Beziehungsstatus: Deleted scenes mit Nilpferden!

Jetzt machen wir mal eben was ganz beklopptes, höhö! Ich hatte ja gerade davon gesprochen, dass ich, äh, etwas umfangreichere deleted scenes in Outtake-Ordner verschiebe. Um es präziser auszudrücken: Ich hab ungefähr dreimal so viel Beziehungsstatus-Stuff auf der Festplatte, wie man im Laden kaufen kann.

Und weil wir neulich eine so anregende Konversation über Nilpferde auf der FB-Seite hatten, hab ich heute nach Nilpferd-Outtakes gesucht. Eigentlich suche ich eine Szene, in der es um Anna und Erotik geht (fraaaagt nicht!), und die finde ich in meinem Dateienchaos natürlich nicht wieder. Dafür bin ich auf andere Nilpferd-Szenen (es geht nichts über eine Suchfunktion!) gestoßen, die ich euch jetzt einfach mal poste. Fragt mich nicht, worum es da geht, ich schreibe zu jedem Band mehrere Versionen, bis ich die Essenz aus allen Versionen veröffentliche, deswegen ist das jetzt ohne Sinn und Verstand. Nein, es ist mir nicht möglich, euch den Kontext der deleted scenes näher zu erläutern! 😀

Wieso speziell diese deleted scenes jetzt rausgeflogen sind, kann ich euch auch nicht sagen. Weil die Handlung sich während der Arbeit verändert hat und weil ich immer so viel streichen muss, wenn John sich selbst überlassen bleibt und mit seinen Gedanken spielt. Dann stockt die Handlung! 😀 Tja. Trotzdem. Wir werfen jetzt einen Blick in Sookies geheimes Archiv! 😀 Und, äh, das ist auch komplett unplugged, also Rohfassung!

Deleted scene 1: John im Bauwagen

John rubbelte sich noch einmal mit dem Handtuch durch die feuchten Haare, dann zog er ein T-Shirt über und stopfte sich eine Gabel kalte Ravioli von der letzten Nacht in den Mund. Schließlich war das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages. Und jetzt war er zum Delegierten bestimmt worden, um Steffi zum Strandausflug mitzunehmen, ausgerechnet er!

John warf seine Schuhe in Richtung Küchentisch, ließ sich auf einen Stuhl fallen und griff sich ein rotes Gumminilpferd aus einer der offen herumliegenden Süßigkeitentüten, die Sven auf dem ganzen Tisch verteilt hatte. Er bewegte das Nilpferd in der Luft und sagte mit piepsiger Stimme: »Wir werden einen Ausflug zum Strand machen und möchten, dass du mitkommst, das wird fein!«

Er sah das Nilpferd abwartend an, dann piepste das Nilpferd: »Ich möchte aber nicht mit dir zum Strand fahren, weil du ein doofes Arschloch bist!«

John nahm ein weiteres Gummitier aus der Tüte. Aha, einer von diesen Teufeln, die immer aussahen, als hätten sie einen Bierbauch. Nicht sehr schmeichelhaft. Der Teufel sagte mit tiefer Stimme: »Tut mir leid, dass ich dich im Auto geküsst habe, ich war nur ein Opfer meiner Autoerotik!«

Das Nilpferd wackelte hin und her und piepste: »Ich werde Anna alles petzen, außerdem ist Sven sowieso viel süßer als du!«

John griff zwei weitere Tiere aus der Tüte, aber das eine Tier war ein Schnuller, das andere ein … was war das, ein Haifisch oder ein Delfin? Es hatte die Kiemen eines Hais und die Fluke eines Delfins. Und eine undefinierbare Farbe, ein Zustand, den der Maler nicht tolerieren konnte. Wenn Anna jetzt den Fisch spielte und an dem Schnuller lutschte … nein. Das konnte er dem Schnuller nicht antun. Nur für den Fall, dass es wirklich ein Hai war.

John stopfte sich in einem akuten Anfall von emotionaler Verwirrung alle vier Gummitiere auf einmal in den Mund und ließ die Stirn auf die Tischplatte fallen. Er schloss mit einem resignierten Stöhnen die Augen und presste sich die Hand auf die Hose. Jetzt ging das wieder los! Er dachte, er hätte es hinter sich, aber er war schon wieder geil wie ein Stier! John kaute hektisch auf den Gummitieren und philosphierte darüber, wie der Gummimatsch in seinem Mund sich von Individuen zu einer einzigen bunten, klebrigen Masse umformte. War das etwa Polyamorie? Wenn ein Männlein und ein Weiblein zu noch einem Männlein und einem Weiblein wurden, und zu noch einem …

John hob wieder den Kopf und kaute, kaute, kaute. Die Gummimatsche wurde einfach nicht weniger, er hatte sich übernommen. Ja. Er hatte eine Zweierbeziehung mit Anna gewollt, diesmal hatte er es wirklich ernst gemeint. Dann war Sonja aufgetaucht, dann Sven. Er legte den Kopf schief und hielt kurz mit dem Kauen inne. Er musste ja dankbar sein, dass das »das Krümelchen« mit Sven Schluss gemacht hatte, sonst wäre er jetzt auch noch über Eck mit einem ihm unbekannten Krümelchen verbandelt. Er überlegte, wie dieses Krümelchen wohl aussah. Es klang auf jeden Fall nicht groß. Wahrscheinlich waren Floh-Frauen wie Anna einfach Svens Beuteschema. Klein, leicht, große Sprungkraft und einfach nicht zu knacken. John lachte leise. Einen Katzenfloh zu fangen war definitiv leichter, als eine Elfe.

Und jetzt auch noch diese Sache. John kniff sich stöhnend in die Nasenwurzel und würgte einen Teil des Gummiklumpens herunter. Wieso hatte er Steffi geküsst? Steffi war doch so … na eben Steffi! Er hatte das gar nicht ernst genommen, solche Techtelmechtel passierten eben, kein Grund, Gefühle zu investieren.

John zog die Stirn kraus und dann das Handy aus der Tasche. Techtelmechtel. Manchmal hatte die deutsche Sprache tatsächlich Worte mit großem Unterhaltungswert zu bieten, aber woher kam dieses bescheuerte Wort bloß? Er musste bei dem Wort immer an den Frauennamen »Mechthild« denken, den er genau so absurd fand. Wenn jetzt eine Mechthild einen Herrn Techtel heiraten würde, wäre ihr Name Mechthild Techtel, oder auf Bayerisch die Techtel Mechthild. John nickte versonnen und versuchte, das Wort auf Amerikanisch auszusprechen. Tektelmektel, mit der klassischen heißen Kartoffel im Mund, ganz tief im Rachen, aber dabei rutschte ihm der letzte Gummiklumpen durch den Hals und er schluckte laut wie ein Frosch, der einen mutierten Riesenbrummer verschluckt. Also versuchte er es auf Irisch. Mit der Zungenspitze vorne an den Zähnen. Dieses Tektelmektel klang irgendwie heller, freundlicher. Das Internet klärte ihn darüber auf, dass die Wortherkunft unbekannt war. John seufzte frustriert. Er sollte das Wort weiterreichen an Anna und Lothar, die beiden würden damit spielen wie Seehunde mit einem Ball und es wahrscheinlich auf den Nasen balancieren und sich gegenseitig zuwerfen und dabei in die Flossen klatschen.

Um wenigstens ein kleines Erfolgserlebnis zu haben, suchte John den Namen Mechthild. Bestimmt hieß das so etwas wie Schildmaid. Irgendwas, was zu Sven passen würde, so eine prachtvolle Walküre mit langen, wehenden Zöpfen, die so dick waren wie Svens Arme. John schloss die Augen und ließ das Handy sinken. Der Nordmann hatte Anna gehalten, als wäre sie nicht schwerer als eine Wolke aus bunter Zuckerwatte, irgendetwas jedenfalls, wovon Elfen naschen konnten und … Einhörner. Wieso zur Hölle hatten sie ihn Einhorn genannt?

Ende! Weiter geht es mit:

Deleted scene II

Steffis Terrassentür ging auf und sie trat mit einer Teetasse in der Hand nach draußen, dann sah sie die Männer, sagte leise: »Oh!«, und wollte wieder verschwinden. Sven machte einen großen Satz auf sie zu und strahlte sie an. »Haselmaus! John wollte gerade zu dir!«

John rollte gereizt mit den Augen, dann trat er näher und knurrte: »Flauschmaus, das ist die Flauschmaus!«

Sven zuckte die Schultern und grinste ihn an. »Haselflausch, sag ich doch!« Er nickte wieder Steffi zu und verkündete stolz: »John wollte dir gerade etwas sagen!«

Steffi klammerte sich an ihrer Teetasse fest und sah John verletzt an. John räusperte sich und wischte sich nervös übers Gesicht. Steffi sagte pikiert: »Ich höre?«

Sven lächelte John aufmunternd zu wie eine Mutter, die beim Nikolausgedicht nachhelfen will. John zog die Stirn kraus. »All überall auf den Tannenspitzen?«

Sven stutzte kurz, dann half er aus: »Sah ich bunte Einhörner sitzen?«

Steffi wandte sich ab. »Wenn ihr mich verarschen wollt, das kann ich auch alleine!«

John sprang ihr hinterher. »Halt! Warte! Scheiße! Ich bin eben nicht so der verbale Typ!«

Steffi blieb stehen, wandte ihm aber immer noch den Rücken zu und legte abwartend den Kopf in den Nacken. John rieb sich nervös den Nacken. »Ich, also … ich hab mit dem Nilpferd gesprochen und ich sehe ein, dass ich ein doofer Arsch war.«

Steffi wurde schwach und drehte sich um. »Mit dem Nilpferd

John nickte eifrig. »Mit dem Roten!«

Steffi sah ihn ausdruckslos an. »Du hast mit dem roten Nilpferd über mich gesprochen.«

John nickte wieder. »Naja, eigentlich hat das rote Nilpferd mit mir über mich gesprochen und es war der Meinung … ach, Scheiße, komm her!«

John breitete hilflos die Arme aus und sah Steffi zerknirscht an. Steffi murrte: »Aber diesmal ohne Küssen!«

John nickte wild. »Versprochen!«

Steffi knurrte: »Was man von deinen Versprechen halten kann, weiß man ja!«, aber dann umarmte sie John und drückte ihn mit der Teetasse in der Hand an sich. John zischte verwirrt und Steffi zuckte erschrocken. »Hab ich dich verbrannt?«

John schüttelte den Kopf, murmelte tapfer »Ist okay!« und drückte Steffi. »Sind wir noch Feinde für immer?«

Steffi seufzte tief, dann brummte sie: »Einem Spinner wie dir kann man doch sowieso nicht lange böse sein!«

Sven gluckste leise. »Du darfst die Braut jetzt küssen!«

Steffi und John sprangen auseinander und der nächste Schwall heißen Tees landete auf Johns T-Shirt. Sven schüttelte fasziniert den Kopf. »Maler, wir machst du das bloß, dass du ums Reden immer drum herum kommst?«

Steffi schubste John und brummte: »Das ist bei jungen Hunden eben so. Wenn die eine Pfütze auf den Teppich machen, hat man ja auch Verständnis!«

John rieb konzentriert an den Teefleck auf seinem Shirt und maulte leise: »Wer macht denn hier Pfützen!«, aber er war doch extrem erleichtert, dass Steffi ihm verziehen hatte. Eine Mann-Frau-Sache war damit schon mal abgehakt.

Sven fragte interessiert: »Der Maler macht Pfützen auf dem Teppich`? Echt?«

Steffi lachte erleichtert auf. »Ich hab keine Ahnung, wie Anna das mit euch beiden aushält!«

So. Cut! Die Szene mit Anna und der Erotik hab ich jetzt immer noch nicht gefunden, aber da könnt ihr mal sehen, wie viel Stuff beim Kürzen so draufgeht. Glaubt mir, in einem Autorengehirn möchte niemand wohnen, überall liegen Buchstaben rum, die so zusammengesetzt werden müssen, dass sie einen Sinn ergeben! Falls ihr mehr deleted scenes lesen wollt, müsst ihr Bescheid sagen, ich hab noch welche! 😀