Deleted Scene: Der nie getanzte Tango!

Deleted Scene: Der nie getanzte Tango!

Ihr lieben Menschen, es scheint Jahre her zu sein, dass Anna und John sich den Tango für das Flying Kluntje Video vorgenommen haben. Aber in einer nicht veröffentlichten Version haben sie diesen Tango tatsächlich in der Scheune getanzt! Keno und das Bärchen haben das Video kommentiert und John hat es sich angesehen. Das wirkt jetzt natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen, aber für die Freunde der gepflegten Festplattenfundstücke ist es vielleicht ganz witzig! 😀

Das geheime Flying Kluntje Video: Tango!

John hilet sich kurz die Augen zu, dann startete er das Video.

Keno und Livecam-Lothar sprachen über die leise Musik einen Kommentar ein wie ehrfürchtige Sportkommentatoren, die einem großen Ereignis beiwohnen. Und obwohl John selbst die Nacht in der Scheune verbracht hatte, wurde ihm jetzt erst wirklich bewusst, wie viel Arbeit Eugen, Lothar und Keno in die verdreckte, mit Gerümpel vollgestellt Scheune gesteckt hatten, um die »Flying Kluntje Eventhalle« daraus zu machen.

Das Video war so bearbeitet, dass es aussah wie ein flimmernder alter Film. Kenos beruhigend brummende Stimme. »Meine Damen und Herren, wir senden heute live von einem der größten norddeutschen Scheunen-Events, der Dans op de Deel Battle Frau Schnulze versus den mysteriösen Mitbewohner. Heute sehen wir einen hoch erotischen Hinterhof-Tango, und kaum ein Tanz verdient das Wort Kultstatus so sehr wie dieser. Hier im Bild sehen wir schon das Bein des mysteriösen Mitbewohners, der sich eigens für diesen Tangoschritt nur im linken Schienbein drei radioaktive Titangelenke einbauen lassen hat. Unsere weiblichen Zuschauer wird besonders interessieren, dass Madame Schnulze wie immer ein reizendes Ensemble trägt aus dem Secondhand-Wäschesack, der fast so mysteriös ist wie der Mitbewohner.«

Lothars helle Knabenstimme. »Ey, Alter, ich bin so gespannt, wann der die Dame aus dem Karussell flitschen lässt!«

»Ah, sehr schade, meine Damen und Herren, hier hat Frau Schnulze in der Linksdrehung die Hebung des Ellenbogens nicht ganz sauber ausgeführt, das wird Punktabzüge bei der B-Note geben, aber wir warten ab, was die Jury sagt.«

Lothar: »Das war doch die Rechtsdrehung, Alter!«

Keno: »Links ist da, wo der Daumen rechts ist, du Idiot!«

Lothar: »Ey, wie, guck mal, wenn ich jetzt die Hand so rum drehe, dann ist der Daumen voll links!«

Keno: »Das ist ja auch die rechte Hand. Da ist der Daumen links.«

Das Geräusch einer verrutschenden Plattenspielernadel vor schwarzem Hintergrund, dann John und Anna in der Upkammer, wie sie sich hilflos lachend aneinander klammern, aufgenommen von Keno in verwackelter Handy-Qualität.

John fuhr sich über die Augen und dachte an den Abend, als sie bei der Tangoprobe diesen monströsen Lachanfall hatten. Er hatte den Moment schon vollkommen wergessen.

Keno: »Ich sehe gerade, wir bekommen einen kleinen Einspieler von der Regie über das Training dieses spektakulären Tanzpaares, und hier können Sie sich ein Bild davon machen, was für harte Arbeit es ist, einen Tango so zu tanzen, dass er leicht und spontan aussieht.«

Schwarzes Bild, dann wieder die Tangomusik. Groß im Bild Annas hilflosester, devoter Augenaufschlag in der Drehung vor der Hebefigur. Lothars ehrfürchtige Stimme: »Alter, wenn die so guckt, krieg ich retrospektive Amnesie!«

Keno: »Retrograde!«

Lothar: »Ja, sag ich doch, das war voll retro gerade!«

Ein Schnitt und die Hebefigur, bei der John sich mit Anna auf den Armen langsam im Kreis drehte. Anna und John in einem so tiefen Blick ineinander versunken, dass auch der schrägste Kommentar nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass dieser Tango die pure Erotik war.

Kenos tiefes Brummen. »Hier sehen wir jetzt Lutz, den dreifachen Axel, in der Hinwendung zur Allegorie auf die Geburt der Venus von Miele.«

Lothar: »Hier steht, die war von Milo!«

Keno: »Kann auch Bauknecht gewesen sein. Bauknecht weiß, was Frauen wünschen, und wenn man sieht, wie dieser Herr eine Dame heben kann, sollten wir vielleicht alle öfter mal wieder unser Brennholz selber hacken.«

»Da hat der die Muckis her?«

Jetzt zwei Minuten einfach nur Tango. Ihre Hände im Gegenlicht, wie John Annas Hand mit verzweifelter Kraft festhält. Annas linker Schuh in der Drehung um sich selbst. Ihr völlig gebannter Blick auf seine streng geschlossenen Lippen, sein Cargohosenknackarsch in der nächsten Drehung, ihre langen Schatten, tanzend gegen das grüne Scheunentor geworfen, fliegende Haare in einer leidenschaftlichen Drehung.

Kenos erklärender Kommentar: »Hier, meine Damen und Herren, können wir sehr schön sehen, welche Körperspannung der hoch erotische Tango erfordert«

»Ey, bis in die Haarspitzen, cool!«

Für ein paar Sekunden summte Lothar mit.

Keno: »Geiles Stück, oder?«

»Also, ich finde nicht, dass du so über Frau Schnulze reden solltest!«

»Ich meinte das Musikstück.«

Ein harter Schnitt und dann der Moment, in dem Anna John nach dem Tango auf den Arm gesprungen war wie in ihrer ersten Nacht.

Lothar: »Ab morgen hack ich Brennholz, Alter!«

Kenos hilflose Stimme: »Äh, hallo, Regie, ich glaube, wir haben hier das falsche Bild!«

Schwarzer Hintergrund und Annas sinnlichste Stimme: »Was für ein Arsch!«, dann ein übermütiges heiseres Lachen.

Der Kluntje sprang in die Tasse und John klappte den Laptop zu.

Ja, äh, das ist jetzt irgendwie zerhackstückelt und liest sich für mich selber eher wie Notizen, aber deleted ist deleted! Ist eben eine völlig unbehauene Rohversion! 😀

 

Beziehungsstatus 4 ist da!

Beziehungsstatus 4 ist da!

Beziehungsstatus 4

Ihr lieben Menschen, ich hab Herzflattern. Plopp. Beziehungsstatus 4 ist soeben bei Amazon aufgetaucht. Das ist mal wieder der perfekte Sookie-Buchstart, Garagenpunk pur. Keiner weiß Bescheid, einen Buchtrailer hab ich noch gar nicht gebaut und für eine Release-Party hab ich nur ein paar Reiswaffeln im Haus. Aber es ist da. Schnauf. Zur Angebotsseite kommt ihr hier, seid gnädig mit mir, ich weiß wie immer nie, ob das Buch was geworden ist und koche mir jetzt erst mal Beruhigungstee.

Beziehungsstatus 4 kommt nicht in den Himmel, aber überall hin!

In den nächsten Tagen wird Beziehungsstatus 4 bei allen Buchdealern eures Vertrauens auftauchen, ich schwör mit Blut. Thalia braucht wahrscheinlich wieder ein bisschen länger, aber wer will, kann sogar bei Aldi gucken. Aldi-Online hat Sookie Hell, höhö, wusstet ihr nicht? Ich auch nicht, aber manchmal hilft es, wenn man sich selber googelt! 😀 So. Ich versteck mich jetzt irgendwo und lasse euch mal in Ruhe lesen.

 

Probekapitel: John beim Poly-Stammtisch???

Probekapitel: John beim Poly-Stammtisch???

Liebe Menschen! Ich hatte ja neulich rumgetönt, dass ich das Manuskript zu Beziehungsstatus 4 erst mal eine Woche liegenlasse, bevor es ans Finish für die Veröffentlichung geht, aber natürlich hab ich das nicht eine Nacht durchgehalten. Jetzt seh ich so fit aus wie Frodo, als er den Schicksalsberg erreicht, aber der Upload kommt nächste Woche! Yeah! Jetzt hab ich aber ein Problem und will euch was fragen, deswegen muss ich euch ein Probekapitel zeigen. Aus dramaturgischen Gründen musste John leider zu einem Polyamorie-Stammtisch. Ja, ich weiß, der Maler beim Poly-Stammtisch ist absurd, aber genau darum ging es ja! 😀 Jetzt frag ich mich aber, bin ich mit dem Stammtisch zu hart? Und jetzt fragt ihr euch: Hö? Was ist denn mit der Kettensägen-Sookie los, hatte die zu viel Weichspüler im Tee oder was? Flausch … schäum …

Jetzt hab ich aber das Problem, dass ich an eine Grenze meines persönlichen Erfahrungsschatzes komme. Normalerweise steht in meinen Romanen nichts, was ich nicht irgendwie aus persönlicher Erfahrung kenne. Ich kann also alles vertreten! 😀 Also, äh, meine Faustregel lautet: Ich mach mich nur über Sachen lustig, die mir selber schon passiert sind. Im Groben. Äh. Ja.  Aber ungelogen, ich war in meinem ganzen Leben noch nie bei einem Stammtisch. Meine einzige Berührung mit etwas stammtischähnlichem war der Tag, an dem die Damen von der Fantifa mich gewinnen wollten und mir erklärt haben, dass sie einen Ordner angelegt haben, in dem Worte wie „Patriarchat“ erklärt sind. „Wow“, hab ich damals gedacht, „jetzt gehen bestimmt alle Glatzen nach Hause und denken über ihr Leben nach!“

Ja, äh, und seitdem habe ich an nichts mehr teilgenommen, wofür ein Tisch reserviert wird. Ich hab also von Stammtischen gar keine Aaaaahnung! Aber ich bin sicher,  dass es total tolle Poly-Stammtische gibt, wo sich super liebe Menschen treffen, die richtig Plan haben! Bestimmt, oder? (Ich nicke gerade beschwörend!)  Ich weiß nämlich aus zuverlässiger Quelle, dass ich Leser habe, die zu Poly-Stammtischen gehen! Und ich möchte euch natürlich nicht vor den Kopf stoßen, indem ich einen Poly-Stammtisch satirisch verwurste! Ach, seufz, es ist schwierig. Also, solltet ihr das Gefühl haben, dass ich hier voll gemein und ungerechtfertigterweise die Poly-Stammtisch-Szene durch den Kakao ziehe, schickt mir eine Warnung, noch kann ich umarbeiten! Und jetzt geb ich einfach mal die Spoiler-Warnung raus und blogge euch das Kapitel, um das es geht!

Ach so, solltet ihr das Gefühl haben, dass ich mich gerade aufführe wie Daniel Day Lewis, als er es abgelehnt hat, den Aragorn zu spielen, weil er fand, es ließe sich nicht mit Method Acting vereinbaren, einen Fantasy-Helden zu spielen, obwohl er selbst noch nie ein Fantasy-Held war,  dann könnt ihr mir das auch ruhig sagen! Ich weiß, dass ich Unterhaltung viel zu ernst nehme! 😀

Poly-Stammtisch mit Maler

John betrachtete unschlüssig den biederen Landgasthof und konnte sich einfach nicht überwinden, aus dem Auto zu steigen. Er war sowieso schon eine Viertelstunde zu spät, er konnte auch gleich wieder fahren. Der Gedanke an Menschen war ihm sowieso mehr als unangenehm.

Er schrak zusammen, weil hinter ihm ein Mofa auf den kleinen Gästeparkplatz knatterte und beobachtete dann, wie ein Typ mit Gummistiefeln, Landarbeiterklamotten und Wampe vom Mofa stieg, seinen Helm abnahm und sich den fettigen Pferdeschwanz richtete. John rutschte tiefer in den Sitz.

Der wollte garantiert nicht zu diesem Polyamorie-Stammtisch. John ja eigentlich auch nicht. Aber mit irgendjemandem musste er ja reden. Und die Veranstalterin des Stammtisches hatte ihm wenigstens ganz nette Nachrichten geschickt und ihn dreimal ermutigt, doch einfach mal vorbeizukommen. Hiltrud. Rafaels Mutter hieß auch Hiltrud, aber die würde ja wohl kaum einen ostfriesischen Polyamorie-Stammtisch gründen und dafür im Internet in sämtlichen Polyamorie-Gruppen werben.

John holte tief Luft, dann stieg er endlich aus und schlenderte zum Eingang der Kneipe, der man von außen schon ansah, wie sie innen eingerichtet war. Ein Landgasthof eben. »Kennst du einen, kennst du alle!«, dachte John seufzend und betrat den schummrigen Gastraum.

An der Theke saßen ein paar versprengte Gestalten und nuckelten an ihrem Bier, die Tische waren leer bis auf einen spärlich besetzten großen Tisch hinten in einer Fensternische. John rieb sich nervös das Kinn an der Schulter, dann nahm er Kurs auf den Tisch und sah sich fragend um. »Poly-Stammtisch?«

Eine große, breite Frau um die fünfzig stand auf und schüttelte ihm die Hand wie eine Bäuerin, die eher daran gewöhnt war, die Mistgabel zu schwingen. »Du musst John sein, wie schön, dass du zu uns gefunden hast! Ich bin die Hilli!«

Die Hilli griff einen Marker vom Tisch, beschriftete eine Rolle Klebeband und klebte John kurzerhand seinen Namen auf die Brust. John nickte scheu und musterte mit einem verstohlenen Blick die Runde am Tisch. Der Mofa-Zopf und ein hagerer Mann undefinierbaren Alters, der ein schwarzes Nietenhalsband trug und eher aussah, als hätte er zu viele BDSM-Pornos auf DVD, sahen ihn glasig an. Etwas abgerückt von diesen wenig attraktiven Burschen saß ein Pärchen um die dreißig, das hitzig miteinander tuschelte. Die Hilli strahlte John an und setzte sich mit einer einladenden Geste. »Dann können wir ja anfangen!«

Der Mofa-Zopf murrte: »Sollen wir nicht auf die Weiber warten? Zu so einem Stammtisch kommen doch bestimmt auch Weiber, oder?«

John setzte sich und seufzte tief. Hilli ignorierte die Frage und klappte eine Aktentasche auf. »Ich hab uns heute mal ein paar Schaubilder mitgebracht, über die können wir vielleicht diskutieren! Und dann kann der John uns ja, wenn er mag, ein bisschen über sich erzählen!«

John registrierte, dass die kleine Blonde, die gerade noch so hitzig getuschelt hatte, ihm einen heißen Blick zuwarf und dann ihren Tischpartner hämisch angrinste. John wandte irritiert den Kopf ab. Wo war er hier bloß gelandet?

Hilli hielt ein Klemmbrett hoch und tippte mit einem Kugelschreiber auf ein paar Grafiken, die aussahen wie Buchstaben. »Hier können wir sehr schön sehen, was für Beziehungskonstellationen es in der Polyamorie gibt! Hier zum Beispiel sehen wir eine V-Konstellation aus drei Partnern, die nicht zu verwechseln ist mit einem Dreieck, denn bei dieser Konstellation hat einer der Partner zwei Partner, die nicht miteinander verbunden …«

Neben John tauchte eine Kellnerin im vollen Ornat auf, schwarzer Rock, weiße Bluse, Rüschenschürze, und hielt gelangweilt einen Notizblock im Anschlag. John sah sich um. Mit was für einer Bestellung rechnete die Dame, dass sie sich Notizen machen musste? Er räusperte sich verwirrt. Hillis Gequassel störte ihn beim Denken. Und außer ihm hatten schon alle Getränke, also murmelte er nur: »Wasser.«

»Ein Wasser!« Die Kellnerin schrieb sich die Bestellung tatsächlich auf und watschelte dann wieder hinter ihren Tresen. Der Mofa-Zopf raunte John zu: »Trocken?«

»Äh, Wasser? Nee, nass!«

Der Zopf ruckte mit dem Kopf. »Ob du trocken bist! Oder wieso trinkst du Wasser?«

John verstand. »Ich muss noch fahren.«

Der Zopf winkte ab. »Ein echter Mann kann immer saufen!«

Hilli strafte die Störenfriede mit einem strengen Blick. »In der Z-Konstellation hier könnt ihr sehr genau sehen, wie ein Polykül sich gestaltet, wenn vier Partner wie eine Kette miteinander verbunden sind. Die beiden mittleren Partner verfügen jeweils über zwei Partner, während …«

Der Zopf raunte John ins Ohr: »Ich such ja eine F-Konstellation!«

John sah den Mann irritiert an. Der Zopf grinste schmierig: »F wie Ficken!«

John schloss mit einem tiefen Atemzug die Augen und wandte den Kopf ab. Die kleine Blonde schaltete sich ein. »Und wie heißt das, wenn ein Mann seine Frau betrügt und das dann Polyamorie nennt? Ist das dann besser als fremdgehen?«

Der Tischpartner der Dame murmelte verlegen: »Jetzt hör doch mal endlich auf damit!«

John knurrte gereizt: »Wenn er seine Frau betrügt, ist es keine Polyamorie!«

Alle sahen ihn an. Hilli ließ ihr Klemmbrett sinken und fingerte sich eine Lesebrille auf die Nase, um John über den Rand anzusehen. »Möchtest du uns das erklären?«

John schniefte und verschränkte trotzig die Arme. »Was muss ich denn da erklären? Ich dachte, das hier wäre ein Poly-Stammtisch! Hallo? Transparenz, Einvernehmlichkeit?«

Die kleine Blonde in der Ecke lachte höhnisch auf. John beugte sich vor und zuckte sofort wieder zurück, weil die Kellnerin ihm ein Wasser vor die Nase stellte. John sah fragend in die Runde. »Wer von euch lebt denn überhaupt polyamor?«

Die Kellnerin blieb neben ihm stehen und stellte fest: »Das wüsste ich auch gern! Das klappt doch nie!«

Hilli warf sich in die Brust. »Ich hab da die meiste Erfahrung! Als ich als junge Frau ein Jahr in der Stadt gelebt habe, hatte ich zwei Freunde, ich bin also mit den Problemen vertraut! Und ich kann euch viele Bücher empfehlen, aber die meisten sind auf Englisch, vielleicht versteht ihr die nicht so gut!«

John fuhr sich über die Augen und murmelte sarkastisch: »That’s the dogs bollocks!«

Offenbar war die Kellnerin die einzige, die ihn verstand. Oder die zumindest verstanden hatte, dass er etwas Englisch konnte. Sie lachte laut auf, legte ihm kurz die Hand auf die Schulter und verschwand vom Tisch. Der Zopf stieß John an. »Wenn du dich so gut auskennst, erzähl doch mal! Wieso hast du deine Hühner nicht einfach mitgebracht?«

John warf ihm einen bösen Blick zu. »Weil ich keine Hühner habe?«

Der kleinlaute Beisitzer der bissigen Blondine schaltete sich ein. »Hast du da echt Erfahrung?«

John sah dem Mann zum ersten Mal in die Augen und erkannte seine eigene Verzweiflung wieder. Er nickte langsam. »Hab ich. Und ich hab mein eigenes Polykül in die Luft gejagt, weil ich mich nicht an die Regeln gehalten habe. Also, wenn du meinen Rat hören willst: Nimm das mit der Einvernehmlichkeit bloß ernst!«

Die Blonde stieß ein triumphierendes »Ha!« aus, während der Fettzopf hämisch lachte. »Sind deine Weiber dir abgehauen?«

John konzentrierte sich darauf, ruhig zu atmen, um diesem Idioten nicht einfach nur was aufs Maul zu geben. Hilli räusperte sich und griff wieder ihr Klemmbrett. »Würdest du uns denn auf dem Schaubild zeigen, welche Konstellation dein Polykül hatte?«

John holte Luft, dann hob er hilflos die Hand. »Mein Polykül war kein eindimensionaler Buchstabe auf einem Schaubild! Das war ein rauschender Ozean aus Farben, Licht, Gefühlen und Sound, das war lebendig! Wir sind Menschen mit echten, tiefen Gefühlen! Und stellt euch vor: Jeder von uns hatte seine eigenen! Und seine eigene Geschichte, seine eigenen Ängste und Wünsche und wenn das alles aufeinandertrifft, dann ist das ein wildes, ohrenbetäubendes Rauschen, das musst du fühlen, das musst du spüren, das musst du zulassen! Wenn sie dich beide im Arm halten, sich direkt vor deiner Nase voller Gefühl küssen und dabei zusammen deine Hand halten, das kannst du nicht in ein Schaubild packen! Das kannst du auch nicht in einem Fachbuch nachlesen! Wenn du gerade fliegst wie ein Adler, liest du dabei auch kein Buch über Flugzeugkonstruktion, dann fliegst du einfach!«

Erst, als er die betroffenen Gesichter sah, wurde ihm bewusst, dass er zu laut geworden war. Der Fettzopf rülpste. »Alter, erzähl keinen Scheiß, du hattest nie im Leben zwei Bräute im Bett!«

Die Hilli straffte ihre breiten Schultern und sah den Fettzopf strafend an. »Uwe, ich weiß nicht, ob du zu unserem Stammtisch passt, wir versuchen hier wirklich, etwas aufzubauen!«

Für einen Moment verspürte John Mitleid mit dieser Frau, wenigstens gab sie sich Mühe und verurteilte Mehrfachbeziehungen nicht, was auch immer ihr Beweggrund dafür war. Fast hätte John überlegt, wie er Hilli aus der Patsche helfen könnte, aber Uwe stieß ihn an und kicherte: »Stell mir deine Bräute doch mal vor, ich bin auch voll poly, Alter!«

John sprang auf und lief zur Tür, dann fiel ihm ein, dass er das Wasser gar nicht bezahlt hatte. Er drehte sich wieder um, legte der Kellnerin fahrig einen Schein auf den Tresen und deutete mit dem Kopf auf die Zigarettenschachtel, die hinter ihr lag. »Kann ich da eine von haben?«

Die Kellnerin griff die Schachtel, bot ihm eine an und zwinkerte: »Automat hängt draußen!«

John zupfte gierig eine Zigarette aus der Schachtel und schniefte. »Hab aufgehört.«

Die Kellnerin beugte sich über den Tresen, gewährte ihm Einblick in ihr strammes Dekolletee und flüsterte ihm zu: »Am zweiten Dienstag im Monat ist der Swinger-Stammtisch da, vielleicht ist das ja eher was für Sie!«

John lachte hysterisch auf, dann steckte er sich die Kippe an und floh aus der Kneipe. Er wollte ins Auto steigen, dann fiel ihm aber ein, dass er in seinem Familienvaterauto unmöglich rauchen konnte. Außerdem wusste er eh nicht, wo er hin wollte. Zurück zu der tickenden Küchenuhr? Er blieb also auf dem Parkplatz stehen und zog gierig an der Zigarette.

Hinter ihm hörte er die Tür wieder aufschwingen, dann trat der stille Beisitzer der Blondine neben ihn und räusperte sich. »Ich bin Stefan.«

John knurrte: »John!« und riss sich den Klebebandstreifen mit seinem Namen vom Hemd. Stefan behielt seinen Klebebandstreifen, offenbar brauchte er diesen angeblichen Polyamorie-Stammtisch dringender als John. Stefan steckte sich ebenfalls eine Zigarette an und trat dann von einem Fuß auf den anderen. »Hattest du wirklich zwei Freundinnen, die sich geküsst haben?«

John schüttelte den Kopf und starrte auf die Kuhweide auf der anderen Seite der Landstraße. »Freundin und Freund.«

Stefan trat mit einem diskreten Hüsteln ein Stück zur Seite. John streifte ihn mit einem Blick aus dem Augenwinkel. »Keine Sorge, du wirst nicht schwul, wenn du neben mir stehst.«

Stefan lachte verkrampft. »Entschuldigung. Tut mir leid, das war blöd.«

John nickte nur knapp. Stefan kam wieder vorsichtig ein Stück näher. »Es funktioniert also nicht, oder? Hab ich mir gleich gedacht.«

John sah diesen Stefan jetzt tatsächlich interessiert an. »Was funktioniert nicht?«

Stefan zuckte die Schultern. »Diese Polyamorie! Ich hab das im Internet gelesen und das klingt ja alles toll, aber ich bin da in diese Kollegin verliebt und meine Frau macht mir die ganze Zeit nur die Hölle heiß!«

John seufzte tief. »Ja, das kenne ich.«

»Wie, hat deine dir auch die Hölle heißt gemacht? Etwa wegen diesem Kerl?«

John verzog das Gesicht. Wegen dieses Kerls, Genitiv. Dass diese verdammten Deutschen einfach ihre Fälle nicht beherrschten! John schüttelte den Kopf. »Ich ihr. Ich hab ihr die Hölle heiß gemacht. Bis ich ihn kennengelernt hab. Jetzt kann ich mir Monogamie nicht mehr vorstellen.«

Stefan nickte verwirrt. »Aha. Und wieso bist du dann alleine hier?«

John zog wieder gierig an der verbotenen Zigarette. »Weil ich aus dem V ein Z gemacht habe, ohne die beiden zu fragen.«

Stefan sah ihn unsicher an. »Und warum hast du das gemacht?«

John zog noch einmal an der Zigarette, dann schnippte er sie auf den Boden und trat sie aus. »Weil ich ein hirnloser Idiot bin. Es ist auch nicht so, dass ich meine Ex ins Polykül holen wollte, absolut nicht! Da war nur was passiert und ich hab das einfach gebraucht, um damit abzuschließen. Diesen einen miesen Fick, der mein ganzes Leben gesprengt hat. Und ich hab keine Chance mehr, es zu erklären, weil sie weg sind. Weil sie beide weg sind. Ich hab meine große Liebe, meinen ganzen Traum, meinen neuen besten Freund, mein Zuhause, meine WG, meine Wahlfamilie, meine Freunde und alles verloren, was mir wichtig war. Für diesen einen miesen, völlig überflüssigen Fick. Weil ich einfach nicht aufhören konnte, mich wie ein ganz ordinärer monogamer Betrüger zu benehmen!«

Stefan nickte resigniert. »Es funktioniert also nicht.«

John straffte die Schultern. »Bei dem Paar, das ich liebe, funktioniert es seit zehn Jahren. Nur nicht mit mir.«

Er tippte sich grüßend an die Schläfe, dann stieg er in sein Auto und fuhr einsam in den Sonnenuntergang.

 

Sookie beantwortet Leserpost!

Sookie beantwortet Leserpost!

Ihr Lieben, heute ist mir wieder was passiert. Ich bekam per PN Leserpost, die mich so geflasht hat, dass ich sie mit einem Blogartikel beantworten muss, weil meine Gedanken dazu nicht in eine schnöde PN passen. Und wenn das für mich so interessant war, über die Fragen des Lesers nachzudenken, ist das für euch vielleicht auch interessant. Also, meine Antworten. Der Leser ist natürlich voll anonymisiääääät, wie der Ostfriese sagt. Äh, die Fragen, die ich jetzt in einem offenen Brief beantworte, müsst ihr euch dann einfach denken, aber ihr schafft das, ich glaub an euch! 😀

Lieber voll anonymisierter Leser, deine Leserpost hat mir Brause ins Gehirn geschüttet! 😀

Boar, jetzt hast du mich echt zum Rappeln gebracht, erst mal Danke dafür, dass du dir so viele Gedanken gemacht hast. In eine Rezi musst du natürlich schreiben, was du für richtig hältst, ich bin absolut kein Fan von »manipulierten« Rezensionen und betreibe ganz bewusst kein Rezensionsmarketing. Aus Gründen! Deswegen kann ich dir jetzt leider keinen Rat geben, wie du fünf Sterne genau begründen solltest, ich wäre auch mit vier zufrieden! 😀 Aber als Leserfeedback finde ich deine Nachricht wahnsinnig spannend und wertvoll. Man kann echt nicht behaupten, dass ihr, meine Leser, eine homogene Masse seid. In den Büchern liest wirklich jeder was anderes. Und das ist einfach nur geil, wenn Bücher sich mit Menschen verbinden. Und als Autorin ist es mir natürlich eine Pflicht und Freude, dir deine Fragen zu beantworten, für xxx (Menschen aus einer Region, die für ihre Sparsamkeit bekannt ist, Anm. d. R.) auch kostenlos! 😉

Anna – Chaos und Hochbegabung

Tja, wo fangen wir jetzt an. Am besten bei Anna, die dir ja als zentrale Figur im Kopf rumspukt. Als hochbegabte Frau leidet sie an dem, an was hochbegabte Frauen so leiden: an einem analytischen Verstand und zufällig angehäufter Crossover-Bildung (die Dritte erschlagen kann) und an Selbstzweifeln, die mit der Höhe des IQs leider ansteigen. Hyperintelligente Menschen sind wahrlich nicht selbstbewusst, gerade bei Frauen ist das »klassische Underachievement«, also der Schutzmechanismus, sich blöd zu stellen, um nicht unangenehm aufzufallen, weit verbreitet.

Das beeinflusst natürlich auch massiv ihr Beziehungsleben. Zum einen neigt sie dazu, sich immer wieder auf das sichere Terrain der Verstandesebene zu flüchten – das ist ihr Spielfeld, da kennt sie sich aus. Zum anderen würde sie emotional am liebsten klammern wie ein ängstliches kleines Mädchen, das nicht allein gelassen werden will. Um sich dieser Angst vorm Verlassenwerden zu stellen, lebt sie – nicht bewusst – in einer offenen Beziehung. Sie sucht den Kick, sich immer wieder zu beweisen, dass sie es aushalten kann.

Um ihre Angst händeln zu können, baut sie ihr Leben fest um die Regeln der klassischen Polyamorie: Einvernehmlichkeit, Transparenz, Langfristigkeit. Anna ist der Typ für das »Turbospießermodell der freien Liebe«, am liebsten hätte sie Polyfidelity, also ein geschlossenes Polykül mit gleichberechtigten Partnern. Weil Sven aber ganz anders tickt, kann sie das eben nicht haben und lebt das so selbstbestimmt wie möglich einseitig.

Welches Beziehungsmodell funtioniert denn nu‘?

So, das Modell, das die drei ausprobieren. Hat ja keiner gesagt, dass offene Beziehungen einfach sind, nä? Monogamie klappt zwar auch nicht, ist aber wenigstens überschaubar und jeder weiß, was im gesellschaftlichen Kontext von ihm erwartet wird, da muss man nicht groß reden. Da ist es eher schwierig, Dinge anzusprechen, die von der Norm abweichen. Hinter dem Gartenzaun der Monogamie herrscht aber immer noch Wildnis.

Da kann jeder nur machen, was seine ureigene Natur ihm sagt, aber im Gegensatz zum bürgerlichen Lager versuchen die Beziehungsanarchisten eben, die Moralkeule nicht zu benutzen und Verletzungen durch Offenheit zu vermeiden. Lügen gilt nicht. Jeder, der schon mal selbst belogen wurde, weiß genau, wie sehr ein Partner, der sich mit einem Nebel aus Geheimnissen und Halbwahrheiten umhüllt, die Eifersucht schürt. Diese Geheimnistuerei wollen Sven und Anna auf jeden Fall vermeiden. John ja weniger. 😉

Für monogame Menschen klingt es natürlich extrem paradox und angstauslösend, nicht zu lügen und einfach offen zu sein. Weil sie Liebe und Exklusivität gleichsetzen. Nicht exklusiv zu lieben, heißt für sie eben, gar nicht zu lieben. Und trotzdem sind andere Beziehungskonstellationen so alt wie die Menschheit. Ob das Modell, das man sich baut, funktionieren kann, kann nur jeder der Beteiligten für sich entscheiden und da ist ja auch immer noch das wahre Leben. Menschen verändern sich, wenn sie neue Erfahrungen machen. Ständig.

Praktisch wäre es ja, aber Liebe ist einfach nicht statisch!

Und mit jedem Partner, der neu in ein Polykül kommt, verändert sich auch die Dynamik, die auch wieder neue Ereignisse hervorruft. Das passiert eben auch bei Anna, Sven und John, John verändert die Dynamik zwischen Sven und Anna. Das letzte große Puzzleteil, Band 4, ist ja gerade in Arbeit! 😀 Was natürlich die Frage aufwirft, die bei dir (offenbar einem begeisterten Poly-Leser) durchschimmert: Welches Modell ist denn jetzt das richtige? In jedem Poly-Buch gibt es offenbar ein anderes! Und das ist gut so! 😀 Du spiegelst mir Annas Beziehungsform als Poly auf Distanz wider, quasi eine Beziehung mit zwei verschiedenen Monos. Ich finde das hochgradig spannend, dass du das so empfindest, da du vorher andere Bücher gelesen hast, in denen es eher eine Beziehung mit mehreren Partnern gab. Andere Leser, die noch nie Berührung mit dem Thema hatten, wundern sich, wie eine Frau sich das überhaupt wünschen kann, dieses »einen Mann hier, einen da«.

Aber welche Beziehungsform ist denn jetzt praktikabel? Oder Heidi Kabel? Kennt noch irgendwer Heidi Kabel? Mein Gott, bin ich alt … äh, wo war ich? Da kommen wir jetzt in die tiefere Materie, für die wir Deutschen natürlich jede Menge tolle Fachwörter ersinnen. Ich zum Beispiel platzte neulich in eine Diskussion über das Konzept »Monopoly«. Als Sookie vom Dienst hab ich natürlich sofort gesagt: »Ich kauf die Schlossallee!« Da haben mich ein paar angeguckt, als hätte ich gesagt »Heil Hitler!«. Egal. Was Monopoly jetzt genau ist, hab ich leider schon wieder verschusselt, aber Anna lebt es nicht. Ich glaube, John ist eher der, der sich damit arrangieren will, ein Monopoly zu sein, nur leider ignoriert er dabei die Tatsache, dass er dem Ruf der Wildnis noch nie widerstehen konnte. Im Grunde seines Herzens ist er ein sinnlicher Lustmensch, der sich gern treiben lässt, aber sein Selbstbild lässt das nicht zu. Aber wie stehen Annas Männer jetzt in der derzeitigen Konstellation zueinander?

Wo liegen die Grenzen der Polyamorie?

Die Kernfrage ist doch wohl: Wie weit intensiviert sich die Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich einen Partner teilen? Mit jemandem Kaffee zu trinken, der weiß, wie der geliebte Mensch riecht, schmeckt, sich anfühlt, anhört, wenn er sich gehen lässt, ist definitiv anders als ein Kaffeenachmittag unter Mono-Paaren, wo alle Grenzen klar sind. Flügelpartner haben einfach eine intimere Beziehung als »nur« Freunde. Inwieweit diese intime Beziehung über Bande gespielt wird oder zu einer Triade führt, muss jedes Polykül selbst rausfinden.

Polyamorie ist aber eben nicht automatisch gleichzusetzen mit Sex zu dritt. Es kann passieren, muss aber nicht. Trotzdem handelt es sich bei Annas Beziehung zu ihren Männern nicht um »zwei parallele Monos«, da sitzen wir einem Paradoxon auf. Das Konzept zwei Monos parallel setzt ja voraus, dass die Monos auch Monos sind, also eine offene Beziehung niemals dulden würden und daher auch nicht voneinander wissen dürfen. Das treibt natürlich Menschen, die sich parallel verlieben, in den Untergrund und zwingt sie zu lügen. In dem Moment, wo der »untreue« Partner aber anfängt zu reden, geht die Mono-Beziehung entweder auseinander oder sie wird zu etwas anderem, einer Polybeziehung, einer offenen Beziehung, zu gelebter Beziehungsanarchie oder sonst was, das Spektrum ist ja zum Glück groß. Was das Team »Svannajo« daraus macht, bleibt leider abzuwarten! 😀

Fazit: Leserpost ist saucool! 😀

So, jetzt hab ich mich mal wieder verquatscht, der Tee ist alle und wo das Heinzelmännchen bleibt, dass ich für den Brot&Butter-Scheiß angefordert hatte, ist mir auch ein Rätsel. Aber das hier hat viel mehr Spaß gemacht! 😀 Leserpost zu kriegen, die mich mit vielschichtigen Fragen auf eine Meta-Ebene schubst, auf der ich gar nicht mehr aufhören kann zu blubbern, ist ein tolles Gefühl. Lebendig und inspirierend für Band 4, denn da werden Anna, Sven und John ihre Nische finden und ankommen. Danach gibt es dann erst mal wieder weitere Flüsternächte! 😀

Chaos mit der Weihnachtsgeschichte!

Chaos mit der Weihnachtsgeschichte!

Ihr lieben Menschen! Wer mir auf Facebook folgt, hat es vielleicht schon mitbekommen: Sookie schiebt Weihnachtspanik! Ich hab mir nämlich in den Kopf gesetzt, eine Weihnachtsgeschichte zu den Beziehungsstatus-Romanen rauszubringen und hier erfahrt ihr jetzt alle schmutzigen Details! 😀

Das war nämlich so. Erst hatte ich ja ein Halloween-Special angepeilt, dann überschlugen sich aber mal wieder die Ereignisse, vor allem ich, weil ich meine warmen Plüschsocken rausgekramt habe und mit den flutschigen Dingern auf Laminat abgehe wie Pommes! Wutsch! Nahain, das war jetzt dramatisch übertrieben, ich hab die perfekte Technik entwickelt, mich an Türrahmen festzuhalten, bevor ich in die Kurve gehe, allet jut! Hehe!

Weihnachten kommt ja immer so schnell!

Jedenfalls hätte ich für Halloween besser im August angefangen, weil das Thalia-Universum ja auch schon mal ein paar Wochen braucht, um eBooks zu listen und das wär ja voll diskriminierend für meine treuen Thalia-Leser, wenn das Halloween-Special erst irgendwann im November auftaucht!

Also beschloss ich, dass die Zeit reif ist für eine Weihnachtsgeschichte auf Flying Kluntje Art. Das klappt noch. Und: Hach! Weihnachten, das Fest der Liebe! Alle sind friedlich und haben sich lieb! Das haben wir uns verdient, oder? Waffel … Waffenstillstand unterm Weihnachtsbaum! Einfach mal die Axt hinlegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen oder wie das hieß. Und jetzt?

Es sommert!

Der Sommer ist da. Gestern Morgen stand ich hoch motiviert auf, gähnte gründlich, kratzte mich zufrieden an der Schwarte und kochte erst mal Kaffee, um mich dann an die Weihnachtsgeschichte zu setzen. Und dann? Dann blinzelte ich verwirrt. Auf meinen Schreibtisch knallte die Sonne. Draußen tanzte goldenes Licht. In der warmen Luft schwoben, äh, schwebten, nein, wehten!, jetzt hab ich es, glitzernde Spinnenfäden und der Herr Nachbar arbeitete mal wieder im Unterhemd im Garten. Also Rollo runter.

Um eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben, braucht man Weihnachtsstimmung, oder? Ein halbes Jahr haben wir auf den Sommer gewartet und jetzt, wo mir nach klirrend kalter Luft, Bergen von Keksen und Schunkelschlagern von Frank Sinatra ist, wo ich mit dicken Norwegersocken da stehen will, wo die Fußbodenheizung am wärmsten ist, mit der heißen Teetasse in den Händen, während ich beobachte, wie vor dem Fenster die Flocken vorbeiwirbeln … da sagt das Wetter, dass ich besser mal die Sonnencreme raussusche!

Also hilft nur noch das Hardcore-Programm, die ultimative Weihnachtskeule! George Michael! 😀

Die Weihnachtsgeschichte kommt!

Macht euch also gefasst auf kaputte Christbaumkugeln, selbstgebackene Männer aus Keksteig und vegetarischem Hackfleisch und auf die philosophische Frage, was schlimmer ist: Im Stollen oder von Stollen verschüttet zu werden!

Der erste Entwurf für das Cover der Weihnachtsgeschichte
Der erste Entwurf für das Cover der Weihnachtsgeschichte auf Flying Kluntje Art

Hier könnt ihr auch schon mal einen ersten Cover-Entwurf beschnuppern, da geht aber noch was. Und weil gerade Sommer, na, äh, Weihnachten ist, kommt die Weihnachtsgeschichte auch kostenlos in die Shops. Ich kriege Sichtbarkeit im Weihnachtsgeschäft und ihr was zu lesen, das ist doch ein guter Plan, oder? Find ich auch! Ich bin dann jetzt also erst mal wieder fleißig arbeiten und ihr genießt so lange den herrlichen Sommer im Oktober! 😀

SPOILER! Ein Neuzugang im Kluntje-Universum!

SPOILER! Ein Neuzugang im Kluntje-Universum!

Vorsicht: Spoiler!

Ihr lieben Menschen, heute lernt ihr den Neuzugang in der Flying-Kluntje-WG kennen!

Ich sitze nämlich gerade überm Manuskript zu Beziehungsstatus 4 und find die Moni so drollig, dass ich euch den Entwurf einer Szene zeigen will. Sie ist wirklich nicht die Hellste, aber ich mag die Figur einfach total gern! 😀 Wie gesagt, das ist erst ein Entwurf, ich weiß noch gar nicht, ob die Szene so im Manuskript bleibt, aber wer sich nicht spoilern will, sollte jetzt ganz schnell das X klicken! Alle anderen können jetzt zusammen mit dem Herrn O’Molloy „die Moni“ beschnuppern!

Und – nein – sie wird nicht Johns Flamme, seine nicht! Gnihihihi! *hände reib*

Wir müssen jetzt mit der Moni auf eine Marketing-Mission gehen und dem Neuen in der Nachbarschaft eine Flasche Sekt bringen. Zur Begrüßung. Die Moni ist nämlich die Frau vom Makler, und hat Ehrfurcht vor Künstlern. Aber so, wie es aussieht, ist ja auch nur ein Handwerker da. Glück gehabt! 😀

Erstkontakt mit Eingeborenen!

Verfolgt von den Blicken ihrer Erzfeindinnen stöckelte Simone über die kleinen Pflastersteinchen des Wendehammers und fluchte lautlos. Die neuen Pumps drückten ganz fürchterlich, aber wenn sie sich passende Schuhe kaufte, sahen ihre Füße immer so riesig aus! Und Bianka war natürlich mal wieder so richtig schön von oben herab, als würde sie sich im Geschäftsleben auskennen!
Aber die hatte auch gut lachen. Ihr Mann war ja ein feiner Herr Ingenieur, während sie immer für den Klausi repräsentieren und Kontakte pflegen musste. Dabei wusste sie genau, dass die anderen nur neidisch waren, weil sie und Klaus sich die Villa mit den Säulen in dem Neubaugebiet gebaut hatten. Richtig mediterran war ihr Haus mit den acht Zimmern, aber Klausi nutzte ja auch das Souterrain als Büro.
Simone erreichte das Grundstück, das seit der Scheidung der Vormieter brach gelegen hatte, und stöckelte den Weg zum Haus entlang. Die Haustür stand weit offen, aber der Handwerker war nirgendwo zu sehen. Unsicher rief sie: »Klopf, klopf!«, aber niemand antwortete. Sie betrat vorsichtig das kühle Haus. Vielleicht könnte sie die Flasche einfach irgendwo abstellen und wieder gehen, aber dann würden Bianka und Nathalie sie für feige halten.
Simone warf also tapfer einen Blick in die leere Küche, dann stöckelte sie weiter in das große, kahle Wohnzimmer und flötete mit dünner Stimme: »Mohoin!«
Sie machte einen Schritt zu der weit offen stehenden Terrassentür und sah jemanden mit dem Rücken zu ihr auf einem umgedrehten Eimer sitzen und eine Zigarette rauchen. Gott sei Dank, nur der Handwerker. Simone trat in die offene Tür und sagte wieder gezwungen fröhlich: »Mohoin!«
Der Handwerker reagierte gar nicht. Vielleicht hatte er diese Kopfhörer, die man nicht sofort sah, oder der Herr Omo beschäftigte Gehörlose, um Behinderte zu unterstützen. Das war sehr sozial.
Simone trat also vorsichtig um den Mann herum und sprach ihn langsam und extra deutlich an. »Guten Tag! Ich suche den Herrn O …«, sie kramte nervös nach dem Zettel. Der Mann sah zu ihr auf, blinzelte gegen die Sonne und sagte dann schleppend: »Ich spreche Deutsch.«
Simone griff sich erleichtert ans Herz und die Flasche knallte auf die Terrassenfliesen und zerplatzte. Der Handwerker sah Simone einfach nur an, als würde er mit offenen Augen schlafen, dann zog er langsam das Bein weg, auf dem sich prickelnde Sektbläschen in den Stoff saugten. Simone jammerte verzweifelt. »Oh, Gott, die sollte ich Ihrem Chef geben!«
Der Mann fuhr sich seltsam tastend über den Kopf, als würde er seine Haare suchen, und runzelte die Stirn. »Meinem Chef.«
Simone fragte sich, wer den Haarschnitt verbrochen hatte, sie war nämlich gelernte Friseurin, und dieser Haarschnitt war ein Verbrechen gegen die gesamte Friseurinnung. Aber der Mann hatte die grünsten Augen, die sie je gesehen hatte. Fast so grün wie der Rasen vor der Terrasse. Unbewusst warf sie einen Blick auf den ordentlich gemähten Rasen, um die Farbe zu vergleichen. Der Rasen war so ordentlich gemäht, weil der Klausi immer sie schickte, um die leerstehenden Objekte in Ordnung zu halten.
Der etwas unheimliche Mann fragte mit seltsam erloschener Stimme: »Was passiert, wenn man hier den Rasen wachsen lässt, bis man mit der Sense gehen kann?«
Simone lachte unsicher. »Dann würde der Klaus ein Unternehmen beauftragen und dem Herrn Molloy die Rechnung schicken. Der Klaus ist ja der Verwalter.«
Der Mann nickte langsam. »Hab ich mir schon gedacht, dass das hier so läuft.«
Simone bückte sich, um die Scherben einzusammeln. Der verschüttete Sekt schäumte und machte zischende Geräusche. Sie hätte die Scherben gern in den Eimer getan, auf dem der Mann saß, aber sie traute sich nicht, darum zu bitten und wusste dann nicht, wohin damit. Sie wusste auch nicht wirklich, wie sie sich in dem kurzen, engen Rock bücken sollte und ließ die Scherben wieder fallen. »Haben Sie ein Kehrblech?«
Der Mann fuhr sich wieder so irritierend tastend über den Kopf und murmelte: »Jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Lass den Scheiß einfach liegen.«
Simone richtete sich wieder auf und lächelte unsicher. »Aber wenn ihr Chef das sieht! Ich will ja nicht, dass sie wegen mir Ärger kriegen.«
Der Blick des Mannes wurde eigenartig eng, als er die Augenbrauen zusammenzog, dann stellte er knapp fest: »Meinetwegen.«
Simone räusperte sich. »Aber da können Sie doch nichts dafür!«
Der Mann zog langsam an seiner Zigarette und kniff ein Auge zu gegen den Rauch. »Es heißt nicht wegen mir, es heißt meinetwegen.«
Simone kicherte nervös. »Das ist ja wie in der Schule. Sind sie ein arbeitsloser Deutschlehrer?«
Der Mann sah wieder geistesabwesend zu ihr auf, dann wandte er den Kopf ab und sagte fast verwundert: »Ich bin Maler.«
Simone nickte erleichtert. »Ach, dann sind Sie zum Anstreichen hier! Wissen Sie denn, wann der Herr Molloy kommt?«
Der Mann zog wieder langsam an der Zigarette. Simone fragte sich, ob er vielleicht Drogen genommen hatte. Dann sagte er leise: »O. Es heißt O’Molloy. Wenn man das O vergisst, das kann er gar nicht leiden.«
Simone strich sich nervös den Rock glatt. »Kennen Sie den Herrn O’Molloy denn schon länger? Mein Mann sagt, der ist ein bisschen exzentrisch.«
Der Anstreicher schien irgendwie amüsiert und zog eine Augenbraue hoch. »Ist das so.«
Simone nickte eifrig. »Die beiden sind Geschäftspartner.«
Der Mann warf die Kippe in den immer noch schäumenden Sekt und beobachtete fasziniert, wie sie sich voll saugte, dann wiederholte er wieder: »Ist das so.«
Simone zerrte an ihrem kneifenden Röckchen. »Mein Mann ist führender Makler für den Großraum Ostfriesland und möchte dem Herrn Molloy ein Haus verkaufen.« Schwach fügte sie hinzu: »O.«
Sie hatte wieder das O in O’Molloy vergessen. Der Mann rieb sich den Nacken und murmelte: »Gut, dass ich gewarnt bin.«
Simone schlug die Hand vor den Mund. »Das dürfen Sie dem Herrn O’Molloy aber nicht sagen, der weiß das doch noch gar nicht!«
Der Mann stand langsam auf und streckte sich, als hätte er Rückenschmerzen oder schlecht geschlafen, oder beides. Ganz langsam streckte er den Arm aus und berührte sachte Simones Löckchen. »Du solltest Grün tragen. Flaschengrün.«
Simone piepste: »Wann ist der Herr O’Molloy denn da? Ich muss ihm doch eine neue Sektflasche bringen!«
Der Mann sah Simone für einen Moment so intensiv ins Gesicht, dass sie ganz schwach wurde, dann wurde sein Blick wieder verschlossen. Knapp sagte er: »Ich bin John O’Molloy und ich trink die Katzenpisse sowieso nicht. Und ich werde auch kein Haus kaufen, aber das darfst du deinem Mann nicht verraten, der weiß das nämlich noch gar nicht.«
Simone spürte, wie sie knallrot wurde, dann streckte sie dem Mann die Hand hin und wünschte zum tausendsten Mal in ihrem Leben, sie hätte schlanke, elegante Finger. »Ja, ähm, dann, das freut mich aber sehr, Sie kennenzulernen, Herr Molloy. O! O’Molloy!«
Der Mann gab ihr scheinbar widerwillig die Hand, bestimmt, weil sie so pummelige Wurstfinger hatte, dann murmelte er: »Kein Grund zur Freude, ich bin ein Arschloch.«
Simone kicherte nervös. »Das stimmt doch gar nicht!«
Herr O’Molloy wischte sich über die Stirn wie jemand, der sich durch die Haare fährt, dann wandte er sich unfreundlich ab. »Ist noch was? Ich muss weitermachen.«
Simone schüttelte eingeschüchtert den Kopf, dann machte sie einen plumpen Satz über die Scherben und huschte fast panisch zurück zu ihren Feindinnen.

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Ihr Lieben! Heute gönne ich mir was und ihr müsst da jetzt mit mir durch! Ich sammle nämlich schon seit einigen Wochen auf Youtube Videos über Polyamorie und die schönsten Beutestücke will ich euch heute zeigen und – harrrr – kommentieren! Hihi!

Es kann sein, dass der Artikel etwas länger lädt, also gehen wir einfach alle noch mal Pipi machen und bringen uns auf dem Rückweg einfach eine Tasse Tee mit! Oder Klicker-Klicker-Treets. Oder die „Telebar“-Nüsskes Kollektion. Oder vegane Süßigeiten, was immer ihr präferiert und aus welchem Jahrtausend ihr kommt! 😀

Wir starten mit: Da regt mich ja die Frage schon auffff! 😀

Also! Ich hab keine Ahnung, wer die Leute sind, steht leider auch nicht dran (ich will ja immer alles ganz genau wissen), aber! Boaaaar! *augenroll* Die Frau finde ich sehr sympathisch und durchdacht und würde ihr auch wünschen, dass sie mal von der Theorie zur Praxis übergeht und tolle Dinge erlebt. Aber die Fragen, die Fraaagen! Das ist eine der ganz klassischen Fragen, die gerade polyamoren Frauen immer wieder gestellt wird.

Polyamorie: „Ist das nicht ein bisschen gierig?“

Gierig! Ich persönlich zitiere auf diese Frage oft einen Satz aus Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“. Die zauberhafte Scarlett McNamara säuselt da: „Otto sagt, keine Frau sollte zwei Pelzmäntel haben, solange es noch eine Frau gibt, die keinen Pelzmantel hat!“

Oddo-Darling ist nämlich Kommunist und wurde verkörpert von einem großartigen Hotte Buchholz, ja, das war mal unser Mann in Hollywood! Damals mussten wir uns für unsere Exportartikel noch nicht schämen! 😀 Aber zurück zum Thema. So. Wenn ich diesen Satz zitiere, schaut mein Gegenüber mich meistens glasig an, weil ich mal wieder zu doof bin, um die Metaebene meines Gedankens knackig rüberzubringen. Was ich meine: Männer, Partner generell, egal welchen Geschlechts, sind keine seelenlosen Pelzmäntel!

Der Gedanke, dass Menschen einfach gerecht verteilt werden könnten, ist vollkommen absurd. Da hat jemand die „Ehe für alle“ nicht richtig verstanden. Das ist keine staatlich geregelte Garantie dafür, dass jeder genau einen Partner abbekommt. Und wenn Polyfrauen (oder auch Polymänner) sich anhören können, dass sie gierig sind, weil sie mehr Partner haben wollen als andere, dann sag ich nur: Pelzmantel!

Solltest du als Polyfrau mal von einer frustrierten Singlefrau dafür angemacht werden, dass du mehr Männer hast als sie, kannst du ihr ja anbieten, dass sie gern versuchen darf, bei einem deiner Männer zu landen, mal gucken, was sie dann macht! 😀

Polyamores Bekenntnis im Strandkorb *dahinschmelz*

Ein Strandkorb, ein Strandkorb! Mein Lieblingsplatz auf der Welt! Ich gebe zu, ich bin jetzt durch einen Heimwehkoller nach meiner alten WG in Ostfriesland etwas abgelenkt, aber ich reiß mich zusammen! Als ich das Video angeklickt hab, hatte ich diese hübsche Frau mit ihrer sanften Art spontan lieb. Sie ist zwar keine orthodoxe Theoretikerin, aber sie bringt zwei Aspekte auf den Punkt, die ich ganz wichtig finde. Die Alleinzeit (dazu später mehr) und die Tatsache, dass man nicht automatisch mit mehreren Partnern Sex haben muss, um polyamor zu fühlen.

Einer lesbischen Singlefrau würde man ja auch nicht ihre sexuelle Identität absprechen, weil sie nicht auf One-Night-Stands steht und dann eben mal eine Weile keinen Sex hat. Polyamoren Menschen haftet immer noch dieses Klischee an, dass sie ja eben nur ganz viel vögeln wollen. Für die, die das wollen, ist es total toll, wenn sie können und dürfen, aber einem Gefühl abzusprechen, dass es Liebe ist, weil man diese Liebe nicht körperlich ausleben will, aus welchen Gründen auch immer, finde ich persönlich genau so bescheuert, wie Menschen dafür zu verurteilen, dass sie Sex genießen. Wer liebt, liebt. Und je mehr wir lieben, umso schöner ist das. Punkt.

Die Sache mit der Polyamorie und dem Kuchen …

Diese beiden Herren strahlen so viel niedliche Lebensfreude aus, dass man ihnen fast verzeihen möchte, wie chaotisch sie sind, aber der von mir sehr geschätzte Atman Wiska, der in der Polyamorie-Szene unermüdlich Aufklärungsarbeit leistet, um das Halbwissen der Menschheit in Bezug auf Polyamorie ein bisschen geradezurücken, würde wahrscheinlich Hörner kriegen. Warum?

Für mich als Autorin geht das schon mit der sprachlichen Ungenauigkeit los, nee, das war zu euphemistisch, was die Jungs da erzählen, ist einfach Quark. Da wird erklärt, dass es bei PolyAMORIE um Liebe geht (so weit richtig), während PolyGAMIE auf das rein Sexuelle bezogen ist. Auf den physischen Akt. Ich muss zugeben, dass ich an der Stelle schallend gelacht habe. Die Silbe „Gamos“ steht für Ehe. Also nicht Hechel-Hechel-Japs-Stöhn, sondern das genaue Gegenteil. Oder, wie Jane Eyre einst sagte (nicht im Buch, aber in einer der zahlreichen Verfilmungen): „Eher werde ich sterben, als mitanzusehen, wie unsere reine Liebe gewöhnlich wird!“

Tja. Also: „Hömma, Kollege, bevor ich keinen Ring hab, läuft hier gar nix!“ Das war eine dumme Sache für Rochester, war er doch verheiratet und hatte von Polyamorie noch nie was gehört. Und dann die Sache mit dem Kuchen. Ich bin mit diesem Vergleich nie zurecht gekommen. Der hinkt für mich völlig, weil Kuchen materiell ist. Man kann ihn messen, wiegen, kleinschneiden und wenn er aufgegessen ist, ist er alle. Aufheben kann man ihn aber auch nicht. Liebe ist aber nicht materiell, nicht messbar, man kann sie weder in zwölf gleich große Stücke schneiden, noch zwölf Personen genau die gleiche Liebe in die Hand drücken und sich dann zurücklehnen, weil ja jeder was gekriegt hat.

Was ich sehr schön finde an dem Video ist der positive Grundton und auch die Tatsache, dass das Coming-out angesprochen wird. Dazu muss ich aber noch mal eben klugscheißern. Solange der Partner nichts weiß, ist es einfach keine Polyamorie. Hier unterscheidet sich die Polyamorie ganz klar von anderen „angeborenen“ Lebensstilen. Denn Polyamorie entsteht ja erst durch Transparenz und Einvernehmlichkeit. Polyamor zu leben und dem Partner nix zu sagen, ist ein Paradoxon, das im Volksmund schlichtweg „heimliche Affäre“ genannt wird.

Le Nummer Eins c’est moi – Yeah!

Auf dieses Video bin ich erst heute zufällig in einer geschlossenen Polyamorie-Gruppe gestoßen und hatte sofort ein breites Grinsen im Gesicht. Ich finde Ina Maria Blaubeer einfach arschcool und total sympathisch. Aber natürlich muss ich ihr widersprechen und Recht geben!

Ich finde es toll für Ina, wenn es in ihren Beziehungen keine Treppchen und Hierarchien gibt, für mich waren das auch immer die Lebensphasen, in denen ich mich am allerwohlsten gefühlt habe, aber das klappt leider nicht immer. Zum Beispiel, wenn Paare, die schon ewig zusammen sind und eine lange gemeinsame Geschichte haben, sich dann für Polyamorie öffnen. Wenn man da als neuer Partner dazu kommt, kann es passieren, dass man ewig der oder die „Neue“ im Polykül bleibt. Und je nachdem, ob man das toll findet oder ob man sich in dieser Rolle irgendwie außen vor fühlt, kann da verdammt viel Redebedarf entstehen.

Oder wenn man einen Partner hat, der einfach keine Sicherheit ausstrahlt, dann kann es auch passieren, dass man sich vergewissern will, ob man die Nummer Eins ist, um irgendwie aus ihm rauszukitzeln, ob man ihm überhaupt wichtig ist. Das geht zwar meistens schief, aber der Versuch ist nur menschlich.

Ganz wild nicken muss ich bei dem Thema, dass man einfach seine eigene Nummer Eins sein muss. Das gilt ja nicht nur für Polyamorie, sondern für jede Beziehung und da sind wir auch wieder bei der oben schon angesprochenen Alleinzeit. Wenn man sich regelmäßig Alleinzeit gönnt, eigenen Interessen nachgeht und einfach Dinge tut, die einen glücklich machen, passiert nämlich auch das, was Ina Maria da so richtig anspricht. Die Zeit mit anderen bekommt eine andere Qualität. Wenn ich mit meinem Partner für den Rest meines Lebens zu zweit auf der Couch hängen muss, weil Paare das eben so machen, dann nervt es mich irgendwann schon, dass er atmet. Wenn wir uns sehen, weil wir wollen, und nicht weil wir müssen, ist es ein Fest.

Polyamorie zieht immer weitere Kreise und das ist gut so!

So, das war für heute meine kleine Polyamorie-Show und ich hoffe, es hat euch gefallen. Mir jedenfalls gefällt das ausgesprochen gut. Das Thema Polyamorie kommt immer mehr „in der Mitte der Gesellschaft“ an (wo immer die ist) und je mehr Leute darüber reden, bloggen, schreiben, diskutieren, umso besser ist das. Denn mit der Polyamorie ist es wie mit allen anderen Sachen auch: Nur, wenn wir aufgeklärt sind und Fakten kennen, können wir frei entscheiden, was wir wollen und was eben nicht.

Apropos wollen! Falls ihr jetzt meine Romane über Polyamorie lesen wollt, weise ich noch schnell auf die Preisaktion in dieser Woche hin! 😀 Die findet ihr hier.

Kennt ihr noch weitere Videos, die ihr empfehlen könnt oder habt ihr sogar selbst eins gedreht?