Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Es ist wieder Zeit für Sookies Kettensäge!

Ihr Lieben! Erst wollte ich ja einen totaaal gewaltfreien Artikel darüber schreiben, wie das Phänomen 50 Shades aus polyamorer Sicht betrachtet aussieht. Dann hab ich aber gemerkt … *gnnnnn* … *anstreng* … nein. Ich kann nicht. Ich muss einfach gemein werden! Rrrrrrrra!

Ich habe es getan: Ich hab 50 Shades 2 geguckt!

Eigentlich wollte ich nur mal wieder so richtig was zu lachen haben. Aber noch nicht mal das hat funktioniert, Mann! Ich hab zwar Tränen gelacht über die ganzen Klischees (wie Miss Steel schlau und kompetent aussehen soll und auf Dantes Inferno anspielt, muahahahahahaaaa, ich konnte nicht mehr, diese Meta-Ebenen, einfach göttlich!), aber, äh, na gut, zuerst der Trailer für alle Glücklichen, die es bis jetzt geschafft haben, einen Bogen um das Phänomen 50 Shades zu machen und gar nicht wissen, wovon ich rede. Ich versuch mal gerade, dieses Gimmik einzubauen, damit man das nicht unvorbereitet sieht. Ich respektiere jeden Menschen, der sich davor drückt. Ich hab das auch lange getan. Moment …

So. Also, es wird „romantisch“, ja? Romantisch heißt in diesem Zusammenhang: Miss Steel heilt den traumatisierten Sadisten durch Selbstaufgabe und, ja, durch Liebe *schnief*, und wird mit allem belohnt, was ein Groschenheft-Milliardär zu bieten hat.

  • Ein Meer aus giftigen Schnittblumen, für deren Produktion Menschen in Kenia leider der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt wird – denn das wird ja für die Produktion der Rosen für den Weltmarkt gebraucht. Rosen für Milliardäre sind eben einfach wichtiger, man muss Prioritäten setzen. Es ist auch nicht so, dass Mister Grey sich selbst gebückt hätte, um ein Gänseblümchen zu pflücken. Das kostet den einen Anruf und eine ganze Blumenhändlerkette stößt sich gesund! Danke, Christian, so viel Mühe wäre doch gar nicht nötig gewesen! 😀
  • Ein Feuerwerk, dass die Umweltsauerei einer Silversternacht in den Schatten stellt.
  • Ich weiß jetzt nicht genau, in welchem Teil, aber sie kriegt auch einen halben Apple-Store geschenkt, damit Google, die NSA und alle, die es sonst noch interessiert, genau verfolgen können, wann sie welchen Laden betritt und wie lange sie sich da aufhält. Und Mister Grey natürlich auch, der entwickelt ja Überwachungssoftware.
  • Diverse Sex-Spielzeuge, von denen ich euch jetzt leider nicht sagen kann, wofür die gut sind, aber da Miss Steel blöd geguckt und sich an der Lippe genagt hat, gehe ich davon aus, dass sie geil war. Oder sein sollte. Was in dem Weltbild bei einer gut funktionierenden Frau ja dasselbe ist. Ob sie’s wirklich ist, interessiert ja keinen, Hauptsache, der Film kurbelt den weltweiten Sextoy-Verkauf an.
  • Ohhh, ganz süße Kleidchen, wirklich! Und traumhafte Dessous! Christian kümmert sich einfach um alles! Was sein Besitz anzieht, was er isst, was er trinkt, welches Auto er fährt … Welche Frau wäre so blöd, sich da nicht geliebt zu fühlen?

So, ich muss jetzt hier eben was einschieben! Ich bin kein SM-Gegner, absolut nicht. Wenn eine selbstbewusste Frau freiwillig entscheidet, dass es ihr gut tut, sich mal vertrauensvoll fallen zu lassen und dem Mann die Führung zu überlassen, viel Spaß. Und wozu gibt es Safewords, eine eigenverantwortliche Sub sagt Bescheid, wenn sie etwas nicht möchte.

Miss Steel ist aber keine verantwortungsvolle Sub mit einem dominanten Partner, Miss Steel ist eine, wir nehmen langsam Fahrt auf, rrrrrrrrrrrr, Miss Steel ist eine strunzdumme, konsumgeile Schmalznudel, die hundert Jahren Frauenbewegung einfach so in den Arsch tritt! Aus purer Blödheit! Otto Ludwig Piffel würde sie als die verfaulte Frucht einer bourgeoisen Zivilisation bezeichnen! Karl Kraus würde sagen, sie ist ein Atom der Weltbanalität! Miss Steel ist einfach … RRRRRRAAAAA!

Alle braven Frauen stellen sich jetzt mal in einer Reihe auf und gehen dann zurück ins neunzehnte Jahrhundert!

Ja, Miss Steel ist ja Literaturwissenschaftlerin oder so was. Also, vielleicht ist sie eher das, was Nicht-Leser sich darunter vorstellen. Ihr Kleidungsstil soll glaube ich auch darauf hinweisen, scheint sich dann in der Praxis aber doch eher an Pädophile zu richten, die Frise einer Zehnjährigen, die süßen flachen Schühchen und die Mini-Röckchen in der A-Linie mit den süßen Blüschen, da fehlen eigentlich nur noch die Siebziger-Jahre-Zopfgummis mit lustigen Plastikkirschen und der Lolli im Mund, dann ist Pädo-Opis Lolita von nebenan schon fertig.

Aber meine persönliche Schlüsselszene in „50 shades 2“ war der Moment, wo Miss Steel auf die Frage, wieso sie noch Jungfrau war (Wieso wohl? Weil alle Frauen, die mit über 20 schon eine selbstbestimmte Sexualität haben, dreckige Schlampen sind!) antwortet, dass sie ja Austen und Brontë gelesen hat. Jetzt blubbert sofort wieder eine Nerdfrage in mir hoch: Welche der Brontë-Schwestern genau? Da gab es ja durchaus Unterschiede. Aber passen wir uns einfach mal Miss Steels Niveau an und da bleiben als „Traummänner“ eigentlich nur Heathcliff (Sturmhöhe) und Rochester (Jane Eyre).

Wieso Heathcliff als der romantische Held schlechthin gilt, habe ich nie verstanden. Der Mann ist ein brandgefährlicher Angstbeißer, der von völlig unreflektierten, destruktiven Aggressionen beherrscht wird. Rochester hält seine psychisch kranke Frau vor der Welt geheim, was im neunzehnten Jahrhundert durchaus verständlich war, wenn man noch irgendwo zum Tee eingeladen werden wollte. (Und wenn man es sich leisten konnte, einen Flügel des Familiensitzes „stillzulegen“, damit keiner die Irre schreien hört.)

Aber Rochester hält gleich zwei junge Frauen mit einem nicht offen ausgesprochenen Eheversprechen an der langen Leine, ohne zu sagen, was Sache ist. Nämlich, dass er gar nicht heiraten kann, weil er schon verheiratet ist. Das ist … fies, um es mal vorsichtig auszudrücken. Oder feige, um es direkter zu sagen. Aber immerhin hat er einen interessanten Konflikt, denn er sehnt sich nach Liebe, möchte aber die Dame seines Herzens auch zu einer „ehrbaren Frau“ (höhö!) machen. Damit gerät er aber in einen Konflikt mit der Gesellschaft, ein Dilemma, das jeder Poly nachempfinden kann, der sich schon mal die Nase an den vorherrschenden Konventionen gestoßen hat.

Und dann Jane Austen. Tja. Die gute Jane war zu ihrer Zeit innovativ und hat so Sachen gemacht, wie den Perspektivwechsel in den europäischen Roman einzuführen. Danke dafür, Jane. Aber Jane Austen war eine sanfte Satirikerin, aus deren Büchern auch viel bissige Frustration trieft – was kein Wunder ist, denn sie war eine analytisch denkende Frau mit Humor, die in Salons und Konventionen eingesperrt war. Aber Jane Austens männliche Helden sind allesamt Witzfiguren. Das sollten sie sogar sein. Jane wollte darstellen, dass Heldinnen ihres Standes nur eine einzige Frage selbst entscheiden konnten, um an ihrer Lebensgestaltung aktiv mitzuwirken: Welche der Flitzpiepen, die mich nehmen würden, hat denn das höchste Einkommen?

So. Und in diese Welt möchte Miss Steel also zurück. Den ersten Mann heiraten, der sie mit teuren Geschenken ins Bett lockt, der sie aus tragischen Ängsten heraus kontrolliert, gängelt und braucht. Was lernen junge Frauen aus diesem Rollenmodell?

  • Es gibt nichts schöneres, als „gebraucht“ zu werden.
  • Selbstbestimmte Sexualität ist wieder absolut pfui! Anständige Frauen wollen dann, wenn der Mann will. Natürlich nur „der Richtige“, also das Alphamännchen mit dem Hubschrauber. ansonsten würde frau sich ja unter Wert verkaufen.
  • Ein Mann wird dadurch attraktiv, dass er eine Frau haben will. Mehr muss der gar nicht machen, er ist ja ein Mann. Da hat man sich als Erwählte geschmeichelt genug zu fühlen. Selber denken ist nicht so gut. Es ist besser, wenn man passiv bleibt und hofft, dass man „einen abkriegt“. Mit dem, was man abkriegt, muss man dann eben arbeiten. Tja.
  • Verliebe dich in das Potenzial eines schwer traumatisierten sadistischen Neurotikers und heile ihn mit deiner selbstlosen Liebe. Damit nimmst du ihm zwar die Chance, sich endlich mal um sich selbst zu kümmern, aber zu was solltest du als Frau sonst gut sein? Ich empfehle Miss Steel an dieser Stelle das Buch „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit. Augenöffnend für alle Frauen, die immer noch als heilige Krankenschwester in Aktion treten!

Aber der Oberknaller ist:

  • Wenn ein Mann dich kontrolliert, gängelt, einsperrt, stalkt und überwacht, dann darfst du dich geliebt fühlen. Denn was sollte das sonst bedeuten?

Schließlich sind Besitzdenken, Kontrolle und Eifersucht die größten Liebesbeweise ever, ooooder? Eine Frau, die den Kopf hebt und sagt „Ach, lass mal, ich gehöre lieber mir selbst, behalte die Kontrolle über mein Leben und such mir Partner aus, die mich akzeptieren, wie ich bin!“ wird in der Welt der 50 Shades Fans ganz schnell zum Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft.

Was hat das jetzt alles mit Polyamorie zu tun?

Erst heute hab ich wieder in einer Polyamorie-Gruppe den Beitrag einer Frau gelesen, die müde und erschöpft davon ist, sich wie eine einsame Außerirdische zu fühlen, weil sie offen dazu steht, dass sie mehrere Partner lieben kann. Weil sie damit immer noch in die Schlampen-Ecke gestellt wird. Ich les das immer wieder überall und ich kenne das Gefühl so gut, dass es mich jedes Mal wieder traurig macht. Die Liebe einer polyamoren Frau wird ja auch in der Gesellschaft nicht ernstgenommen, denn was Liebe ist, definiert ja freundlicherweise Miss Steel für uns.

Auch polyamor lebende Männer können doch unmöglich lieben, oder? Sonst würden sie sich doch aufführen wie Herr Grey! Kontrollieren, eifersüchtig überwachen, gängeln und entmündigen. Ein echter Mann macht das doch, wenn ihm eine Frau etwas bedeutet! Vor allem lässt ein Kerl mit Arsch in der Hose sich ja nicht auf der Nase rumtanzen, indem er zulässt, dass die Alte fremdgeht! Damit bist du doch an jedem Nicht-Polystammtisch die Lachnummer!

Eigentlich wollte ich jetzt eine flammende Rede darüber halten, dass alle Menschen, die den Mut aufbringen, anders zu leben und offen dazu zu stehen, für mich einfach Helden sind. Weil sie bereit sind, ohne Rollenmodelle voranzugehen und immer wieder gegen blöde Vorurteile zu kämpfen. Gerade Frauen, die sich immer wieder aufrappeln, wenn jemand mit der Moralkeule auf sie eingeprügelt hat, verdienen einen großen, fetten Blumenstrauß, allerdings nicht aus Herrn Greys Gewächshäusern, sondern einen selbstgepflückten von einer echten Wiese.

Aber wisst ihr was? Ich bin jetzt gerade selber einfach nur müde. So müde, dass ich mich frage, ob es überhaupt Sinn hat, diesen Artikel zu veröffentlichen. Ist da draußen irgendjemand, den das interessiert? Oder haben die Miss Steels dieser Welt längst gewonnen? Sind polyamore Frauen, die sich selbst annehmen, wie sie sind, gegen alle Widerstände, die selbstreflektiert leben, handeln, kommunizieren, die Verantwortung für ein komplexes Polykül tragen und sich immer wieder den dämlichsten Vorurteilen stellen, wirklich die Schlampen der Gesellschaft? War alles umsonst?

Soll ich dir was sagen, Miss Steel? Alle finden dich süß und wollen so sein wie du. Aufopfernde Krankenschwester, allzeit verfügbares Sextoy und süßes Dummchen in einem. Das Überraschungs-Ei für den kleinen Milliardär. Aber für mich bist du einfach nur eine strunzdumme Fotze. Ätsch.

Jetzt geht’s mir besser. Mal gucken, vielleicht geh ich noch einen BH verbrennen.

Nachtrag: Liebe Freunde und Feinde, nach einer possierlichen kleinen Facebook-Diskussion, die leider hinter verschlossenen Türen stattfand, musste ich einen zweiten Teil nachlegen, den ihr hier findet. Holt euch besser eben noch ein paar Kekse.

9 Antworten auf „Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel“

  1. Mir gefällt der Beitrag. Es ist bestimmt nicht ganz daneben, zu behaupten, das heterosexuelle Männer nur das Eine wollen: gut aussehende, willige Frauen. Je mehr, desto besser. Dazu kann Mann auch stehen, wenn Mann monogam lebt. Also zum Wollen, nicht zum Tun. 😉 Ist halt der biologische Aspekt, der nicht abtrainierbar ist. Aber für eine tiefe, dauerhafte Beziehung ist das ein wenig zu wenig. Da geht es um mehr als darum, sich gegenseitig zu befriedigen. Das Spiel von herrschen und beherrscht werden wird langweilig, wenn es tägliche Routine ist. Und für Menschen, die auch das verwenden, was sich üblicherweise zwischen den Ohren befindet, nicht erstrebenswert. Was dann nämlich übrig bleibt, ist nichts anderes als ein Job für Geld.

    1. Ryek, ich danke dir, klare Worte eines Mannes zum Thema! Ich hab heute schon so viele tausend Wörter geschrieben, dass ich fast keine mehr über habe (und das, obwohl ich als Frau angeblich rein statistisch gesehen 7000 Wörter am Tag habe!), deswegen kann ich jetzt nur sagen: Du hast absolut Recht!

    2. ^^ Ernsthaft: Bin auch ein Mann und dieses gelaber à la: „Ist halt natürlich, dass wir Männer überall rumficken wollen.“ – vor Allem in Kombination mit: „Männer die es verleugnen sind allesamt Lügner!“ geht mir dermaßen gegen den Strich, dass ich mich mal wieder gezwungen sehe, mich hier auszukotzen!
      Meiner persönlichen Empfindung nach ist es weder notwendig, noch erstrebenswert, sich seiner Gefühle zu verwehren und zu versuchen sie zu verleugnen oder sie sich gar „abtrainieren“ zu wollen. – Insofern gehe ich schon mit dem Gesagten konform.
      Jedoch ist es definitiv nicht korrekt von sich auf andere zu schließen und dies als absolute Wahrheit hinzustellen. Ja selbst, wenn man dieselben Empfindungen, Erfahrungen, Handlungen etc. auch von anderen her kennt, so bedeutet es nicht, dass es IMMER so ist!
      Wie angedeutet, ich kenne es bei mir anders…
      Des Weiteren halte ich es für nicht sonderlich schlau, sich anzumaßen man hätte verstanden was es mit der Evolution auf sich hat. Konkreter: zu behaupten, man wüsste inwieweit bestimmte Prozesse des menschlichen Verhalten/Empfindens EINDEUTIG auf „biologische Aspekte“ zurückzuführen seien (häufig begegnet man in diesem Kontext auch Begriffen wie „natürlich“, „evolutionär bedingt“ usw.).
      Selbstverständlich hat all dies auch eine Bedeutung für menschliches Verhalten –
      im Allgemeinen und sicherlich auch in diesem Falle – aber zu implizieren, man wüsste, genau was daraus folgt, halte ich eher für ein Indiz, sich selbst nicht ganz so bewusst zu sein, inwieweit man dieses Digsdas zwischen den Ohren wohl eingeschaltet hat, wenn man solche Sprüche rauskloppt.

      Zu sagen:
      „viele Männer wollen einfach nur das eine“ und „viele beziehen das auf einen natürlichen Instinkt – und das denke ich auch und finde es auch in Ordnung so“,
      hielte ich für angemessen und tolerierbar.
      Aber wie eingangs erwähnt: solche Pauschalisierungen rauszuhauen und dann so abgehoben über den vermuteten Intellekt Andersdenkender/-empfindender herzuziehen halte ich persönlich für derart falsch und unreflektiert, dass es mich wirklich stört.

      @Ryek: Ja, Du scheinst schon weit mehr zu differenzieren, und somit wohl eher nicht zu solche Äußerungen tendieren, welche ich oben erwähnte.
      Auch möchte ich nicht Dir (anders als Du es gerade wohl vermuten magst 😉 vorwerfen, Solche Gedanken zu haben und/oder Sprüche rauszukloppen!

      Jedoch ist es derselbe Grundgedanke, dieselbe Grundannahme, die in Deinen Worten deutlich spürbar durchklingen, welche ich für fatal halte, da sie für diejenigen, die nicht nur „wollen“, sondern auch „tun“, sich mit eben solchen Ideen rechtfertigen – Anderen aber auch selbst ihrem eigenen Gewissen gegenüber!
      Nicht die „Message“ die Du wohl vermitteln möchtest, sondern dieser „Unterton“ in den Sätzen 2-4 ist es, der unterbewusst viele Menschen zu prägen scheint. Und (weniger bewusst als unbewusst) dort eine Bestätigungen herauslesen. Die Bestätigung dieser „Idee“, die sie verinnerlichen und/oder fest verankern (Mein Trieb ist natürlich, bin ja n richtiger Mann, von daher brauch ich mich nicht schlecht fühlen, wenn ich ihm einfach nachgehe; is halt so; uswusf.).
      Diese „Einstellung“ halte ich für negativ und wünsche mir daher generell eine besser überlegte Wortwahl, wenn es um solche Themen geht. 😉

      1. Was für ein Kommentar, kawämm! Ich bin jetzt zum ersten Mal heute richtig wach geworden, danke dafür! Ich geb zu, als ich Ryeks Kommentar gestern freigeschaltet habe, war ich so durch und auf Sarkasmus gepolt, dass ich den Kommentar auch als Sarkasmus begriffen habe, deswegen hab ich auch mit einem Klischee über Frauen geantwortet. Ich hab schon WIEDER vergessen, das Sarkasmus-Schild hochzuhalten, ich muss mal eins in die Sidebar einbauen.
        Jetzt gerade frage ich mich, mit welchem Teil des Artikels ich suggeriert haben könnte, dass alle Männer immer nur das Eine wollen oder wie diese „Unterdiskussion“ jetzt entstanden ist.
        Im Grunde haben wir es doch hier mit einer Sexismus-Debatte zu tun. Zu sagen, dass alle Männer nur Sex im Kopf haben, entspricht ja ungefähr der Äußerung, dass alle Frauen nur Romantik und einen Ring am Finger wollen. Aber die Schubladen sind eben in unseren Köpfen so fest installiert, dass man immer wieder Kommentare wie deinen braucht, um wach zu bleiben.
        Ich denke, viele Männer betrachten sich selbst als „Sklaven ihrer Triebe“, weil dieses Denken unglaublich tief in unserer ganzen Kultur verankert ist. Die Frau ist mit dem Teufel im Bunde und der Mann kann da gar nichts für. Solange wir „evolutionäres Schicksal“ über Eigenverantwortung stellen, sind wir als Menschheit noch nicht wirklich erwachsen.
        Aber irgendwann lassen wir das Mittelalter hinter uns und schütteln diese ganzen Stereotype ab. Zumindest hoffe ich das. Irgendwann haben wir vielleicht mal eine Welt, in der wir Bedürfnisse nicht mehr in gut und schlecht unterteilen oder sie sogar bekämpfen, sondern offen kommunizieren können, damit Menschen sich auch auf Augenhöhe begegnen und so respektieren können, wie sie wirklich sind. Ob sie jetzt Mann oder Frau sind und ob sie Lust haben oder nicht.

      2. Zumindest habe ich erreicht, dass jemand aus seiner Komfortzone herausgekommen ist. 😉
        War zwar nicht so beabsichtigt, finde ich aber prima.
        Ich muss mich allerdings dagegen verwahren, behauptet zu haben, das ein Wollen, welches zum Tun wird, automatisch mit dem Wollen entschuldigt werden kann. Das Gegenteil ist der Fall, obwohl oft als „Entschuldigung“ vorgebracht. Zumindest in nach meinen Maßstäben zivilisierten Gesellschaften.
        Es geht auch nicht um gut oder schlecht oder Stereotype, sondern darum, wie wir – heute – damit umgehen. Ganz sicher anders als vor 500 Jahren, und ganz sicher anders als in 500 Jahren. Die aktuelle Umgehensweise ist – nicht nur in der Belletristik – die Anwendung von Gewalt gegen andere mit dem Vorhandensein ausreichender finanzieller Mittel entschuldigen zu wollen. Mehr noch, sie zu glorifizieren. Und zwar aus Sicht des Opfers. Welches es dann auch noch – zumindest in der Belletristik – gerne auf sich nimmt, den Täter „bekehren“ zu wollen, mit dem Ziel eines gemeinsamen erfüllten Lebens. Da dreht sich mir der Magen um. Wie schon im eigentlichen Post erwähnt, geht es nicht um BDSM oder Pornografie. Lese ich zwar nicht, würde ich aber nie verurteilen, da dort die Dinge beim Namen genannt werden. Es geht darum, das solche Situationen als selbstverständlich und absolut erstrebenswert dargestellt werden, ohne im Text darauf Bezug zu nehmen, dass solche Verhaltensweisen – heute, in der „nordwestlichen Welt“ – wohl eher die Ausnahme darstellen und im richtigen Leben nur für eine Seite der „Beziehung“ dauerhaft funktionieren.

        Ich schreibe gerade den dritten Teil meiner Dystopie fertig. Ich habe monatelang damit gekämpft, ob ich bestimmte Szenen, die handlungsbestimmend sind, überhaupt schreiben kann. Und da rede ich nicht von ausführlicher und detaillierter Darstellung. Sondern davon, zu schreiben, wie Dinge sind, wenn man sich im Krieg befindet. Es war nicht leicht, einen für mich gangbaren Weg zu finden, auf dem ich meine Leser hoffentlich mitnehmen kann. Insbesondere ist klar, dass die Verhaltensweisen meiner Protagonisten aus dem Weltenbau resultieren und sich deshalb auch in ihre moralischen Bewertung dramatisch von der realen Welt unterscheiden können.

        Ganz sicher kein Mainstream. Aber mit dem Strom schwimmen bekanntlich ja nur tote Fische. 😉

        1. Woooohoooo, die Sache nimmt ja richtig Fahrt auf! Nein, wir sind definitiv keine toten Fische! 😀 Du hast vollkommen Recht, Ryek, die Welt scheint mehr denn je nach dem Motto zu funktionieren „In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt“. Mir persönlich war die Parallele noch gar nicht so aufgefallen, aber ich schreibe ja auch eher utopische Romane als dystopische.

          Das Phänomen, dass Opfer in der Literatur Täter nicht nur entschuldigen, sondern eben auch noch glorifizieren, ist zur Zeit so allgegenwärtig, dass er mir vorkommt wie ein Massen-Stockholm-Syndrom. Und da ist 50 Shades noch weichgespülter Mainstream. Du bist mit deinem Genre ja sicher in anderen Gruppen etc. unterwegs als ich, aber ich hab das so oft auf FB gesehen, dass ich da schon gar nicht mehr hingehen will, weil ich mich jedes Mal viel zu sehr aufrege.

          Der Markt wird überschwemmt mit Büchern, die sexuelle Gewalt verherrlichen. Alle nach dem Strickmuster: Milliardär (Sixpack, coole Tatoos etc. muss ich ja gar nicht extra erwähnen) hält Frau gefangen, am besten angekettet im Keller / unschuldiges Mädchen wird von Piraten geraubt und zur Sexsklavin abgerichtet, blablabla, die Liste ist endlos. Das Happy End besteht dann darin, dass sie ihre „Liebe“ zum Täter entdeckt.

          Und dieses Rollenmodell sickert immer weiter in den Mainstream. DAS macht mir nicht nur Angst, das lässt mich auch vollkommen ratlos zurück. Denn diese Bücher werden von Frauen geschrieben, von Frauen gekauft und als romantisch gefeiert.

          Da werden Männer als triebgesteuerte Vergewaltiger romantisiert und Frauenfiguren leben vor, dass es „erfüllend“ sein soll, mit Gewalt alle Löcher gestopft zu kriegen. Das klingt jetzt tierisch ordinär und widerlich, aber genau das ist die Botschaft. Und ich versuche wirklich zu verstehen, was für ein Nährboden das ist, auf den solche Bücher fallen, aber ich komm einfach nicht dahinter!

          Welches Bedürfnis steckt dahinter, solche Bücher zu lesen? Und wohlgemerkt, diese Bücher laufen ja auch nicht unter Pornographie, da wüsste man ja, wo man dran ist, aber das ist Romance! Argh! Und genau da wird das Tun immer wieder mit dem Wollen entschuldigt – und zwar, ganz genau, von den Opfern. Oder sogar eher mit dem Müssen. Der arme Mann muss das ja machen, das sind eben seine Triebe. Da muss man als Frau ja Verständnis haben und sich geschmeichelt fühlen, weil man die Auserwählte ist. Rrrrrrrrraaaa!

          Und ICH muss erklären, wieso ich BHs verbennen will! Ich hätte jetzt fast geschrieben, dass ich mir eine Bratpfanne vor den Kopf hauen gehe, um den Schmerz zu kanalisieren, aber als ich die Redewendung zum letzten Mal öffentlich gebraucht habe, hatte ich einen verkappten Sadisten im Messenger, der das so verstanden hatte, dass ich auf Schmerzen stehe … *augenroll* ERNSTHAFT!

          Nee, ich kann einfach nur noch lachen. Anders ist das nicht mehr zu ertragen. Wieso machen Leute wie WIR uns eigentlich monatelang Gedanken darüber, wie wir was schreiben können?

  2. Ja… ich fühle mit dir – ich habe zwar weder Film noch Buch gesehen / gelesen – aber was du beschreibst langt mir auch schon. Ich bin zwar jetzt auch nicht polyamorisch veranlagt aber durchaus ein Fan vom „Begegnen auf Augenhöhe“ in einer Partnerschaft. Welche Spielart von Partnerschaft auch immer.
    Greys-Variante scheint allerdings imm Moment tatsächlich Trend zu sein, wenn ich mir die ganzen selbstbewussten, selbstbestimmten ach so emanzipierten Damen ansehe, die ihr Gehirn bei der ersten Ansicht Wohldefinierter Muskeln und einem Sixpack … (nicht das Bier) an der Bettkante abgeben und fortan nicht mehr benutzen.

    1. Ach, Anja, ist das schön, ein bekanntes Gesicht zu sehen! Jetzt gerade fände ich ein Sixpack Energydrinks ganz nett und dann Füße hoch und scheiß auf die Milliardäre! 😀 Ich musste heute einen zweiten Artikel zu dem Thema nachlegen, naja, Facebook eben! Muahahahaaaa, boar, bin ich fertig! 😀

Rede mit!