Kill your darlings oder: die Neuauflage der Polyamorie-Romane

Kill your darlings oder: die Neuauflage der Polyamorie-Romane

Alle schimpfen immer über Schreibblockaden. Dabei ist eine Schreibblockade so ähnlich, wie wenn man über einen Heiratsantrag wochenlang nachdenkt – ein wichtiger Hinweis! 🙂

Und diesem Hinweis musste ich nachgehen. Tja. Deswegen habt ihr euch vielleicht gewundert, wo ich gesteckt habe, aber ich brauchte ganz dringend mal einen Arbeitsurlaub vom Internet. Also, ich hab natürlich viel im Internet gearbeitet, aber ich hab mir eine sehr erholsame Pause von den ganzen Social Media Portalen genommen, die Dinger fressen mir einfach zu viel kostbare Arbeitszeit und lenken mich viel zu sehr ab.

Übrigens, für alle schreibenden Kolleginnen, die auch wahnsinnig viel Zeit und Energie in ihr FB-Marketing investieren und schon gar nicht mehr zum eigentlichen Schreiben kommen vor lauter Marketing – meine Verkaufszahlen sind mit und ohne FB irgendwie … gleich. Nur so als Dingsda, na, zum Nachdenken. Was natürlich nicht heißt, dass ihr nicht rechts in der Sidebar meine Seite liken sollt! 😀 Aber viel geiler als FB-Marketing ist …

Eine komplett überarbeitete Neuauflage!

Also, das war so. Ich hatte ja für den dritten Band der Beziehungsstatus-Romane eigentlich schon den letzten Herbst anvisiert, Weihnachtsgeschäft und so, ihr kennt das. Aber irgendwie war auch wahnsinnig viel passiert. Ich hatte so viel umwerfendes Feedback von meinen lebensklugen Leserinnen bekommen, dass mein Gehirn hyperaktiv ratterte und heiß wurde, es dampfte, sprötzelte und spuckte. Und, um meinen geschätzten Landsmann Helge zu zitieren: Ich schrob und schrob. Und es brachte alles nichts. Ich hab den dritten Band ungefähr zehnmal neu geschrieben, aber mein Gefühl sagte die ganze Zeit: Sookie, datt is alles Kokolores.

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber kreative Projekte, in denen so richtig Herzblut steckt, haben immer ein Eigenleben. Die Geschichte mit dem Klavier zum Beispiel, ja? Ich hab mal eine Weile (ja, tatsächlich in Ostfriesland) mit einem Klavier zusammen gewohnt. Und ich hatte ganz, ganz früher mal Klavier gespielt, das war schon gar nicht mehr wahr, das war noch, bevor ich als Bassistin in einer Band Schlagzeug gespielt habe, ich war jedenfalls total eingerostet. Aber der Wunsch, irgendwann wieder Klavier zu spielen, hatte mich nie ganz losgelassen. Ich steh einfach auf Tasten.

Und dann wollte ich unbedingt wieder so gut werden, dass ich Chopin spielen kann und hab so was von geübt, echt, ich hatte schon geschwollene Gelenke an den Fingern, so hab ich mich reingesteigert, und meine Hausgenossen haben mich alle gehasst, weil ich einfach nicht aufhören konnte, daneben zu greifen. Aber als ich dann endlich fertig damit war, Chopin zu üben, konnte ich Metallica spielen, als hätte ich nie was anderes gemacht. Der totale Flow.

Ja, was will uns die Künstlerin jetzt damit sagen? Ich hab keine Ahnung. Falls es jemand weiß, hinterlass mir bitte einen Kommentar. Jedenfalls wurde und wurde der dritte Band einfach nicht meiner, wenn ihr versteht, was ich sagen will. Wir hatten uns auseinandergelebt. Erst wollten wir dann noch eine Paartherapie machen, aber mal ehrlich, wir wären nur für die Leser zusammengeblieben und, nee, das bringt doch nichts. Weil, ich muss ja als Autorin auch selber wollen, nä?

Jedenfalls bekam ich Stress mit meinen Romanfiguren. John wollte nicht mehr der eindimensionale Trottel sein, der nur mit dem Schwwww … Schwaaa … Schwanenhals. Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich beim Schwager vorn. Na, der mit dem Wort denkt, dass ich nicht sagen soll. Mit dem Gemächt, jetzt ist es raus. Also, John hockte schmollend auf seiner Bauwagentreppe und wollte nicht mehr mitmachen. Anna war wütend auf mich, weil sie fand, dass ich sie viel zu abgeklärt und berechnend dargestellt hatte, so distanziert ist sie doch in echt gar nicht. Steffi wusste nicht, wie sie mir sagen sollte, dass sie gern eine ernstere Charakterrolle hätte und Sven war auf seine stille Art brummig, weil er immer nur der Telefonjoker war. Nur Eugen hat Schnittchenteller rumgereicht und versucht, zu schlichten.

Tja, und da saßen wir dann. Und dann haben meine Romanfiguren mich gefragt, was ich denn eigentlich will. Dann ging ich in mich und kam erst mal nicht mehr raus. Und dann machte es plopp. Ich will alles umschreiben, ratzekahl. Hat Tolstoi mit „Krieg und Frieden“ schließlich auch gemacht, achtmal umgeschrieben. Wahrscheinlich sollte die ursprüngliche Fassung „Napoleon und der Zar“ heißen und ein Gay Romance Heft werden oder so, und was ist es jetzt? „Krieg und Frieden“ eben. So kann das gehen im Leben.

Und dann musste ich verschämt vor meine Romanfiguren treten und sagen: Ihr habt Recht! Datt ist alles Pipifax hier, ich hab viel zu viele Kompromisse gemacht. Ich wollte in der Masse untertauchen und mal wieder everybody’s Darling sein, anstatt eine klare Position zu beziehen. Und dann hab ich mich darüber gewundert, wieso ich das Gefühl hatte, irgendwie in der Masse unterzugehen. Dabei hatte ich mir das selber ausgesucht.

Fakt war:

  • Ich glaube ganz fest an die Figuren und das Setting, die Bücher haben für mich ohne jede falsche Bescheidenscheit ein verdammt großes Potenzial.
  • Ich war viel zu bange davor, mich mit einem Reizthema wie Polyamorie ganz klar zu positionieren. Man könnte ja irgendjemandem auf den Schlips treten. Die Kettensägen-Sookie hatte Angst, zu polarisieren, höhö! Eine lustige Selbsterkenntnis.
  • Ich war noch nicht 100%tig dafür, ich war noch damit beschäftigt, dagegen zu sein. (Da fällt mir ein, ich hab neulich 50 Shades 2 geguckt, muahahahaha! Aber das Fass mach ich jetzt hier nicht auf, ich muss langsam ins Bett, schon wieder halb 5). Jedenfalls war ich noch damit beschäftigt, eine Hegelsche Antithese zu fabrizieren, aber jetzt wird es Zeit für die Synthese!
  • Meine Synthese ist: Ich bin als Autorin nicht für oder gegen Polyamorie (schließlich gibt es in den Büchern auch Figuren, die dafür sind und welche, die dagegen sind). Aber ich bin dafür, dass auf dem Buchmarkt „First Mover“ auftauchen, die das Thema auch mal in Erzählform anfassen. Ich war immer schon dafür, dass wir endlich mal mehr Vielfalt in die Literatur zaubern, Klischees aufbrechen und neue Archetypen kreieren, aber bisher hab ich drüber gejammert, dass es keiner macht! Und ich kann mich selber nicht leiden, wenn ich immer nur darüber jammer, was die anderen nicht machen, das ist so deutsch. Dagegen hilft nur: Selber machen und das dann auch noch klar kommunizieren!

So, und deswegen gibt es jetzt:

  • Die komplett überarbeitete Neuauflage
  • Neue Cover, nach der Marketingregel: Der Angler muss dem Wurm schmecken! Oder so. Ich les das noch mal nach.
  • Ein neues Format. Kurz und knackig, eben Lesehappen für mobile Geräte. Lesegewohnheiten ändern sich, aber Schreibgewohnheiten auch. Ich hab einen viel geileren Arbeitsflow, wenn ich mir nicht abverlange zu schreiben wie vor zwanzig Jahren.
  • Einen neuen Titel für die Reihe, der ganz klar kommuniziert, was Sache ist!
  • Einen Blog, der dazu passt!

So, was davon ist jetzt schon passiert? Alles. Und was ist noch passiert? Meine Kinnlade ist runtergefallen. Irgendwann heute Nachmittag sind die neuen Bände in Amazonien aufgetaucht, mein Distributor hatte mir noch nicht mal die Mail geschickt, dass die eBooks jetzt langsam ausgeliefert werden, da kletterte der erste und dauerhaft kostenlose Band im neuen Style schon in die Top 100, jetzt gerade dümpelt er auf Platz 24 durch seine erste Nacht, ich bin total geflasht. Jetzt muss das nur noch mit den Bänden für Geld so weitergehen! 😀 Aber was hab ich mich auf den Kopf gestellt und mit den Füßen gewackelt, um den vergleichbar dicken Band für Noppes aus der alten Reihe mal in den Top 1000 zu sehen! Unfassbar, oder? Was Cover und Klappentext ausmachen! Und diesmal hab ich mit der Werbung ja noch gar nicht angefangen! Sehr schräg, das Ganze.

Parallel dazu dachte ich mir so, hmmm, ja, es wird höchste Zeit, mal wieder den Werkzeuggürtel umzuschnallen und Frühjahrsputz im Blog zu machen, frischer Anstrich und so, und ich hab immer schon davon geträumt, eine Startseite zu haben, die eine Story erzählt und so ein gewisses Wohlfühldings erzeugt. Und wenn Sie jetzt hier eben schauen wollen, äh, Moment, klick: Guckt euch diese Startseite an! Ich platze vor Stolz und könnte niederknien vor den Leuten, die das WordPress Theme Twenty Seventeen gebaut haben. Ich bin nämlich in solchen Sachen jedem Schimpansen unterlegen, aber daran hab ich gerade mal einen Nachmittag gebastelt, und dabei nicht einmal vor Verzweiflung geheult! Boar, einfach nur geil! Der Video-Header macht mich fertig! Aber erschreckt euch nicht, wenn Johns Hand ins Bild kommt! Ich erschreck mich jedes mal.

Ja, und während ich darauf wartete, dass die eBooks ausgeliefert werden und die Suchmaschinen merken, dass ich den Blog neu ausgerichtet habe, dachte ich so, ich mach mal wieder mein Streberprogramm und guck Lernvideos über SEO und das ganze Gedöns, damit mein Blögchen auch langsam mal auffindbar wird. Und dann hab ich einfach mal spontan „Polyamorie Romane“ gegoogelt und bin vor Lachen fast gestorben.

Mein Blog auf Platz 3 bei Google! *umkipp*

Direkt hinter den Riesen Amazon und Lovelybooks, ohne Witz, ich hab keine Ahnung, wie ich das gemacht habe! Ist ja auch egal. Jedenfalls kann ich nur sagen: Mut zur Nische lohnt sich tatsächlich! Und was wolltet ihr immer schon mal klarer kommunizieren?

Und was ist deine Meinung?