Polyamorie vs. 50 Shades: Da muss ein zweiter Teil her!

Polyamorie vs. 50 Shades: Da muss ein zweiter Teil her!

Das haben wir jetzt davon! Tja.

Ihr Lieben! Zu meinem Artikel von gestern sind mir in einer geschlossenen FB-Gruppe so viele Fragen um die Ohren geflogen, dass ich beschlossen habe, meine Gedanken dazu in einem weiteren Artikel zusammenzufassen. Denn die Gruppenmitglieder waren extrem hilfreich und inspirierend und haben mir gezeigt, an welchen Stellen ich mal wieder zu chaotisch war. Schwachstellen im Statement? Wo? Wrrrrrrrrrrrrommmmmmmmmm …

Au, ja, ich hab eine Idee, wir machen einfach einen List-Post, dieses komische Ding für die Usability, ihr wisst schon, mit Zahlen. Ich hasse Zahlen. Aber wir kriegen das hin! Ich lass es jetzt einfach mal fließen.

Punkt 1: Und was hat Miss Steel jetzt mit Polyamorie zu tun?

Sookie legt müde den Kopf auf die Tischplatte und seufzt: „Alles, einfach alles!“

Ja. Da muss ich mir wieder so was von an die Nase fassen, aber so was von! Offenbar war ich mal wieder total betriebsblind und dachte, es weiß ja eh jeder, was ich meine! Jetzt gerade fühle ich mich, als hätte ich eine Deutscharbeit abgegeben, in die ich nur reingeschrieben habe „Wer das liest, ist doof!“, und mich dann wundere, wieso der Lehrer das zugehörige Universum in meinem Kopf nicht da heraus lesen konnte. Dabei handelt es sich doch ganz klar um eine Brecht-Interpretation, die es einfach auf den Punkt bringt!

Also, Sookie, durchatmen, Tee kochen, weiter geht’s. Für mich ganz persönlich, ja, wie gesagt, kein Monolith, ist die Gegenüberstellung 50 Shades und Polyamorie quasi zwingend, zwingend!, ja? (Mein Gott, ich hör mich schon an wie meine Omma, die hat auch immer die wichtigen Wörter kursiv wiederholt.)

Denn: Miss Steel ist die Anti-Polyfrau!

Ich versuche, mich kurz zu halten, ihr habt auch noch was anderes zu tun, also stelle ich das so knackig wie möglich gegenüber:

Miss Steel: Weil ich auf mich halte, ziere ich mich zwar immer ein bisschen, aber ich messe meinen Wert als Frau schon daran, was ein Mann mir für Geschenke kauft, klar. Wenn er ungefragt mein geliebtes olles Auto verkauft, um mir einen Neuwagen vor die Tür zu stellen, lasse ich mir auch kichernd den Popo verhauen, wieso nicht? Wenn er mich nicht lieben würde, würde er doch nicht über meinen Kopf hinweg meine Sachen stehlen und verkaufen! Ich muss ihm wirklich was bedeuten! Das verpflichtet mich ja natürlich auch irgendwie zu sexuellen Handlungen, die ich gar nicht verstehe und eigentlich auch nicht mag, aber das Auto ist so süß!

Polyfrau: Samma, geht’s noch?

Miss Steel: Christian ist ein unverheirateter Milliardär, natürlich sind die ganzen Bitches an der Uni scharf auf ihn! Aber denen hab ich es richtig gezeigt, hihi! Ich hab einfach rumerzählt, dass er schwul ist! Aber was soll ich machen? Wenn ich ihn für mich haben will, muss ich die Konkurrenz ausschalten, oder nicht?

Polyfrau: Liebes, möchtest du nicht mal drüber nachdenken, ob eure Beziehung nicht wertvoller ist, wenn er um deinetwillen mit dir zusammen ist und nicht deshalb, weil du die Konkurrenz ausgeschaltet hast? *kopfschüttel*

Miss Steel: Ich mag es ja nicht, zu springen, wenn ein Mann pfeift, aber was solll ich denn machen? Wenn er mich in seinem Hubschrauber mitnimmt oder auf Partys bei den Reichen und Schönen, da muss ich doch schwach werden! Ich lass dann alles stehen und liegen! Und natürlich ist Christian mir wichtiger als die Karriere, für die ich jahrelang studiert habe! Wenn er nicht möchte, dass ich berufliche Termine wahrnehme, dann mach ich das auch nicht, eine gute Frau tut so was schließlich für ihren Partner und Christian mag es eben nicht, wenn ich ohne ihn das Haus verlasse.

Polyfrau: Äääääh, darüber muss ich erst nachdenken … aus welchem Jahrhundert kommst du noch mal genau?

Ich könnte die Liste endlos fortführen, aber ich denke, ihr habt verstanden, worauf ich hinaus will. Anti-Polyfrau. Da kommt auch schon die Vorlage für:

Punkt 2: Emazipation muss heißen, dass jede Frau wählen kann, wie sie leben möchte. Also auch Miss Steel.

Jein. Natürlich verstehe ich das Argument und nicke da sofort. Allerdings hinterfrage ich da auch das Wort Emanzipation, denn das bezieht sich ja nicht nur auf die Gleichstellung aller sechzig Geschlechter, sondern auch auf einen geistigen Wachstumsprozess. Und der findet für mich hier nicht statt, oder ich hab ihn übersehen.

Emanzipation findet dann statt, wenn man sich aus Abhängigkeiten befreit. Dafür muss eine Bewusstwerdung bestehender Abhängigkeiten vorangehen. Wenn eine Frau also aufgrund bewusster Denkprozesse entscheidet, dass sie jetzt eben einfach mal die Rolle des romantischen Mädchens an der Seite eines starken, reichen Mannes ausleben will, obwohl sie auch die Wahl hätte, andere Lebensmodelle zu leben, bin ich die Erste, die gratuliert. Genießt es und lasst es euch gut gehen, keine Frage.

Wenn eine Frau aber schon als Mädchen gelesen hat, dass der stieselige Mister Darcy deshalb attraktiv ist, weil ihm die halbe Grafschaft und Pemberly gehören, und wenn sie in einem Umfeld lebt, in dem ausschließlich Frauen unterwegs sind, die hirnlos sabbern, weil sie darauf konditioniert sind, Speichel abzusondern, wenn ein unverheirateter Milliardär mit seinem Glöckchen …

Oh, neeee! Sorry, aber das muss jetzt eben sein, sonst platze ich! Ich hab nämlich neulich bei einer meiner etymologischen Forschungsdingdas gelernt, dass … also. Ich komme da jetzt drauf wegen des Glöckchens und eigentlich war ich da gestrandet, weil ich den Namen einer Pflanze recherchieren musste und fragt mich jetzt bitte nicht nach der History in meinem Gehirn, ich hab den Cache gelöscht, aber das Wort „Pimmel“ kommt aus dem Niederdeutschen und ist die Entsprechung zum hochdeutschen „Bimmel“. Also, öhm, wenn der Milliardär also bimmelt, dann sabbern die konditionierten Damen. Höhö, ich schmeiß mich weg, ich liiiiebe die deutsche Sprache, sie ist so komplex! Den Pawlowschen Hund mit Emanzipation und albernen Wörtern für Geschlechtsteile zu verknüpfen kann auch nur mir passieren!

Jetzt hab ich aber gelesen, dass Frauen „kleine“ Wörter für eben jenes Geschlechtsteil bevorzugen oder sich lieber sachlich und erwachsen äußern, also Penis oder Glied, ganz wertfrei. Männer hingegen bevorzugen Wörter, die sich nach großen und harten Sachen anhören. Rohr, Latte, Ständer, etc. Interessant, oder? Wie wir so über Sprache unsere Selbstwahrnehmung äußern. Und ich geb offen zu, ich könnte auch keinen Mann ernst nehmen, der von seinem Pillemännchen redet. Ist ja auch egal. Ich formuliere es einfach anders, euer Ehren.

Wenn der Milliardär mit dem Zaunpfahl winkt, sabbern also die Damen in Miss Steels Welt. Und da kommt der Haken bei der in meinen Augen fehlenden Emanzipation. Das arme Hascherl strebt nach dem goldenen Käfig als Lebensmodell, weil sie schlicht und ergreifend keine Alternative kennt. Aber sonst, wie gesagt, falls ihr aus freien Stücken glücklich seid mit einem Milliardär und einen Housesitter für eins eurer Anwesen braucht, hinterlasst mir einen Kommentar!

Punkt 3: Öh, wie formuliere ich das jetzt. Ich hab den Artikel geschrieben, um alles in eine Schublade zu stopfen und mich in meiner Opferrolle zu suhlen.

Hm. Ja. Die Wahrnehmung respektiere ich natürlich. Der Kommentar tat auch gut, weil, ich hab mich dann sofort heulend aufs Bett geworfen und konnte mich mal wieder so richtig als unverstandenes Opf … Sookie, aus! Jetzt lass das! Hol mal eben die Goldwaage, jetzt wird es wirklich kniffelig. Ich muss das eben noch mal nachlesen …

Ja. Die Leserin hatte das so verstanden, dass ich mich von dem Film angegriffen fühle und darin sehe, dass er „Slutshaming“ betreibt. Fantastisches Wort, das kommt sofort in meinen aktiven Wortschatz, danke dafür! Ich hab jetzt intensiv darüber nachgedacht, womit ich den Eindruck vermittelt haben könnte, dass ich mich von Miss Steel angegriffen fühlen könnte. Wenn ein mobiles Einsatzkommando mein Arbeitszimmer stürmt, mich auf den Boden schmeißt und die Waffen auf mich richtet, dann fühle ich mich angegriffen. Das Phänomen 50 Shades sehe ich allerdings eher als ein intellektuellles Problem, dessen Auswirkungen mich emotional machen, ja? Die Auswirkungen! (Danke, Omma.)

Nur als ganz praktisches Beispiel. Ich nehme an jeder Ecke wahr, dass das Frauenbild, von dem wir als kleine Mädels mit unseren „Petting statt Pershing“-Stickern in den Achtzigern dachten, dass es in der Zukunft frei und großartig sein wird, immer reaktionärer und abwertender wird. Eine meiner Töchter ist die geborene Analytikerin und eine sehr, wie soll ich das sagen, sachlich-distanzierte Forscherin, wenn es um das menschliche Verhalten geht.

Neulich erzählte sie mir, dass eine neue Mitschülerin sich mit den Jungs besser versteht, gerne mit denen rumhängt und jetzt in der Clique auch einen Freund hat. Da denke ich mit meiner Prägung: Cool, wir waren damals als Mädels auch die besseren Jungs! Nein, das war blöd, keine Wertung, aber als ich klein war, wollte ich Starsky und Hutch werden. Später hab ich begriffen, dass das gar kein Beruf ist, aber eine Männerdomäne, Mist.

Jedenfalls wird dieses Mädchen, das da gern mit den Jungs rumzieht, von den anderen Mädchen als Schlampe, Bitch oder eben Slut klassifiziert. Also, junge Mädchen und Frauen fungieren hier als die besten Wächter des patriarchalen Gedankenguts und wissen es nicht! Dafür sind sie aber am Valentinstag alle ins Kino gerannt, um seufzend mit Miss Steel zu erleben, dass sie im Tausch für ihre Jungfräulichkeit auch mit einem Ring belohnt wird. Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden. Tja. Tolkien war wahrlich ein Visionär, höhö.

Öhm, was ich sagen wollte: Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, es gibt tatsächlich Momente, wo ich mich wie ein Opfer fühle. Und zwar, weil ich in einer Welt lebe, die durch ein paar tausend Jahre menschenverachtende Gehirnwäsche geprägt ist. Manchmal darf ich jammern. Sonst hätte ich ja keine Ausrede, Schokolade zu essen.

Allerdings bin ich kein wehrloses Opfer, sondern eins, das ja die Klappe aufreißen kann, wenn ihm was nicht passt. Unter anderem unterwandere ich deshalb den süßen Mainstream-Buchmarkt und hab letzte Woche voll subversiv das Wort „Polyamorie“ in die Top 100 für zeitgenössische Literatur bei Amazon gebracht. Dass ich heimlich beladen mit Sendung bin, soll natürlich keiner wissen, sonst wär das auch mit Platz 15 nichts geworden, man könnte sich ja anstecken. Aber dem Vorwurf, dass ich eine Jammersuse bin, die nur über Rollenmodelle winselt, anstatt dem mal was entgegenzusetzen, kann ich ganz entspannt ins Gesicht lächeln.

Punkt 4: Restzipfel, damit wir heute noch mal fertig werden!

Wenn ich sage, dass ich einen BH verbrennen gehe, was mein ich damit? Da hab ich zu hoch angesetzt und ein hausinternes Synonym zu salopp verwendet, das könnt ihr ja nicht wissen. „Ich geh einen BH verbrennen!“ heißt: Mir ist gerade danach, was feministisches zu tun. Ich könnte auch das Fenster aufreißen und schreien: „Der Feminismus lebt! Ihr kriegt mich nicht klein, ihr nicht!“

(Meine Töchter tippen sich auch immer nur an die Stirn und sagen: „Bist du bescheuert? Weißt du, wie teuer die Dinger sind?“ Ich erkläre ihnen dann, dass die Symbolik aus einer Zeit stammt, als amerikanische Hausfrauen noch ein Leben wie Doris Day geführt haben, und da haben die Männer noch die „Büstenhalter“ bezahlt. Dann fragen sie natürlich „Who the fuck is Doris Day?“, aber … nein, doch. Ich wollte gerade sagen, wir machen Fortschritte, aber wenn Miss Steel nicht die neue Doris Day wäre, hätten wir den ganzen Salat hier ja nicht und könnten alle was sinnvolleres machen. Ist ja auch egal. Muss ich noch eine Klammer zu machen? Ich mach’s einfach mal.)

Nächster Zipfel. Aus meinem Artikel tropfen viel Traurigkeit und Frustration. Erst wollte ich gekränkt sein. Man ist auf Facebook so daran gewöhnt, dass Gefühle als Schimpfwörter benutzt werden. Aber, nö, du hast Recht, liebe Kommentatorin, ich bin manchmal traurig und frustriert und beschließe jetzt, mich einfach mal richtig wahrgenommen zu fühlen und das ist gut so.

Ah, jetzt geht mir mal kurz das Herz auf: Eine kluge Frau, die mit Wortwitz und mentaler Schärfe angemessen umgehen kann, ist erotisch. *seufz* Ich gönne mir einen kurzen Moment nostalgischer Eitelkeit und sonne mich in dem Gefühl, dass die schrullige tippende Teetasse mit Berlin gleichzieht: Arm und sexy! Tschacka! Ich sollte öfter mal mit meiner Clownsmakse auf die Straße gehen, vielleicht guckt mir dann auch mal wieder jemand hinterher! 😀

Was hatten wir noch? Der Artikel ist wenig reflektiert und schmeißt wütend in alle Richtungen. Yäp! Das macht tierischen Spaß, du solltest das auch mal ausprobieren! Aber wie ich schon sagte: Sach- und Fachartikel, aber auch erzählende Literatur schreibe ich für Leser und für Geld. Meinen Blog schreibe ich, weil die Kettensäge so geil in der Hand liegt und ich beim Schreiben oft Tränen lache, einfach, weil ich es liebe, dieser Flow, wenn es einfach nur blubbert. Ich bin ja nicht die linke Bürgerpresse, höhö! Ich bin hier ganz gerne einfach mal emotional und „unreflektiert“, das ist herrlich entspannend und gibt meinen Lesern auch die Möglichkeit, die Menschin hinter den Romanen zu lesen.

Apropos Menschin! Was nichts mit dem russischen Längenmaß „Arschin“ zu tun hat. Für Tolstoileser muss man das ja dazu sagen. Irgendwo war glaub ich auch noch was, oder war das woanders? Auf jeden Fall hab ich im Kopf, dass ich irgendwie feministisch, also gegen Männer bin. Das ist genau der Grund, wieso ich mich hin und wieder bei Schwestern dafür entschuldige, dass ich keine bekennende Feministin bin. Denn Feminismus bedeutet immerhin, dass man Menschen noch in Geschlechter unterteilt. Das hab ich aufgegeben. Für mich sind Menschen einfach Menschen.

Ach so, ähm, Zipfel … äh, dass Frauen zurück ins neunzehnte Jahrhundert gehören, war nicht meine Projektion, sondern die von Miss Steel … und, ja. Alle Kerle, die Frauen im 70er Jahre Look attraktiv finden, sind eindeutig pädophile Schweine. Schwanz ab! Zack! Kettensäge, alle an die Wand, und da sind die Gnadengesuche schon berücksichtigt! 😀

Ähm, was ich eigentlich damit sagen wollte, war, dass in meinen Augen in diesem epischen Werk, das zweifelsohne von den geistigen Erben Leni Riefestahls verfilmt wurde, in dieser Hochglanzästhetik einige Sidekicks nicht so ganz klar rausgearbeitet wurden, wie zum Beispiel das verhalten gestaltete „Schulmädchensex“-Klischee, das auch dazu geeignet ist, mit Herren mit entsprechender Neigung einfach Kasse zu machen.

Und, was soll’s, ich bezieh da jetzt ganz klar Stellung. Ja, ich habe total unreflektiert und vollkommen off topic mal kurz dem Porno-Genre „Schulmädchensex“ mit der Kettensäge en passant den Schädel rasiert. Und das arbeitet nun mal erwiesenermaßen mit dem gleichen Style wie Miss Steel. Flache Schuhe, kurze Röckchen, kindliche Frisur und unschuldiger Blick. Wenn man das Wort „Unschuld“ aber in diesem Kontext begreift, wo weibliche Lust eben mit „Schuld“ behaftet ist …

Nein, ich hab mich verfranst, ich komm noch mal rein, das ist echt ein sensibles Thema und ich will niemanden triggern. Also, irgendwo klang an, dass ich gegen Frauen bin, die gern mit ihrer Unschuld Männer verführen. Ich bin nicht gegen Frauen als Individuen, niemals, ich bin gegen die komplexen Metaebenen, die uns allen im Alltag kaum bewusst sind. Aber ich bin gegen das Wort „Unschuld“ im patriarchalen Sinne, denn dieses Wort hat mit der christlich-abendländischen Prägung schon genug mitgemacht. Denkt nach, Schwestern! Und, äh, Brüder, ihr natürlich auch!

Eine Frau, die keinen Sex hat, ist unschuldig. Daraus folgt, dass eine Frau, die Sex hat, schuldig ist. War ein Mann schon mal schuldig, weil er sexuelle Erfahrung hat? Ich kenn keinen. Ist ja auch egal. Jedenfalls wehre ich mich dagegen, mich als Frau schuldig zu fühlen, weil ich Sex habe. Jetzt als Frau zu genießen, dass Männer mich begehren, weil ich unschuldig bin, ist nach dieser Logik aber ein Paradoxon. Denn wenn ich es genieße, begehrt zu werden und Sex zu haben, kann ich ja gar nicht unschuldig sein! Liest überhaupt noch jemand mit? Egal, weiter!

So. Unschuldig wird also als Vokabel in diesem Zusammenhang gestrichen. Sich mal schwach zu fühlen, anzulehnen, einem vertrauten Partner die Führung zu überlassen und sich einfach mal fallen zu lassen, kann wunderschön sein. Aber das Recht sollten Männer dann auch haben, oder? Nur mit Schuld oder Unschuld hat das in meinen Augen nix zu tun. Diese ewigen Schuldzuweisungen für schöne menschliche Gefühle müssen endlich mal aufhören.

Abschließend: Und ich entschuldige mich bei allen Hardlinern dafür, dass ich mich jetzt vorsichtig ausdrücke – Herren, die das Beuteschema „Schulmädchen“ präferieren, sind mir eben nicht sympathisch, und ja, ich habe in dem Film gesehen, dass diese Zielgruppe angesprochen wurde. Ich bin eben total paranoid.

Fazit?

Ich hab Hunger. Nein, doch! Aber: Es tut mir leid, dass es schwierig ist, mir zu folgen, aber für die ganzen komplexen Zusammenhänge kann ich ja nix, die fallen mir eben nur auf. Jedenfalls danke ich euch für eure Geduld und euer interesse an meiner verwirrenden Gedankenwelt. Sookie tut weh, ich weiß. Ich lebe jeden Tag mit ihr! 😀

Ach so! Jane Austen war innovativ! Im Kontext ihrer Zeit. Heute ist sie es nicht mehr. Hoffentlich werde ich auch eines Tages total überholt sein, weil junge Frauen sich denken: „Mein Gott, die hatten Probleme! Wieso sollte eine Frau, die mehrere Partner gleichzeitig hat, irgendwas erklären müssen?“

In diesem Sinne: Opferrolle rückwärts, ich bin dann mal auf einer anderen Baustelle, es gibt ja genug. Jetzt dreh ich erstmal „By demons be driven“ auf. Wir singen die Strophen drei und fünf.

Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Es ist wieder Zeit für Sookies Kettensäge!

Ihr Lieben! Erst wollte ich ja einen totaaal gewaltfreien Artikel darüber schreiben, wie das Phänomen 50 Shades aus polyamorer Sicht betrachtet aussieht. Dann hab ich aber gemerkt … *gnnnnn* … *anstreng* … nein. Ich kann nicht. Ich muss einfach gemein werden! Rrrrrrrra!

Ich habe es getan: Ich hab 50 Shades 2 geguckt!

Eigentlich wollte ich nur mal wieder so richtig was zu lachen haben. Aber noch nicht mal das hat funktioniert, Mann! Ich hab zwar Tränen gelacht über die ganzen Klischees (wie Miss Steel schlau und kompetent aussehen soll und auf Dantes Inferno anspielt, muahahahahahaaaa, ich konnte nicht mehr, diese Meta-Ebenen, einfach göttlich!), aber, äh, na gut, zuerst der Trailer für alle Glücklichen, die es bis jetzt geschafft haben, einen Bogen um das Phänomen 50 Shades zu machen und gar nicht wissen, wovon ich rede. Ich versuch mal gerade, dieses Gimmik einzubauen, damit man das nicht unvorbereitet sieht. Ich respektiere jeden Menschen, der sich davor drückt. Ich hab das auch lange getan. Moment …

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So. Also, es wird „romantisch“, ja? Romantisch heißt in diesem Zusammenhang: Miss Steel heilt den traumatisierten Sadisten durch Selbstaufgabe und, ja, durch Liebe *schnief*, und wird mit allem belohnt, was ein Groschenheft-Milliardär zu bieten hat.

  • Ein Meer aus giftigen Schnittblumen, für deren Produktion Menschen in Kenia leider der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt wird – denn das wird ja für die Produktion der Rosen für den Weltmarkt gebraucht. Rosen für Milliardäre sind eben einfach wichtiger, man muss Prioritäten setzen. Es ist auch nicht so, dass Mister Grey sich selbst gebückt hätte, um ein Gänseblümchen zu pflücken. Das kostet den einen Anruf und eine ganze Blumenhändlerkette stößt sich gesund! Danke, Christian, so viel Mühe wäre doch gar nicht nötig gewesen! 😀
  • Ein Feuerwerk, dass die Umweltsauerei einer Silversternacht in den Schatten stellt.
  • Ich weiß jetzt nicht genau, in welchem Teil, aber sie kriegt auch einen halben Apple-Store geschenkt, damit Google, die NSA und alle, die es sonst noch interessiert, genau verfolgen können, wann sie welchen Laden betritt und wie lange sie sich da aufhält. Und Mister Grey natürlich auch, der entwickelt ja Überwachungssoftware.
  • Diverse Sex-Spielzeuge, von denen ich euch jetzt leider nicht sagen kann, wofür die gut sind, aber da Miss Steel blöd geguckt und sich an der Lippe genagt hat, gehe ich davon aus, dass sie geil war. Oder sein sollte. Was in dem Weltbild bei einer gut funktionierenden Frau ja dasselbe ist. Ob sie’s wirklich ist, interessiert ja keinen, Hauptsache, der Film kurbelt den weltweiten Sextoy-Verkauf an.
  • Ohhh, ganz süße Kleidchen, wirklich! Und traumhafte Dessous! Christian kümmert sich einfach um alles! Was sein Besitz anzieht, was er isst, was er trinkt, welches Auto er fährt … Welche Frau wäre so blöd, sich da nicht geliebt zu fühlen?

So, ich muss jetzt hier eben was einschieben! Ich bin kein SM-Gegner, absolut nicht. Wenn eine selbstbewusste Frau freiwillig entscheidet, dass es ihr gut tut, sich mal vertrauensvoll fallen zu lassen und dem Mann die Führung zu überlassen, viel Spaß. Und wozu gibt es Safewords, eine eigenverantwortliche Sub sagt Bescheid, wenn sie etwas nicht möchte.

Miss Steel ist aber keine verantwortungsvolle Sub mit einem dominanten Partner, Miss Steel ist eine, wir nehmen langsam Fahrt auf, rrrrrrrrrrrr, Miss Steel ist eine strunzdumme, konsumgeile Schmalznudel, die hundert Jahren Frauenbewegung einfach so in den Arsch tritt! Aus purer Blödheit! Otto Ludwig Piffel würde sie als die verfaulte Frucht einer bourgeoisen Zivilisation bezeichnen! Karl Kraus würde sagen, sie ist ein Atom der Weltbanalität! Miss Steel ist einfach … RRRRRRAAAAA!

Alle braven Frauen stellen sich jetzt mal in einer Reihe auf und gehen dann zurück ins neunzehnte Jahrhundert!

Ja, Miss Steel ist ja Literaturwissenschaftlerin oder so was. Also, vielleicht ist sie eher das, was Nicht-Leser sich darunter vorstellen. Ihr Kleidungsstil soll glaube ich auch darauf hinweisen, scheint sich dann in der Praxis aber doch eher an Pädophile zu richten, die Frise einer Zehnjährigen, die süßen flachen Schühchen und die Mini-Röckchen in der A-Linie mit den süßen Blüschen, da fehlen eigentlich nur noch die Siebziger-Jahre-Zopfgummis mit lustigen Plastikkirschen und der Lolli im Mund, dann ist Pädo-Opis Lolita von nebenan schon fertig.

Aber meine persönliche Schlüsselszene in „50 shades 2“ war der Moment, wo Miss Steel auf die Frage, wieso sie noch Jungfrau war (Wieso wohl? Weil alle Frauen, die mit über 20 schon eine selbstbestimmte Sexualität haben, dreckige Schlampen sind!) antwortet, dass sie ja Austen und Brontë gelesen hat. Jetzt blubbert sofort wieder eine Nerdfrage in mir hoch: Welche der Brontë-Schwestern genau? Da gab es ja durchaus Unterschiede. Aber passen wir uns einfach mal Miss Steels Niveau an und da bleiben als „Traummänner“ eigentlich nur Heathcliff (Sturmhöhe) und Rochester (Jane Eyre).

Wieso Heathcliff als der romantische Held schlechthin gilt, habe ich nie verstanden. Der Mann ist ein brandgefährlicher Angstbeißer, der von völlig unreflektierten, destruktiven Aggressionen beherrscht wird. Rochester hält seine psychisch kranke Frau vor der Welt geheim, was im neunzehnten Jahrhundert durchaus verständlich war, wenn man noch irgendwo zum Tee eingeladen werden wollte. (Und wenn man es sich leisten konnte, einen Flügel des Familiensitzes „stillzulegen“, damit keiner die Irre schreien hört.)

Aber Rochester hält gleich zwei junge Frauen mit einem nicht offen ausgesprochenen Eheversprechen an der langen Leine, ohne zu sagen, was Sache ist. Nämlich, dass er gar nicht heiraten kann, weil er schon verheiratet ist. Das ist … fies, um es mal vorsichtig auszudrücken. Oder feige, um es direkter zu sagen. Aber immerhin hat er einen interessanten Konflikt, denn er sehnt sich nach Liebe, möchte aber die Dame seines Herzens auch zu einer „ehrbaren Frau“ (höhö!) machen. Damit gerät er aber in einen Konflikt mit der Gesellschaft, ein Dilemma, das jeder Poly nachempfinden kann, der sich schon mal die Nase an den vorherrschenden Konventionen gestoßen hat.

Und dann Jane Austen. Tja. Die gute Jane war zu ihrer Zeit innovativ und hat so Sachen gemacht, wie den Perspektivwechsel in den europäischen Roman einzuführen. Danke dafür, Jane. Aber Jane Austen war eine sanfte Satirikerin, aus deren Büchern auch viel bissige Frustration trieft – was kein Wunder ist, denn sie war eine analytisch denkende Frau mit Humor, die in Salons und Konventionen eingesperrt war. Aber Jane Austens männliche Helden sind allesamt Witzfiguren. Das sollten sie sogar sein. Jane wollte darstellen, dass Heldinnen ihres Standes nur eine einzige Frage selbst entscheiden konnten, um an ihrer Lebensgestaltung aktiv mitzuwirken: Welche der Flitzpiepen, die mich nehmen würden, hat denn das höchste Einkommen?

So. Und in diese Welt möchte Miss Steel also zurück. Den ersten Mann heiraten, der sie mit teuren Geschenken ins Bett lockt, der sie aus tragischen Ängsten heraus kontrolliert, gängelt und braucht. Was lernen junge Frauen aus diesem Rollenmodell?

  • Es gibt nichts schöneres, als „gebraucht“ zu werden.
  • Selbstbestimmte Sexualität ist wieder absolut pfui! Anständige Frauen wollen dann, wenn der Mann will. Natürlich nur „der Richtige“, also das Alphamännchen mit dem Hubschrauber. ansonsten würde frau sich ja unter Wert verkaufen.
  • Ein Mann wird dadurch attraktiv, dass er eine Frau haben will. Mehr muss der gar nicht machen, er ist ja ein Mann. Da hat man sich als Erwählte geschmeichelt genug zu fühlen. Selber denken ist nicht so gut. Es ist besser, wenn man passiv bleibt und hofft, dass man „einen abkriegt“. Mit dem, was man abkriegt, muss man dann eben arbeiten. Tja.
  • Verliebe dich in das Potenzial eines schwer traumatisierten sadistischen Neurotikers und heile ihn mit deiner selbstlosen Liebe. Damit nimmst du ihm zwar die Chance, sich endlich mal um sich selbst zu kümmern, aber zu was solltest du als Frau sonst gut sein? Ich empfehle Miss Steel an dieser Stelle das Buch „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit. Augenöffnend für alle Frauen, die immer noch als heilige Krankenschwester in Aktion treten!

Aber der Oberknaller ist:

  • Wenn ein Mann dich kontrolliert, gängelt, einsperrt, stalkt und überwacht, dann darfst du dich geliebt fühlen. Denn was sollte das sonst bedeuten?

Schließlich sind Besitzdenken, Kontrolle und Eifersucht die größten Liebesbeweise ever, ooooder? Eine Frau, die den Kopf hebt und sagt „Ach, lass mal, ich gehöre lieber mir selbst, behalte die Kontrolle über mein Leben und such mir Partner aus, die mich akzeptieren, wie ich bin!“ wird in der Welt der 50 Shades Fans ganz schnell zum Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft.

Was hat das jetzt alles mit Polyamorie zu tun?

Erst heute hab ich wieder in einer Polyamorie-Gruppe den Beitrag einer Frau gelesen, die müde und erschöpft davon ist, sich wie eine einsame Außerirdische zu fühlen, weil sie offen dazu steht, dass sie mehrere Partner lieben kann. Weil sie damit immer noch in die Schlampen-Ecke gestellt wird. Ich les das immer wieder überall und ich kenne das Gefühl so gut, dass es mich jedes Mal wieder traurig macht. Die Liebe einer polyamoren Frau wird ja auch in der Gesellschaft nicht ernstgenommen, denn was Liebe ist, definiert ja freundlicherweise Miss Steel für uns.

Auch polyamor lebende Männer können doch unmöglich lieben, oder? Sonst würden sie sich doch aufführen wie Herr Grey! Kontrollieren, eifersüchtig überwachen, gängeln und entmündigen. Ein echter Mann macht das doch, wenn ihm eine Frau etwas bedeutet! Vor allem lässt ein Kerl mit Arsch in der Hose sich ja nicht auf der Nase rumtanzen, indem er zulässt, dass die Alte fremdgeht! Damit bist du doch an jedem Nicht-Polystammtisch die Lachnummer!

Eigentlich wollte ich jetzt eine flammende Rede darüber halten, dass alle Menschen, die den Mut aufbringen, anders zu leben und offen dazu zu stehen, für mich einfach Helden sind. Weil sie bereit sind, ohne Rollenmodelle voranzugehen und immer wieder gegen blöde Vorurteile zu kämpfen. Gerade Frauen, die sich immer wieder aufrappeln, wenn jemand mit der Moralkeule auf sie eingeprügelt hat, verdienen einen großen, fetten Blumenstrauß, allerdings nicht aus Herrn Greys Gewächshäusern, sondern einen selbstgepflückten von einer echten Wiese.

Aber wisst ihr was? Ich bin jetzt gerade selber einfach nur müde. So müde, dass ich mich frage, ob es überhaupt Sinn hat, diesen Artikel zu veröffentlichen. Ist da draußen irgendjemand, den das interessiert? Oder haben die Miss Steels dieser Welt längst gewonnen? Sind polyamore Frauen, die sich selbst annehmen, wie sie sind, gegen alle Widerstände, die selbstreflektiert leben, handeln, kommunizieren, die Verantwortung für ein komplexes Polykül tragen und sich immer wieder den dämlichsten Vorurteilen stellen, wirklich die Schlampen der Gesellschaft? War alles umsonst?

Soll ich dir was sagen, Miss Steel? Alle finden dich süß und wollen so sein wie du. Aufopfernde Krankenschwester, allzeit verfügbares Sextoy und süßes Dummchen in einem. Das Überraschungs-Ei für den kleinen Milliardär. Aber für mich bist du einfach nur eine strunzdumme Fotze. Ätsch.

Jetzt geht’s mir besser. Mal gucken, vielleicht geh ich noch einen BH verbrennen.

Nachtrag: Liebe Freunde und Feinde, nach einer possierlichen kleinen Facebook-Diskussion, die leider hinter verschlossenen Türen stattfand, musste ich einen zweiten Teil nachlegen, den ihr hier findet. Holt euch besser eben noch ein paar Kekse.

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Pamp-Gans

Ihr Lieben! Nachdem wir letzte Woche eine überwältigende Diskussion darüber hatten, was wir Autoren für Buchblogger tun können, um mit unseren alternativen Perlen der Nischenliteratur auch gefunden zu werden, und so viele Buchblogger uns mit ihren Ideen so hilfreich zur Seite standen, ist es jetzt so weit. Ich habe die neue Seite für Nischenautoren, die sich hier vorstellen wollen, fertig. Eine Seite für Buchblogger habe ich auch gleich eingerichtet, es gibt ja tatsächlich Leute, die den Artikel über die Blogger-Misere noch nicht gelesen haben und nicht wissen können, worum es hier geht. So, jetzt hab ich für die praktische usability so viele Links eingefügt, dass ich schon ganz aus der Puste bin. Fakt ist: Einer muss ja anfangen, und da es vier Uhr morgens ist und alle anderen schlafen, muss ich wohl ran!

Ich stelle mich jetzt auch einfach mal als erstes vor, um auch den schüchternsten AutorenkollegInnen die Angst davor zu nehmen, dass sie sich schlimmer zum Affen machen könnten als ich. Aber glaubt mir: Das wird schwierig! Denn ich hab mich für mein eigenes „Demonstrations-Autorenporträt“ dazu entschlossen, euch in einem joycehaften stream of consciousness um die Ohren zu hauen, warum ich eine olle Pamp-Gans bin, eine Meckertrine, die schreibt, damit ihr nicht der Kopf platzt! Mein Aufsatz heißt:

Der Buchmarkt und meine mentale lila Latzhose!

Ha, ja, da geht das Problem schon los! Die jüngeren unter euch fragen sich jetzt: „What the fuck ist eine lila Latzhose?“ Deswegen fange ich jetzt mit der Aufklärungsarbeit sofort an! Die lila Latzhose war mal ein Symbol der Frauenbewegung. Und, nein, ich rede jetzt nicht von den „Feminazis“, die heute militant das Internet aufmischen und dafür kämpfen, dass man in der aktuellen Genderdiskussion so was wie „der Elefant“ nicht mehr sagen darf, weil dadurch alle Elefantinnen diskriminiert werden. (Oder heißt das Elefantetten? Elefanteusen?) Man fragt sich da jedenfalls, wann „die“ Kater sich online zusammenrotten, weil sie sich davon kastriert fühlen, dass es „die Katze“ heißt. Ist aber auch egal jetzt.

Also, die lila Latzhose steht für mich für die Frauen, die wirklich noch sinnvolle Kämpfe ausgefochten haben, wie zum Beispiel das Recht auf „Verhängnis Empfütung“ (der Versprecher einer Schulfreundin von mir, den ich nie vergessen habe), Abtreibung, Gleichberechtigung im Beruf und die Abschaffung von Gesetzen wie dem, dass der Gatte den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen darf, wenn er der Meinung ist, dass sie den Haushalt vernachlässigt (ich glaube, dieses Gesetz war bis 1976 in Kraft, stellt euch das mal vor). Das einzige Argument, das mich jemals zum Heiraten bringen könnte, wäre, dass der Gatte sich dann ja um den dämlichen Haushalt kümmern könnte, also werde ich ledig in die Grube fahren, yoho!

Jedenfalls trage ich mental eben immer noch eine lila Latzhose. Ich hab mich nie als Feministin betrachtet, aber immer als Mensch. Und bei Menschen sollte es für mein Empfinden eben keine Unterschiede geben wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sonstwas. Ich war auch nie irgendwie „organisiert“. Ich halte grundsätzlich nichts von Organisationen und ich zog es immer vor, sowohl die Emma als auch den Kicker zu lesen. Einmal wollte die „Fantifa“ (Feministische Antifa) mich zur Mitarbeit bewegen, aber als ich gehört habe, dass die dort engagierten Damen sich treffen, um einen Ordner anzulegen, in dem so Wörter wie „Patriarchat“ abgeheftet werden, hab ich mich, vielleicht sogar zu Recht, gefragt, ob das den Skinheads, die damals am Bahnhof rumlungerten, wirklich Angst macht.

Jedenfalls dachte ich, als ich noch jung und knusprig war, bis ich mal eine olle Schrulle bin, hat sich alles geändert. Utopia, ich komme! Ich dachte, Frauen würden für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen wie Männer. Ich dachte, Frauen würden ihren Wert nicht mehr daran bemessen, wen sie „abkriegen“, sondern sich selbst nehmen, was sie wollen. Haha… mein Gott, war ich naiv! Und dann kam der Rollback auf dem Buchmarkt. Auf dem Buchmarkt und in der Welt. Aber da ich hier als Autorin auf den Putz haue, beziehe ich mich jetzt auf den Buchmarkt als Spiegel unserer Welt. Denn was wir lesen, zeigt immer auch, was wir wünschen und träumen.

Freud und Leid

Ich gebe zu, ich bin Anti-Freudianerin. Ich hab die Freud-Gesamtausgabe im Regal, weil es gut ist, seinen Feind zu kennen, denn vieles, womit wir uns heute herumärgern hat seine Wurzeln in dieser Zeit. Ich fand Freud immer so spannend, weil man ihn lesen kann wie ein Geschichtsbuch. Freud ist eine unverfälschte Quelle für Studien über die längst überholte Sexualmoral und das gesamte Menschenbild des späten neunzehnten, frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Und wenn man über das Frauenbild der Zeit nachdenkt, wird einem angst und bange. Versteht mich nicht falsch, Freud hat für damalige Verhältnisse wirklich an der lustfeindlichen Gesellschaft gerüttelt, so gut er konnte, aber heraus kamen dabei so Denkrichtungen wie die, dass Frauen durch äußere Umstände (die Ehe) zum Sex „gezwungen“ werden müssen, um ihn genießen zu können, denn anständige Frauen tun so was ja nur, wenn sie müssen. Dann macht es ihnen aber Spaß, obwohl sie das nicht zugeben, man hält ja auf sich, klar. Um es auf Stammtisch zu übersetzen: „Die will es doch auch! Frauen meinen Ja, wenn sie Nein sagen!“ Haaaarsträubend!

Damals wurde übrigens auch der Vibrator erfunden. Das müssen so frankensteinmäßige Apparate gewesen sein, aber hey, die hatten noch kein digitales Zeitalter, damals war „Mechanik“ total in und die „Vibrator-Behandlung“ wurde gegen Hysterie verschrieben. Auf Stammtisch: „Die Alte muss nur mal richtig …“

Ihr seht also, absurde Geschichten darüber auszugraben, woher wir kommen, damit wir entscheiden können, wohin wir wollen, ist mein Hobby. Denn ins neunzehnte Jahrhundert, in dem Tischbeine als unanständig verhüllt wurden, wollte ich nie zurück. Ich wollte immer, dass wir Frauen selbstbestimmt, lustvoll und ohne schlechtes Gewissen oder moralische Wertung unser Leben auskosten können, mit allen Facetten. Ich wollte schlicht und ergreifend, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Und eine Weile dachte ich auch, dass wir auf einem guten Weg sind. Und dann kam:

Eine verstörende Begegnung mit einem Bestseller-Hochlandrammler

Als ich die Highland-Schmonzetten, um die es jetzt geht, zum ersten Mal in die Finger bekam, war der Hype darum schon fast wieder vorbei, umso mehr habe ich mich erschreckt. Ich lese ja gerne historische Romane. Hysterische (ganz im Freudschen Sinne) eher weniger. Und in dem Buch, über das ich mich damals wie heute so aufrege, geht es genau darum: Eine Frau fällt in ein Zeitloch und wird durch dramatisch konstruierte Verwicklungen (ein schwuler Sadist, der liebend gern knackige junge Männer auspeitscht und Frauen nur als Zeitvertreib vergewaltigt ist im Spiel) gezwungen, einen von eben diesen knackigen jungen Männern zu heiraten und es ständig mit ihm zu treiben.

Hallooo? Sind wir da nicht wieder bei Freud angekommen? Und alles vor der malerischen Kulisse des fast noch mittelalterlichen Schottlands. Dabei ist die zeitreisende Heldin aus dem „aufgeklärten Zeitalter“ doch in ihrer „Gegenwart“ noch verheiratet! Oh, Gott, oh, Gott! Und jetzt muss die Arme gegen ihren Willen ständig mit diesem knackigen, jungen Schotten … Was für ein Schicksal! Da fiebern wir natürlich mit!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich mach den Absatz jetzt mal fett, damit ich auch richtig verstanden werde! 😀 Ich habe nichts gegen Sex mit durchtrainierten, hüschen Kerlen, absolut nicht! Auch nicht in Büchern! Aber dann bitte selbstbestimmt! Ich hab was dagegen, dass wir Frauen uns SELBER immer noch das patriarchale Denken des neunzehnten Jahrhunderts überstülpen! Ich hätte das Buch vielleicht sogar richtig cool gefunden, wenn die weibliche Hauptfigur gesagt hätte: „Was soll’s? Mein Angetrauter ist in einem anderen Jahrhundert und ich sitze hier fest! Dann kann ich mir auch den hübschen jungen Schotten schnappen!“

Aber die Gute muss sich leider gegen ihren Willen „hingeben“, weil sie in eine Zwangsehe gepresst wurde und eine Horde saufender Kerle auch genau aufpasst, dass die Ehe auch vollzogen wird! Und das gilt in der heutigen Literatur als romantisch, ja? Romannntisch!

Junge Frauen lesen so was und merken gar nicht, wie sie da mit völlig überholten, frauenfeindlichen Moralvorstellungen das Gehirn gewaschen kriegen. Für mein Empfinden verherrlichen solche Bücher das, was als „beischlafähnliche Vergewaltigung“ in die Gesetzestexte eingegangen ist. Und solche „Romane“ suggerieren jungen Frauen, dass eine selbstbestimmte, selbstbewusste Lust und Lebensgestaltung immer noch „moralisch unsauber“ sind. Besser, man wird gezwungen, dann darf man. Durch Rollenmodelle wie diese Romanheldin pervertieren wir Frauen uns selbst, und dieser Bestseller öffnete Tür und Tor für viele weitere Bestseller, die in das gleiche Horn stoßen.

Anständiges Mädchen muss sich leider reihenweise von gutaussehenden Milliardären flachlegen lassen, um Papas Spielschulden zu bezahlen. Hallooo? Jede selbstbewusste junge Frau würde da sagen: „Weißt du was, Vaddern? Bezahl deine Schulden selber, und wenn du mir die vererbst, schlag ich das Erbe eben aus. DEIN Bier, und meine Männer suche ich mir selber aus!“ Aber solche Bücher rennen auf dem Markt und als Autorin darf man da nix gegen sagen, weil man dann Futterneid hat, Futterneid!

Der wüste Prediger

Als ich ein Teenager war, stand in der Innenstadt, in der wir immer rumgammelten, immer ein ganz hagerer, verhärmter Herr in einem grauen Anzug auf einem dieser Beton-Blumenkästen und predigte: „Der Weltuntergang ist nahe!“ Der gehörte einfach zum Stadtbild dazu, gegenüber standen die Zeugen Jehovas und hielten ihren „Wachturm“ hoch, an der nächsten Ecke waren die peruanischen Musiker mit ihren Panflöten, die immer diese komischen Teppich-Ponchos trugen.

Dem Prediger hörte eigentlich niemand zu, aber alle nahmen ihn halt als unvermeidliches Übel hin. Und manchmal muss ich heute an diesen Mann denken. Ich fühle mich nämlich oft genau so. Manchmal möchte ich mich mit einer „50 Shades“ Ausgabe in der Stadt auf einen Blumenkübel stellen und jungen Frauen zurufen: „Merkt ihr denn gar nicht, was mit euch gemacht wird? Ihr werdet durch Propaganda zurück in die Sklaverei getrieben! Der Weltuntergang ist nahe!“

Und ich lache gerade selber Tränen bei der Vorstellung wie ich mit der Bibel des Antichristen wedle und mich zum missionarischen Affen mache. Wenn ich dann in die Jacke gesteckt werde, bei der man die Ärmel auf dem Rücken zuknoten kann, werde ich kreischen: „Dürfen Sie das überhaupt ohne richterlichen Beschluss?“, und der Polizist wird raunen: „Ach, komm, du willst es doch auch!“ Rrrrrra! Vertragt ihr noch eine Schüppe drauf? Geht nicht anders, ich bin gerade sowas von in Fahrt, aber sowas von! Kommen wir also zu:

Herr Grey und ich

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich den Herrn Grey richtig richtig gefressen habe! Dieser bratzbirnige, hohlköpfige, zwangsneurotische Frauenschänder, der regt mich sowas von auf! Aber er hat einen Huuuubschrauber! Und wenn er dann so melancholisch in seinem Schlafanzughöschen Klavier spielt, er ist doch so süüüüß!

Und dann schenkt er Miss Steel auch noch die unbezahlbaren antiquarischen Bücher von Thomas Hardy! Tess von den d’Urbervilles! Mit dem Buch ist Thomas Hardy gegen sexuellen Missbrauch auf die Barrikaden gegangen, und das zu einer Zeit, als man Wörter wie „sexuell“ oder „Missbrauch“ noch gar nicht sagen durfte! Thomas Hardy zog ins Feld gegen „Unzucht mit Abhängigen“, nicht gegen „Zucht mit Unabhängigen“! *augenroll* Und jetzt wird dieses kostbare Buch instrumentalisiert und ins Gegenteil verkehrt! Ernsthaft, wenn Thomas Hardy das wüsste, der würde im Grab rotieren, bis die Kiste ins All schießt wie die TARDIS von Doctor Who! Ganz schnell weg, aber ganz schnell, am besten in ein anderes Jahrtausend am anderen Ende des Universums!

Was mich aber noch mehr aufregt als der Herr Grey, ihr lacht, aber das geht!, ist die Miss Steel! Neulich schickte mir eine sehr clevere und witzige Kollegin (die sich hoffentlich bald hier vorstellen wird), den Link zu einem Video, das zusammengebaut war aus „50 Shades“-Trailern und Mister Bean. Ich weiß leider nicht, wo man das Video wiederfindet, aber das war das größte Stück Filmkunst, das ich in den letzten Jahren gesehen habe! Ich hab so gelacht, ich konnte vor Tränen in den Augen den Monitor gar nicht mehr sehen. Nie war Miss Steels völlig enthirnter Blick, wie sie da so mit zusammengekniffenen Knien bei Mister Grey im Büro sitzt wie eine verklemmte Hanseatentochter aus „50 Shades of Buddenbrooks“, so entlarvend wie in dem Moment, als Mister Bean ihr ölig-selbstverliebt zulächelte. Ja, der europäische Autoren-Porno lebt, meine Damen und Herren! 😀

Und das alles, dieses Konglomerat aus GEQUIRLTER SCHEISSE *kreisch*, das junge Frauen gezielt enthirnt und sie durch romantische Ideaaaaale zu braven Systemsklavinnen macht, hat mich so AUFGEREGT, dass ich beschlossen habe, mein Talent nicht mehr durch dämliche Ghostwriterjobs und als Content-Produzentin zu verheizen, sondern endlich mal Bücher zu schreiben, die was zu sagen haben. Auch, wenn man das auf den ersten Blick gar nicht merkt. Weil ich meine Geschichten nämlich mit witzigen Dialogen und liebenswert skurrilen Figuren so verpacke, dass sie sich lesen wie kurzweilige Unterhaltung. Und ich mach das so, weil ich dieses Handwerk beherrsche und mir niemand zuhören würde, wenn ich auf dem Blumenkübel stehe. Aber ich hab verdammt nochmal was zu sagen. Ich schreibe für das Genre „Subversive Romantik“ (Danke für diesen herrlichen Ausdruck an meine Kollegin Christine Ulrich). Ich nenne mein Genre jetzt einfach kurz: Grips-Lit.

Meine Message an junge Frauen ist nämlich folgende:

Du darfst Lust haben, Frust haben, lieben, leben, lachen, weinen, ohne dich dem moralischen Werturteil verknöcherter alter Säcke zu unterwerfen! Du hast genau so ein Recht auf deine Leidenschaften und Lebensfreude wie jeder noch so pisselige Kerl, selbst wenn er ein kariertes Röckchen trägt oder einen Huuuubschrauber hat!

Wenn du „Nein!“ sagst, dann heißt das „Nein!“, ganz einfach.

Wenn du Lust hast, brauchst du keinen Papi mit Spielschulden oder eine Horde besoffener Schotten, die aufpasst, dass deine Ehe auch vollzogen wird, als Ausrede. Wenn du drauf stehst, Milliardäre flachzulegen, dann mach das doch einfach aus genau diesem Grund – weil du drauf stehst. Aber vergiss die Kondome nicht!

Wenn du das magst, ist es völlig okay, wenn der, der im Bett die Hosen auszieht, im Bett auch die Hosen an hat. Es kann himmlisch sein, sich fallen zu lassen und sich einem dominanten Mann anzuvertrauen. Aber dann mach ihm auch klar, dass er sich das Privileg mit Achtung und Respekt verdienen muss! Der Schlachtruf lautet: „I got the pussy, I make the rules!“

Wenn du es für „den schönsten Tag im Leben“ hältst, all deine Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, um dich als Baiser zu verkleiden, die gesamte bucklige Verwandtschaft durchzufüttern, es bei der Sitzordnung allen recht zu machen und einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Auflösung später verdammt teuer wird, nämlich dann, wenn die statistisch sehr wahrscheinliche Scheidung auf dich zukommt, dann will ich nicht wissen, wie die weniger schönen Tage aussehen! Und der Schönste war ja schon! Besser wird’s nicht mehr, wenn du erst verheiratet bist, das sagt der „schönste Tag im Leben“ ja aus!

Du hältst dich für eine miese, verschlagene Verbrechernatur, weil du einen Partner hast und trotzdem Herzklopfen kriegst, wenn deine verdrängte große Liebe sich meldet? Du bist nicht böse und schlecht, Polyamorie ist normal! Wir Menschen sind tatsächlich einfach so angelegt, dass wir uns zu mehreren Partnern hingezogen fühlen können! Subversives Geschwätz eines gescheiterten „Beziehungsüberforderungsopfers“? Nö, ist besser für den Genpool, so einfach ist das! Es ist nur so verdammmt schwer, das auch zu leben, ohne die Menschen, die man liebt, zu verletzen! Also: wie geht das auf dem Drahtseil, wenn du mehrere Männer liebst, jeden auf seine Art?

So. Das sind meine Themen, die mir wirklich unter den Nägeln brennen und für die ich Tag und Nacht mit Leidenschaft schreibe und dabei verdammt viel lache. Manchmal sogar weine. Und wem das zu radikal ist, der kann jetzt gern mal eben den Glitzervampir-Roman aus der Hand legen und in die Welt gucken. Wir sind nämlich längst da angekommen, wo echte, witzige, intelligente Frauen mit Humor und Mut ein Leben meistern, das vielleicht gar nicht den Vorstellungen der CDU entspricht. Und für genau diese wunderbaren Frauen versuche ich Bücher zu schreiben, in denen sie sich wiederfinden.

Jetzt hab ich mich herrlich ausgepowert, wieder die ganze Nacht mit Schmackes Worte jongliert und wer meine Bücher einfach mal gefahrlos ausprobieren will, findet rechts in der Sidebar den Link zur kostenlosen XXL-Leseprobe. Und ich freu mich schon richtig auf die eMails, die ich wieder von besorgten Herren erhalten werden, weil mein Weltbild total weltfremd ist und ich dringend vor mir selbst gerettet werden muss! Wir sehen uns! 😀

Wenn mir jetzt noch jemand einen Bademantel umlegen und mich von der Bühne führen könnte wie James Brown, wäre ich wirklich dankbar. Sookie haut sich jetzt aufs Ohr, und ich freu mich drauf, Kommentare zu diesem ersten „Autorenporträt“ zu finden, wenn ich die Klüsen wieder auf kriege. Haut rein, Mädels, rockt den Buchmarkt, und erzählt mir, wofür euer Herz brennt!

Eure Sookie, Liebesromantante aus Leidenschaft und heimlich beladen mit Sendung