Ostfriesland LitBait Sookie Hell

Familiendrama in Ostfriesland!

Herzlichen Glückwunsch, du bist auf einen LitBait gestoßen und hast Literatur gefunden!

Heute gibt es Kapitel 1 aus „Beziehungsstatus 1: Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“ Hol dir eine Tasse Tee und genieß die Pause!

 

Wir beginnen mit einer Beerdigung, bei der Eugen fast seine Mutter mit einer Nussecke erschießt

Obwohl Eugen lange darauf gewartet hatte, Tante Gesa zu beerben, fühlte er sich jetzt, an ihrem Grab, nicht besonders wohl.

Er hatte seinen schwarzen Anzug seit der Hochzeit seiner Cousine nicht mehr getragen, und die war inzwischen schon wieder geschieden. Irgendwie waren die Ärmel viel zu knapp und kniffen ihm unter seinem verschossenen Wintermantel ständig in die Achselhöhlen.

Eugen zupfte sich verstohlen am würgenden Kragen und versuchte, sich auf die getragenen Worte des Pastors zu konzentrieren. Aber sein Blick und seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Er würde sowieso noch einmal herkommen und sich in Ruhe von Gesa verabschieden, wenn der ganze Rummel vorbei war.

Die Gruppe der Trauernden, die sich hier auf dem penibel gepflegten Friedhof der kleinen ostfriesischen Stadt Esens versammelt hatte, war beachtlich. Für einen Moment fragte Eugen sich, wie viele Besucher zu seiner eigenen Beerdigung kommen würden, aber außer Mama fiel ihm nicht wirklich jemand ein. Vielleicht sein Meister und die niedliche kleine Aushilfe vom Kiosk – Papa hätte wahrscheinlich Rückenschmerzen oder das Wetter wäre ihm zu feucht.

Die verhärmten Gesichter von Tante Gesas Freundinnen aus dem Landfrauenverein waren hart und bitter. Man hätte unmöglich sagen können, ob sie um Tante Gesa trauerten, oder viel mehr darum, dass sie selbst noch am Leben waren.

Die dazugehörigen Gatten, allesamt in frisch aufgebügelten Schützenuniformen, schienen sich eher auf die Schnäpse nach der überstandenen Beerdigung zu freuen. Gesas Nachbarn waren auch alle da. Eugen versuchte, diffus und freundlich in die Menge zu lächeln, ohne dabei fröhlich auszusehen, aber schließlich hatte er mit Tante Gesas Anwesen große Pläne und wollte sich mit den Nachbarn gut stellen.

Als Eugens Mutter sein Lächeln bemerkte, stieß sie ihm diskret und brutal zugleich in die Rippen. So war sie immer, diskret und brutal.

Von allen Trauergästen trug Eugens Mutter den elegantesten Mantel und die höchste Nase. Sie und die Landfrauen musterten sich mit abwertenden Blicken. Aber als der junge nervöse Pastor endlich zum Ende kam, war Eugens Mutter es, die als erste an das offene Grab trat und mit einem dumpfen „Ploff“ eine Schaufel voll Erde auf den Sarg warf.
Zwanzig Jahre hatte sie nicht mit ihrer Schwester geredet. Und jetzt war sie tot.

Als alles erledigt war, wandte sich die gesamte Beerdigungsgesellschaft wie eine Schafherde in Richtung Altstadt. Mamas Großstadtschuhe machten auf dem feuchten Pflaster in den engen Gassen unangenehme Geräusche. Als sie stolperte, bot Eugen ihr unbeholfen den Arm, aber sie ignorierte ihn und zischte stattdessen: »Hier irgendwo muss dieser Immobilienmakler sitzen. Den könntest du gleich heute noch beauftragen, die Pension zu verkaufen, dann müssen wir nicht in diesem Kaff übernachten.«

Eugen blickte sich verlegen um. Hatte einer der Trauergäste die Bemerkung gehört? Doch die schwarzgraue Herde aus Trauermänteln und Schützenuniformen bewegte sich bereits zielstrebig zu der Teestube, in der Kuchen und Schnäpse bereit standen.

Eugen sog verstohlen die süße ostfriesische Luft ein. Jetzt, im November, lag Esens wie in einem tiefen Schlaf unter norddeutschem Nebel. Die kleinen Kunstateliers und Souvenirläden schienen dunkel und abweisend, nur die kleine Buchhandlung in ihrem pittoresken Altstadthaus strahlte ein warmes Licht aus. Hier hatte Eugen immer wieder einen Besuch abgestattet, wenn er die Ferien bei Tante Gesa verbrachte, und das war sein ganzes Leben lang so gewesen. Nun war Gesa nicht mehr da.

In der behaglichen Teestube mit der niedrigen Decke und den blanken Holzbalken prasselte ein Kaminfeuer. Die sicherlich extra für diesen Anlass zusammengetrommelten Aushilfen segelten bereits geschäftig mit Rumflockentortenstücken und Teekannen mit kitschigen Ostfriesenrosen von Tisch zu Tisch.

Eugens Mutter steuerte zielstrebig auf den einzigen Tisch für zwei Personen zu, während die Landfrauen schon mit der stillen Präzision von geübten Kulissenschiebern die zwei größten Tische aneinander schoben.

Eugen schüttelte Tante Gesas Nachbarn die Hände und machte artig mit bei dem höflichen Gemurmel über die schöne Grabrede und den heimtückischen Krebs.
»Sie hat ja nicht lange leiden müssen.«
»Am Ende ist es doch sehr schnell gegangen.«

Genau dasselbe hatte Tante Gesa vor zwei Jahren über ihren Cocker Spaniel gesagt.
Als Eugen das pikierte Gesicht seiner Mutter bemerkte, beeilte er sich, zu ihr an den Tisch zu kommen. Ausgerechnet heute wollte er auf jeden Fall eine Szene vermeiden. Er fuhr sich vorsichtig tastend durch das schon schütter werdende rotblonde Haar und fragte höflich: »Hast du dir schon was bestellt, Mama?«

Seine Mutter deutete nur mit verkniffenem Gesicht auf eine Kellnerin, die grade Kurs auf ihren Tisch nahm.

Eugens Mutter grunzte: »Die Nussecke ist für meinen Sohn!«

»Danke, Mama.« Eugen hasste Nussecken. Besonders die mit ganzen Nüssen und schwarzer Bitterschokolade.

»Warum isst du nicht! Du magst doch Nussecken so gern.«

Eugen sah sich betreten um. Alle aßen mit ihren billigen Blechkuchengabeln. Also nahm auch er seine Gabel und stieß sie in die Nussecke. Das Geräusch erinnerte an einen Autounfall.

Zwei für immer aneinander karamellisierte Nüsse schossen vom Teller wie ein Projektil, verfehlten seine Mutter nur um Haaresbreite und schlugen mit einem hohlen Knall gegen die stöhnende Heizung. Eugen spürte, wie sein Kopf rot anlief und nahm die Nussecke vorsichtig zwischen seine verschwitzten Finger.

Seine Mutter nippte an ihrem Kaffee, den sie ganz offensichtlich aus Opposition zur Nation der Teetrinker bestellt hatte. »Papa hat schon einen Interessenten.«

»Wieso ist er eigentlich nicht mitgekommen?«

»Du weißt doch, wie ungern er auf Beerdigungen geht.«

»Gesa war immerhin seine Schwägerin.«

Eugens Mutter lächelte süßsauer wie eine Pekingente. »Und nicht nur das!«
Immer, wenn die alte Geschichte auf den Tisch kam, und das tat sie häufig, schämte Eugen sich. Obwohl er gar nicht wusste wofür. Vielleicht einfach dafür, dass sein eigener Vater Sex gehabt hatte.

Es war schon schlimm genug, dass Papa mit seiner eigenen Frau … aber dann auch noch mit Tante Gesa?

»Äh, wofür hat Papa einen Interessenten?«

»Na, für den Gulfhof natürlich.«

»Aber …« Eugen wusste nicht genau, wie er jetzt vorgehen sollte. Eigentlich wollte er das Thema nicht gerade bei der Beerdigung anschneiden, aber dass seine Eltern schon wieder alles für ihn beschlossen hatten, machte ihn so wütend, dass er sich traute, seiner Mutter die Stirn zu bieten. »Ich werde Tante Gesas Pension nicht verkaufen.«

Die Kuchengabel seiner Mutter blieb in der Luft hängen. »Was? Wieso das denn nicht?«
»Weil ich dort einziehen werde.«

An den umliegenden Tischen wurden jetzt endlich Schnäpse gereicht. Langsam wurde die Trauergesellschaft lustiger.

»Was willst du denn allein in dem alten Kasten? Pensionsgäste findest du für das olle Ding sowieso nicht mehr. Kein Mensch fährt mehr an die Nordsee. Und eine Schwiegertochter ist ja wohl nicht in Sicht, oder? Nein, mein Junge, du bleibst schön bei uns, bei Papa und mir.«

»Mama, ich werde bald dreißig, ich bin nicht mehr dein Junge.«

»Ich weiß schon, wo der Hase lang läuft. Das hat Gesa dir eingeredet. Das ist die späte Rache meiner verstorbenen Schwester, fabelhaft! Jetzt will sie mir auch noch meinen Sohn wegnehmen!«

Eugen holte tief Luft und schloss für einen Moment die Augen. Dann blickte er seine Mutter traurig an. »Mama, Gesa hat dir Papa damals nicht weggenommen. Sie hat nur Trost bei ihm gefunden, nachdem Onkel Onno damals auf See geblieben ist und …«

»Auf See geblieben! Aus dem Staub gemacht hat der sich! Schließlich ist seine Leiche nie gefunden worden! Aber bei seiner Frau war das ja auch kein Wunder.«

Eugen spürte, dass ihm gegen seinen Willen vor Wut die Tränen kamen. »Mama, Gesa ist tot, verstehst du? Kannst du vielleicht an diesem einzigen Tag in deinem Leben mal nicht schlecht von deiner Schwester sprechen?«

Seine Mutter tupfte sich den Mund ab. »Dass du wieder auf ihrer Seite bist, ist ja klar. Du warst ja immer der Sohn, den sie nie gehabt hat! Weißt du, was du bist? Ein Erbschleicher! Jetzt hast du diesen verrottenden alten Hof, der sich Ferienpension nennt, geerbt und glaubst, du kannst mir Vorschriften machen! Aber du wirst schon sehen, was du davon hast! Spätestens, wenn du einen Winter allein in dieser Einöde hinterm Deich verbracht hast, kommst du wieder angekrochen!«

Eugen straffte die Schultern. »Ich werde nicht allein in dem großen Haus wohnen.«

»Sondern?«

Eugen holte Luft. »Ich werde eine Künstlerkolonie eröffnen.«

»Eine was?«

»Eine Künstlerkolonie. Eine Gemeinschaft von kreativen Menschen, die zusammen leben und arbeiten. Ich habe das zusammen mit Gesa genau überlegt. Ich werde die Räume gegen ein geringes Entgelt an freischaffende Künstler vermieten, als Dauergäste. Ich werde in der Hochsaison nicht viel verdienen, dafür bin ich das ganze Jahr über ausgelastet. Und ich werde so etwas wie ein Mäzen sein.«

Als Eugens Mutter laut und höhnisch lachte, blickten Tante Gesas hinterbliebene Freundinnen herüber wie ein siebenköpfiges Landfrauenmonster. Eugens Mutter duckte sich und beugte sich zu ihm über den Tisch. »Das wirst du nicht tun! Papa und ich haben dich etwas Anständiges lernen lassen, du bist Elektriker, keiner von diesen langhaarigen Schwulen, die dem Staat auf der Tasche liegen und sich Künstler nennen! Mit solchen Leuten haben wir nichts zu schaffen. Die gehen nur wild durch alle Betten und verderben mir meinen Jungen!«

Eugen legte den Rest der Nussecke zurück auf den Teller und tupfte sich mit der Papierserviette den Mund ab. Dann sagte er langsam: »Weißt du was, Mama? Ich hasse Nussecken.«

Du willst sofort weiterlesen? Ich liebe dich! Rechts in der Sidebar findest du den Weg zur kostenlosen Monster-Leseprobe. Du willst lieber gleich den ganzen Roman? Alle Infos findest du HIER!

Den ganzen Roman gibt es für wenige Tage für 99 Cent, also ran an den Speck!

Und was ist deine Meinung?