Sookies Kettensäge gegen Vorurteile – Heute: Offene Beziehungen!

Sookies Kettensäge gegen Vorurteile – Heute: Offene Beziehungen!

Das Thema "Liebe zu dritt" wird in der Öffentlichkeit oft falsch verstanden ...
Das Thema „Liebe zu dritt“ wird nicht nur von Käfern falsch verstanden!

Ihr Lieben! Heute bin ich so geharnischt, ich muss endlich eine neue Blog-Kategorie anlegen, so geharnischt bin ich, und diese Kategorie heißt: Hear me roar! Yäp! Ihr habt richtig gelesen! Sookie ist mal wieder spontan eine Kettensäge aus dem Arm gewachsen, und wenn ihr wissen wollt, wieso diesmal, hö? Watt is‘ da los? Dann müsst ihr euch leider eben ein kultiviertes Heißgetränk holen, denn ihr wisst ja: Wenn mir der Schädel platzt, kann das etwas länger dauern!

Wie immer, ihr kennt das, fing alles ganz harmlos an. Ich hing da so gerade etwas dösig auf dem Stuhl, wollte gerade mein Manuskript aufklappen und stellte semiverstört fest, dass die Kaffeetasse schon wieder leer, ich aber immer noch nicht wach war, da schickte eine extreeem geschätzte Kollegin von mir (die dummerweise einen sehr ähnlichen Humor hat wie ich, was dazu führt, dass unsere PNs oft damit enden, dass wir vor Lachen hysterisch gackern wie ein angetüterter Damenkegelclub in der Nordwestbahn – ganz furchtbar so was, wir sind voll peinlich) den Link zu einer Facebook-Diskussion. Cool, hab ich erst gedacht, da kann ich prokrastinieren und mir erstmal noch einen Kaffee machen, bevor ich mich wichtig mache und ernsthaft arbeite! Und dann DAS!

Also, ich überflog diese Diskussion, dann fing ich an, Geräusche zu machen wie Doris Day. Wer von euch sich noch an den guten alten Sonntagnachmittag-Film erinnern kann, hat das jetzt genau im Ohr. Das geht so: „Ooooh! Grrr! Mmmmmm! Ohhhh! Arrrrgh! Ohhhhhhhgrumpfffffahhhh!“ Jedenfalls so ungefähr. Dazu die geballten Fäuste und die derangierte Frise, das kommt schon echt klassisch. Als nächstes biss ich ein Stück Holz aus der Tischplatte, das dem weißen Hai zur Ehre gereicht hätte, dann sprang ich auf, lief grün an, sah in Zeitlupe die Knöpfe von meinem Hemd springen und jetzt seh ich so aus:

Ich kann doch unmöglich so bleiben!
Ich kann doch unmöglich so bleiben!

Für alle, die heute zum erstenmal hier sind und sich fragen, wo ist denn da jetzt der Unterschied, wie sieht die denn sonst aus, war die beim Frisör oder was?, hier das Vergleichsbild:

Voll gechillt, Alter!
Voll gechillt, Alter!

Das ist mein Normalzustand. Schrullig, verknautscht, tiefenentspannt, Frisur „Modell geplatztes Sofakissen“, und immer lecker in der Nähe des Wasserkochers. Manchmal hab ich sogar einen messbaren Puls. Aber heute?

*nag* *nag*
*nag* *nag*

Ach so, jetzt wollt ihr wissen, was da auf Facebook los war! Jetzt muss ich das auch noch in Worte fassen! Also, äh, die Frage, die da diskutiert wurde, war folgende: „Was haltet ihr eigentlich von Dreiecksbeziehungen in Büchern?“ Für mich eine extrem spannende Frage, da ich am Buchmarkt als die Polyamorie-Autorin unterwegs bin. Leider brachte schon die komplette Fragestellung mich dazu, sofort „Einspruch, Euer Ehren! Es handelt sich hier um eine Suggestivfrage!“ zu rufen, denn die Fragerin beantwortete schon vor der Diskussion ihre Frage selbst damit, dass sie Dreiecksbeziehungen ja furchtbar schrecklich findet und so was gar nicht lesen will. „Ich finde das sooo doof, ihr seid doch meiner Meinung, oder?“ Eine rhetorische Frage mit dem Ziel: „Alle, die das so sehen wie ich bitte hier rüber!“ ist als rhetorische Frage natürlich ein adäquates Mittel, dann sollte man sich aber nicht als „neutraler Moderator“ präsentieren. Und nur um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin hier nicht neutral, I got the blog, I make the rules! 😀

Jedenfalls kam es, wie es kommen musste. Ein Shitstorm brach los und alle waren sich einig. Frauen, die vielleicht mal in eine Lebenssituation geraten, wo ihr Beziehungsstatus nicht ganz eindeutig ist, sind totale Schlampen! Was für Bitches! Im wahren Leben würde man mit so einer ja auch nichts zu tun haben wollen, aber ich Büchern soll das dann gehen, oder was? Eine einzige Diskussionsteilnehmerin wagte mutig anzumerken, dass Dreiecksbeziehungen ja wohl doch manche Leute interessieren, sonst würden sie nicht in so vielen Büchern vorkommen, aber niemand wollte ihre Meinung hören.

Interessanterweise wurde die „Biss zum Abwinken“ Dreiersache zwischen Ella, Bedward und noch irgendwem immer wieder lobend erwähnt, denn Bella ist ein anständiges Mädchen und hat wohl ihren verwirrten Gefühlen zu ihrem besten Freund widerstanden, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich hab diese Bücher nie gelesen, weiß aber wohl, dass sie von einer Mormonin geschrieben wurden, und wie „gleichberechtigt“ Mormonen das Monogamie-Problem gelöst haben, wissen wir ja alle! 😀

Jedenfalls schlug mir so eine geballte moralische Überlegenheit mit einem Hauch von Doppelmoral entgegen, dass ich rückwärts vom Stuhl kippte und dann wieder aufstand, um zu kontrollieren, ob der Post auch wirklich aus diesem Jahrhundert war. Hallooo? Wir haben angeblich: Aufklärung, Informationszeitalter, eine pluralalalalalistische Gesellschaft, wer will, kann sich sogar in Toleranz gegenüber anders denkenden Menschen üben, und was hab ich vor der Nase? Eine Horde stutenbissige Moralaposteletten, die schreien: Auf den Scheiterhaufen mit den Bitches!

Folgendes passierte alles gleichzeitig in meinem Kopf:

Die alte Kampfemanze, die in meinem vernarbten Herzen wohnt, fing an zu weinen. Schwestern, wo ist eure Solidarität, eure gegenseitige Wertschätzung und Toleranz? Wie können Frauen nur so aggressiv und unreflektiert gegen andere Frauen wettern?

Die Autorin in mir dachte: Gott sei Dank hab ICH andere Leser! Ich liebe meine Leser! Die Leser meiner Bücher sind offen, denken vielschichtig und haben einen unschlagbar geilen Humor – sonst würden sie ja über meine Bücher nicht so lachen. Also: Ick liebe euch!

Die Intellektuelle in mir dachte: Wo haben wir als intelligente und gebildete Avantgarde so versagt, dass wir die Menschen nicht erreicht haben mit der so wichtigen Idee vom toleranten Miteinander?

Die Bitch in mir dachte: Tja, Mädels, ihr seid moralisch erhaben, dafür hab ich mich richtig gut ficken lassen! Schlampen aller Länder, vereinigt euch!

Die Analytikerin in mir zog besorgt die Augenbraue hoch, weil unsere Gesellschaft mit ihrer vorherrschenden Moralvorstellung längst wieder da angekommen ist, wo Sigmund Freud ursprünglich mal – damals noch ganz verklemmt und verhalten – versucht hat, die vollkommen lustfeindlichen, bürgerlichen Strukturen zu überprüfen. Also alles nochmal zurück auf Anfang. Als hätte es die Frauenbewegung, die sexuelle Revolution nie gegeben.

Das politische Wesen in mir dachte: Never underestimate the power of stupid people in large groups! Wenn die eine Partei gründen, bin ich am Arsch!

Die Vulkanierin dachte: Das ist nicht logisch. Wenn der Herr Grey in 50 Shades (zugegeben, bei dem Thema reagiere ich ja auch immer wieder mal klingonisch) seiner Interims-Submissive einen Knebelvertrag mit Verschwiegensheitsklausel und Foltermethoden zum Ankreuzen vorlegt, einen Knebelvertrag, der ganz offensichtlich nicht nur auf totale Bevormundung, sondern auch auf kurzgetaktete serielle Monogamie hinausläuft, dann regt sich da kein Schwein drüber auf. Denn a), er hat, wie wir wissen, einen Huuubschrauber!, b) er sieht ja so guuut aus, c) zu Belohnung gibt es, tada, IHN (gebt mir die Bratpfanne, ich muss mir vor den Kopf schlagen, um den Schmerz zu kanalisieren, rrrrraaaa!). Ach so, d) er ist ein Mann. Männer, die einen hohen Frauenverschleiß haben, müssen ja irgendwie enorm tolle Hechte sein. Das macht den Schwachmaten ja gleich noch mal attraktiver, wenn ein heißer Bitchfight von Nöten ist, um ihn vom Markt zu holen, aber dann ist man ja als Frau auch endlich mal was „Besonderes“, wenn man das Alphamännchen unter Einsatz von Ellenbogen ergattert hat. Wenn das Alphamännchen dann allerdings die Nächste auspeitscht, gehört nicht er auf den Pott gesetzt, sondern die Schlampe, die ihn „wegschnappt“. In den meisten Fällen weiß die arme „Schlampe“ zwar gar nicht, dass er zweigleisig fährt, weil er einfach beide Frauen heimlich betrügt, aber das ist ein anders Thema. Fest steht: Doppelmoral ist nicht logisch!

Der Dalek in mir dachte einfach nur: Eliminiiiieren!

Die Zynikerin in mir fragte sich: Höre ich bei den bissigen Stuten etwa Neid? Weil die es nicht mal hinkriegen, einen Mann zu ergattern, hassen sie jede Frau, die zwei hat? Wie sagt Scarlett MacNamara in der grandiosen Billy Wilder Komödie „Eins, Zwei, Drei“ so schön? „Oddo sagt, keine Frau sollte zwei Pelzmäntel haben, solange es noch eine Frau gibt, die keinen Pelzmantel hat!“ Oddo-Darling wurde übrigens gespielt von einem großartigen Hotte Buchholz, damals musste man sich für „unseren Mann in Hollywood“ noch nicht schämen! Heute haben wir Til Schweiger. Jedenfalls sind Männer in einer schön einfach gestrickten Welt ja willenlose Wesen, die man gerecht verteilen kann, damit jede einen hat. Ich befürworte durchaus das Che Guevara Zitat: „Solange es nicht genug Kaffee für alle gibt, gibt es Kaffee für keinen!“ Man kann ja auch mal Tee trinken, besonders ich alter Ostfriesenteejunkie, aber Männer sind weder Kaffeebohnen, noch Teebeutel! Männer sind Menschen!

So, das war ein kleiner Auszug dessen, was mir da innerhalb weniger Sekunden alles durch den Kopf raste. Ihr seht, da sind einige Leute unterwegs in meinem Hirn und manchmal herrscht ziemliches Gedränge und man versteht sein eigenes Wort nicht. Was mich jetzt zum letzten Punkt bringt:

Die verpeilte Hochbegabte dachte neidisch: So einfach würde ich mir das auch gern mal machen können!

Gehen wir doch einfach mal mit gewaltfreier Kommunikation an die Sache ran!

Für alle, die noch nie davon gehört haben: Der Sinn der gewaltfreien Kommunikation liegt darin, auch aus extrem „wölfischen“, also destruktiven und aggressiven Äußerungen, das dahinter verborgene Bedürfnis mit liebevollen Ohren zu hören. Wenn eine Horde Frauen sich vollkommen einig ist, dass selbst harmlose Romanfiguren, die nie zwischen den Buchdeckeln hervorkommen und ihnen was streitig machen werden, Schlampen und Bitches sind, nur, weil diese Figuren zeitweise zwischen zwei potenziellen Partnern schwanken, dann hört die gewaltfreie Giraffe (das Symbol für die liebevollen Ohren, denn die Giraffe hat von allen Landtieren das größte Herz) in mir da ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Counselor Troi, die empathisch begabte Beraterin auf der USS Enterprise, würde es so ausdrücken: „Ich fühle große Angst.“

Die Angst, den Partner an einen Außenstehenden zu verlieren sitzt tief und das zu Recht. Es tut einfach scheiße weh, betrogen oder sogar für einen anderen Partner verlassen zu werden. Verlustangst und Eifersucht sind so quälend schmerzhafte Gefühle, dass man sie am liebsten komplett wegdrängen würde. Reizthema. Urangst. Übler Trigger für alle, die mit untreuen und verlogenen Partnern schon schlechte Erfahrungen gemacht haben (wie ich, die Polyamorie-Autorin, übrigens auch). Und natürlich gibt es da eine oberflächliche Scheinsicherheit, einfach jede Frau, die eine potenzielle Rivalin werden könnte, als schlampenbitchiges Miststück vorzuverurteilen. Los, alle „anständigen Frauen“ zusammen, auf die Schlampe, und immer druff! Aber das es nicht funktioniert, die Angst dadurch zu bannen, zeigt sich ja daran, wie sehr das Thema immer noch und immer wieder polarisiert.

Sicherheit in Beziehungen gibt es nicht

Allein ein kurzer Blick auf die Scheidungsstatistiken macht jedem klar: Der Schwur ewiger Liebe und Treue mag ja gut gemeint sein, ist aber keine Garantie. Egal, wie groß die Liebe am Anfang war, was die Party und das Kleid gekostet haben, wie viel CO2 die Hochzeitsreise in die Atmosphäre gepufft hat, jede zweite Ehe scheitert. Und da sind ja jetzt die Trennungen ohne Trauschein gar nicht in der Statistik. Jeder hat heute Trennungen in der Vita. Und viele dieser Trennungen hatten im weiteren Sinne mit Untreue zu tun. Entweder, weil eine Affäre aufflog und die Beziehung durch das zerstörte Vertrauen zu kriseln begann, oder weil die Untreue ein Symptom dafür war, dass es in der Beziehung einfach schon lange nicht mehr stimmte, das gegenseitige Gespür füreinander den Bach runter gegangen war. Es ist immer traurig und tut immer weh, keine Frage. Aber wie sagt Danny Wilde in „Die Zwei“ so treffend: „Wir sind alle Menschen! Die Automaten stehen in der Küche!“

Und genau das isses. Wir sind keine Automaten. Niemand von uns ist davor gefeit, betrogen oder verlassen zu werden. Und selbst der treuste Partner kann plötzlich tot umfallen und einen trauernden Partner untröstlich zurücklassen. Das macht der dann auch nicht mit Absicht, aber klar ist: Liebe ohne Verlustangst ist nur was für Hardcore-Buddhisten. Niemand von uns ist auch davor gefeit, sich außerhalb seiner Beziehung zu verlieben und vor der Entscheidung zu stehen: Bleiben? Gehen? Untreu werden? Der mutigste und schwierigste Weg ist es, ganz offen und ehrlich mit dem angestammten Partner zu sprechen und dann gemeinsam eine Lösung zu suchen, wie auch immer die aussehen mag. Aber wer jetzt Stein & Bein schwört, dass er sich niemals zu einem Menschen außerhalb seiner Beziehung hingezogen fühlen könnte, der werfe den ersten Stein – aber dann bitte auf seinen eigenen Kopf.

Solche Dinge passieren nun mal! Gegen Gefühle kann man nix machen, man kann nur bewusst Einfluss darauf nehmen, ob man sie auch auslebt! Oder eben nicht. Und die „Wir müssen reden!“-Momente in einer Beziehung hat niemand gern! Besonders nicht, wenn Männer das sagen! Weil, in 3 % der Fälle haben sie dann aus Versehen deine Katze überfahren. In 97 % der Fälle sind sie ungeplant schwanger. Ach, nee, das waren ja wir! Also, ihr wisst schon. In 97 % der Fälle sind sie dann ins falsche Bett gefallen oder – das sind die ehrlichen Helden unter ihnen, die gibt es tatsächlich – sie kämpfen dagegen an, es zu tun und sprechen deshalb mit ihrer Frau. Vorher, um nicht heimlich fremd zu gehen, und das erfordert Mut. Ich sag ja nicht, dass das gut ist! Aber es ist menschlich und wenigstens ehrlich.

Wer ehrlich ist, riskiert nämlich auch, verlassen zu werden, manchmal nur für seine Gefühle, obwohl noch gar nichts passiert ist. Es ist ja auch vollkommen legitim zu sagen: „Nö. Also, mit einem Partner, der auch Gefühle für jemand anderen hat, will ich nicht zusammen sein.“ Absolut nicht legitim ist es in meinen Augen, schön moralisch überlegen von oben herab die Menschen zu beschimpfen, die ihre Beziehung nicht einfach wegschmeißen, wenn es kritisch und vielleicht auch schmerzhaft wird, sondern Wege suchen, mit ihrer Eifersucht, ihrer Verlustangst, oder mit ihrem sich hingezogen fühlen zu einem Partner außerhalb der Zweierbeziehung konstruktiv umzugehen. Und dann eben vielleicht auch in einer Dreiecksbeziehung landen. Und ich erzähl euch sogar, wieso mich diese „erhabene“ Verurteilung nicht nur auf der intellektuellen Ebene eines aufgeklärten Menschen aufregt, sondern ganz persönlich!

Plauderei aus dem „Schlampen-Nähkästchen

Ich schreibe Bücher über das, was ich selbst ge- und erlebt habe. Ich hatte monogame Beziehungen, ich hatte offene Beziehungen, und ich kannte auch Männer, die Treue verlangt haben und dann einfach stupide heimlich fremdgegangen sind, während ich Schaf natürlich die Letzte war, die es erfuhr. Und jede Beziehungsform hatte Vor- und Nachteile. Gut, untreue Lügner haben mehr Nachteile als andere Partner, das sehe selbst ich ein. Aber sie haben Gründe, die man versteht, wenn man bereit ist, ihnen zuzuhören, und wenn sie bereit sind, zu reden. Was sie allerdings meistens nicht sind, weil es viel leichter ist, stinkwütend den Satz „Du bist ja eifersüchtig!“ als Beschimpfung abzufeuern, als die heulende Frau, der man so weh getan hat, liebevoll in den Arm zu nehmen und das mit ihr auszuhalten.

Und jetzt kommen wir zum Anekdöööötchen! Es begab sich aber zu der Zeit, dass es sich irgendwie entwickelt hatte, dass ich mit zwei Männern gleichzeitig zusammen war, die in derselben Herde verkehrten, will sagen: Wir hatten alle drei dasselbe „Stammlokal“. Ihr wisst schon, dunkler Schuppen, laute Musik, und saufen kann man umsonst, weil man den Typen an der Theke kennt, so was halt. Zu erklären, wie wir in der Dreiecksbeziehung gelandet sind, würde einen eigenen Roman erfordern, aber darum geht es jetzt auch gar nicht. Fakt ist: Ich war mit beiden zusammen, und zwar mit ihrem Einverständnis, und das – groooßer Skandal – sogar in der Öffentlichkeit, weil, siehe Stammschuppen.

Die Sache ist nämlich sooo, dass ich kein Fremdgänger bin. Ich kann so was einfach nicht. Ich kann weder lügen, noch verschweigen, noch irgendwie unehrlich sein, ist mir einfach nicht in die Wiege gelegt. Ich hatte auch noch nie so was wie einen One-Night-Stand. Nicht aus moralischen Gründen, wenn andere das machen, hab ich da absolut nichts gegen, sondern weil ich so langsam bin. Tja, meine Lieben, ich bin total unzeitgemäß, ich bin eine emotionale Schnecke. Ich hab mich tatsächlich schon mal in einen Mann verliebt, den ich vier Jahre lang sehr gut kannte, bevor es „BING!“ gemacht hat, das darf man der WhatsApp-Generation gar nicht erzählen, die lachen mich ja aus!

Auf jeden Fall war ich mit meiner emotionalen Schneckentechnik in diesem offenen Dreieck gelandet, das jeder von uns aus den verschiedensten Gründen zu der Zeit einfach wollte. Das bedeutete kein oberflächliches Rumvögeln, sondern einen kniffeligen und diffizilen Balanceakt mit auch offen gelebter Verlustangst und Eifersucht, aber auch unglaublich intensiven, nächtelangen Gesprächen und sehr intensiven Gefühlen. Zu Partnern, mit denen ich monogam gelebt und eben alles totgeschwiegen habe, was unsere Hollywood-Norm bedrohen könnte, hatte ich nie so ein intensives Verhältnis wie zu den Männern, mit denen ich tatsächlich über alles reden konnte – weil Außenbeziehungen eben kein Tabuthema und kein Trennungsgrund waren.

Ich sag jetzt nicht, dass das alles toll und einfach ist und ich will das auch nicht wieder haben. Heute bin ich ja Single aus Leidenschaft. Nicht, weil ich generell was gegen Männer hätte, aber mein Tag ist so voll mit wichtigen, spannenden Dingen, dass ich einfach nicht wüsste, wohin mit einem Mann. Meine Tochter kriegt ja schon keinen Hund, weil ich nicht weiß, wann ich diese Beziehung auch noch pflegen soll! Ja, gut, ein Mann kann jetzt alleine raus, wenn er mal Beinchen heben will, aber ihr versteht, was ich meine. Ich krieg ja schon einen Anfall, wenn ich gerade den totalen Lauf hab und sich dann mein Kater demonstrativ schnurrend auf die Tastatur setzt! Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Mann sich auf meinen Laptop … nee. Also, ich bin auf jeden Fall Single, aber ich war das eben nicht immer. Mein Marktwert hat mich übrigens auch nie sonderlich interessiert, aber wenn ich den heute testen will, checke ich auf Amazon die Verkaufsränge meiner Bücher, so ändern sich im Leben die Interessen! 😀

Was ich aber mal war, war die Dorfschlampe, die für Skandale sorgte. Nicht in meinen Augen, ohne Liebe geht bei mir gar nix, da bin ich total altmodisch. Nicht in den Augen meiner Männer. Auch nicht in den Augen meines Freundeskreises, das waren eh immer nur verpeilte Künstler und Musiker, die selbst im Nebel stocherten auf der Suche nach einer Beziehungsform, die irgendwie lebbar wäre, ohne in ein regelmäßiges „Der nächste bitte!“ zu rutschen. Also sehr tolerante, sensible Menschen auf der Suche nach Glück. Aber in den Augen sämtlicher Frauen, die mich und meine Männer vom Sehen kannten, war ich das bitchigste Schlampenmiststück auf Gottes Erdboden. Was ich da an Gezische, Getuschel, an abwertenden Blicken und Häme abbekommen habe, war echt sehenswert und reicht fürs ganze Leben. Und das hat mich echt nachhaltig verstört.

Also, ich selber hab da einen Gendefekt. Von Sookies Boden ist im Leben noch kein Bitchfight ausgegangen. Einmal wäre ich mit der anderen Frau meines Mannes fast spontan in den Urlaub gefahren. Es scheiterte dann leider daran, dass er uns sein Auto nicht leihen wollte. Männer! Aber das ist jetzt nicht so, weil ich ja so cool und eifersuchtsfrei wäre (ich kann tierisch eifersüchtig sein, wenn mein Partner mir keine Sicherheit gibt), das ist eher so, weil ich denke: Eine Frau, die denselben Mann liebt wie ich, hat bestimmt Geschmack! Und wenn er mir keine Sicherheit und Geborgenheit gibt, kann sie da ja nichts für, sondern er.

Umgekehrt bin ich aber immer wieder von anderen Frauen massiv angegangen worden, selbst dann, wenn ich ihnen definitiv nie nix irgendwas getan hatte. Ich bemühe mich generell immer, nie jemandem definitiv nie nix irgendwas zu tun, außer, der will das. Dann vielleicht. Aber Fakt ist: Wenn Frauen, die nicht den geringsten Plan haben, worum es geht, die überhaupt kein Recht haben, sich einzumischen und sowieso nur aufgrund ihrer unüberprüften Vorurteile mit der Schlampenkeule nach anderen Frauen schlagen, finde ich das nicht nur äußerst unsolidarisch, sondern auch einfach scheiße. Und ich weiß, dass viele Frauen, die den Mut haben, Trampelpfade statt Autobahnen zu nehmen, unter solchen Attacken leiden. Und deswegen lege ich jetzt noch eben meinen Werkzeuggürtel um und reiße ein paar Vorurteile ein, mit denen Frauen mit etwas kreativerer Beziehungsgestaltung immer wieder zu kämpfen haben.

Vorurteile, die mich rasend machen und die ich jetzt wegräume!

Polyamorie ist nicht:

    wahlloses Rumvögeln
    heimliches Fremdgehen
    oberflächliches „Mir doch egal, wie du dich fühlst.“
    Gruppensex
    heimliche Fahrten in einen möglichst weit entfernten Swingerclub, damit man bloß nicht im Natursekt-Pool die Nachbarn trifft, die man nie nackt sehen wollte
    totale Bindungslosigkeit innerhalb der eigenen Beziehung (das können viele längst nur noch stupide nebeneinander herlebende Ehepaare viel besser)
    Jagd nach ständig neuen Partnern, um sein Ego aufzupolieren

Was Polyamorie ist oder sein könnte

Menschen, die Polyamorie tatsächlich leben sind also weder Freiwild, noch Schlampen, noch bindungsunfähige Allesfresser. Polyamorie ist eine Beziehungsform, die auf dauerhafte, vertrauensvolle und ja, auch offene, Beziehungen ausgelegt ist. Und zwar „einvernehmlich“, wie es immer so schön heißt. Nix da, eben hinterum heimlich fremdgehen! Polys machen es sich alles andere als leicht. Eine offene Beziehung, die auf Dauer bestehen soll, erfordert unglaublich viel Rücksichtnahme, Offenheit, Verantwortung (für sich selbst und alle Beteiligten), Wachheit, Ehrlichkeit und Mut. Das ist anstrengend. Das erfordert wahnsinnig viel Reife und Toleranz. Das ist auch nicht immer lustig. Manchmal tut es wahnsinnig weh. Manchmal ist es unfassbar intensiv und schön.

Aber es ist immer eine Beziehungsform, die genau so viel Respekt verdient wie eine monogame Ehe, eine gleichgeschlechtliche Beziehung, eine Triade oder sogar die alten Männer in Kleidern in der Lebensgemeinschaft called „Vatikan“ (obwohl ich persönlich mit den Jungs echt so meine Schwierigkeiten habe, aber: Gleiches Recht für alle!). Jede Lebensgemeinschaft verdient Respekt, ob das jetzt zwei alte Damen sind, die in freundschaftlicher Liebe zusammenleben oder zwei Pornodarsteller, die sich emotional treu sind. Jeder muss doch in diesem verdammten 21. Jahrhundert das Recht haben, Freiheit, Treue und Zuverlässigkeit für sich und seine(n) Partner selbst zu definieren und das dann auch zu leben, ohne als Schlampe, Bitch oder sonstwas beschimpft zu werden.

So! Damit hat Sookies Kettensäge mal wieder gerasselt, ich geh jetzt zum Frühstück erstmal Mittagessen und wer jetzt immer noch Frauen in Dreiecksbeziehungen als Bitch beschimpfen muss, dem kann ich nur den alten Kinderspruch „Was man sagt, ist man selber!“ mit auf den Weg geben. Wer so denkt, darf auch gerne weiter „50 Shades After Twilight“ oder so lesen, wer neugieriger und offener ist, findet meine Bücher überall im Handel, ätsch. Damit hab ich meinen Beitrag zu Aufklärung und Vielfalt erstmal wieder geleistet und leg mich erleichtert ins Heilkoma. Gute Nacht, guten Tach, ich freue mich, mal wieder polarisiert zu haben, und liebt, wen ihr wollt, wie ihr wollt, solange ihr niemand anderen zerkratzt als den moralischen Lack verknöcherter Puritaner!

Eure Sookie

15 thoughts on “Sookies Kettensäge gegen Vorurteile – Heute: Offene Beziehungen!

  1. Morgen Sookie 😀

    Den Beitrag habe ich gestern auch gesehen, dachte eigentlich, ich hätte ihn gelikt und wollte noch mein doofes Statement dazu abgeben, finde ihn gerade aber so gar nicht mehr -_- also nichts mit gelikt für später ._. doofes Dianalein *gegen Hinterkopf leicht klapp*

    Auf jeden Fall ein sehr interessanter Artikel von dir, der durchaus zum nachdenken anregt, obwohl ich ja eigentlich – ja, eigentlich, denn seien wir ehrlich: Jede verdammte Meinung kann und sollte sich ändern, weil sie nicht statisch und in Stein gemeißelt ist! – eine Meinung dazu schon habe 😛

    Ich finde Dreiecksbeziehungen interessant, weil sie von den Charakteren Vielschichtigkeit und vom Autor Fingerspitzengefühl verlangen, um alles glaubhaft darstellen zu können, ohne dabei einen Charakter als den totalen Looser hinzustellen… Wo wir beim Problem der gängigen Literatur wären, wenn sich die weibliche Heldin zwischen zwei Personen nicht entscheiden kann… Der BadBoy gewinnt immer 😛 Davor probiert sie es aber natürlich noch mit dem GoodBoy aus und scheitert kläglich, weil der ihr zu langweilig wird oder sonst was ^-^° Keine Ahnung o.o°

    Bella, Edward und Jacob hab ich übrigens nie gemocht 😀 Das ist nicht ganz so mein Fall und ich würd die Bücher eher zerfleddern, sollte ich mal auf die Idee kommen, die zu rezensieren. Deswegen halt ich mich fern von. 50 Shades habe ich gerade einmal bis Kapitel 9 des ersten Bandes geschafft und dann entnervt das Buch zurück an die Freundin gegeben, die es mir mit „DAS IST SOOOOO TOLL! DAS IST SOOOOO GENIAL UND LIEBE UND HACH“ in die Hand gedrückt und verlangt hatte, ich soll es doch bitte lesen…

    Dreiecksbeziehungen erfordern so verdammt viel Fingerspitzengefühl, um nicht in ein Extrem zu rutschen und das ganze dann so lächerlich darzustellen, dass man nur noch die Augen verdreht.
    Aber: Das menschliche Herz ist nun einmal kein Klumpen, kein Computer, der sich auf eine Person einschießt und fertig schluss aus… es ist lebendig, es wandelt sich, es LEBT und Himmel noch eins: Wenn die Frau beide Kerle liebt und sie sich arrangiert haben, bitte! Lebe es aus, genieße es, dass du für beide Männer die gleiche Liebe empfindest, verarsch nur keinen von beiden~
    Was ist daran schlimm?

    Schlimm wird es erst bei ziemlich mieser Darstellung, wo die Frau von einem zum anderen rennt und sich bei ihm ausheult, weil der andere es gewagt hat, eine andere Frau anzusehen und sie dann aber wieder mit ihrem jetzigen Typ, bei dem sie sich ausheult, im Bett landet und das gänzlich ohne schlechtes Gewissen… so… Logik? Ach so, nein… Doppelmoral eher ^-^ sie darf, er nicht. Oder wahlweise anders herum: Er darf, sie dagegen nicht, wie du es bereits in deiner eigenen Offenbarung erzählt hast.

    Aber gut, man kann keinen zu irgendeiner Meinung zwingen und das ist auch gut so, jedoch sollte man trotzdem reflektieren, weil es immer zwei Seiten einer Medaille gibt. Und lieber Toleranz an den Tag legen, als wegen Verlustangst anfangen gegen andere zu wettern.

    Liebe Grüße
    Diana aka Lizzy

    1. Dianalein, das war gemein jetzt! 😀
      Du hast mich noch mal auf eine ganz andere Denkschiene geschubst und jetzt rappelt mein Gehirn schon wieder! 😉
      Aber vielleicht liegt das miese Image von Dreiecksbeziehungen in Büchern auch teilweise daran, dass manche Autoren es tatsächlich nur verwenden, um auf dem Weg zum Happy End noch ein paar Stolpersteine einzubauen, anstatt das sensible Thema auch sensibel anzugehen. Ich finde, man muss da mit Fingerspitzengefühl für die Figuren, aber auch mit Ironie ran, damit die Leser zwischendurch auch befreit lachen und sich wiedererkennen können.
      Sonst passiert es tatsächlich, dass die Geschichte platt wird und die Figuren unsympathisch, was natürlich tödlich ist für dieses spannende Thema! Und dann auch wieder Vorurteile schürt in Richtung „verantwortungslose Bitches“ und „notgeile Allesfresser“.
      Rrrrraaaaa! Ich geh mir jetzt erstmal Tee kochen … 😀

      Liebe Grüße,

      Sookie, die sich mit kultivierten Heißgetränken am Laufen hält! 😀

  2. Erstaunlich, dass das Thema für so viel Emotionalität bei den Unbeteiligten sorgt. 😉

    Vielleicht sollte ich den Klappentext meiner Dystopie ändern, da dort weltenbaubedingt auch nicht-Standard Beziehungen vorkommen. Die sind aber nicht primäres Thema, sondern notwendig, um die Handlung zu tragen. Gewissermaßen selbstverständlich also. 😉

    Schön, dass man zumindest als Schriftsteller die Möglichkeit hat, alle Seiten einer Medaille zu zeigen, ohne sie zeitgeistkorrekt bewerten zu müssen.

    1. Oh, Ryek, ernsthaft, ich danke dir für das grandiose Wort „zeitgeistkorrekt“. Da kann man wirklich stundenlang mit spielen! Ich habe mich gerade noch mit einer Kollegin darüber unterhalten, dass Bücher, in denen Homosexualität vorkommt, als „Warnung“ für den Leser mit „Gay“ gekennzeichnet werden müssen. Ich war völlig verdattert, weil ich dachte, Homosexualität wäre schon ewig kein Tabu mehr, aber das ist auch immer noch nicht zeitgeistkorrekt! Scheinbar denkt der Buchmarkt bei einigen Themen immer noch, dass sie ansteckend sein könnten und das Chaos ausbricht, wenn Menschen darüber lesen! 😀
      Und wenn deine Nicht-Standard-Beziehungen im Klappentext noch nicht auftauchen, jetzt aber ran! Da warten völlig neue Märkte auf dich! 😀

      1. Ich denke, wenn heute explizit auf Homosexualität hingewiesen wird, ist es weniger eine Warnung, als eher ein Hinweis, dass der Text „zielgruppengerecht ist“. Genau wie die Hinweise auf ausführlich beschriebene Sexualität, welcher Art auch immer.

        Eigentlich kann man mit jedem beliebigen Text neue Märkte erschließen. Offensichtlich lösen Schlüsselworte in Klappentexte bei vielen Lesern Schlüsselreize aus ( Pawlow lässt grüßen 😉 ). Dann noch ein knackiges Coverbild, und dem schriftstellerischen Erfolg steht nichts mehr im Wege. 🙂

        „Wie das ungezogene Rotkäppchen es dem bösen Wolf besorgt hat“ um nur ein Beispiel zu nennen, welches interessante Assoziationen weckt, ohne den Inhalt der Geschichte unwahr darzustellen.

        Ist nicht mein Ding.

  3. Wow. Emotional konnte ich deinen überkochenden Suppentopf spüren und habe mich geistig mit reingesteigert.
    Zu mehr Worten bin ich noch nicht fähig, finde es aber 1a, dass du deine Ansicht kund tust.
    Es grüßt
    DiemitkochendeReiseEule 😆

  4. Im wahren Leben würde man mit so einer ja auch nichts zu tun haben wollen, aber ich Büchern soll das dann gehen, oder was?

    Ähmm…doch. Ich hätte was mit denen zu tun haben wollen! Jehova!

    Solche Leute mag ich ja ganz besonders. In Büchern geht alles. Alles! Und damit meine ich alles. Kleingeistige ?§(%!“Widerlinge. Razupaltuff!

    1. Oh, Vorsicht, Schaf! Wenn du mit solchen Leuten fröhlich von einem Bein aufs andere hüpfst und rufst: „Jehova! Jehova!“, könnte es passieren, dass die anständigen Schafe gar nicht mehr mit dir auf einer Weide gesehen werden wollen!
      Dann musst du rüber zu den schwarzen Schafen und bist dann da das weiße Schaf, also quasi das Negativ vom schwarzen Schaf …
      Diese Metaebenen verwirren mich jetzt! 😀
      Das Wort „Razupaltuff“ war mir übrigens gar nicht geläufig. Ist das so was wie Balzacs „Schnadderadeng“?

  5. Ratzupaltuff sagt man eigentlich, wenn man merkt, dass man ganz schön verarscht wurde. Zum bespiel wenn man gerade das Tagebuch seines Mitbewohners liest, welches dieser vor den eigenen Augen mit der Aussage schrieb „wenn du dass liest muss ich das als Vertrauensbruch erster güte werten!“ Und dann steht darin, dass das Tagebuch nur angelegt wurde, weil dein Mitbewohner dein Jojo kaputtgemacht hat und ihr jetzt Vertrauensbruch-erster-Güte technisch auf einem Stand seid, weil du ja sein Tagebuch gelesen hast. Und dann kannst du nichts sagen weegen des Jojos, weil du dann ja zugeben müsstest, dass du das Tagebuch gelesen hast…
    Ein tolles Wort, auch wenn ich die Verwendung in diesem Zusammenhang nicht gänzlich verstehe.
    Deinen Artikel finde ich übrigens spitzenmäßig, überlege Bücher von dir zu Lesen, wenn ich in drölftausend jahren mal wieder Zeit habe. Oder als Prokrastination vor der nächsten Klausur LG

    1. Extrem grandioser Kommentar, unsere Gehirne müssen verwandt sein! 😀
      Die Sache mit dem Jojo ist natürlich verdammt kniffelig, das sehe ich ein. Und dann ist da ja auch noch die Frage, ob der Mitbewohner nicht längst sowieso weiß, dass man an seinem Tagebuch war. Manche Leute lassen so etwas extra offen rumliegen und drapieren einen fast unsichtbaren Fussel drauf, und später kontrollieren sie dann, ob der Fussel noch da ist! Ach, hör mir bloß auf …
      Hat sich das Misstrauen erstmal eingeschlichen, wird jeder Joghurtbecher mit argwöhnischen Blicken beobachtet … es ist ein Kreuz.
      Und vielen Dank für die Erläuterung zum Wort „Ratzupaltuff“. Jetzt kann ich es endlich übersetzen. Da, wo ich herkomme, sagt man dazu: „Man wird nur einmal gefickt!“, was so viel heißt wie: „Nochmal verarscht du mich aber nicht!“, Aber Ratzudingens klingt natürlich viel gehobener! Wenn ich es jetzt noch auswendig könnte, wäre ich richtig weit vorne!

  6. Ja der Mitbewohner weiß das selbstverständlich, er hat das Tagebuch nur angelegt, weil er weiß, dass du nicht wiederstehen kannst es zu lesen. Er kommentiert seinen Erfolg im Tagebuch mit den Worten“ Du bist so leicht zu spielen wie eine Kinderflöte alta!“Dieser Teil ist allerdings von dem Urheber des Wortes Ratzupaltuff geklaut. Bei Kling wird das Wort mit der oben beschriebenen Szene eingeführt. Es hat sich dennoch in mein Leben gebrannt, wenn du erstmal feststellst, dass sich die Ratzupaltuff geeigneten Situationen in deinem Leben nur so die Hand reichen. Allerdings kann ich mich mit, „Man wird nur einmal gefickt“ nicht ganz zufrieden geben. in meinem Verständnis hat das Wort eher so etwas von der Einsicht: “ scheisse ich hätte es besser wissen müssen“ .Das unsere Gehirne verwand sind empfinde ich als Kompliment, in anbetracht der tolligkeit deiner Gedanken in dem Artikel. —-schleimen-weil-mans-wirklich-so-meint-is-ok-oder?

    1. Doch, doch, doch, ein bisschen Schleimen ist durchaus okay, tut meiner geschundenen Schreiberseele ja auch mal ganz gut! 😀
      Je mehr ich drüber nachdenke, umso einseitiger kommt mir das „Man wird nur einmal gefickt!“ auch vor. Vielleicht liegt es auch an einem Übersetzungsfehler, der Satz stammt nämlich von einer türkischen Freundin, die mit ansatzweise blumigen eingedeutschten Sprichwörtern immer Ereignisse aus meinem Leben kommentierte. In dem Fall hatte ich kleinlaut den Finger gehoben und angemerkt: „Nee, dreimal war’s schon!“ Man muss ja bei der Wahrheit bleiben! 😀
      Aber scheinbar beinhaltet Ratzudingens (ich kann’s mir einfach nicht merken!) ja auch ein gewisses: „Ei, verbibbsch nochomol, des hätt i ma glei denka kennä!“
      Klingonische Sprachverwirrung!

  7. So muss jetzt doch nochmal was loswerden: Ja die Tatsache das ich am Mittwoch eine umfangreiche Modulklausur schreibe mag die Sache eventuell etwas….Katalysiert haben. Aber, ich habe, wegen diesem Blogpost, meine Vorurteile, gegenüber dem Titel, Vorurteile sein lassen und habe die Leseprobe gelesen. Ich sags mal so: Ich kann mich mit gewissen Hauptcharackteren sehr gut Identifizieren, will da einziehn, hab mehrmals laut aufgelacht, will mehr, geh mir jetzt das Buch kaufen. Ach Emma Goldman, deine Biographie ist zwar sau spannend, aber dass hier ist zu lustig, du musst jetzt einfach mal ein paar hundert Seiten warten, dann bin ich wieder ganz dein. Aber du verstehst das, mit Polyamorie kennst du dich ja gut aus. Wiebitte? Herstellung von Oligonukleotiden? ich bitte euch,merkt ihr nicht dass ihr auch bis zur allerletzten Sekunde warten könnt?

    1. *umkipp*

      Liebes Tagebuch!

      Heute hat jemand Emma Goldman beiseite gelegt, um mein Buch zu lesen. Ich fühle mich so geadelt, dass ich ganz andächtig und still bin. ICH!

      P.S. Ich hoffe, dass möglichst viele „Mitbewohner“ des Internets in dir schnüffeln, damit es sich rumspricht, wie fantastisch es sich anfühlt, Autor zu sein.

      P.P.S. Das mit dem Jojo war ich nicht.

Und was ist deine Meinung?