Sookie und Erotik: Das Schweigen Dilemma! Hä?

Sieht das Cover im Artikelbild sehr bescheuert aus oder geht das?

Ihr Lieben! Jetzt gerade bin ich so verpeilt, wie ich immer wirke, weil! Ich war bei Amazon im Schmuddelregal und hab „Indusdriespionooosch“ betrieben, wie der Ostfriese sagt. Dann bin ich falsch abgebogen und hab mich da stundenlang verfahren. Jetzt hab ich zwar Tränen gelacht, bin aber vollkommen verwirrt. Und ratlos. Worum geht’s?

Tja. Sex zu haben ist toll. Über Sex zu lesen bestimmt auch. Obwohl ich da ehrlich gesagt nicht so mitreden kann. Die Autoren, die ich verschlinge, wenn ich überhaupt mal zum Lesen komme, sind Leute wie Balzac, Gogol, Hardy oder Gaskell, Flaubert, oder, oder. Und die hatten mit „expliziten Szenen“ einfach noch nix am Kopp.

Aber auch ich bin natürlich nicht drumherum gekommen, die eine oder andere Sexszene zu lesen und ich weiß, dass das sehr individuell ist. Als ich Teenager war, waren zum Beispiel gerade diese Steinzeitschmöker von Jean M. Auel omnipräsent, und ich hab die Teile verschlungen. Ich fand das unglaublich spannend, wie die Menschen damals ohne Strom, Kühlschrank und Supermarkt klargekommen sind. Und da gab es auch Sexszenen. Laaange Sexszenen. Um nicht zu sagen: langatmige Sexszenen. Also, für mein Empfinden. Ich fand die so spannend wie die Landschaftsbeschreibungen bei Tolkien. *überblätter*

Und Jaaahre später quatsche ich so mit einer Mitbewohnerin und wir kommen auf diese Bücher zu sprechen und sie erzählt mir, dass die Bücher an ihrem Gymnasium rumgingen wie heiße Ware, weil alle so scharf drauf waren, die Sexszenen zu lesen. Da ist mir beim Puhlen die Krabbe aus der Hand gefallen! Hä?

Erhellend. Was Leser als erotisch empfinden und was nicht ist eben genau so individuell wie die Frage, was sie als komisch oder spannend empfinden. Also, das Handwerk muss immer gut sein, klar, aber ihr versteht, was ich meine. Es will ja nicht jeder zu explizite Szenen lesen. Ich kann das gut verstehen, wenn man was nicht lesen will. Ich zum Beispiel fasse keine Thriller an über irgendwelche Psychopathen, die junge Frauen abschlachten. Andere verschlingen das und kauen sich die Nägel ab, ich mag solche Bücher noch nicht mal anfassen.

Wie viel Erotik verträgt ein Roman?

Jetzt geht es ja in meinen Büchern um Gefühle. Natürlich auch um erotische, sinnliche Gefühle, aber der Sex steht nicht im Vordergrund der Story. Deswegen baue ich Sexszenen nur dann ein, wenn sie für die Entwicklung der Handlung und der Figuren wichtig sind. Und manchmal sind sie das, weil sich dabei Gefühle und Bewusstwerdungsprozesse entwickeln, die eine Verhaltensänderung der Figuren erklären und einleiten. Mein Gott, klingt das technisch, aber ihr seid meine Leser, ihr wisst ja, was ich meine! John ist eben manchmal verwirrt! 😀

Aber irgendwie steht der Sex eben doch im Vordergrund der Story, denn wenn es um Polyamorie geht, kann man Lust ja nicht aussparen. Kein Mensch reagiert total emotional mit Verlustangst, Eifersucht, Verunsicherung oder auch Wut, wenn er einen Schachpartner hat, der auch mit anderen Schach spielt. Insofern ist der körperliche Aspekt der Liebe ein ganz wichtiger Teil der Romane.

Und was da zwischen John und Anna emotional passiert, finde ich als Autorin einfach extrem spannend. Und ich schreibe auch gern darüber, weil sich zwischen den beiden in ihren intimen Momenten genau die tiefen Gefühle entwickeln, die die Story wie von selbst tragen. Und ich glaube, ich schaffe es auch, weder zu sehr ins Pathetische, noch ins Ordinäre abzurutschen. Obwohl ich schon dafür gerügt wurde, dass ich das Wort „Schwanz“ benutze. Ich meine, wir hatten sogar hier im Blog irgendwann mal eine Diskussion darüber.

Aber mal ehrlich, wir reden hier von Anna und John. Wenn ich John ein „Gemächt“ oder einen „Liebesspeer“ andichten würde, würde ich komplett die Chemie killen. Die müssten so lachen, dass John gar nicht mehr könnte und Anna würde sich wahrscheinlich Notizen machen und gleich die nächste Hochlandrammler-Schnulze plotten. Lothar würde dabei die Kamera draufhalten und Steffi hätte Schnappatmung vor Lachen, während Eugen Tee und Schnittchen serviert und einfach mal rot wird, ohne genau zu wissen, warum. In so einer wilden WG sind ungestörte Momente zu zweit eben eine kostbare Seltenheit.

Nichtsdestotrotz sind Anna und John ja sehr sinnliche, impulsive Charaktere und die erotische Spannung zwischen ihnen ist vielleicht das wichtigste Element der ganzen Geschichte. Denn die Kernfrage ist ja nun mal: Wie geht man damit um, einen Menschen zu lieben, der nicht im herkömmlichen Sinne treu ist? Wie vermeidet man es, den geliebten Menschen zu verletzen, wenn man ihm keine Treue geben kann, weil man dann den anderen geliebten Menschen verletzen würde? Eine kniffelige Sache das!

Und da gehören für mich als Autorin die großen, archaischen Gefühle Lust und Leidenschaft einfach zur Story. Aber wie gesagt, ich verstehe jeden Leser, der das gar nicht so genau wissen will, ich versteh aber auch jeden Leser, der es ganz genau wissen will. Deswegen werde ich jetzt, wo Anna und John es endlich geschafft haben, im Bett zu landen, sehr intensive, intime Szenen in kleine erotische Erzählungen auslagern, die zwar hoffentlich sehr schön und leidenschaftlich sind, aber die den Lesefluss der Romane nicht stören, wenn man sie nicht gelesen hat. Das war für mich von Anfang an klar.

Wie mach ich das denn nu?

Äh, was wollte ich jetzt sagen? Ah! Jetzt hab ich aber folgendes Problem! Ich bin zum ersten Mal, seit ich an dieser Romanreihe arbeite, unsicher und verwirrt. Normalerweise arbeite ich wie ein stures Maultier, das genau weiß, wo es lang will und bin in meiner Sturheit auch unbeirrbar. Keine Testleser und nichts, ich frag nicht „Hey, wie gefällt euch das Cover?“ oder sonstewatt, weil ich die Logik einfach so klar habe, dass ich noch so konstruktive Kritik mitten im Arbeitsprozess gar nicht haben kann. Wenn ich fertig bin, finde ich Kritik immer sehr hilfreich und bessere gerne nach. Aber an diesem Punkt war ich noch nie ratlos! Cover und Titel! Sonst das Sahnetörtchen, das ich mir verdient habe, wenn ich eine halbe Million Zeichen in den Rechner gehackt habe!

Also. Ich hab jetzt eine explizite Erotikerzählung über John und Anna hier liegen und dachte, och, hmm, ist ja kein Ding, da gehst du einfach mal bei Amazon im Erotikregal gucken, was da geht. Wie sehen die Cover aus, wie lauten die Titel, wie sind die Klappentexte? Und, ohne Witz, ich krieg das nicht zusammen. Ich hab nichts gegen Sankt Pauli, versteht mich jetzt bitte nicht falsch, es geht hier nicht um Moral, Schmuddel oder irgendwelchen elitären Dünkel („Meine Romanfiguren sind nicht so!“), nein, es geht darum, es passend zu machen, weil der Angler doch dem Fisch schmecken soll! 😀

Was für einen Titel soll ich bloß nehmen? Muahahahaaaa!

 

  1. „Zugeritten vom Maler“?
  2. „Wilde Spiele im Bauwagen“?
  3. „Die heiße Spritztour der Elfe“?
  4. „Der Konkubinator samt ab“? Ich geh kaputt vor Lachen!
  5. „Heiße Nächte in Ostfriesland“? Da denkt man doch an brünftige Ottifanten!
  6. „Gezüchtigt vom verpeilten Millionär“?

 

Och, Mensch, Kinnings, das geht doch alles nicht! Mir fallen nur so absurde Titel ein, die zu den Flying Kluntje passen! Aber das rutscht doch bei der Erotik-Konkurrenz sofort ins Nirvana!

 

  1. „Ich habe dir nie einen Neurosengarten versprochen“
  2. „Wackeln im Sturm – die polyamore Ostfriesland-Saga“
  3. Oder vielleicht mehr so in die künstlerische Richtung? „Flachgelegt mit dem Flachpinsel“?
  4. FIFTY SHADES OF SEAN???

Oh, neeee! Da fällt mir ein, kennt ihr noch diesen alten Witz, als Kohl noch im Amt war? Also! Helmut Kohl macht ein Kreuzworträtsel. Amtierender Bundeskanzler mit vier Buchstaben. Sagt er: „Ist doch klar: Ich!“ Ich passt nicht. Fragt er Hannelore. Lorchen sagt: „Ist doch klar: Du!“ Kohl zählt ab, passt nicht. Fragt er seinen Verteidigungsminister. „Wer ist denn der amtierende Bundeskanzler?“ Sagt der Minister: „Na, Sie!“ Passt auch nicht. Kohl geht nach Hause und kann die ganze Nacht nicht schlafen. Irgendwann weckt er Hannelore und ruft: „Jetzt weiß ich, wen die meinen! MICH!“

Ja, äh, und daran muss ich immer denken, wenn die Miss Steel den Mister Grey so neckisch fragt: „Und was hab ich davon, wenn ich mich von einem psychopathischen Großkotzkapitalisten mit seinen Spielsachen hauen lasse?“ Dann sagt er: „Mich!“ Und ich schrei jedes Mal: „Kohl, du Idiot! Vier Buchstaben! Rrrrrrra!“

Ähm, ja. Ich stelle fest, das vermittelt hier einen völlig falschen Eindruck. Als würde ich jedes Wochenende zur geistigen Erbauung Fifty Shades gucken, aber was ich davon halte, könnt ihr ja hier nachlesen. Ist ja auch egal. Jedenfalls … ach, Mensch. Ick liebe meine Romanfijuren. Ich will sie einfach nicht … billig machen, wenn ihr versteht, was ich meine. *seufz*

Vielleicht halten wir die Sache einfach ganz schlicht. Schwarz und schlicht. Ungefähr so wie die Beerdigung von Rudolph Valentino. Hundertausend Gäste, eine Wachspuppe im offenen Sarg und eine verzweifelte Pola Negri, die Traffic generiert, indem sie sich dramatisch schluchzend über die Wachspupppe wirft. Oder so.

Naja, irgendwie werden wir uns schon treu bleiben. Oder wie meine Kollegin Dana Brandt immer sagt: „Ich kann das!“

Ich bin fertig. Wann kommt eigentlich endlich die neue Game of Thrones Staffel? Ich brauch dringend mal ’ne Stunde Urlaub. Danke fürs Zuhören. Jetzt geht’s mir besser. Ich liebe euch.

Und was ist deine Meinung?