Kaffeepause im Blog: Heute sch(l)ürfe ich bei Larissa Schwarz

Kaffeepause im Blog: Heute sch(l)ürfe ich bei Larissa Schwarz

Hach, schon wieder eine Kaffeepause in einem Blog, da könnte ja der Eindruck entstehen, dass die tippende Teetasse viel zu viel Zeit hat, höhö, und zu viel Kaffee trinkt, aber um die tippende Teetasse geht es heute, die ist nämlich gerade gerührt, nicht geschüttelt. Meine Kollegin Larissa Schwarz (aside: Liebe Larissa, wenn ich dich im Folgenden volle Ölle förmlich mit vollem  Namen anrede, dient das allein der Suchmaschinenoptimierung, du bist nämlich heute das Keyword, yeay! 😀 ) … wo war ich jetzt? Ach so! Larissa Schwarz hat sich also über Marketing Gedanken gemacht und mich da als Beispiiiiel herangezogen, ja? Mich! Als Beispiel für was? Für die unsichtbare Autorin! 😀

Was schreibt Larissa Schwarz über Sookie Hell?

Ja, das wollt ihr jetzt wissen, nä? Den gesamten Artikel findet ihr natürlich hier, den leg ich euch auch wärmsten ans Herz, aber für die Usability kopiere ich mal kurz die Zitate, auf die ich antworten will.

„Elena Ferrante und Walter Moers halten das seit Jahren so, sie wollen gelesen werden, nicht gesehen. Auch Sookie Hell lässt lieber Protagonisten und Bücher sprechen, es macht also keinen Unterschied, ob man Selfpublisher oder Verlagsautor ist – die Akzeptanz bei Lesern kann auch ohne persönlichen Bezug funktionieren.“

So. Ja. Hmhmhm. Mein Gott, ja, Walter Moers. Ich hab mir früher die Comics gekauft, da gab es Käpt’n Blaubär noch gar nicht. Und ehrlich gesagt hat mich nie interessiert, wie der Typ aussieht, ich weiß das bis heute nicht, aber ich fand die Comics witzig. Und deswegen sehe ich die Sache mit dem persönlichen Bezug zum Leser auch vollkommen anders als Larissa Schwarz.

Ich verwurste in meinen Büchern gnadenlos ein ganzes Leben als „beziehungsunfähige“ (ihr lacht, aber so hieß Polyamorie in den wilden Neunzigern) freischaffende Kreative mit Hochbeknacktenproblematik – mehr persönlicher Bezug geht aus meiner Sicht nicht. Und umgekehrt empfinde ich die Beziehung zu meinen Lesern auch als sehr persönlich. Was ihr mir in Rezensionen, PNs und Kommentaren über eure Leben erzählt, finde ich oft unglaublich offen und mutig, ich liebe meine Leser.

Aber auf die Idee, dass bei unserem so persönlichen Thema wie Polyamorie meine zerknautsche Fresse für irgendjemanden interessant sein könnte, bin ich ehrlich gesagt nie gekommen. Erstens geht für mich heilige Privatsphäre vor Marketing, zweitens hab ich gar nicht die Zeit und noch nicht mal ein Handy, um irgendwelche Selfies zu posten. Wenn ich so hübsch und knusprig  wäre, wie Larissa Schwarz, würde ich mir das vielleicht auch überlegen 😀 , aber, neeee, dann müsste ich immer noch rausfinden, wie man ein Smartphone bedient! Da es für mich aber überhaupt nichts mit persönlichem Bezug zu tun hat, ist es mir einfach wumpe, ick find meine Pixabay-Teetasse ooch chic, wa?

Rückzug von Facebook – Marketing-Selbstmord oder nicht?

So, weider geht datt! Larissa Schwarz schreibt: „Sookie Hell, die ich gerade bereits erwähnte, schreibt humorvolle Romane über Polyamorie. Eine absolute Nische. Ihr freche, aber hochintelligente, Art erlaubt ihr inzwischen sogar den fast vollständigen Rückzug von Facebook auf den eigenen Blog. Sie ist dennoch breiter aufgestellt als die meisten von uns, tummelt sich in Internetforen zum Thema, macht mal subtil, mal mit der Kettensäge Werbung für ihre Bücher und es läuft.“

Das schmeichelt mir rasant und ich geb zu, ich hab für einen Moment mit einem satten Grinsen die Reiswaffelkrümel von meinem Lätzchen gewischt und mir dabei den Bauch gepinselt. Aber! Liebes Keyword, liebste Larissa Schwarz, hihi, SEO ist doch scheiße, oder? Äh … ja. Hase! Nichts anderes erlaubt mir den Rückzug von Facebook als ich selbst. Und ich merke auch an den Verkaufszahlen, wann es mal wieder Zeit wird, einen Buchtrailer durch das blaue Dorf zu treiben. Aber ich hab da auch einen völlig anderen Background als andere Autoren. Ich war schon in der Bloggerszene aktiv, als man noch bei „Blogspot“ glaub ich hieß das, bloggte und wer SEO betrieb, musste damals für Tante Google noch so Hampeleien veranstalten wie „weiße Ledersessel online kaufen“ zehnmal in dreihundert Wörtern unterzubringen.

Also haben wir es gelassen. Das war uns zu doof. Heute ist Blogmarketing allerdings eine richtig spannende Wissenschaft, für die ich gern mehr Zeit hätte, aber ich komme eben noch aus der Garagenpunk-Ecke des Internets, wo wir uns an die Stirn getippt haben beim Gedanken, diesem Datensammler Zuckerzwerg unseren Content zu geben, damit der damit ein Imperium aufbaut. Über Aufstieg und Fall dieses Imperiums hab ich neulich übrigens einen spannenden Artikel entdeckt, die Sache mit dem kenternden Schiff nimmt also Fahrt auf. Heute finden Leute es ganz normal, dass Google weiß, in welchem Geschäft sie gerade rumstehen und dass man am Handy sehen kann, in welcher Wohnung der Partner sich gerade befindet. Ey, halloooo? Leute schneidet euch eine Scheibe von den Polys ab, dann müsst ihr auch nicht schnüffeln, dann erzählt der Hase das ganz von alleine! 😀

Ganz ehrlich gesagt ist mir Facebook einfach zu stressig

Jedenfalls hat meine Einschränkung der Facebookaktivitäten absolut keinen Marketinghintergrund, auch wenn ich es extrem witzig finde, dass von außen der Eindruck entstehen kann, ich hätte das nicht mehr nötig. Für mich ist das, wenn überhaupt, eher eine politische Entscheidung. Herr Zuckerzwerg und ich sind ja nach der Trennung auch befreundet geblieben, aber ich zieh mich schlichtweg raus, weil mir FB viel zu hektisch ist und mir Zeit wegfrisst, die ich zum Schreiben brauche.  Meine Leser hätten also die Wahl: Neues Buch oder die gleiche Anzahl an Worten in Facebook-Posts und ich bilde mir ein, dass wir da alle ein neues Buch vorziehen! 😀

Ich bewundere immer, wie andere AutorInnen das schaffen, ständig auf Social Media Präsenz zu zeigen und trotzdem noch ein Buch fertig zu kriegen. Ich komm da einfach tierisch aus dem Takt. Facebook geht für mich nur Bam-Bam-Bam, Schreiben ist das gemächliche Murmeln einer Quelle. Wenn Facebook mich ständig anschreit, höre ich das Murmeln nicht. Wie der Eindruck entsteht, dass ich breiter aufgestellt bin als andere ist mir daher ein absolutes Rätsel. Manchmal bin ich online in Polygruppen aktiv, weil es einfach wahnsinnig entspannend ist, mit Leuten zu reden, denen man nichts erklären muss, weil sie eine ähnliche Kommunikationskultur und einen ähnlichen Background haben, das ist pures Freizeitvergnügen und auch extrem hilfreich für alle Lebenslagen rund um polyamores Leben.

Bleibt also die Frage nach Marketing und Authentizität

Hm, ja. Meine Buchtrailer-Runden kennt ihr ja, dann seid ihr genervt. 😀 Ansonsten hab ich Autorenmarketing irgendwie komplett aufgegeben, weil das der einzige Weg ist, der sich für mich authentisch anfühlt. Ich bin eben Sookie, ich war immer schon eine schrullige Einzelgängerin, die nichts lieber tut, als still zu beobachten, zu knabbern und zu sortieren. Wenn ich was sage, hab ich auch ein Mitteilungsbedürfnis, weil ich was witzig finde oder klug oder weil es mich begeistert oder ärgert. Meine einzige Marketing-Strategie ist wohl, keine Strategie zu haben. Wenn ich da bin, bin ich da, wenn nicht, stirbt da ja keiner dran, im Internet gibt es genug anderes zu gucken.

Also, liebe Larissa Schwarz und alle anderen, die sich über Marketing so den Kopf zerbrechen: Wenn ihr mich fragt – total überbewertet. Ich glaub, wer ein Buch lesen will, weil ihn das Thema interessiert, der macht das unabhängig davon, wie der Autor aussieht. Oder davon, was er zum Mittagessen hatte und wie seine Katze heißt. Nehmt ein bisschen Druck raus, Mädels, und schlaft euch mal aus, ohne zu grübeln, was ihr posten müsst, um euch so und so zu positionieren.

Ich gehe mal schwer davon aus, dass eure Leser euch auch mögen, wenn ihr sie nicht jeden Tag bespaßt. Leser verstehen nämlich, dass wir Autoren auch Rückzug und Stille brauchen, um komplexe Welten entstehen zu lassen. Für mein Empfinden wird nicht nur das Marketing überschätzt, sondern Leser werden in diesem ganzen Marketing-Hype auch unterschätzt. Als ob die nicht clever genug wären, ihren Lieblingsautoren treu zu bleiben. Lasst euch sehen, wenn ihr was geschrieben habt oder wenn ihr was zu sagen habt. Aber macht euch doch nicht immer so einen Druck. Ist nur Marketing! Tasse Tee?

 

2 thoughts on “Kaffeepause im Blog: Heute sch(l)ürfe ich bei Larissa Schwarz

  1. Liebe Sookie,

    erhellt wandere ich nun durch das nicht mehr ganz so nachtigallersche Dunkel – du bist und bleibst einfach einzigartig.
    Grüß mir den Kater und komm demnächst gern wieder mit der Kettensäge rum.
    kluntjeschmeiß
    ❤️
    Larissa

    1. Wir sind alle einzigartig! Das macht es ja gerade so schade, wenn alle weichgespültes Autorenmarketing praktizieren, weil wir an jeder Ecke hören, wie wir es zu machen haben. Deswegen gibt das auch so viele nackte Milliardäre! Aber dir als Autorin von Männern mit Köpfen muss ich die Mainstream-Misere ja nicht erklären! 😀

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