Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Polyamorie vs. 50 Shades: Meine Abrechnung mit Miss Steel

Es ist wieder Zeit für Sookies Kettensäge!

Ihr Lieben! Erst wollte ich ja einen totaaal gewaltfreien Artikel darüber schreiben, wie das Phänomen 50 Shades aus polyamorer Sicht betrachtet aussieht. Dann hab ich aber gemerkt … *gnnnnn* … *anstreng* … nein. Ich kann nicht. Ich muss einfach gemein werden! Rrrrrrrra!

Ich habe es getan: Ich hab 50 Shades 2 geguckt!

Eigentlich wollte ich nur mal wieder so richtig was zu lachen haben. Aber noch nicht mal das hat funktioniert, Mann! Ich hab zwar Tränen gelacht über die ganzen Klischees (wie Miss Steel schlau und kompetent aussehen soll und auf Dantes Inferno anspielt, muahahahahahaaaa, ich konnte nicht mehr, diese Meta-Ebenen, einfach göttlich!), aber, äh, na gut, zuerst der Trailer für alle Glücklichen, die es bis jetzt geschafft haben, einen Bogen um das Phänomen 50 Shades zu machen und gar nicht wissen, wovon ich rede. Ich versuch mal gerade, dieses Gimmik einzubauen, damit man das nicht unvorbereitet sieht. Ich respektiere jeden Menschen, der sich davor drückt. Ich hab das auch lange getan. Moment …

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So. Also, es wird „romantisch“, ja? Romantisch heißt in diesem Zusammenhang: Miss Steel heilt den traumatisierten Sadisten durch Selbstaufgabe und, ja, durch Liebe *schnief*, und wird mit allem belohnt, was ein Groschenheft-Milliardär zu bieten hat.

  • Ein Meer aus giftigen Schnittblumen, für deren Produktion Menschen in Kenia leider der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt wird – denn das wird ja für die Produktion der Rosen für den Weltmarkt gebraucht. Rosen für Milliardäre sind eben einfach wichtiger, man muss Prioritäten setzen. Es ist auch nicht so, dass Mister Grey sich selbst gebückt hätte, um ein Gänseblümchen zu pflücken. Das kostet den einen Anruf und eine ganze Blumenhändlerkette stößt sich gesund! Danke, Christian, so viel Mühe wäre doch gar nicht nötig gewesen! 😀
  • Ein Feuerwerk, dass die Umweltsauerei einer Silversternacht in den Schatten stellt.
  • Ich weiß jetzt nicht genau, in welchem Teil, aber sie kriegt auch einen halben Apple-Store geschenkt, damit Google, die NSA und alle, die es sonst noch interessiert, genau verfolgen können, wann sie welchen Laden betritt und wie lange sie sich da aufhält. Und Mister Grey natürlich auch, der entwickelt ja Überwachungssoftware.
  • Diverse Sex-Spielzeuge, von denen ich euch jetzt leider nicht sagen kann, wofür die gut sind, aber da Miss Steel blöd geguckt und sich an der Lippe genagt hat, gehe ich davon aus, dass sie geil war. Oder sein sollte. Was in dem Weltbild bei einer gut funktionierenden Frau ja dasselbe ist. Ob sie’s wirklich ist, interessiert ja keinen, Hauptsache, der Film kurbelt den weltweiten Sextoy-Verkauf an.
  • Ohhh, ganz süße Kleidchen, wirklich! Und traumhafte Dessous! Christian kümmert sich einfach um alles! Was sein Besitz anzieht, was er isst, was er trinkt, welches Auto er fährt … Welche Frau wäre so blöd, sich da nicht geliebt zu fühlen?

So, ich muss jetzt hier eben was einschieben! Ich bin kein SM-Gegner, absolut nicht. Wenn eine selbstbewusste Frau freiwillig entscheidet, dass es ihr gut tut, sich mal vertrauensvoll fallen zu lassen und dem Mann die Führung zu überlassen, viel Spaß. Und wozu gibt es Safewords, eine eigenverantwortliche Sub sagt Bescheid, wenn sie etwas nicht möchte.

Miss Steel ist aber keine verantwortungsvolle Sub mit einem dominanten Partner, Miss Steel ist eine, wir nehmen langsam Fahrt auf, rrrrrrrrrrrr, Miss Steel ist eine strunzdumme, konsumgeile Schmalznudel, die hundert Jahren Frauenbewegung einfach so in den Arsch tritt! Aus purer Blödheit! Otto Ludwig Piffel würde sie als die verfaulte Frucht einer bourgeoisen Zivilisation bezeichnen! Karl Kraus würde sagen, sie ist ein Atom der Weltbanalität! Miss Steel ist einfach … RRRRRRAAAAA!

Alle braven Frauen stellen sich jetzt mal in einer Reihe auf und gehen dann zurück ins neunzehnte Jahrhundert!

Ja, Miss Steel ist ja Literaturwissenschaftlerin oder so was. Also, vielleicht ist sie eher das, was Nicht-Leser sich darunter vorstellen. Ihr Kleidungsstil soll glaube ich auch darauf hinweisen, scheint sich dann in der Praxis aber doch eher an Pädophile zu richten, die Frise einer Zehnjährigen, die süßen flachen Schühchen und die Mini-Röckchen in der A-Linie mit den süßen Blüschen, da fehlen eigentlich nur noch die Siebziger-Jahre-Zopfgummis mit lustigen Plastikkirschen und der Lolli im Mund, dann ist Pädo-Opis Lolita von nebenan schon fertig.

Aber meine persönliche Schlüsselszene in „50 shades 2“ war der Moment, wo Miss Steel auf die Frage, wieso sie noch Jungfrau war (Wieso wohl? Weil alle Frauen, die mit über 20 schon eine selbstbestimmte Sexualität haben, dreckige Schlampen sind!) antwortet, dass sie ja Austen und Brontë gelesen hat. Jetzt blubbert sofort wieder eine Nerdfrage in mir hoch: Welche der Brontë-Schwestern genau? Da gab es ja durchaus Unterschiede. Aber passen wir uns einfach mal Miss Steels Niveau an und da bleiben als „Traummänner“ eigentlich nur Heathcliff (Sturmhöhe) und Rochester (Jane Eyre).

Wieso Heathcliff als der romantische Held schlechthin gilt, habe ich nie verstanden. Der Mann ist ein brandgefährlicher Angstbeißer, der von völlig unreflektierten, destruktiven Aggressionen beherrscht wird. Rochester hält seine psychisch kranke Frau vor der Welt geheim, was im neunzehnten Jahrhundert durchaus verständlich war, wenn man noch irgendwo zum Tee eingeladen werden wollte. (Und wenn man es sich leisten konnte, einen Flügel des Familiensitzes „stillzulegen“, damit keiner die Irre schreien hört.)

Aber Rochester hält gleich zwei junge Frauen mit einem nicht offen ausgesprochenen Eheversprechen an der langen Leine, ohne zu sagen, was Sache ist. Nämlich, dass er gar nicht heiraten kann, weil er schon verheiratet ist. Das ist … fies, um es mal vorsichtig auszudrücken. Oder feige, um es direkter zu sagen. Aber immerhin hat er einen interessanten Konflikt, denn er sehnt sich nach Liebe, möchte aber die Dame seines Herzens auch zu einer „ehrbaren Frau“ (höhö!) machen. Damit gerät er aber in einen Konflikt mit der Gesellschaft, ein Dilemma, das jeder Poly nachempfinden kann, der sich schon mal die Nase an den vorherrschenden Konventionen gestoßen hat.

Und dann Jane Austen. Tja. Die gute Jane war zu ihrer Zeit innovativ und hat so Sachen gemacht, wie den Perspektivwechsel in den europäischen Roman einzuführen. Danke dafür, Jane. Aber Jane Austen war eine sanfte Satirikerin, aus deren Büchern auch viel bissige Frustration trieft – was kein Wunder ist, denn sie war eine analytisch denkende Frau mit Humor, die in Salons und Konventionen eingesperrt war. Aber Jane Austens männliche Helden sind allesamt Witzfiguren. Das sollten sie sogar sein. Jane wollte darstellen, dass Heldinnen ihres Standes nur eine einzige Frage selbst entscheiden konnten, um an ihrer Lebensgestaltung aktiv mitzuwirken: Welche der Flitzpiepen, die mich nehmen würden, hat denn das höchste Einkommen?

So. Und in diese Welt möchte Miss Steel also zurück. Den ersten Mann heiraten, der sie mit teuren Geschenken ins Bett lockt, der sie aus tragischen Ängsten heraus kontrolliert, gängelt und braucht. Was lernen junge Frauen aus diesem Rollenmodell?

  • Es gibt nichts schöneres, als „gebraucht“ zu werden.
  • Selbstbestimmte Sexualität ist wieder absolut pfui! Anständige Frauen wollen dann, wenn der Mann will. Natürlich nur „der Richtige“, also das Alphamännchen mit dem Hubschrauber. ansonsten würde frau sich ja unter Wert verkaufen.
  • Ein Mann wird dadurch attraktiv, dass er eine Frau haben will. Mehr muss der gar nicht machen, er ist ja ein Mann. Da hat man sich als Erwählte geschmeichelt genug zu fühlen. Selber denken ist nicht so gut. Es ist besser, wenn man passiv bleibt und hofft, dass man „einen abkriegt“. Mit dem, was man abkriegt, muss man dann eben arbeiten. Tja.
  • Verliebe dich in das Potenzial eines schwer traumatisierten sadistischen Neurotikers und heile ihn mit deiner selbstlosen Liebe. Damit nimmst du ihm zwar die Chance, sich endlich mal um sich selbst zu kümmern, aber zu was solltest du als Frau sonst gut sein? Ich empfehle Miss Steel an dieser Stelle das Buch „Männerphantasien“ von Klaus Theweleit. Augenöffnend für alle Frauen, die immer noch als heilige Krankenschwester in Aktion treten!

Aber der Oberknaller ist:

  • Wenn ein Mann dich kontrolliert, gängelt, einsperrt, stalkt und überwacht, dann darfst du dich geliebt fühlen. Denn was sollte das sonst bedeuten?

Schließlich sind Besitzdenken, Kontrolle und Eifersucht die größten Liebesbeweise ever, ooooder? Eine Frau, die den Kopf hebt und sagt „Ach, lass mal, ich gehöre lieber mir selbst, behalte die Kontrolle über mein Leben und such mir Partner aus, die mich akzeptieren, wie ich bin!“ wird in der Welt der 50 Shades Fans ganz schnell zum Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft.

Was hat das jetzt alles mit Polyamorie zu tun?

Erst heute hab ich wieder in einer Polyamorie-Gruppe den Beitrag einer Frau gelesen, die müde und erschöpft davon ist, sich wie eine einsame Außerirdische zu fühlen, weil sie offen dazu steht, dass sie mehrere Partner lieben kann. Weil sie damit immer noch in die Schlampen-Ecke gestellt wird. Ich les das immer wieder überall und ich kenne das Gefühl so gut, dass es mich jedes Mal wieder traurig macht. Die Liebe einer polyamoren Frau wird ja auch in der Gesellschaft nicht ernstgenommen, denn was Liebe ist, definiert ja freundlicherweise Miss Steel für uns.

Auch polyamor lebende Männer können doch unmöglich lieben, oder? Sonst würden sie sich doch aufführen wie Herr Grey! Kontrollieren, eifersüchtig überwachen, gängeln und entmündigen. Ein echter Mann macht das doch, wenn ihm eine Frau etwas bedeutet! Vor allem lässt ein Kerl mit Arsch in der Hose sich ja nicht auf der Nase rumtanzen, indem er zulässt, dass die Alte fremdgeht! Damit bist du doch an jedem Nicht-Polystammtisch die Lachnummer!

Eigentlich wollte ich jetzt eine flammende Rede darüber halten, dass alle Menschen, die den Mut aufbringen, anders zu leben und offen dazu zu stehen, für mich einfach Helden sind. Weil sie bereit sind, ohne Rollenmodelle voranzugehen und immer wieder gegen blöde Vorurteile zu kämpfen. Gerade Frauen, die sich immer wieder aufrappeln, wenn jemand mit der Moralkeule auf sie eingeprügelt hat, verdienen einen großen, fetten Blumenstrauß, allerdings nicht aus Herrn Greys Gewächshäusern, sondern einen selbstgepflückten von einer echten Wiese.

Aber wisst ihr was? Ich bin jetzt gerade selber einfach nur müde. So müde, dass ich mich frage, ob es überhaupt Sinn hat, diesen Artikel zu veröffentlichen. Ist da draußen irgendjemand, den das interessiert? Oder haben die Miss Steels dieser Welt längst gewonnen? Sind polyamore Frauen, die sich selbst annehmen, wie sie sind, gegen alle Widerstände, die selbstreflektiert leben, handeln, kommunizieren, die Verantwortung für ein komplexes Polykül tragen und sich immer wieder den dämlichsten Vorurteilen stellen, wirklich die Schlampen der Gesellschaft? War alles umsonst?

Soll ich dir was sagen, Miss Steel? Alle finden dich süß und wollen so sein wie du. Aufopfernde Krankenschwester, allzeit verfügbares Sextoy und süßes Dummchen in einem. Das Überraschungs-Ei für den kleinen Milliardär. Aber für mich bist du einfach nur eine strunzdumme Fotze. Ätsch.

Jetzt geht’s mir besser. Mal gucken, vielleicht geh ich noch einen BH verbrennen.

Nachtrag: Liebe Freunde und Feinde, nach einer possierlichen kleinen Facebook-Diskussion, die leider hinter verschlossenen Türen stattfand, musste ich einen zweiten Teil nachlegen, den ihr hier findet. Holt euch besser eben noch ein paar Kekse.

Sookies Kettensäge gegen Vorurteile – Heute: Offene Beziehungen!

Sookies Kettensäge gegen Vorurteile – Heute: Offene Beziehungen!

Das Thema "Liebe zu dritt" wird in der Öffentlichkeit oft falsch verstanden ...
Das Thema „Liebe zu dritt“ wird nicht nur von Käfern falsch verstanden!

Ihr Lieben! Heute bin ich so geharnischt, ich muss endlich eine neue Blog-Kategorie anlegen, so geharnischt bin ich, und diese Kategorie heißt: Hear me roar! Yäp! Ihr habt richtig gelesen! Sookie ist mal wieder spontan eine Kettensäge aus dem Arm gewachsen, und wenn ihr wissen wollt, wieso diesmal, hö? Watt is‘ da los? Dann müsst ihr euch leider eben ein kultiviertes Heißgetränk holen, denn ihr wisst ja: Wenn mir der Schädel platzt, kann das etwas länger dauern!

Wie immer, ihr kennt das, fing alles ganz harmlos an. Ich hing da so gerade etwas dösig auf dem Stuhl, wollte gerade mein Manuskript aufklappen und stellte semiverstört fest, dass die Kaffeetasse schon wieder leer, ich aber immer noch nicht wach war, da schickte eine extreeem geschätzte Kollegin von mir (die dummerweise einen sehr ähnlichen Humor hat wie ich, was dazu führt, dass unsere PNs oft damit enden, dass wir vor Lachen hysterisch gackern wie ein angetüterter Damenkegelclub in der Nordwestbahn – ganz furchtbar so was, wir sind voll peinlich) den Link zu einer Facebook-Diskussion. Cool, hab ich erst gedacht, da kann ich prokrastinieren und mir erstmal noch einen Kaffee machen, bevor ich mich wichtig mache und ernsthaft arbeite! Und dann DAS!

Also, ich überflog diese Diskussion, dann fing ich an, Geräusche zu machen wie Doris Day. Wer von euch sich noch an den guten alten Sonntagnachmittag-Film erinnern kann, hat das jetzt genau im Ohr. Das geht so: „Ooooh! Grrr! Mmmmmm! Ohhhh! Arrrrgh! Ohhhhhhhgrumpfffffahhhh!“ Jedenfalls so ungefähr. Dazu die geballten Fäuste und die derangierte Frise, das kommt schon echt klassisch. Als nächstes biss ich ein Stück Holz aus der Tischplatte, das dem weißen Hai zur Ehre gereicht hätte, dann sprang ich auf, lief grün an, sah in Zeitlupe die Knöpfe von meinem Hemd springen und jetzt seh ich so aus:

Ich kann doch unmöglich so bleiben!
Ich kann doch unmöglich so bleiben!

Für alle, die heute zum erstenmal hier sind und sich fragen, wo ist denn da jetzt der Unterschied, wie sieht die denn sonst aus, war die beim Frisör oder was?, hier das Vergleichsbild:

Voll gechillt, Alter!
Voll gechillt, Alter!

Das ist mein Normalzustand. Schrullig, verknautscht, tiefenentspannt, Frisur „Modell geplatztes Sofakissen“, und immer lecker in der Nähe des Wasserkochers. Manchmal hab ich sogar einen messbaren Puls. Aber heute?

*nag* *nag*
*nag* *nag*

Ach so, jetzt wollt ihr wissen, was da auf Facebook los war! Jetzt muss ich das auch noch in Worte fassen! Also, äh, die Frage, die da diskutiert wurde, war folgende: „Was haltet ihr eigentlich von Dreiecksbeziehungen in Büchern?“ Für mich eine extrem spannende Frage, da ich am Buchmarkt als die Polyamorie-Autorin unterwegs bin. Leider brachte schon die komplette Fragestellung mich dazu, sofort „Einspruch, Euer Ehren! Es handelt sich hier um eine Suggestivfrage!“ zu rufen, denn die Fragerin beantwortete schon vor der Diskussion ihre Frage selbst damit, dass sie Dreiecksbeziehungen ja furchtbar schrecklich findet und so was gar nicht lesen will. „Ich finde das sooo doof, ihr seid doch meiner Meinung, oder?“ Eine rhetorische Frage mit dem Ziel: „Alle, die das so sehen wie ich bitte hier rüber!“ ist als rhetorische Frage natürlich ein adäquates Mittel, dann sollte man sich aber nicht als „neutraler Moderator“ präsentieren. Und nur um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin hier nicht neutral, I got the blog, I make the rules! 😀

Jedenfalls kam es, wie es kommen musste. Ein Shitstorm brach los und alle waren sich einig. Frauen, die vielleicht mal in eine Lebenssituation geraten, wo ihr Beziehungsstatus nicht ganz eindeutig ist, sind totale Schlampen! Was für Bitches! Im wahren Leben würde man mit so einer ja auch nichts zu tun haben wollen, aber ich Büchern soll das dann gehen, oder was? Eine einzige Diskussionsteilnehmerin wagte mutig anzumerken, dass Dreiecksbeziehungen ja wohl doch manche Leute interessieren, sonst würden sie nicht in so vielen Büchern vorkommen, aber niemand wollte ihre Meinung hören.

Interessanterweise wurde die „Biss zum Abwinken“ Dreiersache zwischen Ella, Bedward und noch irgendwem immer wieder lobend erwähnt, denn Bella ist ein anständiges Mädchen und hat wohl ihren verwirrten Gefühlen zu ihrem besten Freund widerstanden, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich hab diese Bücher nie gelesen, weiß aber wohl, dass sie von einer Mormonin geschrieben wurden, und wie „gleichberechtigt“ Mormonen das Monogamie-Problem gelöst haben, wissen wir ja alle! 😀

Jedenfalls schlug mir so eine geballte moralische Überlegenheit mit einem Hauch von Doppelmoral entgegen, dass ich rückwärts vom Stuhl kippte und dann wieder aufstand, um zu kontrollieren, ob der Post auch wirklich aus diesem Jahrhundert war. Hallooo? Wir haben angeblich: Aufklärung, Informationszeitalter, eine pluralalalalalistische Gesellschaft, wer will, kann sich sogar in Toleranz gegenüber anders denkenden Menschen üben, und was hab ich vor der Nase? Eine Horde stutenbissige Moralaposteletten, die schreien: Auf den Scheiterhaufen mit den Bitches!

Folgendes passierte alles gleichzeitig in meinem Kopf:

Die alte Kampfemanze, die in meinem vernarbten Herzen wohnt, fing an zu weinen. Schwestern, wo ist eure Solidarität, eure gegenseitige Wertschätzung und Toleranz? Wie können Frauen nur so aggressiv und unreflektiert gegen andere Frauen wettern?

Die Autorin in mir dachte: Gott sei Dank hab ICH andere Leser! Ich liebe meine Leser! Die Leser meiner Bücher sind offen, denken vielschichtig und haben einen unschlagbar geilen Humor – sonst würden sie ja über meine Bücher nicht so lachen. Also: Ick liebe euch!

Die Intellektuelle in mir dachte: Wo haben wir als intelligente und gebildete Avantgarde so versagt, dass wir die Menschen nicht erreicht haben mit der so wichtigen Idee vom toleranten Miteinander?

Die Bitch in mir dachte: Tja, Mädels, ihr seid moralisch erhaben, dafür hab ich mich richtig gut ficken lassen! Schlampen aller Länder, vereinigt euch!

Die Analytikerin in mir zog besorgt die Augenbraue hoch, weil unsere Gesellschaft mit ihrer vorherrschenden Moralvorstellung längst wieder da angekommen ist, wo Sigmund Freud ursprünglich mal – damals noch ganz verklemmt und verhalten – versucht hat, die vollkommen lustfeindlichen, bürgerlichen Strukturen zu überprüfen. Also alles nochmal zurück auf Anfang. Als hätte es die Frauenbewegung, die sexuelle Revolution nie gegeben.

Das politische Wesen in mir dachte: Never underestimate the power of stupid people in large groups! Wenn die eine Partei gründen, bin ich am Arsch!

Die Vulkanierin dachte: Das ist nicht logisch. Wenn der Herr Grey in 50 Shades (zugegeben, bei dem Thema reagiere ich ja auch immer wieder mal klingonisch) seiner Interims-Submissive einen Knebelvertrag mit Verschwiegensheitsklausel und Foltermethoden zum Ankreuzen vorlegt, einen Knebelvertrag, der ganz offensichtlich nicht nur auf totale Bevormundung, sondern auch auf kurzgetaktete serielle Monogamie hinausläuft, dann regt sich da kein Schwein drüber auf. Denn a), er hat, wie wir wissen, einen Huuubschrauber!, b) er sieht ja so guuut aus, c) zu Belohnung gibt es, tada, IHN (gebt mir die Bratpfanne, ich muss mir vor den Kopf schlagen, um den Schmerz zu kanalisieren, rrrrraaaa!). Ach so, d) er ist ein Mann. Männer, die einen hohen Frauenverschleiß haben, müssen ja irgendwie enorm tolle Hechte sein. Das macht den Schwachmaten ja gleich noch mal attraktiver, wenn ein heißer Bitchfight von Nöten ist, um ihn vom Markt zu holen, aber dann ist man ja als Frau auch endlich mal was „Besonderes“, wenn man das Alphamännchen unter Einsatz von Ellenbogen ergattert hat. Wenn das Alphamännchen dann allerdings die Nächste auspeitscht, gehört nicht er auf den Pott gesetzt, sondern die Schlampe, die ihn „wegschnappt“. In den meisten Fällen weiß die arme „Schlampe“ zwar gar nicht, dass er zweigleisig fährt, weil er einfach beide Frauen heimlich betrügt, aber das ist ein anders Thema. Fest steht: Doppelmoral ist nicht logisch!

Der Dalek in mir dachte einfach nur: Eliminiiiieren!

Die Zynikerin in mir fragte sich: Höre ich bei den bissigen Stuten etwa Neid? Weil die es nicht mal hinkriegen, einen Mann zu ergattern, hassen sie jede Frau, die zwei hat? Wie sagt Scarlett MacNamara in der grandiosen Billy Wilder Komödie „Eins, Zwei, Drei“ so schön? „Oddo sagt, keine Frau sollte zwei Pelzmäntel haben, solange es noch eine Frau gibt, die keinen Pelzmantel hat!“ Oddo-Darling wurde übrigens gespielt von einem großartigen Hotte Buchholz, damals musste man sich für „unseren Mann in Hollywood“ noch nicht schämen! Heute haben wir Til Schweiger. Jedenfalls sind Männer in einer schön einfach gestrickten Welt ja willenlose Wesen, die man gerecht verteilen kann, damit jede einen hat. Ich befürworte durchaus das Che Guevara Zitat: „Solange es nicht genug Kaffee für alle gibt, gibt es Kaffee für keinen!“ Man kann ja auch mal Tee trinken, besonders ich alter Ostfriesenteejunkie, aber Männer sind weder Kaffeebohnen, noch Teebeutel! Männer sind Menschen!

So, das war ein kleiner Auszug dessen, was mir da innerhalb weniger Sekunden alles durch den Kopf raste. Ihr seht, da sind einige Leute unterwegs in meinem Hirn und manchmal herrscht ziemliches Gedränge und man versteht sein eigenes Wort nicht. Was mich jetzt zum letzten Punkt bringt:

Die verpeilte Hochbegabte dachte neidisch: So einfach würde ich mir das auch gern mal machen können!

Gehen wir doch einfach mal mit gewaltfreier Kommunikation an die Sache ran!

Für alle, die noch nie davon gehört haben: Der Sinn der gewaltfreien Kommunikation liegt darin, auch aus extrem „wölfischen“, also destruktiven und aggressiven Äußerungen, das dahinter verborgene Bedürfnis mit liebevollen Ohren zu hören. Wenn eine Horde Frauen sich vollkommen einig ist, dass selbst harmlose Romanfiguren, die nie zwischen den Buchdeckeln hervorkommen und ihnen was streitig machen werden, Schlampen und Bitches sind, nur, weil diese Figuren zeitweise zwischen zwei potenziellen Partnern schwanken, dann hört die gewaltfreie Giraffe (das Symbol für die liebevollen Ohren, denn die Giraffe hat von allen Landtieren das größte Herz) in mir da ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Counselor Troi, die empathisch begabte Beraterin auf der USS Enterprise, würde es so ausdrücken: „Ich fühle große Angst.“

Die Angst, den Partner an einen Außenstehenden zu verlieren sitzt tief und das zu Recht. Es tut einfach scheiße weh, betrogen oder sogar für einen anderen Partner verlassen zu werden. Verlustangst und Eifersucht sind so quälend schmerzhafte Gefühle, dass man sie am liebsten komplett wegdrängen würde. Reizthema. Urangst. Übler Trigger für alle, die mit untreuen und verlogenen Partnern schon schlechte Erfahrungen gemacht haben (wie ich, die Polyamorie-Autorin, übrigens auch). Und natürlich gibt es da eine oberflächliche Scheinsicherheit, einfach jede Frau, die eine potenzielle Rivalin werden könnte, als schlampenbitchiges Miststück vorzuverurteilen. Los, alle „anständigen Frauen“ zusammen, auf die Schlampe, und immer druff! Aber das es nicht funktioniert, die Angst dadurch zu bannen, zeigt sich ja daran, wie sehr das Thema immer noch und immer wieder polarisiert.

Sicherheit in Beziehungen gibt es nicht

Allein ein kurzer Blick auf die Scheidungsstatistiken macht jedem klar: Der Schwur ewiger Liebe und Treue mag ja gut gemeint sein, ist aber keine Garantie. Egal, wie groß die Liebe am Anfang war, was die Party und das Kleid gekostet haben, wie viel CO2 die Hochzeitsreise in die Atmosphäre gepufft hat, jede zweite Ehe scheitert. Und da sind ja jetzt die Trennungen ohne Trauschein gar nicht in der Statistik. Jeder hat heute Trennungen in der Vita. Und viele dieser Trennungen hatten im weiteren Sinne mit Untreue zu tun. Entweder, weil eine Affäre aufflog und die Beziehung durch das zerstörte Vertrauen zu kriseln begann, oder weil die Untreue ein Symptom dafür war, dass es in der Beziehung einfach schon lange nicht mehr stimmte, das gegenseitige Gespür füreinander den Bach runter gegangen war. Es ist immer traurig und tut immer weh, keine Frage. Aber wie sagt Danny Wilde in „Die Zwei“ so treffend: „Wir sind alle Menschen! Die Automaten stehen in der Küche!“

Und genau das isses. Wir sind keine Automaten. Niemand von uns ist davor gefeit, betrogen oder verlassen zu werden. Und selbst der treuste Partner kann plötzlich tot umfallen und einen trauernden Partner untröstlich zurücklassen. Das macht der dann auch nicht mit Absicht, aber klar ist: Liebe ohne Verlustangst ist nur was für Hardcore-Buddhisten. Niemand von uns ist auch davor gefeit, sich außerhalb seiner Beziehung zu verlieben und vor der Entscheidung zu stehen: Bleiben? Gehen? Untreu werden? Der mutigste und schwierigste Weg ist es, ganz offen und ehrlich mit dem angestammten Partner zu sprechen und dann gemeinsam eine Lösung zu suchen, wie auch immer die aussehen mag. Aber wer jetzt Stein & Bein schwört, dass er sich niemals zu einem Menschen außerhalb seiner Beziehung hingezogen fühlen könnte, der werfe den ersten Stein – aber dann bitte auf seinen eigenen Kopf.

Solche Dinge passieren nun mal! Gegen Gefühle kann man nix machen, man kann nur bewusst Einfluss darauf nehmen, ob man sie auch auslebt! Oder eben nicht. Und die „Wir müssen reden!“-Momente in einer Beziehung hat niemand gern! Besonders nicht, wenn Männer das sagen! Weil, in 3 % der Fälle haben sie dann aus Versehen deine Katze überfahren. In 97 % der Fälle sind sie ungeplant schwanger. Ach, nee, das waren ja wir! Also, ihr wisst schon. In 97 % der Fälle sind sie dann ins falsche Bett gefallen oder – das sind die ehrlichen Helden unter ihnen, die gibt es tatsächlich – sie kämpfen dagegen an, es zu tun und sprechen deshalb mit ihrer Frau. Vorher, um nicht heimlich fremd zu gehen, und das erfordert Mut. Ich sag ja nicht, dass das gut ist! Aber es ist menschlich und wenigstens ehrlich.

Wer ehrlich ist, riskiert nämlich auch, verlassen zu werden, manchmal nur für seine Gefühle, obwohl noch gar nichts passiert ist. Es ist ja auch vollkommen legitim zu sagen: „Nö. Also, mit einem Partner, der auch Gefühle für jemand anderen hat, will ich nicht zusammen sein.“ Absolut nicht legitim ist es in meinen Augen, schön moralisch überlegen von oben herab die Menschen zu beschimpfen, die ihre Beziehung nicht einfach wegschmeißen, wenn es kritisch und vielleicht auch schmerzhaft wird, sondern Wege suchen, mit ihrer Eifersucht, ihrer Verlustangst, oder mit ihrem sich hingezogen fühlen zu einem Partner außerhalb der Zweierbeziehung konstruktiv umzugehen. Und dann eben vielleicht auch in einer Dreiecksbeziehung landen. Und ich erzähl euch sogar, wieso mich diese „erhabene“ Verurteilung nicht nur auf der intellektuellen Ebene eines aufgeklärten Menschen aufregt, sondern ganz persönlich!

Plauderei aus dem „Schlampen-Nähkästchen

Ich schreibe Bücher über das, was ich selbst ge- und erlebt habe. Ich hatte monogame Beziehungen, ich hatte offene Beziehungen, und ich kannte auch Männer, die Treue verlangt haben und dann einfach stupide heimlich fremdgegangen sind, während ich Schaf natürlich die Letzte war, die es erfuhr. Und jede Beziehungsform hatte Vor- und Nachteile. Gut, untreue Lügner haben mehr Nachteile als andere Partner, das sehe selbst ich ein. Aber sie haben Gründe, die man versteht, wenn man bereit ist, ihnen zuzuhören, und wenn sie bereit sind, zu reden. Was sie allerdings meistens nicht sind, weil es viel leichter ist, stinkwütend den Satz „Du bist ja eifersüchtig!“ als Beschimpfung abzufeuern, als die heulende Frau, der man so weh getan hat, liebevoll in den Arm zu nehmen und das mit ihr auszuhalten.

Und jetzt kommen wir zum Anekdöööötchen! Es begab sich aber zu der Zeit, dass es sich irgendwie entwickelt hatte, dass ich mit zwei Männern gleichzeitig zusammen war, die in derselben Herde verkehrten, will sagen: Wir hatten alle drei dasselbe „Stammlokal“. Ihr wisst schon, dunkler Schuppen, laute Musik, und saufen kann man umsonst, weil man den Typen an der Theke kennt, so was halt. Zu erklären, wie wir in der Dreiecksbeziehung gelandet sind, würde einen eigenen Roman erfordern, aber darum geht es jetzt auch gar nicht. Fakt ist: Ich war mit beiden zusammen, und zwar mit ihrem Einverständnis, und das – groooßer Skandal – sogar in der Öffentlichkeit, weil, siehe Stammschuppen.

Die Sache ist nämlich sooo, dass ich kein Fremdgänger bin. Ich kann so was einfach nicht. Ich kann weder lügen, noch verschweigen, noch irgendwie unehrlich sein, ist mir einfach nicht in die Wiege gelegt. Ich hatte auch noch nie so was wie einen One-Night-Stand. Nicht aus moralischen Gründen, wenn andere das machen, hab ich da absolut nichts gegen, sondern weil ich so langsam bin. Tja, meine Lieben, ich bin total unzeitgemäß, ich bin eine emotionale Schnecke. Ich hab mich tatsächlich schon mal in einen Mann verliebt, den ich vier Jahre lang sehr gut kannte, bevor es „BING!“ gemacht hat, das darf man der WhatsApp-Generation gar nicht erzählen, die lachen mich ja aus!

Auf jeden Fall war ich mit meiner emotionalen Schneckentechnik in diesem offenen Dreieck gelandet, das jeder von uns aus den verschiedensten Gründen zu der Zeit einfach wollte. Das bedeutete kein oberflächliches Rumvögeln, sondern einen kniffeligen und diffizilen Balanceakt mit auch offen gelebter Verlustangst und Eifersucht, aber auch unglaublich intensiven, nächtelangen Gesprächen und sehr intensiven Gefühlen. Zu Partnern, mit denen ich monogam gelebt und eben alles totgeschwiegen habe, was unsere Hollywood-Norm bedrohen könnte, hatte ich nie so ein intensives Verhältnis wie zu den Männern, mit denen ich tatsächlich über alles reden konnte – weil Außenbeziehungen eben kein Tabuthema und kein Trennungsgrund waren.

Ich sag jetzt nicht, dass das alles toll und einfach ist und ich will das auch nicht wieder haben. Heute bin ich ja Single aus Leidenschaft. Nicht, weil ich generell was gegen Männer hätte, aber mein Tag ist so voll mit wichtigen, spannenden Dingen, dass ich einfach nicht wüsste, wohin mit einem Mann. Meine Tochter kriegt ja schon keinen Hund, weil ich nicht weiß, wann ich diese Beziehung auch noch pflegen soll! Ja, gut, ein Mann kann jetzt alleine raus, wenn er mal Beinchen heben will, aber ihr versteht, was ich meine. Ich krieg ja schon einen Anfall, wenn ich gerade den totalen Lauf hab und sich dann mein Kater demonstrativ schnurrend auf die Tastatur setzt! Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Mann sich auf meinen Laptop … nee. Also, ich bin auf jeden Fall Single, aber ich war das eben nicht immer. Mein Marktwert hat mich übrigens auch nie sonderlich interessiert, aber wenn ich den heute testen will, checke ich auf Amazon die Verkaufsränge meiner Bücher, so ändern sich im Leben die Interessen! 😀

Was ich aber mal war, war die Dorfschlampe, die für Skandale sorgte. Nicht in meinen Augen, ohne Liebe geht bei mir gar nix, da bin ich total altmodisch. Nicht in den Augen meiner Männer. Auch nicht in den Augen meines Freundeskreises, das waren eh immer nur verpeilte Künstler und Musiker, die selbst im Nebel stocherten auf der Suche nach einer Beziehungsform, die irgendwie lebbar wäre, ohne in ein regelmäßiges „Der nächste bitte!“ zu rutschen. Also sehr tolerante, sensible Menschen auf der Suche nach Glück. Aber in den Augen sämtlicher Frauen, die mich und meine Männer vom Sehen kannten, war ich das bitchigste Schlampenmiststück auf Gottes Erdboden. Was ich da an Gezische, Getuschel, an abwertenden Blicken und Häme abbekommen habe, war echt sehenswert und reicht fürs ganze Leben. Und das hat mich echt nachhaltig verstört.

Also, ich selber hab da einen Gendefekt. Von Sookies Boden ist im Leben noch kein Bitchfight ausgegangen. Einmal wäre ich mit der anderen Frau meines Mannes fast spontan in den Urlaub gefahren. Es scheiterte dann leider daran, dass er uns sein Auto nicht leihen wollte. Männer! Aber das ist jetzt nicht so, weil ich ja so cool und eifersuchtsfrei wäre (ich kann tierisch eifersüchtig sein, wenn mein Partner mir keine Sicherheit gibt), das ist eher so, weil ich denke: Eine Frau, die denselben Mann liebt wie ich, hat bestimmt Geschmack! Und wenn er mir keine Sicherheit und Geborgenheit gibt, kann sie da ja nichts für, sondern er.

Umgekehrt bin ich aber immer wieder von anderen Frauen massiv angegangen worden, selbst dann, wenn ich ihnen definitiv nie nix irgendwas getan hatte. Ich bemühe mich generell immer, nie jemandem definitiv nie nix irgendwas zu tun, außer, der will das. Dann vielleicht. Aber Fakt ist: Wenn Frauen, die nicht den geringsten Plan haben, worum es geht, die überhaupt kein Recht haben, sich einzumischen und sowieso nur aufgrund ihrer unüberprüften Vorurteile mit der Schlampenkeule nach anderen Frauen schlagen, finde ich das nicht nur äußerst unsolidarisch, sondern auch einfach scheiße. Und ich weiß, dass viele Frauen, die den Mut haben, Trampelpfade statt Autobahnen zu nehmen, unter solchen Attacken leiden. Und deswegen lege ich jetzt noch eben meinen Werkzeuggürtel um und reiße ein paar Vorurteile ein, mit denen Frauen mit etwas kreativerer Beziehungsgestaltung immer wieder zu kämpfen haben.

Vorurteile, die mich rasend machen und die ich jetzt wegräume!

Polyamorie ist nicht:

    wahlloses Rumvögeln
    heimliches Fremdgehen
    oberflächliches „Mir doch egal, wie du dich fühlst.“
    Gruppensex
    heimliche Fahrten in einen möglichst weit entfernten Swingerclub, damit man bloß nicht im Natursekt-Pool die Nachbarn trifft, die man nie nackt sehen wollte
    totale Bindungslosigkeit innerhalb der eigenen Beziehung (das können viele längst nur noch stupide nebeneinander herlebende Ehepaare viel besser)
    Jagd nach ständig neuen Partnern, um sein Ego aufzupolieren

Was Polyamorie ist oder sein könnte

Menschen, die Polyamorie tatsächlich leben sind also weder Freiwild, noch Schlampen, noch bindungsunfähige Allesfresser. Polyamorie ist eine Beziehungsform, die auf dauerhafte, vertrauensvolle und ja, auch offene, Beziehungen ausgelegt ist. Und zwar „einvernehmlich“, wie es immer so schön heißt. Nix da, eben hinterum heimlich fremdgehen! Polys machen es sich alles andere als leicht. Eine offene Beziehung, die auf Dauer bestehen soll, erfordert unglaublich viel Rücksichtnahme, Offenheit, Verantwortung (für sich selbst und alle Beteiligten), Wachheit, Ehrlichkeit und Mut. Das ist anstrengend. Das erfordert wahnsinnig viel Reife und Toleranz. Das ist auch nicht immer lustig. Manchmal tut es wahnsinnig weh. Manchmal ist es unfassbar intensiv und schön.

Aber es ist immer eine Beziehungsform, die genau so viel Respekt verdient wie eine monogame Ehe, eine gleichgeschlechtliche Beziehung, eine Triade oder sogar die alten Männer in Kleidern in der Lebensgemeinschaft called „Vatikan“ (obwohl ich persönlich mit den Jungs echt so meine Schwierigkeiten habe, aber: Gleiches Recht für alle!). Jede Lebensgemeinschaft verdient Respekt, ob das jetzt zwei alte Damen sind, die in freundschaftlicher Liebe zusammenleben oder zwei Pornodarsteller, die sich emotional treu sind. Jeder muss doch in diesem verdammten 21. Jahrhundert das Recht haben, Freiheit, Treue und Zuverlässigkeit für sich und seine(n) Partner selbst zu definieren und das dann auch zu leben, ohne als Schlampe, Bitch oder sonstwas beschimpft zu werden.

So! Damit hat Sookies Kettensäge mal wieder gerasselt, ich geh jetzt zum Frühstück erstmal Mittagessen und wer jetzt immer noch Frauen in Dreiecksbeziehungen als Bitch beschimpfen muss, dem kann ich nur den alten Kinderspruch „Was man sagt, ist man selber!“ mit auf den Weg geben. Wer so denkt, darf auch gerne weiter „50 Shades After Twilight“ oder so lesen, wer neugieriger und offener ist, findet meine Bücher überall im Handel, ätsch. Damit hab ich meinen Beitrag zu Aufklärung und Vielfalt erstmal wieder geleistet und leg mich erleichtert ins Heilkoma. Gute Nacht, guten Tach, ich freue mich, mal wieder polarisiert zu haben, und liebt, wen ihr wollt, wie ihr wollt, solange ihr niemand anderen zerkratzt als den moralischen Lack verknöcherter Puritaner!

Eure Sookie