Die kostenlose XXL-Leseprobe

Die kostenlose XXL-Leseprobe

Der Klassiker: Die kostenlose XXL-Leseprobe zum Roman „Beziehungsstatus 1: Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“

Die kostenlose XXL-Leseprobe bietet rund neunzig Seiten Lesestoff! Der Anfang des ersten Polyamorie-Romans, in dem du alle Figuren kennenlernst, mit ihnen in Eugens Künstler-WG ziehst und zum ersten Mal von Polyamorie hörst! Welche Romanfigur wird dein Lieblingsheld?

Klappentext zur XXL-Leseprobe

Wer eine offene Beziehung führen will, kann doch nicht ganz dicht sein, oder?

John O’Molloy schlägt sich als Einzelgänger durchs Leben. Der hochbegabte Maler hat sich längst damit abgefunden, dass er keinen wirklichen Kontakt zur Menschheit bekommt, er ist eben zu skurril und sprunghaft. An die Liebe glaubt John schon lange nicht mehr und seinen sinnlichen Hunger stillt er mit oberflächlichen Bettgeschichten.

Um niemanden zu verletzen, gibt er sich größte Mühe, seine Affären voreinander geheimzuhalten. Das würde sogar funktionieren, wenn er nicht immer die Namen verwechseln würde. Ausgebrannt kehrt John New York den Rücken und zieht im Garten einer ostfriesischen Künstler-WG in einen Bauwagen, um das einfache Leben zu suchen. Aber er findet Anna.

Die junge Autorin hat aus Berlin »rüberjemacht«, fragt sich, wieso Ostfriesland im Westen liegt und ist so rotzfrech und zart, dass sie garantiert von Elfen abstammt. Anna ist noch widersprüchlicher als er selbst und alle erprobten Mittel versagen. Weder Johns scheuer Verführerblick noch sein jungenhafter Charme verfangen bei dieser Frau und als er den Romantik-Joker ausspielt und sie malen möchte, lacht sie nur darüber.

Trotzdem spürt John, dass er eine tiefe, intuitive Verbindung zu Anna hat. Er will den Wildfang zähmen, liebevoll auf Händen tragen und leidenschaftlich unterwerfen. Völlig verwirrt von diesen widerstreitenden Gefühlen sieht John sich schon als Milliardär im Anzug die Peitsche schwingen, aber Anna lässt ihm keine Zeit, sich zu gruseln.

Denn sie stellt John vor ein ganz anderes Rätsel. Sie hat sich wirklich in ihn verliebt. Das allein ist unfassbar genug. Aber Anna ist polyamor und möchte zwei Männer lieben – ganz offen und am liebsten für den Rest ihres Lebens. Einen hat sie sogar schon.

Johns gesamtes Weltbild zerbröselt wie ein trockener Keks. Er kocht vor Eifersucht auf diesen anderen Mann und beschließt, Anna aus diesem »Polyamorie« genannten Liebeschaos zu retten. Ausgerechnet der chronische Streuner will die wilde Elfe zur Monogamie bekehren. Das leidenschaftliche Duell zweier liebestoller Dickköpfe beginnt …

Kostenlose XXL-Leseprobe zu Band 1 der Beziehungsstatus-Reihe, die mit Witz und viel Gefühl die große Liebesgeschichte von John und Anna erzählt und dabei ein brandaktuelles Thema aufgreift. »Polys«, also Menschen mit mehreren Partnern, sind die neuen Lieblingsfreaks der Medien. Aber wie lässt sich Polyamorie wirklich leben und warum sollte man das tun?

Du erhältst die kostenlose XXL-Leseprobe bei allen Shops, die kostenlose eBooks führen!

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Und wenn die Geschichte dir gefallen hat, revanchiere dich doch für die kostenlose XXL-Leseprobe mit einer kleinen Rezension!

Ein Einhorn auf der Flucht!

Ein Einhorn auf der Flucht!

<h2>Polyamorie-Lesehappen 1: Ein Einhorn auf der Flucht!</h2>

<p>Das „Einhorn auf der Flucht“ ist der Auftakt der „kleinen“ Reihe, die bereits abgeschlossen ist und die Vorgeschichte von Sven und Anna erzählt! Für eingeschweißte Fans des Liebesclans Sven – Anna – John ein absolutes Muss!</p>

<h3>Klappentext zu „Ein Einhorn auf der Flucht“:</h3>

<p>Anna und Sven leben seit Jahren in einer polyamoren Beziehung – sie haben beide auch andere Partner und reden offen über alles. Svens neue Freundin bei einem netten Essen näher kennenzulernen, ist für Anna also eine ihrer leichtesten Übungen – schließlich mag sie Katja und freut sich für Sven, dass er so eine liebenswerte weitere Gefährtin gefunden hat.
Doch dann entwickelt sich der Abend ganz anders als erwartet, denn anscheinend haben Sven und Katja einen gemeinsamen Wunsch, von dem Anna nichts geahnt hat. Denn beide wünschen sich ein „Einhorn“, also eine gemeinsame Geliebte …</p>

<p>Die Polyamorie-Lesehappen erzählen die Vorgeschichte der »Beziehungsstatus-Romane« und lassen die Leser tiefer in die Welt der Hauptfigur Anna eintauchen. Wie ist das Leben einer Frau, die sich traut, mehrere Männer zu lieben?</p>

<h3>Der Polyamorie-Lesehappen „Ein Einhorn auf der Flucht“ ist überall zu haben, wo es kostenlose eBooks gibt!</h3>

<p>Hier findest du die direkten Links zu Amazon und Thalia!</p>

 

 

Beziehungsstatus 3: Leseschnipsel

Beziehungsstatus 3: Leseschnipsel

Beziehungsstatus Romane Flüsternacht 1

Zwischen den Manuskripten: Heute baumeln wir irgendwo zwischen „Flüsternacht 1“ und „Beziehungsstatus 3“ in der Luft. Es wird also Zeit für einen Leseschnipsel!

Ihr Lieben! It’s done, die erotische Erzählung Flüsternacht 1 ist gerade irgendwo zwischen Distributor und Buchhandel unterwegs und traditionell landen meine Bücher am Amazonas grundsätzlich in der Kategorie „Zeitgenössische Literatur“, man darf also gespannt sein, wo das „Schmuddel-Spin-off“ landet! 😀

Jetzt, wo ich das geschafft habe, kann ich mich endlich wieder ganz auf das Chaos in den Manuskripten zu Beziehungsstatus 3 konzentrieren. Ich mache nämlich seit Tagen nichts anderes, als dieses Chaos zu sichten und es ist … jetzt hätte ich fast gesagt „kompliziert“, aber nein, es ist episch.

Also, von epischer Breite sozusagen. Ich hab nämlich vier oder fünf Versionen geschrieben und die heißen auf meiner Festplatte alle natürlich ähnlich, ihr kennt das. „BS3“, okay. „BS3Final“, „BS3EndgültigeFassung“, „BS3Diesmalaberwirklich“, ich gebe zu, bei Dateinamen bin ich sehr unkreativ. Also, insgesamt sind das ungefähr 1500 Romanseiten, die ich gerade alle irgendwie im Zwischenspeicher im Hirn hab. Und das Bad putze ich jetzt auch seit drei Tagen. Obwohl, das könnte ich eigentlich jetzt eben mal … Sookie! Sitz! Jetzt konzentrier dich!

Beziehungsstatus 3 wird „lebendig“, um nicht zu sagen wild! 😀

Coverentwurf Beziehungsstatus 3

Hier seht ihr den vorläufigen Cover-Entwurf zu Beziehungsstatus 3, aber wie ich mich kenne, werde ich da noch dran schrauben

Äh, also, die Sache ist die. Der dritte Band ist im Prinzip fertig, wenn ich es schaffe, aus allen Versionen eine zu bauen. Und vielleicht kennt ihr das selber, man schreibt was. Dann liest man es, wenn man es längst vergessen hat und denkt: „Hähähä!“

Eine dieser Szenen zeige ich euch jetzt als Leseschnipsel, weil ich da gerade selber so drüber gelacht habe. Naja, vielleicht muss man dabei gewesen sein. Ist ja auch egal. Ich kann euch nicht versprechen, ob die Szene es dann ins endgültige Manuskript schafft, aber noch nehme ich Leserwünsche entgegen! 😀

Also, wie gesagt, alles noch unter Vorbehalt und das ist keine endgültige Fassung, aber zur Not verbuchen wir es einfach als „deleted scene“. Trotzdem ist es wieder Zeit für eine Spoilerwarnung, wer es also gar nicht wissen will, hält sich jetzt einfach beim Lesen wieder die Augen zu.

Ich liebe Johns Nervenzusammenbrüche!

Anna neigte den Kopf und sah Steffi an, als würde sie ein abstraktes Gemälde betrachten, mit dem sie nichts anfangen kann. »Ihr spielt zwei gegen einen. Ihr baut euch zusammen als Mauer vor mir auf, um mir zu beichten, was ihr hinter meinem Rücken zusammen gemacht habt. Was ihr da macht, ist keine Polyamorie, das ist Einhornscheiße!«

John schloss für eine Sekunde die Augen, sah einen Haufen glitzernder, bunter Pferdeäpfel vor sich liegen und versuchte, nicht zu lachen, aber er konnte einfach nicht anders. Steffi schlug nach seinem Arm und zischte: »Das ist absolut nicht komisch, John! Wir haben richtig Mist gebaut!«

Steffi wandte sich wieder an Anna und sah hinter ihr die Scheunentür aufgehen. Sven kam in den Flur und sah sich fragend um. Steffi flüsterte angespannt: »Was meinst du damit?«

John sah die fröhlich bunten Glitzerpferdeäpfel über einen Regenbogen rutschen, presste sich die Hand vor den Mund und stützte sich hilflos mit einem halb verschluckten Kreischen an die Wand. Sven sah Anna ruhig an. »Habt ihr dem Maler was untergejubelt?«

Anna sah ihn empört an. »Was? Nein! Bist du bescheuert? Der ist naturstoned!«

Steffi zupfte Anna mit einer bittenden Geste bange am Ärmel. »Anna?«

Anna seufzte und wandte sich an Sven. »Würdest du Steffi bitte mal erklären, was Einhornscheiße ist?«

John kippte hilflos kreischend vor Lachen nach vorne und hielt sich den Bauch. Sven blieb vollkommen gelassen und sah Steffi freundlich an. »Einhornscheiße ist, wenn du Pferdeäpfel in Glitzer wälzt und …«

John kippte kreischend nach hinten und klappte dann wieder zusammen wie ein Taschenmesser. Anna stieß Sven an. »Ernsthaft!«

Sven strich sich die Haare aus der Stirn und holte tief Luft. »Ernsthaft! Okay. Also, Einhornscheiße ist, wenn zwei sich einen dritten Sexpartner ins Bett holen und den dann nicht liebevoll behandeln, sondern ihren Beziehungsstress in den Dritten auslagern, um ihr System zu erhalten. Ein gemeinsames Feindbild stärkt die Bindung und Eifersuchtsdramen lenken immer so schön davon ab, dass man sich nichts mehr zu sagen hat.«

Steffi kreischte entsetzt: »Was

John wurde schlagartig still und richtete sich atemlos auf. »Was

Anna rollte gereizt die Augen zur Decke. »Also, wenn zwei den Dritten immer spüren lassen, dass er nicht dazu gehört und sich wie ein Paar benehmen, zum Beispiel, weil sie immer dasselbe sagen.«

John keuchte wieder. »Was

Steffi japste: »Was

Sven sah Anna prüfend an. »Der Maler und die Maus da sind jetzt ein Paar? Hab ich was verpasst?«

John hob die Hand und schüttelte wild den Zeigefinger. »Oh, nein! Wenn hier einer Einhornscheiße macht, dann seid ihr das!«

Anna verschränkte die Arme und sah John ausdruckslos an. »Ich weiß nicht, ob du zählen kannst, aber jetzt gerade spielen wir zwei gegen zwei.«

Sven grinste breit. »Wir spielen nicht gegeneinander, wir spielen miteinander!«

Steffi stammelte verzweifelt: »Ich will doch gar nichts von John!«

Sven beugte sich über Anna und flüsterte: »Wollten wir den Pärchenabend nicht eigentlich mit der anderen machen?«

So, jetzt wisst ihr ungefähr, was auf euch zukommt! Sollte mich jemand beim Rumgammeln auf Facebook erwischen, mobbt mich weg und schickt mich an die Arbeit! 😀

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Machen Kröten eigentlich auch Wattwanderungen? Die nächste Leseprobe!

Ihr Lieben! Eine hektische Werbewoche bei Facebook geht dem Ende zu und was hat es gebracht? Verdammt viel Arbeit, tierischen Zeitaufwand und ein bisschen Spaß, aber den hatte ich mit den Leuten, mit denen ich da sowieso abhänge.

Für den Blog hat es nüscht jebracht und mit den Buchverkäufen bin ich deshalb zufrieden, weil ich denselben Anstieg hatte, den ich immer habe, wenn ich etwas Neues veröffentliche (in diesem Fall die Neuauflage mit neuen Covern und Klappentexten), aber ich glaub nicht, dass ich auch nur einen Leser gewonnen habe, weil ich auf FB den Hampelmann gemacht und wie wild gepostet habe! Eher, weil die kostenlose Leseprobe jetzt wieder seit einer Woche in der Top 100 bei zeitgenössischer Literatur für Noppes rumhängt. Oder? Ist hier jemand, der über FB auf meine Bücher aufmerksam geworden ist? 😀

Mein Fazit ist also dasselbe, wie immer, wenn Facebook und ich es miteinander versuchen: Die Zeit hätte ich besser gleich in das nächste Projekt gesteckt. Ob ich wie bekloppt auf FB rumhample oder da monatelang nichts poste, die Verkaufszahlen bleiben konstant. Jeder Blogartikel bringt meinen Büchern mehr Aufmerksamkeit als das und in den Rezensionen steht oft „Ich bin über ihren Blog auf die Autorin aufmerksam geworden“ oder so was, da stand aber noch nie: Über Facebook! 😀

Autorenmarketing auf Facebook? Hihi!

Also, was lernt Sookie daraus? Gott sei Dank, ich kann wieder konzentriert an meinen Manuskripten arbeiten und ernsthaft satirisch die Kettensäge schwingen und muss mich nicht schämen, weil ich mich vor Facebook drücke! 😀 Ach so, und Litbaits funktionieren vielleicht in Amerika, hier nicht! 😀 Mir ist völlig schleierhaft, wie die damit einen 14.000 fachen Anstieg an Traffic generieren konnten, ich hatte einen 14.000 fachen Abstieg! Fucking fuck happens!

So, zum Ausstieg aus der Werbewoche und passend zum oben stehenden Video gibt es jetzt als heutigen Romanauszug noch ein „Flying Kluntje Video“ aus Band 2 der Beziehungsstatus-Reihe „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“, also nichts aus der kostenlosen Leseprobe.

Wir schmeißen uns also zusammen mit John in New York aufs Bett und sehen uns ein Video aus der ostfriesischen Heimat an. Weil es sich aber zweifelsfrei hier um einen Spoiler handelt (coool, ich fühl mich gerade, als wäre ich Game of Thrones!), bastel ich jetzt eben noch dieses Milchglasfenster, das ihr dann mit einem Klick auf „Teilen“ beseitigen könnt, falls ihr neugierig seid und euch überhaupt spoilern lassen wollt. Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, weil ich euch zwinge, euren Freunden zu sagen, dass ihr hier wart! 😀

P.S. Ich stelle gerade fest, das Milchglas-Plugin funktioniert mal wieder nicht und ich muss es rauswerfen, ja, das ist alles live hier, meine Damen und Herren! Haltet euch also einfach beim Lesen die Augen zu, wenn ihr nicht gespoilert werden wollt und teilt wie gewohnt! Ich liebe euch! 😀

Auszug aus „Zieh dich aus, wir müssen reden – Tango zu zweit, Liebe zu dritt“

 

John seufzte tief, dann startete er das Video. Nach einem kurzen Intro mit einem harten Gitarrenriff tauchte Anna im Bild auf und es sah aus, als würde sie in einer Zoohandlung stehen, die sich bei näherem Hinsehen als eine Garage voller Terrarien entpuppte. Neben ihr stand ein ellenlanger pickeliger Jüngling mit knallrotem Kopf. John fragte sich, wo sie den Nerd ausgegraben haben und stöhnte mitfühlend: »Armer Junge!«
Anna beugte sich in die Kamera und flüsterte: »Livecam und ich haben heute die angekündigte Abonnenten Überfall Battle Tour gestartet und sind gerade bei einem unserer Follower der ersten Stunde zu Gast, und zwar in der ostfriesischen Hafenstadt mit einem Buchstaben: M. Das sagen die hier jedenfalls so, im Kreuzworträtsel heißt das aber Emden, nicht, dass es hinterher heißt, ich hätte euch was Falsches gesagt. Jetzt habt ihr wieder was über Land und Leute gelernt! So, neben mir steht jetzt Tjark, der Schrecken der ostfriesischen Schildkrötenzüchter-Szene! Tjark, bevor ich einen Laberflash kriege und du nicht mehr zu Wort kommst, willst du jemanden grüßen?«
Anna hielt dem verschreckten Bengel das Mikro vors Gesicht und half ihm beim Stottern weiter. »Irgendein Mädchen?«
Tjark lief nur noch dunkler rot an. Anna half nach. »Komm schon, der erste Mädchenname, der dir einfällt! Irgendwas müssen die doch morgen in der Schule zu reden haben!«
Wie aus der Pistole geschossen sagte Tjark: »Die Saskia!«
Anna ging in die Knie und seufzte gerührt, dann fragte sie verschwörerisch: »Die Saskia ist süß, oder?«
Tjark nahm etwas in die Hand, das aussah wie ein Miniaturfelsen, und murmelte: »Geht so!«
Anna seufzte verträumt. »Der Livecam-Lothar war auch mal verliebt! Erinnerst du dich, Bärchen, wie du mal verliebt warst?«
Die Kamera schwankte. Lothar kam ins Bild, rollte dramatisch mit den Augen und verschwand wieder. Anna hielt Tjark wieder das Mikro hin. »Ich hab neulich gelesen, dass Bill Gates nur deshalb Bill Gates ist, weil er schon zehntausend Stunden lang Bill Gates war, bevor er Bill Gates wurde. Würdest du sagen, dass du so eine Art Bill Gates der Schildkrötenzüchter bist?«
Tjark sah nur völlig überfordert in die Kamera. Anna gab Lothar einen Wink und die Kamera schwenkte auf die Wände voller Terrarien. Annas Stimme aus dem Off: »Und das hier ist jetzt die Chef-Schnappschildkröte, von der du uns erzählt hast?«
Tjark bestätigte: »Das ist Tyrion.«
Anna fragte begierig: »Tyrion Lannister? Stehst du auf Game of Thrones?«
Tjark kam wieder schwankend ins Bild und nickte. Anna fragte: »Buch oder Serie?«
Tjarks Gesicht leuchtete auf. »Beides!«
Anna ging wieder seufzend in die Knie. »Ich bin auch voll süchtig! Ich zieh mir die Folgen immer sofort im Original rein, damit ich nicht auf die Synchronfassung warten muss. Für welches Haus spielst du?«
John fragte sich, wovon die reden, aber Tjark blühte voll auf. »Targaryen, auf jeden Fall!«
Anna nickte eifrig. »Du stehst auf die Mutter der Drachen, das hab ich schon zu Lothar gesagt, bevor wir dich überhaupt kannten!«
Tjark lachte tatsächlich auf. Anna nickte wieder. »Nee, ernsthaft, bevor wir losgefahren sind, hab ich zu Lothar gesagt: Pass auf, der Vater der Schildkröten steht auf die Mutter der Drachen, jede Wette! Wenn die anfängt, ihre Titel aufzuzählen, weiß ich immer, dass ich jetzt Zeit hab, mir Schokolade zu holen. Aber müsstest du als Nordlicht nicht eigentlich dem Haus Stark verpflichtet sein?«
Tjark lachte. »Du stehst auf Jon Snow!«
Anna beugte sich in die Kamera und raunte: »You know nothing, John O … oh, mein Gott, jetzt hab ich den Namen vergessen. Jon Dings!«
John zog verwirrt die Stirn kraus und versuchte, den Sinn der geheimen Botschaft zu entschlüsseln, er musste das unbedingt googeln. Lothar hüstelte im Hintergrund aufdringlich und fragte »Schildkröten?«
Anna winkte ab. »Jetzt mach mal keinen Stress hier, Bärchen, die Erwachsenen unterhalten sich gerade!« Sie wandte sich wieder an Tjark. »Soll ich dir verraten, auf wen ich voll abgehe? Daario Naharis, also der zweite, den Darsteller haben die ja ausgetauscht! Den ersten fand ich voll ätzend und dann: Kawämm! Kommt da dieser Holländer, ich bin zerbröselt! Ich war schon tausend mal in Holland, aber so einen schönen Mann hab ich da noch nie gesehen! Und weißt du was? Ich kenne zwei Männer, wenn man die mischen und einen draus machen würde, dann wäre das Daario Naharis, irre, oder?«
John hustete verwirrt. Googeln, er musste das googeln! Anna fragte den Bill Gates der Schildkröten: »Du als Züchter, was rätst du mir? Kann man da was machen?«
Ein schwarzer Bildhintergrund, das krachende Geräusch eines Autounfalls und Anna kam mit einer Kuhweide im Hintergrund und wild im Wind wehenden Haaren wieder ins Bild. »Ich weiß, das ist total affig, aber Lothar besteht darauf, dass ich eine Erklärung abgebe. Ich mache keine Genversuche mit Männern! Ich hab auch kein Labor im Keller, wo ich schöne Männer zusammenschraube! Ich weiß, ihr seid jetzt enttäuscht, aber sorry, Mädels, Tante Anna kann keine Hybridmodelle zaubern! Und jetzt zurück zu …«, ein harter Schnitt und Anna stand wieder neben Tjark. »Züchtest du eigentlich nur Schnaps-Schildkröten oder auch Likörschildkröten?«
Tjark sah wieder völlig überfordert in die Kamera. Anna machte einen Satz auf ein anderes Terrarium zu. »Und was ist der Frosch hier für eine Schildkröte?«
Tjark schien glücklich, dass er sich an Fakten klammern konnte. John seufzte mitfühlend. Manche Menschen waren den Verhörtechniken der Elfe eben hilflos ausgeliefert. »Eine Rotbauchunke.«
»Und was macht die?«
Tjark zeigte auf eine Stelle an der Scheibe des Terrariums und erklärte: »Die ist hier rot und zeigt als Drohgebärde ihren Bauch.«
Anna flüsterte in die Kamera: »Ist das nicht eher eine Unterwerfungsgeste, wenn man seinen Bauch zeigt? Also, wenn ich rot werde und meinen Bauch zeige, ist das kein Angriff!«
John lachte verwirrt auf und flüsterte verliebt: »Verdammtes Luder!«
Lothar prustete los. Anna hielt die ausgestreckte Hand vor die Kamera und kippte hilflos lachend nach vorne. »Cut! Schnappatmung!«
Für ein paar Sekunden sah man nur einen schwarzen Bildschirm, hörte Anna und Lothar aber so überdreht lachen, dass man einfach mitlachen musste.
Lothars gnadenlose Stimme: »Yeah, Baby, unterwirf dich!«, und dann Annas atemloses Japsen: »Livecam, jetzt halt doch mal die Klappe!«
John dachte wehmütig an die Nachmittage an der Teetafel und die Abende in der Upkammer, an denen er wie ein schweigsamer Schatten dabeigesessen hatte, wenn seine Mitbewohner so brillant und vollkommen sinnfrei Tränen gelacht hatten über den letzten Unsinn.
Anna tauchte wieder auf, wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht und fragte: »Weiß die Unke denn, ob sie ein Männchen oder Weibchen ist?«
Tjark nickte ernst. »Die Männchen haben dunkle Brunstschwielen am Unterarm.«
Annas Gesicht war unbezahlbar. »Dunkle Brunstschwielen.«
»In der Paarungszeit«, stotterte der verlegene Züchter.
Anna sprach jetzt mit der Kamera. »Liebe Abonnentinnen, ich denke, wir sind uns einig, dass … äh, also, ohne Witz, ich steh unglaublich auf Männer mit Unterarmen, ja? Ich kenne da einen, der hat Unterarme, die …«, mit verdrehten Augen ging sie sinnlich in die Knie und fuhr fort. »Ist ja auch egal! Aber wenn ich mir jetzt vorstelle, ich zieh die guten Pumps an, geh schön lecker abtanzen und dann tanzt mich da einer an, der hat dunkle Brunstschwielen an den Unterarmen …«, sie wandte sich wieder an Tjark. »Ist das für die Weibchen denn schmeichelhaft, wenn die Männchen Brunstschwielen haben oder sind die dann eher genervt?«
Tjark musste lachen. »Ich weiß nicht, ich hab noch keine gefragt!«
Anna neigte nachdenklich den Kopf. »Also, das Wort Brunstschwielen an sich ist ja jetzt nicht so sexy. Wenn ich mir vorstelle, zu mir sagt einer: ›Yeah, come on, rock me, Baby, ich hab voll die Brunstschwiele!‹, dann wäre ich zugegebenermaßen irritiert. Da fällt mir ein, kennst du ein Land, das sich auf Brunstschwiele reimt? Lothar und ich dichten gerade einen Song und brauchen Reime!«
Tjark fragte hilfsbereit: »Wovon handelt der Song denn?«
Anna erklärte: »Es gibt da einen Liedermacher, der heißt Ingo Insterburg und hat in den Siebzigern einen genialen Song gemacht, der hieß ›Ich liebte ein Mädchen‹, musst du mal googeln. Und so was wollten wir auch machen, nur auf neu. Wir dachten an ›Das Lied der digitalen Nomadin‹. Aber nicht so balladenmäßig, sondern eher so in Richtung Trash Metal, der Livecam will mal richtig die Sau rauslassen! Der muss ja auch die Perücke auftragen, damit sich die Anschaffung gelohnt hat!«
Lothar murrte hinter der Kamera: »Ich? Wieso ich? Ich dachte, du singst!«
Anna prustete plötzlich los, dann sang sie: »Ich liebte einen Mann in Chile, der hatte eine Brunstschwiele! Schreib das auf, Livecam! Oh, ich hab noch einen, warte! Ich liebte einen Ostfriesen, der stammte ab von Riesen! Das wird Keno gefallen! Bärchen, hast du schon Brunstschwielen? Zeig mal deine Arme!«
Zögerlich zeigte Lothar seinen Arm und hielt dabei verkrampft seinen langen Ärmel fest. Ein harter Schnitt, dann kam die endlose ostfriesische Landstraße zwischen Kuhweiden durch die Windschutzscheibe ins Bild, im Hintergrund plätscherten durch das Rauschen im fahrenden Auto Annas und Lothars Stimmen. Anna prustete schon wieder los. »Ich liebte einen Mann in Uruguay, der hatte nie ein Kondom dabei!«
Lothar krähte: »Ich liebte einen Mann in Mosambik, der hatte Eier in Aspik!«
Man hörte ein Klatschen, Lothars empörtes »Aua!«, und dann Annas Tadel. »Das ist voll rassistisch! Da, fahr mal rechts ran!«
Schwarzer Bildschirm, das Flackern einer Leuchtstoffröhre und dann Anna in einem Zeitschriftenladen. Lothar streckte den Arm aus, an den sie mit irgendetwas klebrigem dunkle Beulen geklebt hatten, und verfolgte Anna mit der wackelnden Kamera. Anna streckte sich an einem Regal und fragte hilfsbereit in die Kamera: »Guck mal, Livecam, die Pornos sind ganz oben! Soll ich dir einen runter holen?«
Eine Teetasse von oben, in die im hohen Bogen ein Kluntje geworfen wurde, und dann ein dicker roter Stempel, der aufs Bild klatschte. »Flying Kluntje WG. Autsch now!«
Schwarzer Hintergrund und Annas melancholischer Singsang: »Ich liebte einen Mann aus Irland, der nie den Weg nach Hause fand …«
John keuchte verwirrt und richtete sich hektisch wieder auf. Er bekam das übersprudelnde heisere Elfenlachen einfach nicht aus dem Ohr. Wie konnte sie so unfassbar zauberhaft, witzig und brillant sein? Er scrollte an dem Video herunter und spürte, wie sein Herz kurz aussetzte. Das Video hatte schon über 15.000 Aufrufe und weit über 100 Kommentare. Nach dem dritten »Anna, ich will ein Kind von dir!«-Kommentar, den er las, klappte John den Laptop zu und starrte wie unter Schock an die Decke. Scheiß auf Sonja, die Scheidung musste warten.

Sexismus: „Typ mit Pferdeschwanz“ fühlt sich diskriminiert!

Sexismus: „Typ mit Pferdeschwanz“ fühlt sich diskriminiert!

 

Cooool, du hast eine Schlagzeile angeklickt, die dich zu einem LitBait geführt hat! Und was machen wir jetzt damit? Wir lesen die ganze schmutzige Geschichte! 😀

Hamburg, achter Stock

Ein Auszug aus dem Beziehungsstatus-Roman „Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“, viel Spaß!

John drehte sich auf dem winzigen Balkon mit dem Rücken zum teuren Wasser weit unter ihm und schüttelte gereizt das Feuerzeug. Wieso waren die verdammten Dinger immer leer, wenn er bei einer Nichtraucherin auf dem Balkon stand!

Nina winkte ihm durch die Scheibe zu dem ebenfalls winzigen Wohn- und Esszimmer fröhlich zu und arrangierte die letzten Kleinigkeiten liebevoll auf dem Frühstückstisch. John seufzte innerlich und zog dann schnell an der Zigarette, als das Feuerzeug endlich eine kleine Flamme ausspuckte. Wie eine Dampfmaschine paffte John Wölkchen, bis die Zigarette endlich verstand, was er von ihr wollte und durchglimmte. Er atmete erleichtert auf und drehte sich wieder zum schwarz schimmernden Wasser. Saukalt war das heute Morgen und windig. John sah einen Funken der Zigarette auf sich zufliegen und wischte sich hektisch über den Anzug. Ein Brandloch in dem feinen Zwirn fehlte ihm jetzt noch, er hatte keine Lust, sich schon wieder ein neues Pinguinkostüm für seine Dates kaufen zu müssen.

Hamburg mit Blick aufs Wasser, ihm war vollkommen schleierhaft, wie man für einen Hamsterkäfig, unter dem so viel Lärm herrschte, so viel Geld ausgeben konnte. Es war noch stockdunkel, aber die Stadt pulsierte schon und der Verkehrslärm rauschte. Da war es ja in seinem Apartment in New York ruhiger!

Ihm war auch vollkommen schleierhaft, wieso er den Fehler gemacht hatte, über Nacht zu bleiben, aber er hätte sich eher um ein Hotelzimmer kümmern müssen. Und um eine Ausrede, warum er mal wieder mitten in der Nacht weg musste.

Nina klopfte jetzt von innen an die Balkontür und zeigte auf ihre Armbanduhr. John hielt die Zigarette hoch, setzte ein albernes Lächeln auf und winkte zurück.

Er fühlte sich wie ein Tier in seinem Außengehege. Er wusste, dass Nina beim Sex nicht gekommen war, aber er wusste nicht, ob sie wusste, dass er es wusste. Auf jeden Fall war die Stimmung irgendwie verkrampft, wie so oft bei diesen »Zwei Erwachsene haben Hunger auf Sex und machen sich gegenseitig vor, dass sie menschliches Interesse aneinander haben«-Geschichten.

Er seufzte ergeben in sein Schicksal und schnippte die erst halb aufgerauchte Zigarette über den Balkon. Nina musste ins Büro und wollte noch schön mit ihrem Liebhaber frühstücken. John rieb sich müde die Augen, dann trat er wieder in das Wohnzimmer und versank in dem weichen, flauschigen Teppichboden. Lachsfarbener Teppichboden.

John blinzelte gequält, dann versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen und setzte sich auf einen der kleinen weißen Bistrostühle, die Pariser Flair ausstrahlen sollten, aber irgendwie nur aussahen wie ausrangierte Gartenstühle. Nina setzte sich ebenfalls, strahlte ihn an und reichte ihm einen Korb mit noch heißen Aufbackbrötchen an.

Eigentlich mochte John um diese unchristliche Zeit nur einen Kaffee und eine Kippe, aber er brachte es nicht übers Herz, Nina zu enttäuschen. Nina stand auf ausgiebiges Frühstück und war ein Sonnenscheinchen, das schon los plapperte, bevor es die Augen richtig geöffnet hatte. John stand gern vor Morgengrauen auf, um das aufkommende Licht zu beobachten und am Wind zu schnuppern, aber vor 12 Uhr mittags zu reden, kam ihm vor wie Migräne.

»Findest du nicht?«

John sah verwirrt auf und nippte an dem Kaffee, den Nina ihm serviert hatte, aber das war gar kein Kaffee, das war irgend so eine aromatisierte Vollautomatenplörre! John unterdrückte ein Stöhnen und tröstete sich damit, dass er ab übermorgen wieder in seinem geliebten Bauwagen vollkommen ungestört, ohne jedes Geplapper, einen guten alten von Hand aufgebrühten echten Omakaffee ohne jeden Schnickschnack frühstücken könnte.

»Und dann sagt sie so zu mir: Wieso fragst du nicht einfach deinen Maler? Und betont das so komisch, als würde sie mir gar nicht glauben, dass es dich tatsächlich gibt! Als würde ich mir nur ausdenken, dass du mit mir zusammen bist!«

John stieß misstrauisch mit dem Messer in das steinharte Brötchen und hustete verwirrt. Nina kleckste sich mit einem kleinen Silberlöffelchen Marmelade aufs Brötchen. »Und da hab ich mir gesagt: Wieso nicht? Und sie hat ja irgendwie auch Recht, die Wand ist tatsächlich ein bisschen kahl, findest du nicht? Wenn du mir jetzt ein Bild geben würdest, würde sie wirklich dumm gucken und es sähe toll aus über dem Gelkamin, findest du nicht? Hast du nicht irgendwas in Lachs? Das würde perfekt zu den Sofakissen und zum Teppich passen!«

John blinzelte verwirrt und biss sich in der Brötchenhälfte fest, die nicht nur wie Holz schmeckte, sondern sich zwischen den Zähnen auch so anfühlte. »Äh, was?«

Nina beugte sich über das überladene kleine Tischchen und strahlte ihn an. »Na, ein Bild! Ich meine, du sagst doch immer, dass du den ganzen Tag malst, da hast du doch bestimmt was Passendes, was du mir geben kannst! Oder würdest du vielleicht extra was für mich malen? Ich stell mir so einen Sonnenuntergang total schön vor, mit so einer Palme und vielleicht so Wellen, die an den Strand schwappen, weißt du, was ich meine? So, dass das so ein bisschen Perspektive kriegt und man meint, die Wolken sind weiter hinten. Kannst du so was?«

John kaute gehetzt an seinem Brötchen und würgte ein hartes Stück herunter. Er hatte das Gefühl, dass ihm eine scharfe Kante von innen die Kehle aufschlitzte, aber wahrscheinlich würde er das hier überleben, er hatte schon ganz anderes überstanden. »Ich bin nicht Bob Ross, ich kenn mich mit solchen Motiven nicht so aus.«

Nina machte runde Augen. »Aber Schatz, ich dachte, du hättest so richtig Kunst studiert und all das, du musst doch wissen, was ich meine!«

John holte beherrscht tief Luft. Dass er ein paar mal mit ihr geschlafen hatte, gab ihr nicht das Recht, ihn »Schatz« zu nennen. Niemand hatte das Recht, ihn »Schatz« zu nennen, außer seiner Mama, und die wusste, dass er das nicht mochte. Er war schließlich keine rostige Kiste voll Plunder, die Piraten vergraben hatten! Und Frauen, die farblich zur Einrichtung passende Bilder von ihm haben wollten, traute er auch zu, dass sie sich einen afrikanischen Liebhaber angelten, weil der so gut mit dem weißen Ledersofa kontrastierte.

»Tina, ich kann nicht einfach Bilder verschenken, ich bin an Verträge gebunden!«

Nina starrte ihn an. »Wie hast du mich gerade genannt?«

John blieb reglos sitzen. Wie hatte er sie denn gerade genannt? »Äh …«

»Wer ist Tina

Johns Herz setzte für einen Schlag aus. Verdammt! Tina war die Physiotherapeutin, deren Ehemann so einen komischen Namen hatte. Bergfried? Bulgur? Burkhard! John stammelte: »Wahrscheinlich, weil ich gerade gedacht habe, dass du in dem Morgenlicht so frisch aussiehst wie ein Teenie! Und aus Teenie und Nina hat mein Gehirn dann eben Tina gemacht! Es hätte auch Ninie machen können, aber ich bin wohl noch nicht ganz wach, ich hab …«

»Wer ist Tina?«

John zerrte an seinem Hemdkragen. Dieses verdammte weiße Date-Oberhemd hatte einen viel zu engen Kragen, er wollte zurück in sein Flanellhemd! »Tina, ich, das war so nicht ge …«

Nina sprang auf und stieß gegen das wackelige Bistrotischchen. Dass diese femininen Einrichtungen auch immer so wackeln mussten! John bekam heißen Latte Pampe Karamell feincremig-süßen Glibberkaffee aufs Bein und zischte »Au!«, dann schwappte die Plörre auf den lachsfarbenen Teppichboden. Die Tasse verschwand mit einem dumpfen Ploff in der hochflorigen Auslegeware. Nina kreischte ihn an. »Jetzt sieh dir an, was du gemacht hast!«

John zupfte mit einem leisen Zischen das heiße, nasse Hosenbein von seiner verschreckten Haut. »Ich? Wieso ich? Du hast mir fast den Schinken verbrannt!«

Nina keifte: »Der Schinken ist hinten, du Idiot! Das hört man doch schon! Schinken, hinten!«

John sah sich einen Moment verwirrt um, dann griff er eine Serviette vom Tisch und rubbelte an seinem Hosenbein. »Hinten reimt sich doch nicht auf Schinken! Hinken, ja, aber hinten? Trinken, blinken, linken, stinken, winken, schminken, Finken! Es gibt tausend Wörter, die sich auf Schinken reimen, aber ganz bestimmt nicht …«

Der Tisch kippte krachend um. John zuckte zusammen. Nina schrie: »Sag mal, merkst du überhaupt, wovon ich rede? Wer ist Tina

John sah schuldbewusst zu Nina auf, dann gab er zerknirscht zu: »Nur eine Bekannte. Die ist aber verheiratet. Mit Burggraben. Also, hart. Eberburg.«

Nina fiel rückwärts wieder auf ihr Stühlchen. John wunderte sich, dass sie nicht umkippte. Sie sah ihn fassungslos an, dann schüttelte sie den Kopf. »Sag mal, John, nimmst du eigentlich Drogen?«

John sah Tina, Nina!, vollkommen irritiert an. »Drogen.«

Nina nickte. »John, wenn du ein Drogenproblem hast, dann kannst du mir das ehrlich sagen! Aber du bist manchmal so … ich trau mich gar nicht, dich mal meinen Freunden vorzustellen! Du bist ein richtiger Sonderling!«

John ließ erschrocken die nasse Serviette in das Chaos auf dem Teppich fallen. »Wieso solltest du mich deinen Freunden vorstellen?«

Nina streckte den Zeigefinger aus und zeigte aufgeregt auf ihn. »Da! Das ist ein ganz typisches Symptom für eine Suchterkrankung, wenn man keine Leute kennenlernen will!«

John fuhr sich stöhnend über die Augen. Alles, was er gewollt hatte, war eine entspannte Nummer mit einem warmen, weichen Frauenkörper, und jetzt stand das Tor zur Hölle schon wieder offen. »Oh, Scheiße! Wieso muss mir eigentlich jede Frau, mit der ich dreimal geschlafen habe, eine Diagnose stellen? Jetzt bin ich schon ein Junkie! Ich erklär dir jetzt, wie mein Krankheitsbild heißt! Das nennt man Hochbegabung und 2 % der Menschheit leiden daran! Ich geb zu, dass es mir an Sozialkompetenz mangelt. Wenn ich Informationen kriege, die für mich unterm Radar fliegen, schalte ich ab und kann nicht wechseln! Um das zu kompensieren, neige ich zu überangepasstem Verhalten und versuche krampfhaft, alles richtig zu machen, um euch bloß nicht zu verletzen, aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, was ihr mit Sätzen wie ›Wenn du mich lieben würdest, wüsstest du, was ich denke!‹ sagen wollt! Ich hab keine Ahnung, was ihr denkt! Ich hab auch keine Ahnung, wie ich mich rauswinden soll, wenn ihr mich um Bilder anschnorrt, die zur Tapete passen! Ein handsignierter original O’Molloy kostet je nach Format auf dem internationalen Kunstmarkt vierzig bis sechzig Tausend Dollar. Ich bin an Verträge gebunden, es gibt Leute, die bezahlen ihre Miete davon, dass sie mein Marketing abwickeln, ich geh maximal mit fünfzehn Bildern im Jahr an den Markt, ich kann nicht einfach hingehen und Originale verschenken, die zwei Jahre später für fünfzig Euro bei eBay auftauchen, weil ihr mal wieder umdekoriert und nicht wisst, wohin mit der sperrigen Leinwand! Ich schieße mir nämlich selber ins Knie, wenn der Markt plötzlich überschwemmt wird mit Originalen, deren Kaufpreis unter den Materialkosten liegt!«

John merkte, dass er laut geworden war und wandte verschämt den Kopf ab. Nina fragte kalt: »Bist du fertig?«

John dachte einen Augenblick nach, dann nickte er müde. »Denk schon.«

Nina verschränkte die Arme. »Dann hätte ich jetzt gerne mal die Wahrheit gehört!«

John sah sie fassungslos an, dann schaltete er um. Er wollte plötzlich nur noch weg. »Okay, das war alles gelogen. Tina ist meine Geliebte, ich hab dich mit ihr betrogen.«

Nina fragte kalt: »Wie lange geht das schon?«

John kratzte sich irritiert an der Stirn. Mit welchem Recht fragte sie das eigentlich, sie kannten sich erst ein paar Wochen. Er zuckte die Schultern. »Zwei Jahre? Nee, warte, nicht ganz. Seit Ostern vorletzten Jahres. Ungefähr. Ich hatte gerade meine Frau verloren.«

Nina bekam sofort ein mitfühlendes Gesicht. Ein junger, waidwunder Witwer, das war natürlich etwas ganz anderes! »Oh, mein Gott, du hast deine Frau verloren? Das hast du mir ja noch gar nicht erzählt! Woran ist sie denn gestorben?«

John fuhr sich nervös durch die Haare. »Naja, ich hab sie ja nicht direkt an eine Krankheit oder einen Unfall verloren, eher so, wie man den Chip für den Einkaufswagen verliert. Sie war eben einfach nicht mehr da, aber sie hatte ja die Kreditkarten und …«

»Bist du eigentlich so ein gefühlloses Arschloch oder tust du nur so? Was hab ich bloß in dir gesehen!«

John zuckte ratlos die Schultern. »Keine Ahnung, ich dachte, du hättest mich bei dieser Tangoveranstaltung aufgerissen, weil du was fürs Bett wolltest!«

Nina schnappte nach Luft. »Ich hab dich aufgerissen? Ich hab dich aus Mitleid mitgenommen, weil du ausgesehen hast wie ein einsamer kleiner Teddybär! Ich hab dir einen Gefallen getan!«

John nickte unsicher. »Ja, naja, okay, dann war es eben Mitleid. Ich hatte mich schon gewundert, dass du mich sofort wieder angerufen hast. Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass der Sex mit mir dir gefallen hatte.«

Nina zischte kalt: »Oh, entschuldige, wenn ich bei einem Typen mit Pferdeschwanz nicht gleich in Verzückung ausbreche!«

John griff sich irritiert in die Haare. »Ich hab doch keinen Pferdeschwanz! Ja, gut, der Schnitt ist ein bisschen raus gewachsen und ich müsste mal wieder zum …«

Nina höhnte giftig: »John, du hast einen Pimmel wie eine Thermoskanne! Der passt gar nicht rein!«

John zuckte zusammen. »Ti, Ni, Na! Ich hab wirklich alles gemacht, damit es für dich schön wird! Ich hab dich stundenlang gestreichelt und geleckt, aber wenn du einfach nicht feucht …«

Nina keifte plötzlich: »Aber deiner Tina gefällt der Sex wohl!«

John schluckte. »Ich glaub schon.«

Nina tat das, was alle taten. Sie sah ihn vorwurfsvoll an, dann brach sie in Tränen aus. John räusperte sich vorsichtig. »Nina, guck mal … es ist doch kein Drama, wenn wir das jetzt hier beenden. Wir haben es versucht, es hat nicht funktioniert, kein Grund zum Weinen. Aber ich komm eben nicht so gut klar, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit einer Frau im Bett keinen Konsens finde.«

Nina schniefte wütend: »Keinen was

John seufzte ergeben. »Keinen Konsens, eine gemeinsame Meinung. Ich weiß, das liegt an mir, ich bin ein unsensibler Trottel, aber ich finde einfach nicht raus, was du von mir willst! Wenn ich dich frage, was du magst, kicherst du nur wie eine verklemmte Zwölfjährige, aber ich komme auf so Lolita-Spiele nicht klar, ich hab einfach lieber Sex mit Frauen, die wissen was sie wollen und es genießen, verstehst du?«

Nina stand langsam auf, dann deutete sie mit ausgestrecktem Arm in den Flur. »Raus!«

John stand auf und nickte müde, dann holte er seinen Mantel von der Garderobe in dem winzigen Flur und verließ die Wohnung. Als er die Tür gerade zugezogen hatte, riss Nina sie wieder auf und schrie: »Und lösch meine Nummer, du Arsch!«

John fuhr sich betreten über den Mund, dann wandte er sich in Richtung Treppenhaus, um nicht auf den Fahrstuhl warten zu müssen. Er hatte Nina nicht weh tun wollen, niemals weh tun wollen, aber er wurde immer dünnhäutiger und seine Affären wurden immer kürzer, die Enden immer schmutziger. Es fiel ihm immer schwerer, den aufmerksamen, liebevollen, sympathischen John zu spielen, wenn Frauen über ihre Deko, Nagellackfarbtöne oder Grillabende redeten.

Und er hatte keine Ahnung, wie das weitergehen sollte. Er war auf dem besten Weg, ein verbitterter Frauenhasser zu werden. Jetzt war er auch noch ein Typ mit Pferdeschwanz! Er wollte nur noch in seinen Bauwagen. Auf der Treppe sitzen mit seinem koboldblauen Kaffeebecher, den über den Himmel jagenden Wolken zusehen und nie wieder eine Frau kennenlernen …

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Familiendrama in Ostfriesland!

Familiendrama in Ostfriesland!

Herzlichen Glückwunsch, du bist auf einen LitBait gestoßen und hast Literatur gefunden!

Heute gibt es Kapitel 1 aus „Beziehungsstatus 1: Wer’s zuletzt macht, macht’s am besten!“ Hol dir eine Tasse Tee und genieß die Pause!

 

Wir beginnen mit einer Beerdigung, bei der Eugen fast seine Mutter mit einer Nussecke erschießt

Obwohl Eugen lange darauf gewartet hatte, Tante Gesa zu beerben, fühlte er sich jetzt, an ihrem Grab, nicht besonders wohl.

Er hatte seinen schwarzen Anzug seit der Hochzeit seiner Cousine nicht mehr getragen, und die war inzwischen schon wieder geschieden. Irgendwie waren die Ärmel viel zu knapp und kniffen ihm unter seinem verschossenen Wintermantel ständig in die Achselhöhlen.

Eugen zupfte sich verstohlen am würgenden Kragen und versuchte, sich auf die getragenen Worte des Pastors zu konzentrieren. Aber sein Blick und seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Er würde sowieso noch einmal herkommen und sich in Ruhe von Gesa verabschieden, wenn der ganze Rummel vorbei war.

Die Gruppe der Trauernden, die sich hier auf dem penibel gepflegten Friedhof der kleinen ostfriesischen Stadt Esens versammelt hatte, war beachtlich. Für einen Moment fragte Eugen sich, wie viele Besucher zu seiner eigenen Beerdigung kommen würden, aber außer Mama fiel ihm nicht wirklich jemand ein. Vielleicht sein Meister und die niedliche kleine Aushilfe vom Kiosk – Papa hätte wahrscheinlich Rückenschmerzen oder das Wetter wäre ihm zu feucht.

Die verhärmten Gesichter von Tante Gesas Freundinnen aus dem Landfrauenverein waren hart und bitter. Man hätte unmöglich sagen können, ob sie um Tante Gesa trauerten, oder viel mehr darum, dass sie selbst noch am Leben waren.

Die dazugehörigen Gatten, allesamt in frisch aufgebügelten Schützenuniformen, schienen sich eher auf die Schnäpse nach der überstandenen Beerdigung zu freuen. Gesas Nachbarn waren auch alle da. Eugen versuchte, diffus und freundlich in die Menge zu lächeln, ohne dabei fröhlich auszusehen, aber schließlich hatte er mit Tante Gesas Anwesen große Pläne und wollte sich mit den Nachbarn gut stellen.

Als Eugens Mutter sein Lächeln bemerkte, stieß sie ihm diskret und brutal zugleich in die Rippen. So war sie immer, diskret und brutal.

Von allen Trauergästen trug Eugens Mutter den elegantesten Mantel und die höchste Nase. Sie und die Landfrauen musterten sich mit abwertenden Blicken. Aber als der junge nervöse Pastor endlich zum Ende kam, war Eugens Mutter es, die als erste an das offene Grab trat und mit einem dumpfen „Ploff“ eine Schaufel voll Erde auf den Sarg warf.
Zwanzig Jahre hatte sie nicht mit ihrer Schwester geredet. Und jetzt war sie tot.

Als alles erledigt war, wandte sich die gesamte Beerdigungsgesellschaft wie eine Schafherde in Richtung Altstadt. Mamas Großstadtschuhe machten auf dem feuchten Pflaster in den engen Gassen unangenehme Geräusche. Als sie stolperte, bot Eugen ihr unbeholfen den Arm, aber sie ignorierte ihn und zischte stattdessen: »Hier irgendwo muss dieser Immobilienmakler sitzen. Den könntest du gleich heute noch beauftragen, die Pension zu verkaufen, dann müssen wir nicht in diesem Kaff übernachten.«

Eugen blickte sich verlegen um. Hatte einer der Trauergäste die Bemerkung gehört? Doch die schwarzgraue Herde aus Trauermänteln und Schützenuniformen bewegte sich bereits zielstrebig zu der Teestube, in der Kuchen und Schnäpse bereit standen.

Eugen sog verstohlen die süße ostfriesische Luft ein. Jetzt, im November, lag Esens wie in einem tiefen Schlaf unter norddeutschem Nebel. Die kleinen Kunstateliers und Souvenirläden schienen dunkel und abweisend, nur die kleine Buchhandlung in ihrem pittoresken Altstadthaus strahlte ein warmes Licht aus. Hier hatte Eugen immer wieder einen Besuch abgestattet, wenn er die Ferien bei Tante Gesa verbrachte, und das war sein ganzes Leben lang so gewesen. Nun war Gesa nicht mehr da.

In der behaglichen Teestube mit der niedrigen Decke und den blanken Holzbalken prasselte ein Kaminfeuer. Die sicherlich extra für diesen Anlass zusammengetrommelten Aushilfen segelten bereits geschäftig mit Rumflockentortenstücken und Teekannen mit kitschigen Ostfriesenrosen von Tisch zu Tisch.

Eugens Mutter steuerte zielstrebig auf den einzigen Tisch für zwei Personen zu, während die Landfrauen schon mit der stillen Präzision von geübten Kulissenschiebern die zwei größten Tische aneinander schoben.

Eugen schüttelte Tante Gesas Nachbarn die Hände und machte artig mit bei dem höflichen Gemurmel über die schöne Grabrede und den heimtückischen Krebs.
»Sie hat ja nicht lange leiden müssen.«
»Am Ende ist es doch sehr schnell gegangen.«

Genau dasselbe hatte Tante Gesa vor zwei Jahren über ihren Cocker Spaniel gesagt.
Als Eugen das pikierte Gesicht seiner Mutter bemerkte, beeilte er sich, zu ihr an den Tisch zu kommen. Ausgerechnet heute wollte er auf jeden Fall eine Szene vermeiden. Er fuhr sich vorsichtig tastend durch das schon schütter werdende rotblonde Haar und fragte höflich: »Hast du dir schon was bestellt, Mama?«

Seine Mutter deutete nur mit verkniffenem Gesicht auf eine Kellnerin, die grade Kurs auf ihren Tisch nahm.

Eugens Mutter grunzte: »Die Nussecke ist für meinen Sohn!«

»Danke, Mama.« Eugen hasste Nussecken. Besonders die mit ganzen Nüssen und schwarzer Bitterschokolade.

»Warum isst du nicht! Du magst doch Nussecken so gern.«

Eugen sah sich betreten um. Alle aßen mit ihren billigen Blechkuchengabeln. Also nahm auch er seine Gabel und stieß sie in die Nussecke. Das Geräusch erinnerte an einen Autounfall.

Zwei für immer aneinander karamellisierte Nüsse schossen vom Teller wie ein Projektil, verfehlten seine Mutter nur um Haaresbreite und schlugen mit einem hohlen Knall gegen die stöhnende Heizung. Eugen spürte, wie sein Kopf rot anlief und nahm die Nussecke vorsichtig zwischen seine verschwitzten Finger.

Seine Mutter nippte an ihrem Kaffee, den sie ganz offensichtlich aus Opposition zur Nation der Teetrinker bestellt hatte. »Papa hat schon einen Interessenten.«

»Wieso ist er eigentlich nicht mitgekommen?«

»Du weißt doch, wie ungern er auf Beerdigungen geht.«

»Gesa war immerhin seine Schwägerin.«

Eugens Mutter lächelte süßsauer wie eine Pekingente. »Und nicht nur das!«
Immer, wenn die alte Geschichte auf den Tisch kam, und das tat sie häufig, schämte Eugen sich. Obwohl er gar nicht wusste wofür. Vielleicht einfach dafür, dass sein eigener Vater Sex gehabt hatte.

Es war schon schlimm genug, dass Papa mit seiner eigenen Frau … aber dann auch noch mit Tante Gesa?

»Äh, wofür hat Papa einen Interessenten?«

»Na, für den Gulfhof natürlich.«

»Aber …« Eugen wusste nicht genau, wie er jetzt vorgehen sollte. Eigentlich wollte er das Thema nicht gerade bei der Beerdigung anschneiden, aber dass seine Eltern schon wieder alles für ihn beschlossen hatten, machte ihn so wütend, dass er sich traute, seiner Mutter die Stirn zu bieten. »Ich werde Tante Gesas Pension nicht verkaufen.«

Die Kuchengabel seiner Mutter blieb in der Luft hängen. »Was? Wieso das denn nicht?«
»Weil ich dort einziehen werde.«

An den umliegenden Tischen wurden jetzt endlich Schnäpse gereicht. Langsam wurde die Trauergesellschaft lustiger.

»Was willst du denn allein in dem alten Kasten? Pensionsgäste findest du für das olle Ding sowieso nicht mehr. Kein Mensch fährt mehr an die Nordsee. Und eine Schwiegertochter ist ja wohl nicht in Sicht, oder? Nein, mein Junge, du bleibst schön bei uns, bei Papa und mir.«

»Mama, ich werde bald dreißig, ich bin nicht mehr dein Junge.«

»Ich weiß schon, wo der Hase lang läuft. Das hat Gesa dir eingeredet. Das ist die späte Rache meiner verstorbenen Schwester, fabelhaft! Jetzt will sie mir auch noch meinen Sohn wegnehmen!«

Eugen holte tief Luft und schloss für einen Moment die Augen. Dann blickte er seine Mutter traurig an. »Mama, Gesa hat dir Papa damals nicht weggenommen. Sie hat nur Trost bei ihm gefunden, nachdem Onkel Onno damals auf See geblieben ist und …«

»Auf See geblieben! Aus dem Staub gemacht hat der sich! Schließlich ist seine Leiche nie gefunden worden! Aber bei seiner Frau war das ja auch kein Wunder.«

Eugen spürte, dass ihm gegen seinen Willen vor Wut die Tränen kamen. »Mama, Gesa ist tot, verstehst du? Kannst du vielleicht an diesem einzigen Tag in deinem Leben mal nicht schlecht von deiner Schwester sprechen?«

Seine Mutter tupfte sich den Mund ab. »Dass du wieder auf ihrer Seite bist, ist ja klar. Du warst ja immer der Sohn, den sie nie gehabt hat! Weißt du, was du bist? Ein Erbschleicher! Jetzt hast du diesen verrottenden alten Hof, der sich Ferienpension nennt, geerbt und glaubst, du kannst mir Vorschriften machen! Aber du wirst schon sehen, was du davon hast! Spätestens, wenn du einen Winter allein in dieser Einöde hinterm Deich verbracht hast, kommst du wieder angekrochen!«

Eugen straffte die Schultern. »Ich werde nicht allein in dem großen Haus wohnen.«

»Sondern?«

Eugen holte Luft. »Ich werde eine Künstlerkolonie eröffnen.«

»Eine was?«

»Eine Künstlerkolonie. Eine Gemeinschaft von kreativen Menschen, die zusammen leben und arbeiten. Ich habe das zusammen mit Gesa genau überlegt. Ich werde die Räume gegen ein geringes Entgelt an freischaffende Künstler vermieten, als Dauergäste. Ich werde in der Hochsaison nicht viel verdienen, dafür bin ich das ganze Jahr über ausgelastet. Und ich werde so etwas wie ein Mäzen sein.«

Als Eugens Mutter laut und höhnisch lachte, blickten Tante Gesas hinterbliebene Freundinnen herüber wie ein siebenköpfiges Landfrauenmonster. Eugens Mutter duckte sich und beugte sich zu ihm über den Tisch. »Das wirst du nicht tun! Papa und ich haben dich etwas Anständiges lernen lassen, du bist Elektriker, keiner von diesen langhaarigen Schwulen, die dem Staat auf der Tasche liegen und sich Künstler nennen! Mit solchen Leuten haben wir nichts zu schaffen. Die gehen nur wild durch alle Betten und verderben mir meinen Jungen!«

Eugen legte den Rest der Nussecke zurück auf den Teller und tupfte sich mit der Papierserviette den Mund ab. Dann sagte er langsam: »Weißt du was, Mama? Ich hasse Nussecken.«

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