Beziehungsstatus Romane Leseprobe

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Ihr Lieben! Eine hektische Werbewoche bei Facebook geht dem Ende zu und was hat es gebracht? Verdammt viel Arbeit, tierischen Zeitaufwand und ein bisschen Spaß, aber den hatte ich mit den Leuten, mit denen ich da sowieso abhänge.

Für den Blog hat es nüscht jebracht und mit den Buchverkäufen bin ich deshalb zufrieden, weil ich denselben Anstieg hatte, den ich immer habe, wenn ich etwas Neues veröffentliche (in diesem Fall die Neuauflage mit neuen Covern und Klappentexten), aber ich glaub nicht, dass ich auch nur einen Leser gewonnen habe, weil ich auf FB den Hampelmann gemacht und wie wild gepostet habe! Eher, weil die kostenlose Leseprobe jetzt wieder seit einer Woche in der Top 100 bei zeitgenössischer Literatur für Noppes rumhängt. Oder? Ist hier jemand, der über FB auf meine Bücher aufmerksam geworden ist? 😀

Mein Fazit ist also dasselbe, wie immer, wenn Facebook und ich es miteinander versuchen: Die Zeit hätte ich besser gleich in das nächste Projekt gesteckt. Ob ich wie bekloppt auf FB rumhample oder da monatelang nichts poste, die Verkaufszahlen bleiben konstant. Jeder Blogartikel bringt meinen Büchern mehr Aufmerksamkeit als das und in den Rezensionen steht oft „Ich bin über ihren Blog auf die Autorin aufmerksam geworden“ oder so was, da stand aber noch nie: Über Facebook! 😀

Autorenmarketing auf Facebook? Hihi!

Also, was lernt Sookie daraus? Gott sei Dank, ich kann wieder konzentriert an meinen Manuskripten arbeiten und ernsthaft satirisch die Kettensäge schwingen und muss mich nicht schämen, weil ich mich vor Facebook drücke! 😀 Ach so, und Litbaits funktionieren vielleicht in Amerika, hier nicht! 😀 Mir ist völlig schleierhaft, wie die damit einen 14.000 fachen Anstieg an Traffic generieren konnten, ich hatte einen 14.000 fachen Abstieg! Fucking fuck happens!

So, zum Ausstieg aus der Werbewoche und passend zum oben stehenden Video gibt es jetzt als heutigen Romanauszug noch ein „Flying Kluntje Video“ aus Band 2 der Beziehungsstatus-Reihe „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“, also nichts aus der kostenlosen Leseprobe.

Wir schmeißen uns also zusammen mit John in New York aufs Bett und sehen uns ein Video aus der ostfriesischen Heimat an. Weil es sich aber zweifelsfrei hier um einen Spoiler handelt (coool, ich fühl mich gerade, als wäre ich Game of Thrones!), bastel ich jetzt eben noch dieses Milchglasfenster, das ihr dann mit einem Klick auf „Teilen“ beseitigen könnt, falls ihr neugierig seid und euch überhaupt spoilern lassen wollt. Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, weil ich euch zwinge, euren Freunden zu sagen, dass ihr hier wart! 😀

P.S. Ich stelle gerade fest, das Milchglas-Plugin funktioniert mal wieder nicht und ich muss es rauswerfen, ja, das ist alles live hier, meine Damen und Herren! Haltet euch also einfach beim Lesen die Augen zu, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt und teilt wie gewohnt! Ich liebe euch! 😀

Auszug aus „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“

 

John seufzte tief, dann startete er das Video. Nach einem kurzen Intro mit einem harten Gitarrenriff tauchte Anna im Bild auf und es sah aus, als würde sie in einer Zoohandlung stehen, die sich bei näherem Hinsehen als eine Garage voller Terrarien entpuppte. Neben ihr stand ein ellenlanger pickeliger Jüngling mit knallrotem Kopf. John fragte sich, wo sie den Nerd ausgegraben haben und stöhnte mitfühlend: »Armer Junge!«
Anna beugte sich in die Kamera und flüsterte: »Livecam und ich haben heute die angekündigte Abonnenten Überfall Battle Tour gestartet und sind gerade bei einem unserer Follower der ersten Stunde zu Gast, und zwar in der ostfriesischen Hafenstadt mit einem Buchstaben: M. Das sagen die hier jedenfalls so, im Kreuzworträtsel heißt das aber Emden, nicht, dass es hinterher heißt, ich hätte euch was Falsches gesagt. Jetzt habt ihr wieder was über Land und Leute gelernt! So, neben mir steht jetzt Tjark, der Schrecken der ostfriesischen Schildkrötenzüchter-Szene! Tjark, bevor ich einen Laberflash kriege und du nicht mehr zu Wort kommst, willst du jemanden grüßen?«
Anna hielt dem verschreckten Bengel das Mikro vors Gesicht und half ihm beim Stottern weiter. »Irgendein Mädchen?«
Tjark lief nur noch dunkler rot an. Anna half nach. »Komm schon, der erste Mädchenname, der dir einfällt! Irgendwas müssen die doch morgen in der Schule zu reden haben!«
Wie aus der Pistole geschossen sagte Tjark: »Die Saskia!«
Anna ging in die Knie und seufzte gerührt, dann fragte sie verschwörerisch: »Die Saskia ist süß, oder?«
Tjark nahm etwas in die Hand, das aussah wie ein Miniaturfelsen, und murmelte: »Geht so!«
Anna seufzte verträumt. »Der Livecam-Lothar war auch mal verliebt! Erinnerst du dich, Bärchen, wie du mal verliebt warst?«
Die Kamera schwankte. Lothar kam ins Bild, rollte dramatisch mit den Augen und verschwand wieder. Anna hielt Tjark wieder das Mikro hin. »Ich hab neulich gelesen, dass Bill Gates nur deshalb Bill Gates ist, weil er schon zehntausend Stunden lang Bill Gates war, bevor er Bill Gates wurde. Würdest du sagen, dass du so eine Art Bill Gates der Schildkrötenzüchter bist?«
Tjark sah nur völlig überfordert in die Kamera. Anna gab Lothar einen Wink und die Kamera schwenkte auf die Wände voller Terrarien. Annas Stimme aus dem Off: »Und das hier ist jetzt die Chef-Schnappschildkröte, von der du uns erzählt hast?«
Tjark bestätigte: »Das ist Tyrion.«
Anna fragte begierig: »Tyrion Lannister? Stehst du auf Game of Thrones?«
Tjark kam wieder schwankend ins Bild und nickte. Anna fragte: »Buch oder Serie?«
Tjarks Gesicht leuchtete auf. »Beides!«
Anna ging wieder seufzend in die Knie. »Ich bin auch voll süchtig! Ich zieh mir die Folgen immer sofort im Original rein, damit ich nicht auf die Synchronfassung warten muss. Für welches Haus spielst du?«
John fragte sich, wovon die reden, aber Tjark blühte voll auf. »Targaryen, auf jeden Fall!«
Anna nickte eifrig. »Du stehst auf die Mutter der Drachen, das hab ich schon zu Lothar gesagt, bevor wir dich überhaupt kannten!«
Tjark lachte tatsächlich auf. Anna nickte wieder. »Nee, ernsthaft, bevor wir losgefahren sind, hab ich zu Lothar gesagt: Pass auf, der Vater der Schildkröten steht auf die Mutter der Drachen, jede Wette! Wenn die anfängt, ihre Titel aufzuzählen, weiß ich immer, dass ich jetzt Zeit hab, mir Schokolade zu holen. Aber müsstest du als Nordlicht nicht eigentlich dem Haus Stark verpflichtet sein?«
Tjark lachte. »Du stehst auf Jon Snow!«
Anna beugte sich in die Kamera und raunte: »You know nothing, John O … oh, mein Gott, jetzt hab ich den Namen vergessen. Jon Dings!«
John zog verwirrt die Stirn kraus und versuchte, den Sinn der geheimen Botschaft zu entschlüsseln, er musste das unbedingt googeln. Lothar hüstelte im Hintergrund aufdringlich und fragte »Schildkröten?«
Anna winkte ab. »Jetzt mach mal keinen Stress hier, Bärchen, die Erwachsenen unterhalten sich gerade!« Sie wandte sich wieder an Tjark. »Soll ich dir verraten, auf wen ich voll abgehe? Daario Naharis, also der zweite, den Darsteller haben die ja ausgetauscht! Den ersten fand ich voll ätzend und dann: Kawämm! Kommt da dieser Holländer, ich bin zerbröselt! Ich war schon tausend mal in Holland, aber so einen schönen Mann hab ich da noch nie gesehen! Und weißt du was? Ich kenne zwei Männer, wenn man die mischen und einen draus machen würde, dann wäre das Daario Naharis, irre, oder?«
John hustete verwirrt. Googeln, er musste das googeln! Anna fragte den Bill Gates der Schildkröten: »Du als Züchter, was rätst du mir? Kann man da was machen?«
Ein schwarzer Bildhintergrund, das krachende Geräusch eines Autounfalls und Anna kam mit einer Kuhweide im Hintergrund und wild im Wind wehenden Haaren wieder ins Bild. »Ich weiß, das ist total affig, aber Lothar besteht darauf, dass ich eine Erklärung abgebe. Ich mache keine Genversuche mit Männern! Ich hab auch kein Labor im Keller, wo ich schöne Männer zusammenschraube! Ich weiß, ihr seid jetzt enttäuscht, aber sorry, Mädels, Tante Anna kann keine Hybridmodelle zaubern! Und jetzt zurück zu …«, ein harter Schnitt und Anna stand wieder neben Tjark. »Züchtest du eigentlich nur Schnaps-Schildkröten oder auch Likörschildkröten?«
Tjark sah wieder völlig überfordert in die Kamera. Anna machte einen Satz auf ein anderes Terrarium zu. »Und was ist der Frosch hier für eine Schildkröte?«
Tjark schien glücklich, dass er sich an Fakten klammern konnte. John seufzte mitfühlend. Manche Menschen waren den Verhörtechniken der Elfe eben hilflos ausgeliefert. »Eine Rotbauchunke.«
»Und was macht die?«
Tjark zeigte auf eine Stelle an der Scheibe des Terrariums und erklärte: »Die ist hier rot und zeigt als Drohgebärde ihren Bauch.«
Anna flüsterte in die Kamera: »Ist das nicht eher eine Unterwerfungsgeste, wenn man seinen Bauch zeigt? Also, wenn ich rot werde und meinen Bauch zeige, ist das kein Angriff!«
John lachte verwirrt auf und flüsterte verliebt: »Verdammtes Luder!«
Lothar prustete los. Anna hielt die ausgestreckte Hand vor die Kamera und kippte hilflos lachend nach vorne. »Cut! Schnappatmung!«
Für ein paar Sekunden sah man nur einen schwarzen Bildschirm, hörte Anna und Lothar aber so überdreht lachen, dass man einfach mitlachen musste.
Lothars gnadenlose Stimme: »Yeah, Baby, unterwirf dich!«, und dann Annas atemloses Japsen: »Livecam, jetzt halt doch mal die Klappe!«
John dachte wehmütig an die Nachmittage an der Teetafel und die Abende in der Upkammer, an denen er wie ein schweigsamer Schatten dabeigesessen hatte, wenn seine Mitbewohner so brillant und vollkommen sinnfrei Tränen gelacht hatten über den letzten Unsinn.
Anna tauchte wieder auf, wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht und fragte: »Weiß die Unke denn, ob sie ein Männchen oder Weibchen ist?«
Tjark nickte ernst. »Die Männchen haben dunkle Brunstschwielen am Unterarm.«
Annas Gesicht war unbezahlbar. »Dunkle Brunstschwielen.«
»In der Paarungszeit«, stotterte der verlegene Züchter.
Anna sprach jetzt mit der Kamera. »Liebe Abonnentinnen, ich denke, wir sind uns einig, dass … äh, also, ohne Witz, ich steh unglaublich auf Männer mit Unterarmen, ja? Ich kenne da einen, der hat Unterarme, die …«, mit verdrehten Augen ging sie sinnlich in die Knie und fuhr fort. »Ist ja auch egal! Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, ich zieh die guten Pumps an, geh schön lecker abtanzen und dann tanzt mich da einer an, der hat dunkle Brunstschwielen an den Unterarmen …«, sie wandte sich wieder an Tjark. »Ist das für die Weibchen denn schmeichelhaft, wenn die Männchen Brunstschwielen haben oder sind die dann eher genervt?«
Tjark musste lachen. »Ich weiß nicht, ich hab noch keine gefragt!«
Anna neigte nachdenklich den Kopf. »Also, das Wort Brunstschwielen an sich ist ja jetzt nicht so sexy. Wenn ich mir vorstelle, zu mir sagt einer: ›Yeah, come on, rock me, Baby, ich hab voll die Brunstschwiele!‹, dann wäre ich zugegebenermaßen irritiert. Da fällt mir ein, kennst du ein Land, das sich auf Brunstschwiele reimt? Lothar und ich dichten gerade einen Song und brauchen Reime!«
Tjark fragte hilfsbereit: »Wovon handelt der Song denn?«
Anna erklärte: »Es gibt da einen Liedermacher, der heißt Ingo Insterburg und hat in den Siebzigern einen genialen Song gemacht, der hieß ›Ich liebte ein Mädchen‹, musst du mal googeln. Und so was wollten wir auch machen, nur auf neu. Wir dachten an ›Das Lied der digitalen Nomadin‹. Aber nicht so balladenmäßig, sondern eher so in Richtung Trash Metal, der Livecam will mal richtig die Sau rauslassen! Der muss ja auch die Perücke auftragen, damit sich die Anschaffung gelohnt hat!«
Lothar murrte hinter der Kamera: »Ich? Wieso ich? Ich dachte, du singst!«
Anna prustete plötzlich los, dann sang sie: »Ich liebte einen Mann in Chile, der hatte eine Brunstschwiele! Schreib das auf, Livecam! Oh, ich hab noch einen, warte! Ich liebte einen Ostfriesen, der stammte ab von Riesen! Das wird Keno gefallen! Bärchen, hast du schon Brunstschwielen? Zeig mal deine Arme!«
Zögerlich zeigte Lothar seinen Arm und hielt dabei verkrampft seinen langen Ärmel fest. Ein harter Schnitt, dann kam die endlose ostfriesische Landstraße zwischen Kuhweiden durch die Windschutzscheibe ins Bild, im Hintergrund plätscherten durch das Rauschen im fahrenden Auto Annas und Lothars Stimmen. Anna prustete schon wieder los. »Ich liebte einen Mann in Uruguay, der hatte nie ein Kondom dabei!«
Lothar krähte: »Ich liebte einen Mann in Mosambik, der hatte Eier in Aspik!«
Man hörte ein Klatschen, Lothars empörtes »Aua!«, und dann Annas Tadel. »Das ist voll rassistisch! Da, fahr mal rechts ran!«
Schwarzer Bildschirm, das Flackern einer Leuchtstoffröhre und dann Anna in einem Zeitschriftenladen. Lothar streckte den Arm aus, an den sie mit irgendetwas klebrigem dunkle Beulen geklebt hatten, und verfolgte Anna mit der wackelnden Kamera. Anna streckte sich an einem Regal und fragte hilfsbereit in die Kamera: »Guck mal, Livecam, die Pornos sind ganz oben! Soll ich dir einen runter holen?«
Eine Teetasse von oben, in die im hohen Bogen ein Kluntje geworfen wurde, und dann ein dicker roter Stempel, der aufs Bild klatschte. »Flying Kluntje WG. Autsch now!«
Schwarzer Hintergrund und Annas melancholischer Singsang: »Ich liebte einen Mann aus Irland, der nie den Weg nach Hause fand …«
John keuchte verwirrt und richtete sich hektisch wieder auf. Er bekam das übersprudelnde heisere Elfenlachen einfach nicht aus dem Ohr. Wie konnte sie so unfassbar zauberhaft, witzig und brillant sein? Er scrollte an dem Video herunter und spürte, wie sein Herz kurz aussetzte. Das Video hatte schon über 15.000 Aufrufe und weit über 100 Kommentare. Nach dem dritten »Anna, ich will ein Kind von dir!«-Kommentar, den er las, klappte John den Laptop zu und starrte wie unter Schock an die Decke. Scheiß auf Sonja, die Scheidung musste warten.

Und was ist deine Meinung?