige junge Frauen“, die (warum auch immer) den Deal eingehen, das Privateigentum eines dominanten Milliardärs zu werden, aber eine andere Haarfarbe oder einen anderen Job haben als Miss Steel, zählen nicht. Wer sich noch mal vergewissern möchte, wie ich die Sache mit Miss Steel sehe, findet hier und hier mehr dazu.

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