Die Welt der Polyamorie-Romane

Die Welt der Beziehungsstatus-Romane über Polyamorie und Liebeschaos

Polyamorie ist ein komplexes Thema und natürlich ist es bei Romanen über Polyamorie nicht mit den üblichen drei Hauptfiguren des Liebesromans getan: Dem Bad Boy, der Heldin und der lustigen besten Freundin, die der Heldin als Spiegel dient, damit der Leser ihr bei ihren Selbstreflektionen zuhören kann.

Denn Polyamorie ist ein sehr sensibles Thema, mit dem Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen machen und das natürlich auch immer polarisiert. Für den einen ist es die totale Befreiung, zwei oder mehr Menschen lieben zu dürfen, für den anderen ein Albtraum. Für viele ist es einfach undenkbar. Selbst Freiheiten zu haben, wäre vielleicht verlockend, aber dem Partner welche einzuräumen wäre doch einfach zu bedrohlich.

In der Romanwelt der sinnlichen Komödie treffen daher auch die verschiedensten Charaktere aufeinander, die sich dem sensiblen Thema Polyamorie aus verschiedenen Richtungen nähern. Denn die Romane sind nicht für oder gegen Polyamorie – sie erzählen einfach, was Menschen damit erleben. Und nicht jede Figur findet diesen Lebensstil gut! Denn sie haben auch sehr unterschiedliche Erfahrungen im Gepäck und jeder betrachtet die Liebe vor dem Hintergrund seiner ganz persönlichen Geschichte.

Trotzdem muss ich als Autorin natürlich in einem Mikrokosmos bleiben, der den Rahmen nicht sprengt. Für Neueinsteiger oder Leser der Reihe gibt es jetzt hier also eine Liste, in der ich euch die einzelnen Charaktere so vorstelle, dass ihr hoffentlich eine Figur findet, mit der ihr mitfiebern und die ihr anfeuern könnt, wenn ich sie aufeinander loslasse! 😀

Noch ein Wort zu Bildern: Google mag keine Artikel ohne Bilder und viele Blogleser auch nicht. Ich selbst arbeite beim Schreiben mit Bildern, die ich mir aus dem Netz zusammen suche, um die Figuren bildlicher vor mir zu sehen. Aber das Schönste beim Lesen ist immer noch das Kopfkino und viele von euch haben die einzelnen Figuren vielleicht schon selbst „besetzt“. (Als Leser ist man ja Regisseur, Kameramann und Casting-Agentur in einem, das macht Lesen ja so geil! 😀 ) Um eure Kopfkinos nicht zu stören, verzichte ich daher darauf, in diesem Artikel Bilder zu verwenden!

Der Schauplatz

Berlin gilt zwar als die Haupstadt der Polyamorie, aber die Beziehungsstatus-Romane spielen im wilden Ostfriesland. In Ostfriesland gehen die Uhren einfach anders. Das Leben wird bestimmt von Ebbe und Flut, Hauptsächlich von der Flut der Urlauber im Sommer und der Ebbe in der Kasse im Winter.

Das Land ist rau, die Luft in den Marschen ist mild und süß, aber an manchen Tagen riecht man auch weit hinterm Deich das salzige Watt. Die tägliche Teezeremonie findet statt, ganz gleich, was kommt. Sturmfluten, Todesfälle, Liebesdramen, nichts kann einen echten Ostfriesen davon abhalten, den Tee mit Kluntje und Sahne zu trinken, denn drei Tassen sind Ostfriesenrecht!

Hier stranden in einer Künstler-WG die verschiedensten Figuren, die alle auf die eine oder andere Art auf der Flucht vor der Liebe sind. Im Mikrokosmos des abgelegenen alten Gulfhofs entwickeln sich neue Freundschaften, kreative Kooperationen und vor allem stürmische Liebesgeschichten …

Die Figuren der Beziehungsstatus-Romane

Die Hauptfiguren

Anna

Alter: 27

Typ: Floh mit wilden Haaren. Anna wäre gerne ein üppiges Vollweib, ist aber der Typ Kindfrau, der immer noch nach dem Ausweis gefragt wird, wenn sie ein Bier kaufen will.

Style: Anna liebt „Epochenhopping“ und ihr Stil ist gewöhnungsbedürftig. Selbst in Großstädten ist sie daran gewöhnt, dass Menschen sich nach ihr umdrehen, weil sie sich fragen, ob eine Trendsetterin an ihnen vorbeiläuft oder ein Altkleidersack. Anna pflegt den Stil aber nicht, um gesehen zu werden, sondern weil sie kein Gespür dafür hat, wann etwas „passend“ ist. Sie kann einfach nicht anders als aufzufallen.

Hintergrund:

Anna ist die zentrale Figur, um die sich alles dreht, denn sie ist die Heldin, die wirklich dafür kämpft, polyamor zu leben. So absurd ihr Humor auch oft ist, wenn es um Polyamorie geht,  versteht Anna keinen Spaß und ist manchmal stur wie eine Zicke am Strick.

So lange sie sich zurückerinnern kann, leidet sie unter ihrer Hochbegabung und beneidet Menschen, die die Fähigkeit haben, sich Dinge leicht zu machen und gelassen zu bleiben. Sie sieht sich selbst als einen Menschen, der viel zu tief fühlt und alles viel zu ernst nimmt. Diese Tiefe hat ihr aber die Fähigkeit eingebracht, zwischen den Zeilen zu lesen und geradezu hellsichtig auf die Gefühle anderer Menschen zu reagieren. Nur, wenn es um ihre eigenen Gefühle geht, steht sie manchmal völlig auf der Leitung und braucht ihren vertrauten Gefährten Sven als sanftes Korrektiv.

Anna kämpft immer wieder mit dem Gefühl, dass ihr als polyamore Frau der Schlampen-Stempel aufgedrückt wird. Was ein Mann darf, darf eine Frau noch lange nicht! An manchen Tagen fühlt sie sich wie eine Axtmörderin in Strapsen. Dabei möchte sie eigentlich nur eins: Ihre zwei Männer lieben, und das am liebsten für immer.

John

Alter: 33

Typ: Auffallend gutaussehender Mann von der tänzerischen Sorte, geschmeidig und schlank. Trotz seiner ostfriesischen Hälfte ist John der Typ, mit dem in Filmen der hübsche, irische Taugenichts besetzt wird, der „Mädchen in Schwierigkeiten“ bringt – ein dunkelhaariger Filou mit heller Haut.

Style: John hat nicht nur zwei Nationalitäten, sondern auch zwei Styles. Das „Kostüm“ und den wahren John. Im  Maßanzug spielt er den John, den die Welt (und die Frauen) von ihm erwarten. Wenn die Welt ihm egal ist, trägt er kaputte Holzfällerhemden und Cargohosen, die vor Farbflecken strotzen. Hauptsache, er hat viele Taschen! Da John nicht viel zum Leben braucht, wohnt er in einem Bauwagen auf dem Gelände der WG und malt in einem zweiten Bauwagen geniale Bilder.

Hintergrund:

John galt immer als Wunderkind, hat als Überflieger Schulklassen übersprungen und einen hohen Preis dafür bezahlt. Er war immer überall der Kleinste und der Jüngste und emotional überfordert. In Ostfriesland war er immer der „ausländische“ Sohn einer alleinerziehenden Mutter, in Dublin war er für seine Cousins der „kleine Lord Fauntleroy“, der in Deutschland ein eigenes Zimmer hatte. Seine Wurzellosigkeit ist seine Schwäche und zugleich seine Stärke, denn John kommt überall klar, aber nirgendwo an.

John ist ein sprunghafter Denker, dessen komplexer Humor manchen Leuten einfach nur chaotisch erscheint. Er spürt zwischen sich und anderen Menschen immer eine gläserne Wand, mit der er sich längst arrangiert hat. Die einzige Frau, zu der er eine tiefe Bindung hat, ist tatsächlich seine Mutter. Als er auf Anna trifft, fühl er sofort, dass sie auf seiner Seite der gläsernen Wand lebt und ihn intuitiv versteht.

Aber Anna konfrontiert ihn mit Polyamorie und das widerspricht vollkommen Johns Bild von Liebe. Endlich hat der verträumte Einzelgänger eine Frau gefunden, von der er spürt, dass sie wirklich zu ihm gehört und dann liebt sie noch einen anderen Mann … John steht vor der Frage, ob er Anna gerade deshalb so faszinierend findet oder trotzdem, denn bisher sind seine Beziehungen immer an seinen Affären gescheitert. Aber möchte er jetzt überhaupt noch Affären haben?

Sven

Alter: 27

Typ: Großer, blonder Nordmann. Sven ist als Singer/Songwriter in der Folkszene unterwegs und auch optisch Annas Fels in der Brandung.

Style: Sven ist nicht nur gebürtiger Schwede, sondern auch Wikinger durch und durch. Tätowiert, durchtrainiert, der Typ für Leder, Jeans und Kapuzenjacken, Hauptsache, er muss sich keine Gedanken darüber machen oder bügeln. Mit einem Krawattenknoten wäre er hoffnungslos überfordert. Aber man sieht ihm an, welche Szene ihn geprägt hat – er könnte auf jedem Festival und jedem Mittelaltermarkt sofort untertauchen, wäre er nicht bekannt wie ein bunter Hund.

Hintergrund:

Sven kommt im Gegensatz zu John aus einer großen Musikerfamilie und könnte Johns selbstgewählte Einsamkeit niemals ertragen. Er ist das siebte von acht Kindern und der jüngste von sieben Brüdern, nach ihm kam nur noch die Schwester, auf die seine Eltern gewartet hatten. Dieses sture „einfach weitermachen bis man hat, was man will“ ist typisch für ihn und seine ganze Familie.

Sven ist mit den verschiedensten Beziehungsformen aufgewachsen und wenn er sich selbst in eine Schublade setzen müsste, würde er sich als Beziehungsanarchist bezeichnen. Er hat kein festes Konzept davon im Kopf, wie eine Beziehung aussehen müsste und stellt sich lieber auf Menschen individuell ein. Nur Anna ist für ihn der Fixstern, um den sich alles dreht. Sie ist für ihn der Kompass, der ihm die Richtung anzeigt. Mit ihr und für sie hält er sich in ihrer Kernbeziehung fest an die Regeln der Polyamorie: Transparenz, Einvernehmlichkeit und Langfristigkeit.

In der Polyamorie ist Sven ein alter Hase, er hat gelernt, damit zu leben, dass Anna neben ihm noch andere feste Partner hatte, zu denen sie tiefe und lange Beziehungen geführt hat. Annas Partner sind für ihn Kumpels und schließlich hat er ja mit seinen anderen Frauen auch genug zu tun, denn er lässt sich gern treiben und ist immer offen für eine neue Liebe. Als John auftaucht, freut Sven sich über den „Familienzuwachs“. Nur damit, dass John so ein unglaublich zäher Knochen ist der auf Monogamie besteht und Anna vor eine Wahl stellt, hatte er nicht gerechnet.

Die Mitbewohner der Künstler-WG

Steffi

Steffi ist auf der Flucht vor einer untragbaren Ehe in die WG gekommen. Sie hat mit einer offenen Beziehung die schlimmste Erfahrung gemacht, die man machen kann: Ihr Mann hatte einfach bestimmt, dass sie ab jetzt eine offene Ehe führen und ihr zugemutet, dass sie sich mit seinen Affären arrangieren musste.

Steffi ist zutiefst verunsichert und voller Selbstzweifel, als sie in der Künstler-WG ankommt. Als sie den ersten Schock über das Scheitern ihrer Ehe überwindet, beginnt sie, sich theoretisch mit Polyamorie auseinanderzusetzen und stellt fest, dass ihr Mann sie nicht nur mit anderen Frauen schlichtweg betrogen, sondern ihr auch verdammt viel Unsinn erzählt hat. Denn offene Beziehungen funktionieren ganz anders, als ihr Mann das verkauft hatte.

Dieses „theoretische Aufarbeiten“ gibt Steffi Trost, aber für sie käme ein untreuer Partner nie wieder in Frage. Aus „Sicherheitsgründen“ beschließt Steffi, erst mal nur aus der Entfernung für Männer zu schwärmen wie sie es als Teenager getan hat. Aber mit ihrem fröhlichen und sanften Wesen wird sie für John zu einer Art Coach beim „Projekt Polyamorie“. Denn so rein theoretisch findet sie das Thema ja doch irgendwie spannend …

Lothar

Lothar ist mit Anfang Zwanzig das WG-Küken und spielt diese Rolle auch perfekt. Der lustige,  aber oberflächliche digitale Nomade, der zufällig einen Bestseller gelandet hat und jetzt auf der Flucht ist vor seinen Fans – denn die sind in der Regel zwischen zwölf und fünfzehn und kennen keine Hemmungen, wenn es darum geht, ihr Idol zu stalken.

Aber Lothar hat eine verborgene Seite. Hinter seiner Fassade steckt ein brillanter Denker mit Geschäftssinn und Witz. Zwischen Anna und Lothar entwickelt sich eine kreative Freundschaft der ganz besonderen Art. Sie gründen als  gemeinsames WG-Projekt einen Youtube-Kanal und erobern mit ihrem kongenialen Humor schnell eine Fangemeinde – für John bedeutet das aber, dass Anna wieder eine geheimnisvolle Beziehung eingeht, aus der er sich ausgeschlossen fühlt. Ist eine Liebesbeziehung wirklich nur eine Liebesbeziehung, wenn Sex im Spiel ist?

Eugen

Eugen ist der Gründer der WG und hat fast bis zu seinem dreißigsten Geburtstag „oben bei Mutti“ gewohnt. Als er den Gulfhof erbt, ist der letzte Wille seiner verstorbenen Lieblingstante der Wind unter seinen Flügeln, um sein Leben in die Hand zu nehmen. Trotz seiner extremen Schüchternheit erfüllt er ihren Wunsch und gründet in der alten Ferienpension das Künstlerhaus.

Für Eugen sind „seine Künstler“ seine Wahlfamilie und seine ganze Welt. Er ist die gute Seele das Hauses, sorgt für den Tee und betüdelt seine Mieter so gut er kann. Von Polyamorie, offenen Beziehungen oder Liebeschaos hat Eugen nicht die geringste Ahnung, aber er hat für alles eine Erklärung: Es sind eben Künstler!

Keno

Keno war der erste Mieter in der WG und ist der Letzte, der sich Polyamorie vorstellen kann. Keno ist Dauersingle und möchte eigentlich nur eine Frau, die seine manchmal zu offene Art nicht krumm nimmt. Aber der Mittdreißiger tingelt als Elvis-Imitator über Schützen- und Hafenfeste. Seine Fans sind meistens Urlauberinnen über 50 in praktischen Freizeitjacken und bequemen Schuhen, die tausend Interessen haben und das Leben ohne Mann in vollen Zügen genießen.

Da fällt es schwer, eine Frau zu finden, besonders, da Keno wie ein Kind immer die Wahrheit sagt – nur nicht mit dem Wortschatz eines Kindes! In der WG ist er so eine Art Seismorgraph für alles, worüber die anderen nicht reden möchten – Keno platzt an der Teetafel garantiert damit heraus!

Die Mischung macht’s!

So, nun könnt ihr euch ungefähr vorstellen, dass diese kleine WG zu einem Schmelztigel verschiedener Weltbilder wird! Für Drama, Liebe, Wahnsinn ist also gesorgt!