Beziehungsstatus 4: Ich brauche dringend euren Rat!

Beziehungsstatus 4: Ich brauche dringend euren Rat!

Ich würde jetzt sagen „I bims“, aber das ist ein Jugendwort und nix ist so peinlich wie eine olle Schrulle, die Juuuugendsprache spricht, deswegen, öhm, könnt ihr mal alle eben kurz näher rücken? Am besten wir bilden einen Stuhlkreis, ja, und wenn jeder seine Wolldecke … Mist. Ich bin verwirrt. Das seid ihr von mir natürlich nicht gewohnt. Es geht um Beziehungsstatus 4 und wir müssen reden. Aber ungelogen: Ich hab jetzt seit Wochen diesen Gesichtsausdruck:

Beziehungsstatus 4

Ich hab da nämlich ein Problem mit Beziehungsstatus 4, und da wir als Autorin und Leser ja irgendwie alle im selben Boot sitzen, muss ich euch jetzt mal aus der Komfortzone locken! Und, ja, auch die stillen Leser dürfen mitreden! Falls ihr online nicht mit mir gesehen werden wollt, auch gerne als PN über Facebook, treibt sich ja nicht jeder gern öffentlich in der Polyamorie-Ecke des Internets rum, da hab ich vollstes Verständnis für! Worum geht’s?

Beziehungsstatus Romane führen ein Eigenleben, so viel ist klar!

Äh, ich will euch jetzt gar nicht mit der ganzen Geschichte langweilen, was vom ersten Erscheinen des ersten Bandes bis heute, blabla, aber Fakt ist: Geplant war das ganze Ballett ja als Fortsetzungsroman, der quasi relativ kurzgetaktet Neuerscheinungen hervorploppt. Plopp. Da is‘ wieder einer! Weil ich aber Sookie bin, hab ich mir dann wieder selber Beine gestellt und komplett umgearbeitet, extrem dicker gewordene Neuauflage, was soll ich sagen, es ist aber auch einfach immer so kompliziert! Mit der Liebe und der Polyamorie und dann haben die Romanfiguren wieder ihren eigenen Kopf und – ihr kennt das. Wie heißt das? Schreiben ist das, was passiert, während du plottest. Oder so.

Jedenfalls sind Beziehungsstatus 1 – 3 ja jetzt verdammt fett. Also, nicht so fett wie Tolstoi, aber der hat Krieg und Frieden auch achtmal umgeschrieben, der kannte das auch, diesen ewigen Optimierungszwang. Mein Dank gebührt übrigens Missus Tolstoi, die das alles immer wieder von Hand abgeschrieben hat. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht doch heiraten sollte. Das steht aber jetzt hier nicht öffentlich zur Debatte! 😀

Ja, auf jeden Fall: Die drei ersten Bände so als Reihe, aber irgendwie schon auch ein bisschen in sich abgeschlossen, also quasi mit „Themenschwerpunkten“, waren für mich extrem wichtig bei der Arbeit. Aber die Figuren verändern sich, es kommen neue hinzu, das Universum breitet sich aus und wird bunter und wer bis jetzt mitgelesen hat, kann das auch wechseln. Was Polyamorie überhaupt ist und wer mit wem und an welchen Schauplätzen und überhaupt – inzwischen kennen wir uns ja alle. Und jetzt endlich meine Frage:

Könntet ihr ab Beziehungsstatus 4 mit einer Umstrukturierung leben?

Die Sache ist nämlich die: Ich hatte echt nicht mit euch gerechnet. Mit so tollen Lesern wie euch. Mit Lesern, die sich so viele Gedanken machen, die so mitfiebern, so individuelle Rezensionen schreiben, die mir so tolle, tiefgründige Nachrichten schicken und die vor allem meinen speziellen Humor teilen. Ich dachte, das wär eben eins meiner üblichen Projekte, bei denen nie einer guckt, ich stell mal ein Buch ein, dann rutscht das ins Nirvana und ich fange ein neues Projekt an. Ziegenkäse wegschmeißen oder alte Duschgelflaschen als Vasen upcyceln oder so. Aber jetzt seid ihr da und ihr scharrt mit den Hufen und wollt wissen, wie es weitergeht.

Und für mich hat sich auch vieles geändert. Die Figuren sind für mich inzwischen wie Familienmitglieder, man kennt sich eben. Ich bin inzwischen auch mit der Story so verwachsen, das ich nicht mehr überlegen muss, wie es weitergeht, ich weiß es einfach. Ich will nur noch schreiben, schreiben, schreiben und raushauen, KAWÄMM! Jetzt ist aber das Ding: Bis jetzt hatten wir quasi drei fette Bände in Spielfilmlänge. So wie „Star Wars“, als die Welt noch in Ordnung war. Oder „Fluch der Karibik“, bevor Jack Sparrow diese neuen Extensions bekam und bescheuert aussah. Drei Teile sind watt Ehrliches. Und Beziehungsstatus 4 soll und muss es einfach geben, da sind wir uns hoffentlich einig! 😀

Aber ich würde jetzt einfach lieber ins Serienformat wechseln. Weil die Story einfach gerade danach verlangt. Irgendwie. Und ihr auch. Irgendwie. Und mein Marketing auch irgendwie, denn das effektivste Marketing sind immer noch Veröffentlichungen. Isso. Die Weihnachtsgeschichte war der Knaller und hat viele Neuleser ins Beziehungsstatus-Universum gespült, die mich sonst nie gefunden hätten. Sichtbarkeit rulez!

Wenn Romane nicht immer so fett wären!

Aber Bücher in Romanstärke mit rund 600.000 Zeichen brauchen einfach ihre Zeit. Besonders bei einer so komplexen Story mit so vielen Charakteren, die alle Aufmerksamkeit verdienen. Meine Arbeitstechnik ist nämlich auch so: Ich mache alles im Kopf. Ich mach mir noch nicht mal Notizen. Wenn ich sehe, was andere Autoren da für Mindmaps und Plotgedöns anlegen – mach ich alles nicht. Bei mir muss das fließen und dann wird zehnmal umgeschrieben, bis die 300 Seiten rund sind. Das dauert über den Daumen pro Buch ein Jahr, weil der ganze Aufbau für dicke Schmöker doch sehr komplex ist. Und beim jetzigen Format bin ich drauf eingeschossen, dass ich mehrere Handlungsstränge auch zeitgleich zusammenfügen muss (auch, wenn man das beim Lesen vielleicht gar nicht so merkt, aber isso!) Aber jetzt kommt ein Punkt, wo mich das bei der Arbeit an Beziehungsstatus 4 bremst. Und das wollen wir doch alle nicht! 😀

Ich will also jetzt gerne weg von den fetten Schmökern. Beim Lesen kommen die euch ja hoffentlich nicht wie fette Schmöker vor, aber beim Schreiben sind sie de facto welche! 😀 Ich will lieber hin zu einem neuen Format, kürzere Folgen, mehr Handlungsstränge, und ich glaube, das passt auch. Wir haben inzwischen die Wikinger, dann kommt die Moooni, Siobhan muss auftauchen und überhaupt. Wenn ich allen Figuren gerecht werden will, muss ich weg vom bisherigen Format. Und ich hab da heute in einer neuen Rezension einen Satz gelesen, der dazu irgendwie passte wie Arsch auf Eimer: „Dazu passt der offene Schluss, der eben nicht alle Fragen beantwortet, sondern Lust auf Fortsetzung macht.“ Da sind mir aber die Cocktailtomaten von den Augen, ploff!

Weil: Die Bücher haben sich entwickelt, die Figuren, ich und ihr auch. Und wir sind jetzt, tada, an einem Punkt, wo wir die letzten eingefahrenen Strukturen des klassischen Liebesromans verlassen können. Echt jetzt. Das Happy End am Ende brauchen wir alle nicht mehr, oder? Lebendige Liebe ist eben nicht statisch, die fließt, da gibt es immer Drama, Liebe, Wahnsinn, Zwischen-Happy-Ends und woanders kann es gerade donnern. Besonders in Ostfriesland. Da donnert es ja öfter.

Was machen wir jetzt?

Umverdingsung, Wurschtelung, muss also sein. Denn dann könntet ihr den nächsten Band vielleicht schon Ende des Monats haben. Schlanker, aber auch ein bisschen günstiger natürlich. Die Frage ist jetzt nur, was meint ihr: Ist es Selbstmord, mitten in der Reihe das Format und den Preis zu ändern? Oder klappt das? Oder sollen wir einfach mit einer neuen Reihe starten? Das geht! Ich müsste nur im Nachwort von Beziehungsstatus 3 darauf hinweisen, wo es weitergeht! Aber lieber würde ich bei der bestehenden Reihe bleiben, oder? Nehmen Leser das krumm, wenn sich was ändert? Oder, ah! Eine zweite Staffel! Wie wäre es mit einer zweiten Staffel? Das wär geil, oder? Oder ist das blöd? Aber dann wäre Beziehungsstatus 4 Band 1 der zweiten Staffel … Ist das verwirrend? Ich lass euch jetzt mal was sagen, vielleicht seht ihr das ja alles ganz anders! Und kommentiert, wo immer ihr wollt, eure Meinung ist wiiichtig! 😀