Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Pamp-Gans

Ihr Lieben! Nachdem wir letzte Woche eine überwältigende Diskussion darüber hatten, was wir Autoren für Buchblogger tun können, um mit unseren alternativen Perlen der Nischenliteratur auch gefunden zu werden, und so viele Buchblogger uns mit ihren Ideen so hilfreich zur Seite standen, ist es jetzt so weit. Ich habe die neue Seite für Nischenautoren, die sich hier vorstellen wollen, fertig. Eine Seite für Buchblogger habe ich auch gleich eingerichtet, es gibt ja tatsächlich Leute, die den Artikel über die Blogger-Misere noch nicht gelesen haben und nicht wissen können, worum es hier geht. So, jetzt hab ich für die praktische usability so viele Links eingefügt, dass ich schon ganz aus der Puste bin. Fakt ist: Einer muss ja anfangen, und da es vier Uhr morgens ist und alle anderen schlafen, muss ich wohl ran!

Ich stelle mich jetzt auch einfach mal als erstes vor, um auch den schüchternsten AutorenkollegInnen die Angst davor zu nehmen, dass sie sich schlimmer zum Affen machen könnten als ich. Aber glaubt mir: Das wird schwierig! Denn ich hab mich für mein eigenes „Demonstrations-Autorenporträt“ dazu entschlossen, euch in einem joycehaften stream of consciousness um die Ohren zu hauen, warum ich eine olle Pamp-Gans bin, eine Meckertrine, die schreibt, damit ihr nicht der Kopf platzt! Mein Aufsatz heißt:

Der Buchmarkt und meine mentale lila Latzhose!

Ha, ja, da geht das Problem schon los! Die jüngeren unter euch fragen sich jetzt: „What the fuck ist eine lila Latzhose?“ Deswegen fange ich jetzt mit der Aufklärungsarbeit sofort an! Die lila Latzhose war mal ein Symbol der Frauenbewegung. Und, nein, ich rede jetzt nicht von den „Feminazis“, die heute militant das Internet aufmischen und dafür kämpfen, dass man in der aktuellen Genderdiskussion so was wie „der Elefant“ nicht mehr sagen darf, weil dadurch alle Elefantinnen diskriminiert werden. (Oder heißt das Elefantetten? Elefanteusen?) Man fragt sich da jedenfalls, wann „die“ Kater sich online zusammenrotten, weil sie sich davon kastriert fühlen, dass es „die Katze“ heißt. Ist aber auch egal jetzt.

Also, die lila Latzhose steht für mich für die Frauen, die wirklich noch sinnvolle Kämpfe ausgefochten haben, wie zum Beispiel das Recht auf „Verhängnis Empfütung“ (der Versprecher einer Schulfreundin von mir, den ich nie vergessen habe), Abtreibung, Gleichberechtigung im Beruf und die Abschaffung von Gesetzen wie dem, dass der Gatte den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen darf, wenn er der Meinung ist, dass sie den Haushalt vernachlässigt (ich glaube, dieses Gesetz war bis 1976 in Kraft, stellt euch das mal vor). Das einzige Argument, das mich jemals zum Heiraten bringen könnte, wäre, dass der Gatte sich dann ja um den dämlichen Haushalt kümmern könnte, also werde ich ledig in die Grube fahren, yoho!

Jedenfalls trage ich mental eben immer noch eine lila Latzhose. Ich hab mich nie als Feministin betrachtet, aber immer als Mensch. Und bei Menschen sollte es für mein Empfinden eben keine Unterschiede geben wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sonstwas. Ich war auch nie irgendwie „organisiert“. Ich halte grundsätzlich nichts von Organisationen und ich zog es immer vor, sowohl die Emma als auch den Kicker zu lesen. Einmal wollte die „Fantifa“ (Feministische Antifa) mich zur Mitarbeit bewegen, aber als ich gehört habe, dass die dort engagierten Damen sich treffen, um einen Ordner anzulegen, in dem so Wörter wie „Patriarchat“ abgeheftet werden, hab ich mich, vielleicht sogar zu Recht, gefragt, ob das den Skinheads, die damals am Bahnhof rumlungerten, wirklich Angst macht.

Jedenfalls dachte ich, als ich noch jung und knusprig war, bis ich mal eine olle Schrulle bin, hat sich alles geändert. Utopia, ich komme! Ich dachte, Frauen würden für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen wie Männer. Ich dachte, Frauen würden ihren Wert nicht mehr daran bemessen, wen sie „abkriegen“, sondern sich selbst nehmen, was sie wollen. Haha… mein Gott, war ich naiv! Und dann kam der Rollback auf dem Buchmarkt. Auf dem Buchmarkt und in der Welt. Aber da ich hier als Autorin auf den Putz haue, beziehe ich mich jetzt auf den Buchmarkt als Spiegel unserer Welt. Denn was wir lesen, zeigt immer auch, was wir wünschen und träumen.

Freud und Leid

Ich gebe zu, ich bin Anti-Freudianerin. Ich hab die Freud-Gesamtausgabe im Regal, weil es gut ist, seinen Feind zu kennen, denn vieles, womit wir uns heute herumärgern hat seine Wurzeln in dieser Zeit. Ich fand Freud immer so spannend, weil man ihn lesen kann wie ein Geschichtsbuch. Freud ist eine unverfälschte Quelle für Studien über die längst überholte Sexualmoral und das gesamte Menschenbild des späten neunzehnten, frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Und wenn man über das Frauenbild der Zeit nachdenkt, wird einem angst und bange. Versteht mich nicht falsch, Freud hat für damalige Verhältnisse wirklich an der lustfeindlichen Gesellschaft gerüttelt, so gut er konnte, aber heraus kamen dabei so Denkrichtungen wie die, dass Frauen durch äußere Umstände (die Ehe) zum Sex „gezwungen“ werden müssen, um ihn genießen zu können, denn anständige Frauen tun so was ja nur, wenn sie müssen. Dann macht es ihnen aber Spaß, obwohl sie das nicht zugeben, man hält ja auf sich, klar. Um es auf Stammtisch zu übersetzen: „Die will es doch auch! Frauen meinen Ja, wenn sie Nein sagen!“ Haaaarsträubend!

Damals wurde übrigens auch der Vibrator erfunden. Das müssen so frankensteinmäßige Apparate gewesen sein, aber hey, die hatten noch kein digitales Zeitalter, damals war „Mechanik“ total in und die „Vibrator-Behandlung“ wurde gegen Hysterie verschrieben. Auf Stammtisch: „Die Alte muss nur mal richtig …“

Ihr seht also, absurde Geschichten darüber auszugraben, woher wir kommen, damit wir entscheiden können, wohin wir wollen, ist mein Hobby. Denn ins neunzehnte Jahrhundert, in dem Tischbeine als unanständig verhüllt wurden, wollte ich nie zurück. Ich wollte immer, dass wir Frauen selbstbestimmt, lustvoll und ohne schlechtes Gewissen oder moralische Wertung unser Leben auskosten können, mit allen Facetten. Ich wollte schlicht und ergreifend, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Und eine Weile dachte ich auch, dass wir auf einem guten Weg sind. Und dann kam:

Eine verstörende Begegnung mit einem Bestseller-Hochlandrammler

Als ich die Highland-Schmonzetten, um die es jetzt geht, zum ersten Mal in die Finger bekam, war der Hype darum schon fast wieder vorbei, umso mehr habe ich mich erschreckt. Ich lese ja gerne historische Romane. Hysterische (ganz im Freudschen Sinne) eher weniger. Und in dem Buch, über das ich mich damals wie heute so aufrege, geht es genau darum: Eine Frau fällt in ein Zeitloch und wird durch dramatisch konstruierte Verwicklungen (ein schwuler Sadist, der liebend gern knackige junge Männer auspeitscht und Frauen nur als Zeitvertreib vergewaltigt ist im Spiel) gezwungen, einen von eben diesen knackigen jungen Männern zu heiraten und es ständig mit ihm zu treiben.

Hallooo? Sind wir da nicht wieder bei Freud angekommen? Und alles vor der malerischen Kulisse des fast noch mittelalterlichen Schottlands. Dabei ist die zeitreisende Heldin aus dem „aufgeklärten Zeitalter“ doch in ihrer „Gegenwart“ noch verheiratet! Oh, Gott, oh, Gott! Und jetzt muss die Arme gegen ihren Willen ständig mit diesem knackigen, jungen Schotten … Was für ein Schicksal! Da fiebern wir natürlich mit!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich mach den Absatz jetzt mal fett, damit ich auch richtig verstanden werde! 😀 Ich habe nichts gegen Sex mit durchtrainierten, hüschen Kerlen, absolut nicht! Auch nicht in Büchern! Aber dann bitte selbstbestimmt! Ich hab was dagegen, dass wir Frauen uns SELBER immer noch das patriarchale Denken des neunzehnten Jahrhunderts überstülpen! Ich hätte das Buch vielleicht sogar richtig cool gefunden, wenn die weibliche Hauptfigur gesagt hätte: „Was soll’s? Mein Angetrauter ist in einem anderen Jahrhundert und ich sitze hier fest! Dann kann ich mir auch den hübschen jungen Schotten schnappen!“

Aber die Gute muss sich leider gegen ihren Willen „hingeben“, weil sie in eine Zwangsehe gepresst wurde und eine Horde saufender Kerle auch genau aufpasst, dass die Ehe auch vollzogen wird! Und das gilt in der heutigen Literatur als romantisch, ja? Romannntisch!

Junge Frauen lesen so was und merken gar nicht, wie sie da mit völlig überholten, frauenfeindlichen Moralvorstellungen das Gehirn gewaschen kriegen. Für mein Empfinden verherrlichen solche Bücher das, was als „beischlafähnliche Vergewaltigung“ in die Gesetzestexte eingegangen ist. Und solche „Romane“ suggerieren jungen Frauen, dass eine selbstbestimmte, selbstbewusste Lust und Lebensgestaltung immer noch „moralisch unsauber“ sind. Besser, man wird gezwungen, dann darf man. Durch Rollenmodelle wie diese Romanheldin pervertieren wir Frauen uns selbst, und dieser Bestseller öffnete Tür und Tor für viele weitere Bestseller, die in das gleiche Horn stoßen.

Anständiges Mädchen muss sich leider reihenweise von gutaussehenden Milliardären flachlegen lassen, um Papas Spielschulden zu bezahlen. Hallooo? Jede selbstbewusste junge Frau würde da sagen: „Weißt du was, Vaddern? Bezahl deine Schulden selber, und wenn du mir die vererbst, schlag ich das Erbe eben aus. DEIN Bier, und meine Männer suche ich mir selber aus!“ Aber solche Bücher rennen auf dem Markt und als Autorin darf man da nix gegen sagen, weil man dann Futterneid hat, Futterneid!

Der wüste Prediger

Als ich ein Teenager war, stand in der Innenstadt, in der wir immer rumgammelten, immer ein ganz hagerer, verhärmter Herr in einem grauen Anzug auf einem dieser Beton-Blumenkästen und predigte: „Der Weltuntergang ist nahe!“ Der gehörte einfach zum Stadtbild dazu, gegenüber standen die Zeugen Jehovas und hielten ihren „Wachturm“ hoch, an der nächsten Ecke waren die peruanischen Musiker mit ihren Panflöten, die immer diese komischen Teppich-Ponchos trugen.

Dem Prediger hörte eigentlich niemand zu, aber alle nahmen ihn halt als unvermeidliches Übel hin. Und manchmal muss ich heute an diesen Mann denken. Ich fühle mich nämlich oft genau so. Manchmal möchte ich mich mit einer „50 Shades“ Ausgabe in der Stadt auf einen Blumenkübel stellen und jungen Frauen zurufen: „Merkt ihr denn gar nicht, was mit euch gemacht wird? Ihr werdet durch Propaganda zurück in die Sklaverei getrieben! Der Weltuntergang ist nahe!“

Und ich lache gerade selber Tränen bei der Vorstellung wie ich mit der Bibel des Antichristen wedle und mich zum missionarischen Affen mache. Wenn ich dann in die Jacke gesteckt werde, bei der man die Ärmel auf dem Rücken zuknoten kann, werde ich kreischen: „Dürfen Sie das überhaupt ohne richterlichen Beschluss?“, und der Polizist wird raunen: „Ach, komm, du willst es doch auch!“ Rrrrrra! Vertragt ihr noch eine Schüppe drauf? Geht nicht anders, ich bin gerade sowas von in Fahrt, aber sowas von! Kommen wir also zu:

Herr Grey und ich

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich den Herrn Grey richtig richtig gefressen habe! Dieser bratzbirnige, hohlköpfige, zwangsneurotische Frauenschänder, der regt mich sowas von auf! Aber er hat einen Huuuubschrauber! Und wenn er dann so melancholisch in seinem Schlafanzughöschen Klavier spielt, er ist doch so süüüüß!

Und dann schenkt er Miss Steel auch noch die unbezahlbaren antiquarischen Bücher von Thomas Hardy! Tess von den d’Urbervilles! Mit dem Buch ist Thomas Hardy gegen sexuellen Missbrauch auf die Barrikaden gegangen, und das zu einer Zeit, als man Wörter wie „sexuell“ oder „Missbrauch“ noch gar nicht sagen durfte! Thomas Hardy zog ins Feld gegen „Unzucht mit Abhängigen“, nicht gegen „Zucht mit Unabhängigen“! *augenroll* Und jetzt wird dieses kostbare Buch instrumentalisiert und ins Gegenteil verkehrt! Ernsthaft, wenn Thomas Hardy das wüsste, der würde im Grab rotieren, bis die Kiste ins All schießt wie die TARDIS von Doctor Who! Ganz schnell weg, aber ganz schnell, am besten in ein anderes Jahrtausend am anderen Ende des Universums!

Was mich aber noch mehr aufregt als der Herr Grey, ihr lacht, aber das geht!, ist die Miss Steel! Neulich schickte mir eine sehr clevere und witzige Kollegin (die sich hoffentlich bald hier vorstellen wird), den Link zu einem Video, das zusammengebaut war aus „50 Shades“-Trailern und Mister Bean. Ich weiß leider nicht, wo man das Video wiederfindet, aber das war das größte Stück Filmkunst, das ich in den letzten Jahren gesehen habe! Ich hab so gelacht, ich konnte vor Tränen in den Augen den Monitor gar nicht mehr sehen. Nie war Miss Steels völlig enthirnter Blick, wie sie da so mit zusammengekniffenen Knien bei Mister Grey im Büro sitzt wie eine verklemmte Hanseatentochter aus „50 Shades of Buddenbrooks“, so entlarvend wie in dem Moment, als Mister Bean ihr ölig-selbstverliebt zulächelte. Ja, der europäische Autoren-Porno lebt, meine Damen und Herren! 😀

Und das alles, dieses Konglomerat aus GEQUIRLTER SCHEISSE *kreisch*, das junge Frauen gezielt enthirnt und sie durch romantische Ideaaaaale zu braven Systemsklavinnen macht, hat mich so AUFGEREGT, dass ich beschlossen habe, mein Talent nicht mehr durch dämliche Ghostwriterjobs und als Content-Produzentin zu verheizen, sondern endlich mal Bücher zu schreiben, die was zu sagen haben. Auch, wenn man das auf den ersten Blick gar nicht merkt. Weil ich meine Geschichten nämlich mit witzigen Dialogen und liebenswert skurrilen Figuren so verpacke, dass sie sich lesen wie kurzweilige Unterhaltung. Und ich mach das so, weil ich dieses Handwerk beherrsche und mir niemand zuhören würde, wenn ich auf dem Blumenkübel stehe. Aber ich hab verdammt nochmal was zu sagen. Ich schreibe für das Genre „Subversive Romantik“ (Danke für diesen herrlichen Ausdruck an meine Kollegin Christine Ulrich). Ich nenne mein Genre jetzt einfach kurz: Grips-Lit.

Meine Message an junge Frauen ist nämlich folgende:

Du darfst Lust haben, Frust haben, lieben, leben, lachen, weinen, ohne dich dem moralischen Werturteil verknöcherter alter Säcke zu unterwerfen! Du hast genau so ein Recht auf deine Leidenschaften und Lebensfreude wie jeder noch so pisselige Kerl, selbst wenn er ein kariertes Röckchen trägt oder einen Huuuubschrauber hat!

Wenn du „Nein!“ sagst, dann heißt das „Nein!“, ganz einfach.

Wenn du Lust hast, brauchst du keinen Papi mit Spielschulden oder eine Horde besoffener Schotten, die aufpasst, dass deine Ehe auch vollzogen wird, als Ausrede. Wenn du drauf stehst, Milliardäre flachzulegen, dann mach das doch einfach aus genau diesem Grund – weil du drauf stehst. Aber vergiss die Kondome nicht!

Wenn du das magst, ist es völlig okay, wenn der, der im Bett die Hosen auszieht, im Bett auch die Hosen an hat. Es kann himmlisch sein, sich fallen zu lassen und sich einem dominanten Mann anzuvertrauen. Aber dann mach ihm auch klar, dass er sich das Privileg mit Achtung und Respekt verdienen muss! Der Schlachtruf lautet: „I got the pussy, I make the rules!“

Wenn du es für „den schönsten Tag im Leben“ hältst, all deine Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, um dich als Baiser zu verkleiden, die gesamte bucklige Verwandtschaft durchzufüttern, es bei der Sitzordnung allen recht zu machen und einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Auflösung später verdammt teuer wird, nämlich dann, wenn die statistisch sehr wahrscheinliche Scheidung auf dich zukommt, dann will ich nicht wissen, wie die weniger schönen Tage aussehen! Und der Schönste war ja schon! Besser wird’s nicht mehr, wenn du erst verheiratet bist, das sagt der „schönste Tag im Leben“ ja aus!

Du hältst dich für eine miese, verschlagene Verbrechernatur, weil du einen Partner hast und trotzdem Herzklopfen kriegst, wenn deine verdrängte große Liebe sich meldet? Du bist nicht böse und schlecht, Polyamorie ist normal! Wir Menschen sind tatsächlich einfach so angelegt, dass wir uns zu mehreren Partnern hingezogen fühlen können! Subversives Geschwätz eines gescheiterten „Beziehungsüberforderungsopfers“? Nö, ist besser für den Genpool, so einfach ist das! Es ist nur so verdammmt schwer, das auch zu leben, ohne die Menschen, die man liebt, zu verletzen! Also: wie geht das auf dem Drahtseil, wenn du mehrere Männer liebst, jeden auf seine Art?

So. Das sind meine Themen, die mir wirklich unter den Nägeln brennen und für die ich Tag und Nacht mit Leidenschaft schreibe und dabei verdammt viel lache. Manchmal sogar weine. Und wem das zu radikal ist, der kann jetzt gern mal eben den Glitzervampir-Roman aus der Hand legen und in die Welt gucken. Wir sind nämlich längst da angekommen, wo echte, witzige, intelligente Frauen mit Humor und Mut ein Leben meistern, das vielleicht gar nicht den Vorstellungen der CDU entspricht. Und für genau diese wunderbaren Frauen versuche ich Bücher zu schreiben, in denen sie sich wiederfinden.

Jetzt hab ich mich herrlich ausgepowert, wieder die ganze Nacht mit Schmackes Worte jongliert und wer meine Bücher einfach mal gefahrlos ausprobieren will, findet rechts in der Sidebar den Link zur kostenlosen XXL-Leseprobe. Und ich freu mich schon richtig auf die eMails, die ich wieder von besorgten Herren erhalten werden, weil mein Weltbild total weltfremd ist und ich dringend vor mir selbst gerettet werden muss! Wir sehen uns! 😀

Wenn mir jetzt noch jemand einen Bademantel umlegen und mich von der Bühne führen könnte wie James Brown, wäre ich wirklich dankbar. Sookie haut sich jetzt aufs Ohr, und ich freu mich drauf, Kommentare zu diesem ersten „Autorenporträt“ zu finden, wenn ich die Klüsen wieder auf kriege. Haut rein, Mädels, rockt den Buchmarkt, und erzählt mir, wofür euer Herz brennt!

Eure Sookie, Liebesromantante aus Leidenschaft und heimlich beladen mit Sendung

Die Buchblogger-Misere oder wie finden wir frische Inhalte?

Die Buchblogger-Misere oder wie finden wir frische Inhalte?

50 Shades of Langeweile?
50 Shades of Langeweile?

Es ist mal wieder Zeit, mit Anlauf in den Fettnapf zu springen und zu gucken, wer mitmacht. Mir läuft da nämlich seit Wochen ein Problem im Kopf rum, und das muss jetzt einfach mal raus! Ich sehe nämlich, dass viele andere dasselbe Problem haben und vielleicht schaffe ich es, eine kleine Diskussion auf „neutralem Boden“ anzustoßen. Und das Problem heißt: Frust bei Buchbloggern!

Einige misstrauische Geister werden mir natürlich unterstellen, dass ich keineswegs neutral bin, denn dies hier ist mein Autorenblog. Aber den Gedanken, everybodys Darling sein zu müssen, habe ich mir eh schon vor Jahren abgeschminkt, und wer sich in meinem Blog umsieht, stellt auch schnell fest, dass es mir hier nicht darum geht, mich selbst zu beweihräuchern, sondern um den Austausch mit euch. Ich bin nämlich im Netz als Autorin, als Leserin und als Bloggerin unterwegs und folgendes beschäftigt mich: Ich sehe immer mehr Artikel von Buchbloggern, die sich trauen, mal anzusprechen, dass sie mit dem derzeitigen Buchmarkt nicht mehr wirklich glücklich sind, zum Beispiel hier und hier. Da geht die Lust am Lesen verloren, die Bücher scheinen immer austauschbarer zu werden und irgendwann hat man das Gefühl „Kennst du eines, kennst du alle!“ Hat man die ersten drei Seiten gelesen, weiß man, wie es ausgeht.

Als Buchblogger auf dem Drahtseil

Buchblogger machen einen sehr schwierigen und inzwischen sehr wichtigen Job. Der Handel hat ja längst erkannt, dass Blogs, die Bücher besprechen, ein wichtiges Marketinginstrument geworden sind. Viele dieser Blogs werden mit wahnsinnig viel Liebe, Zeitaufwand und manchmal auch Kostenaufwand gepflegt, und wenn es für die Verlage gut läuft, kostet diese Werbung sie keinen Cent, nämlich dann, wenn Blogger ihre Blogs aus Liebe zur Sache pflegen. Solche Blogger sind für mich die Helden, denn sie sind „konzernfrei und unabhängig“. Trotzdem müssen auch diese Blogger sich an die Spielregeln halten, um sich eine Reichweite zu erarbeiten. Zielgruppenorientierter Content, eine klare Ausrichtung, Social Media Marketing, alles, was im Hinterzimmer passiert, SEO, Plug-ins, Backlinkaufbau, ihr kennt das.

Da ich selbst weiß, wie viel Arbeit in einem Blog steckt, kippe ich manchmal hinten über, wenn ich Buchblogs anklicke, die schon ein riesiges Archiv haben. Denn gerade bei Büchern ist so ein Artikel ja nie mal eben schnell geschrieben. Man muss eine Vorauswahl treffen, die Zeit zum vielen Lesen erst einmal finden und dann noch darüber reflektieren, bevor man schreibt. Und dann sind da ja auch noch die ganzen Fallstricke. Man möchte keinem Autoren schaden, aber man möchte seinen Lesern auch ehrliche Rezensionen bieten, und Lesen ist ja sehr individuell, was dem einen gefällt, findet der andere gruselig und umgekehrt. Da ist es kniffelig, den richtigen Ton zu treffen und keinen Leser zu verschrecken – denn darum geht es letztendlich ja, um die Leser.

Denn Leser wollen wir alle, sonst hätten wir als Medium ja ein altes Schulheft gewählt und würden unsere Gedanken einfach da rein schreiben. Aber trotz der vielen Arbeit bekommen viele Buchblogger einfach nicht die Reichweite, die sie verdienen. Und ich spreche jetzt einfach mal ganz klar aus Lesersicht. Ich folge auf Social Media Portalen oder direkt auf dem Blog vielen Buchbloggern und scrolle immer gern durch Gruppen, in denen Blogger ihre neuen Artikel posten. Das ist gewissermaßen meine individuelle Tageszeitung, und dafür nehme ich mir gerne Zeit. Aber diese Zeit ist einfach begrenzt.

Und wenn ich dann den zehnten Artikel über ein und dasselbe Buch sehe, dann muss ich den Blogger schon sehr mögen, um den Artikel auch anzuklicken. Natürlich ist es da schwer für Buchblogger, sich eine Reichweite zu erarbeiten, besonders dann, wenn man in den Strom gerät, Neuerscheinungen ganz schnell „durchackern“ zu müssen, um einer der ersten zu sein, die das Buch besprechen. Klar, dass da auch der ursprüngliche Spaß am Lesen zur Pflicht wird.

Ist Nummer sicher auch Nummer langweilig?

Natürlich erhofft man sich als Blogger immer eine große Reichweite. Man freut sich riesig, wenn Artikel geteilt werden, wenn Leser kommentieren und Leben in den Blog bringen. Und sich diese Anerkennung zu wünschen ist gut und berechtigt. Denn Buchblogs sind ein ganz wichtiger Beitrag zum bunten und demokratischen Medium Internet. Aber wie immer frisst die Revolution ihre Kinder.

Die großen Verlage mit einem entsprechenden Werbebudget haben Blogger längst instrumentalisiert. Der Effekt ist klar: Wenn alle dieselben Exemplare kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, besprechen auch alle dieselben Bücher. Da sind wir wieder bei der „Schwarmintelligenz“ und Bestseller werden immer noch genau so gemacht, wie vor der Digitalisierung des Buchmarktes. Wer seine Bücher am besten platziert und überall in die Kamera hält, bekommt auch die größten Verkaufszahlen.

Fernab vom Inhalt werden so die Lebensansichten geschiedener Fußballergattinnen (die sowieso von Ghostwritern geschrieben werden, also, die Lebensansichten, nicht die Exgattinnen) zum Bestseller. Einfach durch die Verfügbarkeit. Was in jeder noch so kleinen Buchhandlung direkt am Eingang liegt, wird gekauft. Und natürlich liegt für Blogger da der Gedanke nah, die großen Bestseller zu besprechen. Das Problem ist nur: Alle anderen Blogs bewerben ihre Artikel zum gleichen Buch! Und das macht es wirklich schwierig bis unmöglich, sich da ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, dass eine nachhaltige Leserbindung schafft!

Wenn man ein bisschen drin herum porkelt, wird einem sogar klar, dass die Misere noch größer ist, als es auf den ersten Blick scheint. Denn wenn man als Blogger selbst schon immer öfter das Gefühl hat: „Das Cover ist ja nett, und ich mag auch den Stil des Autors, aber irgendwie … kommt mir das alles zu den Ohren raus!“, wie soll man dann seine Leser begeistern? Aber – wo kriegt man jetzt frischen Wind her?

Ein Gedankenspiel

Stell dir vor, du bist Buchblogger. Da ich zu diesem Artikel ganz gezielt Buchblogger eingeladen habe, dürfte das einigen von euch gar nicht so schwer fallen! 😀 Also, du bist Buchblogger, und du kommst in einen Buchladen. Der Laden ist zwar groß, aber urgemütlich. So, wie ein schöner Buchladen eben aussieht – man fühlt sich sofort zu Hause. Aber irgendwas ist anders. Du stolperst am Eingang gar nicht über den Tisch mitten im Raum, auf dem sich die Spiegel-Bestseller stapeln. Stattdessen liegen da Buchtitel, von denen du noch nie gehört hast! Die Cover könnten kreativer und unterschiedlicher nicht sein, die Titel klingen ungewohnt, skurril, lustig, manchmal extrem klug, manchmal befremdlich bis strunzdoof. Wo bist du hier gelandet?

Du gehst weiter und stellst fest, dass die Erfolgstitel, die jeder liest und über die jeder bloggt, nirgendwo zu sehen sind. Die meisten Autorennamen hast du noch nie gehört! Du ziehst zaghaft ein paar Bücher aus den Regalen und überfliegst die Klappentexte. Manches klingt nach grottenschlechtem Schrott. Aber manches klingt auch nach so witzigen, originellen oder wichtigen Ideen, dass du dich fragst: „Wieso führen die anderen Buchläden das nicht?“ Bist du in einem Paralleluniversum gelandet? In einem mit einem vollkommen anderen Buchmarkt? Was machst du jetzt?

Du findest eine schrullige, bunte Verkäuferin mit Lesebrille und Staubfusseln in den Haaren. Vorsichtig fragst du: „Entschuldigung, haben Sie gar kein 50 Shades of Gähn oder ‚Biss zum Abwinken‘?“ Es wäre ja irgendwie beruhigend, die vertrauten Titel zu entdecken und zu wissen, dass du nicht in einem fremden Universum bist. Die Verkäuferin sieht dich kurz irritiert an, dann leuchtet ihr Gesicht auf. „Warten Sie, ich hab da einen sehr schönen Oscar Wilde Comic für Sie! 50 Shades of Dorian Grey, ich hab mich weggeschmissen vor Lachen! Oder hier, die Abwink-Trilogie, die Geschichte einer Frau, die Heiratsanträge von Milliardären ablehnt, weil sie lieber Meeresschildkröten rettet, das ist so romantisch!“ Du stehst jetzt vor der Wahl – entweder du gehst rückwärts wieder raus oder du fängst an zu stöbern und Bücher zu entdecken, die du niemals für möglich gehalten hättest.

Willkommen auf dem parallelen Buchmarkt!

Vielleicht denkst du jetzt: „Was für ein Saftladen, da würde ich sofort rückwärts wieder rausgehen!“ Und wer sollte sich auch dafür interessieren, wenn du Bücher besprichst, die niemand kennt? Da klickt doch kein Mensch! Vielleicht aber auch doch. Da wird zehnmal der neue Fitzek besprochen, was absolut toll ist für Herrn Fitzek, ich freue mich aufrichtig für ihn. Aber du besprichst den neuen Kokoschinsky. Denkst du, dass alle weiterscrollen, um die elfte Besprechung über Herrn Fitzek zu lesen? Oder bleiben einige hängen, weil sie denken: „Who the fuck is Kokoschinsky? Da klicke ich mal drauf!“ Herzlichen Glückwunsch, du hast neue Leser gewonnen und vielleicht sogar einen neuen Autoren entdeckt!

Die gute Nachricht ist: Es gibt diesen geheimen parallelen Buchmarkt längst. Die schlechte Nachricht ist: Kein Mensch hat Zeit, das alles zu sortieren! Und kein Blogger möchte nur Müll besprechen und seinen liebevoll gepflegten Blog in einen Linkfriedhof verwandeln. Ihr wollt schließlich lebendige Leser mit tollen Buchtipps versorgen, das ist ja der Sinn der Sache. Aber wo findet man die?

Der große Graben: Blogger und Selfpublisher

Oh, ja, autsch, jetzt wird eine heilige Kuh geschlachtet! Aber mit Anlauf in Fettnäpfe zu springen ist mein Hobby und für alle zaghaften Gemüter unter euch zeige ich euch jetzt kurz ein Bild meiner Blogstatistik nach dem letzten Meckerartikel über Marketing:

Das passiert, wenn man dem Internet mal die Meinung geigt!
Das passiert, wenn man dem Internet mal die Meinung geigt! 😀

Ihr seht also, manchmal trifft man auch einen Nerv und findet darüber tolle Leser, die einen durch kluge und durchdachte Kommentare unheimlich inspirieren können, weiter zu denken. Und der Nerv, an dem ich jetzt mal schmerzhaft zupfe, ist der zwischen dem „richtigen Buchmarkt“ und dem Garagenpunk-Buchmarkt. Selfpublishing hatte immer schon einen wahnsinnig schlechten Ruf. Vor der Geburt des Kindle galten Autoren, die ihre Bücher selbst drucken ließen, als selbstverliebte Dilettanten, die einfach nicht kapieren wollten, dass kein Verlag dieser Welt sie mit der Kneifzange anfassen würde.

Ein Buch selbst herauszubringen und zu vermarkten kam einem Selbstmord als Autor gleich. Wer das nötig hat … Auch der Handel nahm solche Bücher nur ins Sortiment auf, wenn der Autor ein Stammkunde war, der für seine Großfamilie in dem betreffenden Buchladen einkaufte und die nette Buchhändlerin einfach nicht wusste, wie sie „Nein!“ sagen sollte. Iiiiih, Selfpublishing, na, das wird ja schöner Schrott sein! Auf den Inhalt hat da niemand mehr geguckt.

Und dieser Graben hat sich nur ein kleines bisschen verschoben. Durch die Digitalierung sind einige Autoren groß geworden, indem sie sich ihr ganz eigenes Publikum erobert haben. Dann kam wieder die Revolution, happs-happs, und plötzlich lief es umgekehrt: Die Verlage traten an die Autoren heran, die sich bereits eine Fanbase aufgebaut hatten und wenig Arbeit, aber viel Kasse versprachen. Der Großteil der Autoren bleibt aber vom Mainstream unentdeckt (übrigens auch auf dem „ersten“ Buchmarkt). Und – Achtung: Nestbeschmutzer-Alarm! – es gibt auf dem Selfpublisher-Markt tatsächlich viel Schrott.

Wir hatten ja schon diverse Diskussionen, dass Autoren sich gar nicht über andere Autoren äußern dürfen. Da wird gleich Futterneid unterstellt und was weiß ich. Aber wo landen wir, wenn noch nicht mal die Leute, die wissen, wie es ist, ein Buch zu schreiben, sich untereinander austauschen dürfen? Ist das fruchtbar, so ein Tabu zu installieren? Kreative haben sich immer gefetzt, geliebt, gegenseitig verrissen, unterstützt, gezofft. Plötzlich gilt das als verpönt. Futterneid. Ich mache garantiert auch nicht alles richtig. Wer Lust hätte, einen bösen Verriss zu schreiben, würde sicher auch bei mir fündig, keine Frage. Wenn ich wollte, könnte ich mich sogar selbst verreißen, aber, hey, ich bin Autorin, schreiben kann ich, und Verrisse machen mehr Spaß! 😀

Aber irgendwie müssen wir ja mal anfangen, Dinge beim Namen zu nennen. Ich – als bewusste Selfpublisherin – verstehe jeden Blogger, der sofort dicht macht, wenn Selfpublisher ihre Exemplare anbieten. Oh, neeee, nicht schon wieder, der hunderste Aufguss eines Erfolgstitels (der innovativ war, als er erschien, nicht fünf Jahre später, als ihn schon alle abgeschrieben hatten), „Ommas Lebenserinnerungen“ (die wirklich nur die Familie interessieren) oder endlich mal ein „neuer“ Vampirroman, in dem der Vampir auch noch Rockstar ist – oh, süüüüß. Wenn ich Buchblogger wäre, würde ich da auch ganz schnell die Rollos runter machen und tun, als wäre im Blog keiner zu Hause. Aber!

Stille Denker – Die Randgruppe am Rande der Randgruppe

Es gibt nämlich auch gerade im Selfpublishingbereich AutorInnen, die unfassbar viel auf der Pfanne haben und sich ganz bewusst dagegen entscheiden, ihre Manuskripte Mainstream-Verlagen anzubieten. Diese AutorInnen sind eine Randgruppe, keine Frage. Oft sind sie schon etwas lebenserfahrener (nicht unbedingt älter) als die Facebook-Überflieger, die tausende von Fans sammeln, um dann ihre Groschenromane an sie zu verkaufen. Diese AutorInnen sind nicht unbedingt für das digitale Zeitalter geschaffen. Sie bevorzugen den Rückzug, lassen ihre Bücher in selbstgewählter Einsamkeit reifen, jonglieren unermüdlich mit Worten, weil sie gar nicht anders können und das sogar tun würden, wenn keiner guckt, einfach, weil sie das Schreiben im Blut haben.

Diese AutorInnen sind scheue Wesen, hochsensibel, und sie tun sich schwer damit, ohne jeden Selbstzweifel auf den Putz zu hauen. Solche AutorInnen sind tatsächlich SchriftstellerInnen. Und manchmal haben diese sensiblen Wesen nach fünf Minuten auf Facebook Kopfschmerzen und bleiben deshalb unentdeckt. Obwohl gerade sie es sind, die der Buchmarkt so dringend braucht. Denn sie sind keine oberflächlichen wandelnden Tagtraum-Fabriken, sondern die neuen Stimmen, die viele von uns gern mal lesen würden.

Diese scheuen Rehe des Buchmarktes stehen sich aber selber im Weg. Um wirklich gut zu schreiben, braucht man die Fähigkeit, vielschichtig auf vielen Ebenen gleichzeitig zu denken. Man muss ein guter analytischer Psychologe sein und gleichzeitig die Empathie einer lieben Mama haben, die jede Romanfigur versteht und liebt wie sie ist. Wirklich gut zu schreiben erfordert einfach Lebenserfahrung, Abstraktionsvermögen, sprunghaftes Denken auf vielen Ebenen, das zu logischen Handlungssträngen verknüpft wird. Und wer so tickt, hat ein Problem. Erstens: Es braucht viel Zeit und Energie, gut zu schreiben, da hat man den natürlichen Trieb, sich vor ständigen Ablenkungen zu schützen. Zweitens: Wer so komplex und vielschichtig denkt, leidet auch an komplexen und vielschichtigen Selbstzweifeln. Isso. Wissenschaftlich erwiesen.

Die Fähigkeiten, die man also zum Schreiben braucht, werden zum Stolperstein, wenn es darum geht, sich selbst zu vermarkten. Ich kenne Autorinnen, die arbeiten wirklich sehr hart an ihrem Marketing, fühlen sich dabei aber gar nicht wohl. Weil sie stille Denkerinnen sind, Schriftsteller sind schüchtern, sonst wären sie Rockstar geworden. Und solche Autorinnen finden es von ihrem Wesen her extrem unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. Sie finden ja schon den Gedanken schlimm, dass jemand denken könnte, dass sie im Mittelpunkt stehen wollen! Weil es einfach nicht wahr ist! Noch schwieriger ist es dann, sich selbst in den Mittelpunkt stellen zu müssen, damit endlich mal die Bücher irgendwann im Mittelpunkt ankommen.

Alle nicht-schreibenden unter euch können sich jetzt vielleicht eher ein Bild davon machen, warum es so schwierig ist, die „anderen“ Bücher (die es ja definitiv gibt!) zu finden. Weil die Schöpfer derselben sich eigentlich lieber mit ihrem Laptop unterm Tisch verstecken und ungestört schreiben würden, anstatt laut klappernd durchs globale Dorf Internet zu laufen und sich selbst zu loben. Das ist einfach verdammt schwer.

Wie schaffen wir jetzt eine Schnittstelle?

Ich freue mich riesig, wenn ihr als Buchblogger oder Leser (und natürlich auch die Autoren unter euch!), Ideen habt, wie man die vom Einheitsbrei gefrusteten Buchblogger und die stilleren Autoren mit den „anderen“ Büchern zusammenbringen kann. Vielleicht könnten Buchblogger sich für die Kategorie „Selfpublisher“ oder „Nischenautor des Monats“ öffnen oder ähnliches und damit auch ein alternativeres Lesepublikum anziehen. Vielleicht könnten die Buchblogger, die sich hierher verirren, uns Selfpublishern auch Anregungen geben, was euch helfen könnte, eine Auswahl zu treffen. Was braucht ihr von uns? Vielleicht kommen auch welche von den eher stillen AutorInnen hierher und erzählen kurz, wie sie sich mit ihrem Marketing fühlen und was sie gern anders hätten?

Und wo wir gerade dabei sind: So viel Eigenwerbung muss mir jetzt erlaubt sein! Falls du Buchblogger bist und Frischfutter suchst, sieh dich ruhig auf meinem Blog um, ich bin zu jeder Schandtat bereit! 😀

Und jetzt bin ich sehr gespannt auf eure Meinungen, danke euch fürs Lesen dieses meterlangen Artikels und freue mich auf die Kooperationen, die vielleicht entstehen werden!

Eure Sookie

Was Marketing mit uns macht!

Was Marketing mit uns macht!

marketingbratzbirne

Ihr Lieben! Heute geht es um Marketing und den Verfall der Sitten. Und nur, um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Die Dame auf dem Bild – das bin nicht ich. Das ist eine kostenlose Dame von Pixabay, der ich eine Sprechblase gebastelt habe. Ich bin die hier:

Die olle Schrulle hier ist die Tante Sookie. Tante Sookie ist immer lieb. Manchmal.
Die olle Schrulle hier ist die Tante Sookie. Tante Sookie ist immer lieb. Manchmal.

So, jetzt haben wir alle mal gelacht und gut is‘! Warum ich heute hier bin! Erstmal natürlich, um mich heimlich hinterm Laptop mit Keksen vollzustopfen, denn ich brauche dringend Nervennahrung. Dann aber auch als euer Trendscout für Themen, die keinen interessieren! Und das Thema, das heute keine Sau interessiert, ist: Marketing! Nicht nur für Autoren. Marketing im Internet allgemein. Ich sehe da nämlich einen Trend, der mir so richtig im Auge weh tut. Und deswegen bin ich traurig. Schnief. Richtig niedergeschmettert. Und das Spiel heißt: „Ich weiß, dass du schlecht von mir denkst, aber ich denke noch viel schlechter von dir, ätsch!“ Immer zweimal mehr wie du. Leute, mal ehrlich, wo soll diese Abwärtsspirale hinführen? Ein paar praktische Beispiele? Yup!

Facebook = Autsch!

Man kann und muss es überall lesen, wirklich überall: Facebook ist eine Weltmacht, an Facebook kommst du nicht vorbei. Ich bin jetzt, nach langer Abstinenz, ja auch seit ein paar Wochen wieder bei Facebook und schleiche da manchmal als stiller Leser rum. Als stiller Leser deshalb, weil ich da – ernsthaft! – ständig Angst habe, ins Kreuzfeuer zu geraten. Was ich still beobachtet habe:

Der Rezi-Krieg

Rezensionen sind wichtig für Autoren, keine Frage. Rezensionen im Internet ersetzen heute das, was früher über den Gartenzaun kommuniziert wurde. Heute geht das nicht mehr, weil keiner mehr am Gartenzaun steht. Sitzen ja alle drinnen am Laptop. Und weil Rezensionen so ein wichtiges Marketing-Instrument sind, habe ich mich auch sehr gefreut, als ich von einer Autoren-Kollegin in eine Gruppe eingeladen wurde, in der man seine Werke Rezensenten zur Verfügung stellen kann. Jetzt bin ich aber ein Mensch, der immer erstmal abwartet und guckt, um das Terrain zu sondieren. Glück gehabt!

Denn die, wie heißt das, „Leiterin“ der Gruppe?, demontierte sich gewissermaßen vor laufenden Kameras im Facebook-Container selbst. Ich hab für jeden Menschen Verständnis, dem ein so großes Projekt mit tausenden von Menschen über den Kopf wächst, keine Frage. Aber ist es konstruktiv, nur noch alles und jeden anzugreifen? Immer mit dem Hinweis: „Ich bin ja zivilisiert, ich nenne keine Namen, aber die anderen, die sind sooo dooooof!“

Und dann wurde jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Rezensenten wurden öffentlich dafür niedergemacht, dass sie vorsichtig nachfragten, wo denn bei Amazon der spezielle Link ist, um kostenlose Rezensionsexemplare zu besprechen. Ich wusste noch nicht mal, dass es dafür einen speziellen Link gibt, aber ich bin froh, dass ich nicht gefragt habe!

Eine weitere Leserin, die sich per PN dafür entschuldigte, dass sie es im vorgegebenen Zeitraum nicht schafft, wurde öffentlich verrissen. Da kam kein „Kann ja mal passieren, sag Bescheid, wenn du so weit bist!“, nein, es kam ein meterlanger Shitstorm. Zahllose, sorry, wenn ich so unverblümt werde, Arschkriecher bestätigten „Wie kann man nur so blöd sein! Boar, ist das asozial …“ Hallooo? Die Rezensentin bekommt eBooks für 1,99 geschenkt, die Unkosten muss man als Autor natürlich erstmal wieder reinkriegen, haha!, aber da wurde ein Aufstand gemacht, als hätte sie tausend Euro im Voraus bekommen und würde jetzt nicht abliefern! Es geht hier nicht um die Deadline für ein bundesweit erscheinendes Magazin, sondern um eine Rezension irgendwo bei Amazon im Keller!

Und natürlich zelebrierte die Chefin der Gruppe einen dramatischen Nervenzusammenbruch nach dem anderen, weil sie sich ja nur für die Autoren aufopfert, weil sie weiß, wie wichtig ihre Arbeit ist, sie tut das alles ja nur aus Liebe zum Buch. Bis sie dann in die Gruppe trug, dass eine Autorin ihr per PN geschrieben hatte, sie hoffe, dass es ihr bald wieder besser gehe, weil ihr neues Buch bald erscheint. Zack! Wie kann diese Autorin nur so unverschämt sein, auf eine professionelle Ebene gehen und die Administratorin daran erinnern, was der Zweck der Gruppe ist! Und auch noch auf Besserung hoffen! 50 Kommentare darunter bestätigten: „Frechheit! Ist das asozial! Schmeißt die raus!“

Eine schrillere Realsatire zum Satz „Altruismus ist Egoismus“ hatte ich noch nie gesehen, und ihr ahnt, dass ich mich in dieser Gruppe als Autorin nicht „aufgedrängt“ habe, denn genau das Gefühl hatte ich. Was, du existierst? Batsch! Asozial! Aber ich hab doch gar nix gemacht! Batsch! Aua!

Der Profil-Krieg oder: Runter von meiner Seite!

Und ich frage mich, und euch, was ist da los? Wieso sind alle so tierisch aggressiv und unentspannt? Wieso wird man schon für ganz normale, berechtigte Fragen öffentlich bloßgestellt? Wo ist da der Lustgewinn? Ein anderes Beispiel von meiner Startseite bei FB. Ein riesen Post zum Thema: „Da hat ein anderer Autor einen Link auf meine Seite gesetzt! Frechheit! Den werd ich melden!“ Die Kommentare lesen sich dann meterlang wie die Kommentare unter einem „Wenn du die Regeln gelesen hast, bestätige mit: Frechheit!“-Post. „Einfühlsamere“ Kommentatoren erklären dann, dass man den Neid des Kollegen doch als Kompliment sehen soll, weil man ja offensichtlich mehr Likes hat als der. Und wieder frage ich mich: Wo kommen diese ganzen Aggressionen her? Soll ich euch ganz ehrlich sagen, was ich denke, wenn ein Kollege mir einen Link da lässt? Ich denke: „Oh, wie nett, da ist jemand auf meine Arbeit aufmerksam geworden und möchte sich mit mir austauschen! Da interessiert sich jemand für meine Meinung!“ Ich FREUE mich, ich Depp! Und ich klicke den Link auch noch AN! Aber ich hab die neuen Spielregeln offensichtlich eben noch nicht verstanden. Wenn jemand sich mit mir vernetzen möchte, muss ich diesen aufdringlichen Trittbrettfahrer unverschämt finden. Hmhm.

Stacheldrahtzäune im Bloggerland

Meinen ersten Blog hatte ich schon, als es Blogs noch gar nicht gab. Damals ging es darum, sich kreativ auszutoben, frei nach Schnauze zu schreiben, wonach einem ist und darüber witzige Kontakte zu knüpfen mit Leuten, die ähnlich ticken, und die man ohne dieses Medium nie getroffen hätte. Bloggen machte Spaß. Dann kam auch hier das Marketing.

Professionelle Blogger erklärten uns, dass wir uns mit Influencern verbinden müssen, um virale Effekte zu erzielen. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich: „Watt? Ich soll mich mit einer Influenza verbinden, um einen grippalen Infekt zu erzielen? Aber dann läuft mir doch die Naaase!“ Später verstand ich: Ach so, die großen „Influenza“ wollen, dass wir alle in ihren Blogs fleißig kommentieren. Dann sieht ihr Blog besser aus. Erfolgreicher. Ist ja auch gut für unseren Backlinkaufbau, man muss sich bei Google eben mit den richtigen Leuten sehen lassen. Der Grundgedanke der Vernetzung ist toll, ich liebe Vernetzung! Aber dann kam der Rollback.

Ich mag Blogs. Ich lese gerne Blogs. Ich klicke oft Blogs an, weil mich eine Headline interessiert. Ich kommentiere auch gern in Blogs, wenn der Artikel mich dazu inspiriert. Aus Spaß am Austausch und weil mich interessiert, was der betreffende Blogger mir antwortet. Ich mache aber immer öfter die Erfahrung, dass mir selbst unter Bloggern Misstrauen entgegen schlägt. „Die kommentiert doch nur bei mir, weil sie scharf ist auf einen Backlink! Eigentlich interessiert die doch überhaupt nicht, was ich schreibe! Die will sich doch nur bei mir einschleimen!“ Und ein Austausch zwischen Autoren und Buchbloggern geht gar nicht! Wir verschenken da eine riesige Möglichkeit. Noch nie konnten Autoren und Leser so leicht zusammen kommen. Aber als Autor hat man in Buchblogs nichts zu suchen, ist doch klar, dass man nur ein Marketing-Zombie ist, der kostenlose Aufmerksamkeit will! Wisst ihr, wie ich mich dabei fühle? SO, so fühle ich mich!

Mit Gorilla-Marketing zum Erfolg! Wie? Was steht da? Guerilla-Marketing? Ach so! Was ist das denn?
Mit Gorilla-Marketing zum Erfolg! Wie? Was steht da? Guerilla-Marketing! Ach so! Was ist das denn?

Leute, bitte! Zieht doch einfach mal in Erwägung, dass ich tatsächlich in euren Blogs unterwegs bin, weil mich euer Content interessiert und ich eure Gedanken interessant finde! Wir müssen auch nicht immer der gleichen Meinung sein, aber es geht nicht um Streit, es geht um Austausch! Um Vielfalt! Um Zuhören und Verstehen, Mann! Ich bin ein Dinosaurier, ich kann mich noch an das sprötzelnde Pfeifen eines dampfbetriebenen Modems erinnern, und damals ging es nicht um Marketing! Auf meinem Planeten geht es heute noch um den Austausch von Informationen und Gedanken, um kreatives Miteinander, mit, nicht gegen!

Paranoia ist keine Garantie dafür, dass niemand hinter dir her ist!

Ich merke gerade selbst, dass ich ziemlich paranoid klinge. Aber bei den Sachen, die ich in letzter Zeit beobachte, darf ich das. Noch ein Schlenker zu Facebook. Neulich bekam ich die Meldung „Frau XY hat ihre Beitrittsanfrage für die Gruppe YX bestätigt“. Na, fein. Ich klicke die Gruppe an und falle vom Stuhl. Der oberste Post ist die Meldung „Frau XY hat Sookie Hell hinzugefügt“. Und sofort darunter der Kommentar von eben derselben Frau XY: „Wenn Sie nicht endlich aufhören, mich zu belästigen, werde ich Sie melden!“ Und meinen Namen hatte sie markiert. Hä? Helft mir! Ich versteeeeeh das nicht! Ich hatte den Namen der Dame noch nie im Leben gesehen! Ich hab mich immer geweigert, Damen zu belästigen, selbst, wenn die das wollten!

Rrrrrrrra! Ich merke gerade, dass dieser Artikel keinen anderen Sinn hat, als Frust abzuladen. Tut mir leid. Aber alles, was ich will, ist doch nur, dass wir alle mal das scheiß Marketing vergessen und uns wieder lieb haben! Können wir Social Media und Blogging nicht einfach wieder als das begreifen, was es sein könnte und dem Namen nach auch ist? Können wir uns nicht einfach austauschen, uns zuhören, uns gegenseitig besuchen, Links tauschen und spartenübergreifend unsere Arbeit diskutieren, ohne immer gleich Angst haben zu müssen, dass wir durch einen „Frechheit!“-Shitstorm vertrieben werden? Können wir uns nicht einfach mal über andere Menschen freuen, anstatt sie gleich als potenzielle Feinde einzustufen?

Ich weiß, dass ich extrem sensibel bin, ist mir klar. Aber bei vielem, was ich im Internet beobachte, habe ich das Gefühl, wenn ich zaghaft sage „Hallo!“ bin ich entweder ein Neider, ein Schleimer, ein Traffic-Junkie oder ein Zombie, der andere ausnutzt für seine „Eigenwerbung“. Ich wünsche mir aber, dass wir uns hier im globalen Dorf gegenseitig supporten.

Es geht ja auch anders!

Mein einziger Lichtblick im Social Media Bereich sind die „Geisterstadt“ Google+ und die darüber entstehenden Mailkontakte. Bei Google+ unterwegs zu sein, hat ein bisschen was von einem dystopischen Roman. Bei Facebook findet die Zombie-Apokalypse statt, bei Google+ sind die angeschwemmten Sensibelchen unterwegs, die lieber Gemüsebeete anlegen und am Gartenzaun quatschen, als Massenvernichtungswaffen zu bauen. Bei Google+ aktiv zu sein, macht mir Spaß. Leute, ich muss euch ehrlich sagen: Ich bin froh, dass ich euch habe!

Und zum Abschluss – um mal ein Zeichen zu setzen – sollten Autoren, Buchblogger oder sonstwer aus der Branche über diesen Artikel stolpern: Ich freue mich, wenn ihr mir Kommentare da lasst, die auf eure Blogs verlinken. Fühlt euch eingeladen, Links zu euren Büchern da zu lassen, was auch immer. Ich steh nämlich auf Vernetzung, und ich werde nicht schlecht von euch denken, wenn ihr euch bemerkbar macht. Versprochen.

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