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Deleted Scene: Ein Rennen gegen die Wikinger

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Ihr lieben Menschen! Ich hab leider sowas von den Arsch voll Arbeit, dass ich zu nix komme, was Spaß macht, also hab ich mir heute für die Wörk-Leif-Bälänks was gegönnt, was ich jetzt mit euch teilen will. Ich war für eine Tasse Tee auf der Festplatte, um eine bestimmte deleted scene zu finden. Weil ihr hier und auf diversen anderen Kanälen mehr deleted scenes bestellt habt, ist es mir eine Freude, hihi, euch eine laaange, aber schnelle Szene zu bloggen, die aus einer der unveröffentlichten Versionen von „Demut, Verzweiflung und John“ stammt. Mein Gütt nä, ist das lange her, aber damals hatte das Manuskript noch den Arbeitstitel „Mister Right und Mister Left“, aber dann hat Juri gemoppert, weil er keinen Bock mehr hatte, auf Halde zu liegen und endlich mit in die Geschichte wollte und, ach, es war kompliziert. Für den Titel „Mister Right, Mister Left und der russische Astrophysiker“ hätte ich auch kein passendes Titelfoto gefunden und ich finde Johns Füßchen doch so niedlich! 😀

Jedenfalls – nee, das war alles ganz anders. Ursprünglich hatte ich mal den Gedanken, BS 4 mit einer fulminanten Wikingerparty im Kluntjehaus enden zu lassen. Dann war es mir aber irgendwie wichtiger, John und Anna die Schlussszene zu gönnen, nur die beiden und die Rosenschere und natürlich Johns sexy geblümte Gartenhandschuhe. Und wenn ich mir eure Rezensionen so durchlese, war das ja auch genau richtig. Trotzdem hatte ich das Rennen zum Kluntjehaus ja nun schon mal geschrieben und die Party mit den Nordmännern können wir ja noch jederzeit nachholen. Aber das Rennen des Berliner Teams gegen die Wikinger im Archiv verstauben zu lassen, wäre ja schade, nä? Neulich hat mir auch eine Leserin in einer Rezension geschrieben, dass nur der Blog ihr über die Wartezeit hinweg geholfen hat und ich nehme so was sehr ernst, meine Damen und Herren! 😀

Wir fahren also jetzt ein Rennen gegen die Hedlunds und schnallt euch besser an, das Bärchen holt nämlich aus der Möhre raus, was geht!

Deleted Scene: Wer verliert, ist ein glitzerndes Einhorn!

Anna drehte die Musik auf bis zum Anschlag, ließ sich in den Beifahrersitz zurückfallen und presste sich mit geschlossenen Augen die Finger an die Schläfen. Lotta klammerte sich an die Kopfstütze vor ihrem Platz und schrie: »Wie oft müssen wir denn den Barbie-Soundtrack noch hören?«

Nicki lachte und stieß Lotta an. »Das ist Tschaikowsky, du Trulla! Dann hören wir wenigstens das Tuckern des Motors nicht so!« Sie wandte sich an den Fahrer. »Jetzt hol endlich aus der Möhre raus, was geht, sonst gewinnen die Jungs das Rennen!«

Lothar schrie nach hinten: »Wenn ich noch schneller fahre, fliegt der Auspuff ab!«

Nicki lachte überdreht. »Schneller? Du tuckerst gerade mal neunzig!«

Lotta winkte ab. »Auf der letzten Etappe sitzt Lasse am Steuer, der fährt wie ein Rentner! Die knacken uns nie im Leben!«

Der sterbende Schwan schwoll dramatisch an. Anna hob die Hand wie ein Dirigent und wartete den lautesten Takt ab, dann krümmte sie sich zusammen, als hätte sie Schmerzen. Lotta beobachtete das Schauspiel und flüsterte Nicki laut zu: »Was genau macht sie da eigentlich?«

Nicki beugte sich über den Fresskorb und schrie Lotta ins Ohr: »Das macht sie doch vor jedem Weltmeisterschaftskampf! Mentale Vorbereitung!«

Lotta maulte. »Weltmeisterschaftskampf! Der Maler ist doch winzig!«

Nicki und Lotta prusteten wieder los. Anna hob plötzlich den Kopf und sah Lothar an. »Bärchen, der Walzer!«

Lothar und Anna fingen an, sich auf den vorderen Plätzen hin und her zu wiegen wie zwei schunkelnde Wellensittiche. Nicki und Lotta kreischten jetzt mal wieder vor Lachen, ohne zu wissen, warum.

»Woooohoooooo! Esens, vier Kilometer, ich bin der König der Welt!« Lothar jubelte den Motor hoch auf fünfundneunzig und der klapprige Kleinwagen raste in die ostfriesische Nacht.

*

»Alter, hast du gesehen, dass die Schildkröte mit dem Rollator uns überholt hat?« Ivar rollte mit den Augen und trat ein nicht vorhandenes Gaspedal durch, um seinen Bruder zur Eile anzutreiben, aber Lasse schüttelte nur entspannt den Kopf. »Bruder, ich hab Mäuler zu stopfen, wenn ich uns tot fahre, bringen meine Frauen mich um!«

Peer stöhnte auf der Rückbank. »Alter, wir haben die Schweiz überlebt, als Einar am Steuer saß, jetzt schaffen wir Ostfriesland ja wohl auch noch!«

Lasse wiegte nachdenklich den Kopf. »Lass mal, Alter, diese schnurgeraden Landstraßen sind brandgefährlich, da döst du ein und wachst im Graben wieder auf!«

Einar zog sich das T-Shirt vom Kopf, unter dem er versucht hatte, das Finale des Rennens zu verschlafen. »Hat eigentlich irgendjemand den Wasserkocher eingepackt?«

Ivar stöhnte. »Jetzt sag nicht, das Scheißteil steht noch in Belgien!«

Lasse grinste. »Soll ich zurückfahren?«

Seine Brüder schrien alle empört auf, dann ruderte Ivar plötzlich mit dem Arm. »Fuck! Da drüben kommt Lillebror!«

Peer rüttelte hinter Lasse am Sitz. »Jetzt gib Stoff, Alter, Lillebror spielt im anderen Team, wenn der vor dir in dem verdammten Kreisverkehr ist, lässt der dich nicht mehr vorbei!«

Lasse brummte entspannt. »Das ist nicht Lillebror, das ist nur irgendein Van!«

Ivar kreischte: »Klar ist das Lillebror! Hallo? Ich erkenne doch wohl die Scheinwerfer meines eigenen Bruders!«

Lasse grinste. »Alter, das ist stockfinster und die Karre da schwebt irgendwo zwischen Kuhweiden rum! Wahrscheinlich ist das sogar nur ein tieffliegendes Raumschiff!«

Peer schlug die Stirn vor Lasses Rückenlehne und winselte verzweifelt: »Jetzt gib Gummi, Alter!«

*

Sven sah den Van des anderen Teams zwischen den endlosen Wiesen durch die Nacht schweben und brüllte in die Freisprechanlage: »Wer soll das denn sonst sein um die Zeit? Ich erkenne doch wohl die Scheinwerfer meines Bruders!«

Nicki kreischte aufgeregt: »Halt sie auf, Lothar hätte fast gerade den Auspuff verloren auf diesen bescheuerten gewölbten Landstraßen, was ist das für ein scheiß Boden hier!«

Sven lachte satt. »Moorboden, mein Schraubenschlüsselchen! Die schweren Trecker drücken die Straßen durch!«

Lotta kreischte vor Lachen im Hintergrund und Lothar rief irgendwas, was Sven nicht verstand. Sven rief: »Annika, geht’s dir gut?«, aber Nicki kreischte nur wieder: »Halt sie auf, wir haben nur noch zwei Kilometer!«, dann brach das Gespräch ab. Sven gab Gas und fuhr mit Schwung zehn Meter vor Lasse in den Kreisverkehr, dann nahm er das nächste Gespräch an. »Tschacka! Maler, der Tipp mit dem Umweg war genau richtig, ich hab mich direkt vor die ganze Brut gesetzt!«

John klang abgehackt, der Empfang war ostfriesisch gut, aber Sven verstand: »Ich dreh hier durch!«

Der Wikinger lachte dröhnend. »Alles wird gut, Maler, entspann dich! Sie hört Tschaikowsky, das ist tausendmal besser als Black Metal!«

John schrie: »Sie wird mich umbringen!«, dann brach das Gespräch wieder ab. Sven bog in die Straße zum Kluntjehaus ein, hörte die Hupe des anderen Vans hinter sich und konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen. Ganz langsam fing er an, Schlangenlinien zu fahren, um seine Brüder nicht vorbeizulassen und summte dabei den Walzer, den er aus dem Wagen des Berliner Teams gehört hatte.

*

Anna griff sich an den Magen und stöhnte: »Ich muss kotzen!«

Lothar sah sie erschrocken an und rief nach hinten: »Frau Schnulze ist ganz grün im Gesicht!«

Lotta klammerte sich wieder an die Kopfstütze und rief: »Das liegt bestimmt nur am Licht! Anna wird nie schlecht im Auto!«

Lothar schnaubte. »Der wird ja sogar schlecht, wenn wir in ein Parkhaus fahren!«

Nicki rief über den dröhnenden Walzer: »Scheiße, ich muss unter die Karre kriechen, das hört sich echt an, als würde der Auspuff über den Boden schleifen!«

Lothar trompete stolz: »Sag ich doch!«

Anna keuchte panisch: »Halt an!«

Lothar warf ihr einen unsicheren Blick zu und flehte: »Noch anderthalb Kilometer, das schaffst du!«

Nicki ging wieder an ihr Handy, dann stieß sie einen Jubelschrei aus. »Ja! Sven hat sie im Windschatten, lass Annika kotzen!«

Lothar trat voll auf die Bremse. Anna riss die Tür auf, sprang aus dem Auto und taumelte los zum Graben. Der Walzer schwebte durch die Nacht, während Anna mit Inbrunst in den Straßengraben reiherte. Lotta dirigierte jetzt schunkelnd das Orchester, während Nicki Tränen lachte und nur noch ins Handy japste: »Halt sie auf! Annika dreht sich gerade auf links!«

*

Peer fluchte. »Scheiße, ist der besoffen oder was? Jetzt zieh endlich an dem Penner vorbei!«

Lasse schüttelte den Kopf. »Wenn Papa sieht, wie der fährt, gibt das den Arsch voll!«

Ivar stöhnte. »Wenn du Lillebror immer deckst, verziehst du den total! Kein Wunder, dass der Papa nicht ernst nimmt!«

Einar rüttelte an Ivars Sitz. »Jetzt hört auf zu labern wie Kinder und benehmt euch wie Rennfahrer! Ihr könnt nicht ernsthaft das Mädchen-Team gewinnen lassen!«

Peer schlug gegen die Kopfstütze. »Scheiße, was macht der denn jetzt!«

Sven ließ vor ihnen seinen Van langsam ausrollen und blieb dann mitten auf dem verlassenen Feldweg stehen. Jetzt verlor selbst Lasse die Geduld und hupte wütend. Sven stieg langsam aus und kam im Licht der Scheinwerfer auf seine Brüder zu. Lasse ließ das Fenster heruntersurren. Sven grinste breit. »Ey, Alter, das ist ja ein Zufall! Seid ihr etwa auf dem Weg zum Kluntjehaus? Ich dachte, ihr fahrt direkt durch nach Berlin!«

Ivar beugte sich über Lasse. »Willst du uns jetzt verarschen? Fahr deine verdammte Karre da weg!«

Sven steckte die Hände in die Taschen und sah auf seinen Van, als hätte er ihn nie zuvor gesehen. »Ich dachte nur, vielleicht will einer von euch bei mir mitfahren, ist doch viel bequemer!«

Einar kreischte: »Sabotage!«

Lasse hängte den Arm aus dem offenen Fenster und versuchte, entspannt zu wirken. »Lillebror, wenn du nicht willst, dass deine Brüder dich lynchen, dann gibst du uns eine faire Chance, das Rennen noch zu gewinnen!«

Sven sah ihn unschuldig an. »Rennen? Was denn für ein Rennen?«

Einar schlug die Hände vors Gesicht und jammerte dramatisch: »Was denn für ein Rennen!«

Lasse versuchte es weiter mit gespielter Ruhe, um Sven nicht noch anzustacheln. »Wir fahren ein Rennen gegen die Mädchen, also wäre es sehr nett, wenn du jetzt den Weg freimachen könntest!«

Sven machte ein nachdenkliches Gesicht, dann nickte er langsam und stellte fest: »Wenn deine Frauen hören, dass du Rennen fährst, gibt das den Arsch voll!«

Lasse konnte ein Stöhnen nicht ganz unterdrücken. Peer rief hinter ihm: »Deswegen sind wir ja hier, so löst der Dicke neuerdings das Problem mit der ersten Nacht, er kommt einfach eine Nacht später!«

Lasse wandte sich seufzend an Einar. »Würdest du dem grünen Bengel unter dreißig da hinten bitte erklären, dass ich nicht dick bin, sondern kräftiger gebaut als er dürrer Spargel?«

Einar wandte sich an Peer. »Ich soll dir sagen, dass …«

Peer löste seinen Gurt, riss die Seitentür auf und sprang auf die Straße. »Ab, Lillebror, ich fahr bei dir mit, damit endlich Ruhe ist!«

Sven nickte ruhig und zog das Handy aus der Tasche. »Okay, dann ruf ich eben noch Eugen an, nicht, dass die schon alle in den Betten liegen!«

Peer gab einen Wutschrei von sich, dann packte er Sven am Kragen und zog ihn zum vorderen Van.

*

Anna schnallte sich wieder an und nickte schwach. »Okay, weiter!«

Lothar reichte ihr mitfühlend einen Kaugummi und fragte: »Bist du sicher?«

Lotta wimmerte gestresst: »Wenn wir verlieren, kann ich mir das mein Leben lang anhören!«

Anna lachte hilflos, dann zitierte sie Gandalf. »Fahr, Livecam, zeig uns, was Eile heißt!«

Lothar gab wieder Gas. Nicki winselte: »Ich kann das gar nicht hören, wie der Auspuff über den Boden schrappt!«

Lothar kannte jetzt keine Verwandten mehr. Er bog scheppernd und Funken schlagend in die Straße zum Kluntjehaus ein und schrie: »Yiiiiiehaaaa!«, wie ein Cowboy, der die Herde nach Hause bringt. Seine Kühe gackerten allerdings eher wie eine Schar Gänse, aber darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen.

Lotta reckte sich und fuchtelte aufgeregt mit dem Arm. »Da sind Scheinwerfer, das sind die Vans!«

Nicki stöhnte: »Was macht der Idiot denn! Ich hab gesagt, der soll die aufhalten, nicht lotsen!«

Anna murmelte schwach: »Ich sterbe!«

Lothar trat auf die Bremse und alle flogen nach vorne, aber Anna lachte hysterisch auf. »Nicht so! Ich meinte das andere ›Ich sterbe‹! Ich sterbe, wenn ich John sehen muss!«

Nicki tätschelte ihr von hinten tröstend die Schulter. »Jede Wette, er hat mehr Angst vor eurem Wiedersehen als du!«

Lotta flötete beruhigend: »Der Maler ist doch winzig!« und Lothar trat wieder aufs Gas. Der Van, der aus der anderen Richtung auf die Allee vor dem Kluntjehof zu rumpelte, wurde immer langsamer. Nicki flüsterte hingerissen: »Ich liebe Sven!«, als Lothar mit drei Längen Vorsprung in die Allee einbog und plötzlich alle wegen einem mörderischen Geräusch zusammenzuckten. Das Team Berlin hatte einen Auspuff verloren, aber gegen die Wikingerflotte gewonnen.

So, das war die deleted scene für heute! Mehr Festplattenreste demnächst auf diesem Bildschirm! 😀

2 Gedanken zu „Deleted Scene: Ein Rennen gegen die Wikinger

    1. Hehe, vielleicht sollte ich einen Millionär heiraten, dann hätte ich mehr Zeit für die Bücher und ihr müsstet nicht immer so lange warten! 😀

Und was ist deine Meinung?