Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Polyamorie-Videos: Sookies kommentiertes Pantoffelkino

Ihr Lieben! Heute gönne ich mir was und ihr müsst da jetzt mit mir durch! Ich sammle nämlich schon seit einigen Wochen auf Youtube Videos über Polyamorie und die schönsten Beutestücke will ich euch heute zeigen und – harrrr – kommentieren! Hihi!

Es kann sein, dass der Artikel etwas länger lädt, also gehen wir einfach alle noch mal Pipi machen und bringen uns auf dem Rückweg einfach eine Tasse Tee mit! Oder Klicker-Klicker-Treets. Oder die „Telebar“-Nüsskes Kollektion. Oder vegane Süßigeiten, was immer ihr präferiert und aus welchem Jahrtausend ihr kommt! 😀

Wir starten mit: Da regt mich ja die Frage schon auffff! 😀

Also! Ich hab keine Ahnung, wer die Leute sind, steht leider auch nicht dran (ich will ja immer alles ganz genau wissen), aber! Boaaaar! *augenroll* Die Frau finde ich sehr sympathisch und durchdacht und würde ihr auch wünschen, dass sie mal von der Theorie zur Praxis übergeht und tolle Dinge erlebt. Aber die Fragen, die Fraaagen! Das ist eine der ganz klassischen Fragen, die gerade polyamoren Frauen immer wieder gestellt wird.

Polyamorie: „Ist das nicht ein bisschen gierig?“

Gierig! Ich persönlich zitiere auf diese Frage oft einen Satz aus Billy Wilders Komödie „Eins, Zwei, Drei“. Die zauberhafte Scarlett McNamara säuselt da: „Otto sagt, keine Frau sollte zwei Pelzmäntel haben, solange es noch eine Frau gibt, die keinen Pelzmantel hat!“

Oddo-Darling ist nämlich Kommunist und wurde verkörpert von einem großartigen Hotte Buchholz, ja, das war mal unser Mann in Hollywood! Damals mussten wir uns für unsere Exportartikel noch nicht schämen! 😀 Aber zurück zum Thema. So. Wenn ich diesen Satz zitiere, schaut mein Gegenüber mich meistens glasig an, weil ich mal wieder zu doof bin, um die Metaebene meines Gedankens knackig rüberzubringen. Was ich meine: Männer, Partner generell, egal welchen Geschlechts, sind keine seelenlosen Pelzmäntel!

Der Gedanke, dass Menschen einfach gerecht verteilt werden könnten, ist vollkommen absurd. Da hat jemand die „Ehe für alle“ nicht richtig verstanden. Das ist keine staatlich geregelte Garantie dafür, dass jeder genau einen Partner abbekommt. Und wenn Polyfrauen (oder auch Polymänner) sich anhören können, dass sie gierig sind, weil sie mehr Partner haben wollen als andere, dann sag ich nur: Pelzmantel!

Solltest du als Polyfrau mal von einer frustrierten Singlefrau dafür angemacht werden, dass du mehr Männer hast als sie, kannst du ihr ja anbieten, dass sie gern versuchen darf, bei einem deiner Männer zu landen, mal gucken, was sie dann macht! 😀

Polyamores Bekenntnis im Strandkorb *dahinschmelz*

Ein Strandkorb, ein Strandkorb! Mein Lieblingsplatz auf der Welt! Ich gebe zu, ich bin jetzt durch einen Heimwehkoller nach meiner alten WG in Ostfriesland etwas abgelenkt, aber ich reiß mich zusammen! Als ich das Video angeklickt hab, hatte ich diese hübsche Frau mit ihrer sanften Art spontan lieb. Sie ist zwar keine orthodoxe Theoretikerin, aber sie bringt zwei Aspekte auf den Punkt, die ich ganz wichtig finde. Die Alleinzeit (dazu später mehr) und die Tatsache, dass man nicht automatisch mit mehreren Partnern Sex haben muss, um polyamor zu fühlen.

Einer lesbischen Singlefrau würde man ja auch nicht ihre sexuelle Identität absprechen, weil sie nicht auf One-Night-Stands steht und dann eben mal eine Weile keinen Sex hat. Polyamoren Menschen haftet immer noch dieses Klischee an, dass sie ja eben nur ganz viel vögeln wollen. Für die, die das wollen, ist es total toll, wenn sie können und dürfen, aber einem Gefühl abzusprechen, dass es Liebe ist, weil man diese Liebe nicht körperlich ausleben will, aus welchen Gründen auch immer, finde ich persönlich genau so bescheuert, wie Menschen dafür zu verurteilen, dass sie Sex genießen. Wer liebt, liebt. Und je mehr wir lieben, umso schöner ist das. Punkt.

Die Sache mit der Polyamorie und dem Kuchen …

Diese beiden Herren strahlen so viel niedliche Lebensfreude aus, dass man ihnen fast verzeihen möchte, wie chaotisch sie sind, aber der von mir sehr geschätzte Atman Wiska, der in der Polyamorie-Szene unermüdlich Aufklärungsarbeit leistet, um das Halbwissen der Menschheit in Bezug auf Polyamorie ein bisschen geradezurücken, würde wahrscheinlich Hörner kriegen. Warum?

Für mich als Autorin geht das schon mit der sprachlichen Ungenauigkeit los, nee, das war zu euphemistisch, was die Jungs da erzählen, ist einfach Quark. Da wird erklärt, dass es bei PolyAMORIE um Liebe geht (so weit richtig), während PolyGAMIE auf das rein Sexuelle bezogen ist. Auf den physischen Akt. Ich muss zugeben, dass ich an der Stelle schallend gelacht habe. Die Silbe „Gamos“ steht für Ehe. Also nicht Hechel-Hechel-Japs-Stöhn, sondern das genaue Gegenteil. Oder, wie Jane Eyre einst sagte (nicht im Buch, aber in einer der zahlreichen Verfilmungen): „Eher werde ich sterben, als mitanzusehen, wie unsere reine Liebe gewöhnlich wird!“

Tja. Also: „Hömma, Kollege, bevor ich keinen Ring hab, läuft hier gar nix!“ Das war eine dumme Sache für Rochester, war er doch verheiratet und hatte von Polyamorie noch nie was gehört. Und dann die Sache mit dem Kuchen. Ich bin mit diesem Vergleich nie zurecht gekommen. Der hinkt für mich völlig, weil Kuchen materiell ist. Man kann ihn messen, wiegen, kleinschneiden und wenn er aufgegessen ist, ist er alle. Aufheben kann man ihn aber auch nicht. Liebe ist aber nicht materiell, nicht messbar, man kann sie weder in zwölf gleich große Stücke schneiden, noch zwölf Personen genau die gleiche Liebe in die Hand drücken und sich dann zurücklehnen, weil ja jeder was gekriegt hat.

Was ich sehr schön finde an dem Video ist der positive Grundton und auch die Tatsache, dass das Coming-out angesprochen wird. Dazu muss ich aber noch mal eben klugscheißern. Solange der Partner nichts weiß, ist es einfach keine Polyamorie. Hier unterscheidet sich die Polyamorie ganz klar von anderen „angeborenen“ Lebensstilen. Denn Polyamorie entsteht ja erst durch Transparenz und Einvernehmlichkeit. Polyamor zu leben und dem Partner nix zu sagen, ist ein Paradoxon, das im Volksmund schlichtweg „heimliche Affäre“ genannt wird.

Le Nummer Eins c’est moi – Yeah!

Auf dieses Video bin ich erst heute zufällig in einer geschlossenen Polyamorie-Gruppe gestoßen und hatte sofort ein breites Grinsen im Gesicht. Ich finde Ina Maria Blaubeer einfach arschcool und total sympathisch. Aber natürlich muss ich ihr widersprechen und Recht geben!

Ich finde es toll für Ina, wenn es in ihren Beziehungen keine Treppchen und Hierarchien gibt, für mich waren das auch immer die Lebensphasen, in denen ich mich am allerwohlsten gefühlt habe, aber das klappt leider nicht immer. Zum Beispiel, wenn Paare, die schon ewig zusammen sind und eine lange gemeinsame Geschichte haben, sich dann für Polyamorie öffnen. Wenn man da als neuer Partner dazu kommt, kann es passieren, dass man ewig der oder die „Neue“ im Polykül bleibt. Und je nachdem, ob man das toll findet oder ob man sich in dieser Rolle irgendwie außen vor fühlt, kann da verdammt viel Redebedarf entstehen.

Oder wenn man einen Partner hat, der einfach keine Sicherheit ausstrahlt, dann kann es auch passieren, dass man sich vergewissern will, ob man die Nummer Eins ist, um irgendwie aus ihm rauszukitzeln, ob man ihm überhaupt wichtig ist. Das geht zwar meistens schief, aber der Versuch ist nur menschlich.

Ganz wild nicken muss ich bei dem Thema, dass man einfach seine eigene Nummer Eins sein muss. Das gilt ja nicht nur für Polyamorie, sondern für jede Beziehung und da sind wir auch wieder bei der oben schon angesprochenen Alleinzeit. Wenn man sich regelmäßig Alleinzeit gönnt, eigenen Interessen nachgeht und einfach Dinge tut, die einen glücklich machen, passiert nämlich auch das, was Ina Maria da so richtig anspricht. Die Zeit mit anderen bekommt eine andere Qualität. Wenn ich mit meinem Partner für den Rest meines Lebens zu zweit auf der Couch hängen muss, weil Paare das eben so machen, dann nervt es mich irgendwann schon, dass er atmet. Wenn wir uns sehen, weil wir wollen, und nicht weil wir müssen, ist es ein Fest.

Polyamorie zieht immer weitere Kreise und das ist gut so!

So, das war für heute meine kleine Polyamorie-Show und ich hoffe, es hat euch gefallen. Mir jedenfalls gefällt das ausgesprochen gut. Das Thema Polyamorie kommt immer mehr „in der Mitte der Gesellschaft“ an (wo immer die ist) und je mehr Leute darüber reden, bloggen, schreiben, diskutieren, umso besser ist das. Denn mit der Polyamorie ist es wie mit allen anderen Sachen auch: Nur, wenn wir aufgeklärt sind und Fakten kennen, können wir frei entscheiden, was wir wollen und was eben nicht.

Apropos wollen! Falls ihr jetzt meine Romane über Polyamorie lesen wollt, weise ich noch schnell auf die Preisaktion in dieser Woche hin! 😀 Die findet ihr hier.

Kennt ihr noch weitere Videos, die ihr empfehlen könnt oder habt ihr sogar selbst eins gedreht?