Sookie hat Haushalt – ein Tag im Leben einer Autorin!


Liebe Gemeinde, Freunde und Feinde, nachdem wir in der letzten Zeit so furchtbar viele Probleme gewälzt haben, machen wir heute mal was langweiliges. Wir erleben einen Tag im Leben einer Schriftstellerin!

Heute ist ein guter Tag zum Sterben! Arschbommmmmbe! Ja, meine Lieben, ihr seht, Sookie ist in Fahrt, weil – heute ist ein: Tag. Ihr kennt das vielleicht. Diese Dinger, die morgens schon anfangen, mittags eskalieren und gegen Abend endlich überwunden werden. Und dann, ahhh, dann kommt sie endlich. Die Nacht. Meine Zeit. Wo ich mit meinen unsichtbaren Freunden allein bin und Bücher schreibe. Aber vorher, vorher, muss selbst ich selbst den Nihilismus noch verneinende olle Knötterkröte dieses Ding überstehen. Tag. Und weil ich das loswerden muss, nerve ich euch heute mit dem Aufsatz:

»Sookie hat Haushalt!«

Also. Meistens fängt es ja ganz harmlos an. Mit dem telefonischen Weckruf eines verzweifelten Callcenter-Agenten, der ganz dringend einen Abschluss braucht. Also, ihr müsst euch das so vorstellen. Ich bin irgendwann morgens gegen acht oder neun auf die Matratze in meinem Arbeitszimmer gefallen und liege gerade so mit mindestens drei flauschigen Samtkissen aus dem schwedischen Möbelhaus im Arm auf dem Rücken und schnarche wie ein dekadenter Römer, der die ganze Nacht gebechert hat. Oder, um es mit Gottfried Keller zu sagen: »Wie ein Ratz!«

In der einen Hand habe ich wahrscheinlich noch die Fliegenklatsche, weil ich mal wieder bei der Mückenjagd eingeschlafen bin. Ich hab mir in dem Oma-Edeka umme Ecke diese formschöne und garantiert niemals grundwasserneutral verrottende Klatsche geleistet, weil ich mir immer vorkam wie King Kong auf dem Empire State Building, wenn ich Mücken mit der Hand jage wie King Kong Flugzeuge. Und das Kreischen der imaginären weißen Frau ging mir immer so extrem auf die Nerven, dass ich dachte, ich muss die Vision loswerden. Dann hab ich mal recherchiert, wie schnell Mücken eigentlich fliegen können, dass die Biester mir immer entwischen.

Als Vergleichswert hatte ich noch das Ergebnis einer jüngst erfolgten Recherche im Kopf, und ein Samenerguss bringt es auf 18 Kilometer pro Stunde. Wobei ich mich gefragt habe: Wie messen die das? Der fliegt doch keine Stunde! Hallo? Geht dann da einer mit dem Maßband hinterher und ruft nach einer Stunde vom anderen Ende des Ackers: »18 Kilometer!«? Und wer erklärt sich bereit, das … ja, Sookie, jetzt such mal schön das Wort in deinem Gehirn … das Ejakulaaat … ich mein, einer muss das ja losschießen, oder?

Jedenfalls dachte ich noch total überlegen: »Pah! Da bin ich ja mit dem Fahrrad schneller!« Und dann lese ich, dass Mücken ganze zwei Stundenkilometer schaffen, zwei! Ja, gut, ich bin jetzt in meinem Zimmer auch selten mit dem Fahrrad unterwegs, aber …

Und deswegen hab ich jetzt diese Klatsche. In Che-Guevara-Rot, sehr hübsch. Die Mücken interessiert aber überhaupt nicht, dass ich bewaffnet bin, die zerstechen mich trotzdem. Scheiß Arschlochmücken.

Was wollte ich jetzt sagen? Hab’s vergessen. Auf der anderen Seite steht mein braver Laptop und liest mir ein Hörbuch vor, im Moment meistens Stanislaw Lem. Ja, ich weiß, das ist Männerkram, aber ich schlaf ja sowieso. Nur nicht, wenn mir keiner was vorliest. Dann kann ich nicht. Und dann klingelt diese Zumutung called »Festnetztelefon«. Ich hasse das Teil. Ich spreche nicht mit Menschen. Schon gar nicht mit Menschen, die ich nicht sehen kann. Der Callcenter-Agent kann mich auch nicht sehen.

Was aber auch ganz gut ist, wie mir ein kurzer Blick auf Sookie herself beweist. An meinem linken Fuß steckt tatsächlich noch eine Socke. Wie hab ich das denn geschafft? Ich kann mit Socken nicht einschlafen, ich bin Künstler! Meine Socke ist aber jetzt total unmodern und außerdem saisonalen Schwankungen unterworfen, denn sie ist weihnachtsrot und Elche gehen darauf spazieren. Das mottenlöchrige »Arschloch-Cafe«-T-Shirt, das da wie ein Schwarm Glühwürmchen meinen ehemals geschmeidigen Luxuskörper brautumjunfert, sieht aus, als wäre ich mal wieder auf einem Stück Fokolade eingeschlafen.

Ich bin also dankbar, dass ich für den Special Agent unsichtbar bin und krächze ins Telefon: »Hell?«
Er: »Guten Tag, Firma Arschkrampe! Spreche ich mit Frau Hell?«
Ich: »Nee, Dunkel, hab ich doch gerade gesagt!«
Er: »Mit wem spreche ich denn bitte?«
Ich: »Äh, Sookie. Sookie ›fucking‹ Hell! Wissen Sie, eigentlich bin ich noch gar nicht verheiratet, aber das Facebook-Orakel hat mir prophezeit, dass ich in drei Monaten fällig bin! Erst war ich entsetzt, aber als ich drüber nachgedacht habe, dass ich ja einen Herrn Fucking treffen könnte, fand ich den Gedanken an einen Doppelnamen dann doch arschcool. Ich hätte aber gerne dann noch einen zweiten Mann, damit ich ›Fucking-Hell-Yeah‹ heiße, das ›Yeah‹ am Ende stelle ich mir irgendwie ziemlich geil vor, aber ich glaub, der Gesetzgeber ist noch gar nicht so weit, oder? Was denken Sie?«
Er: »Ich möchte Sie darüber informieren, dass Sie beim Strom zu viel bezahlen!«
Ich: »Also, beim Strom schon mal gar nicht! Für den Strom vielleicht, aber ›beim‹ Strom würde bedeuten, dass ich mich neben einem Strom befinde, während ich latze, und dann muss man ja auch noch bedenken, dass Strom ein Teekesselchen … «
Er: »Frau Hell, ich mache Ihnen einen Vorschlag! Sie holen jetzt Ihre Stromrechnung, und dann gehen wir zusammen … «
Ich: »Tschuldigung, wenn ich Sie unterbreche, könnten Sie mir vielleicht eben verraten, woher Sie meine private Geheimnummer haben?«
Er: »Haben Sie die Rechnung da? Dann gehen wir die einzelnen Posten einfach zusammen durch.«
Ich: »Ich geh mit Ihnen zusammen durch, alles klar! Hallo? Ich hatte Genies, Revolutionäre, Zeitreisende und langhaarige Schlagzeuger, ich geh doch nicht mit einem Callcenter-Fuzzi durch! Na, warten Sie mal, wenn ich erst mal den Herrn Fucking kennengelernt habe, dann wird der Ihnen aber was erzählen!«
Er: »Frau Hell, ich möchte Ihnen beweisen, dass Sie beim Strom definitiv zu viel bezahlen!«
Ich: »Am Strom.«
Er: »Sie bezahlen am Strom zu viel, Frau … *raschel* Hell. Die Firma Arschkrampe … «
Ich: »Sagen Sie mal, ist so ein Cold Call eigentlich verboten oder ist das unerlaubt?«
Er: »Frau Hell, Sie möchten doch sicher auch sparen und sich mal den einen oder anderen Wunsch erfüllen! Darf ich denn fragen, was Sie beruflich machen?«
Ich: »Das geht Sie zwar nix an, aber ich bin ein spülmaschinenfester Storyteller, ich werde dafür bezahlt, dass ich Leuten Geschichten erzähle. Aber für Sie mach ich das umsonst. Aus Liebe.«
Er: »Äh, Frau … Sie wollen sich doch sicher auch mal was gönnen und … «
Ich: »Entweder, Sie legen jetzt auf oder ich, aber irgendwie haben Sie nicht verstanden, dass Sie in Ihrer Schulung nicht gut genug aufgepasst haben, um mich zu knacken, oder?«
Er: »Nun, Frau Hell, wenn wir Ihre Rechnung zusammen durchgehen … «
Ich: »Nein.«
Er: »Frau Hell, wie viel bezahlen Sie denn jährlich?«
Ich: »Nein.«
Er: »Frau Hell, Sie werfen Geld zum Fenster raus!«
Ich: »Jetzt pass mal auf, Kollege, hab ich gesagt ›Armeslänge Abstand‹? Ich hab gesagt: Nein!«
Er: »Frau Hell, Sie sind dumm, wenn Sie nicht … «
Ich: »Aus meinem letzten Highscore beim IQ-Test können Sie noch nicht mal die Quersumme errechnen, aber ich kann Ihnen auch gerne das Wort Nein einfach mal buchstabieren. Haben Sie was zu schreiben?«
Er: »Frau Hell, was zahlen Sie denn für die Kilowattstunde?«
Ich: »Herr Dings, wie viel Kilowatt pro Stunde muss ich Ihnen denn um die Ohren ballern, bis Sie aufgeben! Nein! Das ist doch gar nicht so schwierig! Einfach nein!«
Er: »Aber Frau Hell, Sie bezahlen zu viel, verstehen Sie das?«
Ich: »No, No, No … unglaublich geschmeidiger Song, Dawn Penn, kennen Sie den? No, No, No … könnte ich den ganzen Tag singen! Da kann man auch super swaggy zu auf Norwegersocken über Laminat rutsch … «
Tut … tut … tut …

Ah, diese Ruhe, wenn keiner meine geheime Geheimnummer anruft … Schon cool, wenn sie zuerst auflegen. Erstmal entspannt die Hände in den Nacken legen und sinnierend an die Decke starren. Gleich lecker Kaffee kochen und dann 270 Romanseiten querlesen, dann kann ich die nachts überarbeiten.

Ploff.

Oh, nee! Das Geräusch kenn ich. Komisch, oder? Dass man sofort hört, wenn eine Zecke vom Kater abfällt? Dabei hatte ich gestern Abend noch mit ihm Flughafen gespielt und ihn durchsucht, da war keine Zecke! Und jetzt: Ploff! Eine Zecke, so groß wie eine Kokosnuss! Fällt da einfach ab. Und er läuft erst noch ein Stück weiter, dann dreht er sich neugierig um und guckt, was da für eine güldene Kugel übers Laminat rollt! Königstochter, Jüngste! Tu ma’ die goldene Kugel vom Boden wech!

Fitzwilliam schnuppert mit milden Desinteresse an der voll aufgepumpten Zecke, die hilflos mit ihren acht Armen rudert. Dann guckt er mich fragend an. Dabei lässt er manchmal einen winzigen Zipfel von dieser borstigen rosa Zunge raushängen, was seine naturgegebene Intelligenz weniger sichtbar erscheinen lässt, der kleine Underachiever. Ich frage: »Na, toll. Wer macht das Vieh jetzt weg?«

Fitz schlendert zu mir rüber und reibt sich an meinem Bein. Das heißt: »Immer die Sau, die grunzt.«
Okay, Zeit für meine Aretha-Nummer. Ich springe also dynamisch aus dem Bett und tanze den scheiß Kater voll heiß an. »What you want, Baby, I got it, what you need, you know, I got it, all I’m asking is for a little respect!« Gleich kommt meine Lieblingsstelle. »Arrrr-i-sss-pi-i-ci … «

Iiiih, der verdammte Kater schießt beim Tanzen die Zecke unters Sofa! Hallo? Das ist Iwan, mein Divan, der ist zum Rumfläzen da, nicht zum … Scheiße. Auf die Knie, na super. Zeit, das Gretchen zu zitieren, mit dem Kopf unterm Sofa. »Es ist so schwül und dumpfig hie!« … und da ist ja der Schuh, den ich nach dem Nachbarkater geschossen hatte, als der sich mal wieder rein geschlichen hatte! Cool, ich hab einen Schuh! Ich könnte das Haus verlassen!

Die Zecke guckt mich an und sagt teilnahmslos: »Ich hab die Rekapitulation der Phylogenese durch die Ontogenese durchlaufen oder irgendwie anders.«
Ich nicke verständnisvoll. »Und jetzt ist dir schlecht.«
Die Zecke rülpst. Okay, das reicht, um meine Tötungshemmung abzubauen. »Fitz, hol mal Klopapier!«
Der verdammte Kater schmeißt sich nur mit Schmackes schmiegend an mich ran und macht nur dieses Geräusch, das im »Ulysses« mit »prrrrrt!« beschrieben wird. Ich kann ja doch nicht anders, ich halte ihm die Nase hin, also meine, nicht seine, und frag ihn: »Na, Digger, hast du wieder stream of consciousness?«

Fitzwilliam rempelt mir ins Gesicht und macht dieses kehlige Geräusch hinten im Rachen. Katzenhalter kennen das Geräusch. Es heißt: »Du hast einen Daumen.« Und das heißt: »Mach die Dose auf!«

Also im Zeitraffer in die Küche, unter die Dusche, zurück, Kaffeefilter in meinen turbo-umweltfreundlichen Omma-Bohnenkaffeefilter gesteckt und Mist! Bananen, Äpfel, Müsli, Birnen, Schwätz … Zwäsch … Zwtwäschken … oh, verdammt! Könnt ihr die Dinger auch nicht aussprechen? Langsam, Sookie, klassische Genre-Regisseure inszenieren spektakuläre Actionszenen. Also, noch mal. Quetzschgen. Mah, fuck! Diese blöden blauen Eierpflaumen! Auf jeden Fall ist nichts Richtiges zu Essen im Haus, dann muss ich halt Chips frühstücken. Und dann kann ich endlich meine 270 Romanseiten querlesen! Ich weiß nämlich ehrlich gesagt nicht mehr, was da drin steht. Was ich einmal aufgeschrieben habe, vergesse ich. Darum macht man das ja, damit es aus dem Kopf raus ist!

Aber, nein, halt! Ich muss ja diese verfickten Halogendinger noch austauschen! Also rauf in die Kemenate, wo die Damen hausen, und den Schallschraubenzieher nicht vergessen! Soll ja schnell gehen, ich muss ja noch 270 Roman … Wieso kommt dieses blöde, durchgebrannte Halogenbiest nicht aus dieser dämlichen … Ich geh doch jetzt nicht googeln, bin ich blöd? Mistding! Wer denkt sich so eine Scheiße aus? Deckenverkleidung! DECKENVERKLEIDUNG!

Scheißfickarschlochhalogending, *porkel*, wer baut denn so eine Scheiße ein! Aua! Kommst du raus, du verdammtes … oh, nee! Diese verdammte idyllische Landlust-Scheiße in dieser Spießerbude geht mir so auf den Sack! Was ist schlimm daran, eine einfache Glühbirne an die Decke zu hängen, hä? HÄ? Aber neinnnnn, wir brauchen ja eine stylische Deckenverkleidung, wo diese …

Ach so, der komische Haken da muss da erst mal raus, echt jetzt, die WOHNEN schon, die leben nicht mehr, diese analhortenden Atome der Weltbanalität im Dekowahn, die diese Bude gebaut haben! Wieso kommt dieses Halogenmopped da jetzt nicht raus? Hey, McFly, jemand zu Hause? Wegen dir bezahl ich zu viel am Strom, mal drüber nachgedacht?! Warum geht das jetzt nicht von diesem verfickten Draht ab? Das ist alles deine Schuld, R2! Jetzt geh apppp, du Arsch! Rrrrrraaaaa! Halogenkackarschlochscheiße, ich will eine Lampe mit Gewinde! *porkel*

So, gleich krieg ich einen Schlag, und dann hab ich eine bipolare Störung, das habt ihr dann davon! Wir werden alle sterben! Kann mir mal jemand eine klatschen? Ich bin ja total hysterisch! Mist, jetzt hängt das Teil da schief am Draht und geht nicht vor und nicht zurück. Super, Sookie, hast du fein gemacht! Wieso gehst du nicht apppp!?! Siktir lan, scheiß Pesevenk, ich HASSE HAUSHALT! Du Wichser von einer Lampe! Ach, nee, Wichser darf man ja gar nicht mehr sagen! Ist ja nicht mehr politisch korrrrrekt! Du bist ja eine Halogenlampe mit einem Händchen für Selbstbefriedigung! Jaha, da bist du platt, nä? Facebook bildet! Und dann kommt der ganze Scheiß in den Wixxxxxer! Äh, Mixxxxxer!

Weißt du was? Ich lass dich jetzt eiskalt hängen! Kurt Cobain hat sowieso gesagt »With the lights out, it’s less dangerous!« Elektrisches Licht wird sowieso total überbewertet. Leckt mich doch alle!

Au ja, wutschnaubend die Treppe runter stampfen, haaa, das tut gut. Also, Kaffee, Zecke. Kurt. Hehe. Na gut. Drei Minuten Ausdruckstanz, dann les ich aber endgültig meine 270 … ach, nee die Zecke!
Ab unters Sofa. Die Zecke bewegt hilflos ihre Stummelärmchen wie ein Nachtmahr aus der Interzone in »Naked Lunch« und sagt: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen!«

Muss die mir jetzt mit Adorno kommen? Hat die vielleicht sogar ein Bewusstsein? Wie soll ich der denn jetzt meine eigens zu diesem Zwecke gebunkerte Olivenölflasche über die Murmel ziehen? Normalerweise töte ich schnell und präzise. Kawämm. Aber was ich jetzt machen soll, weiß ich nicht. Doch dann reift in mir ein Plan! Ich könnte sie über die zwei Meter hohe Hecke hinter meiner Terrasse werfen! Aber da läuft ständig der ballonseidene Rasenmähermann in seinem Freizeitkostüm entlang, dieser unkrautzupfende Baumarktjunkie! Wenn ich dem jetzt die Kokosnusszecke auf den Kopf werfe, reden ja die Nachbarn! Die schrullige Frau mit dem ungezupften Vorgarten schmeißt mit Zecken! Dieser Vollhorst mit seinen Kantenschneidern, Heckenscheren, Vertikutierern! Dieser Horst against the machine!

Ach, ich wollte ja Nirvana aufdrehen! Dann aber Kaffee und meine 270 …

Rape me

,

Rape me

,

Rape määä

,

Rape määäääää …

Pockpock!

»MAMA, MACHST DU MAL DIE MUSIK LEISER?«

Jetzt mal ganz ehrlich, Frage an die analogen Geister unter euch, WAS ist das für eine Generation, die nach Hause kommt und Sätze sagt wie: »Mama, machst du mal die Musik leiser?«! Müsste ICH das nicht sagen? Egal, jetzt kommt meine Daily Soap Ration für heute, jeeeehaaaaaaa! Ich liebe es! Wenn man selbst kein Leben hat, gibt es nichts geileres, als den neusten Tratsch aus der Schule! Also! Der Nick hat die Sarah per What’s, wie wird das geschrieben? App? Dieses Ding, über das sie ständig texten. Also, der Nick hat die Sarah gefragt, ob sie mit ihm gehen will, boar, das ist so Kindergarten, wer fragt denn heute noch »Willst du mit mir gehen?« Am besten dann auf dem »Ja/Nein/Vielleicht«-Zettel noch dran schreiben, »Bitte nur eine Antwort auswählen!«

Aber die Sarah hat einen Fast-Freund und findet den Nick ja auch süß, aber eher so wie einen Welpen, aber als Mann? Näää! Ach so, und die Alicia hat jetzt doch mit dem kleinen Bruder vom Dealer Schluss gemacht, der war ihr s/m-mäßig zu hart drauf mit seinen Psychospielchen, der Schwachmat! Und Phillip hat wieder »künstlerische«, dabei zeigen sie mir dann so Anführungszeichen mit den Fingern, weil der Phillip will nämlich Fotograf werden, aber ein künstlerischer! Der untervögelte Vollhonk glaubt zwar »Spiegelreflex« ist, wenn man sich selber im Spiegel sieht und zusammenzuckt, und der hat ja auch ein Instagramm-Bild gepostet, unter dem stand, dass er sein Skateboard für immer an der Wand genagelt hat, aber … äh, naja.

Jedenfalls, der Phillip hat wieder künstlerische Fotos mit sich, seinem peinlichen Männerdutt für arme Hipster und seiner großen Liebe der Woche gepostet, der Poser, ob die große Liebe weiß, dass er »Bitchi«, der hohlen Bratzbirne, die Zunge nur freundschaftlich in den Hals gesteckt hat? Naja, die Sarah hat den Nick jetzt jedenfalls erst mal gefriendzoned. Mama, hast du die Birne oben ausgewechselt?

»Äh … bin ich noch nicht zu gekommen!«

Ja, und dann gehen sie chillen und ich gucke meinen zwei Ablegerinnen nachdenklich hinterher. Lästermäuler sind das, unglaublich. Und diese Schimpfwörter immer! Ich hab keine Ahnung, woher die das haben. Und mein Kaffee ist jetzt natürlich kalt. Dann geh ich eben Tee kochen und dann kann ich endlich meine 270 …

Und was habt ihr heute so gemacht?

10 thoughts on “Sookie hat Haushalt – ein Tag im Leben einer Autorin!

  1. Kicher… ich bin aufgestanden und auf den´m Weg zur Arbeit, aber DAS habe ich gerade noch gelesen 🙂 Nett! Den nächsten Callcebnter Agenten bringe ich auch mal zum Auflegen 🙂 Das gibt dem Ganzen eine sportliche Note 🙂

    1. Mein Gott, wie du so früh morgens schon solchen Schwachsinn lesen kannst, unglaublich! 😀 Aber probier es aus, auf jeden Fall! Früher hab ich auch einfach aufgelegt, wenn mich Agenten angerufen haben, aber so macht es einfach mehr Spaß! 😀

  2. Das war ein wenig wie Mary Popins auf Krack … Wahnsinn. XD
    Also bei mir läufts zum Glück immer ziemlich ruhig … Um 5:00 Uhr auf, 45 Minuten Trailermusic oder Slim Man hören, waschen, zusammen räumen, essen, eine Stunde lang schreiben, 40 Minuten Autofahrt in die Arbeit, Dienst runterbiegen, wieder nach Hause, weiter schreiben. Und wenn die Nacht kommt, dann schlafe ich. 🙂

    Ja, Gelsen sind richtige – warte … jetzt kommt’s … das Unwort … DRECKSFOTZEN. Ich hoffe, das passt besser. Die sind ja weiblich. Und so viel ich von einer Deutschlehrerin gehört habe, soll man „Drecksfotze“ nur für Weiber nehmen. Und nicht für männliche Terroristen, die Flughäfen in die Luft jagen und Frauen vergewaltigen wollen … Nun ja. In Spartakus habe ich etwas anderes gelernt. Ganz Besonders wenn Ashur schreit: Wer ist jetzt die Fotze?!
    Aber das ist ja Ansichtssache.

    Ich geb dir einen guten Rat: benutze Fliegengitter. Die helfen ungemein bei solch lästigen Insekten, die dir das Blut raus saugen wollen.
    So, jetzt fällt mir nichts mehr ein. Also schreibe ich weiter, an meiner eben angefangenen dritten Geschichte. Da wird gerade jemand umgebracht. Das ist immer so befreiend, wenn man über einen Mord schreiben kann … Geht’s dir auch so?
    Jedenfalls muss ich mich jetzt immer in fünf verschiedene Personen hineinversetzen, die unterschiedlicher nicht sein können – und das bloß, weil ich an drei verschiedenen Geschichten schreibe. Und die fünf Personen sind bloß die Protas … Statisten, Nebencharas und politische Drecksfotzen sind da noch gar nicht mitgezählt …
    Ach Gott, jetzt habe ich wieder das Unwort geschrieben …

    Langsam werde ich schitzophren, wenn das so weiter geht …
    Ich wünsche dir einen erholsamen Tag
    Und lass dich nicht von den Zecken nerven … sonst fängt das Seiende mit dem Nichtseienden noch an zum Streiten …

    1. Mist, ich hatte die Drecksfotzen-Diskussion auf Facebook kurz gesehen und musste zu schnell weiter, ich glaub, ich such mir das noch mal raus! Wo war denn die Deutschlehrerin, auf Lovelybooks?
      Wo bleibt eigentlich die künstlerische Freiheit? Drecksfotze ist doch schön! Kann man männliche Terroristen mit beschimpfen und kastrieren in einem Wort, das ist doch praktisch! Ich bin aber sowieso ein Fan der Regel: „Der Autor hat das letzte Wort!“ Dein Buch, deine Wortwahl!
      Und von Mückennetzen an den Fenstern träume ich auch manchmal, aber meine Fenster sind Fitzwilliams Tor zur Welt, ich lasse ihn da zwanzigmal am Tag rein und raus. Ich hatte mal so ein Moskitonetz überm Bett, aber ich hab mich dann nachts immer selber in dem Teil verheddert und lag dann da wie Herr Frodo nach der Begegnung mit Kankra, der Riesenspinne. Das war mir dann doch irgendwie zu fesselnd! 😀
      Aber jetzt, wo du das so sagst: Ich hab tatsächlich noch nie einen Mord geschrieben! Immer nur dran gedacht! 😀 Vielleicht sollte ich das mal ausprobieren. Wen könnte ich denn mal umbringen? *grübel*

      1. Yep, das war die Lehrerin von Lovelybooks. 🙂 Letztlich habe ich zwei Sterne bekommen – mit dem supertollen Fazit: wer sich an Orthographie, Grammatik- und Syntaxfehlern nicht stört, dem könnte der Roman ja gefallen …
        Ein paar Kommentare später (und in einer anderen Rubrik) meinte sie dann sogar, dass man eine Geschichte, die nicht einmal annähernd Fehlerfrei ist, ja nicht den Lesern zumuten könnte. Da musste ich dann an einen guten Bekannten von mir denken, der nicht einmal seinen eigenen Geburtsort richtig schreiben kann. Würde mich interessieren, was sie von einem solchen Text halten würde … 😀
        Nun ja … Dass dein Fitzwilliams die Fenster als Tür zu seiner felinen Welt benutzt, ist natürlich blöd. Da hilft dann wohl nur noch ein Gelsenstecker. Der hat mir früher einmal gute Dienste geleistet.
        Da mein erster Roman mehr oder minder von einem Auftragskiller handelt, durfte ich einen richtig schönen, erotisch-tödlichen Mord schreiben. War ziemlich cool. Und ich finde, dafür, dass ich so etwas das erste Mal geschrieben habe, ist es gar nicht mal so schlecht geworden.
        Und heute, als ich erneut so eine Szene geschrieben habe, habe ich Blut geleckt. Jetzt geht’s wohl wieder los … Die stillen Momente sind für eine kurze Zeit auf die Seite geschoben … Schauen wir mal, was daraus wird.

        1. Ich lache gerade still in mich hinein, weil ich es absolut irre finde, was für verschiedene Stimmen wir an den Buchmarkt bringen. Wir sind wirklich so gar nicht Mainstream! 😀
          Ich habe gerade (mal wieder, ich hab es mehrmals gelesen, weil ich es so schön und ehrlich finde) dein Autoreporträt noch mal gelesen und ich stelle fest, ich sehe zwei spezielle Punkte vollkommen anders als du.
          Ich verstehe gut, was du da über den Raststättenslang schreibst. Den Gedanken selbst kann ich gut nachvollziehen. Ich finde auch nichts schlimmer als ordinäre Sexszenen, aber ich gehe an der Stelle mit Sprache vollkommen anders um. Ich empfinde Ausdrücke wie „Schwanz“ nicht als ordinär, wenn sie im richtigen Kontext stehen. Meine Protagonisten dürfen so sprechen, wie ich diesen Blog hier schreibe – mit einer sprachlichen Bandbreite von Porno bis Adorno. Fakt ist, sie lieben sich und sind verrückt nacheinander und sie dürfen ebenso zärtlich, romantisch oder geil sein, wie sie sich streiten dürfen.
          Da gehören solche Ausdrücke für die Authentizität meines Schreibstils einfach dazu. Für dich ist das ein absolutes No-Go, und ich kann deine Gründe wie gesagt sehr gut nachvollziehen.
          Dafür freust du dich diebisch, wenn du einen „schönen, erotisch-tödlichen Mord“ schreiben darfst! 😀
          Als ich das gelesen habe, hab ich meinen Tee über die Tastatur geprustet! Einen was? What the fuc … Fucik, wollte ich sagen! Julius Fucik, tschechischer Komponist (1872 – 1916). 😀
          Also, ähm, was zur Hölle ist ein schöner, erotisch-tödlicher Mord? Ich geb ja zu, ich bin ein extrem zart besaitetes Weichei in solchen Dingen und ich glaub, die Liste der Filme, die ich mittendrin ausgemacht habe, weil ich solche Angst hatte, das was passiert, ist länger als die Liste der Filme, die ich bis zum Ende gesehen habe. (Deswegen wusste ich jahrelang nicht, dass es eine Sexszene mit Jude Law gibt, als er noch jung und knusprig war! Und das MIR, als bekennendes Law-Girl! Dem Mann verzeihe ich ja sogar seine Frisuren, und da gibt es einiges zu verzeihen!)
          Aber das letzte, was ich in meinem Kopf zusammenkriege, ist das Dreieck schön – erotisch – Mord. Wie löst du sowas dramaturgisch? Wie schaffst du es, das Spannungsfeld zwischen Mord und Erotik aufzubauen? Find ich schreibtechnisch faszinierend, weil – wenn ich an einen Auftragskiller denke, ist Lust das Letzte, was mir einfällt! Ich freu mich riesig, wenn du mir das eben erklären kannst!

          Und ein P.S.! Meine K-Pop verrückte Tochter ist stolz auf mich, weil ich so coole Erwachsene kenne, die auch K-Pop hören! Ich sonne mich also in deinem Ruhm! 😀

  3. Die Nacht. Meine Zeit. Wo ich mit meinen unsichtbaren Freunden allein bin und Bücher schreibe.

    Nacht <3

    Nur das mit den Büchern ist bei mir nicht so. Noch nicht.

    Aber wieso unsichtbar? Bei mir sitzen die immer auf dem Sofa. Aber die faulen Säcke helfen auch nie im Haushalt. Wenn man nicht alles selber macht.

    1. Wieso unsichtbar! Sowas kann auch nur ein spitzohriges Einhorn fragen! Hallooo? Totale Geistesverschmelzung? Nicht dieser weichgespülte vulkanische Scheiß für Kontakttelepathen! Mit Anfassen, iiiih! Meine Gedanken zu deinen Gedanken!

      Zu deinen unsichtbaren Freunden musst du nicht erst SAGEN: „Rück mal, ich muss da Chips aufs Sofa krümeln!“ Die Rücken in dem Moment, wo du das DENKST!
      Ehrlich, du solltest wirklich mal langsam Bücher schreiben. Was soll man denn sonst nachts machen? Ich versteh das hier alles wieder nicht … 😀

    1. Liebe Schattentaucherin, du kannst dir nicht vorstellen, wie mich das freut. Wenn man mich nicht kennt, ahnt man das vielleicht nicht, aber ich komme auch von ganz unten. Du glaubst gar nicht, wie oft mein absurder Humor mir schon den Arsch gerettet hat. Wenn mein Alltagskram anderen ein paar Glückshormone ohne Nebenwirkungen verschafft, weiß ich, wofür ich das mache. Jetzt muss ich nur noch irgendwie erreichen, dass die Krankenkassen meine Texte übernehmen … 😀

Und was ist deine Meinung?