Buchtrailer selber erstellen – ohne zu verzweifeln

Buchtrailer selber erstellen – ohne zu verzweifeln

Weltbeste Follower und Neuankömmlinge! Bevor wir zum Thema Buchtrailer kommen, muss ich mich eben kurz entschuldigen für den Fall, dass ich euch zugespamt haben sollte, als ich den Blog optimiert und die bisher geilste Startseite meines Lebens gebaut habe (die immer noch nicht fertig ist), die ihr jetzt bitte hier bewundern sollt, wenn ihr nicht wollt, dass ich in Tränen ausbreche.

Nein, das war jetzt emotionale Ausbeutung und voll gemein. Ich fürchte aber, dass mein Jetpack-Mopped euch jedes mal eine Mail geschickt hat, wenn ich dafür einen neuen Beitrag erstellen musste und das waren einige. Gefühlte tausend, um genau zu sein. Ich sag nur: Nachtschichten! Dass ihr über jedes Pipifax-Gimmick informiert werdet, war aber gar nicht geplant. Falls es aber doch passiert sein sollte, erklärt das, wieso mir kostbare Abonnenten abgesprungen sind, während das Bauarbeiten-Schild vorm Blog hing! Ich wär da auch genervt gewesen! 😀

Für alle, die noch da sind: Heute machen wir mal zur Entspannung was richtig geiles! Wir setzen uns bescheuerte Baskenmützen auf, lassen uns einen zutzeligen Bart stehen (ja, auch die Frauen!), quarzen europäische Zigaretten wie Sven und Anna in emotionalen Ausnahmesituationen (die Nichtraucher mögen hier bitte zu Kaugummi-Zigaretten greifen, denn das ist enorm wichtig für die Authentizität!), denn heute widmen wir uns dem Thema Literaturverfilmung!

Buchtrailer – brauche ich als Autor Hühneraugen nicht dringender?

Nö! Das war nämlich so! Im Sommerloch kam ich auf die Idee, mich mit dem Thema »Buchtrailer selber erstellen« zu befassen, fasste mir ein Herz, fuchste mich in die Technik ein (iiiih, Technik!), fing dann an, kleine Filme zu basteln und ballerte das Internet damit gnadenlos zu. Dann kam die Neuerscheinung, es passierten wieder tausend andere Sachen und ich vergaß meine Buchtrailer, bis ich dann Ende August die Abrechnung für meine Buchverkäufe aus dem Juli bekam. Exklusive Amazon-Autoren fragen sich jetzt: »Hö? Wieso muss die so lange warten?«, aber bei meinem Distributor ist das nun mal so. Ich erfahre immer als Letzte, ob Leute meine Bücher kaufen! 😀

Jedenfalls saß ich dann ganz andächtig da und fragte mich: »Hö? Was war denn im Juli los, dass das so abgegangen ist, was hab ich da angestellt?« Ich grübelte, schlürfte Tee und dann fielen mir die Buchtrailer wieder ein. Und siehe da – die Buchverkäufe hatten sich locker verdoppelt. Das hat mehr gebracht als jede Preisaktion, ich schwör mit Blut! Und außer Zeit und Spaß hat mich das nichts gekostet, geil, oder? Deswegen hab ich mich weiter eingefuchst und vielleicht ist das ja auch für euch interessant – für meine Kolleginnen, aber auch für die Leser, die gern solche Trailer anklicken, um zu sehen, ob sie Lust auf ein Buch haben. Und damit ich mich nicht wieder verzettel, machen wir das jetzt hier einfach mal so super strukturiert, wie ich sonst nur für Geld schreibe! 😀

Vorüberlegungen zum Buchtrailer

Was brauchst du? Erst mal natürlich ein Buch, höhö. Obwohl – gibt es eigentlich auch schon Fan-Art-Buchtrailer? Das wär doch mal geil, falls sich einer meiner Leser berufen fühlt, meine Bücher als Fan-Art zu verfilmen, lasst es fließen! Egal, wo war ich? Deine Vorüberlegungen! Du kennst dein Buch ja besser als jeder andere, aber mir persönlich geht das dann oft so, dass ich total betriebsblind bin und auf die Frage: »Worum geht’s denn da?« nur mit einem knackigen: »Äääääh …« antworte. Das kommt natürlich bei einem Buchtrailer nicht besonders gut, deswegen hangeln wir uns jetzt mal an den Kernfragen entlang.

Wer ist die Zielgruppe für deinen Buchtrailer?

Das mit der Zielgruppe kennst du mit Sicherheit schon von Coverdesign, Klappentext, etc. Wer ist dein Wunschleser? Wen willst du mit einem furiosen Kawämm erreichen? Und jetzt kommt das Schöne an Buchtrailern – bei Klappentext und Cover hast du nur eine Chance, du hast ja in den Shops nur eine Produktseite und bist dadurch kreativ eingeschränkt. Je fokussierter du da bist, umso besser klappt das ja (ich muss da auch noch optimieren *seufz*).

Bei Buchtrailern kannst du aber die Zielgruppen besser differenzieren und dein Buch ist ja mit Sicherheit komplex genug, um verschiedene Leser auf verschiedenen Ebenen anzusprechen. Also: Schüchterne Jungs mit Brille lesen Harry Potter anders als naseweise kleine Mädchen mit fluffigen Haaren, ihr versteht, was ich meine. Beide Lesertypen haben die Bücher geliebt, aber sie lesen aus unterschiedlichen Gründen, weil sie sich mit verschiedenen Charakteren identifizieren.

Versuch also nicht, mit einem Buchtrailer alle anzusprechen, das klappt sowieso nicht, denn dann wird dein Trailer aussehen wie von der Stange. Tob dich lieber kreativ aus und erstelle einfach mehrere Trailer! Ich zeig dir mal an einem Beispiel, wie ich versucht habe, das umzusetzen. Und, äh, für alle, die mir jetzt wieder vorwerfen wollen, dass ich meinen eigenen Blog benutzte, um meine eigenen Bücher zu promoten – äh – lassen wir das einfach. Ich zeig euch jetzt einfach Trailer und dann bilden wir einen Sitzkreis und sprechen darüber! 😀

Das war glaub ich sogar mein allererster Versuch, einen Trailer zu bauen. Der kommt mir jetzt zu behäbig und langsam vor, aber ich wollte sicher sein, dass auch Leute an kleinen Monitoren alles mitbekommen! 😀 Jedenfalls ist hier Eugen die Hauptfigur des Trailers und mein Plan war, Leser anzusprechen, die gerne mal ausbrechen und den Mut aufbringen würden, etwas Neues zu wagen – und da ist das Lesen eines Beziehungsstatus-Romans ja gar nicht so verkehrt!

Wie ihr seht, richtet sich dieser Trailer – für dieselbe Buchreihe – an eine völlig andere Zielgruppe. Er soll ganz gezielt intelligente Frauen ansprechen, die ein komplexes Gefühlsleben haben und bei denen auch nicht immer alles so läuft, wie die CDU sich das vorstellt. Und wenn ich mir meine Leserinnen so ansehe, dann hat das auch ganz gut geklappt! 😀

Trotzdem gibt es bei beiden Trailern noch viel Verbesserungsbedarf, aber da kommen wir gleich zu. Wichtig ist erst mal nur, dass du verschiedene Leser auch verschieden ansprechen kannst und sogar solltest. Achte nur darauf, dass du keine Versprechen machst, die du nicht einhalten kannst und dass dein Buchtrailer die Grundidee transportiert, die die Leser dann auch wirklich durch das Buch begleitet.

Braucht ein Buchtrailer ein Drehbuch?

Yäp! Also, keine Panik, du musst jetzt nicht die ganze Story noch mal neu erfinden und einen Grafiker bezahlen, der dir ein Storyboard kritzelt, es geht nur um die Idee. Ich sehe immer wieder Buchtrailer, die mich leider nicht packen, weil sie viel zu global sind und alles und nichts sagen. Also, bei meinen Büchern wäre das zum Beispiel die Botschaft: »Anna und John verlieben sich ineinander, doch es kommt zu Problemen. Hat ihre Liebe trotzdem eine Chance?« Mööööp! Schon verloren! Da helfen auch keine Bilder von tollen Skylines und epische Musik – abgesehen davon, dass die Skylines in Ostfriesland eher von Wallhecken und Kühen gebildet werden, klingt das nach Groschenroman Nummer 4529584.

Wenn du als Autorin das Standing hast, dass deine Stammleser gerade das suchen und dir jede Neuerscheinung sofort in die Charts bringen, ist das natürlich geil, aber wenn du das nicht hast, musst du dich auf dein Alleinstellungsmerkmal konzentrieren und das dann auch rüberbringen – um die Leser zu erreichen, die genau deine Story wollen, weil sie anders ist! Wenn du das für dich klar hast, dann kommen der Elevator Pitch und der Hook! Iiiiih, das klingt nach Marketing! Yäp!

Elevator Flutsch? Was?

Pitch, es heißt Pitch! Ich konnte mit dem Wort auch nie was anfangen, bis ich irgendwo gelesen habe, dass Bill Gates angeblich tierisch gerne in seinen Firmenfahrstuhl steigt, um Leute zu piesacken und zwar mit der Frage: »Was tust du heute für mein Unternehmen?«

Tja. Wenn du jetzt rumstammelst und was von Nasebohren oder Bleistifte anspitzen erzählst, bist du weg vom Fenster. Wenn du aber flammend und punktgenau raus haust, wie sehr du gerade dafür brennst, Apple mal so richtig mit deiner Innovation in den Arsch zu treten, dann könnte es ja passieren, dass Mister Gates vergisst, an der Kantine auszusteigen, weil er mehr über deine Innovation hören will. Dann hast du es geschafft – du hast einen gelungenen Elevator Pitch abgeliefert! Mir persönlich gelingt das nie spontan, wenn ich bei Microsoft arbeiten würde, würde ich nie ohne Spickzettel in den Fahrstuhl steigen, aber Buchtrailer bastelt man ja zum Glück in Ruhe zu Hause.

Was ist also dein Elevator Pitch? Sollten Menschen dein Buch unbedingt lesen, weil du genau solche Vampir-Romane schreibst wie XY, die leider aber alle schon vor fünf Jahren gelesen haben und die jetzt total out sind? Oder handelt dein Vampir-Roman vielleicht mal von einem Vampir, der total geflasht ist von den Fähigkeiten einer Menschenfrau? Bei Sonne vor die Tür gehen? Gefühle haben? Einen Vampir total unsexy finden, weil er so immer so gefühlskalt ist? Oder müssen deine Vampire eine geheime Umweltorganisation gründen, um das verfickte Ozonloch dieser verantwortungslosen Menschen zu stopfen? Was? Hä? Lass deinen Trailer erzählen, wieso Vampir-Roman-Fans deinem Vampir eine Chance geben sollten!

Der Hook im Buchtrailer – du brauchst also einen Piratenkapitän mit Enterhaken-Klaue?

Yäp! Leg einen Köder aus, damit sie anbeißen. Tease sie, mach sie neugierig und verrate so viel, wie sie wissen müssen, aber nur so viel wie nötig, denn die wenigsten Leser stehen ja auf Spoiler. Wer will schon die letzte Seite zuerst lesen? Erzähl deine Story im Buchtrailer am besten so, dass die Stimmung rüberkommt und die Spannungspitzen angedeutet werden, aber auch so, dass es noch so oder so ausgehen könnte. Lass sie, yeah, mit einer offenen Frage in der Luft baumeln, hihi!

Ich hab das in diesem Beispiel so versucht: Buchtrailer zu Beziehungsstatus 3:

Tja. Watt issen nu eine Bromance? Klar, kann man googeln, aber kann man das beim Googeln erleben? Und was hat das mit Wikingern und Polyamorie zu tun? Ich hab den Buchtrailer zwar noch nicht getestet, aber ich bin gespannt, was passiert, wenn ich ihn ins Netz werfe. Diesen Trailer zu Beziehungsstatus 3 zu basteln hat übrigens tierischen Spaß gemacht (weil ich für die Technik nicht mehr nachdenken musste, höhö!) und mich gleichzeitig vor neue Herausforderungen gestellt. Bisher hatte ich nur Buchtrailer zum »Gesamtkunstwerk« erstellt, aber jetzt wollte ich die Geschichte eines bestimmten Bands mit einfließen lassen. Kniffelig, wenn man die Stimmung transportieren, aber Neulesern nicht den Spaß an Band 1 und 2 verderben will. Ich hoffe mal, das Teil floppt nicht. So, jetzt haben wir uns mit dem Inhalt befasst, jetzt kommt der langweilige Teil: Die Technik! 😀

Buchtrailer erstellen ohne Budget

Geht, ist überhaupt kein Ding, wenn du kreativ bist – was du als Autor sowieso bist – und ein bisschen Geduld hast zum Fummeln und Ausprobieren. Folgende Programme und Gimmicks hab ich benutzt:

Windows Movie Maker

Ich bin ja Volltrottel und Hobby-Buchtrailer-Erstellerin, also fand ich den Windows Movie Maker für die ersten Versuche völlig ausreichend. Wenn man damit arbeitet, fallen einem zwar immer mehr Funktionen ein, die man bei dem Programm gern noch hätte, aber einem geschenkten Barsch guckt man nicht hinter die Kiemen. Ich hab zwar überall gelesen, dass der Movie Maker auf sämtlichen Windows-Rechnern vorinstalliert ist, bei mir war er das aber gar nicht, also hab ich ihn hier runtergeladen. Wie das Ding funktioniert, hab ich mit ein paar einfachen Tutorials auf YouTube gelernt und dann einfach »Lörning bei Do-ing« gemacht. Es gibt für alles einen Back-Button!

Bild- und Videomaterial

Wenn ihr mal lizenzfreie Bilder googelt oder kostenlose Bilder, dann stellt ihr fest, dass sich schon viele Blogger die Mühe gemacht haben, Listen zusammenzustellen, durch die ihr euch durchklicken könnt, zum Beispiel hier und hier. Ich persönlich treibe mich meistens auf Pixabay rum, man darf nur nicht den Fehler machen, so grobe Suchbegriffe wie »Mann« oder »Frau« einzugeben – das tun nämlich verdammt viele Leute und dann nutzt du auch genau dasselbe Bildmaterial wie verdammt viele Leute. Diese junge Dame mit der Wunderkerze ist zum Beispiel so ein Fall. Jeder Blogger denkt da sofort an die Voreinstellungen eines WordPress-Themes.

Lizenzfreie Bilder für Buchtrailer

Natürlich besteht bei kostenlosen Stockfotos immer die Gefahr, dass man denkt: »Mist, da hat einer dasselbe Foto wie ich!«, aber wenn das mal passiert, ist das nicht so schlimm, wie wenn das Foto quasi schon selbst zu Marke geworden ist. Wenn man aber nicht ganz so offensichtliche Suchbegriffe eingibt, kann man Glück haben und Bilder finden, die man nicht schon tausendmal gesehen hat und die passen wie Arsch auf Eimer. Das Bild, das ich für Anna verwende, hab ich zum Beispiel unter dem Suchbegriff »Haare« gefunden. Ich persönlich finde es grundsätzlich immer cool, Bilder zu wählen, die noch Raum für die Fantasie lassen. Was mir gefällt, muss ja meinen Lesern noch lange nicht gefallen, vielleicht stellen die sich meine Hauptfiguren ja ganz anders vor als ich.

Das Sahnehäubchen – der Soundtrack des Buchtrailers!

Bilder auszusuchen macht schon tierisch viel Spaß, ich kann da stundenlang hängenbleiben und manchmal reift die Idee zum »Drehbuch« auch erst richtig aus, wenn ich Bilder sehe, die in meine Geschichte passen. Aber noch viel geiler finde ich es, mich durch Audiodateien zu klicken! Lizenzfreie Musik ist jetzt leider nicht immer sooo der Knaller, aber wenn man sich Zeit nimmt, findet auch bei den für kommerzielle Zwecke verwendbaren Stücken richtig cooles Zeug, das die Stimmung eines Buchtrailers transportiert. Ich suche immer zuerst hier, aber man kann auch bei YouTube im Video-Manager unter Video-Tools in der Audio-Bibliothek cooles Zeug finden. Musik bringt die Stimmung noch mal ganz anders rüber als pure Bilder, also nimm eine Datei erst, wenn du das sichere Gefühl hast: »Yeaaaaah! Geil!«

Der schwierigste Teil: Den Buchtrailer verbreiten

Ja, äh, jetzt könnte ich eine psychologische Abhandlung darüber schreiben, wie sehr uns das Sprichwort »Eigenlob stinkt!« geschadet hat, aber das wäre jetzt ja gar nicht ziiiielführend, nä? Fakt ist ja, dass Autoren einfach keine Rampensäue sind, sonst hätten sie sich für darstellende Künste entschieden, anstatt im stillen Kämmerlein zu arbeiten. Weil ich so harmoniesüchtig bin und immer will, dass alle sich lieb haben, hätte ich jetzt auch fast gesagt: »Lass dich von deinen Selbstzweifeln nicht ausbremsen!«, aber: Nö. Inzwischen sehe ich das anders.

Mir ging das zum Beispiel so mit der ersten Auflage der Beziehungsstatus-Romane. Ich hatte tierische Hemmungen, Werbung zu machen. Natürlich, weil meine Lehrer früher immer gemein zu mir waren und meine Mutter immer gesagt hat, ich muss mich mehr anstrengen, klar. *jammer* *wunden leck* *alle blöd find*

Tja. Dann wurde mir aber klar, dass meine Zweifel tatsächlich Gründe hatten, die auch in meiner Arbeit lagen. Die Zielrichtung war mir zu schwammig, die Aussage nicht klar genug, die Cover zu popelig, da waren einfach noch so ein paar Punkte, mit denen ich mich nicht ganz wohlgefühlt habe und die ich optimieren musste. Also hab ich so lange Arbeit in das Projekt gesteckt, bis ich das Gefühl hatte, ab jetzt ist es okay. Komplett neue Cover, umfassende Überarbeitung der Inhalte, das für mich ganz wichtige Prequel, neue Klappentexte. Das hab ich so lange gemacht, bis ich das Gefühl hatte: Jetzt ist es okay genug, um auch mal auf die Kacke zu hauen. Allen gefallen kann und will ich eh nicht, aber mir muss es gefallen, dann stehe ich auch voll dahinter. Ich sag jetzt nicht, dass es bei euch noch was zu optimieren gibt, aber für mich persönlich war das so.

Diese Fragen im Kopf! Was sollen meine Facebookfreunde denn von mir denken, wenn sie fünfmal angezeigt bekommen, dass ich was in einer Gruppe gepostet habe! Jetzt mal ohne Witz: Ich hab euch alle lieb, aber wer genervt ist, kann ja das Abo meiner Beiträge abstellen oder mich entfreunden, das ist doch völlig okay! Mir ist ehrlich gesagt inzwischen wichtiger, dass ich meine Leser erreiche, dafür mache ich das schließlich! Das wollte ich nur mal gesagt haben! 😀

Portale richtig bespielen und Buchtrailer hochladen

Also: Die Verbreitung des Buchtrailers solltest du doppelt aufstellen. Zum einen natürlich auf YouTube, denn von da aus kannst du ja ins gesamte Web verlinken, zum Beispiel auf deinen Blog, hehe! Facebook dagegen bespiele ich einzeln. Ich hatte mich total oft gewundert, wieso ich eine winzige Reichweite habe, wenn ich auf YouTube ein Video toll finde und das auf meiner Facebook-Seite teile. Dann wurde mir angezeigt, dass das fünfzehn Leute gesehen haben. Frustrierend.

Dann hab ich gelesen, dass Facebook »eigenen« Content, also direkt beim Herrn Zuckerzwerg hochgeladene Bilder und Videos, bevorzugt behandelt. Und siehe da, mit direkt bei FB hochgeladenen Buchtrailern erziele ich Reichweiten weit über tausend, wenn ich das Video auf meine Seite stelle und von da aus in ein paar Gruppen teile. Schräg, oder? Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Ich weiß nicht, wie andere Portale das handhaben, aber grundsätzlich geht der Trend ja zum »User auf der Seite einsperren und Inhalte für sich behalten«, auf Google+ zum Beispiel ist die Funktion verschwunden, mit der man Inhalte mal eben seinen FB-Freunden zeigen kann. Also verteilt man seinen Content wohl besser direkt auf den Portalen. Tjaja, solche Sachen muss man wissen, wenn man sich im Internet wichtig machen will!

Ich persönlich hab mich jetzt für heute genug wichtig gemacht, ich hoffe, ihr konntet was mit meinen Erfahrungen anfangen und wenn ihr selbst jetzt sabbert und auch einen Buchtrailer basteln wollt, dann lasst mich wissen, was draus geworden ist! Fühlt euch frei, euren inneren Chabrol von der Leine zu lassen oder – wie Anna sagen würde – euren Fellatio Fellini. »Verfilmt« euer Buch, habt Spaß dabei und dann haut den Buchtrailer raus!

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Ihr Lieben! Eine hektische Werbewoche bei Facebook geht dem Ende zu und was hat es gebracht? Verdammt viel Arbeit, tierischen Zeitaufwand und ein bisschen Spaß, aber den hatte ich mit den Leuten, mit denen ich da sowieso abhänge.

Für den Blog hat es nüscht jebracht und mit den Buchverkäufen bin ich deshalb zufrieden, weil ich denselben Anstieg hatte, den ich immer habe, wenn ich etwas Neues veröffentliche (in diesem Fall die Neuauflage mit neuen Covern und Klappentexten), aber ich glaub nicht, dass ich auch nur einen Leser gewonnen habe, weil ich auf FB den Hampelmann gemacht und wie wild gepostet habe! Eher, weil die kostenlose Leseprobe jetzt wieder seit einer Woche in der Top 100 bei zeitgenössischer Literatur für Noppes rumhängt. Oder? Ist hier jemand, der über FB auf meine Bücher aufmerksam geworden ist? 😀

Mein Fazit ist also dasselbe, wie immer, wenn Facebook und ich es miteinander versuchen: Die Zeit hätte ich besser gleich in das nächste Projekt gesteckt. Ob ich wie bekloppt auf FB rumhample oder da monatelang nichts poste, die Verkaufszahlen bleiben konstant. Jeder Blogartikel bringt meinen Büchern mehr Aufmerksamkeit als das und in den Rezensionen steht oft „Ich bin über ihren Blog auf die Autorin aufmerksam geworden“ oder so was, da stand aber noch nie: Über Facebook! 😀

Autorenmarketing auf Facebook? Hihi!

Also, was lernt Sookie daraus? Gott sei Dank, ich kann wieder konzentriert an meinen Manuskripten arbeiten und ernsthaft satirisch die Kettensäge schwingen und muss mich nicht schämen, weil ich mich vor Facebook drücke! 😀 Ach so, und Litbaits funktionieren vielleicht in Amerika, hier nicht! 😀 Mir ist völlig schleierhaft, wie die damit einen 14.000 fachen Anstieg an Traffic generieren konnten, ich hatte einen 14.000 fachen Abstieg! Fucking fuck happens!

So, zum Ausstieg aus der Werbewoche und passend zum oben stehenden Video gibt es jetzt als heutigen Romanauszug noch ein „Flying Kluntje Video“ aus Band 2 der Beziehungsstatus-Reihe „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“, also nichts aus der kostenlosen Leseprobe.

Wir schmeißen uns also zusammen mit John in New York aufs Bett und sehen uns ein Video aus der ostfriesischen Heimat an. Weil es sich aber zweifelsfrei hier um einen Spoiler handelt (coool, ich fühl mich gerade, als wäre ich Game of Thrones!), bastel ich jetzt eben noch dieses Milchglasfenster, das ihr dann mit einem Klick auf „Teilen“ beseitigen könnt, falls ihr neugierig seid und euch überhaupt spoilern lassen wollt. Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, weil ich euch zwinge, euren Freunden zu sagen, dass ihr hier wart! 😀

P.S. Ich stelle gerade fest, das Milchglas-Plugin funktioniert mal wieder nicht und ich muss es rauswerfen, ja, das ist alles live hier, meine Damen und Herren! Haltet euch also einfach beim Lesen die Augen zu, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt und teilt wie gewohnt! Ich liebe euch! 😀

Auszug aus „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“

 

John seufzte tief, dann startete er das Video. Nach einem kurzen Intro mit einem harten Gitarrenriff tauchte Anna im Bild auf und es sah aus, als würde sie in einer Zoohandlung stehen, die sich bei näherem Hinsehen als eine Garage voller Terrarien entpuppte. Neben ihr stand ein ellenlanger pickeliger Jüngling mit knallrotem Kopf. John fragte sich, wo sie den Nerd ausgegraben haben und stöhnte mitfühlend: »Armer Junge!«
Anna beugte sich in die Kamera und flüsterte: »Livecam und ich haben heute die angekündigte Abonnenten Überfall Battle Tour gestartet und sind gerade bei einem unserer Follower der ersten Stunde zu Gast, und zwar in der ostfriesischen Hafenstadt mit einem Buchstaben: M. Das sagen die hier jedenfalls so, im Kreuzworträtsel heißt das aber Emden, nicht, dass es hinterher heißt, ich hätte euch was Falsches gesagt. Jetzt habt ihr wieder was über Land und Leute gelernt! So, neben mir steht jetzt Tjark, der Schrecken der ostfriesischen Schildkrötenzüchter-Szene! Tjark, bevor ich einen Laberflash kriege und du nicht mehr zu Wort kommst, willst du jemanden grüßen?«
Anna hielt dem verschreckten Bengel das Mikro vors Gesicht und half ihm beim Stottern weiter. »Irgendein Mädchen?«
Tjark lief nur noch dunkler rot an. Anna half nach. »Komm schon, der erste Mädchenname, der dir einfällt! Irgendwas müssen die doch morgen in der Schule zu reden haben!«
Wie aus der Pistole geschossen sagte Tjark: »Die Saskia!«
Anna ging in die Knie und seufzte gerührt, dann fragte sie verschwörerisch: »Die Saskia ist süß, oder?«
Tjark nahm etwas in die Hand, das aussah wie ein Miniaturfelsen, und murmelte: »Geht so!«
Anna seufzte verträumt. »Der Livecam-Lothar war auch mal verliebt! Erinnerst du dich, Bärchen, wie du mal verliebt warst?«
Die Kamera schwankte. Lothar kam ins Bild, rollte dramatisch mit den Augen und verschwand wieder. Anna hielt Tjark wieder das Mikro hin. »Ich hab neulich gelesen, dass Bill Gates nur deshalb Bill Gates ist, weil er schon zehntausend Stunden lang Bill Gates war, bevor er Bill Gates wurde. Würdest du sagen, dass du so eine Art Bill Gates der Schildkrötenzüchter bist?«
Tjark sah nur völlig überfordert in die Kamera. Anna gab Lothar einen Wink und die Kamera schwenkte auf die Wände voller Terrarien. Annas Stimme aus dem Off: »Und das hier ist jetzt die Chef-Schnappschildkröte, von der du uns erzählt hast?«
Tjark bestätigte: »Das ist Tyrion.«
Anna fragte begierig: »Tyrion Lannister? Stehst du auf Game of Thrones?«
Tjark kam wieder schwankend ins Bild und nickte. Anna fragte: »Buch oder Serie?«
Tjarks Gesicht leuchtete auf. »Beides!«
Anna ging wieder seufzend in die Knie. »Ich bin auch voll süchtig! Ich zieh mir die Folgen immer sofort im Original rein, damit ich nicht auf die Synchronfassung warten muss. Für welches Haus spielst du?«
John fragte sich, wovon die reden, aber Tjark blühte voll auf. »Targaryen, auf jeden Fall!«
Anna nickte eifrig. »Du stehst auf die Mutter der Drachen, das hab ich schon zu Lothar gesagt, bevor wir dich überhaupt kannten!«
Tjark lachte tatsächlich auf. Anna nickte wieder. »Nee, ernsthaft, bevor wir losgefahren sind, hab ich zu Lothar gesagt: Pass auf, der Vater der Schildkröten steht auf die Mutter der Drachen, jede Wette! Wenn die anfängt, ihre Titel aufzuzählen, weiß ich immer, dass ich jetzt Zeit hab, mir Schokolade zu holen. Aber müsstest du als Nordlicht nicht eigentlich dem Haus Stark verpflichtet sein?«
Tjark lachte. »Du stehst auf Jon Snow!«
Anna beugte sich in die Kamera und raunte: »You know nothing, John O … oh, mein Gott, jetzt hab ich den Namen vergessen. Jon Dings!«
John zog verwirrt die Stirn kraus und versuchte, den Sinn der geheimen Botschaft zu entschlüsseln, er musste das unbedingt googeln. Lothar hüstelte im Hintergrund aufdringlich und fragte »Schildkröten?«
Anna winkte ab. »Jetzt mach mal keinen Stress hier, Bärchen, die Erwachsenen unterhalten sich gerade!« Sie wandte sich wieder an Tjark. »Soll ich dir verraten, auf wen ich voll abgehe? Daario Naharis, also der zweite, den Darsteller haben die ja ausgetauscht! Den ersten fand ich voll ätzend und dann: Kawämm! Kommt da dieser Holländer, ich bin zerbröselt! Ich war schon tausend mal in Holland, aber so einen schönen Mann hab ich da noch nie gesehen! Und weißt du was? Ich kenne zwei Männer, wenn man die mischen und einen draus machen würde, dann wäre das Daario Naharis, irre, oder?«
John hustete verwirrt. Googeln, er musste das googeln! Anna fragte den Bill Gates der Schildkröten: »Du als Züchter, was rätst du mir? Kann man da was machen?«
Ein schwarzer Bildhintergrund, das krachende Geräusch eines Autounfalls und Anna kam mit einer Kuhweide im Hintergrund und wild im Wind wehenden Haaren wieder ins Bild. »Ich weiß, das ist total affig, aber Lothar besteht darauf, dass ich eine Erklärung abgebe. Ich mache keine Genversuche mit Männern! Ich hab auch kein Labor im Keller, wo ich schöne Männer zusammenschraube! Ich weiß, ihr seid jetzt enttäuscht, aber sorry, Mädels, Tante Anna kann keine Hybridmodelle zaubern! Und jetzt zurück zu …«, ein harter Schnitt und Anna stand wieder neben Tjark. »Züchtest du eigentlich nur Schnaps-Schildkröten oder auch Likörschildkröten?«
Tjark sah wieder völlig überfordert in die Kamera. Anna machte einen Satz auf ein anderes Terrarium zu. »Und was ist der Frosch hier für eine Schildkröte?«
Tjark schien glücklich, dass er sich an Fakten klammern konnte. John seufzte mitfühlend. Manche Menschen waren den Verhörtechniken der Elfe eben hilflos ausgeliefert. »Eine Rotbauchunke.«
»Und was macht die?«
Tjark zeigte auf eine Stelle an der Scheibe des Terrariums und erklärte: »Die ist hier rot und zeigt als Drohgebärde ihren Bauch.«
Anna flüsterte in die Kamera: »Ist das nicht eher eine Unterwerfungsgeste, wenn man seinen Bauch zeigt? Also, wenn ich rot werde und meinen Bauch zeige, ist das kein Angriff!«
John lachte verwirrt auf und flüsterte verliebt: »Verdammtes Luder!«
Lothar prustete los. Anna hielt die ausgestreckte Hand vor die Kamera und kippte hilflos lachend nach vorne. »Cut! Schnappatmung!«
Für ein paar Sekunden sah man nur einen schwarzen Bildschirm, hörte Anna und Lothar aber so überdreht lachen, dass man einfach mitlachen musste.
Lothars gnadenlose Stimme: »Yeah, Baby, unterwirf dich!«, und dann Annas atemloses Japsen: »Livecam, jetzt halt doch mal die Klappe!«
John dachte wehmütig an die Nachmittage an der Teetafel und die Abende in der Upkammer, an denen er wie ein schweigsamer Schatten dabeigesessen hatte, wenn seine Mitbewohner so brillant und vollkommen sinnfrei Tränen gelacht hatten über den letzten Unsinn.
Anna tauchte wieder auf, wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht und fragte: »Weiß die Unke denn, ob sie ein Männchen oder Weibchen ist?«
Tjark nickte ernst. »Die Männchen haben dunkle Brunstschwielen am Unterarm.«
Annas Gesicht war unbezahlbar. »Dunkle Brunstschwielen.«
»In der Paarungszeit«, stotterte der verlegene Züchter.
Anna sprach jetzt mit der Kamera. »Liebe Abonnentinnen, ich denke, wir sind uns einig, dass … äh, also, ohne Witz, ich steh unglaublich auf Männer mit Unterarmen, ja? Ich kenne da einen, der hat Unterarme, die …«, mit verdrehten Augen ging sie sinnlich in die Knie und fuhr fort. »Ist ja auch egal! Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, ich zieh die guten Pumps an, geh schön lecker abtanzen und dann tanzt mich da einer an, der hat dunkle Brunstschwielen an den Unterarmen …«, sie wandte sich wieder an Tjark. »Ist das für die Weibchen denn schmeichelhaft, wenn die Männchen Brunstschwielen haben oder sind die dann eher genervt?«
Tjark musste lachen. »Ich weiß nicht, ich hab noch keine gefragt!«
Anna neigte nachdenklich den Kopf. »Also, das Wort Brunstschwielen an sich ist ja jetzt nicht so sexy. Wenn ich mir vorstelle, zu mir sagt einer: ›Yeah, come on, rock me, Baby, ich hab voll die Brunstschwiele!‹, dann wäre ich zugegebenermaßen irritiert. Da fällt mir ein, kennst du ein Land, das sich auf Brunstschwiele reimt? Lothar und ich dichten gerade einen Song und brauchen Reime!«
Tjark fragte hilfsbereit: »Wovon handelt der Song denn?«
Anna erklärte: »Es gibt da einen Liedermacher, der heißt Ingo Insterburg und hat in den Siebzigern einen genialen Song gemacht, der hieß ›Ich liebte ein Mädchen‹, musst du mal googeln. Und so was wollten wir auch machen, nur auf neu. Wir dachten an ›Das Lied der digitalen Nomadin‹. Aber nicht so balladenmäßig, sondern eher so in Richtung Trash Metal, der Livecam will mal richtig die Sau rauslassen! Der muss ja auch die Perücke auftragen, damit sich die Anschaffung gelohnt hat!«
Lothar murrte hinter der Kamera: »Ich? Wieso ich? Ich dachte, du singst!«
Anna prustete plötzlich los, dann sang sie: »Ich liebte einen Mann in Chile, der hatte eine Brunstschwiele! Schreib das auf, Livecam! Oh, ich hab noch einen, warte! Ich liebte einen Ostfriesen, der stammte ab von Riesen! Das wird Keno gefallen! Bärchen, hast du schon Brunstschwielen? Zeig mal deine Arme!«
Zögerlich zeigte Lothar seinen Arm und hielt dabei verkrampft seinen langen Ärmel fest. Ein harter Schnitt, dann kam die endlose ostfriesische Landstraße zwischen Kuhweiden durch die Windschutzscheibe ins Bild, im Hintergrund plätscherten durch das Rauschen im fahrenden Auto Annas und Lothars Stimmen. Anna prustete schon wieder los. »Ich liebte einen Mann in Uruguay, der hatte nie ein Kondom dabei!«
Lothar krähte: »Ich liebte einen Mann in Mosambik, der hatte Eier in Aspik!«
Man hörte ein Klatschen, Lothars empörtes »Aua!«, und dann Annas Tadel. »Das ist voll rassistisch! Da, fahr mal rechts ran!«
Schwarzer Bildschirm, das Flackern einer Leuchtstoffröhre und dann Anna in einem Zeitschriftenladen. Lothar streckte den Arm aus, an den sie mit irgendetwas klebrigem dunkle Beulen geklebt hatten, und verfolgte Anna mit der wackelnden Kamera. Anna streckte sich an einem Regal und fragte hilfsbereit in die Kamera: »Guck mal, Livecam, die Pornos sind ganz oben! Soll ich dir einen runter holen?«
Eine Teetasse von oben, in die im hohen Bogen ein Kluntje geworfen wurde, und dann ein dicker roter Stempel, der aufs Bild klatschte. »Flying Kluntje WG. Autsch now!«
Schwarzer Hintergrund und Annas melancholischer Singsang: »Ich liebte einen Mann aus Irland, der nie den Weg nach Hause fand …«
John keuchte verwirrt und richtete sich hektisch wieder auf. Er bekam das übersprudelnde heisere Elfenlachen einfach nicht aus dem Ohr. Wie konnte sie so unfassbar zauberhaft, witzig und brillant sein? Er scrollte an dem Video herunter und spürte, wie sein Herz kurz aussetzte. Das Video hatte schon über 15.000 Aufrufe und weit über 100 Kommentare. Nach dem dritten »Anna, ich will ein Kind von dir!«-Kommentar, den er las, klappte John den Laptop zu und starrte wie unter Schock an die Decke. Scheiß auf Sonja, die Scheidung musste warten.

Familiendrama in Ostfriesland!

Familiendrama in Ostfriesland!

Herzlichen Glückwunsch, du bist auf einen LitBait gestoßen und hast Literatur gefunden!

Heute gibt es Kapitel 1 aus „Beziehungsstatus 1: Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“ Hol dir eine Tasse Tee und genieß die Pause!

 

Wir beginnen mit einer Beerdigung, bei der Eugen fast seine Mutter mit einer Nussecke erschießt

Obwohl Eugen lange darauf gewartet hatte, Tante Gesa zu beerben, fühlte er sich jetzt, an ihrem Grab, nicht besonders wohl.

Er hatte seinen schwarzen Anzug seit der Hochzeit seiner Cousine nicht mehr getragen, und die war inzwischen schon wieder geschieden. Irgendwie waren die Ärmel viel zu knapp und kniffen ihm unter seinem verschossenen Wintermantel ständig in die Achselhöhlen.

Eugen zupfte sich verstohlen am würgenden Kragen und versuchte, sich auf die getragenen Worte des Pastors zu konzentrieren. Aber sein Blick und seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Er würde sowieso noch einmal herkommen und sich in Ruhe von Gesa verabschieden, wenn der ganze Rummel vorbei war.

Die Gruppe der Trauernden, die sich hier auf dem penibel gepflegten Friedhof der kleinen ostfriesischen Stadt Esens versammelt hatte, war beachtlich. Für einen Moment fragte Eugen sich, wie viele Besucher zu seiner eigenen Beerdigung kommen würden, aber außer Mama fiel ihm nicht wirklich jemand ein. Vielleicht sein Meister und die niedliche kleine Aushilfe vom Kiosk – Papa hätte wahrscheinlich Rückenschmerzen oder das Wetter wäre ihm zu feucht.

Die verhärmten Gesichter von Tante Gesas Freundinnen aus dem Landfrauenverein waren hart und bitter. Man hätte unmöglich sagen können, ob sie um Tante Gesa trauerten, oder viel mehr darum, dass sie selbst noch am Leben waren.

Die dazugehörigen Gatten, allesamt in frisch aufgebügelten Schützenuniformen, schienen sich eher auf die Schnäpse nach der überstandenen Beerdigung zu freuen. Gesas Nachbarn waren auch alle da. Eugen versuchte, diffus und freundlich in die Menge zu lächeln, ohne dabei fröhlich auszusehen, aber schließlich hatte er mit Tante Gesas Anwesen große Pläne und wollte sich mit den Nachbarn gut stellen.

Als Eugens Mutter sein Lächeln bemerkte, stieß sie ihm diskret und brutal zugleich in die Rippen. So war sie immer, diskret und brutal.

Von allen Trauergästen trug Eugens Mutter den elegantesten Mantel und die höchste Nase. Sie und die Landfrauen musterten sich mit abwertenden Blicken. Aber als der junge nervöse Pastor endlich zum Ende kam, war Eugens Mutter es, die als erste an das offene Grab trat und mit einem dumpfen „Ploff“ eine Schaufel voll Erde auf den Sarg warf.
Zwanzig Jahre hatte sie nicht mit ihrer Schwester geredet. Und jetzt war sie tot.

Als alles erledigt war, wandte sich die gesamte Beerdigungsgesellschaft wie eine Schafherde in Richtung Altstadt. Mamas Großstadtschuhe machten auf dem feuchten Pflaster in den engen Gassen unangenehme Geräusche. Als sie stolperte, bot Eugen ihr unbeholfen den Arm, aber sie ignorierte ihn und zischte stattdessen: »Hier irgendwo muss dieser Immobilienmakler sitzen. Den könntest du gleich heute noch beauftragen, die Pension zu verkaufen, dann müssen wir nicht in diesem Kaff übernachten.«

Eugen blickte sich verlegen um. Hatte einer der Trauergäste die Bemerkung gehört? Doch die schwarzgraue Herde aus Trauermänteln und Schützenuniformen bewegte sich bereits zielstrebig zu der Teestube, in der Kuchen und Schnäpse bereit standen.

Eugen sog verstohlen die süße ostfriesische Luft ein. Jetzt, im November, lag Esens wie in einem tiefen Schlaf unter norddeutschem Nebel. Die kleinen Kunstateliers und Souvenirläden schienen dunkel und abweisend, nur die kleine Buchhandlung in ihrem pittoresken Altstadthaus strahlte ein warmes Licht aus. Hier hatte Eugen immer wieder einen Besuch abgestattet, wenn er die Ferien bei Tante Gesa verbrachte, und das war sein ganzes Leben lang so gewesen. Nun war Gesa nicht mehr da.

In der behaglichen Teestube mit der niedrigen Decke und den blanken Holzbalken prasselte ein Kaminfeuer. Die sicherlich extra für diesen Anlass zusammengetrommelten Aushilfen segelten bereits geschäftig mit Rumflockentortenstücken und Teekannen mit kitschigen Ostfriesenrosen von Tisch zu Tisch.

Eugens Mutter steuerte zielstrebig auf den einzigen Tisch für zwei Personen zu, während die Landfrauen schon mit der stillen Präzision von geübten Kulissenschiebern die zwei größten Tische aneinander schoben.

Eugen schüttelte Tante Gesas Nachbarn die Hände und machte artig mit bei dem höflichen Gemurmel über die schöne Grabrede und den heimtückischen Krebs.
»Sie hat ja nicht lange leiden müssen.«
»Am Ende ist es doch sehr schnell gegangen.«

Genau dasselbe hatte Tante Gesa vor zwei Jahren über ihren Cocker Spaniel gesagt.
Als Eugen das pikierte Gesicht seiner Mutter bemerkte, beeilte er sich, zu ihr an den Tisch zu kommen. Ausgerechnet heute wollte er auf jeden Fall eine Szene vermeiden. Er fuhr sich vorsichtig tastend durch das schon schütter werdende rotblonde Haar und fragte höflich: »Hast du dir schon was bestellt, Mama?«

Seine Mutter deutete nur mit verkniffenem Gesicht auf eine Kellnerin, die grade Kurs auf ihren Tisch nahm.

Eugens Mutter grunzte: »Die Nussecke ist für meinen Sohn!«

»Danke, Mama.« Eugen hasste Nussecken. Besonders die mit ganzen Nüssen und schwarzer Bitterschokolade.

»Warum isst du nicht! Du magst doch Nussecken so gern.«

Eugen sah sich betreten um. Alle aßen mit ihren billigen Blechkuchengabeln. Also nahm auch er seine Gabel und stieß sie in die Nussecke. Das Geräusch erinnerte an einen Autounfall.

Zwei für immer aneinander karamellisierte Nüsse schossen vom Teller wie ein Projektil, verfehlten seine Mutter nur um Haaresbreite und schlugen mit einem hohlen Knall gegen die stöhnende Heizung. Eugen spürte, wie sein Kopf rot anlief und nahm die Nussecke vorsichtig zwischen seine verschwitzten Finger.

Seine Mutter nippte an ihrem Kaffee, den sie ganz offensichtlich aus Opposition zur Nation der Teetrinker bestellt hatte. »Papa hat schon einen Interessenten.«

»Wieso ist er eigentlich nicht mitgekommen?«

»Du weißt doch, wie ungern er auf Beerdigungen geht.«

»Gesa war immerhin seine Schwägerin.«

Eugens Mutter lächelte süßsauer wie eine Pekingente. »Und nicht nur das!«
Immer, wenn die alte Geschichte auf den Tisch kam, und das tat sie häufig, schämte Eugen sich. Obwohl er gar nicht wusste wofür. Vielleicht einfach dafür, dass sein eigener Vater Sex gehabt hatte.

Es war schon schlimm genug, dass Papa mit seiner eigenen Frau … aber dann auch noch mit Tante Gesa?

»Äh, wofür hat Papa einen Interessenten?«

»Na, für den Gulfhof natürlich.«

»Aber …« Eugen wusste nicht genau, wie er jetzt vorgehen sollte. Eigentlich wollte er das Thema nicht gerade bei der Beerdigung anschneiden, aber dass seine Eltern schon wieder alles für ihn beschlossen hatten, machte ihn so wütend, dass er sich traute, seiner Mutter die Stirn zu bieten. »Ich werde Tante Gesas Pension nicht verkaufen.«

Die Kuchengabel seiner Mutter blieb in der Luft hängen. »Was? Wieso das denn nicht?«
»Weil ich dort einziehen werde.«

An den umliegenden Tischen wurden jetzt endlich Schnäpse gereicht. Langsam wurde die Trauergesellschaft lustiger.

»Was willst du denn allein in dem alten Kasten? Pensionsgäste findest du für das olle Ding sowieso nicht mehr. Kein Mensch fährt mehr an die Nordsee. Und eine Schwiegertochter ist ja wohl nicht in Sicht, oder? Nein, mein Junge, du bleibst schön bei uns, bei Papa und mir.«

»Mama, ich werde bald dreißig, ich bin nicht mehr dein Junge.«

»Ich weiß schon, wo der Hase lang läuft. Das hat Gesa dir eingeredet. Das ist die späte Rache meiner verstorbenen Schwester, fabelhaft! Jetzt will sie mir auch noch meinen Sohn wegnehmen!«

Eugen holte tief Luft und schloss für einen Moment die Augen. Dann blickte er seine Mutter traurig an. »Mama, Gesa hat dir Papa damals nicht weggenommen. Sie hat nur Trost bei ihm gefunden, nachdem Onkel Onno damals auf See geblieben ist und …«

»Auf See geblieben! Aus dem Staub gemacht hat der sich! Schließlich ist seine Leiche nie gefunden worden! Aber bei seiner Frau war das ja auch kein Wunder.«

Eugen spürte, dass ihm gegen seinen Willen vor Wut die Tränen kamen. »Mama, Gesa ist tot, verstehst du? Kannst du vielleicht an diesem einzigen Tag in deinem Leben mal nicht schlecht von deiner Schwester sprechen?«

Seine Mutter tupfte sich den Mund ab. »Dass du wieder auf ihrer Seite bist, ist ja klar. Du warst ja immer der Sohn, den sie nie gehabt hat! Weißt du, was du bist? Ein Erbschleicher! Jetzt hast du diesen verrottenden alten Hof, der sich Ferienpension nennt, geerbt und glaubst, du kannst mir Vorschriften machen! Aber du wirst schon sehen, was du davon hast! Spätestens, wenn du einen Winter allein in dieser Einöde hinterm Deich verbracht hast, kommst du wieder angekrochen!«

Eugen straffte die Schultern. »Ich werde nicht allein in dem großen Haus wohnen.«

»Sondern?«

Eugen holte Luft. »Ich werde eine Künstlerkolonie eröffnen.«

»Eine was?«

»Eine Künstlerkolonie. Eine Gemeinschaft von kreativen Menschen, die zusammen leben und arbeiten. Ich habe das zusammen mit Gesa genau überlegt. Ich werde die Räume gegen ein geringes Entgelt an freischaffende Künstler vermieten, als Dauergäste. Ich werde in der Hochsaison nicht viel verdienen, dafür bin ich das ganze Jahr über ausgelastet. Und ich werde so etwas wie ein Mäzen sein.«

Als Eugens Mutter laut und höhnisch lachte, blickten Tante Gesas hinterbliebene Freundinnen herüber wie ein siebenköpfiges Landfrauenmonster. Eugens Mutter duckte sich und beugte sich zu ihm über den Tisch. »Das wirst du nicht tun! Papa und ich haben dich etwas Anständiges lernen lassen, du bist Elektriker, keiner von diesen langhaarigen Schwulen, die dem Staat auf der Tasche liegen und sich Künstler nennen! Mit solchen Leuten haben wir nichts zu schaffen. Die gehen nur wild durch alle Betten und verderben mir meinen Jungen!«

Eugen legte den Rest der Nussecke zurück auf den Teller und tupfte sich mit der Papierserviette den Mund ab. Dann sagte er langsam: »Weißt du was, Mama? Ich hasse Nussecken.«

Du willst sofort weiterlesen? Ich liebe dich! Rechts in der Sidebar findest du den Weg zur kostenlosen Monster-Leseprobe. Du willst lieber gleich den ganzen Roman? Alle Infos findest du HIER!

Den ganzen Roman gibt es für wenige Tage für 99 Cent, also ran an den Speck!