Zwei Tage nach dem Buchstart: Puh!

Zwei Tage nach dem Buchstart: Puh!

Ihr Lieben, der Buchstart von Beziehungsstatus 4 ist jetzt zwei Tage her und – haaaa! – langsam versickert das Adrenalin und jetzt, schnief, ich muss mich einfach mal wieder bei euch bedanken. Ich glaub, ich muss das Buch sogar irgendwann noch mal selber lesen. Denn ohne Witz: Jedes Mal, wenn ich ein Buch veröffentliche, denke ich „Ohgottogott, das ist das schlechteste, was ich jemals geschrieben hab, das kann ich meinen Lesern unmöglich antun!“

Wie man das Gefühl für sein eigenes Buch verliert

Vielleicht kennen die Autorinnen unter euch das selber. Man schnitzt, klöppelt, feilt und sägt monatelang an diesem Manuskript herum. Da sind Momente dabei, wo das so flutscht, dass man in einer Nacht 20.000 Wörter schreibt, von denen man drei Tage später 18.000 wieder streicht. Aber es flutschte! Immerhin! Ein grandioses Gefühl. Und dann kommt das Handwerk. Also ungefähr 98 %. 😀 Man liest und liest und liest und liest. Stellt um, überabreitet und liest von vorne.

Ich zum Beispiel lese jedes Manuskript mindestens dreimal nur auf so Sachen durch wie „Wer setzt sich wann hin, wer springt wann auf, wer steht gerade rum, wer hat was gerade in der Hand und legt es wann ab?“ Ja, ihr tippt euch an die Stirn, aber das ist echt so! Und wenn man jeden Witz fünfzigmal gelesen hat, dann schleift der sich irgendwie ab! Je näher der Buchstart dann rückt, umso langweiliger kommt mir das Buch vor! 😀

Erotik? Ein Albtraum!

Was man im Ideaaaalfall als Leser  verschlingt, weil man rosa Öhrchen bekommt und denkt: „Mein Gott, ist das prickelnd!“, gleicht in Wahrheit einer Stellprobe am Theater, wenn der Autor des Stückes, der Regisseur und der Beleuchter sich in der Wolle haben und über die Schauspieler reden, als wären die gar nicht da. Boar, welcher Arm ist denn jetzt wo? Und wer hat wie viele davon? Ich mein, selbst Sven, ja, selbst Sven schafft es nicht, Anna zu tragen und ihr gleichzeitig eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen. Mit welcher dritten Hand sollte er das machen, hä?

Und, ehrlich, ihr glaubt gar nicht, wie oft die Jungs schon ran mussten und wirklich alles gegeben haben und dann kommt die Sookie und verschiebt das in den Ordner mit den Outtakes! Überhaupt, die Outtakes! Über 2 Millionen Zeichen deleted Scenes auf der Festplatte, vielleicht sollte ich die schönsten einfach mal veröffentlichen. „Beziehungsstatus – Hinter den Kulissen“, höhö. Ich glaub, ich mach das mal, für die Hardliner unter euch! 😀

Apropos Hardliner: Zurück zum Buchstart!

Ja, also BS 4 ist jetzt seit zwei Tagen draußen und wie gesagt, ich hatte durch die ständige Überarbeitung jedes Gefühl für das Buch verloren. Zwanghafter Optimierungwahn eben. Und für mich fühlt sich das immer an wie ein Buchstart im kompletten Blindflug. Und dann auch noch Beziehungsstatus 4, nachdem John, sein wir doch mal ehrlich, in BS 3 das Ding ja echt voll vor die Wand gekachelt hat.

Aber das ist mit Romanfiguren wie mit den eigenen Kindern. Man muss sie ihre Fehler selber machen lassen, weil sie ein Recht darauf haben, ihr Leben selber zu leben. Und gerade John, ja? Man hat ja keine Lieblinge, nein, nein, man hat sie alle gleich lieb, aber John hab ich irgendwie ein bisschen gleicher lieb als die anderen und ihn so öffentlich als Deppen dastehen zu lassen, ist mir wahnsinnig schwer gefallen. Mann, hab ich gelitten! 😀

Aber er hat eben die klassischen Probleme, die viele Hochbegabte haben. Ich darf das sagen, weil ich solche Probleme auch hab und mich manchmal genauso doof anstelle. 130+-Menschen lösen komplexe Rechenaufgaben in der Zeit, wo andere den Taschenrechner einschalten, haben aber keine Ahnung, wie sie es gemacht haben. Sie „wissen“ es einfach. Oder sie verstehen einen Satz in einer Sprache, von der sie gar nicht wussten, dass sie die mal aufgeschnappt haben. Aber die einfachsten Wenn-Dann-Sachen sind manchmal eine unglaubliche Herausforderung.

Da war also für John ein großes „Was hab ich denn da wieder gemacht?“ fällig, mit dem ich euch aber nicht langweilen wollte. Schließlich ist John nicht der Werther und schwermütige ossianische Gesänge wollte ich euch ersparen. Deswegen könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als mir die ersten von euch geschrieben haben, dass sie wieder laut gelacht haben.

Und wisst ihr, was mir noch so aufgefallen ist? Im Mainstream hätte Anna einen unglaublichen Shitstorm auf sich gezogen, weil sie sich einfach kackfrech um ihre eigenen Bedürfnisse kümmert und sich einen frischen Juri gönnt. Was ja dann ihr Herz wieder dafür öffnet, John einfach endlich zu nehmen, wie er ist. Aber wäre das in einem klassischen Liebesroman gegangen? Im Leben nicht! Da wäre sie aber ganz schnell von der Heldin zur Schlampe rezensiert worden! Aber in unserer Nische geht das. Cool, oder?

Ein Buchstart macht mich immer so melancholisch …

Ja, ihr merkt, ich komme ins Sinnieren. Als ich Beziehungsstatus 1 veröffentlich habe, hätte ich nie gedacht, wo das mal hinführen würde. Dass ich so unglaublich tolle Freigeister wie euch als Leser finden würde. Leser, die sich so völlig offen auf eine ganz andere „User Experience“ einlassen würden als den klassischen „Heldin steht zwischen zwei attraktiven Männern und wenn sie sich endlich entscheidet, ist das Happy End da!“-Roman. Tja. Heute ist bei Amazon auf der Produktseite das erste „Kunden kauften auch“ aufgetaucht und man könnte den Eindruck gewinnen, dass die „Sookieaner“ ein eingeschworener Haufen sind! 😀

Ich liebe euch, das wollte ich einfach mal gesagt haben. (Können wir mal kurz die schluchzenden Geigen aus dem Off haben?). Äh, ja. Das musste einfach mal raus. Als ich angefangen habe, hat es manchmal Monate gedauert, bis ein Buch eine Rezension hatte und jetzt hatte John schon zwei traumhafte Rezis, als ich dachte, ihr hättet mit dem Lesen noch gar nicht angefangen. Ihr habt ja schließlich auch alle noch was anderes zu tun! 😀 Aber ihr habt mir mit euren Reaktionen auf diversen Kanälen den Buchstart sowas von schön gemacht, das war richtig muckelig! Danke dafür!