Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Ihr Lieben! Was jetzt hier passiert, ist völlig spontan und nicht geplant, aber ich starte eine Blogparade, ohne einen Plan zu haben, wie das geht. Mir ist nämlich folgendes passiert!

Ihr kennt das vielleicht selber. Es gibt so Themen, die regen einen ständig und immer wieder auf. Weil man ja aber auch noch was anderes zu tun hat, als ständig gegen Windmühlen zu kämpfen, drängt man es immer mal wieder nach hinten und kümmert sich um andere Sachen. Man will ja seine Leser auch nicht mit seinem ewigen Kreuzzug langweilen. Und dann sagt irgendwo jemand ganz leise „Piep!“ und man kocht sofort wieder hoch und entwickelt neue Energie. Weil man eben doch nicht allein ist.

So ging es mir mal wieder gestern Abend, als Bloggerkollegin und Jungautorin Jean Parker auf ihrer FB-Seite eine Diskussion angestoßen hat zu der Frage, wieso der Buchmarkt eigentlich so voll ist mit Romanen, die angeblich „das wahre BDSM“ vermitteln. Obwohl doch inzwischen wirklich auch die letzte Hirschkuh begriffen haben müsste, dass Buchtitel wie (ich denk mir jetzt welche aus und hoffe, dass ich keine Zufallstreffer lande) „Im Heizungskeller vom Milliardär angekettet und ausgepeitscht“, „Vom Biker zuschanden geritten“ oder „Unter schwarzer Flagge abgerichtet zur Sexsklavin“ mit BDSM so viel zu tun haben wie der Papst mit der Ehe für alle. (Skandal, im Vatikan leben immer noch Männer unverheiratet zusammen! Egal.)

Ihr wisst sicher genau, welche Liga von Büchern ich meine.

Blogparade Frauenliteratur

Die Story in diesen Büchern ist ja immer ähnlich. Steinreicher Psychopath mit grotesken Muskeln entführt unschuldige junge Frau, um sie gefangen zu halten, zu brechen und nach Lust und Laune zu vergewaltigen. Das Opfer entdeckt seine selbstlose Liebe zu ihm. Weil, er sieht ja so schnuckelig aus, dieser mörderische Grenzfall des Patriarchats, und er schwelgt ja im Luxus und, ach, seine Seele ist ja soo verletzt, das verwundete Raubtier, hach! Und er hat sie erwählt, er braucht ihre Liebe so sehr, dass er bereit ist, jede erdenkliche Straftat an ihr zu verüben, das MUSS doch Liebe sein, oder?

Wer von euch jetzt denkt, so schlimm ist 50 Shades doch gar nicht, dem gebe ich Recht. 50 Shades ist so unglaublich 2011, inzwischen sind wir da viel weiter! Mister Grey war nur der Türöffner für einen völlig neuen Trend am Buchmarkt, der inzwischen Blüten treibt – wenn mir das vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte mir an die Stirn getippt und hysterisch gelacht. Ja, klar. Frauen verschlingen Bücher über Frauen, die als allzeit verfügbare Ware ihre Erfüllung darin finden, mit psychischer und physischer Gewalt und Gehirnwäsche zum Sex gezwungen zu werden.

Wieso zur Hölle stehen Frauen auf sowas?

Man könnte jetzt denken, dass dieser Trend am Buchmakrt bedient wird von Sexualstraftätern, die hinter Gittern sitzen und denen ihr Therapeut geraten hat, für ihre Fantasien ein Ventil zu suchen, das niemanden verletzt. Aber, nein. Solche Bücher werden von Frauen für Frauen geschrieben. Und es ist mir vollkommen unverständlich.

Gestern las ich, dass diese Bücher so gut gehen, läge daran, dass es evolutionsbiologisch-kulturell eine erfolgreiche Strategie von Frauen ist, vergewaltigt zu werden und dann wieder starke Vergewaltiger zu gebären. Weil wir eben eine Spezies von nackten Primaten sind, bei der die Männchen viel größer und stärker sind. Aha. Diese Begründung stammte von einem Mann, der Wahrheitsgehalt ist also nicht verifiziert und natürlich kann jemand, der so argumentiert, sich immer auf andere Männer berufen, die das „wissenschaftlich“ festgestellt haben. Es gibt eben immer einen noch größeren Fisch. Ich nehme an, solche Theorien kommen dadurch zustande, dass der Mensch von allen Primaten den kleinsten Penis hat. Irgendwas müssen die da mit ihren Omnipotenzfantasien kompensieren.

Manchmal ist eine Zigarre gar keine Zigarre

Da lobe ich mir fast den guten alten Sigmund Freud, der vor über hundert Jahren auf die Idee kam, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um ihn genießen zu können. Das, äh … ja. Klingt jetzt so, wie es sich anhört. Was Freud damit sagen wollte, war aber – wenn auch vielleicht nicht ganz richtig – trotzdem noch irgendwie logisch nachvollziehbar und wenn man es ganz gnädig auslegen will, war er ein Fürsprecher der Frauen. Oder hat sich selbst zumindest so gesehen. Der Gedanke dahinter war nämlich, dass Frauen zu Ende des lustfeindlichen neunzehnten Jahrhunderts natürlich wie jeder Mensch einen Sexualtrieb hatten, diesen aber in den engen moralischen Schranken der Gesellschaft nicht ausleben konnten, ohne Schuldgefühle zu entwickeln, weil Sex schmutzig ist.

So. Freuds Ausweg aus dem Dilemma sah jetzt so aus, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um nicht in Hysterie zu verfallen. Denn kein Sex = Hysterie. Man, also Mann, musste also dafür Sorgen, dass Frau Sex bekam. Denn sonst sitzen sie mit glasigem Blick summend in der Ecke und schlagen schaukelnd den Kopf an die Wand. Und dann macht keiner die Wäsche. Töchter sind auch ganz schwer vermittelbar, wenn sie einmal anfangen, solche „Eigenarten“ zu entwickeln, also verheiratet man sie besser früh.

Der Vater der PsychoANALyse, hehe, sah aber die EHE als Mittel der Wahl. Keine Flogger, Handschellen oder sonstewatt. In einer Zeit, in der Ausdrücke wie „Vergewaltigung in der Ehe“ allerdings nur milde Lacher bei den Herren hervorgerufen hätten, konnte das natürlich jeder Gatte ganz in seinem Sinne auslegen. Eine Ehefrau KANN man gar nicht vergewaltigen. Schließlich gab es eheliche Pflichten, die eine ehrbare Frau zu erfüllen hatte. Und sich gezwungen zu fühlen, erlaubte den ehrbaren Gattinnen, den Schuldkomplex auszulagern. Denn wenn die, iiiih, schmutzigen Sex hatten (wie schmutzig kann ehelicher Bürgersex um 1900 schon gewesen sein, höhö!), konnten sie dem triebhaften Gatten die Schuld geben und das befreite ungemein.

Freud hat dazu (ich glaube, es war im Buch über die Fehlleistungen, sehr erheiternd übrigens!) sogar ein Anekdötchen auf der Pfanne. Ein junges Ehepaar hatte sich gerade ge(ehe)paart, woraufhin der junge Gatte den Puderquast seiner Frau benutzte (wozu stand da nicht). Tadelnd rief die junge Braut aus: „Du hast mich schon wieder mit deinem Quast gepudert!“

Ja, äh, also, was ich sagen wollte, hab ich jetzt vergessen. Jedenfalls bezeichnete Freud Frauen, die in der Lage sind, ihre erogenen Zonen wahrzunehmen, als kulturell unverbildete Durchschnittsweiber. Nachdem ich das gelesen hatte, bin ich nicht mehr zur Uni gegangen und wandte mich der Polyamorie zu, muahahahaaa! Nee, äh, was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt sicher Gründe für Vergewaltigungsfantasien und in seinem Kopf sollte jeder tun dürfen, was er möchte, da sind wir uns einig. Aber!

Das Sein bestimmt das Bewusstsein!

Ja, ich bin so frei, ich haue euch Karl Marx um die Ohren. Warum? Weil er Recht hatte! Der Satz stimmt einfach. Es gibt viele Spielarten der menschlichen Lust und solange es einvernehmlich passiert, ist das auch gut so, soll ja schließlich jeder glücklich werden. Diese Einvernehmlichkeit muss aber da sein, bevor man anfängt. Solange gefangen gehalten und vergewaltigt zu werden, bis man ein Stockholm-Syndrom entwickelt und meint, den Vergewaltiger zu lieben, ist keine Einvernehmlichkeit. Durch die Überschwemmung des Buchmarkts mit angeblicher BDSM-Literatur ist die Idee, dass Frauen diese Wesen sind, die dann Liebe entwickeln, wenn man sie nötigt und bricht, aber zum Mainstream geworden. Und dieses allgegenwärtige Bild macht etwas mit unserem Bewusstsein.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Frauenliteratur von Autorinnen wie Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer oder Alice Walker, Betty Friedan, Marilyn French und vielen anderen Schwestern geschrieben wurde, die uns befreien wollten. Diese Autorinnengeneration fußte auf tapferen Vorkämpferinnen bis zu Pazifistinnen und Sozialistinnen, die vor über hundert Jahren die freie Liebe gefordert haben, damit Frauen ein Recht auf Beziehungen bekommen, ohne ihr Recht auf Eigentum, Unversehrtheit und eine eigene Meinung am Traualtar abzugeben.

Die Ahninnen haben für ein Recht auf freie weibliche Sexualität gekämpft, auf Lust ohne Schuldgefühle, die in den bösen Vergewaltiger ausgelagert werden müssen. Denn dieser Gedanke kommt aus der patriarchalen Ecke und heißt auf Stammtisch nichts anderes als: „Wenn die Nein sagen, meinen die Ja. Die wollen das doch nicht anders!“ Was mich nur so ratlos macht, ist die Tatsache, dass anscheinend manche Autorinnen und Leserinnen heute der gleichen Meinung sind.

Und früher war das, ohne Witz, besser. Wir Frauen haben in Büchern ganz andere Rollenmodelle gefunden, es gab Zeiten, da hatten wir ganz andere Idole. Wackere Suffragetten wurden inhaftiert und zwangsernährt, weil sie versuchten, mit friedlichem Widerstand und Hungerstreiks das Wahlrecht für Frauen zu erkämpfen, Autorinnen wie Virginia Woolf haben versucht, zu zeigen, wie wichtig Unversehrtheit und Selbstbestimmung sind. Und als ich anfing zu lesen, lagen solche Bücher in allen Buchläden noch völlig selbstverständlich aus. Standardsortiment. Man kann sagen, dass ich zu den letzten Dinosaurierinnen gehöre, die noch durch hundert Jahre feministische Kulturgeschichte geprägt wurden.

Meine Töchter wachsen heute in einer Zeit auf, in der die Literatur für Frauen ein vollkommen anderes Weiblichkeitsideal propagiert. Übrigens auch ein vollkommen anderes Männerideal. Die Frau ist jungfräulich, blöd und hilflos, in harmloser Unterhaltung legt sie sich dann eben mit Stöckelschuhen auf die Fresse und Mr. Right bietet ihr den Arm. Oder sie kotzt wie Miss Steel, weil sie zu blöd ist zum Saufen, aber das verbietet Christian ihr dann ja zum Glück. Die moderne Frau hält eben Entmündigung und Vergewaltigung für die selbstlose Liebe eines Mannes. Wenn mir in Miss Steels Alter so ein angstbesetzter kleiner Zwangsneurotiker begegnet wäre, der seine Oberhemden und Peitschen nach Farbe und Größe ordnet, hätte ich einen Wodka gekippt, mir eine Fluppe angemacht und gesagt: „Bis du mir den Arsch versohlen darfst, musst du aber noch verdammt lange auf die Weide!“

Zurück zu den trendigen Archetypen. Der Mann ist muskelbepackt, schwimmt im Geld, führt sich auf wie eine tickende Zeitbombe, eine unberechenbare Kriegsmaschine mit posttraumatischer Belastungsstörung. Er äußert seine „Liebe“ durch double-bind Kommunikation und treibt damit sein Opfer in eine schizophrene Abhängigkeit. Ich streichle dich, während ich dich vergewaltige. Kann sie seine Ambivalenz nicht als eindeutig identifizieren, beschließt sie eben, dass ihre künstlich durch „Liebesgewalt“ gezüchtete Abhängigkeit wohl Liebe sein muss.

Zeigt euch, tretet ans Licht, meine Damen!

Jetzt mal ehrlich, Leute, haben wir eigentlich alle einen an der Waffel? Jetzt werden bestimmt wieder viele Leute feststellen, dass ich es bin, die einen an der Waffel hat. Die Sookie regt sich immer über einen Scheiß auf, unglaublich. Solche Bücher sind doch total romantisch und das sexy Männermodel auf dem Cover ist doch njomnjom! Außerdem bin ich nur neidisch. Die schreiben Bestseller, ich dümpel irgendwo in der Midlist vor mich hin. Und wenn du weder in der Top 10 bist, noch 5000 Facebook-Fans hast, führen deine Bücher eben ein subersives Schattendasein. Das eine bedingt das andere.

Ich bin ja öfter auf Facebook unterwegs und ich bin öfter bei Amazon unterwegs. Und nicht nur als Autorin, sondern vor allem als Leserin frage ich mich, wie zur Hölle man noch Bücher findet, die nicht von strunzdummen Opfertussis und peitschenden Milliardären/Rockern/Popstars/Vampiren, auf jeden Falll immer geilen, grausamen Sexgöttern handeln. Manchmal sehe ich auf samtlichen Portalen zehnmal am Tag dasselbe Buchcover, immer von Büchern, die ich nie lesen würde. Einfach mal „stöbern“ ist auf Amazon gar nicht drin, weil man sich immer erst durch hundert Seiten „Top-Titel“ klicken muss, bis man mal was findet, was eine interessante Story und vielschichtige Charaktere hat.

Aber was ist eigentlich aus dem schönen, selbstbewussten Gedanken geworden, dass wir AutorInnen die Avantgarde sind, dass wir eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung haben? Nicht, weil wir uns für was besseres halten, sondern einfach, weil wir können. Weil wir eben das Talent, den Drang und auch den Fleiß mitbekommen haben, Figuren zu entwerfen, Geschichten zu erfinden, manchmal sogar Welten zu erschaffen. Und damit das Bewusstsein der Leser zu erweitern.

Und ich bekomme immer wieder mit, dass Frauen gern schreiben würden, über ganz andere Figuren als das gängige Mäuschen in Ketten, aber sie tun es nicht, weil sie denken, dass niemand sich für ihre Idee interessieren wird. Weil sowieso alle nur den hundertsten Aufguss von Fifty Shades lesen wollen. Immer wieder überlegen Autorinnen, die Brocken einfach hinzuwerfen. Gar nicht mal wegen der Verkaufszahlen, sondern weil die Anerkennung fehlt. Es kann verdammt frustrierend sein, jahrelang an einem Fantasyroman über eine gewitzte Kriegerin zu feilen und dann auf Facebook zu sehen, wie „die Schwarmintelligenz“ (mein Lieblingsoxymoron) sich sabbernd auf das neuste Peitschen-Epos stürzt, das in vier Wochen lieblos zusammengewichst wurde. Wahrscheinlich sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Weg mit dem Frust, her mit der Blogtour!

Ich weiß, dass ihr irgendwo seid! Und ich weiß, dass wir endlich mal irgendwie was tun müssen, um dem Buchmarkt zu sagen: „Hey, wir finden das nicht gut, was da passiert, wir lesen/schreiben richtige Bücher!“ Und wenn es nur ein Tropfen Wasser in der Wüste ist, wir machen das jetzt einfach!

Deshalb jetzt hier mein Aufruf an euch!

Blogparade für Frauenliteratur, die den Namen auch verdient!

Schreibst du Bücher, liest du Bücher oder arbeitest du an einem Manuskript, das diesem Trend etwas entgegensetz? Geht es in deinem Buch/Lieblingsbuch um etwas ganz anderes? Hast du eine Story, die es verdient, gelesen zu werden, weil es nicht explizit um sexuelle Gewalt, Kohle und Opfer mit Stockholm-Syndrom geht?

Was ich meine? Alles, nur eben das nicht! Hast du einen ganz normalen Liebesroman geschrieben, der einfach nur schön ist? Jagt deine Romanheldin lieber Mörder als Mr. Right? Baut sie eine Pinguinkolonie im Weltall auf, geht sie nach Afrika, um Brunnen zu bauen, spielt sie lieber in einer Band, als einen sexy Rockstar anzuhimmeln? Oder hast du vielleicht einen BDSM-Roman geschrieben, der von Respekt und Vertrauen erzählt? Ick liebe dir! Denn du bist eine ganz, ganz wichtige Gegenstimme auf dem Buchmarkt! Nichts gegen Bondage, aber wir brauchen Heldinnen, die nicht gefesselt und geknebelt sind!

Mit einer Blogparade Vielfalt am Buchmarkt feiern und schätzen

Darum geht es. Nicht um den Bachmann-Preis, es geht um ganz normale Bücher! Deshalb machen wir das jetzt auch alles ganz zwanglos. Es gibt hier kein von – bis, du kannst deinen Artikel dann schreiben, wenn es dir passt. Du musst auch keinen eigenen Blog haben, wenn du willst, kannst du deine Buchvorstellung einfach hier als Kommentar posten. Nur bitte keinen Link zu Amazon, sondern lieber Autor, Titel, ISBN, dann kann nämlich jeder selbst entscheiden, wo er einkauft. Wenn du einen Blog hast, wäre es allerdings schön, wenn du, wie bei Blogparaden üblich, in deinem Artikel auf diesen verlinken würdest. Und jetzt kommt der kniffelige Teil! 😀

Liebe Autorinnen!

Ja, ihr seid gemeint, die ihr da immer so schüchtern in der Ecke hockt und zu selbstkritisch seid, um Marketing zu machen! Tut mir einen Gefallen und vergesst mal eure Schüchternheit, die bringt uns nämlich nicht weiter! Ich rufe euch ganz klar zur Eigenwerbung auf! Ich mag solche coooolen Wörter nicht besonders, aber nagt kurz am Stift und dann haut euren Elevator Pitch raus!

Wenn eure Wunschleserin zu euch in den Fahrstuhl steigen würde, was würdet ihr schnell sagen, damit sie euer Buch liest? Bei mir wäre das: „Weil meine Bücher intelligenten Witz haben und weil sie von mutigen Leuten handeln, die sich von Konventionen nicht einschüchtern lassen. Weil meine Frauenfiguren trotz all ihrer Schwächen und Macken versuchen, selbstbestimmt zu leben und weil Freundschaft ihnen genau so viel wert ist wie die Liebe eines Mannes! Und weil meine Männer auch mal verunsichert auf dem Schlauch stehen dürfen!“

Wenn mein Marketing-Opfer dann aus dem Fahrstuhl steigt, Amazon aufruft und sich „In die Sklaverei verkauft und zugeritten“ runterlädt, ist das nicht mehr mein Problem! 😀

Liebe Buchbloggerinnen, Leserinnen und sonstewatt!

AUCH Männer!

Ja, hier sollen Autorinnen eine Chance kriegen, schamlos Eigenwerbung zu machen, die hoffentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Posten in Buchgruppen, in die außer den werbenden Autoren nie jemand reingeht. Aber eure Meinung ist genau so wichtig! Lasst uns wissen, was für Perlen des Buchmarkts euch begeistert haben! Welcher Roman hat euch begeistert, weil er ein anderes Rollenmodell anbietet? Oder schreibt ihr gerade an eurem Erstling und habt das Gefühl, dass es sinnlos ist, weiterzuarbeiten, weil ja doch nur alle Hochglanz-SM lesen wollen? Es ist nicht sinnlos! Hau raus das Teil!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Aktion nicht im Sommerloch verschwindet!

Ich freu mich auf euch!

P.S. Achtung, eine Durchsage aufgrund einer Anregung! Wir machen natürlich keine Beschränkung beim Genre, solltet ihr also Gay Romance schreiben und der Meinung sein, dass ihr da eine coole Figur habt, zählt das natürlich auch! Der Begriff „Heldin“ kann ja ausgefüllt werden, wie er will! Rollenklischees sind so unglaublich 2011! 😀

Äh, aus aktuellem Anlass ein P.P.S., das wird ja langsam richtig witzig hier! Aber Romane über „unschuldige junge Frauen“, die (warum auch immer) den Deal eingehen, das Privateigentum eines dominanten Milliardärs zu werden, aber eine andere Haarfarbe oder einen anderen Job haben als Miss Steel, zählen nicht. Wer sich noch mal vergewissern möchte, wie ich die Sache mit Miss Steel sehe, findet hier und hier mehr dazu.

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Besessenheit und Gelassenheit – das richtige Mindset zum Schreiben eines Buches

Besessenheit und Gelassenheit – das richtige Mindset zum Schreiben eines Buches

Was ist für mich das richtige Mindset, um ein Buch zu schreiben? Marie vom Schwellentroll hat zu einer Blogtour aufgerufen, deswegen haue ich euch jetzt gnadenlos um die Ohren, welche Einstellung man braucht, um ein Buch zu schreiben! 😀

Ihr Lieben! Eigentlich hab ich heute sieben andere Sachen auf dem Zettel, aber ihr kennt das. Zufällig bin ich auf die Blogtour vom Schwellentroll gestoßen und das Thema ist zu interessant, um den kleinen Umweg nicht zu machen! 😀 Um spontan zu bleiben, habe ich die anderen Beiträge noch gar nicht gelesen (das gönne ich mir dann zur Belohnung), aber ich bin sicher, dass da schon einige kluge Leute kluge Dinge gesagt haben, die allgemeingültig sind. Deswegen halte ich meinen Artikel jetzt einfach mal sehr persönlich und verschone euch mit all den guten Schreibtipps, die ihr auch woanders nachlesen könnt.

Ich bin zum Glück auch kein Coach, der euch zum Schreiben motivieren muss, damit ihr bei der Stange bleibt. Ich bewundere die Energie und die Geduld der Leute, die das tun und finde, dass sie sehr wichtige Arbeit leisten, aber ich persönlich ticke da anders. Um nicht zu sagen: Ich bin extreeeem. Extrem besessen. Und strenger als meine alte Lateinlehrerin. Deswegen ist meiner Meinung nach das einzig wahre Mindset zum Schreiben:

Wenn du nicht komplett besessen bist, lass es!

Die professionellen Autoren unter euch werden das kennen. Manchmal quatschen einen Leute an. „Och, ja, ein Buch wollte ich auch immer mal schreiben. Ich stell mir das ganz nett vor! Du schreibst eine nette Liebesgeschichte und kriegst auch noch Geld dafür!“

Solche Leute gucke ich immer nur glasig an, dann erinnere ich mich selbst daran, dass ich höflich lächeln sollte, lache aber dann kurz und hysterisch auf und gehe weg. Noch schlimmer sind die „Ich bin ja auch Schriftsteller. Ich hab schon drei Gedichte geschrieben und denke auch viel über den Tod nach“-Leute. Äh, ja. „Ja, sieht man ja auch an deinen Klamotten!“, sag ich dann und gehe weg.

Noch schlimmer sind aber die „Pah, Bücher schreiben, so was ist doch keine Arbeit, das kann ich auch!“-Menschen. Die haben natürlich in der Regel seit ihrem letzten Schulaufsatz nichts mehr geschrieben. Mit denen hab ich glücklicherweise nie was zu tun, weil ich so gut wie nie unter Menschen komme. Ich arbeite schließlich viel zu viel. An meinen Büchern.

Jedenfalls sind all diese Leute nicht besessen. Schreiben ist ein tolles Hobby, auf jeden Fall, und es ist toll, wenn viele Menschen für sich schreiben, um ihre Gedanken zu ordnen, um Freude zu haben. Schreiben kann ja auch sehr heilsam sein, man reflektiert vieles erst richtig, wenn man es in Worte fasst. Aber darum geht es hier ja nicht. Es geht um das Mindset, um ein Buch zu schreiben. Deshalb lasse ich euch jetzt an meiner „Liste der Besessenheit“ teilhaben!

Du bist besessen genug, um ein Buch zu schreiben …

  1.  … wenn du von deiner Idee so gefangen bist, als wärst du frisch verliebt. Du kannst nicht mehr schlafen, nicht mehr essen, du kannst nur noch an diese eine Geschichte denken.
  2. … wenn du die Frage, was dein Partner, deine Freunde, deine Familie denken sollen, längst hinter dir gelassen hast. Du kannst keinen perfekten Mord planen, wenn du die Angst im Hinterkopf hast, dass die Nachbarn dich danach nicht mehr grüßen. Du kannst deiner Protagonistin keine sinnlichen Höhenflüge mit einem anderen schenken, wenn du denkst: „Oh, Gott, hoffentlich liest mein Mann das nicht!“. Bremsen im Kopf sind der Tod eines guten Textes.
  3. … wenn du so in deiner Geschichte gefangen bist, dass du deine eigenen Kinder mit den Namen deiner Romanfiguren anredest!
  4. … wenn du nachts um drei aufstehst und den Rechner startest, weil du einen gestochen scharfen Dialog im Kopf hast, den du sonst nie wieder so hinkriegst.
  5. … wenn du ständig das Gefühl hast, dass der Tag 72 Stunden haben müsste, damit du die ganzen Spin-offs und Fortsetzungen schreiben kannst, die längst in deinem Kopf sind, von denen deine Leser aber noch nichts ahnen.
  6. … wenn du über jede noch so kleine Nebenfigur Details im Kopf hast, die niemals in den Büchern ankommen werden.
  7.  … wenn du bereit bist, gnadenlos zu streichen, was dich vielleicht wochenlange Arbeit gekostet hat, aber für deine Story tust du alles.
  8. … wenn du auf die Frage „Und wieso sollte das irgendjemand lesen?“ nur schreist: „Halllloooo?“ Und dann klatscht du dir dramatisch vor die Stirn und haust den Leuten so einen genialen Elevator Pitch vor den Latz, dass die nur noch schuldbewusst murmeln: „Ach so!“

So. Das sind nur einige Punkte, an denen du merkst, dass du besessen genug bist, um es durchzuziehen. Wenn du dich jedes mal mit dem Gefühl ans Schreiben quälst, als müsstest du zu einer Geburtstagsfeier beim Chef oder bei Tante Inge und eigentlich lieber was ganz anderes machen würdest, dann ist Schreiben eben nicht die Passion, der du hoffnungslos verfallen bist und das ist auch völlig okay!

Die andere Seite des Mondes: Gelassenheit!

So, ich denke, was Besessenheit ist, haben wir jetzt ausreichend geklärt. Sie frisst dich auf. Sie ist auch gar nicht immer schön. Aber sie ist wild und ungezähmt und treibt dich an wie nichts anderes. Aber! Besessenheit macht noch kein gutes Buch. Denn dafür brauchst du Gelassenheit. Geduld. Ruhe. Denn jeder, jeder!, Text muss reifen.

Und Gelassenheit hat einen entscheidenden Vorteil, wenn es darum geht, Selbstsabotage zu verhindern. Selbstsabotage begeht man ja nie bewusst, weil man denkt: „Ah, so richtig verrissen oder – noch besser – vom Buchmarkt komplett ignoriert zu werden, wär mal wieder richtig geil!“

Selbstsabotage passiert einem ja eher „zufällig“. Man traut sich nicht, Dinge zu tun, weil man Angst hat, sich sichtbar zu machen und sich Kritik auszusetzen. Oder weil man denkt, dass man ja keinen Erfolg verdient hat, oder dass man etwas nicht kann, weil man es ja nicht „richtig“ gelernt hat (Schreiben kann man übrigens nicht „richtig“ lernen, man muss es machen, machen, machen).

Aber mit Gelassenheit Selbstzweifel zu überdenken, hilft enorm dabei, Selbstsabotage von Optimierungsbedarf zu unterscheiden. Und die Zeit solltest du dir auf jeden Fall gönnen, denn das ist die beste Prophylaxe gegen spätere Krisen und wappnet dich auch für den Umgang mit späterer Kritik. Vor allem hilft Gelassenheit dir zu verstehen, dass es immer Optimierungsbedarf gibt, immer! Es ist nicht dein persönliches Versagen, wenn du nicht in einem Rutsch ein druckreifes Buch schreibst. Man kann aus jedem, wirklich aus jedem Manuskript immer noch mehr rausholen. Bis man zu viel rausgeholt hat und wieder kürzen muss. 😀

Du bist gelassen genug, um ein Buch zu schreiben …

  1.  … wenn du völlig natürlich damit umgehen kannst, dass du nicht an jedem Tag fantastisch genial überirdisch inspiriert bist. Dann nutzt du die „normalen“ Tage eben auf andere Weise, um dein Buch voranzubringen. Korrektur, Überarbeitung, Kontakte pflegen, in Programme reinfuchsen, es gibt tausend Wege, produktiv an seinem Buch zu arbeiten.
  2. … wenn du deine Schreibzeit so selbstverständlich nimmst, dass keiner mehr auf die Idee kommt, dir zu widersprechen, weil er deine Arbeit nicht ernst nimmt. Wenn du an dein Buch glaubst, strahlst du das auch ganz entspannt aus.
  3. … wenn du jede Kritik als wertvoll empfindest, ohne sie persönlich zu nehmen. Selbst, wenn sie persönlich gemeint ist, sagt sie mehr über den Kritiker aus als über deine Arbeit. Aber konstruktive Kritik kannst du nur von unsachlichem Gemecker unterscheiden, wenn du entspannt bleibst.
  4. … wenn du deinen Frieden damit gemacht hast, dass alles dreimal so lange dauert, wie du es geplant hattest. Qualität braucht einfach Zeit.
  5. … wenn es dich nicht demotiviert, dass zwischen der ersten Rohfassung und dem endgültigen Manuskript zahllose Überarbeitungen liegen.
  6.  … wenn du ganz entspannt auf dem Schirm hast, dass du niemals Everybody’s Darling sein kannst. Du schreibst schließlich nicht für alle, sondern für die Leser, die dein Thema wirklich interessiert.

Gelassenheit und Besessenheit sind also beim Schreiben wie Ebbe und Flut. Das eine funktioniert ohne das andere irgendwie nicht so richtig. Zusammen sind sie die Gezeiten, die dein Mindmap ausmachen.

Und was hat das jetzt mit dem Biber zu tun?

Schreiben ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Wenn du diese Arbeit nicht liebst, lass es. Aber bei aller Liebe bleibt es Arbeit. Schreiben erfordert knallharte Selbstdisziplin, gnadenlose Selbstkritik, endlose Ausdauer und völlige Konzentration. Das alles kann man mit dem völlig unmodernen Wort „Fleiß“ zusammenfassen. Und wer fällt uns dazu ein? Simone de Beauvoir hatte den Spitznamen „Castor“. Nein, das hat nichts mit Castortransporten zu tun, sondern mit Bibern.

Castor ist das französische Wort für Biber und Simone war eben „der fleißige Biber“. Spätestens, wenn du mal versuchst, einen Baum mit den Zähnen zu fällen, verstehst du, auf was ich hinaus will. Und spätestens, wenn du mal „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir in die Hand nimmst, verstehst du, wie verdient dieser Spitzname war.

Um so ein umfassendes, zeitloses Standardwerk zu erschaffen, braucht man Besessenheit und Gelassenheit. Biss und Geduld. Disziplin, so unsexy sich das anhört. Aber wenn du das für dich klar hast, stellt sich die Frage, wie du mal ein Buch fertigschreiben könntest, gar nicht mehr.

Dann ist das Schreiben ganzer Romane so ähnlich wie schwanger zu sein. Da hörst du auch nicht mittendrin auf, weil das gerade anstrengend ist oder andere Sachen wichtiger sind. Dann ziehst du das durch, bis du dein Buch zur Welt gebracht hast. Also: Sei ein Biber oder such dir ein anderes schönes Hobby! 😀