Umsonst, nicht vergebens!

Wieso stehen die Teile für Noppes im Netz? Ist die schrullige Tante Sookie so verzweifelt oder was?

Natürlich bin ich verzweifelt! Hallooo? Ich lebe im 21. Jahrhundert! Forschung und Wissenschaft weichen gerade der Flat Earth Theory, die Aufklärung wurde von der Blasenbildung verdrängt und der Feminismus von glitzernden Vampiren und Milliardären mit Peitsche! WIE KÖNNTE ICH NICHT VERZWEIFELT SEIN?!?!?!? +kreisch+

Räusper … öh, hab’s im Griff, geht wieder, danke. Ich trink eben einen Schluck Tee, Moment. So. Also, was ich eigentlich sagen wollte! (Ich schwoff schon wieder ab, nä? Ganz blöde Angewohnheit!) Ich hab die Beziehungsstatus-Romane geschrieben, damit sie gelesen werden. Als ich noch jung und knusprig war, hätte ich nämlich selbst ganz dringend Bücher brauchen können, die ich verschlingen kann wie warmen Vanillepudding, in denen aber trotzdem steht, dass mein Lebensstil nicht „Schlampe“ heißt, sondern „Polyamorie“. Das hätte mir mächtig gut getan und vieles erleichtert. Und ich dachte, damit Menschen in einer ähnlichen Lage meine Bücher finden können, müsste ich eine seriöööse Autorin sein.

Autorin oder Schriftstellerin?

Also hab ich natürlich voll streberhaft alles gelesen, was man für Autorenmarketing so wissen muss. Und ich wollte mir echt Mühe geben, ungelogen! Aber als Autorin musst du eine Facebook-Seite für deine Katze anlegen (ich hab gar keine Katze), ständig Selfies posten (ich hab noch nicht mal ein Handy! Und meine verknautschte Murmel will sowieso keiner sehen!) und dann muss man auch auf Buchmessen fahren und beim KüreKüli (Küsschen rechts, Küsschen links) mit wildfremden Leuten noch mehr Selfies machen.

Jetzt hab ich aber das Problem, dass ich eine introvertierte Eremitin bin, die diesen ganzen digitalen Kram und zu viele Menschen furchtbar stressig findet. Und dann ist da noch das „Wie man’s macht, man macht’s verkehrt“-Paradoxon. Allein die Preisdiskussionen unter Autoren, boar, glaubse … +augenroll+ Wenn du deine Bücher teuer machst, wirst du gefragt, woher du die Frechheit holst. Wenn du sie billig machst, wird die vorgeworfen, dass du die Preise verdirbst und du wirst gefragt, ob du keine Autorenehre hast. Wenn du Leseproben verschenkst, wirst du gefragt, wieso du deine Bücher verschenkst. Wenn du nichts verschenkst, wirst du gefragt, wieso du nichts verschenkst, das macht man doch heute so! Jedenfalls eckst du sowieso an, egal, was du machst. Ich hab eine Weile gebraucht, aber irgendwann hab ich dann doch festgestellt, dass dieses ganze Gedöns von außen gar nicht meins ist.

Schriftsteller arbeiten vielleicht umsonst, aber nie vergebens!

Also hab ich beschlossen, das Dasein als Autorin in die Tonne zu kloppen und wieder das zu werden, was ich immer schon war. Schriftstellerin. Als Schriftstellerin kannst du total beladen mit Sendung und ungekämmten Haaren in der Morgensonne Kaffee schlürfen. Du kannst bedeutungsschwanger seufzen und dir selbst Witze erzählen, die du noch gar nicht kanntest. Du brauchst keine Katze. Du kannst fabulieren, was du möchtest, ohne dir um den Buchmarkt Gedanken zu machen.

Vor allem kannst du deine Geschichten jedem schenken, der sie gerade brauchen kann. Ohne dir wie eine Marketing-Bratzbirne mit angetackertem Grinsen vorzukommen, die Mehrwert kommuniziert und sich als Expertin positioniert. Du musst dir auch nicht die Fingernägel abkauen, weil jemand Raubkopien ins Netz stellen könnte, wenn du dein Lebenswerk einfach bloggst.

Mal ganz abgesehen davon bin ich absoluter Fan des freien Internets und könnte meine Arbeit gar nicht machen, wenn es nicht so viele freie Programme und Informationen gäbe. Mit den Romanen als Social Storytelling geb ich was zurück, um mich für all das zu bedanken. Für mich fühlt sich das an wie ein universeller Ausglech und das find ich auf eine total unspirituelle Weise sehr schön. Und deswegen soll jeder, der Spaß daran hat und sogar für sich Erkenntnisse daraus ziehen kann, meine Bücher lesen können. Egal, ob er Kohle für die Gesamtausgabe hat oder nicht. Und wer mir einen Ausgleich geben will, kann sich ja immer noch ein eBook für Geld runterladen.