Dreiecksgeschichten: Alternative Leseliste!

Dreiecksgeschichten: Alternative Leseliste!

Ihr Lieben, heute muss ich mal spontan aus einer Zwickmühle hüpfen! Ich sitz nämlich in einer drin und wollte diesen Artikel eigentlich gar nicht schreiben. Weil: Eigenlob stinkt. Weiß ja jeder. Eigenwerbung ist noch stinkiger, Autorenmarketing mit »Social Selling«, »Content Marketing« und »Empfehlungsmarketing« dagegen ist nicht von hinten durch die Brust ins Auge, sondern professionell. Aber heute – ungelogen – muss ich meine Angst, als marketinggeile, verzweifelte Reichweitensau dazustehen, mal »der Sache« opfern. Da ich heute noch nicht gekämmt bin und sowieso aussehe wie Che Guevara ohne Bart, passt das auch ganz gut. Also. Es geht um Dreiecksgeschichten in Büchern!

Kaffeepause bei Facebook und ich stolpere über die ewige Diskussion in Buchgruppen. Dreiecksgeschichten sind doch scheiße. Oder geil. Weil die Heldin sich traut, alles zu vögeln, was mit nichts anderem bewaffnet ist als mit einer strammen Latte. Und wir reden hier nicht von Latte macchiato. Heldinnen, die in Fantasywelten gesteckt werden, weil es Lesern des gepflegten Mainstreams total unlogisch vorkommen würde, dass eine Frau in einem realen Setting mehr als einen Mann lieben könnte, werden da heiß diskutiert. Die werden geliebt und/oder gehasst, nur realistisch sind sie nicht. Aber fasziniert sind irgendwie alle davon, weil das Thema ja auch, äh, spannend ist.

Und es gibt da im Mainstream nur zwei Möglichkeiten, zwei Heldinnen, mit denen Leserinnen sich identifizieren können. Die Schlampe und die Bitch. Die Schlampe ist einfach nur blöd, da sind sich alle einig. Wertlos, rücksichtslos, lässt sich einfach benutzen und checkt das gar nicht. Zu doof, sich zu entscheiden, total egoistisch und unreif. Mit sooo einer will sich natürlich keine Leserin identifizieren. Ich übrigens auch nicht. Die Bitch ist „cooler“, die setzt Sex zum eigenen Vorteil ein. Harrrr, die traut sich wenigstens was! Ballert da mit ihrer Superdingsda-Laserkanone alles nieder und wenn ein Sixpack sie als Beutetier ausmacht, kriegt sie weiche Knie und ein feuchtes Höschen. Tja. Wenn ich da die Wahl hätte, Schlampe oder Bitch, ich würde ins Kloster gehen. Und ich bin Atheistin.

Wieso müssen Dreiecksgeschichten eigentlich immer so scheiße sein?

Ich sag es mal so: Solche Bücher nerven mich gleich dreifach. Als Leserin, als Autorin und vor allem als Frau. Und in Diskussionen in Buchgruppen sehe ich immer wieder, dass es ganz vielen anderen Frauen auch so geht. Sie würden so gern mal was anderes lesen als diesen ausgenudelten Mainstream, weil diese platten Bücher – um mal den Paten zu zitieren – ihre Intelligenz beleidigen. Weil logisch denkende, kluge und selbstständige Frauen nämlich wissen, dass es mehr geben muss als Bücher, die von Schlampen/Bitches handeln, die gegen einen Lattenzaun rennen. Oder – das Alternativprogramm dazu: Die romantische Jungfrau, die den Arsch hinhält, weil sie den psychopathischen Milliardär mit ihrer selbstlosen Liebe heilen will. Da träumen wir doch alle von. Und er hat ja auch einen Hubschrauber, ein Loft und ein Sixpack. Wundert es da, dass frau als eindimensionales wandelndes Helfersyndrom schwach wird? Rrrrrrrrraaaa! So SIND wir echten Frauen nicht!

Solange die »klassische« Dreiecksgeschichte also davon handelt, dass »Bitchy« egoistisch und rücksichtslos ist und immer nur ihre Jungs gegeneinander ausspielt, kann ich gut verstehen, dass viele Leserinnen sagen: »Oh, nee, geh mir bloß wech mit Dreiecksgeschichten!« Und solange Bücher dieses Frauenbild auf eine seltsame Art als »cool, die traut sich was« glorifizieren, werden die Leserinnen solcher Bücher auch immer einen fiesen Konflikt mit sich selbst haben, wenn es ihnen mal passiert, dass ihre eigenen Gefühle vielleicht auch nicht immer ganz eindeutig sind. Das Image von Frauen, die nicht immer ganz monogam leben, ist eben grottig. Und gleichzeitig werden sie heimlich glühend beneidet. Schräge Sache das.

Und jetzt die Zwickmühle!

So. Jetzt sehe ich aber immer wieder diese Leserinnen, die fragen: Kennt jemand vielleicht auch mal andere Bücher? Bücher ohne Bella, Miss Steel oder Fantasy-Ficknudeln im Nahkampfkostüm? Mit Figuren, die vielschichtiger sind und mit denen man sich als ganz normale Frau auch mal identifizieren kann, ohne sich gleich für ein Stereotyp entscheiden zu müssen? Und ich sitz dann immer da und blinzel meinen Monitor an und denke: Ja, kenn ich. Darf ich aber jetzt nicht sagen. Weil ich die selber schreibe. Eigenwerbung. Und es gibt Bücher von Kolleginnen, die auch querdenken, weiterdenken, alternative Geschichten erzählen, aber wenn ich die empfehle, ist das Vetternwirtschaft. Ein Syndikat. Weiß doch jeder, dass Autorinnen „Eine Hand wäscht die andere“ betreiben.

Eigenwerbung weist nicht automatisch auf ein schlechtes Buch hin! 😀

So. Dass man als Autorin nicht offen sagen darf: „Du suchst ein Buch mit einer anderen Heldin, die mal eine andere Geschichte erlebt? Cool, ich hab eins geschrieben!“, find ich doof. Dem Herrn Zuckerzwerg das Geld für Werbung in den Rachen zu werfen oder die eigene Katze für Marketing zur Prostitution zu zwingen, ist in Ordnung. In eine Diskussion reinzugrätschen und zu sagen: „Hier, guckst du kostenlose Leseprobe, kein Risiko!“, ist unmoralisch.

Als Leserin will ich aber auch, dass die Leute zur Sache kommen. Wenn ich eine Frage stelle, will ich auch eine passende Antwort, die mir weiterhilft, ob das jetzt »Eigenwerbung« oder »Vetternwirtschaft« ist, ist mir egal, weil ich clever genug bin, dann selbst zu entscheiden, ob der Tipp mir gefällt oder eben nicht. Basta. Und weil ich euch, den Lesern, auch zutraue, dass ihr selbst entscheiden könnt, was euch gefällt, kommt jetzt hier eine Alternativ-Leseliste, die sich mit Dreiecksgeschichten befasst, mit Büchern, die nach neuen Wegen suchen, bei denen lesende Frauen sich nicht zwischen Miss Steel und Miss Rumpypumpy entscheiden müssen. Und ja, ich liste auch Bücher auf von Kolleginnen, die mich entdeckt, mir Freundschaftsanfragen geschickt und mich auch schon empfohlen haben. Ich bin sogar so kackendreist, meine eigenen Bücher aufzulisten. Weil ich finde, dass alternative Liebesromane für alternative Leserinnen gar nicht oft genug in die Kamera gehalten werden können.

Trotzdem stellt diese kleine Buchliste kein »Werturteil« dar, ich hatte selber noch gar nicht die Zeit, alle zu lesen. Ich bin ja froh, wenn ich die Zeit habe, Bücher zu schreiben! Aber manche dieser Bücher sind schwer zu finden, weil sie eben nicht Mainstream sind. Denn im Mainstream ist das Happy End da, wenn die Heldin sich für »den Richtigen« entschieden hat. Bücher, in denen die Figuren sich für das Richtige entscheiden, muss man dagegen lange suchen.

Ich hab selbst lange vergeblich »alternative Liebesromane« gesucht und diese Bücher dann oft nur entdeckt, weil sie unter meinen Büchern bei »Kunden kauften auch« aufgetaucht sind. Also ein fettes Dankeschön an die Leser, die selbst lange suchen, um Dreiecksgeschichten zu finden. Wenn ihr dem Algorithmus nicht gesagt hättet, was es sonst noch gibt, hätte Amazon mir das nie angezeigt! Und deswegen jetzt die Liste. Für alle, die auch mal die Nase über den Tellerrand stecken wollen und vergeblich nach Dreiecksgeschichtne suchen, die näher an der Realität sind.

Liste der alternativen Liebesgeschichten mit mehr als einem Partner – dafür (hoffentlich) ohne Moralkeule

»Auf die andere Art« von Phoebe Ann Miller

»Ich liebe dich und dich« von Luisa Valentin

»Dreiklang« von Holly Katz

Die »Schneemänner-Reihe« von Nora Amelie

»Zimt und Zitrone« von Ambra lo Tauro

Tja, und natürlich meine »Beziehungsstatus-Romane« und die »Polyamorie-Lesehappen«, it’s me, Sookie Hell.

Mehr über meine Bücher findet ihr auf der Startseite, meine Kolleginnen betreiben auch oft Blogs, einfach mal googeln, da sind echt tolle Autorinnen dabei, die zu entdecken sich lohnt!

So, wer also mal was anderes lesen will als »Entweder Oder«, der findet jetzt vielleicht was in der Liste. Wenn ihr selbst noch alternative Dreiecksgeschichten kennt, setzt bitte einen Link in die Kommentare, damit wir alle sie finden können und die Liste möglichst lang wird!

Und, äh, aus Erfahrung: Autorinnen, die 50 Shades kopieren, aber ihren Roman für innovativ halten, sollen bitte nicht beleidigt sein, wenn ihr Kommentar mit Link zum Buch gelöscht wird, ich kontrollier das! 😀

9 thoughts on “Dreiecksgeschichten: Alternative Leseliste!


  1. „Was willst du mir damit sagen?“
    „Ich will dir damit sagen, dass ich für mich keine Privilegien beanspruche, die die Stifter nicht vorgesehen haben. Wir alle sind, auf eine sehr angenehme Weise, eine Familie. Fast so, wie es Jelenas Familie ist. Wir sollten es akzeptieren, anstatt zu versuchen, das Unvermeidliche zu verhindern. Ich werde Jan entsprechend informieren.“
    „Müssen wir ihn nicht nach seiner Meinung fragen? Immerhin geht es um ihn. Ich schätze ihn zu sehr, als dass er das als Befehl sehen sollte.“
    Imaras Lächeln war belustigt und überlegen. Sie räkelte sich entspannt im Sessel. „Ich auch. Im Ernst, unter uns Frauen: Welcher gesunde Mann würde ein solches Angebot ausschlagen?“

    Ich möchte hiermit eine Lanze für die nicht-erotische Literatur brechen, in der ebenfalls nach gängigen Maßstäben ungewöhnliche Konstellationen vorkommen können. Wer über den Tellerrand sieht, kann natürlich herunterfallen. Aber die Aussicht ist fantastisch. 😉

    1. Ja, ich auch! Ich hoffe auch, sie wird noch größer! Ich frag morgen mal in einer Polygruppe nach weiteren Buchtipps, wer weiß, was für spannende Romane wir noch entdecken!

  2. Toller Beitrag, liebe Sookie! So eine Auflistung wollte ich auch schon länger mal machen. Dann setze ich hier mal noch einen oben drauf, einen Roman, meine ich. Oder eine Autorin – wie man’s nimmt. Und zwar Ada Mea mit ihrer Sehnsucht-Reihe. Eine Frau zwischen zwei Männern.

    Ansonsten bin ich gespannt, was hier noch so an Tipps zu lesen sein wird. Liebe Grüße, Nora

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