Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Blogparade: Selbstbestimmte Romanheldinnen gesucht!

Ihr Lieben! Was jetzt hier passiert, ist völlig spontan und nicht geplant, aber ich starte eine Blogparade, ohne einen Plan zu haben, wie das geht. Mir ist nämlich folgendes passiert!

Ihr kennt das vielleicht selber. Es gibt so Themen, die regen einen ständig und immer wieder auf. Weil man ja aber auch noch was anderes zu tun hat, als ständig gegen Windmühlen zu kämpfen, drängt man es immer mal wieder nach hinten und kümmert sich um andere Sachen. Man will ja seine Leser auch nicht mit seinem ewigen Kreuzzug langweilen. Und dann sagt irgendwo jemand ganz leise „Piep!“ und man kocht sofort wieder hoch und entwickelt neue Energie. Weil man eben doch nicht allein ist.

So ging es mir mal wieder gestern Abend, als Bloggerkollegin und Jungautorin Jean Parker auf ihrer FB-Seite eine Diskussion angestoßen hat zu der Frage, wieso der Buchmarkt eigentlich so voll ist mit Romanen, die angeblich „das wahre BDSM“ vermitteln. Obwohl doch inzwischen wirklich auch die letzte Hirschkuh begriffen haben müsste, dass Buchtitel wie (ich denk mir jetzt welche aus und hoffe, dass ich keine Zufallstreffer lande) „Im Heizungskeller vom Milliardär angekettet und ausgepeitscht“, „Vom Biker zuschanden geritten“ oder „Unter schwarzer Flagge abgerichtet zur Sexsklavin“ mit BDSM so viel zu tun haben wie der Papst mit der Ehe für alle. (Skandal, im Vatikan leben immer noch Männer unverheiratet zusammen! Egal.)

Ihr wisst sicher genau, welche Liga von Büchern ich meine.

Blogparade Frauenliteratur

Die Story in diesen Büchern ist ja immer ähnlich. Steinreicher Psychopath mit grotesken Muskeln entführt unschuldige junge Frau, um sie gefangen zu halten, zu brechen und nach Lust und Laune zu vergewaltigen. Das Opfer entdeckt seine selbstlose Liebe zu ihm. Weil, er sieht ja so schnuckelig aus, dieser mörderische Grenzfall des Patriarchats, und er schwelgt ja im Luxus und, ach, seine Seele ist ja soo verletzt, das verwundete Raubtier, hach! Und er hat sie erwählt, er braucht ihre Liebe so sehr, dass er bereit ist, jede erdenkliche Straftat an ihr zu verüben, das MUSS doch Liebe sein, oder?

Wer von euch jetzt denkt, so schlimm ist 50 Shades doch gar nicht, dem gebe ich Recht. 50 Shades ist so unglaublich 2011, inzwischen sind wir da viel weiter! Mister Grey war nur der Türöffner für einen völlig neuen Trend am Buchmarkt, der inzwischen Blüten treibt – wenn mir das vor zwanzig Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte mir an die Stirn getippt und hysterisch gelacht. Ja, klar. Frauen verschlingen Bücher über Frauen, die als allzeit verfügbare Ware ihre Erfüllung darin finden, mit psychischer und physischer Gewalt und Gehirnwäsche zum Sex gezwungen zu werden.

Wieso zur Hölle stehen Frauen auf sowas?

Man könnte jetzt denken, dass dieser Trend am Buchmakrt bedient wird von Sexualstraftätern, die hinter Gittern sitzen und denen ihr Therapeut geraten hat, für ihre Fantasien ein Ventil zu suchen, das niemanden verletzt. Aber, nein. Solche Bücher werden von Frauen für Frauen geschrieben. Und es ist mir vollkommen unverständlich.

Gestern las ich, dass diese Bücher so gut gehen, läge daran, dass es evolutionsbiologisch-kulturell eine erfolgreiche Strategie von Frauen ist, vergewaltigt zu werden und dann wieder starke Vergewaltiger zu gebären. Weil wir eben eine Spezies von nackten Primaten sind, bei der die Männchen viel größer und stärker sind. Aha. Diese Begründung stammte von einem Mann, der Wahrheitsgehalt ist also nicht verifiziert und natürlich kann jemand, der so argumentiert, sich immer auf andere Männer berufen, die das „wissenschaftlich“ festgestellt haben. Es gibt eben immer einen noch größeren Fisch. Ich nehme an, solche Theorien kommen dadurch zustande, dass der Mensch von allen Primaten den kleinsten Penis hat. Irgendwas müssen die da mit ihren Omnipotenzfantasien kompensieren.

Manchmal ist eine Zigarre gar keine Zigarre

Da lobe ich mir fast den guten alten Sigmund Freud, der vor über hundert Jahren auf die Idee kam, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um ihn genießen zu können. Das, äh … ja. Klingt jetzt so, wie es sich anhört. Was Freud damit sagen wollte, war aber – wenn auch vielleicht nicht ganz richtig – trotzdem noch irgendwie logisch nachvollziehbar und wenn man es ganz gnädig auslegen will, war er ein Fürsprecher der Frauen. Oder hat sich selbst zumindest so gesehen. Der Gedanke dahinter war nämlich, dass Frauen zu Ende des lustfeindlichen neunzehnten Jahrhunderts natürlich wie jeder Mensch einen Sexualtrieb hatten, diesen aber in den engen moralischen Schranken der Gesellschaft nicht ausleben konnten, ohne Schuldgefühle zu entwickeln, weil Sex schmutzig ist.

So. Freuds Ausweg aus dem Dilemma sah jetzt so aus, dass Frauen zum Sex gezwungen werden müssten, um nicht in Hysterie zu verfallen. Denn kein Sex = Hysterie. Man, also Mann, musste also dafür Sorgen, dass Frau Sex bekam. Denn sonst sitzen sie mit glasigem Blick summend in der Ecke und schlagen schaukelnd den Kopf an die Wand. Und dann macht keiner die Wäsche. Töchter sind auch ganz schwer vermittelbar, wenn sie einmal anfangen, solche „Eigenarten“ zu entwickeln, also verheiratet man sie besser früh.

Der Vater der PsychoANALyse, hehe, sah aber die EHE als Mittel der Wahl. Keine Flogger, Handschellen oder sonstewatt. In einer Zeit, in der Ausdrücke wie „Vergewaltigung in der Ehe“ allerdings nur milde Lacher bei den Herren hervorgerufen hätten, konnte das natürlich jeder Gatte ganz in seinem Sinne auslegen. Eine Ehefrau KANN man gar nicht vergewaltigen. Schließlich gab es eheliche Pflichten, die eine ehrbare Frau zu erfüllen hatte. Und sich gezwungen zu fühlen, erlaubte den ehrbaren Gattinnen, den Schuldkomplex auszulagern. Denn wenn die, iiiih, schmutzigen Sex hatten (wie schmutzig kann ehelicher Bürgersex um 1900 schon gewesen sein, höhö!), konnten sie dem triebhaften Gatten die Schuld geben und das befreite ungemein.

Freud hat dazu (ich glaube, es war im Buch über die Fehlleistungen, sehr erheiternd übrigens!) sogar ein Anekdötchen auf der Pfanne. Ein junges Ehepaar hatte sich gerade ge(ehe)paart, woraufhin der junge Gatte den Puderquast seiner Frau benutzte (wozu stand da nicht). Tadelnd rief die junge Braut aus: „Du hast mich schon wieder mit deinem Quast gepudert!“

Ja, äh, also, was ich sagen wollte, hab ich jetzt vergessen. Jedenfalls bezeichnete Freud Frauen, die in der Lage sind, ihre erogenen Zonen wahrzunehmen, als kulturell unverbildete Durchschnittsweiber. Nachdem ich das gelesen hatte, bin ich nicht mehr zur Uni gegangen und wandte mich der Polyamorie zu, muahahahaaa! Nee, äh, was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt sicher Gründe für Vergewaltigungsfantasien und in seinem Kopf sollte jeder tun dürfen, was er möchte, da sind wir uns einig. Aber!

Das Sein bestimmt das Bewusstsein!

Ja, ich bin so frei, ich haue euch Karl Marx um die Ohren. Warum? Weil er Recht hatte! Der Satz stimmt einfach. Es gibt viele Spielarten der menschlichen Lust und solange es einvernehmlich passiert, ist das auch gut so, soll ja schließlich jeder glücklich werden. Diese Einvernehmlichkeit muss aber da sein, bevor man anfängt. Solange gefangen gehalten und vergewaltigt zu werden, bis man ein Stockholm-Syndrom entwickelt und meint, den Vergewaltiger zu lieben, ist keine Einvernehmlichkeit. Durch die Überschwemmung des Buchmarkts mit angeblicher BDSM-Literatur ist die Idee, dass Frauen diese Wesen sind, die dann Liebe entwickeln, wenn man sie nötigt und bricht, aber zum Mainstream geworden. Und dieses allgegenwärtige Bild macht etwas mit unserem Bewusstsein.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Frauenliteratur von Autorinnen wie Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer oder Alice Walker, Betty Friedan, Marilyn French und vielen anderen Schwestern geschrieben wurde, die uns befreien wollten. Diese Autorinnengeneration fußte auf tapferen Vorkämpferinnen bis zu Pazifistinnen und Sozialistinnen, die vor über hundert Jahren die freie Liebe gefordert haben, damit Frauen ein Recht auf Beziehungen bekommen, ohne ihr Recht auf Eigentum, Unversehrtheit und eine eigene Meinung am Traualtar abzugeben.

Die Ahninnen haben für ein Recht auf freie weibliche Sexualität gekämpft, auf Lust ohne Schuldgefühle, die in den bösen Vergewaltiger ausgelagert werden müssen. Denn dieser Gedanke kommt aus der patriarchalen Ecke und heißt auf Stammtisch nichts anderes als: „Wenn die Nein sagen, meinen die Ja. Die wollen das doch nicht anders!“ Was mich nur so ratlos macht, ist die Tatsache, dass anscheinend manche Autorinnen und Leserinnen heute der gleichen Meinung sind.

Und früher war das, ohne Witz, besser. Wir Frauen haben in Büchern ganz andere Rollenmodelle gefunden, es gab Zeiten, da hatten wir ganz andere Idole. Wackere Suffragetten wurden inhaftiert und zwangsernährt, weil sie versuchten, mit friedlichem Widerstand und Hungerstreiks das Wahlrecht für Frauen zu erkämpfen, Autorinnen wie Virginia Woolf haben versucht, zu zeigen, wie wichtig Unversehrtheit und Selbstbestimmung sind. Und als ich anfing zu lesen, lagen solche Bücher in allen Buchläden noch völlig selbstverständlich aus. Standardsortiment. Man kann sagen, dass ich zu den letzten Dinosaurierinnen gehöre, die noch durch hundert Jahre feministische Kulturgeschichte geprägt wurden.

Meine Töchter wachsen heute in einer Zeit auf, in der die Literatur für Frauen ein vollkommen anderes Weiblichkeitsideal propagiert. Übrigens auch ein vollkommen anderes Männerideal. Die Frau ist jungfräulich, blöd und hilflos, in harmloser Unterhaltung legt sie sich dann eben mit Stöckelschuhen auf die Fresse und Mr. Right bietet ihr den Arm. Oder sie kotzt wie Miss Steel, weil sie zu blöd ist zum Saufen, aber das verbietet Christian ihr dann ja zum Glück. Die moderne Frau hält eben Entmündigung und Vergewaltigung für die selbstlose Liebe eines Mannes. Wenn mir in Miss Steels Alter so ein angstbesetzter kleiner Zwangsneurotiker begegnet wäre, der seine Oberhemden und Peitschen nach Farbe und Größe ordnet, hätte ich einen Wodka gekippt, mir eine Fluppe angemacht und gesagt: „Bis du mir den Arsch versohlen darfst, musst du aber noch verdammt lange auf die Weide!“

Zurück zu den trendigen Archetypen. Der Mann ist muskelbepackt, schwimmt im Geld, führt sich auf wie eine tickende Zeitbombe, eine unberechenbare Kriegsmaschine mit posttraumatischer Belastungsstörung. Er äußert seine „Liebe“ durch double-bind Kommunikation und treibt damit sein Opfer in eine schizophrene Abhängigkeit. Ich streichle dich, während ich dich vergewaltige. Kann sie seine Ambivalenz nicht als eindeutig identifizieren, beschließt sie eben, dass ihre künstlich durch „Liebesgewalt“ gezüchtete Abhängigkeit wohl Liebe sein muss.

Zeigt euch, tretet ans Licht, meine Damen!

Jetzt mal ehrlich, Leute, haben wir eigentlich alle einen an der Waffel? Jetzt werden bestimmt wieder viele Leute feststellen, dass ich es bin, die einen an der Waffel hat. Die Sookie regt sich immer über einen Scheiß auf, unglaublich. Solche Bücher sind doch total romantisch und das sexy Männermodel auf dem Cover ist doch njomnjom! Außerdem bin ich nur neidisch. Die schreiben Bestseller, ich dümpel irgendwo in der Midlist vor mich hin. Und wenn du weder in der Top 10 bist, noch 5000 Facebook-Fans hast, führen deine Bücher eben ein subersives Schattendasein. Das eine bedingt das andere.

Ich bin ja öfter auf Facebook unterwegs und ich bin öfter bei Amazon unterwegs. Und nicht nur als Autorin, sondern vor allem als Leserin frage ich mich, wie zur Hölle man noch Bücher findet, die nicht von strunzdummen Opfertussis und peitschenden Milliardären/Rockern/Popstars/Vampiren, auf jeden Falll immer geilen, grausamen Sexgöttern handeln. Manchmal sehe ich auf samtlichen Portalen zehnmal am Tag dasselbe Buchcover, immer von Büchern, die ich nie lesen würde. Einfach mal „stöbern“ ist auf Amazon gar nicht drin, weil man sich immer erst durch hundert Seiten „Top-Titel“ klicken muss, bis man mal was findet, was eine interessante Story und vielschichtige Charaktere hat.

Aber was ist eigentlich aus dem schönen, selbstbewussten Gedanken geworden, dass wir AutorInnen die Avantgarde sind, dass wir eine gewisse gesellschaftliche Verantwortung haben? Nicht, weil wir uns für was besseres halten, sondern einfach, weil wir können. Weil wir eben das Talent, den Drang und auch den Fleiß mitbekommen haben, Figuren zu entwerfen, Geschichten zu erfinden, manchmal sogar Welten zu erschaffen. Und damit das Bewusstsein der Leser zu erweitern.

Und ich bekomme immer wieder mit, dass Frauen gern schreiben würden, über ganz andere Figuren als das gängige Mäuschen in Ketten, aber sie tun es nicht, weil sie denken, dass niemand sich für ihre Idee interessieren wird. Weil sowieso alle nur den hundertsten Aufguss von Fifty Shades lesen wollen. Immer wieder überlegen Autorinnen, die Brocken einfach hinzuwerfen. Gar nicht mal wegen der Verkaufszahlen, sondern weil die Anerkennung fehlt. Es kann verdammt frustrierend sein, jahrelang an einem Fantasyroman über eine gewitzte Kriegerin zu feilen und dann auf Facebook zu sehen, wie „die Schwarmintelligenz“ (mein Lieblingsoxymoron) sich sabbernd auf das neuste Peitschen-Epos stürzt, das in vier Wochen lieblos zusammengewichst wurde. Wahrscheinlich sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Weg mit dem Frust, her mit der Blogtour!

Ich weiß, dass ihr irgendwo seid! Und ich weiß, dass wir endlich mal irgendwie was tun müssen, um dem Buchmarkt zu sagen: „Hey, wir finden das nicht gut, was da passiert, wir lesen/schreiben richtige Bücher!“ Und wenn es nur ein Tropfen Wasser in der Wüste ist, wir machen das jetzt einfach!

Deshalb jetzt hier mein Aufruf an euch!

Blogparade für Frauenliteratur, die den Namen auch verdient!

Schreibst du Bücher, liest du Bücher oder arbeitest du an einem Manuskript, das diesem Trend etwas entgegensetz? Geht es in deinem Buch/Lieblingsbuch um etwas ganz anderes? Hast du eine Story, die es verdient, gelesen zu werden, weil es nicht explizit um sexuelle Gewalt, Kohle und Opfer mit Stockholm-Syndrom geht?

Was ich meine? Alles, nur eben das nicht! Hast du einen ganz normalen Liebesroman geschrieben, der einfach nur schön ist? Jagt deine Romanheldin lieber Mörder als Mr. Right? Baut sie eine Pinguinkolonie im Weltall auf, geht sie nach Afrika, um Brunnen zu bauen, spielt sie lieber in einer Band, als einen sexy Rockstar anzuhimmeln? Oder hast du vielleicht einen BDSM-Roman geschrieben, der von Respekt und Vertrauen erzählt? Ick liebe dir! Denn du bist eine ganz, ganz wichtige Gegenstimme auf dem Buchmarkt! Nichts gegen Bondage, aber wir brauchen Heldinnen, die nicht gefesselt und geknebelt sind!

Mit einer Blogparade Vielfalt am Buchmarkt feiern und schätzen

Darum geht es. Nicht um den Bachmann-Preis, es geht um ganz normale Bücher! Deshalb machen wir das jetzt auch alles ganz zwanglos. Es gibt hier kein von – bis, du kannst deinen Artikel dann schreiben, wenn es dir passt. Du musst auch keinen eigenen Blog haben, wenn du willst, kannst du deine Buchvorstellung einfach hier als Kommentar posten. Nur bitte keinen Link zu Amazon, sondern lieber Autor, Titel, ISBN, dann kann nämlich jeder selbst entscheiden, wo er einkauft. Wenn du einen Blog hast, wäre es allerdings schön, wenn du, wie bei Blogparaden üblich, in deinem Artikel auf diesen verlinken würdest. Und jetzt kommt der kniffelige Teil! 😀

Liebe Autorinnen!

Ja, ihr seid gemeint, die ihr da immer so schüchtern in der Ecke hockt und zu selbstkritisch seid, um Marketing zu machen! Tut mir einen Gefallen und vergesst mal eure Schüchternheit, die bringt uns nämlich nicht weiter! Ich rufe euch ganz klar zur Eigenwerbung auf! Ich mag solche coooolen Wörter nicht besonders, aber nagt kurz am Stift und dann haut euren Elevator Pitch raus!

Wenn eure Wunschleserin zu euch in den Fahrstuhl steigen würde, was würdet ihr schnell sagen, damit sie euer Buch liest? Bei mir wäre das: „Weil meine Bücher intelligenten Witz haben und weil sie von mutigen Leuten handeln, die sich von Konventionen nicht einschüchtern lassen. Weil meine Frauenfiguren trotz all ihrer Schwächen und Macken versuchen, selbstbestimmt zu leben und weil Freundschaft ihnen genau so viel wert ist wie die Liebe eines Mannes! Und weil meine Männer auch mal verunsichert auf dem Schlauch stehen dürfen!“

Wenn mein Marketing-Opfer dann aus dem Fahrstuhl steigt, Amazon aufruft und sich „In die Sklaverei verkauft und zugeritten“ runterlädt, ist das nicht mehr mein Problem! 😀

Liebe Buchbloggerinnen, Leserinnen und sonstewatt!

AUCH Männer!

Ja, hier sollen Autorinnen eine Chance kriegen, schamlos Eigenwerbung zu machen, die hoffentlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Posten in Buchgruppen, in die außer den werbenden Autoren nie jemand reingeht. Aber eure Meinung ist genau so wichtig! Lasst uns wissen, was für Perlen des Buchmarkts euch begeistert haben! Welcher Roman hat euch begeistert, weil er ein anderes Rollenmodell anbietet? Oder schreibt ihr gerade an eurem Erstling und habt das Gefühl, dass es sinnlos ist, weiterzuarbeiten, weil ja doch nur alle Hochglanz-SM lesen wollen? Es ist nicht sinnlos! Hau raus das Teil!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Aktion nicht im Sommerloch verschwindet!

Ich freu mich auf euch!

P.S. Achtung, eine Durchsage aufgrund einer Anregung! Wir machen natürlich keine Beschränkung beim Genre, solltet ihr also Gay Romance schreiben und der Meinung sein, dass ihr da eine coole Figur habt, zählt das natürlich auch! Der Begriff „Heldin“ kann ja ausgefüllt werden, wie er will! Rollenklischees sind so unglaublich 2011! 😀

Äh, aus aktuellem Anlass ein P.P.S., das wird ja langsam richtig witzig hier! Aber Romane über „unschuldige junge Frauen“, die (warum auch immer) den Deal eingehen, das Privateigentum eines dominanten Milliardärs zu werden, aber eine andere Haarfarbe oder einen anderen Job haben als Miss Steel, zählen nicht. Wer sich noch mal vergewissern möchte, wie ich die Sache mit Miss Steel sehe, findet hier und hier mehr dazu.

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Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Autorenporträt Sookie Hell: Grips-Lit – ein Genre kommt zur Welt

Pamp-Gans

Ihr Lieben! Nachdem wir letzte Woche eine überwältigende Diskussion darüber hatten, was wir Autoren für Buchblogger tun können, um mit unseren alternativen Perlen der Nischenliteratur auch gefunden zu werden, und so viele Buchblogger uns mit ihren Ideen so hilfreich zur Seite standen, ist es jetzt so weit. Ich habe die neue Seite für Nischenautoren, die sich hier vorstellen wollen, fertig. Eine Seite für Buchblogger habe ich auch gleich eingerichtet, es gibt ja tatsächlich Leute, die den Artikel über die Blogger-Misere noch nicht gelesen haben und nicht wissen können, worum es hier geht. So, jetzt hab ich für die praktische usability so viele Links eingefügt, dass ich schon ganz aus der Puste bin. Fakt ist: Einer muss ja anfangen, und da es vier Uhr morgens ist und alle anderen schlafen, muss ich wohl ran!

Ich stelle mich jetzt auch einfach mal als erstes vor, um auch den schüchternsten AutorenkollegInnen die Angst davor zu nehmen, dass sie sich schlimmer zum Affen machen könnten als ich. Aber glaubt mir: Das wird schwierig! Denn ich hab mich für mein eigenes „Demonstrations-Autorenporträt“ dazu entschlossen, euch in einem joycehaften stream of consciousness um die Ohren zu hauen, warum ich eine olle Pamp-Gans bin, eine Meckertrine, die schreibt, damit ihr nicht der Kopf platzt! Mein Aufsatz heißt:

Der Buchmarkt und meine mentale lila Latzhose!

Ha, ja, da geht das Problem schon los! Die jüngeren unter euch fragen sich jetzt: „What the fuck ist eine lila Latzhose?“ Deswegen fange ich jetzt mit der Aufklärungsarbeit sofort an! Die lila Latzhose war mal ein Symbol der Frauenbewegung. Und, nein, ich rede jetzt nicht von den „Feminazis“, die heute militant das Internet aufmischen und dafür kämpfen, dass man in der aktuellen Genderdiskussion so was wie „der Elefant“ nicht mehr sagen darf, weil dadurch alle Elefantinnen diskriminiert werden. (Oder heißt das Elefantetten? Elefanteusen?) Man fragt sich da jedenfalls, wann „die“ Kater sich online zusammenrotten, weil sie sich davon kastriert fühlen, dass es „die Katze“ heißt. Ist aber auch egal jetzt.

Also, die lila Latzhose steht für mich für die Frauen, die wirklich noch sinnvolle Kämpfe ausgefochten haben, wie zum Beispiel das Recht auf „Verhängnis Empfütung“ (der Versprecher einer Schulfreundin von mir, den ich nie vergessen habe), Abtreibung, Gleichberechtigung im Beruf und die Abschaffung von Gesetzen wie dem, dass der Gatte den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen darf, wenn er der Meinung ist, dass sie den Haushalt vernachlässigt (ich glaube, dieses Gesetz war bis 1976 in Kraft, stellt euch das mal vor). Das einzige Argument, das mich jemals zum Heiraten bringen könnte, wäre, dass der Gatte sich dann ja um den dämlichen Haushalt kümmern könnte, also werde ich ledig in die Grube fahren, yoho!

Jedenfalls trage ich mental eben immer noch eine lila Latzhose. Ich hab mich nie als Feministin betrachtet, aber immer als Mensch. Und bei Menschen sollte es für mein Empfinden eben keine Unterschiede geben wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sonstwas. Ich war auch nie irgendwie „organisiert“. Ich halte grundsätzlich nichts von Organisationen und ich zog es immer vor, sowohl die Emma als auch den Kicker zu lesen. Einmal wollte die „Fantifa“ (Feministische Antifa) mich zur Mitarbeit bewegen, aber als ich gehört habe, dass die dort engagierten Damen sich treffen, um einen Ordner anzulegen, in dem so Wörter wie „Patriarchat“ abgeheftet werden, hab ich mich, vielleicht sogar zu Recht, gefragt, ob das den Skinheads, die damals am Bahnhof rumlungerten, wirklich Angst macht.

Jedenfalls dachte ich, als ich noch jung und knusprig war, bis ich mal eine olle Schrulle bin, hat sich alles geändert. Utopia, ich komme! Ich dachte, Frauen würden für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen wie Männer. Ich dachte, Frauen würden ihren Wert nicht mehr daran bemessen, wen sie „abkriegen“, sondern sich selbst nehmen, was sie wollen. Haha… mein Gott, war ich naiv! Und dann kam der Rollback auf dem Buchmarkt. Auf dem Buchmarkt und in der Welt. Aber da ich hier als Autorin auf den Putz haue, beziehe ich mich jetzt auf den Buchmarkt als Spiegel unserer Welt. Denn was wir lesen, zeigt immer auch, was wir wünschen und träumen.

Freud und Leid

Ich gebe zu, ich bin Anti-Freudianerin. Ich hab die Freud-Gesamtausgabe im Regal, weil es gut ist, seinen Feind zu kennen, denn vieles, womit wir uns heute herumärgern hat seine Wurzeln in dieser Zeit. Ich fand Freud immer so spannend, weil man ihn lesen kann wie ein Geschichtsbuch. Freud ist eine unverfälschte Quelle für Studien über die längst überholte Sexualmoral und das gesamte Menschenbild des späten neunzehnten, frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Und wenn man über das Frauenbild der Zeit nachdenkt, wird einem angst und bange. Versteht mich nicht falsch, Freud hat für damalige Verhältnisse wirklich an der lustfeindlichen Gesellschaft gerüttelt, so gut er konnte, aber heraus kamen dabei so Denkrichtungen wie die, dass Frauen durch äußere Umstände (die Ehe) zum Sex „gezwungen“ werden müssen, um ihn genießen zu können, denn anständige Frauen tun so was ja nur, wenn sie müssen. Dann macht es ihnen aber Spaß, obwohl sie das nicht zugeben, man hält ja auf sich, klar. Um es auf Stammtisch zu übersetzen: „Die will es doch auch! Frauen meinen Ja, wenn sie Nein sagen!“ Haaaarsträubend!

Damals wurde übrigens auch der Vibrator erfunden. Das müssen so frankensteinmäßige Apparate gewesen sein, aber hey, die hatten noch kein digitales Zeitalter, damals war „Mechanik“ total in und die „Vibrator-Behandlung“ wurde gegen Hysterie verschrieben. Auf Stammtisch: „Die Alte muss nur mal richtig …“

Ihr seht also, absurde Geschichten darüber auszugraben, woher wir kommen, damit wir entscheiden können, wohin wir wollen, ist mein Hobby. Denn ins neunzehnte Jahrhundert, in dem Tischbeine als unanständig verhüllt wurden, wollte ich nie zurück. Ich wollte immer, dass wir Frauen selbstbestimmt, lustvoll und ohne schlechtes Gewissen oder moralische Wertung unser Leben auskosten können, mit allen Facetten. Ich wollte schlicht und ergreifend, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Und eine Weile dachte ich auch, dass wir auf einem guten Weg sind. Und dann kam:

Eine verstörende Begegnung mit einem Bestseller-Hochlandrammler

Als ich die Highland-Schmonzetten, um die es jetzt geht, zum ersten Mal in die Finger bekam, war der Hype darum schon fast wieder vorbei, umso mehr habe ich mich erschreckt. Ich lese ja gerne historische Romane. Hysterische (ganz im Freudschen Sinne) eher weniger. Und in dem Buch, über das ich mich damals wie heute so aufrege, geht es genau darum: Eine Frau fällt in ein Zeitloch und wird durch dramatisch konstruierte Verwicklungen (ein schwuler Sadist, der liebend gern knackige junge Männer auspeitscht und Frauen nur als Zeitvertreib vergewaltigt ist im Spiel) gezwungen, einen von eben diesen knackigen jungen Männern zu heiraten und es ständig mit ihm zu treiben.

Hallooo? Sind wir da nicht wieder bei Freud angekommen? Und alles vor der malerischen Kulisse des fast noch mittelalterlichen Schottlands. Dabei ist die zeitreisende Heldin aus dem „aufgeklärten Zeitalter“ doch in ihrer „Gegenwart“ noch verheiratet! Oh, Gott, oh, Gott! Und jetzt muss die Arme gegen ihren Willen ständig mit diesem knackigen, jungen Schotten … Was für ein Schicksal! Da fiebern wir natürlich mit!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich mach den Absatz jetzt mal fett, damit ich auch richtig verstanden werde! 😀 Ich habe nichts gegen Sex mit durchtrainierten, hüschen Kerlen, absolut nicht! Auch nicht in Büchern! Aber dann bitte selbstbestimmt! Ich hab was dagegen, dass wir Frauen uns SELBER immer noch das patriarchale Denken des neunzehnten Jahrhunderts überstülpen! Ich hätte das Buch vielleicht sogar richtig cool gefunden, wenn die weibliche Hauptfigur gesagt hätte: „Was soll’s? Mein Angetrauter ist in einem anderen Jahrhundert und ich sitze hier fest! Dann kann ich mir auch den hübschen jungen Schotten schnappen!“

Aber die Gute muss sich leider gegen ihren Willen „hingeben“, weil sie in eine Zwangsehe gepresst wurde und eine Horde saufender Kerle auch genau aufpasst, dass die Ehe auch vollzogen wird! Und das gilt in der heutigen Literatur als romantisch, ja? Romannntisch!

Junge Frauen lesen so was und merken gar nicht, wie sie da mit völlig überholten, frauenfeindlichen Moralvorstellungen das Gehirn gewaschen kriegen. Für mein Empfinden verherrlichen solche Bücher das, was als „beischlafähnliche Vergewaltigung“ in die Gesetzestexte eingegangen ist. Und solche „Romane“ suggerieren jungen Frauen, dass eine selbstbestimmte, selbstbewusste Lust und Lebensgestaltung immer noch „moralisch unsauber“ sind. Besser, man wird gezwungen, dann darf man. Durch Rollenmodelle wie diese Romanheldin pervertieren wir Frauen uns selbst, und dieser Bestseller öffnete Tür und Tor für viele weitere Bestseller, die in das gleiche Horn stoßen.

Anständiges Mädchen muss sich leider reihenweise von gutaussehenden Milliardären flachlegen lassen, um Papas Spielschulden zu bezahlen. Hallooo? Jede selbstbewusste junge Frau würde da sagen: „Weißt du was, Vaddern? Bezahl deine Schulden selber, und wenn du mir die vererbst, schlag ich das Erbe eben aus. DEIN Bier, und meine Männer suche ich mir selber aus!“ Aber solche Bücher rennen auf dem Markt und als Autorin darf man da nix gegen sagen, weil man dann Futterneid hat, Futterneid!

Der wüste Prediger

Als ich ein Teenager war, stand in der Innenstadt, in der wir immer rumgammelten, immer ein ganz hagerer, verhärmter Herr in einem grauen Anzug auf einem dieser Beton-Blumenkästen und predigte: „Der Weltuntergang ist nahe!“ Der gehörte einfach zum Stadtbild dazu, gegenüber standen die Zeugen Jehovas und hielten ihren „Wachturm“ hoch, an der nächsten Ecke waren die peruanischen Musiker mit ihren Panflöten, die immer diese komischen Teppich-Ponchos trugen.

Dem Prediger hörte eigentlich niemand zu, aber alle nahmen ihn halt als unvermeidliches Übel hin. Und manchmal muss ich heute an diesen Mann denken. Ich fühle mich nämlich oft genau so. Manchmal möchte ich mich mit einer „50 Shades“ Ausgabe in der Stadt auf einen Blumenkübel stellen und jungen Frauen zurufen: „Merkt ihr denn gar nicht, was mit euch gemacht wird? Ihr werdet durch Propaganda zurück in die Sklaverei getrieben! Der Weltuntergang ist nahe!“

Und ich lache gerade selber Tränen bei der Vorstellung wie ich mit der Bibel des Antichristen wedle und mich zum missionarischen Affen mache. Wenn ich dann in die Jacke gesteckt werde, bei der man die Ärmel auf dem Rücken zuknoten kann, werde ich kreischen: „Dürfen Sie das überhaupt ohne richterlichen Beschluss?“, und der Polizist wird raunen: „Ach, komm, du willst es doch auch!“ Rrrrrra! Vertragt ihr noch eine Schüppe drauf? Geht nicht anders, ich bin gerade sowas von in Fahrt, aber sowas von! Kommen wir also zu:

Herr Grey und ich

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich den Herrn Grey richtig richtig gefressen habe! Dieser bratzbirnige, hohlköpfige, zwangsneurotische Frauenschänder, der regt mich sowas von auf! Aber er hat einen Huuuubschrauber! Und wenn er dann so melancholisch in seinem Schlafanzughöschen Klavier spielt, er ist doch so süüüüß!

Und dann schenkt er Miss Steel auch noch die unbezahlbaren antiquarischen Bücher von Thomas Hardy! Tess von den d’Urbervilles! Mit dem Buch ist Thomas Hardy gegen sexuellen Missbrauch auf die Barrikaden gegangen, und das zu einer Zeit, als man Wörter wie „sexuell“ oder „Missbrauch“ noch gar nicht sagen durfte! Thomas Hardy zog ins Feld gegen „Unzucht mit Abhängigen“, nicht gegen „Zucht mit Unabhängigen“! *augenroll* Und jetzt wird dieses kostbare Buch instrumentalisiert und ins Gegenteil verkehrt! Ernsthaft, wenn Thomas Hardy das wüsste, der würde im Grab rotieren, bis die Kiste ins All schießt wie die TARDIS von Doctor Who! Ganz schnell weg, aber ganz schnell, am besten in ein anderes Jahrtausend am anderen Ende des Universums!

Was mich aber noch mehr aufregt als der Herr Grey, ihr lacht, aber das geht!, ist die Miss Steel! Neulich schickte mir eine sehr clevere und witzige Kollegin (die sich hoffentlich bald hier vorstellen wird), den Link zu einem Video, das zusammengebaut war aus „50 Shades“-Trailern und Mister Bean. Ich weiß leider nicht, wo man das Video wiederfindet, aber das war das größte Stück Filmkunst, das ich in den letzten Jahren gesehen habe! Ich hab so gelacht, ich konnte vor Tränen in den Augen den Monitor gar nicht mehr sehen. Nie war Miss Steels völlig enthirnter Blick, wie sie da so mit zusammengekniffenen Knien bei Mister Grey im Büro sitzt wie eine verklemmte Hanseatentochter aus „50 Shades of Buddenbrooks“, so entlarvend wie in dem Moment, als Mister Bean ihr ölig-selbstverliebt zulächelte. Ja, der europäische Autoren-Porno lebt, meine Damen und Herren! 😀

Und das alles, dieses Konglomerat aus GEQUIRLTER SCHEISSE *kreisch*, das junge Frauen gezielt enthirnt und sie durch romantische Ideaaaaale zu braven Systemsklavinnen macht, hat mich so AUFGEREGT, dass ich beschlossen habe, mein Talent nicht mehr durch dämliche Ghostwriterjobs und als Content-Produzentin zu verheizen, sondern endlich mal Bücher zu schreiben, die was zu sagen haben. Auch, wenn man das auf den ersten Blick gar nicht merkt. Weil ich meine Geschichten nämlich mit witzigen Dialogen und liebenswert skurrilen Figuren so verpacke, dass sie sich lesen wie kurzweilige Unterhaltung. Und ich mach das so, weil ich dieses Handwerk beherrsche und mir niemand zuhören würde, wenn ich auf dem Blumenkübel stehe. Aber ich hab verdammt nochmal was zu sagen. Ich schreibe für das Genre „Subversive Romantik“ (Danke für diesen herrlichen Ausdruck an meine Kollegin Christine Ulrich). Ich nenne mein Genre jetzt einfach kurz: Grips-Lit.

Meine Message an junge Frauen ist nämlich folgende:

Du darfst Lust haben, Frust haben, lieben, leben, lachen, weinen, ohne dich dem moralischen Werturteil verknöcherter alter Säcke zu unterwerfen! Du hast genau so ein Recht auf deine Leidenschaften und Lebensfreude wie jeder noch so pisselige Kerl, selbst wenn er ein kariertes Röckchen trägt oder einen Huuuubschrauber hat!

Wenn du „Nein!“ sagst, dann heißt das „Nein!“, ganz einfach.

Wenn du Lust hast, brauchst du keinen Papi mit Spielschulden oder eine Horde besoffener Schotten, die aufpasst, dass deine Ehe auch vollzogen wird, als Ausrede. Wenn du drauf stehst, Milliardäre flachzulegen, dann mach das doch einfach aus genau diesem Grund – weil du drauf stehst. Aber vergiss die Kondome nicht!

Wenn du das magst, ist es völlig okay, wenn der, der im Bett die Hosen auszieht, im Bett auch die Hosen an hat. Es kann himmlisch sein, sich fallen zu lassen und sich einem dominanten Mann anzuvertrauen. Aber dann mach ihm auch klar, dass er sich das Privileg mit Achtung und Respekt verdienen muss! Der Schlachtruf lautet: „I got the pussy, I make the rules!“

Wenn du es für „den schönsten Tag im Leben“ hältst, all deine Ersparnisse auf den Kopf zu hauen, um dich als Baiser zu verkleiden, die gesamte bucklige Verwandtschaft durchzufüttern, es bei der Sitzordnung allen recht zu machen und einen Vertrag zu unterschreiben, dessen Auflösung später verdammt teuer wird, nämlich dann, wenn die statistisch sehr wahrscheinliche Scheidung auf dich zukommt, dann will ich nicht wissen, wie die weniger schönen Tage aussehen! Und der Schönste war ja schon! Besser wird’s nicht mehr, wenn du erst verheiratet bist, das sagt der „schönste Tag im Leben“ ja aus!

Du hältst dich für eine miese, verschlagene Verbrechernatur, weil du einen Partner hast und trotzdem Herzklopfen kriegst, wenn deine verdrängte große Liebe sich meldet? Du bist nicht böse und schlecht, Polyamorie ist normal! Wir Menschen sind tatsächlich einfach so angelegt, dass wir uns zu mehreren Partnern hingezogen fühlen können! Subversives Geschwätz eines gescheiterten „Beziehungsüberforderungsopfers“? Nö, ist besser für den Genpool, so einfach ist das! Es ist nur so verdammmt schwer, das auch zu leben, ohne die Menschen, die man liebt, zu verletzen! Also: wie geht das auf dem Drahtseil, wenn du mehrere Männer liebst, jeden auf seine Art?

So. Das sind meine Themen, die mir wirklich unter den Nägeln brennen und für die ich Tag und Nacht mit Leidenschaft schreibe und dabei verdammt viel lache. Manchmal sogar weine. Und wem das zu radikal ist, der kann jetzt gern mal eben den Glitzervampir-Roman aus der Hand legen und in die Welt gucken. Wir sind nämlich längst da angekommen, wo echte, witzige, intelligente Frauen mit Humor und Mut ein Leben meistern, das vielleicht gar nicht den Vorstellungen der CDU entspricht. Und für genau diese wunderbaren Frauen versuche ich Bücher zu schreiben, in denen sie sich wiederfinden.

Jetzt hab ich mich herrlich ausgepowert, wieder die ganze Nacht mit Schmackes Worte jongliert und wer meine Bücher einfach mal gefahrlos ausprobieren will, findet rechts in der Sidebar den Link zur kostenlosen XXL-Leseprobe. Und ich freu mich schon richtig auf die eMails, die ich wieder von besorgten Herren erhalten werden, weil mein Weltbild total weltfremd ist und ich dringend vor mir selbst gerettet werden muss! Wir sehen uns! 😀

Wenn mir jetzt noch jemand einen Bademantel umlegen und mich von der Bühne führen könnte wie James Brown, wäre ich wirklich dankbar. Sookie haut sich jetzt aufs Ohr, und ich freu mich drauf, Kommentare zu diesem ersten „Autorenporträt“ zu finden, wenn ich die Klüsen wieder auf kriege. Haut rein, Mädels, rockt den Buchmarkt, und erzählt mir, wofür euer Herz brennt!

Eure Sookie, Liebesromantante aus Leidenschaft und heimlich beladen mit Sendung